81 UM IN äÄÄÄt- KHKUW Z-TIL'iE 05?^ «2? VZffW *(■ E ein Auge viele Dinge schaut, Nach denen meine Lust wird laut; Doch könnte leicht ich sie entbehren, Wenn sie mir fremd geblieben wären. Freidank. (Nachdruck verboten.) Die Seekönigin. Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Der Champagner erhöhte die Stimmung der Gesellschaft ganz wunderbar. Anfangs waren die meisten scheu und zurückhaltend gewesen und hatten mit einer Art Ehrfurcht die Blumen, Früchte und anderen schönen Sachen aus der Tafel betrachtet; jetzt war die Unterhaltung in vollem Gange. Plötzlich rief Kapitän Duncan mit lauter Stimme: „Silentium!" Unmittelbar darauf erhob sich Kapitän Richardson. „Snowdon", sagte er, „solch ein Frühstück ist für mich ganz was Neues, und so hoffe ich, daß die Gesellschaft entschuldigt, wenn ich über die hierbei herrschenden Förmlichkeiten nicht im klaren bin. Ist es erlaubt, daß ich eine Rede halte?" „Jawohl, schieß los, Richardson", antwortete Vater, und aller Augen waren nun aus den kleinen Kapitän gerichtet. „Meine Damen und Herren!" begann er. „Wir sitzen bereits seit langer Zeit an dieser Tafel, essen und trinken und sind fröhlich. Ich denke, es ist nun ungefähr Zeit, daß irgend jemand Sie auffordert, Ihre Gläser zu füllen und auf die Gesundheit Jessie Fowlers und ihres Mannes zu trinken. Es ist wohl kaum nötig, daß ich Sie daran erinnere, daß Dick Fowler ein Seemann wie wir und seine Frau eine Äeemannstochter ist, um Sie zu veranlassen, ihnen einen herzhaften altenglischeu Humpen zu trinken. Es giebt keinen Beruf, der dem des Seemannes gleich käme, und es giebt keinen Mann, der mit größerem Rechte ein hübsches Mädchen zur Frau verdient, als der Seemann." Hier richtete der alte Salmyn seine Blicke fest auf die arme Frau Tarbit. „Dick Fowler hat nun ein solch junges hübsches Mädchen zur Frau, und wie es gegen die menschliche Natur wäre, wenn Sie ein feines, neues, eben vom Stapel gelaufenes Fahrzeug sehen — mit scharfem Bug, schönen Linien und einem Gallion wie der Traum eines Dichters — den Schiffer, der. ein solches Fahrzeug befehligt, nicht zu beneiden, so sind Sie auch gezwungen, Dick Fowler für einen Mann zu erklären, der ein ganz ungewöhnliches Glück hat. Ich wünsche ihm — wir alle wünschen ihm eine glückliche Reise. Die jungen Eheleute müssen gewärtig sein, ab und zu konträren Winden, zuweilen auch Stürmen zu begegnen. Da wird sich ihre Seetüchtigkeit und ihre Fähigkeit, zu LuwaM zu kommen, Herausstellen. Kreuzen und Beidrehen hat nicht viel aus sich, wenn man es nicht eilig hat, den Hafen zu erreichen. Wir wollen hoffen, daß manches lange Jahr vergehen möge, bis sie die Ordre erhalten, längsfeit zu holen und jenes Stück Ladung zu löschen, das Shakespeare — der auch bisweilen sich wie ein Seemann ausdrückt — die „sterbliche Rolle" nennt, die der allmächtige Gott uns allen mit an Bord gegeben hat und die wir in derselben guten Verfassung auch wieder zurückerstatten müssen, in der wir sie erhalten haben. Meine Rede ist zu Ende, meine Dame:: und Herren, und so wollen Sie gefälligst mit mir trinken auf das Wohl von Herrn und Frau Fowler!" Alle, auch die Damen erhoben sich und stimmten in das Hoch auf uns ein. Mein Mann stattete in einigen Worten seinen Dank ab; dann erhob sich Tarbit und brachte die Gesundheit seines Schiffskameraden Tom Snowdon aus — „eines Mannes, mit dem er um die Welt segeln würde, bis die Ratten dos Schiff verließen und die Planken so dünn geworden wären wie ein hundertmal gewaschenes Matrosenhemd." Diese schöne Rede wurde