II ® »KI# 71 K r^i w. KM •4 ». MMU^WW MA«MPtzMW fett flüchtigen Tagen Wehrt keine Gewalt; Die Räder am Wagen Sntflieh'n nicht so bald. Wie Blitze verfliegen, So sind sie dahin; Ich will mich vergnügen, So lang' ich noch bin. Ludwig Gleim. (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von Anton v. Per fall. (Schluß.) Da ertönten Schritte, das Schloß wurde anfgesperrt, Johannes wandte ficfii um. Ein junger Mann in Berglertracht kam auf ihn zu, reichte ihm seine braune, schwielige Hand, und von der Hand strömte wirklich der Geruch aus, von dem er eben geträumt, der Geruch frischen Harzes, jungen Holzes,' der Geruch des Frühlings, der Geruch des Waldes, seines Waldes. Ferl stand vor ihni, den er seit zwei Jahren nicht mehr gesehen, strotzend in jugendlicher Kraft; und er drückte die Hand, und betastete das Gewand und sog gierig den Duft seines Waldes ein, der den ganzen Raum füllte. Unzählige Fragen drängten sich auf seine zitternden Lippen, nach dem alten Grimm, nach der Holzerhütt'n, nach dem großen Schlag mit den Brombeersträuchen, doch Ferl gab keinen Bescheid. „Pack nur z'samm', Vater, und komm' mit, nachher wirst all's selb'r seh'n. D' Rosl wart' scho und die Enk'lbuab'n." Johannes starrte sprachlos in das sonnig lachende Antlitz. „Ja, cs ist schon so, Johannes", erklärte nun ein Herr, der mit Ferl eingetreten tvär, der Arzt. „Sie find frei von heute an. Ich habe Ihnen den Erlaß der noch fehlenden Wochen erwirkt. Sie brauchen frische Luft, Bewegung". „Herr Doktor, das geht net", sagte Johannes, und fuhr sich ratlos über die Stirne. „Meine Straf' wenigstens muaß i absitz'n, und dann, dann geht's a net — nein — 's geht net. — Wia soll i meine Enkelkinder — was soll i ihna sag'n? Den ganz'n Hof thät i vergist'n. Ferl, i kann net, i darf net." „Sie müssen!" erklärte nun der Arzt in scharfem Tone. „Es giebt keine Widersetzlichkeit in diesem Hause, verstanden, Herr Attinger? Ich befehle es Ihnen! Sic folgen augenblicklich diesem Manne." Das setzte allem die Krone auf. Sein höchstes Glück, an das zu denken ihm ein Frevel schien, wurde ihm ausgezwlmgen. Als er am Arme Ferls das Gefängnis verließ, und die Straße betrat, da erfaßte ihn eine tätliche Angst, er gedachte der tobenden Menschenmenge vor dem Palais Polcntz, wie sie seinen Namen gerufen, des Schlages ui das Antlitz, der einzig wirklichen Sühne all seiner Schandthaten. Wenn ihn irgend jemand wieder erkannte, war er verloren. Man wird von neuem seine Rache an ihm kühlen, ihn verhöhnen, mit Steinen werfen! — Jedoch um keinen Preis hätte er zu Ferl darüber gesprochen. Es geschähe ihm ja recht, ganz recht. Oft glaubte er ein Gesicht zu erkennen, dann drückte er sich enger an seinen Begleiter. Aber es war eine Einbildung. Niemand wandte auch nur einen Kopf nach ihm um. Das Leben wogte wie sonst an ihm vorüber. Das Wonnegefühl der wiedererlangten Freiheit, die Frühjahrsluft, der Sonnenschein that das übrige. Während der Bahnfahrt sprach er kein Wort, als fürchte er aus einem schönen Traum zu erwachen. Rosl erwartete ihn nicht auf der Station, wie er fast gefürchtet, auch kein Wagen. Man wvllte wohl jedes Aufsehen vermeiden, er sollte gewissermaßen hineinge- schmuggelt werden in den Hof. Ganz in der Ordnung! Einen Büchsenschuß vom Stationsgebäude lag das Bergwerk. Es mußte sich noch weiter ausgedehnt haben, seiner. Erinnerung nach. Zwei riesige Schlote sandten jetzt ihren Qualm in schlanken Säulen empor, und das dumpfe Rollen der Förderwagen, das Rasseln der aufgeschütteten Kohle im