(Nachdruck verboten.) Der Schmetterling. Novelle von Reinhold OrtHann. (Fortsetzung.) Von Lilli sah er nichts mehr, aber am Eingang des Dorfes rief ihn jemand beim Namen, und Doktor Stahlschmidt hielt ihn an der Rockklappe fest, weil er's ihm vom Gesicht lesen mochte, wie wenig er gestemmt war, ihm stand zu halten. . „Jetzt habe ich's heraus, wer )ie ist", flüsterte er ihm wichtig und geheimnisvoll zu. „Und ich halte es für meine Pflicht, Dich zu warnen." „Mich zu warnen, — vor wem?" „Vor der kleinen Wetterhexe mit den prachtvollen Augen, oder vielmehr vor ihrem Vater, denn dem Mädel selbst weiß man außer einem etwas zu freien Benehmen bisher nicht viel Schlimmes nnchzusagen. Aber der alte von Ranten scheint ein ganz gefährlicher Bursche zu sein — ein notorischer Verschwender, der das große Vermögen seiner verstorbenen Frau langst durchgebracht hat, und sein Leben seitdem nach deni Rezept der Lilien auf dem Felde fristet. Man bezeichnete^ ihn mir als einen ,gewerbsmäßigen Spieler und Jndustrieritter — als einen von denen, die sich heute alle Taschen mit Hundertmarkscheinen vollstopfen, und morgen nicht wissen, wovon sie ihr Mittagessen bezahlen sollen. Seit zwei Jahren ist er unermüdlich auf der Jagd nach einem reichen Schwiegersohn; denn er sieht das hübsche Gesicht seiner Tochter vermutlich; für ferne beste Trumpfkarte an. Ob Du unter solchen Umständen überhaupt Aussichten hättest, und ob es sich empfehlen würde, zu dem Herrn von Ranten in nähere verwandtschaftliche Beziehungen zu treten, überlasse ich nach diesen durchaus zuverlässigen Mitteilungen Deinem eigenen Ermessen." , „Es ist gut, Stahlschmidt", sagte Rudolf zerstreut. „Ich danke Dir für die freundschaftliche Absicht. Aber ich bitte um Verzeihung, wenn ich mich nicht länger aufhalten kann. Eine wichtige Angelegenheit, die keinen Aufschub duldet, ruft mich nach Hause." Er ging, und die Vermieterin, deren Zimmer unter dem seinigen lag, und die bis dahin die Freude an dem DRW BBB UW raffle MW' Iii- •■ui wv'"V-M'L t'J 0m «W Äw prU Sonntag den 25. Anglist 1901. - Rr. 120 _ MMtzWWM AiltrchaÜMNblE M iGichmrAasäzer GEl-AnMer). HjJ fä ist kein Glück so rein, so tief, Daß nicht eine Thräne mit unterlief; — Es ist so schwer, so bang kein Weh, Daß nicht eine Hoffnung drüber geh'! Batz. ruhigen und geräuschlosen Wesen des jungen Mannes gehabt hatte, 'wußte sich's durchaus nicht zu erklären, weshalb er heute wohl eine Stunde lang mit der Rastlosigkeit eines gefangenen Tigers da oben auf und nieder schritt. Neuntes Kapitel. Daß es ihm so schwer, so furchtbar schwer fallen könnte, sich zu einem Entschluß, und zu einer entscheidenden That aufzurafsen, obwohl das, was geschehen mußte, ihm auf das Bestimmteste vorgezeichnet war — Rudolf hätte es nimmermehr für möglich gehalten. Der Zusammenhang der Dinge stand ja völlig klar vor seinen Augen da. Er wußte jetzt, daß er den Namen des Herrn v. Ranten als den eines Schwagers der Frau Haller aus Anlaß des Prozesses gegen Margarete Willisen gelegentlich hatte nennen hören, und es konnte nach Lillis Mitteilungen auch nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß er der Dieb des Brillantschmetterlinps gewesen war. Wie tief mußte dieser Spieler und Verschwender gesunkensein, wie vollständig mußte eine schmachvolle Lebensführung auch den letzten Rest von Ehre und Schamgefühl in ihm erstickt haben, wenn er sich seines ahnungslosen, unschuldigen Kindes hatte bedienen können, um das begonnene