durch Herrn Dodds unterbrochen, der uns die Mitteilung machte, daß der Wagen vorgefahren sei. Wir hatten keine Zeit zu verlieren, wenn wir den Zug noch erreichen wollten. Die Damen umarmten mich, und die Herren schüttelten mir die Hand, so daß ich, als schließlich mein Vater an die Reihe kam, ganz außer Atem war. Mein Vater küßte mich und wandte sich dann ab, um seine Thronen zu verbergen. Die ganze Gesellschaft begleitete mich bis auf den Hof — die „Drei indischen Könige" stehen nämlich am Ende einer engen, nach dem Kai führenden Durchfahrt. Natürlich glaubten die Vorübergehenden, als sie unsere Gesellschaft, die Herren ohne Hüte, um den Wagen gedrängt sahen, daß irgend ein Unglück geschehen sei. Es bildete sich ein Auflauf, neugierige Gesichter starrten in die Wagenfenster, und allerlei Fragen wurden laut: „Ist jemand tot?" „Was ist denn los?" „Alles in Ordnung, Tommy, 's ist nur 'ne Hochzeit". Schließlich fuhren wir unter dem „Hurra!" unserer Freunde ab, in das die Menge kräftig mit einstimmte. So traten wir unsere Reise unter so lebhaften Anzeichen öffentlicher Teilnahme und allgemeinen Wohlwollens an, daß sich weit höher stehende Persönlichkeiten als ein Kauffahrteischiffer und seine Frau bei Beginn ihrer Hochzeitsreise darauf hätten etwas einbilden können. 50 - Zehntes Kapitel. M,ein Mann „fährt". Unsere Flitterwochen brachten wir in London zu. Mein Mann hatte sich verpflichtet, an einem bestimmten Termin das Kömmando eines Schiffes zu übernehmen, daher standen uns nur zehn Tage zur Verfügung. Wir hatten zweimal in einer Woche Londoner Nebel, dazu kam unser Mangel an Lokalkenntnis, so daß ich herzlich wenig von London zu sehen bekam. Oft brauchten wir Stunden, um irgend einen Ort ausfindig zu machen, und wenn wir ihn gesunden hatten, stellte es sich zuweilen heraus, daß es gar nicht der Mühe wert war. Natürlich besuchten wir die Westminsterabtei, den Tower, die Kathedrale von St. Paul, das britische Museum, lauter Orte, von denen die Leute aus der Provinz gewöhnlich mehr wissen als die Londoner. Bei einer Unterhaltung, die Richard eines Tages mit einem Londoner Herrn hatte, stellte sich heraus, daß der Betreffende alle Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt, die mein Mann erwähnte, nur vom Hörensagen kannte. Unsere zehn Tage waren um, und wir kehrten nach Newcastle zurück. Ich verließ London durchaus nicht ungern — wahrscheinlich würde ich mich irgendwo anders mit meinem Manne ebenso gut oder vielleicht noch besser unterhalten haben — aber ich freute mich auch nicht gerade besonders darauf, nach Neweastle zurückzukommen. Der Blick auf die Außenwelt hatte mich nicht befriedigt, sondern nur begierig gemacht, mehr davon zu sehen, und wenn ich Newcastle in^Gedanken mit London verglich, schien die alte, hübsche Stadt zusammenzuschrumpfen. Nach den meilenlangen Häuserreihen der Hauptstadt kam sie mir nur noch vzie ein anständiges Dorf vor. Der Vater empfing uns sehr herzlich. Wir kamen des Abends an. Ein gutes Abendbrot stand für uns bereit, im Schlafzimmer brannte ein helles Feuer, kurz, alles war mit echt hausfrauenartiger Umsicht angeordnet. Jedesmal, wenn ich das Zimmer verließ und wieder hereinkam, herzte und küßte mich Vater wie bei meiner Ankunft. Seine Herzlichkeit und gute Laune war in der That ansteckend. Während der ganzen Heimreise war ich niedergeschlagen gewesen; denn jetzt, wo unsere kurzen Mtterwochen vorbei waren, fiel mir der Gedanke schwer aufs Herz, daß in wenigen Tagen mein Mann Abschied nehmen mußte. Der frohe und freudige