Sortierhause erfüllte die Luft. Er dachte seines Hasses gegen das „Teufelswerk", das sich hier vollzog, seiner instinktiven Furcht vor ihm, als dem Symbol einer neuen, dem Bauer feindlichen Zeit, und es War ihm, als müsse er ihm Abbitte thun, dem rastlosen Ungetüm, das Tausenden von Menschen ehrliches Brot verschaffte, während er es vielen geraubt. Ter Weg führte die rauchenden Halden entlang, dann zwischen Weidengebüsch bergauf, durch einen Jungwald. ?lls Johannes zum letztenmal hier gegangen, rangen noch die jungen Pflanzen mit den Brvmbeersträuchen um ihr Leben, jetzt wölbte sich schon ein junges Dach über den schmalen Weg. Nur noch einige Schritte bis zur Höhe, dann mußte "man hinabsehen auf den Nonnenwäld. Und Ferl sprach kein Wort. Nur immer schneller 234 ging et, daß kein Nachkommen mehr war. Jetzt stand er schon oben, und blickte hinab. Dos Herz klopfte Johannes zum Zerspringen. Er mußte dicht unter der Höhe stehen bleiben. Ferl blickte zurück auf ihn, sein ganzes Antlitz leuchtete. „Kannst Di no erinnern, was i g'schwor'n hab', damals auf Dei'm Schlag, wia Du mir d' Rosl geb'n hast?" rief er zurück. „No, dann komm und schair, ob i 'hn a g'halt'n hab', mein' Schwur!" Johannes trat vor. Seine Finger krallten sich in die Schultern des jungen Mannes nebenan, sein ganzer Körper bebte, während er hinabblickte auf das Thal zu seinen Füßen. Keine Spur mehr von der furchtbaren Verwüstung, köstliches, frisches Grün, soweit das Auge reichte, in allen Schattierungen. Hier schlossen sich schon völlige Dickungen, dort standen noch die Pflanzen in Reih und Glied, während ganze Flächen, welche als Unterwuchs bei dem Hiebe völlig unbeachtet blieben, sich bereits wieder zu kräftigen Beständen herangebildet hatten. Das Bild des jungen Waldes, der sich mit neuer, nie versiegender Kraft emporrang zum Licht, und mitten darin stand die alte Holzerhütte. Ein blauer Rauch hob sich zwischen den Schindeln empor. Der alte Grimm kochte sein Mittagsmahl. An einem dürren Stamm, der frei emporragte, wie als Wahrzeichen der Vergangenheit, pochte ein Buntspecht, und von einer Buche rief der Kuckuck den Frühling aus. Johannes sank in die Kuiee, nahm den Hut vom Haupte, lehnte sich überwältigt von dem Anblick an seinen Stock mit dem mächtigen Hirschhorngriff, und weinte Helle Thränen, Thränen unsagbarer Freude, aber auch bitterer Reue, herben Vorwurfes. „Gott lohn Dir's, Ferl, Dir und Deinen Kindern, i kann's wohl nimma." Dann sprang er auf, wie von neuer Kraft durchx- drnngen, schwang seinen Stock, und eilte den Fußweg hinauf durch den jungen Wald, daß der Ferl Mühe hatte, ihm nachzukommen. Der ärgerte sich schier über das rastlose Hindurchrennen durch die sorgsamen Pflanzungen, keinen Blick warf er darauf, der Bauer. Nur nach der Holzerhütte war sein Trachten, und hundert Schritte davor, da rief er schon, daß es durch den Wald schallte: „Grimm! Wo steckst denn? Grimm! Grimm!" Und wie er herausgehumpelt kam aus der Hütte, der Grautopf, und mit der Hand sich vor der Sonne schützend, auf die Ankommenden sah, da breitete Johannes beide Arme aus, und eilte stürmisch auf ihn zu. „Mein alter, braver Grimm! Kennst mi denn no, den armen Johannes? Schimpf mi, veracht mi, aber gönn' ma a Platzl in Deiner Hütt'n." Der Grimm war arg verlegen, ivenn ihm gleich das Naß aus den Augen lies in den struppigen, grauen Bart. Er schämte sich jeden Gefühlsausdruckes. Steif wie ein Stock erduldete er die Umarmungen des stiirmischen Johannes; dann nahm er ihn an der Hand und führte ihn in die Hütte. „G'rad g'recht bist komma, Bauer, zu die Preß?