Donnerstag den 25. April. iWiMWMUU^ WM M M U L Wt ensch, all's, was außer dir, daS gibt dir keinen Wert; DaS Kleid macht keinen Mann, der Sattel macht kein Pferd. Angelus Silesius. (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von Anton v. Perfall. (Fortsetzung.) Ein Name aber machte die Runde, lag aus aller Lippen, der Name Johannes Attinger. In ihm verkörperte sich seit Jahren gewissermaßen die Firma Polentz & Attinger. Mit dem Johannes hatte man immer zu thun gehabt, er war überall zu sehen, wo es etwas zu handeln gab, er war der Vertrauensmann, der Bauer vom Wald, der Landsmann, der Standesgenosse; kein Gauner, wie sie genug als Unterhändler herumliefen, vor denen man sich die Taschen zuhielt, o nein, ein reicher angesehener Mann, dem ein Minister sein Vertrauen geschenkt. Was wußte män denn von dem Polentz? Man kannte ihn draußen auf dem Lande nicht einmal vom Ansehen, hätte ihn, auch kaum Vertrauen geschenkt. Gegen die Herrischen war man ja immer auf der Hut. Der junge Attinger, der eigentliche Teilhaber des Polentz, existierte überhaupt nicht für die Leute. Er war ein Thunichtgut, ein leichtes Bürschel, das in der Stadt herumlumpte, und das Geld seines Schwiegervaters verputzte. Kein Mensch achtete auf ihn. Der Johannes war der Mann, an den man sich zu halten hatte, nur der Johannes. Von ihm allein wollte man Rechenschaft, wenigstens sehen wollte man ihn. Man konnte und wollte es nicht glauben, daß man sich in dem Manne so schmählich betrogen. Auf der Bühne, welche dieser ganzen Komödie zur Aufführung diente, in dem großen Festsaale, war unterdes versammelt, was von der Familie noch übrig war, wohlbewacht von zwei Gendarmen, welche an der Thür standen. Matthias wurde von den Ereignissen vollständig überrascht. Sein üppiges Leben, der ständige Taumel, in dem er sich befand, die absolute Unerfahrenheit in geschäftlichen Dingen ließen ihn keinen Augenblick die Wahrheit sehen. Er erfuhr erst von dem Beamten, der ihn noch im Bette verhaftete, von dem völligen Zusammenbruche des Hauses, von der Flucht seiner Gattin mit dem Sänger. Nun befand er sich in der Stimmung eines aus schwerer Trunkenheit Erwachten, der sich der Vorgänge während seines Zustandes nur noch verschwommen erinnert, dem jeder Zusammenhang mangelt. Er überhäufte Polentz mit Vorwürfen, maß ihm alle Schuld bei, erging sich in den rohesten Ausdrücken, während dieser ihm verächtlichen Hohn entgegensetzte, sich selbst die Maske abriß und offen gestand, daß er in ihm nie etwas anderes gesehen, als den einfältigen Bauernjungen, der ihm zu seinen Zwecken dienen müsse. Der Saal hallte von ihrem widerlichen Zank, in den sich zuletzt auch die Frauen mischten, Frau Polentz und die Bäuerin, die eine für ihren Gatten, die andere für ihren Sohn Partei ergreifend. Johannes hörte von alledem nichts. Er stand vor dem Fenster, und starrte hinab auf den menschengefüllten Platz. hörte seinen Namen rufen, er glaubte alle die Gesichter zu erkennen, die sich da wirr durcheinander drängten. Alles gute Bekannte, denen er Haus und Hof geraubt, die jetzt Bettler waren durch ihn. Er sah alle die fruchtbaren Felder, die stattlichen Wälder, die friedlichen Heimstätten, die er ihnen geraubt, er sah die Kinder in den heimeligen Stuben, die Alten hinter dem Ofen: er glaubte vor "allem eineu zu sehen, den Wahnsinnigen von Fechingen, und es war ihm, als krümmten