MW ^WM^M WW^W nfK « WL in rechter Mann hat zwei Gesichter, die er hält, “51® Das eine auf sein Haus, das and're auf die Welt; 7** Das freundliche Gesicht, das wendet er in's Hans, Das ernste aber kehrt er in die Welt hinaus. Friedr. Rückert. (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle Von An ton v. Per fall. : (Fortsetzung.) „Wahret eure Wälder!" las er. Ms war's! Seine knorrigen Finger rückten langsam den Zeilen nach. „Es kann nicht mehr länger verschwiegen werden, daß unserem Wald die höchste Gefahr droht. Der Nonnenfraß in den Forsten in der Nähe der Hauptstadt nimmt erschreckende Dimensionen an. Bereits sind mindestens 10 000 Tagwerk völlig kahl gefressen, und die völlig ent- nadelten, der sicheren Vernichtung preisgegebenen Bäume bieten ein trostloses Bild der Zerstörung. Und noch stehen wir erst am Anfang dieser furchtbaren Waldkatastrophe. Die Raupe fängt bereits an, sich zu verpuppen, und es ist zu fürchten, daß wenn im August der Ausflug der Schmetterlinge beginnt, die nahrungsuchenden Schwärme weiteres Unheil anrichten. Man hat schpn mit Fällung kahlgesresseuer Flächen begonnen, und es werden nächstens weitere Verordnungen zur Verhütung der allgemeinen Gefahr veröffentlicht werden, obwohl man, offen gesagt, der Gefahr völlig rat- und hilflos gegenübersteht, welche besonders für Privatwaldbesitzungen eine drohende ist. Nur wer das Bild der Verwüstung mit eigenen Augen gesehen hat, wie der Schreiber dieser Zeilen, kann sich, einen Begriff davon machen. Darum hütet eure Wälder." Johannes stand! der Schweiß auf der Stirne, als er mit vieler Mühe die Zeilen entziffert hatte, immer von neuem fing er au. Ja, war denn das möglich? Ein ganzer Wald kahl- gekresfen, vernichtet von so einem Wurm? Zehntausend Tagwerk! Ja, wie weit is's denn hin in d’ Hauptstadt? Bei llarem Wetter sieht man die Kirchtürm. Und wenn ihm d' Flügel wachs’n im August — heiliger Gott! Wenn so ein Schwarm den Weg herausfind’t, das wär' ja g’rad ein Frühstück, sein bißl Wald! Und fei’ Rat, fei’ Hilf! Die Herr'n, die sonst all's wiss’n, das Gras wachs'n hör'n — fei’ Rat und fei’ Hilf! Was soll denn nachher er mach’n, ein unwissender Bauer? Der Kopf brannte ihm, er eilte hinaus in das Freie. In ernster Ruhe lag dar schwarze Wald, darüber die ewigen Sterne. Ein furchtbares Weh packte ihn, ein Grapen vor dunkelwaltenden Mächten, vor ihr selbst, der unerbittlichen Natur, die ihn in schweigender Größe umgab. „Mein lieb’r Herrgott, nur das net, g’rad mein’ Wald nimm mir nit!" Tann raffte er sich wieder auf. „A was! Wer wird denn glei’ so kleinmüti’ sein. Sv an Schmetterling wird net Herr werd’n! Und wenn man glei’ jeden einzeln fanga müaßt — wenn’s mi a Vermög’n kost! Jetzt zeig's, Bauer vom Wald, daß d' dein Nam' net umsonst führst, daß dein' Wald so liav hast, wia dein eigenes Kind." Noch einmal warf er einen zärtlichen Blick über die dunklen Höhen, dann ging er hastigen Schrittes, seinen Stock wie ein Schwert schwingend, in das Haus. . 2. Des Bauern erster Gang des andern Tages, ehe jemand wach war im Hofe, war nach, der Hvlzerhütte. Er hatte den Alten gestern etwas zu hart angelassen, das wollte er wieder gut machen, und dann konnte man ja bei der Gelegenheit auch über die seltsame Geschichte mit der Raupe reden. Johannes traf den Holzer allein, der Ferl war fort. „Er soll Dir net länger in d’ Weg umgeh’n", meinte der Alte; „auf d' Nacht no hab' i ihn fortg'schickt." Vergebens erklärte der Bauer, er habe es nicht so schlimm gemeint, „g’rad in d'r erst’n Hitz' sägt ma' allerhand." Der Holzer zuckte die Achseln und meinte: „A