Empfang meines Vaters übte indessen auch seinen Einfluß auf meine Stimmung aus und machte mich wieder hoffnungsfreudiger. Schon sein Anblick, das rote, strahlende Gesicht, die guten Augen, das gewinnende Lächeln war so gut wie Medizin für mein trauriges Gemüt. Wir saßen noch spät beisammen und entwürfen Pläne für die Zukunft. Vorläufig sollte ich jedenfalls noch bei meinem Vater wohnen bleiben. „Du brauchst weder jetzt noch künftig", erklärte der Vater meinem Manne, „davon reden, für Deine Frau eine Wohnung zu mieten. Alles, was ich besitze, gehört Jessie, und was Jessie hat, Euch beiden, lieber kurz ober lang werde ich wohl ausziehen müssen; denn man spricht davon, daß die Stadtverwaltung sich mit neuen Bauplänen beschäftigt. Solange ich jedoch keine Kündigung erhalte, betrachten wir dieses alte Dach als unsere Heimat und bleiben darunter. Wenn die Zeit kommt, wo ich hier vertrieben werde, dann werde ich sehen, ob mir die Idee, nach Shields zu ziehen, mit der ich mich schon lange herumgetragen habe, noch gefällt." „Wenn es nicht Ihretwegen wäre, Kapitän, könnte Jeß mit mir zur See gehen", meinte Richard. „Aber so schwer auch der Abschied ist, ich lasse sie doch mit leichterem Herzen zurück, als ich sie mit auf See nehmen würde. Die See ist doch keine passende Heimat für eine Frau." „Nun, das will ich nicht sagen", antwortete Vater kopfschüttelnd. „Die See paßt wohl auch für Frauen, aber sehr wenig Frauen passen für die See. Jeß ist eine Ausnahme. Sie ist eine kleine Teerpütze in Unterröcken. Ziehe ihr ein Paar Hosen an, und ich stehe dafür, daß sie ein Großroyal mit jedem Leichtmatrosen um die Wette fest macht und ordentlich hafenmäßig dazu. Das ist also nicht der Grund. Aw kann sie aber nicht auf einmal so weggeben. Allmählich, nach und nach muß ich mich erst daran gewöhnen. Wenn Du nach Hause kommst, mußt Du öfters Ausflüge mit ihr unternehmen. Ihr geht dann auf einen Tag hierhin, auf eine Woche dorthin, und so werde ich allmählich lernen, mich ohne sie zu behelfen. Dann kannst Du sie auch mit auf See nehmen." „Jessie, mein Lieb", sagte Richard, „sobald ich das Kommando über ein richtiges Schiff erhalte, kommst Du mit. Aber so eine Art von Kahnschifferfrau will ich nicht ans Dir machen, und viel was anderes würde die Sache nicht sein, wenn ich Dich auf irgend einem alten Geordie unterbringen wollte, dessen Ruderpinne bis in die Kajütskapp hineinreicht und der bis aus einen Zoll vom Schandeckel im Wasser liegt." „Gut, Richard; der Vater weiß, daß ich ihn liebe, und Du weißt, daß ich Dich liebe. Ich will Euch beiden gehorchen; aber dann müssen auch meine Wünsche berücksichtigt werden. Ich bleibe vorläufig zu Hause, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß ich später mit Dir zur See gehe und zwar so lange, bis Du aufhörst, zu fahren." Er küßte mich und fragte mich flüsternd, ob ich denn nicht glaube, daß es ihm tausendmal lieber sei, wenn ich ihn jetzt gleich begleiten könnte. Dann erinnerte er mich daran, _ daß wir beide dem Vater versprochen hätten, ich würde ihn vorläufig nicht verlassen. Außerdem erklärte er: „Selbst wenn Vater damit einverstanden wäre, daß Du mich begleitetest, auf der „Phantasie" — das war der Name seines Schiffes — befindet sich doch kein einigermaßen für Dich geeignetes Logis, wenn sie auch in ihrer Art ganz gut ist." Ich konnte natürlich durch seine Weigerung ,mich mitzunehmen, nicht enttäuscht sein, da ich ja, wenigstens für das erste Jahr unserer Verheiratung, nicht daraus gerechnet hatte, ihn auf See zu begleiten. Und doch