Dienstag den 24. September. ^wÄr, iFllöh i8 ■i.'__• ra§ Herz? — baS ist ein Eselchen, ' Es hat zwei lange Ohren, Ein eigensinnig, störrig Ding, Zum Lasttier auserkoren. Es trägt sein ewig Kreuz daher, Und schüttelt sich und sträubet Sich sehr, und läuft daun allzuschnell, Bon Schlägen fast betäubet. Ein dickes Fellchcn hat es auch, Sonst trüg's nicht so viel Hiebe; Und wenn's am allerdümmsten ist, Hat's eine große Liebe. Carmen Sylva. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elftem (Fortsetzung.) III. f* „Weshalb kommst Du nicht zu uns, lieber Eitel Fritz?" .fragte sie schmeichelnd. „Fehlt Dir etwas? — Vor einer halben Stunde ist Arno Sannow gekommen, um mit Dir den letzten Abend zuzubringen." Mit einem müden Lächeln blickte Eitel Fritz auf. „Sollte Arno Sannow wirklich nur um meinetwillen gekommen sein, Ruscha?" fragte er. Ruscha errötete. „Er behauptet es wenigstens. . ." „Das ist nicht sehr galant von Arno", entgegnete Eitel Fritz und erhob jtd} langsam. Sein Blick glitt dabei Wer die zierliche Gestalt seiner Schwester, die, ganz das Ebenbild der Mutter, deren dunkle, pikante, ^eigenartige Schönheit der Polinnen geerbt hatte; die Gestalt so schlank Und zierlich, und doch nicht schwächlich, die Füße und Hände von ausfallender Zierlichkeit, das zarte Gesicht mit den großen, dunkelflammenden Augen von einer üppigen Fülle brauner Löckchen umrahmt, der rosige Btund kindlich scheu und doch wie dürstend nach dem Kuß der Liebe, lächelnd r— so stand das zierliche Persönchen da, fest und! sicher auf den Füßchen, leicht und graziös in allen Bewegungen wie das Reh des Waldes. Nem, dieses zierliche, hübsche Wesen, diese kleine Aristokratin von den krausen Löckchen bis zu den zarten Füßchen, war nicht geschaffen, den Stürmen des Lebens zu trotzen! —• Arbeiten! — dieses Wort kannte Ruscha ebenso wenig, wie die Mutter, die geborene Gräfin von Czarto- rinski, oder die kränkliche Schwester Wanda) die vor jedem rauhen Lustzuge wie ein krankes Kind sorgsam gehütet werden mußte. — Der Gedankengang, dem er sich vorhm hm- gegeben, kam ihm jetzt selbst lächerlich vor, und das Gefühl der Pflicht, für diese dem Leben gegenüber so W losen Wesen stieg stärker in ihm empor. Ja — aber erfüllte er denn nicht auch seine Pflicht, wenn er für Mutter und Schwester arbeitete? Er seufzte tief auf. Er konnte sich nicht zur Klar-, heit durchringen. Ruscha sah ihn erstaunt an. „Was ist Dir, Eitel Fritz?" „Nichts — nichts! — Ich hatte so! meme Gedanken H na, ein junger Dragoneroffizier hat auch Gedanken, Schwesterchen, und manchmal recht trübe,. . ." . „Bist Du in Geldverlegenheit, armer Frttzebruder!"■ fragte Ruscha mitleidig und schelmisch zugleich „Muß es sich denn bei einem Leutnant stets uin Geld und Schulden handeln?" „Na, meistenteils doch —" lachte Ruscha. „Soll rch mal mit Mama sprechen?" „Um keinen Preis.! — Hörst Du, Ruschch daß Du Mama nichts sagst!" „Wenn Du es nicht willst, gewiß nicht. ES Aber nun komm..." , , „Ja — laß uns gehen. Es nützt ja doch mchts, den Kopf hängen zu lassen." Er zog ihre Hand durch seinen Arm, und so träten, fte auf die Veranda hinaus, auf der soeben der Dien-r die Lampen angezündet hatte. „Wo steckst Du denn, Eitel Fritz? Wollte Dir doch wenigstens noch einmal Adieu sagen —" Tie jugendlich-kräftige Gestalt Arno Von Sannvs erhob, sich rasch aus dem Korbsessel und streckte.Eitel Fritz die Hand entgegen. _ „ „Das ist sehr liebenswürdig von Dm, Arno", ent-, gegnete der