sich von neuem Finger um seinen Hals, als tönten die entsetzlichen Worte von neuem an sein -Ohr: „Verflucht seist in Zeit und Ewigkeit. Judas — Judas!" i Plötzlich drängten berittene Gendarmen die Meng? zurück. Ein geschlossener Wagen fuhr vor. In demselben Augenblicke trat ein Gerichisdiener in den Saal, und forderte die Herren auf, ihm zu folgen. Johannes atmete schwer auf. Tie „Herren". Er gehörte ja auch zu den Herren, er, der Bauer vom Wald. Frau Polentz inszenierte einen wirkungsvollen Abschied, als gälte es, von einem Märtyrer der öffentlichen Meinung zu scheiden. Polentz selbst hatte nur eine Besorgnis, die aufgeregte Menge. Nachdem ihn die Beamten völlig beruhigt, alle Maßregeln seien getroffen, rüstete er sich§, dem Verhängnis- wie er es nannte, mit dreister Stirn entgegenzugehen. Johannes schwankte unsicher, die Beamten mußten ihn stützen. Was waren alle Strafen der Gerechtigkeit, welche etwa über ihn verhängt wurden, gegen diesen Gang! Der Abschied von seinem weinenden Weibe, das der bitterste Vorwurf zu Boden drückte, war kurz. Wir haben uns nix vorz'werfen gegenseitig Moni, und was no komma soll, verdient häb'n wir's. Grüß mir d' Rosl!" Ta brach- er in Schluchzen aus. Der Name, den er fast vergessen hatte, weckte alle heiligen Erinnerungen. Tie Menge ließ sich nur mit Anwendung von Gewalt von dem Wagen ferne halten, welcher die drei Männer ausnahm. Laute Drohworte erschallten, und als Johannes — 230 — die Stirn! so beugte'er das Lauvt^ f M Ü ™ I ? toar wieder der arme verführte, um sein Eigentum AltinaersAnllW 9enbLtct traf ’^Ott feme Faust Johannes I Rechter können darauf freilich keine Rücksicht nehmen, und A sank lautlos in die Eniee srtS ■« C I leber Richter der Welt hätte ihn verurteilen müssen; aber an einer Stelle aerötet ' ba§ weiße Haar war I damit er auch der Gerechtigkeit Genüge geschehen, und Ter^Lärm verstummte m.r h„ä w , I e§ ’et * mehr als billig, ihm jede mögliche Erleichterung k ■f ’o Jtltr das Gebrüll des Thaters I zu gewähren. 0 dee ^uft, welchen zwei Polizisten mit Mühe I Sein Weib war einen Monat nach seiner Verbartuna dem Lmdkn L to&SSSf* **• ®“ k'°"d SffWen. «q- R°«i« wurde "K 'm,7 dL W"° Jäl . i i. ,,, , , ,, I Vorst« erst »°ch I-m-r Genesung mirbl-cht. s-r Schl-, ^udasi" f e 9 ww't, der Vater! Verdammter I hatte fre gerührt, der Kummer, die Sorge um ihn, die v SRpfrimpr! ja m a , I zehrende Schande toar wohl die Ursache. der mit bem ?^w Wage>i nach, I Sie hatte ihre Schuld mit dem Tode büßen müssen. Vor dem Ä rasch davonfuhr. I und er, der viel Schuldigere, er kam darüber hinweg, stein J ae® iiS S/ ? enl?“r eut Pflaster- I lebte ordentlich wieder auf unter der sorgsamen Pflege. 1 101 0efarbt dom Blute des Johannes. I Ter Matthias, den sie allerdings sreigesprochen hatten, „ 8. I als völlig unzurechnungsfähig in geschäftlichen Dingen, Um das Fenster mit der düsteren Eisenverqitteruna I war nach Amerika ausgewandert. Heimatlos, mittellos, wob das Frühjahr. Apfelblütenduft drang herein, ja, einer I er wohl der stärksten Buße entgegen. Ihn selbst würde der übervollen Zweige ließ es sich nicht nehmen, seine I bie Rost und ihr braver Mann womöglich im Triumph auf Last auf euren der Stäbe zu stützen. I den Hof bringen, wenn die Zeit seiner Entlassung gekommen, Ter warme Sonnenschein vergoldete die schneeweißen I stber dagegen wird er sich energisch wehren. Das