I ti'Ä® «WWMMMMW MM^WG .Mi _ . WPMMWWslD !#^jjM ’-iiLy - M.MWVMEll < . orgt man nit, so ist'« ein Zorn, Borgt man, ist das Geld verlor'n. Biel bester ist der erste Zorn, Als Geld und Freund zugleich berlor’n. (Deutsche Inschriften an Haus und Gerät.) (Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Zögernd nahm Inge einen kleinen Zettel aus dem Portemonnaie und reichte ihn ihrem Verlobten. >,Hier ist sie. Und ich habe Dein Wort, Bernhard, daß Du die Schuld nicht auf Deine eigenen Schultern nehmen willst?" „Za doch — ja! Sagte ich Tirs nicht bereits? Das wäre also erledigt. Und nun wirst Du auch wieder aus Helserett Augen in die Welt sehen, nicht wahr, mein süßes Lieb? Diese dummen Geldgeschichten sollen uns die Sonnentage unseres jungen Glückes nicht länger trüben. Wer weiß, ob Du nicht schon sehr bald in der Lage sein wirst, über Deine heutigen Sorgen wie über thörichte Kindereien zu lächeln!" „Ach nein, das werde ich gewiß nicht. Denn auf die Versprechungen bas Vaters kann man sich ja so wenig verlassen. In dem Augenblick, wo er sie macht, meint er es gewiß ganz ehrlich und hat die allerbesten Vorsätze. Aber er ist so schwach. Und es ist ihm so widerwärtig, sich auf Schritt und Tritt an seine Armut erinnern zu müssen. Gr würde sein jetziges Leben auf die Dauer gewiß gar nicht ertragen können, wenn es ihm nicht von Zeit zu Zeit gelänge, seine traurige Lage ganz zu vergessen. Solche Augenblicke aber muß er dann nachher jedesmal sehr teuer bezahlen — und wir mit ihm." „Tu fürchtest also, daß sich häßliche Vorkommnisse von der Art des eben erzählten wiederholen könnten — trotz der Angst und des Schreckens, die er jetzt hat ausstehen müssen?" „Ach, ich weiß nicht, ob die Angst und der Schrecken wirklich so groß gewesen sind, Bernhard! Gestern schien der Vater wohl ganz außer sich, zu sein. Aber heute, nachdem er mein Versprechen hat, daß ich zu dem Manne hjngehen und ihn um Nachsicht anflehen werde, heute ist er schon wieder so heiter und so angelegentlich aus seine Toilette bedacht, als wäre alles in schönster Ordnung. Ich fürchte fast, uns ist nicht mehr zu helfen, und es nimmt doch früher oder später ein schlimmes Ende. Tu hast sicherlich nicht klug daran gethan, Dich mit einem so armen Mädchen zu verloben." „Und wenn es nun gar kein armes Mädchen wäre, Inge, sondern ein Mädchen mit einer fürstlichen Mitgift und die dereinstige Erbin einer Million?" „Wie magst Du so scherzen! Die Hoffnung des Vaters aus diese Million, die er nie erhalten wird, ist ja vielleicht unser größtes Unglück." „Aber er wird sie erhalten. Und wenn es nicht eine ganze Million ist, so wird es doch' wahrscheinlich nicht viel weniger sein. Tenn die Sachlage hat sich seit gestern vollständig geändert. Wir haben die allerbeste Aussicht, den Prozeß W gewinnen." Inge schien noch immer nicht daran zu glauben, daß es ihm Ernst sein könnte mit dem, was er da sagte. Zweifelnd und fragend richteten sich ihre Augen auf sein Gesicht, und trotz des Versprechens, das er Hanna gegeben hatte, gewann er es nicht über sich, sie länger in dieser Ungewißheit, zu lassen. Er öffnete den Wandschrank, um ihm Julius Wede- kings Bries zu entnehmen, und hielt Inge das Blatt entgegen. „Das