junge Offizier, dem Jugendfreunde und Regi-, mentskameraden von der Reserve die Hand schüttelnd. „Ich fahre allerdings bereits morgen in aller Frühe, Wie geht's? Hast wohl jetzt viel zu thun?" , „Na, wie jeder Landwirt in der begrünenden Ernte-^ zeit. Aus meinen Inspektor kann ich mich nicht verlassen,'s! ist ein Fluchtikus — ja, wer so gut dran ist, wie Sie, Herr Rittmeister. Breymann ist ja eine wahre Perle." , „Der Mann ist aber doch urit der Zeit sehr wunderlrch geworden — für mich ein unerträglicher Mensch", warf dre Baronin mit hochmütiger Mene ein. „Bedenke, liebe Wanda, daß Inspektor Breymann fett länger als fünfundzwanzig Jahrerr Petershagen selbstandtg bewirtschaftet", sagte der Rittmeister. „Ja, es taugt nichts, wenn man die Leute zn lange behält; dann werden sie rechthaberisch^ „Ich bitte Dich) Wanda. . „Laß nur. Ich weiß ja, daß Du nichts aus Breymann kommen läßt. Aber denken Sie sich) Herr von Sannow) daß Inspektor Breymann feine Tochter wie. eine Dame hch 542 erziehen lassen — sie ist zwei Jahre in einer Dresdener Pension gewesen, dann bei einem Verwandten, der irgendwo Gutspächter ist — einen Flügel hat der Inspektor seiner Tochter gekauft, nun, ich meine, daß es auch! ein einfaches Pianino gethan hätte. . „Du vergißt stets, liebe Wanda", unterbrach der Rittmeister seine Gattin, „daß Breymann aus sehr guter Familie stammt." „Ich hörte noch nie etwas von einer Familie Breymann." „Ich meine, aus einer sehr guten bürgerlichen Familie. Sein Vater war Königlicher Domänenpächter und Oberamtmann, sein älterer Bruder ist ebenfalls Domänenpächter — Breymann hat in seiner Jugend viel Unglück mit einer Pachtung gehabt, na, das kann jedem begegnen. So wurde er hier Inspektor und ist hier hängen geblieben." „Hängen geblieben? — Welcher Ausdruck! — Ich glaube, er kann zufrieden sein, daß er hier hängen geblieben ist. . ." „Ja, Herr Rittmeister", nahm Arno Saunow das Wort, „da stimme ich! Ihrer Frau Gemahlin zu. Breymann soll jetzt ein wohlhabender Mann fein . . ." „Könnt Ihr denn von nichts anderem sprechen, als von diesem Inspektor Breymann?" fragte die ältere Tochter des Rittmeisters, die blaß und abgespannt in einem Sessel ruhte. Wanda von Petershagen war seit einigen Jahren leidend, ein schwächliches Kind war sie von jeher gewesen, jetzt hatte sich das Leiden auf ihr Nervensystem geworfen und drohte in hochgradige Hysterie überzugehen. Sie war im Frühling einige Wochen zur Knr in einer Heilanstalt gewesen, langsam erholte sie sich jetzt wieder in der Frischen, erquickenden Landluft von Petershagen. Das Gespräch wandte sich jetzt anderen Gegenständen zu, und Eitel Fritz atmete auf. Ihm war das Gesprächs über den Inspektor und Else Breymann im höchsten Grade peinlich gewesen, und doch scheute er davor zurück, für den Vater seiner Else einzutreten; die Worte seines Vaters klangen ihm noch- in den Ohren, und er wollte das Geheimnis seiner Liebe nicht leichtsinnig preisgeben. Er war mutlos geworden. Heute nachmittag, im hellen Glanz der Sonne, umwogt von dem goldenen Meer der Aehren, an der Seite des geliebten Mädchens — da hatte er die Hindernisse, die sich ihrer Liebe entgegenstellten, gering geachtet. Mit kühner Hoffnung hatte er fte in Gedanken bereits überwunden. Jetzt, im Kreise seiner Familie, in der vornehmen Umgebung des elterlichen Hauses ward er zaghaft und mutlos. Die stolze unb doch von Krankheit gebrochene Mutter, die leidende Schwester und Ruschn, das zierliche