- knödl, wenn Du den G'schmack d'ran net verlor'n hast in der Stadt." Und Johannes mußte Platz nehmen, und der Grimm drehte die brodelnden Preßknödel in der Pfanne, als habe sich nicht das geringste ereignet. Johannes aber drängte es hinauf in den Hof zu der Rosl und zu den Enkelbstben, die er nur vor Jahren einmal flüchtig in der Stadt gesehen. Grimm ließ ihn aber nicht fort. „Kämmer Di net, die werd'n glei' die Preßknödl in der Nas'u hab'n. Alle Dienstag san s' g'lad'n bei mir", und in dem Augenblicke ertönten schpn von draußen helle Kinderstimmen lautet Zuruf. Johannes sprang auf. Ein blauer Rock leuchtete durch das Grün, und darum herum schlüpften und sprangen zwei Jungen; es war die Rosl und die Buben! Er trat hinaus, ging durch die junge Pflanzung dicht vor der Hütte, ihnen entgegen. Der eine Junge, der ältere offenbar, blieb erschreckt stehen, den sonderbaren Alten anstarrend, während der andere zur Mutter floh. Die blieb selbst einen Augenblick wie angewurzelt stehen; dann aber eilte sie auf den Alten zu, und fiel ihm um den Hals. Keine Frage, kein leiser Vorwurf in Blick oder Wort, nur treue Liebe und Hingebung. „Der Großvater! Kinder, der Großvater! Hannes! Franzl! Kommt's do her, und gebt's a schöne Hand!" Und Johannes kniete nieder auf seinen Boden, und zog die Enkelbuben an sich, und herzte und küßte sie, den Hannes^ mit den blonden Locken, und seinen eigenen, harten Zügen, den richtigen Bauer vom Wald, und bett schwarzen Franzl mit den Schelmenaugen. Und ringsum stieg ein Duft auf, als hauche der ganze Wald selbst ein Willkommen seinem alten Herrn. „Herrgott Taxen! T? Preßknödl werd'n ja scho' stoan- hart", rief der Grimm, und die Buben entrissen sich den Liebkosungen. des Alten, und liefen der Hütte zu. Die Sonne war fchpn hinter den Hügeln verschwunden, als Johannes, umgeben von seinen Lieben, zu dem Hof hinaufstieg. Er zögerte einen Augenblick, ehe er die Schwelle betrat. Von neuem wälzte sich die Last seiner Schuld auf seine Seele. Wie kam er noch zu solchem Glück? Wie konnte er es wagen, die Hand danach auszustrecken? Rosl ahnte seine schweren Gedanken. „Schau, Vater", sagte sie, die Arme um seinen gebeugten Nacken legend, „um die Stund' hab' i die Muttergottes bitt' für und für." Das klang wie eine Himmelsbotschaft! Willig folgte er dem sanften Truck des Armes auf feiner Schütter und betrat das Hans feiner Väter. Fünf Jahre später. Ein Augusttag. Johannes saß in einem Rollstuhl vor der Holzerhütte. Ein Schlaganfall hatte ihn vor drei Jahren völlig gelähmt. Franzl, der Enkel, fuhr ihn wie gewöhnlich nach dem Essen in den Wald spazieren, so weit es die spärlichen Wege erlaubten. Da nickte er dann ein und hielt sein Mittagsschläfchen. Heute war dringende Arbeit. Der Bergbach war ausgetreten gestern nacht, von einem Gewitter geschwellt, und bedrohte die Pflanzungen. Johannes ließ sich von Franzl in den Schatten einer jungen Buche fahren, dann befahl er ihm, zur Arbeit zurückzukehren. Die Hitze war groß. Johannes fielen bald die Augen zu, bald öffnete er sie wieder weit, und blickte hinaus in das flimmernde Sonnenlicht. Die Mücken tanzten, die Bienen summten. Zwei Rehe jagten durch die Stauden. Der Wald lag int Mittagsschlummer. Diese sanfte Ruhe steckte auch Johannes an, und bald träumte er mit ihm um die Wette. Es war ihm, als wäre er selbst ein Baum, mit starren, festen Wurzeln, die sich nicht rühren können, an seinen Platz gefesselt, und die heiße Sonne