Verbrechen zu vollenden! Und der Elende hatte es noch außerdem stillschweigend geschehen lassen, daß man eine andere statt seiner bestrafte, er hatte keinen Finger gerührt, um zu verhindern, daß um seines Verschuldens Willen ein junges Menschenleben für immer zerstört, und verdorben wurde. Wahrlich, einer so abgrundtiefen Nichtswürdigkeit gegenüber mußte jedes mitleidige Zögern zur schweren Sünde werden! Wenn ein anderer ihm die Frage vorgelegt hätte, was hier zu thun sei, so würde Rudolf ihm ohne Besinnen geantwortet haben, daß die Anzeige an die zuständige Staatsanwaltschaft und der Antrag auf die Einleitung des Wiederaufnahmeverfahrens in Sachen Willisen noch in dieser «stunde abgehen müßten. Nun aber, da er keinem Antwort zu geben hatte als sich selbst, nun vermochte er trotz allen Kämpfens und Grübelns nicht mit sich ins reine zu kommen. Er konnte ja den Schlag gegen den Verbrecher nicht führen, ohne mit ihm zugleich audf sein unglückliches Kind zu treffen. Und selbst wenn die Richter später zu derselben Ueber- zeugung gelangten wie er, wenn sie kein sträfliches Verschulden an ihr entdeckten, sondern sie als das willenlose Werkzeug eines schurkischen Vaters von jeder Strafe ftei- sprachen — die Folterqualen eines peinlichen Unter» fuchungsverfahrens, die Schande einer öffentlichen Bloßstellung blieb ihr doch unter keinen Umständen -erspart. Tie Ehre der unschuldig verurteilten Margarete konnte nicht anders wieder hergestellt werden, als damit, daß 478 Lillis Lebensglück und ihr guter Name zum Opfer gebracht wurden. Unb in dieser ersten Stunde wollte es Rudolf schernen, als sei der Preis kaum geringer denn der Gewinn. Er zermarterte sein Gehirn, um den rettenden Ausweg zu finden, der es ermöglicht hätte, Lilli zu schonen, und im tiefsten Herzen fühlte er sich beschämt, als ihm dabei die wehmütig-prophetischen Worte seines Vaters iu den Sinn kamen: „Möge Dich nie eine bittere Erfahrung darüber belehren, daß es doch noch Heiligeres giebt, als diese sogenannte Gerechtigkeit." Wohl stimmte er ihm darin auch jetzt noch nicht zu. Denn die Gerechtigkeit tvar ihm noch immer das höchste — es gab nichts Heiligeres als sic. Aber er begriff, was der alte Mann, der auf der Welt nichts liebte, als ihn, in jener Trennungsstunde unter seiner Härte und seinem mitleidslosen Ehrlichkeitshochmut gelitten haben mußte. Und wenn nicht für seine Handlungen, so doch für seine unbarmherzigen Worte leistete er ihm in der Stille seines Herzens während dieser schweren Viertelstunden, ides Zweifels und der Versuchung demütig reuige Abbitte. Dann aber überkam es ihn wie Entsetzen vor sich selbst, und wie zorniger Abscheu vor seinem unmännlichen Zaudern. Wohin war er denn geraten, daß er hier noch zloeifeln und überlegen konnte! Hätte er denn nicht vielmehr jauchzen und aufjubeln müssen, über die gnädige Fügung des Zufalls, die ihn nach monatelangem, ver- gemichem Bemühen jetzt ohne sein Zuthun wie durchs ein Wunder die Wahrheit hatte finden lassen! Wie oft hatte er nicht von dem Augenblick, da er Margaretens Freisprechung und ihre glänzende Rechtfertigung erwirkt haben würde, als von dem glücklichsten Augenblick seines Lebens geträumt! Wie selig hatte er nicht vor jenem verhängnisvollen zweiten Termin in dem Vorgefühl des köstlichen Genusses geschwelgt, den das sonnige Aufleuchten ihres vergrämten Gesichtchens, den ihr dankbares Lächeln ihm bereiten mußten! Und nun, da er nach all den bitteren Enttäuschungen