Elfchen, dessen dunkle Augen mit geheimer Sehnsucht an Arno Sannow hingen, der Vater, mit seiner rücksichtslosen Forderung strenger Pflichterfüllung — alle waren wider ihn — alle Verhältnisse türmten sich gleich berghohen Hindernissen vor feinem Glück, seiner Liebe auf. Er wußte sehr wohl, baff Arno Sannow kein reicher Mann war, sonst wäre er aktiver Offizier geblieben. Er bewirtschaftete sein Gut Jeseritz gut und sparsam, aber da lebten noch seine Mutter und drei Geschwister, die ebenfalls von Jeseritz zehrten, und so konnte sich Arno den Luxus einer Heirat nur nach Liebe nicht gestatten. Er mußte wenigstens etwas Kapital in die Hand bekommen — das hatte er Eitel Fritz oft genug gesagt. Deshalb hatte sich Arno Ruscha auch noch nicht erklärt. Man wußte tn der Umgegend ganz gut, wie es mit Petershagen stand. Und doch liebten sie fick — man sah's an dem Aufleuchten ihrer Augen, wenn sich ihre Blicke suchten und fanden! Eitel Fritz verbrachte eine schlaflose Nacht. Immer aufs neue zermarterte er seine Seele mit Plänen und Entschlüssen, die sich stets wieder als unausführbar erwiesen und in nichts zerflatterten. Nirgends bot sich ihm ein Ausweg, wie unzerreißbare Ketten umfesselten ihn die Verhältnisse. Gegen Morgen sank er in einen dumpfen Schlummer, da weckte ihn aber bereits der Diener. Es war Zeit zum Aufstehen, das Frühstück wartete schon aus ihn im Speisezimmer, und der Kutscher draußen mit dem Wagen. Im Speisezimmer traf er seinen Vater, von Mutter und den Schwestern hatte er schon am Wend vorher Abschied genommen. „Tu schon auf, Papa?" „Wollte Dir doch noch einmal die Hsind schütteln, mein Junge", entgegnete Hans Joachim, „wer weiß, ob wir uns Wiedersehen." „Welcher Gedanke, Papa?!" „Na, man fühlt das Alter und — unverhofft kommt oft. Einmal hat sich ja schon Freund Hein angemeldet mit einem kleinen Schlaganfall." „Papa, spricht nicht so — Du, das Bild der Gesundheit !" „Danke sirr das Kompliment. Aber die ersten fünfzig Jahre sind doch die besten, und der Teufel soll das! sogenannte schöne Alter holen. — Und dann, mein Junge, wenn mir etwas zustoßen sollte, denke an unsere gestrige Unterredung — mach' keinen Unsinn, Eitel Fritz. Schlag Dir die schöne Else aus dem Sinn. 'Ein Prachtmädel ist sie ja, und ich verdenk' Dir's nicht, daß Du. Dich in ihre Märchenaugen verguckt hast — aber weiter nichts, mein Junge, — 's wäre schade um das Mädel, wenn.... na,- ich will weiter nichts sagen." „Das ist auch das beste, Papa, ich weiß selbst, was ich zu thun habe." „So ist's recht — und nun leb' wohl, mein Junge. Tas Geld bekommst Du, wenn wir den ersten Roggen gedroschen haben. Der Gumbinner aus Danzig wartet schon darauf, und der zahlt brav. — Also, leb' wohl und halt den Nacken steif." Er umarmte den Sohn und küßte ihn zärtlich auf beide Wangen. Es schimmerte feucht in den Augen des alten Herrn, der sich in merkwürdig weicher Stimmung befand. Noch ein herzhafter Händedruck, dann sprang Eitel Fritz in den Jagdwagen, der Kntscher schnalzte leicht mit der Zunge und dahin flog das leichte Geführt die Kastanienallee entlang, welche Schloß Petershagen mit dem Dorfe verband. Auf dem Wirtfchaftshof herrschte schon reges Leben. Inspektor Breymann hatte soeben die Mäher, Taglöhner itnb! Arbeitsfraneu entlassen, und stand mit dem Ackervogt da, um die Arbeiten des Tages zu besprechen. Es war eine hohe, kräftige Gestalt, dieser alte Inspektor, der in der ganzen Gegend als tüchtigster Landwirt bekannt