darf nicht bte kahlen, weißen Wände, das weiße Bett, da« I letrt' das Recht hat er auf immer verwirkt, seine Heimat weiße Kruzifix darüber, das weiße, bis auf die Schulter I wieder zu betreten, den ehrlichen Boden, den er verlassen, chllende Haar eines! Mannes, der, in einem Lehnstuhl aus I ®ie $Iüte in seiner Hand brachte ihn wieder darauf. Rohrgeflecht sitzend, unverwandt hinaufblickte zu dem neu- I Das Frühjahr im Walde! gierigen Blütenzweig. Nur schade, daß der Sonnenschein I "Wenn die Vögel schön g'sunga hab'«, und der auch das düstere Eisengitter abzeichnete, auf den schnee- I Kuckuck g'ruf'n, und die Käfer g'sürrt, ünd der Saft werßen Treten, ein häßliches, schwarzes Viereck, welches I herausquoll'n is zu der Rind'n lind die junge Trieb, ünd die ganze Frühjahrsharmonie störte. I der G'ruch, der G'ruch!" — Er schloß dir Augen in Aber daran war trotz aller Milde, welche ausgeaossen I fe(t9er Erinnerung. war über den ganzen Raum, nichts zu ändern; denn der I (Schluß folgt.) Raurn war ein Gefängnis, und der Mann am Fenster I ----------- nut dem wallenden, weißen Haar ein Gefangener —I mll!f i Johannes, der Bauer vom Wald. I aö C t l ÖJ C tt. Eine Blüte löste sich vom Zweige oben, und flatterte» Bon Theo Seelmann. herab, gerade tn seinen Schoß. I iNawdrm* > dann mit'^nüdem Lächelii Mmrf,'als'nullte er" dem chmch! I wieder die blauen Köpfchen hervor, seinen Tank saaen Dann blickte er fn-nn» 9k I und schüchtern, aber doch! zugleich hoffnungsfreudig, auf das zarte Gebilde in'' seiner^ kopfschüttelnd I fle die zarten Blumenkinder, die bem kMting entgegen Es war aber auw7u sonderbar" I lächeln, die unschuldsvollen, duftigen Veilchen Veilchen alles verschworen Bütte $ifim nur ßfct+pa „Ae l(^ I unb Frühling sind eng miteinander verbunden. Mögen zuthun ihm dem alten Sünder ^dem LdL I auch Schneeglöckchen, Krokus- und Schlüsselblumen anmutig SEÄSJ-SB« O, er war selbst emvört über diele . I z Rach einer orientalischen Legende entstand das Veil- S*.Ä, E«. M d/n 4?ueunbb'bi?S«Äl' ÄÄ fte ÄS —6 «UWÄ.JS 8MKMÄ MAMPKMM er^es" nicht" und "l>a'Welle "doch fow?^"""^ I es fortan seine süßen Düfte als Opfer gen Himmel steigen. . Und der schönen Reden selbst""^ «« chahr Gesangnes gaben wegen Teilhaberschaft an dem I allen Zeiten Veilchenkränze auslagen Pinda? si at voll betrugerrschen Bankerotte, während ber Polentz zu sechs I Beaeiüeruna Ta herbrpifptt Sa irtFnvtS ov Li r-,• - * _ ,,,,».__ j. _ >> ^o^ne ■ aber bn^ Laub, das Wonneland, und flichw'man Rosen unverdiente Begünstigung. I sich ins Haar." Die Dichter nannten die Stadt Athen di! uls er dann schwer erkrankte, kam der Arzt, ein I Veilchenbekränzte", und die Bildhauer stellten sie als eine m ann' fb?r Trost zusprach, ihn in diesen I Frauengestalt dar, die einen Veilchenkranz trug. Mit freundlichen Raum bringen ließ, und die Rosl durfte | Veilchensträußen und Veilchenkränzen schmückte man die « bi- Beamten erkunblgien Kinbet. 