wirklich den Talisman in-.der Hand hielt, der seinen Traum zur Wirklichkeit machen konnte, nun regte sich nichts von Freude und Genugthuung in seinem Herzen! Stand es so uni seine heilige Begeisterung für Wahrheit und Recht? Bedurfte es nur des verführerischen Lächelns roter Mädchenlippen, nur der süßen Lockung einer holden Gestalt, und des berückenden Spieles eines süßen Augenpaares, um die felsenfeste Rechtschaffenheit, auf die er so stolz gewesen war, zu erschüttern? Nein, nein, und tausendmal nein! Wenn dies wirklich Liebe war, was er für Lilli von Ranken fühlte, dieser Rausch der Sinne, der seine Gedanken verwirrte, und ihn seit drei Tagen zu einem thörichten Knaben gemacht hatte, so war es eine verderbliche Liebe, gegen die er sich mit der ganzen Kraft seines Mannesstolzes wehren mußte. Ja, er war ui diesem Augenblick fest entschlossen, sie mit allen Wurzeln aus seinem Herzen zu reißen, ehe vielleicht ihre schmeichelnde Sirenenstimme die Mahnungen seiner Ehre, und seines Gewissens zum Verstummen brachte. Er setzte sich an den Tisch, und begann zu schreiben. Aber nach einer Weile riß er den für Doktor Volkmar bestimmt gewesenen Brief doch wieder in Stücke; denn er war, ohne seiner eigentlichen Absicht untreu zu werden, zu einem anderen Entschluß gekommen. Er nahm einen zweiten Briefbogen, auf den er nur einige Zeilen warf, um ihn dann in einen mit der Adresse des Herrn von Ranken in der Villa Luise versehenen Umschlag zu legen. Lilli hatte ihm ja gesagt, daß ihr Vater heute ankommen werde, und es erschien ihm als das beste, wenn er den Menschen zwang, sich, bei der Staatsanwaltschaft in B. selbst des begangenen Verbrechens zu bezichtigen. Es war anzunehmen, daß man seine Thal alsdann milder ansehen würde, und es war gut, wenn es geschah; denn nicht um die Schwere seiner Bestrafung, sondern einzig um die Rechtfertigung Margaretens konnte es sich ja für Rudoli handeln. Kurz und entschieden hatte er Ranten in dem Billot ersucht, am Morgen des nächsten Tages zu ihm ju kommen, und er zweifelte nicht, daß jener der Aufforderung Folge leisten werde; denn eine Andeutung, die er unfehlbar verstehen mußte, hatte ihn zugleich über den Zweck der gewünschten Unterredung belehrt. Es beunruhigte Rudolf denn ctud;. nicht, daß er keine Antwort auf sein Schreiben erhielt. Nach einer chlummerlosen Nacht war er schon in aller Frühe bereit, einen Besucher zu empfangen, und er sah sich in seinen Erwartungen nicht getäuscht; denn bereits gegen acht Uhr meldete ihm das Zimmermädchen, es sein ein Herr da, der ihn zu sprechen verlange. „Führen Sie ihn herauf", sagte er, „und sorgen Sie, bitte, dafür, daß wir während unserer Besprechung nicht gestört werden." Gleich darauf erschien Rantens hagere Gestalt auf der Schwelle. Er war wieder nach der neuesten Mode gekleidet, und die martialisch emporgewirbelten Spitzen seines blonden Schnurrbartes gaben dem gelblichen, scharf markierten Gesicht ein sehr energisches Aussehen. Sein Gruß bestand nur in einem leichten Neigen des Kopfes. „Mein Name ist von Ranten. — Sie haben mir da gestern einen sehr merkwürdigen, und zum größten Teil für mich ganz unverständlichen Brief geschrieben, worin Sie mich um eine Zusammenkunft hier in Ihrer Wohnung bitten. Vermutlich erkennen Sie schon jetzt, daß Sie sich dabei in der Person geirrt haben." „Ein solcher Irrtum dürfte kaum vorliegen. Aber nehmen Sie gefälligst Platz. Sie sollen über das, was ich von Ihnen wünsche, sogleich