jungs Blut wie der Ferl find’t überall sein Brot." Als dann der Johannes herausrückte mit seinem Anliegen, von der drohenden Gefahr erzählte, da glaubte er eher eine schlecht verhehlte Schadenfreude in dem Gesicht des Alten zu bemerken als Teilnahme. Grimm wußte längst von der Sache. Er hatte sogar, wie sich, ergab, seinen Sohn in die von der Nonne befallenen Distrikte zur Arbeit geschickt. „Was soll i denn da sagen?" meinte er auf die Vorwürfe des Bauern über sein Schweigen. „Wenn die g’scheiten Herrn in der Stadt nix dageg'n mach’n könna, kannst's do net von der Schnaklhax verlang«. Was schad’t’s a, wenn ’s käm? Hast ja lauter ausg’wachs’nes Holz, laut’r bar's Geld. Der Matthes thät grab lach’n, und die Bäurin a, und z’letzt du selb'r. Du glaubst’s nit, Was so a Hanf'n blank's Geld all’s vermag." Das war bent Johannes zu viel. Hier hatte er sich noch am ehesten Trost versprochen. Der Mensch hatte sich, bitter gerächt! Am liebsten hätte er ihn seinem Sohne nachgeschickt, aber er wagte es nicht. Daun war er ganz verlassen, er unb sein Wald. Wenn es drauf und dran kommt, stellte der Alte doch feinen Mann. 174 Von dem Hofe her kam ihm Matthes entgegen, pfeifend, die Hände in den Hosentaschen. „No, fern s' schon da, die Nonnen?" fragte er lachend. Als er aber das ernste Gesicht des Vaters sah, da tröstete er ihn. „Geh, was hast denn, laß do komma. I hab' mit die Herrn gestern schon g'redt. Reiß'n werd'n ft’ sich um uns'r Holz, das Bergwerk und die Fabrik!" Aus diesem Munde wunderte Johannes die Rede längst nicht mehr, nicht einmal zum Zorn hatte er in diesem Augenblicke die Kraft. Ohne Antwort ließ er ihn stehen. „No, was hast denn ausg'richt, gestern?" fragte die Bäuerin. ,,D' Rosl ist ja ganz verwvant hamkomma. Bist wied'r recht g'waltthäti' g'wes'n. Ja, damit macht ma's net!" SBeiite 9InthJ>0Tt. „Hast as schon g'hört vom' Matthes — die Nonna- g’schicht? No, mein Gott, ma’ müaßt's halt a derleid'n." Es entging ihm nicht, auch in diesem Gesichte leuchtete eine geheime Freude auf. Das war es ja, diese Lieblosigkeit um ihn herum, dieses Nichtverstehen und Andersdenken, was ihn so ganz auf seinen Wald verwies, als den einzigen Freuno, der ihm die Treue hielt. Rosl floh vor ihm. Zweimal sah er schon ihr rotes Röckerl aufblitzen hinter einer Thür. Im Stall stellte er sie endlich. Sie füllte die Barren mit frisch gemähtem Gras. Er wollte wenigstens wissen, wie es mit ihr stand, seiner einzigen Hoffnung. „Sag' amal, Rosl", begann er in möglichst mildem Tone, seine Hand auf die Schulter des Mädchens legend, „was käm Dir härt'r an, auf amal von ®eint Ferl nix mehr fei)’n oder von unserm Wald, kein Stamm, fei’ Staud’n, g'rad a leer's Feld, auf dem 's Unkraut wachst?" Tas Mädchen horchte erst erstaunt, die Frage war zu sonderbar. „Aber das is ja gar net zum ausdenk’n, Vater", rief sie' dann. „Nix mehr seh'n von unserm ganz'n Wald? Tas wär' ja ganz was Furchtbar's, kein Stamm, keine Staud’n?" „No, i sag’ nur,, werm's zum ausdenk’n wär’, und ’s is zum ausdenk’n. Also — wenn's gelt'n thät, entweder, oder — ganz offen g'redt!" „O, ntei’ Vater, wia kannst Du nur so frag'u? Tas giebt's ja net Das wär' ja was Furchtbares." Ter Rosl wurde bang vor dem drängenden Blick des Vaters. „Net wahr, das begreifst, daß das was Furchtbares wär'. A Wald, der zweihundert Jahr zum Wachf'n braucht, weg mit an Hui. Also, wenn D' wähl'n müaßt, den Ferl oder den Wald, wen thatst opfern? Red, net lüag"v!" Da warf sie sich weinend an die Brust des Bauern. „Den Wald! Alle Wälder der ganzen Welt!" kam es schluchzend heraus. „I kann's net anders