ist die Waffe, mit der wir siegen werden. Der geriebene Geschäftsfreund Deines unvorsichtigen Oheims hat sie uns selbst geliefert. Sicherlich würde er Dietrich von Reftorps Eigentumsrechte nicht so unumwunden und unzweideutig anerkannt haben, wenn er hätte ahnen können, wie fatal dieser Brief dereinst seinem eigenen Sohne werden würde." „Ein Brief, der die Rechte des Oheims anerkennt? Darf ich ihn lesen?" „Gewiß! Schließlich ist es ja nur ein seltsamer Zufall, daß Tu ihn nicht schon längst gelesen hast. Denn wahrscheinlich hast Tu ihn srüher bereits in den Händen gehalten." Ohne auf seine letzten Worte etwas zu erwidern, hatte Inge mit dem Lesen begonnen. Bernhard erwartete, ihr Gesicht in heller Freude aufleuchten zu sehen und einen Ausruf jubelnder Ueberraschung von ihren Lippen zu vernehmen. Aber das eine so wenig als das andere geschah. Was sich in ihren Zügen spiegelte, war wohl grenzenloses Erstaunen; doch nicht das Stanneu vor einem noch halb unfaßbaren Glück, sondern viel eher eine tiefe Bestürzung. Und wie der Rechtsanwalt gestern seine Schwester gefragt hatte, so fragte , nachdem sie zu Ende gekommen war, auch Inge, doch in einem ganz anderen Ton: „Wie kamst Tu zu diesem Brief? Wo hast Tu ihn gefunden?" „Nicht mir gebührt das Verdienst dieser glorreichen Entdeckung. Hanna war es, die ihn unter Dietrich von Restorps nachgelassenen Papieren aufstöberte. Aber Tu 296 Weise: , . .Nicht doch! Was ich da angefangen habe, ist eigenk es schon um Deiner armen kranken Mutter willen sehr erfreulich wäre, wenn die Vermögeusverhältnisse meines Vaters eine Wendung zum besseren nähmen — um von Dir und von ihm selbst gar nicht zu reden." Zuge schwieg; aber ihre Wangen waren noch immer totenbleich, und der Ausdruck von Angst und Verstörtheit war noch immer in ihren Augen. Nach einer kleinen Werte sragte sie mit gepreßter Stimme: , „Wann willst Tu dem Gericht diesen Brref vorlegen, Bernhard?" r , ... „Tas wird zunächst von dem Ergebnis der heutigen Besprechung mit Teinem Vater und sodann noch von mancherlei anderen Umständen abhängen. Vielleicht werden wir dazu überhaupt nicht genötigt sein; denn es scheint mir keineswegs undenkbar, daß der Regierungs-Assessor Wedekinq eine gütliche Einigung anstreben wird, nachdem er sich von der Gerechtigkeit unserer Forderung uher- §eUy to'ar, als fühlte sich Inge durch die Aussicht, die er ihr da eröffnete, ein wenig erleichtert. Papier wird also vorläufig noch in Deinen Händen bleiben? Es wird zunächst nichts damit ge- f (fiel) cn ?z/ Ich werde es jedenfalls zurückhalten, bis die Antwort des gegnerischen Anwalts eingelaufen ist, an den ich noch heute schreibe." r , Und wieviel Zeit kann darüber vergehen — ich meine, bis zum Eintreffen jener Antwort?" Tas weiß ich natürlich iiicht. Mindestens aber werden es doch, drei oder vier Tage sein. Wenn ich nur endlich begriffe — —u Inge ließ ihn nicht cmsspnchen. Sie war aufgestanden, und es schien, daß sie es plötzlich überaus eilig hatte. Es war eine seltsame Hast und Unruhe in ihrem Wesen, tote Bernhard sie nie zuvor bemerkt hatte. Und er suhlte sich i verletzt; denn die Sehen, mit der sie jetzt bei der Verab- i schiedung vor ihm zurückwich, erschien ihm nicht mehr toie vorhin als eine Aeußerung mädchenhafter Befangenheit und Schamhaftigkeit. Er glaubte etwas von Furcht bann zu | bemerken oder gar — wie sehr er sich auch in seinem Herzen^ gegen diesen Argwohn sträubte — von Widerwillen. 