Aufklärung erhalten." „Darum möchte ich! allerdings nachdrücklich gebeten haben. Ich bin Ihrer Einladung selbstverständlich! nur aus einer gewissen Neugier gefolgt, und weil mein Morgenspaziergang mich ohnedies hier vorüberführt; denn im allgemeinen bin ich gewohnt, daß die Leute, die ein Anliegen an mich haben, sich zu mir bemühen." Der Ton, den er da anschlug, war zu hochfahrend und zu wenig den Gepflogenheiten eine§; wohlerzogenen Mannes entsprechend, als daß Rudolf die Absicht, ihm zu imponieren, und ihn dadurch an seinem Argwohn irre zu machen^ nicht hätte durchschMen sollen. Und Ranten hatte überdies seine Nerven nicht ganz in der Gewalt. Wohl klang seine Stimme scharf und fest, aber die Hand, in der er den Hut hielt, zitterte merklich, und seine Augen irrten unstet umher. Ihr Blick war der scheue, flackernde Blick des bösen Gewissens. Konnte es doch auch nur die tötlicbe Angst gewesen sein, die ihn schon zu so früher Stunde hierher getrieben hatte, und wenn er sich trotzdem dem thörichten Glauben hingab, durch eine herausfordernde Haltung seine Lage zu verbessern, so erreichte er damit nichts anderes, als daß Rudolf Jmberg sich auch der letzten weichherzigen Rücksicht überhoben fühlte. „Für mich gab es dazu keine Veranlassung", erwiderte er kalt. „Und Sie haben mir zu danken, daß ich. mich; überhaupt auf die Unterredung einließ. Mein Name ist Ihnen ja wohl bekannt, nicht wahr?" „Im Gegenteil. Ich erinnere mich nicht, daß ich. je zuvor das Vergnügen gehabt hätte, ihn zu hören." „So ist Ihr Gedächtnis sehr kurz; denn Sie sollten ihn wenigstens als den Namen des Pfandleihers kennen, zu dem Sic Ihre Tochter mit einem Brillant- schmuck schickten." „Meine Tochter — zu einem Pfandleiher — rch? Herr, ich weiß nicht —" „O bitte, keine Komödie! Es wäre verlorene Muhe. Sie müssen doch nachgerade sehen, daß ich alles weiß. Machen wir's also kurz. Da Sie es waren, der den Ihrer Schwägerin abhanden gekommenen Brillantschmetterling verpfänden ließ, so müssen Sie es wohl auch gewesen sein, der ihn entwendet hat. Ich habe dafür die überzeugendsten Beweise und bin im Begriff, der Staatsanwaltschaft von dieser meiner Entdeckung Kenntnis zu geben, damit unverzüglich, eine Untersuchung gegen Sie eingeleitet, und zugleich das Verfahren gegen die irrtümlich verurteilte junge Dame wieder ausgenommen wird. Einer Besprechung mit Ihnen hätte es dazu nicht bedurft; denn für mich ist es vollkommen gleichgiltig, ob Sie mir den Diebstahl zugeben oder nicht. Wenn ich! Sie hierher be- schieden habe, so geschah es lediglich aus Rücksicht auf eine 479 Person, die Sie gewissenlos in Ihr Verderben mit hineingezogen haben, und in ihrem eigenen Interesse. Dadurch, Laß Sie sich mit einem freiwilligen Geständnis an die Behörde wenden, ehe eine Anzeige von anderer Seite erfolgt ist, können Sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach bei Ihrer späteren Verurteilung die Wohlthat mildernder Umstände erwirken. Ob Sie davon Gebrauch machen wollen oder nicht, steht bei Ihnen. Aber Ihre Entscheidung muß auf der Stelle erfolgen. Ich kann Ihnen nicht mehr als ein paar Minuten Bedenkzeit dafür geben." (Fortsetzung folgt.) Suggestion «nd Hypnose. Studie von Dr. H. Balder- (Nachdruck verboten.) In einem „Modernes Kurpfuschertum" betitelten Artikel schreibt Tr. med. Katz, daß in unseren Tagen „eine ausgesprochene Neigung für dunkle, mystische, abnorme Ideen" herrsche. „Eine Zeit, in der Theorien, wie die des