sag'n, wenn Du mi dazua zwingst." Johannes sprach kein Wort, er atmete nur schwer auf und drückte den Blondkopf an sich!. „Jetzt weiß i's. I dank Dir schön. Ehrli bist wenigstens." „ , Alle Versuche des Mädchens, ihren Ausspruchs ihm zuliebe abzuschwächen, waren fruchtlos. „Laß! Laß! Rosl, i bin Dir net gram d'rüber. G'rad wiss'n hab' i woll'n, ob i wirkli' ganz allein steh' — jetzt weiß i's." Er verließ den Stall. Von diesem Tage an litt er unsäglich, Er sah in jeder Miene ein ungeduldiges Erwarten, er deutete jedeS Wort in diesem Sinne. Matthes erschien ihm heiterer wie je, und wenn er von seinen abendlichen Ausflügen zurückkehrte, forschte er in seinem Angesicht nach irgend einer entsetzlichen Nachricht. Die Berichte in den Zeitungen verstummten, das machte die Sache nur noch unheimlicher, drohender. Täglich durchpürschte er den Wald, untersuchte er jeden Stamm, doch nichts Verdächtiges ließ sich sehen. Eines Tages brachte Matthes in einer Schachtel einen dieser gefürchteten Schmetterlinge, eine lebendige Nonne. Sie war auf dem Wagen eines Güterzuges, der aus der Richtung der Hauptstadt kam, gefunden worden. Ein furchtbarer Bote! Johannes betrachtete ihn mit einem Gemisch von Haß und Ehrfurcht. Eine dämonische NatutHewa.lt Serkörperte sich für ihn in diesem unscheinbaren Tier. Das fraß ganze Wälder aus! Der reinste Hohn auf alles menschliche Wollen und Streben. Die schwarzen Zickzacklinien auf den weißen Flügeln nahmen sich! ans wie eine Zgubexschxift. Er konnte sich nicht satt sehen daran, nicht genug den sammteuen Körper befühlen. Er setzte das Tier unter ein Glas in seinem Zimmer. Als den nächsten Tag sein erster Blick auf den Heuten Dämon fiel, da bemerkte er auf dem weißen Papier, das zur Unterlage diente, eine Fülle kleiner gelber Punkte, zu zarten Schnüren gereiht, toeMje aus dem Körper der Nonne drangen. Es waren die Eier, der unglückschwangere Keim für das nächste Frühjahr. Mit einem Zündhölzchen trennte er sw, versuchte ste zu zählen. Er kam auf hundert — zweihundert — die Augen versagten ihm den Dienst darüber, es waren wohl tausend, und aus jedem kroch! int nächsten Frühjahr ein Räupchen. r., , . _ Sein Gehirn schmerzte ihn, wenn er such Die Zahlen dachte, die sich da ergeben müßten, und er begann Die furchtbare Möglichkeit zu begreifen, daß ein ganzer Wald von ihnen verzehrt werden konnte. Noch etwas sagte ihm der Schmetterling: der Ausflug hatte begonnen! Jeden Augenblick konnte ein Ueber- fall dieses grauenhaften Heedes geschahen. Von da ab schlief er nicht mehr. In der Nacht brannten int Walde riesige Feuer, deren Rauch die Tiere abhalten sollte. Das einzige Schutzmittel, welches die Forstbehörde anzugeben wußte; und Johannes hielt die Wacht. Die Holzerhütte war jetzt sein Nachtquartier. Um alles hätte er jetzt den Ferl da haben mögen, abgesehen von seiner Arbeitskraft. Es war ihm in der fatalistischen Denkweise, welche allen Landleuten eigen, als ob in seiner Billigung der Liebe von Ferl und Rosl gewissermaßen ein Opfer liegen könne an die Schicksalsmächte, damit sie seinen Wald verschonten. Doch Ferl kam nicht, und der alte Grtmm schrieb ihm nicht. Der August kam. Johannes atmete leichter. Die Hauptgefahr war wohl vorüber, den Berichten nach«, wenigstens für dieses Jahr, und wer weiß, was dazwischen bis zum Frühjahr geschah. Die Natur hilft sich selbst am besten. Dann war an ihm das Triumphieren, dann wird er ihn doppelt heilig halten den Wald, als ob er ihn von neuem zum Geschenk erhalten hätte von seinem Herrgott. Nichts macht weicher, als die Erlösung von bangem Druck. Johannes hatte