00 I schnell hatte sie sich losgemacht, daß er sie nicht einmal fraaen konnte, wann er sie Wiedersehen wurde, und als I er sich wieder allein sah, war von ihrem Besuche nicht, als eine höchst unbehagliche Empfindung in ihm zuruck- „Wie gut sich doch Hanna auf die Beurteilung der Menschen versteht!" dachte er. „Ich glaube, es wäre wirklich besser gewesen, ivenn ich ihr vorläufig nichts gesagt hätte. Sie, die so rührend tapfer und standhaft iw1 Unglück sein kann, fürchtet sich wahrhaftig vor dem Gluck, wie wenn es etwas Entsetzliches wäre. Und ich habe mem Versprechen gebrochen, weil ich ihr eine gewaltige Freude zu bereiten gedachte." Neuntes Kapitel. „Verzeihen Sie, Harro - ich wußte nicht, daß Sie noch allein seien. Es war mir, als hätte ich Fraulein Syl- vander kommen gehört." . , „Nein, sie ist noch, nicht da. Aber sie mutz tn jedem Augenblick eintreten; denn sie pflegt sonst sehr pünktlich zu sein. Wollen Sie nicht hier bleiben, sie zu erwarten? Es war in Professor Herbolds Atelier, wo diese Worte zwischen seiner Tochter und seinem Schüler gewechselt wurden. Erika hatte den Vorhang, der die Thürösjnung des Verbindungsganges abschloß, noch in der Hand, und ste schien unschlüssig, ob sie der Aufforderung des jungen Bildhauers Folge leisten oder sicy wieder zurückziehen solle. Nach kurzem Zaudern aber hatte sie sich doch für das erste entschieden und trat vollends herein. „Ich. bitte Sie jedenfalls, sich durch Mich nicht tn Ihrer Arbeit stören zu lassen. Ich sehe ja, daß Ste sich in voller Thätigkeit befinden." Aber Harro hatte das Modellierholz, mit dem er in einem noch ziemlich formlosen Thontlumpen arbeitete, bereits beiseite gelegt, nnd indem er einen Stuhl für Erna herbeibrachte, sagte er in seiner liebenswürdig herzlichen zu vernichten." • Nein für so unverantwortlich thöricht halte ich ihn allerdings' nicht. Was in aller Welt sollte ihn denn auch veranlassen, ein Dokument zu vernichten, das ihm unter Umständen eine Million eintragen kann? Es wird ihm nichts eintragen - glaube mir ooch, Bernhard - nicht einen Pfennig! Und wenn es ihm etwas einbrächte, fo wäre es um so schrecklichei. Es konnte ja kein Segen fein an solchem Gelde." I .iS 'S* scheinst seine Wichtigkeit noch gar nicht recht zu begreifen, liebste Inge, da Tu Dich so wenig erfreut zeigst „Unter des Oheims nachgelassenen Papieren, sagst ^u. Unter denen, die ich durchgesehen und geordnet habe? freilich' ^n diesem Bündel hier — und er warf das ! ganze Päckchen auf den Schreibtisch. „Tu hattest ihn eben übersehen. Und das ist wahrhaftig nicht so verwunderlich, wenn man es mit einem solchen Wust durcheinander ge- I wiener Skripturen zu thuu hat. Hoffentlich wirst Tn Dir nicht nachträglich Vorwürfe darüber machen. I Zn diesem Bündel? Aber das ist unmöglich. Hanna muß" sich täuschen. Sie kann ihn auch an einer anderen Stelle gefunden haben, nicht wahr? — an einer ganz anbereni ©teile ?"