Spiritismus und Magnetismus Verbreitung finden, wo Kartenlegerinnen und! Wahrsagerinnen ihr gutes Auskommen finden, ist auch geeignet, Kurpfuscher und Wundermänner hervorzubringen." Daraus möchte ich antworten: so war es wohl immer. Der Hang nach dem Geheimnisvollen,, dem Uebernatürlichen, der mystische Zug, wurzelt tief im Menschengemüt. „Ja, Horativ, es gießt noch viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt." Diesen „Dingen zwischen Himmel und Erde" ist wohl auch noch, der Hypnotismus zuzuzählen. Hypnotische Schaustellungen finden ein großes Publikum, und in solcheu Vorgängen sehen viele Menschen noch ein Wunder. Wunderglauben und Glaubenswunder: das ist der Vorwurf von Björnfons „Ueber unsere Kraft" (1. Teil). Pastor Sang, ein Mann felsenfesten Glaubens, thut Wunder und heilt durch sein Gebet. Nur seine Frau, die seit Jahren gelähmt ist, konnte er bisher nicht heilen. Mit seinen Kindern will er nun eine Gebetskette bilden, in der Hoffnung, sein Glaube mit dem der Kinder werde so stark sein, Laß er die Gattin und Mutter zu heilen vermag. Aber die Kinder teilen nicht den starken Glauben des Vaters. Dck will er denn durch seinen Glauben allein das Wunder vollbringen. Und während er in der Kirche stundenlang allein singt und betet, und rings um die Kirche Hunderte von Menschen still, totenstill stehen, um ihn nicht zu stören, tagt im Pfärrhause eine Pastorenkonferenz, unterh!alten sich die geistlichen Herren darüber, wie sie sich zu diesen Wunderheilungen .stellen sollen. Einer von diesen Ehrwürdigen — Jensen —, der beim Kommen an „Essens- Halluzinationen" („frischgebratene Feldhühner" will er gerochen haben) litt, urteilt in köstlicher Weise so über das Wunder: „Jedes einzelne Mirakel muß untersucht werden; doch gehört dazu eiu technisches Gutachten, und möglicherweise" auch ein Zeugenprotokoll, ausgenommen von einem kompetenten Juristen. Erst unter dieser Voraussetzung können die Geistlichen mit Sicherheit ihr geistliches Gutachsin ^ab geben." r Nach diesem Rezept wollen wir denn hier mit dem Hypnotismus verfahren. Zunächst ein vollbeglaubigtes Zeugenpriotokoll, das zugleich ein medizinisches Gutachten ist. In der „Deutschen Militärärztlichen Zeitschrift" (März 1900) beschreibt Marine-Assistenzarzt Dr. Karl Schlick einen interessanten Fall von Heilung durch Hypnose. Es handelte sich um einen der II. Werft-Division angehörigen Heizer, der angeblich nach Erkältung bei „Reinschiff" über heftige Schmerzen im Kreuz und namentlich im ganzen linken Bein, das er nicht beugen und strecken konnte, klagte. Vier und einen halben Monat lag er im Lazarett, dann wurde er nach Wiesbaden geschickt. Auch dort besserte sich sein Zustand nicht. Danach wurde er Dr. Schlick überwiesen- In der Hypnose strich der Marinearzt mit seinen Händen über die schmerzhaften Stellen mit der Versicherung, daß! der Schmerz nun verschwunden sei, vollführte Passive Bewegungen im linken Fuß--, Knie- und Hüftgelenk, befahl hierauf dem Patienten, das Bein selbstthätig zu bewegen unter eindringlichen Suggestionen, daß er das linke Bein fortan ganz so wie das gesunde rechte werde gebrauchen können; und nach der sechsten Sitzung verließ der Heizer zum ersten Male nach vielen Monaten ohne Stock aufrechten Ganges vas Zimmer des Arztes. Nach einigen Tagen konnte er als geheilt entlassen werden. In seiner praktischen Anwendung setzt sich der Hypnotismus demnach aus zwei Faktoren zusammen: 1. aus dem eigentlichen wirksamen