'bi, b-s dritte SSTlSg.’JitJ -mm-,, »mit er »mm °« W Gitt. I «“Ä® Werts Fußb, ihnen zu, w und i nahm Horaz über nützlic T Deutsi Frühl Blütei zufind geschn Mädck den 9 duften D gekrör zugew ling, auf si zusiedi chen r poleon Ehe t In d so die! Blutg, eines zugesa als ei daran! jetzt < „das > chenstr trug dem 2 in bei robe. stets k ihm o Bitte lag a sephin Male, poleon leidet, noch । still i Sarg ihm ( B liebe ! blume gestürZ schmüc de» 1 wäre. Hatte Perse spielb Okear flauem die Z Hast: den < Welt, berge! abfüh des 2 tiefbl, Veilch Sterb chen man ■e» 281 Sä d«A LodeS fügte man die dunkelblauen Blüten auf. Sie waren der Persephone, der Göttin der Unterwelt, geweiht. Hatten sie doch nach der Sage einst das Geschick der Persephone selbst entschieden. An einem Frühlingstage spielte Persephone, Zeus' Tochter, mit den Töchtern des Okeanos auf einer blumigen Wiese. Rings um die Jungfrauen standen in reicher Fülle Narzissen und Veilchen, die Zeus für sie hatte aufsprießen lassen. Voll freudiger Hast pflückten sie die blauen Blümchen, als plötzlich unter den allzu eifrig Beschäftigten Pluto, der Gott der Unterwelt, aus dem Schoß der Erde auftauchte, und die sich vergeblich sträubende Persephone in das Schattenreich hinabführte, um sie zu seiner Gemahlin und zur Beherrscherin des Totenreichs zu machen. Von da an nannte man die tiefblauen Blumen „die Veilchen der Persephone". Mit Veilchen bestreute man in Anknüpfung an diese Mythe das Sterbelager frühzeitig verschiedener Jungfrauen, mit Veilchen bekränzte man den Sarg, und mit Veilchen schmückte man den Grabhügel. Auch bei den Römern erfreute sich das Veilchen hoher Wertschätzung. Sie bestreuten bei den Gastmählern den Fußboden mit den duftigen Blümchen, umkränzten mit ihnen die Becher und Milchkrüge, und setzten sie dem Wein zu, wie wir es jetzt mit dem Waldmeister, den Erdbeeren und der Ananas zu thun pflegen. Der Anbau der Veilchen nahm im alten Italien einen derartigen Umfang an, daß Horaz an seine Zeitgenossen die Mahnung richtet, nicht über die Veilchenkulturen die Anlegung und Pflege der nützlichen Olivenhaine zu vergessen. Tas erste Veilchen galt in früheren Jahrhunderten den Deutschen als der sichtbare Verkünder des langersehnten Frühlings. Jung und Alt war begierig, das erste blaue Blütenköpfchen auf dem Anger und an der Hecke aufzufinden. Man steckte es an eine mit bunten Bändern geschmückte Stange, die, begleitet von den Burschen, und Mädchen, in das Dorf getragen wurde. Hier schlang man den Reigen, und umtanzte unter fröhlichem Sang den duftenden Frühlingsboten. Wie die Völker, so haben auch die Dichterfürsten und gekrönten Häupter dem Veilchen ihre besondere Gunst zugewandt. Shakespeare nannte das Veilchen seinem Liebling, Goethe trug beständig Veilchensamen bei sich, den er auf seinen Spaziergängen ausstreute, um die Veilchen an» zufiedeln, wo er nur konnte. Eng verknüpft war das Veilchen mit dem Geschick der Napoleoniden. Josephine, Napoleons erste Gemahlin, hatte es schon während ihrer Ehe mit Alexander Beauharnais in ihr Herz geschlossen. In den Stürmen der Revolution wurde auch sie, wie so viele andere, gefänglich eingezogen. Der Tod auf dem Blutgerüst schien ihr nahe bevorzustehen. Da wurde ihr eines Tages von befreundeter Seite ein Veilchensträußchen zugesandt. Die schon Verzweifelnde faßte die Blümchen als einen Schicksalswink auf, und wirklich verordnete Tags darauf das Revolutionstribunal ihre Freilassung. Von jetzt an wurden ihr, wie sie es nannte, die Veilchen „das Symbol des Lebens und des Glückes". Einen Veil- chenstrauß an der Brust, und einen Veilchenstrauß im Haar trug sie bei ihrer ersten Begegnung mit Napoleon. An dem Tage ihrer Vermählung mit ihm hielt sie Veilchen in der Hand, und mit Veilchen bestickt war ihre Hochzeits- robe. Ihre dringende Bitte an den Gatten