^ng nnberen Stelle? Ich verstehe nicht, liebes Herz, was Tu damit meinst?" „Ich meine: nicht unter den Papieren, die durch mein I Hände gegangen waren." t „Aber natürlich war er unter diesen. Alles andere batte ja Tein Vater als völlig wertlos zuruckbehalten. | Unverwandt blickte sie mit großen, starren Augen au - das Blatt nieder, und Bernhard gewahrte mit wachsendem Befremden, daß die zarten, frischen Farben ihrer Wangen einer erschreckenden Blässe^ gewichen waren. „So sage mir um des Himmels willen, ^nge , drängte er „was Dich so bestürzt macht. Du stehst ja aus, al» iväre es Tein eigenes Todesurteil, das ich evtr da tu die W Wi-^fie1 schenkte seiner Frage gar keine Beachtung. I „Sagte Dir Hanna selbst, daß sie ihn da gefunden. ; Tn kannst Dich gewiß nicht darüber täuschen. „Nein, gewiß nicht. Und tm übrigen kannst Tu es Dir ja von ihr bestätigen lassen, wenn es Dir von so großn Bedeutung scheint Mir ist es, offen gestanden, höchst gleichgiltig, ob sich der Brief in diesem oder tn einem anderen Päckchen befunden hat. Die Hauptsache ist, daß wir ihn haben, und daß wir mit seiner Hile die Berechtigung des von Deinem Vater erhobenen Anspruches be- weisen^itoerdem uicht daran, ihn dem Gericht vor- Natürlich denke ich daran, Du närrisches Lieb! Was sollte er uns denn nützen, wenn ich es nicht tyun W°Itt,2l6er das kann nicht sein. Es ist unmöglich. Es darf nicht geschehen, Bernhard!" ,Fch begreife Dich immer weniger. Warum ist es unmöglich? Warum darf es nicht geschehen?" ' „ggeit — weil es uns alle ins Unglück bringen tourte/' ,.t _ange ,d) an su verstehen. Tu fürchtest", daß bas Gelb Teiuem Vater nicht zum Segen gereichen, baß es ihn erst recht zum Verschwender machen wird? Nein nein, das ist es nicht. Oder doch wenn Tu glaubst, baß es bies ist, so will ich Dir Nicht wwer- sprechen. Jedenfalls darfst Tu keinen Gebrauch von dem Briefe machen! Verbirg ihn, zerreiße, verbrenne ihn - thu mit ihm, was Du willst! Nur sorge, daß mem Vater niemals etwas von seinem Vorhandensein erfahrt. „Die Bitte käme zu spät, liebe Inge, auch wenn ich überhaupt daran denken dürfte, sie zu erfüllen, ^te bnes- licbe Mitteilung, daß in unserer Prozeßangelegenheit eine äusserst wichtige, ja entscheidende Wendung eingetreten sei und daß ich ihn zu näherer Besprechung heute nachmittag erwarte, muß sich jetzt bereits in den Händen meines '°ater|) mÄi?Gott! Und er wird sich natürlich des Briefes bedienen wollen; er wird sich nicht bewegen lassen, ihn 291 Studentenehre geworden. Gott sei Dank, es gab noch Leute, die von seiner Schande nichts wußten. Er ließ sich das Gerede der Kellnerin ge- fallen, trank in schnellen Zügen sein Bier aus und bestellte ein zweites Glas. Sein Spiel war verloren; noch zwei Tage, und seine Ehre war dahin. Die Verbindung würde ihn ausstoßen. Er fand ein grimmiges Behagen darin, sich reizt, daß er sogar an Selbstmord dachte. Da kam die Kellnerin, die von Ansehen alle Studenten kannte, auf den schönen Oelschläger zu sprechen. Sie prg.hlte, I Zippen, eine böse Falte zwischen den Brauen — die Stimm- I unq des Abends .war gründlich verdorben. — I Ein Ausschuß sollte die Sache untersuche». Als dreser I zu dem Wirt kam, wollte der von der Unterredung mrt I 5mns Fleischer nichts wissen. Selbstverständlich sei