Agens, mittels dessen wir die einzelnen Krankheitserscheinungen bekämpfen, und 2. aus dem Mittel, dessen wir uns bedienen, um diese Heilsuggestionen wirksamer und nachhaltiger zu gestalten, aus dem hypnotischen Schlafe. Der Suggesfion sind die meisten Menschen zugänglich. Selbst der, so sich von seinem Thun und Lassen strenge Rechenschaft giebt, steht bis zu einem gewissen Grade unter suggestiver Einwirkung. Beeinflussen uns nicht alle rein äußerlichen, zeremoniellen Dinge? Suggeriert die Amtstracht des Priesters und Richters, ein Ueberkommnis aus längst vergangenen Zeiten, nicht noch heutzutage dem Laien den Einfluß dieses und jenes Standes? Was wäre der Papst, so er im Zylinder und in Glaceehandschuhen und im Frack auf der öffentlichen Promenade sich zeigte? Müssen wir uns da nicht fragen: Wo steckt denn eigentlich die Wurde und Weihe des Amtes? In der Hülle oder im Kern, in der Person selbst? Das bekannte „zweifarbige Tuch" zieht noch immer das schöne Geschlecht an. Fürstliches Gepränge und feierliche Prozessionen überreden die Massen eindringlicher als Vernunftgründe. Die Pose, die Geste, der Tonfall eines Schauspielers vermag uns augenblicklich in die gewünschte Gemütsverfassung zu versetzen, um uns ebenso schnell ganz umzustimmen. So selbstherrlich die Frau in ihrem Hause schaltet und waltet, so steht sie doch unter dem Banne einer grimmigen Tyrannei, der Mode. Dafür spricht die Thatsache, daß Trachten, die den symmetrischen Körper verunstalten, selbst intelligente Frauen nicht abhalten, mitzuthun und nachzuahmen, Tas ist der starke Einfluß den immer wieder Gesehenes auf unseren Geschmack, aus unser ästhetisches Urteil ausübt. Auch unser geistiges Leben, unsere Gedanken und Vorstellungen vollziehen sich unter bestimmten Formen, die uns die Erziehung, der persönliche und schriftliche Verkehr, das Milieu überliefert haben. Goethe sagt: „Die Vertreter der alten Ideen sind die größten Feinde der neuen." Die suggesfive Macht der alten Anschauungen muß eben erst durchbrochen werden, um den neuen Eingang zu verschaffen. Dieser Bruch erfolgt nicht aus der besseren Erkenntnis, sondern vollzieht sich allmählich und zwar wieder durch das Element der Suggestion. Jeder neue Gedanke findet Apostel. Diese bekämpfen mit Gegensuggestionen die alten Ideen. Aeußere und innere Umstände fördern oder hindern das Fortschreiten neuer Gedanken. Wie das ewige Meer, so hat auch die Suggestion ihre Ebbe und Flut. Zuzeiten werden ganze Völker von Empfindungen und Vorstellungen hingerissen. Ich erinnere an die Kreuzzüge, an das Jahr 1848. Auch unsere Tage sind reich an suggestiven Strömungen, die die Köpfe bannen und beherrschen. Einige Namen werden alles sagen: für die Litteratur ein Ibsen und Tolstoi, für die Kunst ein Böcklin, für die Musik ein Richard Wagner, für die Heilkunde ein Pasteur und Koch, für das soziale Leben ein Marx und Henry George. Die Suggestion können wir ansprechen als die Erweckung einer Vorstellung durch eine andere. Nervöse Personen empfinden vielleicht schon beim Anblick eines Mückenschwarmes ein Kribbeln in der Haut. Hier weckt also ein Sinneseindruck ein Gefühl. Gefühle hinwieder können Vorstellungen Hervorrufen. Ein angsterfülltes Kind sieht im Dunkeln Dinge und Gestalten, die gar nicht vorhanden sind. Die Vorstellungen treten von außen in das Gehirn (Fremdsuggestionen) oder sie entstehen tut Gehirn selbst (Autosuggestionen). — Vom Gehirn aus werden sie dann in