hätte ich nicht geglaubt, wie unendlich viel schwerer mir der Abschied von meinem Manne fallen würde, als einstmals der von meinem Bräutigam. Ich lag die ganze Nacht hindurch wach und weinte bis zum frühen Morgen, während er friedlich an meiner Seite schlummerte. Als ich im Lichte des anbrechenden Tages sein Gesicht betrachtete, beherrschte mich der bittere Gedanke an die nahe Trennung in solchem Grade, daß ich mir wie ein treuloses Weib vorkam. Ich hätte taub für des Vaters und Richards Wünsche in Betreff meines Zurückbleibens sein müssen; wo mein Mann auch hinging, ich hätte ihn begleiten sollen. Das schien mir die einzig richtige Art zu sein, wie man die bei der Trauung abgelegten Gelübde aufzufassen habe. Der Tag kam heran, wo Richard mich umarmte und mir Lebewohl sagte. Den Abschied will ich übergehen. Richard segelte nach dem Golf von Mexiko, und viele Wochen mußten vorübergehen, ehe wir uns Wiedersehen konnten. So manche Frau wird verstehen, was ich fühlte, als die Thür sich hinter ihm geschlossen hatte und ich nun dastand und seinen verhallenden Schritten lauschte, als er mit dem Vater die Straße hinabging. Selten nur kommen andere Frauen in eine solche Lage wie die von Seeleuten oder Soldaten. Am häufigsten trifft es die Seemannsfrauen; das gilt für die Kajüte wie fürs Volkslogis; denn nur noch selten hört man jetzt, daß ein Kapitän seine Frau mit zur See nimmt. Hunderte von Schiffern und Steuerleuten würden es nur zu gerne thun, aber die Reeder sind gegen diese Sitte, die einst fast allgemein war. Die Gründe, ' die sie dafür haben mögen, scheinen etwas unklar; denn sicherlich wird doch dem Führer durch die Anwesenheit seines Weibes die Sicherheit des Schiffes ans Herz gelegt, und er erfüllt infolge dessen um so umsichtiger seine Dienstpflichten. Als mein Mann fort war, begann mein altes Leben wieder; ich half dem Mädchen, besorgte das Haus und that so viel ich konnte für des Vaters Bequemlichkeit. Meine Heirat kam mir wie ein Traum vor. Manchmal, wenn ich allein in dem alten Wohnzinimer saß und an die Vergangenheit dachte, konnte ich kaum glauben, daß die Hochzeit in der St. Nikolauskirche und das Frühstück in den „Drei indischen Königen" wirklich stattgefunden habe, daß die Reden dort wirklich gehalten worden wären, urtb daß auch unser Ausflug nach London nicht bloß auf Einbildung beruhe. Selbst mein Trauring kam mir zuweilen märchenhaft vor. (Fortsetzung folgt.) — 51 I gefangen, auf welche man oft noch als Köder lebende Fisch- lern, Frösche rc. spießt. Tas nennen viele Menschen einen I angenehmen Zeitvertreib. Noch grausamer ist das Fanaen I mit Lege-Angeln. Eine rohe, jeder Menschlichkeit Hohn sprechende Fana- I methode ist der Schlingenfang. Bei Rehen, Hasen und I anderem Wild hat ihn das Gesetz verboten, dagegen zum Krammetsvogelfang merkwürdigerweise gestattet. Vielen, | me Krammetsvöget gern essen, würde sicher der Appetit I vergehen, wenn sie Zeugen der langen Qualen wären, unter | denen dre klernen Tiere sterben müssen. Auch für Modezwecke wird der Massensang schöner bunter Vogel betrieben, um die Federn zum Schmuck von Tamenhüten zu verwenden. Es steht durch diesen Mode- wahnsmn die Ausrottung großer Teile der Vogelwelt bevor. Wir gelangen zur Besprechung der Jagd. Gegenüber wilden und gefährlichen Tieren ist sie eine Notwendigkeit. | ^vrt wird auch Mut von Jägern gefordert, aber wo liegt das Heldenhafte bei der Hetzjagd, wenn dem armen Eber vorher dre Stoßzähne abgesägt worden find, und er nun, j m Todesangst, von bissigen Hunden und der