war und sich hoher Achtung erfreute. Der graue Bart hing ihm bis auf die Brust nieder unb unter1 den buschigen Augenbrauen blitzten die blauen Augen in jugendlichem Feuer hervor. Sollte Eitel Fritz mit einem kurzen Gruß vorüberfahren? Nein — er hatte Elfe versprochen, noch einmal Vorzug kommen. Er wollte nicht feige davonfliehen unb so gab! er dem Kutscher den Befehl, auf den Wirtfchaftshof ein- znbiegen. Inspektor Breymann kam ihm entgegen. „Der Urlaub schon zu Ende, Herr Leutnant?" fragte er. „Das ist rasch! gegangen. Na, Sie haben wohl ordentlich Sehnsucht nach Berlin?" „Kann's gerade nicht behaupten, Herr Breymann", ent-! gegnete Eitel Fritz, des Alten Hand schüttelnd. „Ich bliebe viel lieber hier in Petershagen." „Erst einmal in der Welt nmseheu und dann sich zur Rühe setzen, Herr Leutnant." „Ich will mich wahrhaftig nicht zur Ruhe setzen, wenn ich hierher komme!" „Sollte mich.! freuen", brummte Breymann in den Bart. „Ist Fräulein Else schon wach?" „Selbstverständlich!! Um fünf Uhr muß sie aus den Federn. Tann heißt's an die Arbeit — sehen Sie, da kommt das Mädel!" Aus dem einsachjen, ländlichen Hause, in dem der Inspektor wohnte, und das im Hintergründe des Hofes lag,! trat Else — schmuck und- frisch in einem hellen Sommer-! kleide und großer, weißer Schürze. Sie errötete, als Eitel Fritz auf sie zueilte. „Wie freu' üfy mich, Sie noch einmal begrüßen zu dürfen, Fräulein Else!" Ihre Hände ruhten mit warmem Druck in -einander, und ihre Augen begrüßten sich mit innigem Blick. Hertz' wallte es in seinem Herzen auf. Wie gerne hätte er das! 543 geliebte Mädchen in seine Arme gezogen, wie gerne ihr die taufrischen Lippen geküßt! r , n r o Nein — er konnte nicht verzichten! Es galt fern Lebensglück, das fühlte er mit blutendem, schmerzenden Herzen. Herr Breymann trat näher, und Else zog ihre Hand aus der feinige« und senkte die Augen. „Eine glückliche Reise und . . ." „Ein baldiges, frohes Wiedersehen, Fräulein Else!" vollendete Ettel Fritz ihre Worte. „Wenn Sie den Zug noch erreichen wollen, Herr Leutnant, müssen Sie sich eilen", mahnte Herr Breymann. „Ja, Sie haben recht — also nochmals adieu — auf Wiedersehen, Else..." Sie blickte zu ihm auf mit innigem, zärtlichen Bllck. -,Auf Wiedersehen. . ." Ter Wagen rollte davon. Breymann, der ihn bis zum Hofthor begleitet hatte, kehrte zu Else zurück. „Schade um ihn", brummte er in den Bart. „In dem steckt ein guter Kern . . ." Else ging still in das Haus zurück an die Arbeit. (Fortsetzung folgt.) Zagdsreuden im Spätsommer. Von Otto mar Unger. (Nachdruck verboten.) Für den Jäger, der nicht in der Lage ist, den edlen Weidmannssport in seiner vornehmsten Form, nämlich die Jagd auf Hoch- und Edelwild, auszuüben, sind die Hochsommertage des Juni und Juli eine wenig ergiebige Zeit. Erst gegen Ende Juli, wenn der Rehbock in die Brunst tritt, wird es wieder interessanter; dann aber kaum, daß der August ins Land gezogen ist, giebt es für den zünftigen Jäger von Sankt Hubertus im Revier vielerlei zu thun, obwohl das Hauptvergnügen der Spätsommer- und Herbsttage, die Schußzeit für Hühner und Hasen noch nicht begonnen hat. Zunächst gilt es, unter dem Rehwild Musterung zu halten. Tie alten Herren unter den Böcken, welche die jüngeren, zur Zucht brauchbareren, häufig von der Herde vertreiben, oder, wenn ihnen dies nicht gelingt, vom tollen Liebeswahn getrieben, weit über ihre Reviere hinausschweifen, und dann der fremden Büchse zum Opfer fallen, müssen