jetzt das Bedürfnis nach fetteren Gesichtern um sich herum, nach Versöhnung mit seinem Weibe, mit seinem Sohne. Er hatte es zu bitter empfunden dwse schwere Zeit hindurch, das Alleinstehen. Es bot sich treffliche Gelegenheit. Sobald die Ferienzeit begann, ergoß sich ein Strom von Städtern in die. Vorberge, der einsamste Hof war besetzt. Johannes weigerte sich bisher entschieden, nur ein Zimmer abzugeben, während die Bäuerin und Matthes, abgesehen von der Einnahme, sich nach! Geselligkeit sehnten. Jetzt gab der Bauer unaufgefordert seine Einwilligung zur Aufnahme von Fremden, und es verging keine Woche, da hielt schon eine Familie ihren Einzug. Bankagent Polentz mit Frau und Tochter. Vorerst kamen nur Frau Polentz, eine auffallende Erscheinung in einer etwas für diesen weltentlegenen Platz überladenen Toilette, und ihre Tochter Wanda, ein schönes Mädchen, welches mit der Neigung zum Auffälligen der Mutter wenigstens einen guten Geschmack verband, im übrigen sich mit ihrem Spitzenröckchen, zierlichen, hellgelben Schuhen und hochausgetürmtem Federhute ebenso fremdartig ausnahm in dieser Umgebung wie jene. Herr Polentz war geschäftlich in der Hauptstadt gebunden und konnte nm jedgn Samstag zum Besuche seiner Familie erscheinen, ebenso der Sohn, über dessen Lebensberuf nichts näheres zu erfahren war. Johannes war es nicht entgangen, daß Matthes sofort nach der erteilten Erlaubnis- zu vermieten, einen Brief in die Stadt abgesandt hatte, der wohl in einigem Zusammenhang mit der Vermietung stand. Dem Bauer waren die Frauenzimmer vom ersten Augenblicke an ein Dorn im Auge. Er fühlte instinktiv die Unwahrheit dieses aufdring- 175 lief)eit, rem äußerlichen Glanzes. Indes — es dauerte ja nicht lange, er war selten zu Hause, und man konnte sich! nicht mehr über mangelndes Entgegenkommen seinerseits beklagen. Auf die Bäuerin vom Wald war der Eindruck, welchen die beiden Damen Polentz machten, gerade entgegengesetzt wie bei ihrem Manne. Das waren doch wieder einmal Leute, mit denen man reden konnte. Eine neue Jugend schien über sie gekommen, und sie erschöpfte sich in Aufmerksamkeiten aller Art. Matthes kam nicht mehr aus dem Sonntagsgewand heraus und duftete nach allen möglichen Essenzen. Das schöne Fräulein hatte es ihm angethan. Johannes, der das alles wohl bemerkte, hatte dafür nur ein mitleidiges Lächeln. Das war also die berühmte „neue Zeit", von der man sich so viel versprach, die über den Berg hereinkommen soll? „No, mit der", meinte er, wär's noch aufz'nehm'n; wenn er nur no a Tropf'n g'sund's Bauernbluat in den Adern hat, der Matthes, nachher muaß er ja mit der Zeit an Ekel bekomma davor." 9Zur eins machte ihn stutzig. Auch! das Rosl schloß sich auffallend an das Fräulein an. Immer sah er sie beisammen stecken. Das verdroß ihn, er hatte ein peinliches Gefühl dabei, über das er sich selbst nicht Rechenschaft geben konnte, als ob es dem gesunden Fleck in seinem Hause gelte. So hart es ihm selbst ankam — eines Tages ließ er sich sogar herbei, die beiden zu behorchen, als er sie im Stalle zusammen flüstern sah. „Laß michj nur machen. Kleine. Das kommt alles noch ganz anders", sagte das Fräulein. „Laß nur erst Papa kommen, der setzt ihm schon den Kopf zurecht. Ihr seid ja um ein Jahrhundert zurück da heroben." Dann flüsterten sie etwas, was Johannes nicht verstand. Rosl horchte gespannt. „Und wenn er Dir dann noch paßt, Dein Ferl", fuhr die Fremde wieder lauter fort, „dann sollst Du ihn auch haben; aber er paßt Dir dann nicht mehr. Verlaß Dich auf mich, er paßt Dir dann nicht mehr." Das Fräulein eilte dann aus