er langst | bezahlt und gern bereit zu quittieren. Fleischer, der zu I der Ausfahrt nicht mitgenommen war, wurde zur Rede I gestellt. Er war empört, daß der Wirt ihn verleugnete, I gab sein Ehrenwort, die Wahrheit gesagt zu haben, und I verlangte, dem Wirt gegenüber gestellt zu werden. Aber I der war gleich- darauf in Geschäften verreist, und es hieß, I vor zwei bis drei Wochen käme er nicht zurück. Dann aber I war das Semester zu Ende. . Nun fand sich auch die Postquittuug. Oesichlager hatte I sie verlegt; endlich entdeckte er sie hinten in dem Winkel I einer Schublade, zerknittert und beschmutzt — aber sie es ist so lauae ber seit wir rum letztenmal gemütlich mit i Es war ein herrlicher Juliabend; in dem lauschigen einander geplaudert haben. Weshalb kommen Sie gar I Platze inmitten der Jasminbusche wo unter Titrht meftr tnip fnnft auf ein Viertelitündchen zu Mir I war, und wo die Philister an den Aachvartischen Nicht herein, wenn der Meister schlummert?" I jedes kecke und vorlaute konnten, faß- e chh „Es war wohl nur Zufall, Harro, daß es nicht geschah", am schönsten schmeckte der frische Trunk am^ besten, erfchE ffJO.äKÄ sWÄJSZÄ »Ä.W ”Pcn4gltifte'S Zeichen, nicht wahr? Ach, I damw? wieder "einmal verträglich lange; wenn sie selbst ick. wnn es ?bnenaa?nicktiaaen Eri^ wieglticklich erst Burschen wären, so würden sie gegen ihre eigenen ich über diese Besserung bin, die alle schwarzen Prophe- I Füchse nicht so rücksichtslos sein. Endlich kamen sie, erregt, zeiungen des Arztes zu Schanden gemacht hat. Wie gut, I mit roten Köpfen. Wolf, der seinen Leibburschen^ sreuoig * . daß Sitttinn — daß Fräulein Sylvander damals Ihren I grüßen wollte, um ihm die vielen neuen Er Wunsch nickt erfüllte! Tenn daß es nur die Freude an I Tages brühwarm zu erzählen, erschrak über fern Ausseheu der Arbeit sein kann, die das Wunder bewirkt hat, giebt | Nur kurze Zeit saß^Oelschlager uu Garten, Mit.zuckend^^ ja Doktor Reimers jetzt selbst zu. Sie hat den Meister mit neuer Lebensenergie erfüllt, wie Hanna es an jenem Morgen so zuversichtlich voraussagte." „Ja, es scheint so; denn trotz der Anstrengung, die sich mein Vater auferlegt, sind die Anfälle vom ersten Tage an seltener geworden, und seit vorgestern sind sw ganz ausgeblieben. Man möchte glauben, daß diesem jungen Mädchen übernatürliche Kräfte zu Gebote stehen." (Fortsetzung folgt.) Skizze von Hans Heinrich. (Nachdruck verboten.) In dem Konvent der Verbindung war es zu einer aufregenden Szene gekommen. Zwischen den beiden Burschen Hans Fleischer und Martin Oelschläger hatte immer em I war da . , , _ . nrtnmer Keaensatz bestanden, in allen Dingen war der I Fleischer wußte nicht, tote ihm geschah. Hatte er voryii eine der Widerpart des andern. Beide waren in demselben I die Ehre Oelschlägers angegriffen, so galt e letzt, seine Semester auf die Universität gekommen und au demselben I eigene zu wahren. Er stand als Verleumder da, als einer Tage in die Verbindung eingetreten. Aber von Anfang an I der sein feierlich gegebenes ^ort gebrochen hatte^ Aber konnten sie zu keiner rechten Kameradschaft kommen; immer I noch gab er feine Sache nicht auf. Da das Zeugnis des Wirts qleichgiltiger," immer kühler standen sie