abgeschossen werden. Um dies zu erreichen, giebt es kein sichereres Mittel, als die Jagd mit der Blattpfeife, jenem für das Ohr des Rehbvcks so verführerischen Instrumente, welches ihm die Nähe der heißbegehrten Weibchen vortäuscht, so daß er überall, wo ihm zahlreiche Geschlechtsgenossen int Wettbewerb um die Gunst der Geisen Konkurrenz machen, blind- und ohne Ueberlegung den Tönen der Blattpfeife folgt. Interessanter, als den vom Liebeswahn Bethörten in dieser Weise abzuschießen, ist es fast, wenn der Jäger, der seinen Wildstand liebt, und gegen die Kugel frecher Wildschützen sichern will, sein Rehwild, wie der weidmännische Ausdruck lautet, „ver- blattet". Er geht zu diesem Zwecke an den Grenzen seines Reviers fleißig herum, und lockt die Rehböcke, bis sie in die Nähe gekommen sind, worauf er aus der Deckung cheraustritt. Der also Getäuschte, der nun gewahrt, daß der Urheber der lockenden Töne der gefürchtete Jäger ist, geht in wilder Flucht davon, und ist, wenn ihm einige Male fein Irrtum in dieser Weise vor Augen geführt wird, so mißtrauisch geworden, daß er in diesem Herbste auf die Töne der Blattpfeife gewiß nicht mehr springt. Vorzügliche Dienste leistet die Blattpseife auch) um das Revier vom Wildzeug zu säubern. Wenn man das Instrument hoch stellt, so daß es den ängstlichen Ton des Kitzes nachahmt, glaubt. Reinecke Fitchs stets, daß hier die Gelegenheit ist, sich einen zarten Braten zu sichern, und giebt dem Jäger Gelegenheit, ihm eins auf feinen ruppigen Pelz zu brennen. Tie wahren Freuden der Niederjagd beginnen aber erst, wenn die Ernte in ihrem wesentlichen Teile vorbei ist, und die Getreidefelder leer werden. Wenn der Wind über die Stoppeln streicht, und die Spinnerin, als Vorbotin des nahen Herbstes, auf den glänzenden Fäden des Altweibersommers durch die Luft segelt, werden die Hühnerketten mobil. Dann greift der Jäger zur Flinte, um dort zu ernten, wo er seit neun langen Monaten geschont hat, und bald erscheint auf der Speisekarte zur Freude aller uf seinen zweiten eoerholung dieses! Feinden erliegt. t „ r . ... Eine der aufregendsten Jagden aus den Hasen tst Leibe frißt. Auch für Meister Lampe beginnt ein schweres Dasein, wenn die Jagd eröffnet wird. Für ihn ist der Mensch der ärgste Feind. Sobald er eine gewisse Gröhe erreicht hat, weih er sich; den meisten tierischen Räubern, die ihm in Wald uitb Feld nachstellen, durch die Schnelligkeit seiner Beine zu entziehen, und nur, wenn er ahnungslos; int Lager beschlichen wird, ist er verloren. In der verschiedenartigsten Weise rückt man ihm zu Leibe, mdem man ihn mit dem Hunde in den Kartoffeln und tn anderen Hackfruchtfeldern absucht, bann später im Kessel- ober Leinentreiben jagt. Ein besonders raffiniertes System befolgen auch disziplinlose Jagdhmtde und Dorfköter, die; nicht selten auf eigene Faust auf ihn in Kompagnie mit einem zweiten Hunde Jagd machen. In gleicher Front, aber mit einem Abstand von mehreren hundert Schrttt unter sich jagen sie hinter dem aus dem Lager aufge- schreckten Hasen her, der, wenn einer der Verfolger thm dicht auf die Fersen gekommen ist. Plötzlich in ferner Verzweiflung eine» gewaltigen Hakensatz macht, und recht- winkeliq abbiegt, wodurch er direkt aus fernen zweiten Gegner zuläuft, bis nach häufiger Wiederholung dieses; Manövers Meister Lampe in Bestätigung des Sprichwortes „Viele Hunde sind des Hasen Tod" schließlich doch seinen Feinschmecker das verlockende Gericht „Rebhuhn