ging dahin, stets bei der Wiederkehr des Hochzeitstages Veilchen von ihm als Geschenk zu erhalten. Und Napoleon vergaß diese Bitte nicht, wo er auch weilte. Lange Jahre hindurch lag am Hochzeitstage ein frischer Veilchenstrauß auf Jo- sephinens Betpult. Im Jahre 1808 fehlte er zum ersten Male, und int nächsten Jahre wurde Josephine von Napoleon — geschieden. Fortan waren ihr die Veilchen verleidet. Sie duldete sich nicht -meist in ihrer Nähe. Nur noch einmal grüßten sie sie, damals, als sie kalt und still int Gartensaal von Malmaisvn ruhte. Aus ihrem Sarg lag ein mit Veilchen besticktes Seidenkissen, und auf ihm ein Deilchenstrauß, die letzte Gabe des Kaisers. Bon Josephine übernahm Napoleon selbst die Vorliebe für die Veilchen. Sie wurde geradezu die Parteiblume der Napoleoniden, und ihrer Anhänger. Als der gestürzte Kaiser unerwartet von Elba zurückkehrte, da schmückte sich ganz Paris mit Veilchen, und in schwärmerischer Verehrung nannte man ihn den „Veilchenvater", der den Lenz des Sieges und Ruhmes zurückbringen werde. Mein zum zweiten Male drückte ihn die Macht seiner Gegner zu Boden. Wiederum mußte er den Boden Frankreichs verlassen. Vor seinem Abschied suchte er das Grab Josephinens auf, und pflückte sich einige Veilchen. Als er in der Verbannung auf St. Helena sein Leben geendet hatte, fand man in einer goldenen Kapsel, die er auf der Brust trug, eine Haarlocke seines Sohnes, des Königs von Rom, und zwei vertrocknete Veilchen. Unter den preußischen Herrschern war es Friedrich Wilhelm III., der dem Veilchen besonders zugethau war. Mit Veilchen umkränzte er das Bild seiner verstorbenen Gemahlin Luise, und ein solches geschmücktes Bild stand vor ihm auf dem Schreibtische als er Schinkel den Entwurf für das eiserne Kreuz übergab, das die Helden des Befreiungskrieges zieren sollte. Ebenso liebte Kaiser Wilhelm I. die Veilchen außerordentlich. Jeden Morgen, wenn ihm das Frühstück gebracht wurde, war der Teller, selbst mitten im Winter mit Veilchen umkränzt. Und an seinem Geburtstage prangten zu den Gaben aus Nah und Fern neben den im Warmhaus gezogenen Kornblumen auf dem Geburtstagstisch Veilchen in verschwenderischer Fülle. Wie der Vater, so hatte auch der Sohn, Kaiser Friedrich III., ah dem Veilchen ein hohes Wohlgefallen. Als er in Fried- richskron mit dem Tode rang, da strömten ihm von allen Seiten Veilchensträuße zu, als liebevolle Trostspenden, und doch auch! zugleich als letzte Scheidegrüße. Neben dem wundervollen Blau ist es der süße Duft, der uns am Veilchen so entzückt. Und doch gehört dieser Duft dem Veilchen nicht ausschließlich an; denn ganz ähnlich! dem Veilchenduft ist derjenige gewisser Schoten-- gewächse, wie der Levkojen, des Goldlacks, den der Volksmund bekanntlich auch „Veigl" nennt, und der Nachtviole. Außerdem entsenden auch die Frühlingsknotenblume, die im Herbst blühende gefranzte Enzian, die grün blühende Seidelbaste, die blaue Seerose des Nils und die tierfangende Sarrazenie aus ihren Blüten einen ausgezeichneten Veilchenduft. Trotz ber Vervollkommnung der Chemie ist es bisher noch nicht gelungen, die Essenz, die den Duft ausströmt, unmittelbar aus den Blüten darzustellen. Man muß daher zur Gewinnung des Parfüms einen Umweg einschlagen. In ein Gestell werden abwechselnd Bleche mit frischen Veilchen und mit Drahtgeflecht überzogene Rahmen, die mit dünnen Paraffinstreifen