Sinnesempfindungen, bezw. Körperfunktionen umgesetzt. — 480 Gemeinnützige». Tie amerikanischen Mittel zur Vernich- tuna des Ungeziefers. Zahlreich und gefräßig, wre iDCnbßTt. Wie erkennt man gute Mehlsorten? Gutes Mehl hat ein feines Aussehen, fühlt sich, mild, und fettig an und ballt sich beim Zusammendrücken; man preße-eine Hand voll Mehl fest zusammen und lege es auf einen Tisch; hält es zusammen, so ist es rein, fällt es aber sofort auseinander, so ist es gefälscht. - R eis mehl mutz weiß fern und sich knarrend anfühlen. — Gries mehl wird häufig verfälscht, besonders mit Knochenmehl und Kalk, ersteres zeigt sich, wenn man das Griesmehl mit kaltem Wasser hinstellt, am Niederschlag, letzteres beim Aufkochen am starken Schäumen. — Buchweizenmehl soll wech frisch von Geruch und angenehm von Geschmack fern; schlechtes Professor Preyer, der große Psychologe, der um 1890 an der Berliner Universität stark besuchte Vorlesungen über den Hvvnotismus abhielt, war, wie er einmal erzählte, . IU(ly uc» n n a c 9 *■v i v " *'■ -----7 7— -kurz vor einem Vortrage so heiser geworden, daß er voll- ^lten zuvor, ist das Ungezieser Heuer rn unsere Garten ständig stimmlos war. Den Vortrag konnte er nicht mehr I ^„gerückt, und wir plagen uns damit, es wieder herausabsagen Da gab er sich die Autosuggestion, daß er, so I - •------ m-- ntnn icder aewitz lange er ein vor ihm stehendes Glas Wasser ansehe, werde sprechen können. Und die Suggestion verwirklichte sich. Tas Gehirn geht auf die Suggestion ein, das psychiscye Leben, die Seele glaubt an sie. Und wo wir glauben, sind wir alle eingebungsfähig. zubringen. Bei dieser mühseligen Arbeit mag jeder gewiß gern Kenntnis nehmen von den Mitteln, die der praktische Amerikaner anwendet, um das Ungeziefer los zu werden. Er geht dabei mit vielem Geschick und großem Erfolg vor. Leben, die Seele glaubt an sie. Und wo wir glauven, 1 ^in Kamps ist wesentlich anders als der unsere. Der sind wir alle ein geb un gs fähig. f Amerikaner sucht das Ungezieser dauernd fern zu halten. Aber nicht alle Suggestionen erfüllen sich; denn alle I er Mittel anwendet, die auch dem Nachwuchs des “ AÄ** Ungeziefers verderblich sind. Aber er ist zähe in diesem Kampf, er läßt nicht locker, bis das Ziel erreicht ist- JU Nr. 19 des „Erfurter Führer im Gartenbau" finden wir die verschiedenen amerikanischen Mittel, ihre Zusammensetzung und ihre Anwendung beschrieben, Diese Nummer sei allen Abonnenten empfohlen, die in ihren Garten Ungeziefer haben. Sie wird unseren Abonnenten kostenfrei zugesandt, wenn sie sich mittels Postkarte nach. Erfurt verdauliche Kost, viele Suppen, dre man auch ohne Fleisch 1 durch Liebigs Fleisch-Extrakt Herstellen kann, Milch, Obst, 1 Begetabilien rc.) erreicht werden. Die Hypnose ist uralt. Die Keilschrift redet von ihr, die heiligen Bücher der Inder und der Perser. In Griechenland begegnen wir dem Hypnotismus unter dem Namen des Tempelschlafes. Das Christentum sah in ihm em Werk des Teufels, und erst um 1761 hört man wieder etwas von ihm unter der Bezeichnung „Exorzismus" (Beschworen, Teufelaustreiben). Um die Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigte fich eingehend Professor Charcot m Paris mit der hypnotischen Suggestionstherapie, und dre schule von Nancy (Bernheim, Liebsault) erzielte glanzende Heilerfolge. Auf Deutschlands hohen Schulen besteht noch kern Lehr- stubl für die Hypnose, unter Aerzten und Klinikern aber besitzt sie Apostel von gutem Klang (Prof. Krafft-Ebing Wien v Schrenck-Notzing, München, Dr. Moll, Berlin rc.). der ein rationeller Therapeut sein will, darf das Studium des Suggestionismus versäumen; gehe er sonst arzneilich oder unarzneilich, allgemein oder spezialistisch, wtetrt oder chirurgisch vor — er kann sein therapeutisches Thuil und Lassen nur dann wissenschaftlich vollkommen rechtfertigen, wenn er die Lehre von der Suggestion beherrscht. Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der BEschen Universitäts-Buch- und St-indruckerei lPietsch Erben) in Gießen. Vorstellungen, die in unser Gehirn eintreten, weroen zunächst von höheren Gehirnzentren (von der Vernunft, dem Urteil) gleichsam untersucht und kritisiert. Wir können also entweder eine Suggestion durch Vernunftgründe aufnahmefähig machen, oder es gilt,- das Kritikvermögen des Gehirns auszuschalten, die Neigung zu glauben, die Suggestibilität zu erhöhen. Den ersten Weg geht der Lehrer, der Redner«, der Rechtsanwalt. Viel sicherer aber wirkt das zweite Mittel. J,n gewöhnlichen Schlafe nun ist die Denkthatigkeit i>es Gehirns verringert. Bringen wir demnach dem Gehirn die Vorstellung des Schlafes bei, Perfetzen wiweinen Menschen in den Zustand der Hypnose, so ist fein Gehirn viel empfänglicher für unsere Suggestionen. Der hypnotische Schlaf wird dem natürlichen gleichgestellt. Da wir aber auch den physiologischen Schlaf und seine Natur noch nicht kennen, so können wir nicht behaupten, der Schlaf des Hypnotisierten sei ein wirklicher Schlaf. Fest steht nur, daß beide Arten Schlaf von Erhöhter Suggestibilität begleitet sind. . , IY¥1. , < In der Hypnose besitzen wir somit em Mittel, tiefer und nachhaltiger, als es im wachen Zustand möglich ist, das _ .......... Vorstellungsleben, beziehungsweise dre ^ele zu beern- I Mehl^ist qrau^'ost bitter und riecht unangenehm. — Ha fer- flussen. Da nun das psychische Leben tief m die Korpe^ 1 mu& körnig und von bräunlich grauer Farbe sein, funktionen hiueingreift, so können wir rn der Hypnose: durch I A h mehlige Bestandteile haben, und sich leicht Umstimmung des Seelenlebens direkt auf den Körper I ) < {ocßen —Hafergrütze muß frisch«, weiß und wirken und Heilungen von Leiden aus natürlichem Wege I W A^^^^hmem, süßlichem Geschmack sein. Flach gewalzte vollbringen. Und durch diese Thatsache ist zugleich das I w6e L vorzuziehen; erstere wird rascher weich, und Wirkungsgebiet der Hypnose als heilsamer Faktor ,est-I g EA ^m Hafer bereitet werden. — Reis. Karogelegt. Ihre Domäne sind vor allem Leiden und Schmerzen, I ,. •» bie Sorte, hat große und klare Körner; die nicht durch unausbesserliche Veränderungen bedmgt wer- | t t ix-Avt-av. m »rnviVMen be- den, wo organische Veränderungen nicht vorliegen, z. B. hysterische Lähmungen, Epilepsie, rheumatische und neuralgische Schmerzen, die sogenannten „eingebildeten Krank- doch sind auch die billigeren Sorten zu empfehlen, besonders der italienische Reis. - Sago. Von echtem Sago hat man braunen und weißen; Tapioka ist der feinste; eine Sitzung, sondern nur allmählich und durch wieder- trocken sem. -----ilf.— holte Einwirkungen und zugleich durch Regelung der I ganzen Lebensweise, durch diätetische Vorschriften (leicht I Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge matt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Kapielrätiels in voriger Nummer: Keim Ode, Neid, Stern, Teller, Arie, Nil, Trumpf, Igel, Natter, Ort, Pol, Ei, Lamm. — Konstantinopel. a b c d e f g h d e f