mit Sauerkohl". Ter offizielle Anfang der Hühnerjagd fällt — werrrg- stens in Norddeutschlmid — fast überall auf den 1. September, doch ist es gesetzlich vorgesehen, wenn ein gürr- stiges und zeitiges Frühjahr vorangegangen ist, den Jagdbeginn schon etwas früher anzusetzen, wovon auch meistens Gebrauch gemacht wtrd. Unter den günstigeren klimasischen Verhältnissen Süddeutschlands, wo die Brutperiode um so viel zeitiger beginnt, rechtfertigt es sich, die Schußzeit schon einen halben Monat früher eintreten zu lassen; wenn dagegen in Oesterreich die Büchsen bereits am 1. August auf die Hühner zu knallen beginnen, so ist. das eine ungerechtfertigte und schädliche Verftühung, da das Rebhuhn um diese Zeit noch keineswegs ausgewachsen ist, und als trauriges Knochengerüst auf die Tafel kommt, welches einem mit beut mageren Braten nicht zuftiedeneu Feinschmecker gegenüber dem servierenden Kellner einst die klassische Antwort entlockte: „Wenn ich Baaner (österr. Provinzialismus für Knochen) sehen will, gehe ich ins. Ballet." „ Am günstigsten sind für den Jäger tmmer dte ersten Wochen, weil um diese Zeit die Ketten noch zusammenhalten, während sie später, durch oftmalige Beschießung scheu geworden, und nachdem die ältesten Hühner, welche die Kette führen weggeschossen sind, gänzlich zersprengt Werben. Ueberhaupt wird ein fachgerechter Jäger incht jenes Huhn ivegschießen, das als erstes aufsteht; denn es ist in der Regel die älteste Henne, die beste Brüterin, welche dem Weidmann für das nächste Jahr einen zahlreichen Nachwuchs zu liefern verspricht. Ist aber die Kette erst einmal int Feuer gewesen, so wende man sich nicht zu anderen Teilen des weiten Kartoffelfeldes, in welchem ja in der Regel noch mehrere Ketten stecken, sondern gehe den Entflohenen nach, um von ihren jungen Mitgliedern so viele erreichbar sind, abzuschießen. An einem geeigneten Punkte aber schaffe man ein Freirevier, wohin sich die Versprengten flüchten können. Alles niederknallen, was vor die Flinte kommt, ist keine Jagd, deren Kunst darauf beruht, den Schöpfer in seinem Geschöpfe zu ehren. In dieses Kapitel gehört auch der von jedem echten Jäger befolgte Grundsatz, das "Wild, welcher Art es auch fein mag, schnell und schmerzlos zur Strecke zu Bringen, nnd weidwund geschossene Stücke mit dem Hunde aufzu- suchen. Ter Neuling und Gelegenheitsjäger wird, namentlich wenn ihm die Sonne brennend aus den Kopf scheint, und er schon müde ist, gern geneigt sein, auf ein nicht sofort auffindbares Huhn zu verzichten, während der tn der Jagd grau Gewordene es sich nicht verdrießen laßt, das krank geschossene und irgendwo int Kartoffelkraut liegende Huhn mühsam mit dem Hunde zu finden; denn abgesehen von dem Verluste des Stückes, ist es ein Gebot der Barmherzigkeit, das angeschossene Tier nicht in tagelanger Qual zu Grunde gehen zu lassen, oder es dem Raubzeug zu überantworten, welches es. bei lebendigem 544 ehrend er den Hut mit dem der Wehmut das Herz be- -ki —1z —ma Ergälrzinlgsräts ei. Nachdruck verboten. -hl —i —is —nn —rs —x —b —de —gen (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Logogriphs in vor. Nr.r Bein — Bern. Welche beiden Buchstaben ergänzen die untenstehenden Worttcile zn bekannten Hauptwörtern? die Hatz. An sich werden Heß- und Parforcejagden m I well angesichts desselben, Wal unseren deutschen Ländern immer seltener, weil die dichte I Bruch schmückt, das Gefühl - „ und intensive Landwirtschaft ebenso wie die