belegt sind, eingesetzt. In einiger Zeit hat das Paraffin den Veilchenduft angenommen, nicht aber den laubartigen Geruch der den Veilchenblüten noch eigen ist. Diese Veilchenpomade wird dann mit Weingeist behandelt, so daß nun der Duft in diesen übergeht, und so der Veilchenextrakt gewonnen wird. Der echte Veilchenextrakt steht hoch im Preise. Aus diesem Grunde hat man sich auch nach Ersatzstoffen umgesehen. Zur Gewinnung veilchenartiger Gerüche verwendet man Jasmin, Mimose, Kassia und die Wurzelknollen der Schwertlilie. Aus den letzteren wird ein als Iran bezeichneter Extrakt hergestellt, der mit dem echten Veilchenextrakt eine täuschende Aehn- lichkeit besitzt. Die große Mehrzahl der billigeren Veilchenparfüms besitzt keine Spur von wirklichem Veilchenduft, sondern es waltet hier nur, wie auch sonst so vielfach, der schöne Schein vor. — Kesundsteitspffege. Wie stillt man Nasenbluten? Zur Beantwortung dieser Frage wird der „Nat.-Ztg." von ärztlicher Seite geschrieben: Das beste und einfachste Mittel, welches jederzeit überall in Hülle und Fülle vorhanden ist, bildet die frische, möglichst kalte Luft, recht tief und schnell durch die Nase eingeatmet, einige Zeit in der Lunge zurückhalten (Atemhaltung), dann rasch durch den Mund ausgesloß - Ties wird 20- bis 30mal wiederholt. Solche Atemhaltui n stellt in dem ungeheuer erweiterten Sungeninnern eine von Säugpumpe her, deren Wirkung sich mit der ein: > riesigen Schröpfkopfes vergleichen läßt, welcher das ; dorthin zieht und dadurch die Adern der Nase und des Kopfes ziemlich blutleer macht. Diese Lungensaugkraft ift so gewaltig, daß man die von ihr angeregte Blutströmung bis hinunter in die Füße verfolgen kann! Auch hält der mächtig durch die Nas» eingezogene Luftstrom das Blut eine 23L Zettlnag in derselben zurück und bringt es durch die Kältewirkung leichter auf der Wunde zum Gerinnen. Die Arme hält man stets hoch über den Kopf. Befindet man sich im Zimmer, so stellt oder setzt man sich, auch im Winter, ans offene Fenster. Der Kopf darf dabei nie gebeugt sein, weil eine abschüssige Haltung dem Blutausflusse aus der Nase entschieden Vorschub leistet. Wirksam unterstützen kynn man diese Kur, indem man die Füße durch Reiben und heißes Fußbad erwärmt, wodurch, das Blut von oben abgelenkt wird. Dies ist das wertvollste und einfachste Mittel gegen Nasenbluten, welches man stets zuerst anwenden sollte. Leicht auszuführen ist auch das Einziehen von recht kaltem Wasser aus der hohlen Hand. Dabei darf man aber, aus dem vorhin angegebenen Grunde, Kopf und Oberkörper nicht tief über das Wasserbecken beugen. Zugleich macht man kalte Wasserumschläge auf Nase und Stirn, dagegen heiße in die Nackengegend. Will die Blutung nicht stehen, so spritzt man den frisch ausgedrückten Saft einer Citrone mit einer kleinen Spritze in die blutende, vorher von Gerinnseln befreite Nasenhälfte. Schließlich sei noch auf die vielfach empfohlene Einspritzung von heißem Wasser (53 Grad C.) hingewiesen, bei welcher der Kranke aber fortwährend geräuschvoll (schnarchend) durch den Mund atmen muß, damit das Eintreten von Wasser in den Kehlkopf vermieden wird. Das vielfach angewandte Verstopfen der Nase mit Watte nützt nur dann bisweilen, wenn die blutende Stelle ganz vorn liegt. Befindet sie sich weiter hinten, so fließt das Blut ilt den Rachen; und eine hintere Verstopfung ist nicht nur höchst