dem Stalle, dem Rufe ihrer Mutter folgend. Johannes blickte zornig den über den Köpfen der Rinder gaukelnden Federn auf dem Hut der Fremden nach. Was soll alles anders werden, wenn der Papa kommt? Fast mußte er lachen über das alberne Geschwätz; aber die Wendung mit dem Ferl empörte ihn. Es kam ihm vor wie ein Verrat an dem braven Burschen, und er nahm unwillkürlich Partei für ihn. Da er nicht als Horcher erscheinen wollte, verspürte! er sich eine ernstliche Mahnung auf später. (Fortsetzung folgt.) Das rechte Heim. Eine zeitgemäße Plauderei von Fred Hood. (Nachdruck verboten.) Viele Leute bilden sich ein, daß es nur darauf ankomme, viel Geld in ein Haus hineinzustecken, um es in ein angenehmes Heim zu verwandeln; und wenn sie reich genug sind, um sich jede Bequemlichkeit zu gestatten und dem Dekorateur freie Hand zu lassen, so sind sie sicher überzeugt, daß sie mit ihrem Hause, ihrer Villa oder ihrer Wohnung Staat machen können. Das mag ihnen allerdings gelingen; eine andere Frage ist nur, ob solch eine Behausung auch wohnlich und behaglich sei, so ein rechtes Heim, das' zu uns gehört, wie das Schneckenhaus zu seiner Bewohnerin. Nun gewiß, etwas Geld gehört schon dazu, um ein Haus schmuck und behaglich zu machen, aber Reichtum, große Schätze sind nicht dazu erforderlich, und unter Umständen kann eine schlichte Studentenbude sogar gemütlicher, «traulicher sein als die prunkvolle Wohnung eines Bankiers mit einer Flucht von 12 oder 14 Zimmern. Mit andern Worten: Ein Heim kann nur der Bewohner selbst sich schaffen, und das Nest, welches die Schwalbe selbst sich baut, ist so vortreffliche, daß alle Aesthetiker der Welt nichts daran auszusetzen haben. Wer nicht in der Lage ist, sich seine Möbel und Dekorationen von einem namhaften Künstler zeichnen zu lassen, muß sich verständigerweise sagen, daß es nicht nötig ist, jede Mode mitzumach!en, und daß es besser ist, sich mit bescheidenen Mitteln sein eigenes Heim zurecht zu machen, als alles der Mode wegen um und um zu kehren, ohne recht zu wissen, ob man sich dann in seiner eigenen Wohnung noch zu Haus fühlen werde. Ein rechtes Heim wird es sicher nicht; denn ein solches kann man überhaupt nicht mit einem Male nach einem fertigen Entwürfe schaffen, es muß sich nach! unseren eigenen Neigungen und Gewohnheiten erst entwickeln. Eine Dame der vornehmen Welt sagte einmal ganz treffend: Man kann ebenso wenig in ein fix und fertiges Heim hineingehen wie in eine fix und fertige Freundschaft; beide müssen Stück für Stück aufgebaut werden. Eine verständige Frau wird also mit ihren Möbeln, die vielleicht längst unmodern geworden sind, überallhin ihr Heim mitnehmen. Sie hat sich an jedes Stück gewöhnt, es ist ihr ans Herz gewachsen, und weil sie sich an alles im jahrelangen Gebrauche gewöhnt hat, ist ihr auch alles bequem. Welche Thorheit, solch' eine bequeme, alte Einrichtung hinauszuwerfen, um sich um jeden Preis eine „moderne" Ausstattung anzuschaffen. Nur Geduld! jedes alte Stück wird wieder einmal modern; und wenn wir es nicht erleben können, so werden sich vielleicht unsere Kinder noch dieses Besitzes freuen. Es kommt also vor allem darauf an, jedem Raum den Stempel der eigenen Persönlichkeit aufzudrücken. Das ist erste Bedingung, um sich heimisch in ihm zu fühlen. Ich; möchte nur einmal an die schönen Möbel" der Biedermeier-Zeit erinnern, welche unsere Großeltern besaßen und vielleicht noch besitzen. Manches Stück hat vielleicht unsere Mutter, als sie sich verheiratete, in ihre Ehe mit herübergenommen. Aber als unsere Eltern modern wurden, da packten sie das „alte