dränge itt fein Blut, und bringe den Lebenssaft in stürmische Bewegung, immer weiter hinauf in den Wipfel, der bis in die weiße Wolke ragte; dann wieder herunter wie ein Wasserfall. Ein schweres Gewitter zog darüber hinweg, Donner rollten, Blitze zuckten, grelle, schauerliche Blitze, einer fuhr ihm mitten in das Mark, dumpf ächzte er auf. Tann kam der Winter, der eisige Winter. Enoloses Ge- flock senkte sich herab, schwer und dicht legte es sich um den erstarrten Leib, immer dichter, immer schwerer; der Lebenssaft erstarrte, die Nacht sank herab, die Winternacht. Die Arbeit war mühsam im Bachbette. Der Franzl vergaß darüber ganz den Großvater. Erst ein herauf-- ziehendes Gewitter, das sich grollend anmsldete, erinnerte ihn daran. Rasch lief er zur Buche. Der Großvater schlief fest, fein Haupt war tief auf die Brust gesunken, das lange, weiße Haar verhüllte es ganz. „Großvater!" rief Franzl. „A Wetter kommt! Großvater!" - S8S - ,M, tatz 'n Wasim", dachts sich dex FrmG, und fegte langsam den Lehnstuhl in Bewegung. Da neigte sichj das Haupt auf die Seite, gerade noch zur rechten Zeit fing Franzt den.Körper auf. Er hielt eine Leiche im Arme. Erst lähmte der Schreck seine Stimme, dann rief er nach Grimm, nach dem Vater, dem Bruder. Es war nicht anders. Johannes Attinger war verschieden. Der alte Grimm drückte ihm die Augen zu; dann fuhr man den Toten in die Holzerhütte. In diesem Augenblicke brach das Gewitter los. Ein rauschender Regen ergoß sich über den lechzenden Wald. Unter der Thüre der Holzerhütte, das wachsfahle Antlitz gegen die Ferne gerichtet, saß der Bauer vom Wald, und träumte blitzumleuchtet seinen Traum zu Ende. Kleine Sünden. Eine Bitte an alle, die es angeht. Von F. Clemens. (Nachdruck verboten.) Wenn der liebe Frühling aus die Erde herabsteigt, luenn die Blumen ihre Köpfe hervorstecken, die Schmetterlinge fliegen und die Käfer schwirren, so erwacht in unserer Jugend mit größerer oder geringerer Stärke der Sammel- trieb. Selten in den Mädchen, aber unter den Knaben giebt es wohl keinen, der nicht zu irgend einer Zeit einmal etwas gesammelt hätte. Briefmarken, Stempel, Siegel, Ansichtskarten, Schmetterlinge, Käfer, Raupen, Steine, Pflanzen und was sonst noch in die Kategorie der Sammelgegenstände gehören mag. An die Eltern und Erzieher tritt nun die Frage heran: Soll man diesen Sammeltrieb der Jugend fördern oder unterdrücken? Ein alter und erfahrener Pädagog, den ich kannte, ermunterte seine Schüler immer wieder von neuem zur Anlegung von Sammlungen. „Und wenn Ihr Zipfelmützen sammelt, sammelt nur etwas", pflegte er zu sagen, weil er der Meinung war, das Sammeln rege den Geist an und erwecke das Interesse. Mir erscheint allerdings die Ansicht dieses wackeren Schulmanns nur teilweise richtig. Das Sammeln nimmt besonders während der ersten Wut den ganzen Sinn der jungen Sammler gefangen und lenkt ihre Aufmerksamkeit vom Unterricht und ernsteren Studien ab. In der Regel dauert ja das Sammel» fieber nicht lange, und darin liegt auch wieder eine Gefahr. Man soll nicht jeder Neigung der .Kinder entgegenkommen, hat man ihnen aber einmal die Erlaubnis zu irgend einem Studium oder einer Beschäftigung gegeben, so soll man streng darauf halten, daß sie dieselbe auch, selbst gegen ihren Willen, fortsetzen oder zu Ende führen. Wer sich angewöhnt hat, jede aufkeimende Neigung sofort zu befriedigen, die kaum begonnene Beschäftigung aber nach Erlöschen des ersten Interesses zu Gunsten eines anderen wieder beiseite zu werfen, der wird