lästig, sondern kann sogar gefährlich werden. ließ er den Biergenuß. Es ist Thatsache, daß ein starker andauernder Genuß von Bier bedenkliche gesundheitliche Störungen hervorzurufen im stände ist. Namentlich sind es in erster Reihe Herzverfettungen, die bei Biertrinkern häufig auftreten und oft den plötzlichen Tod in den besten Lebensjahren herbeiführen. Der Münchener Universitätsprofessor Moritz hat den Einfluß des Bieres auf die Gesundheit einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Tie beste Gelegenheit bot ihm freilich diese Stadt der Biertrinker dazu; denn was so ein echter Münchener ist, der macht's ja nicht unter drei, vier Maß zum Frühstück. Der Herr Professor ist zu folgenden Ergebnissen gekommen: Tas Bier sollte eigentlich nur zu den Hauptmahlzeiten genossen werden, während es in den Zwischenzeiten oder gar als Ersatz der festen Nahrung zu verwerfen ist. Da der Biergenuh ermüdend aus den ganzen Körper einwirkt, ist das Bier des Abends am meisten zu empfehlen. Ein Genuß von etwa anderthalb Liter Bier täglich entspricht der für einen erwachsenen Mann noch bekömmlichen Menge, während für die Frau nur die Hälfte anzusetzen ist. Selbstverständlich ist, daß bei Personen, die schwächer veranlagt sind, oder solchen, die überhaupt wenig zu trinken gewohnt sind, sogar dieser als mäßig bezeichnete Biergenuß nachteilig auf die Gesundheit einwirkt, und es ist Sache des einzelnen, zu beurteilen, wie viel er höchstens trinken darf, ohne nachteilige Folgen zu verspüren. Ein regelmäßiger täglicher Genuß von drei bis vier Liter ist auch für den gesunden Menschen bedenkliche Unbedingt verwerflich ist der Biergenuß bei Kindern, und sollte man denselben bis zur vollendeten Entwickelung, jedenfalls bis zum 12. oder 14. Lebensjahr, tote überhaupt geistige Getränke jeder Art unter allen Umständen vorenthalten. (Werkstatt.) Wlumenpflege. Vom Schneiden der Rosen. Schneidet man die Rosen kurz oder schneidet man sie lang, oder tote schneidet man sie? — das sind Fragen, die sich jedem Rosenfreunde aufdrängen, wenn er an seine Rosenbeete tritt. Für alle frischgepflanzten Rosen gilt eine Grundregel: man schneidet die Zweige kurz auf zwei Augen zurück, später aber wollen die Rosen entsprechend ihrer Eigenart geschnitten werden, Rankrosen anders als Theerofen, diese anders als Thee- hybriden. Ueber das „Wie" gießt -ein Artikel in Nr. 2 des „Erfurter Führers im Gartenbau" erschöpfende Aus- siinft. Unseren Lesern steht diese Nummer kostenfrei zur Verfügung, wenn sie sich mittels Postkarte an das Geschäftsamt des „(Äsurter Führers im Gartenbau" in Erfurt wenden. Vermachtes. Der Ursprung desWortes ,,d) i c" macht einer französischen Zeitschrift Kopfschmerzen und giebt ihr Veranlassung, sich folgendermaßen auszulassen: „Wohl kennt man schon lange dieses kleine Wörtchen tote auch dessen Bedeutung, doch würde man nur schwer anzugeben vermögen, wann oder bei welcher Gelegenheit es entstanden ist. Manche wollen behaupten, daß es von einem Schüler des berühmten Malers David stamme, der „Schic" hieß, und dessen Bilder eine so eigenartige Feinheit in der Ausführung zeigten, daß seine Kameraden sie auf den ersten Blick erkannten und, wenn sie den besonders sorgfältig gearbeiteten Bildern anderer Maler Anerkennung zollen wollten, einfach erklärten, daß sie überaus „Schic" ähnlich sähen. So hat sich das Wort auch auf vieles