Forstkultur schleichen. Dann aber siegt die Empfindung der Freude mit ihren kostbaren und mühselig angelegten Schonungen | über den Erfolg, den schönsten, welchen das edle Werd- das rücksichtslose Jageii mit Pferden und zahlreichen Hunden I werk in unseren Landen bietet. verbietet. Forstwirtschaft und Jagdausübung widersprechen I ----------- sich heute vielfach in ihren Interessen. Wo der Wald I Geld tragen soll, wehrt sich der Förster mit Leibeskräften @jtt tlltöttoCt KlMfltiaNN. dagegen, daß ihm seine jungen Pflanzungen von Roß- ° zsi?nrfihritrf nerbnten) 1 Hufen zertreten werden, und da der Jagdherr auch nicht I (Nachdruck Verbots.) mehr wie ehedem der Ritter mit Gefolge und Meute, ohne I „Möchten Sie mir gefälligst zeigen, wo die Dreba teuren Schadenersatz leisten zu müssen, die Felder des I in Ihren Laden eingedrungen find?" sagte der Detektivs Bauern zerstampfen darf, auf welche sich das verfolgte I „ich werde sehen, ob ich einen Anhalt finden kann.' Wild hinüber rettet, reitet man heute lieber die zahme I „Einen Augenblick, bitte", sagte der Eigentümer des Schnitzeljaqd I Ladens, „ich arbeite gerade an etwas viel Wichtigerem." Um wirkliche Hetzjagden zu sehen, muß man daher nach Und während der Detektiv wartete, schrieb der Kauf- Ländern wie Irland und Schottland oder in die weiten I mann an seinen Freund folgendes: Steppen Rußlands oder Ungarns gehen, wo sie Verfasser „Der Dieb, welcher in „der Nacht vom 15. zum 16. dieses aus eigener Anschauung kennen gelernt hat. Am I dieses Monats in das Geschäft von E. Katzenberger em- eiligen Morgen, ehe die Sonne gar zu heiß aus das I brach, und einen Zylinderhnt, em Paar französische Kalb- versengte, gelbbraune leuchtende Gefilde herniederbrennt, lederschuhe, einen pelzbesetzten Ueberrock, emen schwarzen reitet die Jagdgesellschaft langsam, gefolgt von der im I Gehrock, und zwei Garnituren seidener Unterkleider stahl, Vorgefühl der kommenden Dinge schon höchst unruhigen war gewiß ein verstockter Taugenichts und em gemeiner Meute von Windhunden und Bracken, dem Ort zu, wo I Schurke, aber er hatte entschieden Geschmack. Er wußte Hasen im Lager zu finden sind. Der Gesuchte wartet I ganz genau, wohin er zu gehen hatte, wenn er die feinste natürlich nicht ab, bis seine Feinde ganz nahe heran- I Garderobe, die in unserer Metropole zu finden ist, er- qekommen find, sondern sucht sich durch eilige Flucht langen wollte." diesen zu entziehen. Im selben Augenblick wird die Koppel „Jakob", sagte der Kaufmann dann zu feinem Buchgelöst, und mit lautem Gekläff rasen die Hunde hinter dem I Halter, „schicken Sie eine Abschrift hiervon an alle Zeit- in langen Sätzen Tavongehenden hinterdrein, gefolgt von ungen, und schreiben Sie dazu, ich wolle es m großen der Schar der Reiter, welche in frischem, fröhlichem Ga- I schwarzen Lettern, so daß es eine halbe Kolumne emmmnit, lopp auerfeldein stürmen. Gewöhnlich ist der ungleiche in die nächste Morgenausgabe ausgenommen.