nie ein selbständiger, energischer Charakter werden. Tie meisten Eltern und Erzieher kümmern sich um die Sammlungen ihrer Kinder überhaupt nicht. Tas iffc schon aus dem oben angegebenen Grunde ein Fehler, die Unterlassung kann aber noch schlimmere Wirkungen nach sich ziehen, wenn es sich um Sammlungen von Pflanzen oder lebenden Tieren, wie Käfer, Schmetterlinge usw. handelt. Tie Knaben betreiben vielfach ihr Geschäft mit wahrem Vandalismus, sie wüten unter den Blumen und Pflanzen, schonen weder Anlagen noch! Gärten, und bemächtigen sich aller Schmetterlinge und Käfer ohne Rücksicht auf ihr wirkliches Bedürfnis. Dazu kommt noch, daß sie — teils aus Unkenntnis, teils aus jugendlicher Rücksichtslosigkeit — in Bezug auf das bei der Tötung zu beobachtende Verfahren nicht sehr wählerisch sind und dadurch ihre unglücklichen Opfer quälen und martern. Ja, oftmals vergessen sie, von anderen Spielen äbgelenkt, ihre Gefangenen ganz und lassen die armen Tiere in ihren Büchsen elend zu Grunde gehen. In manchen Fällen spießen sie die Schmetterlinge wohl auch lebend auf Nadeln, fangen Raupen und füttern sie nicht usw. Sowohl um der Keinen Sammler selbst als ihrer Opfer willen, bedürfen daher die Naturaliensamm- lungen unserer Jugend einer sorgfältigen und strengen Aufsicht der Erzieher, ja, sie sollten nur unter Leitung derselben angelegt werden. Die Lehver und Eltern sollen die Knaben über ihr Verhalten gegen die Tiere belehren, ihnen die beste und schmerzloseste Methode der Tötung zeigen, darauf halten, daß nur das wirklich Brauchbare gesammelt und das Ueberflüsfige geschont wird, und unverzüglich die Erlaubnis zum Sammeln zurückziehen, wenn dem Sammler der rechte Ernst fehlt oder er seine Opfer gar quält und vernachlässigt. Wir haben uns seltsamerweise anqewöhnt, diejenigen Menschen Naturfreunde zu nennen, welche in der Natur am schonungslosesten wüten; richtiger wäre es, sie Naturfeinde zu taufen, und solche Natur- feinde wollen wir aus unseren Kindern doch nicht erziehen. Ter Jugend muß Achtung vor der Natur anerzogen werden. Tie Duldung vor allem von Tierquälereien beeinflußt das Gemüt des Kindes in ungünstigster Weise, das Mitleid schwindet, der Charakter verroht, das Kind wird gleichgiltig gegen edlere und bessere Gefühle! Ein anderer Punkt, in dem von Kindern sowohl als Erwachsenen himmelschreiendwesündigt wird, ist das Halten von Vögeln. Wir sind der Meinung, daß man die armen Tiere überhaupt nicht ihrer Freiheit berauben sollte, wenn man es aber doch einmal thut, so sorge man wenigstens dafür, daß sie im Käfig die notwendigsten Lebensbeding- ungen erfüllt sehen. Die meisten Vogelliebhaber glauben genug gethan zu haben, wenn sie dem gekauften oder gefangenen Vogel in den ersten besten Käsig sperren, ihm Wasser und irgend ein Futter hinsetzen und ihn an die Wand'oder ans Fenster hängen. Da heißt es dann: ^rrß Vogel oder stirb! Nichts kann gewissenloser sem als dies Verfahren. Jeder Vogel stellt an die Pflege seine eigenen bestimmten Ansprüche, nicht jedes Bauer ist für ihn geeignet. Vor allen Dingen muß das Bauer geräumig sein damit der Vogel soviel Bewegungsfreiheit als nur möglich besitzt. Die kleinen Käfige, die man auf dem Thüringer Walde so häufig sieht, sind ebenso wie die beliebten Glockenbauer, in denen der Vogel infolge ihrer Enge am Springen be- hindert ist, ganz zu verwerfen. Ein sogenannter Dunkelkäfig gar stellt für die armen Sänger eine grausame Folter- kammer vor. Am besten nehme man für Kanarienvögel, Stieglitze, Zeisige, Finken, Hänflinge