einander' gegen, nickst zu erlangen war, mußte der Untersuchungsausschuß über ^bis sich- schließlich eine wahre Feindschaft entwickelte. I ihm auf fein Verlangen eine Frist geben, um andere B-- Bei'der Disziplin^des studentischen Verbindungslebens I weise zu schaffen. Sie konnte nur kurz serw da der Schluß blieb sie ihnen^ selbst lange verborgen, aber jetzt war sie | des Semesters nahe bevorstand; acht Tage wuroen ihm vlötzlich zum Ausbruch gekommen. I bewilligt. Martin Oelschläger führte die Verbindungskasse. Er I Aber wie die Beweise schaffen? Wie geistesabwesend sollte Rechnung legen und konnte die Postquittung nicht I ging er umher, ziel- und planlos lief er durch- die Strafen, beibringen Tie Kosten für ein wohlgelungenes Sommer- I er zermarterte sein Gehirn mit unfruchtbarem Grübeln, fest in einem benachbarten Ausflugsorte waren zu bezahlen, I Ist pen schlaflosen Nächten quälte ihn die Reue, er wurde die in drei Raten abgetragen werden sollten. Zwei Quitt- I an sich selbst irre, so genau er sich auch aller Neben- unaen waren vorhanden, aber die letzte fehlte. I umstände der Stunde erinnerte, wo der Wirt jenes ver- Oelschläger entschuldigte sich; er müsse sie verloren I hängnisvolle Wort gesprochen hatte. So vergingen fünf haben Mit beleidigender Schärfe im Tone fragte Fleischer, I Tage. Wieder irrte er umher, in seinem Aeußeren vernachp ob die Summe bezahlt sei. . . I lässigt, hohläugig, mit schlaffen Zügen; auf der Straße Selbstverständlich ist sie bezahlt", mef Oelschläger I sih ev ein paar Verbindungsbruder auf sich zukommen, erreqt I er wollte ihnen aus weichen und sah, daß sie dasselbe Der andere erwiderte, daß er sich erlaube, daran zu I chaten. Verzweifelt schlich er aus der Stadt und kam au zweifeln Zufällig sei er gerade heute draußen gewesen, I eine kleine Schänke an dem Wege, der zu dem Ausflugs- und der Wirt habe sich beklagt, daß er nicht zu seinem I orte führte. Gänzlich erschöpft trat er ein und bestellte em Gelde käme ' I Glas Bier. Die Kellnerin, eine altlich-e verlebte Person, setzte ' Oelschläger beteuerte, das Geld abgeschickt zu haben. ] sich zu ihm, spöttelte über sein Aussehen und zog ihn. Nipispickt sei es nickt anaekommen. Man möge die Sache I wegen seines unsoliden Lebens auf. Er läch-elte schmerzlich, »NN- tch's "ch ernte?«. I «3. M dl- dm, feiner Schande * „Ich glaube, es erklären zu können", sagte Fleischer. Und wie er es erklärte, da kam über manchen der Urgwohn, daß die Kasse nicht genau verwaltet wäre, und daß die heutige Rechnungslegung noch- weit weniger korrett sei während" stw G?gne^le?denschaftttch ausbrauste,"so- I mit''der"Kelln'erin"zu 'vergleichen :" wie' sie Ausgestoßene, daß de? Vorsitzende keinen leichten Stand hatte, die Ver- I Verworfene! Gewiß hatte er damals die Wahrheit aus- - I gesagt, aber schon längst hatte er sich unter schweren Ge- Unten^im Garten saßen indessen im vollen Genuß I wissensbissen gestanden, daß er jene Anklage nicht aus ihrer jungen Studentenfreiheit die Füchse, die dem Burschen- | beleidigtem Rechtsgefühl, sondern aus Haß gegen Del« konventn^ Der Lustigste und Ueber- schläger erhoben hatte. Noch zwei Tage, und dann? Seme mütiaste war Wolf Hartmann, Oelschlägers