„ haben Kampf sehr bald zu Ungunsten des Hasen entschieden. Wenn | So, mein Herr, nun stehe ich zu ^hrer Versugung. • aber zufällig bet dieser wilden Jagd noch einer oder mehrere I ----------- andere Hasen aus ihrem Lager aufgescheucht werden, kommt 1 es ost vor, daß ein Teil der Meute hinter dem neu Hinzu- I Vermisstes. ©tem zum T^l vereitelt wird. a . I keineswegs großartige Reichtümer hinterlassen. Da ist zu- AuH E dos edelste ^ugdtter des deutschen Waldes der I ber h^s großen, unerreichten Liederkomponisten Hirsch, Nimmt gegen Ende des Sommer^ da^ ^iiteresse I Schubert zu nennen. Wie die im Archiv des Wiener des Jagers stark ttt Anspruch, da er emem alten st«ger- ^anbger{c^tg aufbewahrten Hinterlassenschaftsakten besagen, sprnch zufolge, Aegidi, d. i. am 1- .Cebterrtoer,, m ote Abstand der Nachlaß Franz Schuberts aus drei Gehrocken, Brunst tritt, die bei dem einzelnen Individuum etwa I cr-racks, zehn Beinkleidern, neun Westen (Gesamtwert 12 Tage währt, jedoch, da die verschiedenen Hirsche auch I Gulden), einem Hut, zwei Paar Stiefeln, fünf Paar zu verschiedenen Zeiten zu brunsten beginnen, den ganzen! Schuhen (Gesamtwert zwei Gulden), vier Hemden, neun September hindurch belauscht werden kann. Worte können I ltrtb Schnupftücherln, 13 Paar Strümpfen, einem kaum in würdiger Weise den gewaltigen Zauber festhalten, I mettra^en Bettbezügen (Gesamtwert acht Gulden), einer der aus den Jagdfreund emwirkt, wenn m emem reichen I eine'm Kopfpolster, einer wollenen Decke (Gesamt- Hochwaldrevier die Hirsche zu schreien beginnen. erste I S Gulden) und einigen alten Musikstücken, die Schimmer der Dämmerung fallt über die Wipfel dev Mel- I Gulden bewertet sind. Die ganze Hinterlassenfarbigen Waldes, dessen gelbes Laub vergeb ich darüber mit zehn^ Guwen ^werwr^ ^eich 100,80 hinwegzutäuschen sucht, daß bald das „große Sterben m der | f M^^rt starb, wurden in seinem Besitz an Natur beginnt. Da dröhnt eine mächtige Stimme, wie ^att. äw gg Gulden vorgefunden. Der sonstige Nach- die eines gewaltigen Geistes durch das feierliche Schweigen I , Heine Musikalienbibliothek mit eingerechnet, hatte der fast noch nächtigen Szene. Naher und naher ertönt | A Taxwert von noch nicht ganz 400 Gulden. Den ess dann hört man das Niederholz krachen, und mit | Q„r.,en hinterließ der große Beethoven, näm- weit aus gestrecktem Halse, die frische Morgenluft m.die | 23'2 Gulden. Hiervon gingen indessen ab sür Krank- aeblähten Nüstern„emziehend, betritt der König der Wal- I unb Beerdigungskosten, sowie gerichtliche Gebühren der, gefolgt von f emem Harem, den WiesenpMn. Kaum, I Gulden, so daß der Nettvnachlaß 9013 Gulden betrug/ daß die trotzige Herausforderung an die, welche ihm eme ^ese drei Tondichter an irdischem Gut zu wenig Schöne streitig machen mochten, ausgeklungen, ist, ertönt I t,inj.erfarren ewig fort in ihrem geistigen Eigen- drüüen von der anderen Seite das Röhren des Gegners, ^terlasten, oas^evt Mig s ) »„d liebten nur der sich zum Kampfe stellt Eine Weile stehen Me Ge- f «rJie Seile bat»« überließen sie anderen wattigen, als ob jeder die Kräfte des anderen abschatzen wollte, bewegungslos einander gegenüber; dann rasen sie | ^rerviiunn. ----------- los, und krachend schlagen die mächtigen Geweihe an,einander. Der tobende Kampf beginnt; mit den krampfhaft gespannten Läufen den Erdboden aufreißend, fechten sie den Streit, bis der Schwächere von dannen flüchtet, oder in tödlicher Verwundung auf dem vom Blute sich färbenden Rasen zusammenbricht, während der Sieger stolz mit feinen Frauen davonzieht. Ter Jäger aber, der von Stamm zu Stamm vorsichtig näher schleichend, Zeuge des großartigen dramatischen Duells geworden ist, hebt langsam die Büchse. Em Knall, und der stolze Fürst der Wälder bricht im Feuer zusammen, während das Kahlwild in rasender Flncht von dannen stiebt. Den Jäger, der vor dem gefällten Riesen steht, Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Putsch Erben) in Gießen.