und andere kleine Körnerftesser länglich viereckige Käfige von wenigstens 30 Ctm. Länge, 20 Ctm. Breite und 20—30 Ctm. Höhe, für Rotkehlchen, Amseln und Drosseln solche von etwa 60 Ctm. Länge, 30 Ctm. Breite und 40 Ctm. Höhe. Tie für Rotkehlchen, Amseln und ähnliche Vögel bestimmten Käsige überziehe man aber mit grünem oder andersfarbigem Zeug, damit die Vögel keinen freien Raum über sich erblicken. Tie Sprunghölzer wähle man nicht zu dünn; da der Vogel sonst leicht Fußftampf bekommt, man gebe ihm auch nicht zu viel, um ihm das Springen nicht zu erschweren. Den Boden des Bauers bedeckt man mit einer dicken Lage Flußsand und versäume nicht, dem Vogel bei jeder Reinigung ein wenig Salz und Kalk (oder Sepiaschale) zu verabreichen, da diese Stoffe ihm zur Blut- und Knochenbildung notwendig sind. Die Reinigung des Käfigs ist möglichst ost vorzunehmen, der letztere selbst an einen Hellen Platz zu stellen, wo der Heine Gefangene weder vom Zug noch von der grellen Sonne belästigt wird. Nächst den Vögeln leiden am meisten unter unserer Sorglosigkeit und Unwissenheit die Fische, besonders die zierlichen Goldfische. Wer sich die Mühe giebt, es zu beachten, kann besonders im Sommer in den Wohnstuben- fenstern Gold- und ändere Fische in allen möglichen Stadien denkbarster Qual und Verzweiflung erblicken. Da schwimmt manchmal ein Goldfisch trübselig in einer Sauce, die nut Wasser keine entfernte Aehnlichkeit mehr, dafür aber desto mehr Verwandtschaft mit schmutziger Milch oder Kloßbrühe besitzt, umgeben von einem förmlichen Archipel von auf- qequolleuen Ameiseneiern und Semmelkrumen, so reich an Zahl, daß ein Dutzend seiner Sippe einen vollen Monat davon zu leben vermöchte. In einem anderen Fenster wieder bemerken wir einen mühsam atmenden, zwerghaften Weißfisch in einer Bierflasche oder gar ein ganzes Dutzend Schmerle, Ellritze und Weißfische in unbehaglichster Gemeinschaft in einem ganz kleinen Einmachealas. Natürlich ist der Tod aller dieser gequälten Geschöpfchen nur eine Frage der Zeit, und zwar meist einer recht kurzen; meist sterben sie auch unbeweint und unbetrauert, und ihr Eigner nimmt die Katastrophe alS ein nicht abzuwendendes Schicksalsereignis gleichgiltig hin, ohne sich dessen im geringsten bewußt zu werden, daß er selber ein Leben recht leichtsinnig und gewissenlos zu Grunde gerichtet hat. Nicht in allen diesen Fällen ist man jedoch berechtigt, von Vernachlässigung zu sprechen — im Gegenteil, man giebt sich oft mit den kleinen Gesellen recht viele, ja zu viele Mühe und stört und quält sie über Gebühr. Unkenntnis trägt häufig allein die Schuld; daher sei hier für die Eigen-» Hinter von Gold- und anderen Fischen bemerkt, daß man, wenn man kein Aquarium besitzt, für einen Fisch, gleichviel welcher Art, mindestens eine entsprechend geräumige Fischglocke erwerben und bei Mangel an Wasserpflanzen, die das Wasser frisch erhalten, für gehörige Erneuerung des Wassers sorgen, auch die anspruchslosetr Tierchen zur Vermeidung der Verunreinigung des Wassers nur mit soviel Futter versehen muß, als sie täglich> aufzehren. Hält man mehrere Fische, so ist das Gefäß entfprechend groß zu nehmen, da man auf jeden Fisch wenigstens ein paar Liter Wasser rechnen muß,. Eins der beliebtesten Haustiere aus der Klasse der Amphibien ist der Laubfrosch, der Wetterprophet des Landmanns trotz unseren meteorologischen Stationen und Wetterwarten. Der harmlose Grünrock verfällt leicht dem Besitz des Menschen, da er besonders nach stattgehabten