berittenen Jagdgesellschaft verfolgt, um sein Leben zu retten, bis zur Erschöpfung und Erstickung läuft? Wo liegt das Heldenhafte bei der Treib- und Kesseljagd, wenn die harmlosen und ängstlichen Tiere des Waldes aufgescheucht, vor den versteckten Jägern vorbeigetrieben oder in einen Kreis zusammengetrieben werden, damit ununterbrochen auf sie I geschossen werden kann? Die größten Märtyrer der Tierwelt sind die Zug- I tiere, die Pferde. Es ist unbeschreiblich, wie sich die Menschen an diesen nützlichen, guten Tieren versündigem I Rohe Behandlung, schlechte Pflege, Ueberanstrengung von Pferden sieht man täglich, doch die Tierquälerei, welche rn der Benutzung marternder Geschirrstücke liegt, sieht und ahnt man nicht. Welche Pein empfinden die armen Pferde infolge der ganz unnötigen, ja für die Augen schädlichen Scheuklappen, dieser Wind- nnd Staubfänger, — ferner infolge der Aufsatz-Zügel, die ununterbrochen den Kops hochspannen, infolge der Kinnketten-Kandare, deren Truck heftige Schmerzen der Kinnknochen erregt, infolge des sogenannten scharfen Gebisses, das auf die Zunge gleich I einer Säge wirkt !Und man denke auch an das Los der I Pferde im Alter, wie sie, je dienstuntauglicher sie werden und weniger leisten können, um so mehr und schwerer arbeiten müssen; wie sie so müde, mit Peitschenstriemen völlig bedeckt, abgemagert und elend vor vollbeladenen Sternwagen einherschleichen und förmlich zu Tode geschunden werden! Alle diese armen Pferde find eine stumme I Anklage gegen die menschliche Unbarmherzigkeit! Ebenfalls schlimm ist vielfach der Arbeitshund daran. Er muß tüchtig ziehen und bekommt oft nur schlechtes Futter, dafür aber reichliche Prügel. Bejammernswerter rndes haben es die Kettenhunde. Die Plage der Zughunde sieht man auf den Straßen, doch die Leiden der Kettenhunde bleiben verborgen. Bei Hunden halten es aus Moderücksichten viele Züchter für unerläßlich, die Ohren zu verstümmeln und den Schwanz abzuhacken. Aber die schändlichste Tierquälerei um der Mode willen ist das Koupieren der Pferdeschweife Nrcht nur jungen, sondern auch alten Tieren, bei denen dre Operation lebensgefährlich ist, haut man einen Teil des Rückgrat-Ausläufers ab, und brennt dann, um die Blutung zu stillen, die Wunde mit glühendem Eisen. Die Pferde schreien, daß es einem durch Mark und Bein geht. Dre Dressur von Tieren zur Schaustellung von Kunst st ücken auf der Bühne oder im Zirkus wird buchstäblich erquält. Könnten wir die Ursachen der gleichgil- tigen undrohen Gesinnung ausrotten, dann schwänden die Folgen von selber. Jene Ursachen liegen weit zurück in den Eindrücken der Jugendzeit. Schon dem zarten Kinde schenkt man eine Peitsche, und die Mutter spricht zu ihm: „Da haue mal den Hund!" Größer geworden, spielt das Kind „Pferd" und möglichst natürlich ahmt es das Schlagen und Zügelreißen nach, das es bei den Fuhrleuten täglich sieht. In der Küche schaut es der Mutter zu, wie diese den zappelnden Fisch lebendig schuppt und aufschneidet. Wird auf dem Der Tierschutz als Haupthebel einer höheren Gesittung. Von Hermann Stenz. (Nachdruck erbeten!) Alle Tage sind wir davon Zeuge, daß Tiere so behandelt Werden, als ob sie ganz ohne Empfindung seien. Ein Schriftsteller bemerkt sarkastisch: den Tieren sei jedenfalls darum die Sprache versagt, weil ihr Leid ohnedies unaus- sprechlich rst, und ihre Anklagen es nur verneinen müßten daß die Menschen überhaupt ein Herz besitzen! ' Da sind die Greuel beim Schlachten. Es ist lercht, mittelst Schlachtmaske oder noch besser mittelst Schieß- apparat (Schuß ohne Knall) jedes Schlachttier blitzschnell zu töten, ohne daß es irgend Schmerzen empfindet Aber noch weit verbreitet herrscht die Unsitte, daß die Tiere bei -vollem Bewußtsein totgemartert werden, damit das Blut dem Körper entströmen kann. . Tas zu schlachtende Geflügel wird meist ebenfalls ohne .einen vorherigen Betäubungsschlag getötet, sodaß es voll- dewußt und nur langsam qualvoll stirbt. Wenden wir uns zu den Grausamkeiten der K u ch e. Die Gepflogenheiten unserer Hausfrauen und Köchinnen sind meistens scheußlich. Fische werden lebendiq geschuppt und ausgeschnitten, ohne daß man sie durch emige Schlage auf den Kopf vorher betäubt. Aalen wird Lei lebendigem Leibe die Haut abgezogen, oder man legt sie in ein Gefäß mit Salz, wo sie sich infolge der scharfen Aetzung qualvoll „zu Tode laufen". Lebendigen Krebsen imrd der Darm herausgezogen. Auch werden, um eine schone rote Farbe zu erzielen, die Krebse in kaltem Wasser uufs Feuer gestellt und langsam zu Tode gesotten. Fast Uirgends denkt die Hausfrau oder Köchin an die entsetzlichen Qualen, welche sie so bereitet. „ Außerordentlich massenhafte Tierquälereien finden auch stickt bm Versendung der Tiere. Es werden Rinder, Schweine, Schafe in die Eisenbahnwagen, Geflügel in die Käfige, um Frachtgeld zu sparen, in so großer Anzahl hinelngezwangt, daß die Tiere einander stoßen, treten und die Niederfallenden erdrücken. Oft tagelang unterwegs, ^wen sie im Winter durch die Kälte, welche ihr Hungergefühl vermehrt. Im Sommer, bei glühender Hitze ohne EU Tropfen Wasser, erleiden sie die doppelten Qualen i Des Verschmachtungs- und Erstickungstodes. Nicht minder grausam geht es beim Einladen und Aus- taden, sowie auf dem Transport der Tiere zu Lande her. Auch das Federvieh wird noch massenhaft auf die roheste Weise zu den Markten gebracht. Hühner, Enten und Gänse liegen mit festgeschnürten Beinen und Flügeln hilflos über- «inander. Und auf dem Heimweg werden die Tiere von Leu Einzelläufern oft an den gefesselten Flügeln in der Schwebe nach Hause getragen oder seitens der Kleinhändler rn Kiepen oder gar Säcken, die überfüllt sind. r„ „ Eure scheußliche Tierquälerei ist das S t o p f e n der Ganse und Enten, um sie zu mästen. 5 bis 6Wochen werden die Tiere ganz eng eingekerkert, so daß sie sich kaum uufrichten und niedersetzen, keinesfalls umdrehen können, und dabei tagtäglich mit Futter überladen, das ihnen zwangsweise tn den Hals gestopft wird. — „Gerechter Hunmel! Aus wie vielen Marterstunden der Tiere lötet I M Der Mensch eine einzige Festminute seiner Zunge zu- I lammen!" (Jean Paul.) B 9 | ~ Schauderhaft ist ferner die Gewinnung der proschschenkel -Delikatesse. Alljährlich im Früh- Ä-' tvenn die Frösche am fettesten sind, beginnt der -ocaisensang. Den gefangenen Tieren werden, ohne daß man vorher den Kopf mit einem Messer oder Pfriemen durchbohrt, bei lebendigem Leibe die Beine abgeschnitten Dver ausgerissen, und die armen Verstümmelten dann -"den Sumpf zurückgefchleudert, wo sie noch mehrere Tage herumkriechen, ehe fte qualvoll sterben. Könnten die Sieb- Ader von Froschschenkeln solches Gemetzel nur einmal mit WAl ste verlören doch vielleicht ihr Gelüste nach solcher „L>etikatesse". I Fischfang sind ebenfalls entsetzliche Greuel Ä Man sollte zum Fischen keine anderen Werkzeuge und Reusen verwenden. Statt dessen werden .Hunderttausende von Wasserbewohnern durch Angelhaken ' 52 - Wintervögleirr Druck und Verlag der Brühl'schm UmverfitStS-Buch. und Steinbruderti (Pietsch ®rben) in Gieße». »edaltion: $. Burkhardt. WaldessSnger groß und t(ein, Die ihr tapfer hagebüchen, Wintersnot und Hungerspein Haben euch zu uns getrieben. Voll Vertrauen naht ihr nun, Auf die Menschengüte bauend — Könnte da das Mitleid rnhn, Eure Not voll Rührung schauend?! Tausendmal hat euer Sang Uns erquickt in Wald und Auen, Wenn die Seele, schwer und bang, Keinem wollte sich vertrauen. Neue Hoffnung, Trost und Licht Habt ihr da in's Herz gesungen. Und mit eurem Liedchen schlicht Manches tiefe Leid bezwungen. Lande oder in kleinen Städten geschlachtet, so laufen die Kinder in Scharen herbei, wenn das Todesgebrüll der Schweine „ein Schlachtefest" verkündet. Zuerst staunend, dann gierig sehen sie der Metzelei zu, wie ein Schwein, ein Kalb, ein Schaf bei vollem Bewußtsein ohne Betäubungsschlag langsam totgemartert wird, und nicht selten veranlassen die Bewegungen oder Schmerzensäußerungen des Tieres die Kinder zum Gelächter. Täglich erleben diese, daß häßliche Schimpfworte gegen die Tiere gebraucht, und letztere bei jeder geringen Unart gleich grausam gestraft werden. Auch daß die Pferde, welche sich im Dienst des Menschen abplagen, dürr und elend, bis in das höchste Alter ausgeschunden werden, ist ihnen ein gewohnter Anblick. So nimmt das Kind von jung an den Eindruck in sich auf, daß man mit einem Tiere thun kann, was man will. Folglich giebt es nur ein einziges Mittel, nur den vermeidbaren Leiden der Tiere we - nigstens in der Zukunft vorzubeugen: die Weckung und Stärkung des sittlichen Bewußtseins der Kinder durch Einpflanzung einer fr rundlich en,barmherzigenGesinnung gegen die Tiere. Wohlwollen muß Grundtrieb der Kindesseele werden, dann wird das Gutartige dem Heranwachsenden Menschen zur zweiten Natur. Ein Herz, das sich selber beglückt fühlt, wenn es Wesen, die unter ihm stehen, beglücken kann; ein solches Herz wird es verabscheuen, Mitgeschöpfe unglücklich zu machen, und wird es auch nich-t ertragen können, daß sie von anderen unverdient Leid erdulden. Krankheit. Gegen Katarrh. Katarrh kann nicht kuriert werden durch lokale Applikationen, da sie den Sitz der Krankheit nicht erreichen können. Katarrh ist eine Blut- oder Konstituttonskrankheit und, um sie zu heilen, sind innere Heil- mittel zu nehmen. Tas allereinfachste und wirksamste Mittel ist lauwarmer Honig mit etwas Gänsefett vermischt. Man nimmt davon zwei oder drei Löffel voll tagsüber und einen vor dem Schlafengehen. Das Mittel hilft sofort lindernd und heilt die Krankheit in wenigen Tagen. Bei einem hartnäckigen Fall sind die Portionen zu vermehren, was bei einem so angenehmen Heilmittel nicht schwer fallen dürfte. Jett und Garten. Die b e st e und b i l l i g st e Einfriedigung eines Grundstückes ist der Weißdornzaun. Ein alter Herr teilt im „Praktischen Ratgeber für den Obst- und Gartenbau" seine Erfahrungen über einen 34jährigen Weißdornzaun mit. Er schreibt zum Schluß: Wenn ich noch einmal einen Weißdornzaun anlegen müßte, würde ich zunächst einen leichten Stangenzaun mit starken Säulen aufstellen. Der Zaun muß aber mindestens 30 Ctm. innerhalb der Grenze des Grundstücks stehen, da sich die Hecke später sehr breitet. An diesen Zaun pflanzte ich dann mit 10 Ctm. Abstand die Weißdornsetzlinge. Die Zweige werden später kreuz und quer verTauschrätsel. Nachdruck verboten. Sago, Wand, Ottern, Eier, Wonne, Zaun, Dame. *J “’gjjg“jedem" Wort ist durch Umtausch eines Buchstabens ein anderes Hauptwort zu bilden, wie aus Ader die Wörter Oder, Adel. Die neu eingesetzten Buchstaben bezeichnen im Zusammenhang einen im Winter vielbesuchten Ort. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: Kartenverteilung: B. b, c, dB, aA, K, D, 9; bA, D, 7. M. alO, 8; cA, 10, D, 9, 7; dA, 10, D. H. aB; blO, K, 9, 8; cK, 8; dK, 9, 8. Skat: a7, d7. . Spiel: 1. V. dB, alO, aB (— 14). 2. H. bK, bA, a8 (— 15). 3. M. dA, dK, aA. — Vorhand muß nun selbst mit b kommen und giebt noch zwei Stiche ab: 9. V. bl), cA, blO (— 24). 10. H. b9, b7, clO (— 10). Dadurch gelangen die Gegner auf 63. Dankespflicht ist's, Säugerlohn, Wenn wir eure Sorgen wenden, Und für jeden süßen Ton Eine Liebesgabe spenden. GemeirrnNtzsges. B,eim rauhen Ostwind längere Zeit im Freien zu verweilen, ist nicht gerade gesundheitsfördernd. Da ist nach der Heimkehr eine Tasse Bouillon aus Liebigs Fleisch- Extrakt ein Vorbeugungsmittel gegen manche drohende flochten. Das ist zwar etwas mühevoll, da solche Hecke aber stber ein Menschenalter aushält, ist sie doch eine der billigsten und zuverlässigsten Umzäunungen. Jür die Küche. Fleisch a la Nelson. (Gute Verwendung von Fleischresten.) In eine gut ausgebutterte und mit Weißmehl ausgestreute Auflaufform thut man zu unterst eine Lage abgekochter, geschälter und in Scheiben geschnittener Kartoffeln, giebt dann eine Lage in Scheiben geschnittenes, übrig gebliebenes Rindfleisch oder andere Bratenreste darüber, bestreut das Fleisch mit etwas Salz, Pfeffer und nach Belieben mit etwas geriebenen Käse; dann folgen wieder Kartoffeln, dann Fleisch usw. Die letzte Lage müssen Kartoffeln sein. Dann giebt man unten beschriebene mit Maggis Suppenwürze im Geschmack gekräftigte Sauce darüber und backt den Auflauf ca. eine Stunde im Bratofen. Sauce. 60—80 Gramm Butter läßt man heiß werden^ giebt so viel Mehl zu, als das Fett aufnimmt, röstet dieses dunkelgelb, löscht mit kaltem Wasser ab, füllt mit heißem Wasser nach, würzt mit Salz, Pfeffer, einem Lorbeerblatt und etwas Essig und läßt die Sauce eine halbe Stunde kochen. Dann verfeinert man die Sauce mit einem Thee- löffel Maggis Suppenwürze und gießt sie über den oben beschriebenen Auflauf. Diese Speise ist sehr nahrhaft und bildet mit einer Suppe ein völlig genügendes Mittagsmahl. A. R. Sch. Litterarrsches. Aufgaben für Erfinder. Eine Sammlung von Erfindungs-Problemen, deren richtige Lösung eine lohnende Verwertung verspricht. Zusammengestellt von Dipl. Jng. C. Bloch. Berlin SW. Hugo Steinitz Verlag. Preis 2 Mk. Wenn man die vielen Patente und Gebrauchsmuster betrachtet und von ihren Titeln einen Schluß auf ihren wirtschaftlichen Wert zieht, so gelangt man unwillkürlich zu der Einsicht, daß sich viele Erfinder mit recht unnützen Dingen beschäftigen, die unmöglich einen finanziellen Erfolg haben können. Andererseits giebt es aber noch viele Dinge, welche verbesserungsbedürftig erscheinen und eine nutzbringende Verwertung verheißen. Verfasser hat es sich angelegen sein lassen, eine größere Anzahl solcher dem praktischen Bedürfnis entsprungener Erfindungsausgaben zu sammeln und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Wer sich mit der Lösung dieser Aufgaben, die der besseren Uebersicht halber nach den Patentklassen geordnet sind, befaßt, wird voraussichtlich seine Geistesarbeit belohnt finden, sofern die Lösungen den etwa vorhandenen gegenüber entsprechende Vorzüge bieten. Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß sich auch unter den Lesern der Familienblätter eine Anzahl der Zunft der Bastler und Tiftler Angehörige^ befinden, welchen mit dem Hinweis auf vorstehende Schrift erwünschte Anregung zur Bethätigung ihrer Geisteskräfte geboten wird. Bdt.