andere übertragen. Diese Erklärung hat nun manches für sich, doch scheint man das fragliche Wörtchen auch schon lange vor der Zeit Davids gekannt zu haben. Im 17. Jahrhundert trifft man es bereits an, und es wurde damals als eine Verkürzung 'des Wortes „Chicane" gebraucht. So sprach man von einem tüchtigen Rechtsanwalt und Verteidiger, wenn man die Klugheit und Finessen seines Vorgehens besonders hervorheben wollte: „Er hat Chic". — Warum sicht doch die Franzosen so den Kopf zerbrechen! Wissen sie nicht, öder wollen sie es nicht eingestehen, daß ihr geliebtes Wort „chic" aus der Sprache der verhaßten Deutschen kommt, und daß es nichts anderes als unser „Schick", d. h. Geschicklichkeit, bedeutet? Ende des 16. Jahrhunderts kam das Wort mit vielen anderen tausend Wörtern, die die französische Sprache int Laufe der Jahrhunderte der deutschen entnahm, zu unfern linksrheinischen Nachbarn. Litterarisches. Welche Recht« und Pflichten haben Arbeitgeber nnd Arbeitnehmer? Von Max Diefke. Berlin, Hugo Steinitz Verlag. Die vorliegende Broschüre ist eine volkstümliche Darstellung der deutschen Arbeitergesetzgebung nach der Gewerbeordnungsnovelle vom 1. Juni 1891. Nach dem Muster des Gesetzes selbst hat der Verfasser seine Arbeit in fünf Hauptabschnitte — allgemeine Verhältnisse, Verhältnisse der Gesellen und Gehilfen, Lehrlingsverhältnisse, Verhältnisse der Werkmeister und Techniker, und Verhältnisse der Fabrikarbeiter — geteilt und ist auch im einzelnen der Rechtsordnung gefolgt. Bei der Erläuterung der einzelnen Bestimm- ungen sind die gesetzlichen, ministeriellen und polizeilichen Ausführungs- Vorschriften mit anerkennenswerter Gründlichkeit herangezogen. Die Broschüre dürfte wohl geeignet sein, das interessante und zum Teil recht schwierige Gebiet d er Arbciterschutzgesetzgebung dem nicht juristisch geschulte» Publikum näher zu rücken und mit der Kenntnis von dem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeiter auch dieses Verhältnis selbst zu bessern. Da? ansprechend ausgestattete Buch kostet 1 Mark und ist in allen Buchhandlungen,zu haben. Kinder-Zeitung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 80. Was in der Welt vorgeht: Aus China; Neues vom Burenkrieg; Sind die Buren feige? Ein deutscher Fürst; Eine Reise durch Griechenland; Ein neues Unterseeboot; Vom türkischen Sultan. Aus dem Reiche der Natur: Der Hühnerhabicht in der Gefangenschaft; Ein Löwenspaziergang. Der Beobachter in Wald und Feld: Ein Ausflug in den Sumpf; Die ersten Störche. „PeterS wunderbare Reisen und Abenteuer." (Forts.) Erlebnisse. Allerlei, — Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75. Kreuzrätsel. 16} 1—2 biblischer Name. U 3-4 Insekt. --——_ 1—3 nützliches fremdes Lier. 3 1 1—4 Möbelstück. ' 2—4 schlimme Bereinigung. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: Kartenverteilung: B. oD, 9, 8, 7; aA, K, 9; dA, K, 9. M. a, b, cB, ol0; alO, D; bK, D; dlO, v. H. dB, oA, K; a8, 7; bA, 10, 9; d8, T. Skat: b8, 7. Spiel: 1. B. c9, clO, cA (- 21). — 2. H. bA, ov, bD. 3. B. c8, cB, cK (— 6). — 4. M. bK, blO, o7. 5. B. aA, aD, a7. — 6. V. a9, alO, a8. 7. M. aB, dB, aK (— 8). — 8. M. bB, b9, d9 (— 2). Die letzten zwei Stiche macht der Spieler; die Gegner find also nur bis 47 gekommen. RKsw.rn: T. Burkhardt. — Nrnck mb Verlag der Brühl'scheu U»i»erfitilts-Buch- und Steindrucke! ei (Pietsch Erden) in Mesen.