Nieder-, schlägen sich bemerklich macht und mühelos gefangen wird. Aber zu welch grauenvollem Dasein verdammt ihn zumeist der unerfahrene Erbeuter! Ein kleines Glas, das halb mit Wasser gefüllt und mit einem LeiterchKn versehen ist, nimmt ihn auf, obwohl der grünfrackige Quaker gar nicht zu den Wassertieren zählt, sondern auf Bäumen in der Nähe von Gewässern lebt. Nur seiner vorzüglichen Konstitution hat er es zu danken, wenn er trotzdem die Schrecken der Gefangenschaft oft lange Zeit ohne Nachteil erträgt. In einem von Brehm erwähnten Falle befand sich ein Laubfrosch 22 Jahre in Gefangenschaft, und auch dann kam er nur durch Zufall ums Leben. Kälte und Wärme übersteht er gleich gut und auch hinsichtlich des Futters ist er leicht zu befriedigen. Alle Arten Insekten, sofern er sie nur bewältigen kann, nimmt er dankbar an; hat man nichts anderes zur Verfügung, so giebt man Fliegen und Mehlwürmer, aber alles nur in lebendem Zustande. Der kleine Gefangene wird in kurzer Zeit zahm, oft in außerordentlichem Grade, sodaß er die Speise aus der Hand nimmt und aus seinem Glase nach Belieben herausspaziert oder dahin zurückkehrt. Doch wie seinen Aufenthalt mangels eines richtigen Aquariums oder Terrariums am besten gestalten ? Man nimmt ein größeres Glas (am besten ein nicht zu niedriges, weites Fischglas), bringt in dessen Mitte ein anderes kleineres Glas- ober Steingutgefäß von der Größe, daß das Tier sich darin leicht bewegen kann, füllt dieses mit Wasser und stopft dann den verbleibenden freien Raum rundum mit Erde aus, die man mit zeitweise anzufeuchtendem und zu erneuerndem Moos bedeckt. Die Moosdecke muß den Wasserspiegel um ein weniges überragen. In das Moos stecke man ein paar kleine Aeste ober Zweige, stark und verästelt genug, baß bet Frosch baran emporklettern kann, auch möglichst haltbar befestigt. Im Frühling unb Sommer wählt man hierzu belaubte Zweige, bie man immer toieber erneuert, um dem Tierchen sein Gefangenleben so traulich wie möglich zu gestalten. Das kleine, mit Wasser gefüllte Glas muß öfters gereinigt und das Wasser erneuert werden. Die Oberfläche des Wassers kann man mit Wasserlinsen bedecken. Den ganzen Behälter verschließt man mit einem Teckel von gewöhnlicher Gaze oder Drahtgaze, in der Mitte macht man ein Loch, um Fliegen oder Würmer einführen zu können, das man mit einem kleinen Papierpfropfen verschließt. Tote Insekten ober kleine Fleischstückchen müssen an einem Hölzchen hin unb her bewegt werben. Mso ber oberste Grnnbsatz bleibt: lasset beit Tieren ihre Freiheit! Müssen sie schon als schäblich vertilgt wer-^ bett, so mögen das die dazu berufenen Personen ausführen/ Kinder find vor allem nicht zu einem solchen Schlächteramt berufen. Hält man aber einmal Tiere (Vögel, Frösche, Fische ober sonst etwas), so erforsche man sorgfältig ihre Lebensbebiugungen unb bemühe sich bann, ihnen die Gefangenschaft so erträglich als möglich zu machen. Stets erinnere man sich, daß sie gefangen sind unb sich nicht selber versorgen können, daß wir also für sie verantwortlich sind unb ihre Versorgung stets unserer eigenen vorauK- gehen muß. ■ Gemeinnütziger. Die g eignetste Stärkung für den Freund körperlichen Sports wird immer diejenige sein, die zugleich die Lebensgeister hebt und die Nerven beruhigt, also den Körper mit Wohlbehagen erfüllt, ohne aufregende und betäubende Einflüsse auf das Gehirn auszuüben. Welch' angenehme Empfindung hat derjenige, der nach tüchtigem Reiten, Radeln, Rudern, Bergsteigen, Wandern, Schwimmen, Turnen u. s. w. eine