Gerümpel" auf den Boden oder schlugen es um jeden Preis los. Und heut bezahlt man dasselbe alte Gerümpel mit hohen Preisen, um sein „Heim" damit zu schmücken. Was hat nicht alles schon die Mode -angerichtet! Da kommt nun z. B. eine junge Frau aus einem reichen stilvollen Hause, das mit den kostbarsten „Liebhabermöbeln", mit modernen Tapeten, Teppichen, Fayencen u. s. w. ausgestattet ist, in ein hübsches Landhaus, das Haus ihres jungen Gatten. Er hat es von seinen Eltern übernommen und alles pietätvoll gelassen, wie es war. Die junge Frau hat aber nun nichts besseres zu thun, als alles zu modernisieren. Geld ist genügend vorhanden, und während die neuen „Liebhabermöbel" einziehen, flieht die Behaglichkeit zum Fenster hinaus: Das Haus der Eltern gilt der jungen Frau natürliche als rühmliches Beispiel, und wenn auch die schweren Fenstervorhänge und Portieren, das hohe Buffet, der imposante Eichentisch durchaus nicht in die kleinen schmucken Zimmer des Landhauses passen wollen, so muß doch der Gatte gute Miene zum bösen Spiele machen, um seinem Frauchen die Freude nicht zu verderben. Aber, o Weh! wenn alles fertig ist, dann sieht die kleine Frau selbst, was sie angerichtet hat. Sie hat die Raumverhältnisse gar nicht berücksichtigt, sie hat die Stimmung des Hauses und die Neigungen seiner Bewohner gar nicht bedacht. Was zu Haus stolz und vornehm wirkte, ist hier plump; nichts scheint am rechten Platze zu stehen, und es ist, als ob eine Dorfschöne städtische Kleidung angelegt hätte. Ueberhaupt diese „Liebhabermöbel". Was versteht man eigentlich darunter? Liebhabermöbel im eigentlichen Sinne müssen von einer Berühmtheit entworfen, von einer zweiten ausgeführt und — stets zu fabelhaftem Preise — von einer dritten verkauft werden. Man sieht vielleicht einen unheimlichen, ungemütlichen Stuhl, dessen Anblick allein genügt, um jeden Gedanken an Ruhe zu verbannen; der einzige Teil desselben, der nicht aus grün gefärbter Eiche oder tiefrot poliertem Mahagoni ist, ist ein hartes kleines Kissen, das mit blauem Sammet oder verblaßter Seide überzogen ist. Dieser Stuhl, an dem die Namen des Zeichners und des Herstellers befestigt sind, ist vielleicht mit 250 Mk. ausgezeichnet.' Und doch sollte sich jeder sagen: Liebhabermöbel können nur in einem eigens für diesen Zweck gebauten und dekorierten Hause Aufstellung finden, in dem sogar die Inhaberin ihrer Kleidung einen sogenannten „ästhetischen" Anstrich gießt Ein allgemein verbreiteter Mißgriff der Dekorateure — 116 — und der Zimmerinhabev selbst ch der Versuch- alles in Uebereinstimmung miteinander zu bringen. Monotonie ist nicht Harmonie. Wählt man z. B. eine geblümte Tapete und nimmmt für die Vorhänge einen Brokat, der „so ähnlich wie möglich ist", einen Teppich, „der geradezu für den Brokat gemacht zu sein scheint" und einen Möbelbezug, „der beinahe ein Stück von der Tapete sein könnte", so wird! man sich, wenn alles fertig ist, verwundert fragen, warum das Zimmer enttäuscht, und warum es niemand bewundert. Wer nicht versteht, durch Kontraste Harmonien zu schaffen, der ist in der Kunst der Zimmerdekoration noch sehr weit zurück, der sollte lieber ganz seine Hand davon lassen. Aber ich will hier gar keine ästhetischen Regeln geben; ich will vielmehr jeder braven Frau raten, sich etwas mehr auf ihren gesunden Menschenverstand zu verlassen, mehr darauf bedacht zu sein, ihre persönlichen Neigungen zur Geltung zu bringen, als sich zur Sklavin einer Richtung zu machen. Und wenn wir es in einem Hause so recht behaglich finden, so recht heimisch, so hängt das wirklich hauptsächlich von dem Gemüt der Hausfrau ab. Und wenn ich! mich behaglich in ein wohlgepolstertes Sofa zurücklehne, so frage ich wenig danach, ob dasselbe im Sezessionsstil oder sonstwie gehalten ist; ja, ich bin ein solcher Ketzer, dies, allen Aesthetikern zum Trotz zu betonen, und doch hätte ich in meiner Eigenschaft als Architekt das Recht, über Stilfragen ein ernstes Wort mitzufprecheu. Aber ich weiß, daß es weit schwerer ist, ein vehaAichies Heim zu schaffen, als ein stilgerechtes Haus, und darum ziehe ich vor einer gemütvollen Hausfrau mit gesundem Menschenverstand noch viel tiefer meinen Hut als vor dem größten Baukünstler. Genrernnützrges. Wie kommt man im Leben vorwärts? 1. Willst Du Erfolg haben, so sei ein Charakter, sei Herr über alle Deine Begierden, übe Selbstverleugnung. 2. Hüte Dich, vor zu langem Schlaf, zu viel Zerstreuung und Vergnügen, vor jeder unnötigen Ausgabe. 3. Siehe zu, daß Du eine gute Gesundheit behältst. 4. Sei im Kleinen und Kleinsten sorgfältig; was überhaupt wert ist, gethan zu werden, ist auch werft gut gethan zu werden, habe eine genaue Kenntnis aller Kleinigkeiten Deines Geschäftes und überwache auch das Geringfügigste. 5. Erledige rasch und genau alle Geschäfte. 6. Suche Deine Erholung in der Abwechslung Deiner Arbeit. 7. Habe Ausdauer; was Dir heute nicht gelingt, gelingt Dir vielleicht übers Jahr, oder in fünf, oder in zehn Jahren. 8. Sei sehr vorsichtig in der Wahl aller Deiner Leute; zeige ihnen Festigkeit und Freundlich-- keit. 9. Verhalte Dich gegen jedermann so, als könnte er Dir noch einmal nützlich werden; thue es aber nicht aus Berechnung, sondern aus uneigennützigem Wohlwollen. 10. Halte Dich nicht mit Nebendingen auf; habe immer Dein Ziel vor Augen, meide unnützes Geschwätz. — Eine Anzahl Geschäftsleute in Amerika kam jüngst aus den Gedanken, ein Rundschreiben an diejenigen ihrer Berufsgenossen zu schicken, deren Arbeit von namhaftem Erfolg gekrönt worden war, mit der Bitte, anzugeben, wie sie es eigentlich angefangen hätten. Eine große Anzahl von Antworten lief ein, und der Hauptinhalt derselben waren obige Ratschläge, lauter Worte echt praktischer Lebensweisheit, die jenen Amerikanern alle Ehre machen und der Beherzigung wert sind für jedermann, sei er Geschäftsmann oder nicht. Plätteisen von Rost zu reinigen. Man reibt das heiße Plätteisen mit weißem Wachs, dem man etwas Kochsalz beifügte, ab und fährt dann mit dem Eisen mehrere Male über einen wollenen Lappen. Kesundhettspflege. Schlaflosigkeit. Häufig wird durch krankhafte nervöse Erregung, Schmerz, geistige Ueberanstrengung, übermäßigen Genuß von starkem Thee u. s. w. Schlaflosigkeit hervorgerufen. Das Nebel ist oft nur schwer zu beseitigen, meist durch Hebung der Ursachen. Die Anwendung narkotischer Mittel sollte nicht geschehen. Dagegen giebt es ein harmloses Heilmittel, das fast regelmäßig Erfolg hat, wenig bekannt ist und von dessen Güte mau sich leicht überzeugen kann. Man nehme einfach ein feuchtes Handtuch! und lege es in fön Nacken. Gegen Schlaflosigkeit bei nervösen Leuten, die an kalten Füßen leiden und im Kopse Hitze haben, giebt es kein besseres Mittel, als abends vor dem Schlafengehen die Glieder, besonders die Füße, mit einer Bürste oder mit einem ausgewrungenen feuchten Handtuch abzureiben, aber tüchtig. Hierdurch wird das Blut besser in Umlauf gesetzt, und es tritt Müdigkeit ein. „Praktischer Wegweiser", WürMrg. Vermachtes. EineneueTanuenartmit silberweißer Korkrinde hat der Reisende Purpus in den Hochgebirgen Arizonas in fast 3000 Meter Höhe gefunden. Die Stämme dieser Bäume mit dem prächtig dunklen