Tasse Bouillon aus Liebigs Fleischextrakt zu sich nimmt! Selbst in der einfachsten Zubereitung (in heißem Wasser aufgelöst, noch einmal durchgekocht, genügend gesalzen) mundet solcher Trank köstlich. Kann gar noch ein Ei, ober ein wenig Butter, ober etwas Weißbrot in Bröckchen hinzugefügt werben, so ergiebt bas eine beliziöse Labung für den Ermüdeten, unschädlich und fräfHgenb zugleich Selbst schon etwas Fleischextrakt auf ein Bvot- fchnittchen gestrichen haben Afrikaforscher als Stärkung nach harten Wegemühen angewandt unb sehr gerühmt. Nutzen und Schaden des Aufhöhens der Spargelbeete. Wer weiße, lange Spargelpfeifen ernten will, muß seine Spargelbeete jetzt aufhöhen. Biele machen dies Aufhöhen recht gedankenlos. Sie wissen nicht, daß sie durch falsches Aufhöhen die Ernte um 8 Tage und mehr verzögern können, ja, daß falsches Aufhöhen reichen Ertrag oft in Frage stellt. Das Aufhöhen der Spargelbeete ist nur ein notwendiges Hebel — weil es dies, ist, muß es so für den Spargal gemacht werden, daß es diesen am wenigsten hemmt. Die Spargelbeete dürfen deshalb nicht zu früh aufgehöht werden, es darf aber auch nicht zu viel Erde auf bie Spargelbeete kommen, und diese muß wieder rechtzeitig herunter. In Nr. 3 des „Erfurter Führers im Gartenbau" ist ber Nutzen und Schaben, den das Aufhöhen bringt, genau durchgesprochen unb gleichzeitig angegeben, wie man junge Anlagen behanbeln soll, und wie hoch die älteren Beete aufgehöht werden bürfen. Nr. 3 steht unseren Lesern kostenlos zur Verfügung, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden. £itterarifd?es» k.Wurenlieder" von Rudolf Bunge. Dem tapferen Heldenvülke und seinem würdigen Staatspräsidenten gewidmet. E. Piersons Verlag, Dresden und Leipzig. Ladenpreis elegant broschiert Mk. 1.—, wovon 25 Pfennige für jedes verkaufte Exemplar dem Fond für die Hinterlassenen der gefallenen Buren zufließen. Der durch seine früheren lyrischen und epischen Dichtungen in den weitesten Kreisen bekannte und beliebte Librettist des „Trompeter von Säkkingen" veröffentlicht hier zu Gunsten des tapferen Burenvolkes nahe an fünfzig geharnischte Zcitgedichte, von denen eine Anzahl bereits in vielen größeren deutschen und deutsch-amerikanischen Zeitungen seit Jabres- frist diesseits unb jenseits des großen Wassers bis in die fernsten Thäler Indianas und der Misstssippi- und Missourigegenden Verbreitung und durch die Begeisterung, mit welcher sie der Burensache hochpoetischen Ausdruck verliehen, allgemeinsten^ Beifall fanden. Viele derselben find von so drastischer Wirkung, daß sie sich auch zu öffentlichen Vorträgen, namentlich in burenfreundlichen Kreisen, eignen, sodaß dieses Buch in keinem Hause fehlen sollte, wo deutsche Herzen für unser heldenmütiges stammverwandte« Volk schlagen und den fluchwürdigsten Raubkrieg, den das habgierige England je geführt hat, mit gerechter Entrüstung verurteilen. Geheimschrift. Nachdruck verboten. Timlestasnemegerbend Begitnamschievielnepi Nikemschenliwltesawrewend Nieejredliwltesawnesi. Vorstehende Buchstabenreihen sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Umstellung der einzelnen Buchstaben zu Silben umwandeln lassen derart, daß diese Silben dann im Zusammenhang gelesen einen Einn- spruch von Goethe ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Kreuzätsels in voriger Nummer: La bau n ' --Laban, Made, Lama, Lade, Bande. Ma de Redsrti-n: «. Burkhardt. — Druck und »erlag der »rShk'fchm ÜrriserKtStr-Buch. med Bteindruckerei (Pietsch trlt«) in »ich«.