Nadelwerk zeigen schon bei 1—2 Meter Höhe die eigenartige weiße Rinde, die in der Färbung an die Rinde der Birke erinnert. Herr Purpus schildert mit wahrer Begeisterung die herrliche Farbenwirkung. Es wird jetzt der Versuch gemacht, diese schöne und sicher auch harte Korktanne in deutschen Gärten und Parkanlagen einzuführen. Ein Bericht darüber mit Bild und Beschreibung ist vom praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. Oder kostenfrei zu beziehen. Literarisches. „Lebensspiegelungen" in Vers und Prosa von Clara Voigt. E. Piersons Verlag; Dresden, 1900. Mk. 3.—. — Es ist em starkes, fast männlich-ernstes Talent, das uns aus diesen „Lebensspiegelungen" entgegen schaut, ein Talent von ebenso großer Einsicht in seinen scharfen Beobachtungen, wie von tiefem Gemüt in seinen Gefühlsäußerungen. Kein Wunder darum, daß Clara Voigt von deS Lebens Leid mehr zu sagen und zu singen weiß, als von Glück und Liebe. In ihren Prosadichtungen, kurzen, eindringlichen Stücken, sind es meist feindliche Schicksale und des Nächsten Neid und Mißgunst, welche glückliche Bande, die für's Leben geschlungen schienen, grausam zerstören. Daß die Dichterin dabei die Tragik alles Menschenlebens nicht in kalter, nackter Natürlichkeit darstellt, sondern in das künstlerisch vornehme Gewand von Sinnbildern zu kleiden weiß, wie in den beiden ersten Skizzen des Bandes, macht ihrem Feingefühl und Geschmack all- Ehre. Stets hat man dabei den Eindruck, daß die Dichterin Selbsterlebtes in künstlerisch bewegte, leidenschaftliche Worte bringt, die so leicht den Weg zum Herzen des Lesers finden, weil sie von Herzen einer wahren Dichterin kommen. Katechismus der Baustile von Dr. Ed. Fr.eiherrn v. Sacken. Vierzehnte Auflage. Mit 103 Abbildungen. In Originalleinenband 2 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Ist die Kenntnis der verschiedenen Baustile schon von allgemeinem Jnteresie, so hat sie für Gewerbsleute, die mit architektonischen Formen oder Ornamenten irgendwie zu thun haben, wie Bauleute, Schreiner Steinmetzen, ganz besondere Wichtigkeit. Das wird sich stets bei einem Auftrag zeigen, irgend etwas in einem ganz bestimmten Stile auszuführen. Stillgefühl haben ist hier eine Sache, die sich auch im täglichen Leben des Gewerbetreibenden „bezahlt" macht. Nicht jeder Interessent ist hier aber in der Lage, sich diese unentbehrliche Kenntnis durch das Studium solcher Werke anzueignen, die schon durch ihren Umfang Ehrfurcht erwecken. Da ist dann ein so vielfach erprobter Führer wie unser Katechismus freudig zu begrüßen, denn er setzt die Eigentümlichkeiten und Gesetze der verschiedenen Baustile und ihre Geschichte kurz und m allgemein verständlicher Weise auseinander, wobei auch auf die Baubestrebungen der Gegenwart ein Helles Streifllicht fällt. Zwei recht brauchbare Beigaben sind das kleine Fachwörterbuch der Kunstausdrücke und das Ortsverzeichnis der wichtigsten Baudenkmale. Nebenbei, Freiherr v. Sackens Katechismus ist eine Ergänzung zu jedem Neisebuche, sollte als« von Touristen in der Brusttasche mitgeführt werden. Anagramm. Nachdruck verboten. Stroh — Haut — Siam — Robbe — Torte — Emil — Made — Murat. Bon jedem der vorstehenden Wörter ist durch Umstellung ein anderes Hauptwort zu bilden. Die Anfangsbuchstaben der neuen Wörter ergeben im Zusammenhang den Namen eines großen deutschen Gelehrten. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Quadraträtsels in voriger Nummer: ZEIL EHRE I R L E LEER Redaktion: E. Burkhardt. — Druck mtb Verlag der Brübl'schen Uuiderfitätz.Buch. und Steindrnckerei (Pietsch «rdea) in Wej«.