Leibsuchs, ein I Ehre w ar nut ein ent Makel befleckt, bei ihm unauslöschlich AM-wlmiähriger der soeben der strengen Zucht eines klein- I anhängen würde. Wenn er aueh eine andere Universität ickmiickpu GvmnaUum« entronnen war. Oelschläger selbst bezöge, in fremde Verhältmsie und unter fremde Menschen Ä iFbS SSrSSÄz und mit seiner käme, nie würde er das Gefühl verl oren, als trüge er em gewinnenden Liebenswürdigkeit, seinem gewandten und | Brandmal an der Stirn^ Seme Nerven toarm so ubet- forschen 'Auftreten war er in den ersten Stunden ihrer Be- länntschaft das studentische Ideal des jungen Menschen 282 leine Gunst zu VssWm. W NWke UMristW» WWer. Woher sie denn den lernte? Oh, seit lange; noch vor ein paar Pagen sei er hier gewesen, eines Morgens ganz früh; und bann ging er weiter nach! dem Ausflugsort. Hans Fleischer klopfte baß Herz bis zum Hals» hinauf. Gr überlegte einen Augenblick,, und sofort hatte er feine alte straffe Haltung wiedergesuntztm. „Wann war das?" „Bor ein paar Tagen." „Wer genau, an welchem Tage? Ich muh es ganz bestimmt wissen." Und er bestellte eins Flasche Wein und schenkte dem Mädchen und sich ein. Sie rechneten es zusammen aus. Es war an dem Morgen nach dem Konvent gewesen, wo Fleischer seine Anklage erhoben hatte. Alles stimmte. An dem Morgen hatte Oelschläger den Wirt bezahlt und ihn vermocht, bis zum Ende des Semesters zu reisen. Das Geld mochte er sich irgendwie besorgt haben. Aber — dann mußte ja die Postquittung über die Geldsendung gefälscht sein! Fleischer sprang auf, zahlte und ließ die verdutzte Kellnerin bei der halbvollen Flasche sitzen. Als er zur Thür K’ rg, sah er zufällig in den Spiegel. Wie er nur aussah? er was hatte das jetzt zu bedeuten! Er lies in die Stadt zurück, nahm eine Droschke und fuhr zu dem Borsitzenden der Verbindung. Der Beweis war erbracht. Die Postquittung war wirklich? gefälscht, und mit einem geradezu raffinierten Geschick, wie der Postdirektor sagte. Das gehöre vor den Staatsanwalt, meinte er. Oelschläger leugnete alles ab. Er berief sich auf das Zeugnis des abwesenden Wirts. Aber was half's; die Sache lag so llar, daß oer Spruch! nicht zweifelhaft sein konnte. Er wurde mit Schimpf aus der Verbindung ausgestoßen. Die Füchse wurden hereingerufen, und das Urteil ihnen verkündet. Wolf Hartmann war völlig fassungslos; sein Leibbursch, sein Freund, sein Ideal ein Ehrloser! Es war seine erste bittere Lebenserfahrung. Indem brachte der Kellner einen Brief herein; Martin Oelschläger beteuerte nochmals seine Unschuld und nahm Wschied, den letzten Abschied von seinen Freunden. Es war llar: er wollte sich? das Leben nehmen. Was nun thun? Wie sollte man ihn daran hindern? Seine Eltern wohnten auswärts; wen sollte man benachrichtigen? Und wenn er wirklich? diesen Entschluß gefaßt hatte, so war es sicher, daß er ihn noch in derselben Nacht ausführte. Wer in Wolf schrie alles: ihn retten! Er ergriff Hut und Stock und stürmte hinaus. Wenn die andern Oelschläger verließen, wollte er wenigstens ihm Treue bewahren, er wollte aus der Verbindung austreten und sein ganzes Leben einsetzen, um ihn zu retten. Ohne Ziel ging er vorwärts. In der kühlen Abendluft kam ihm das Sinnlose seines Vorhabens schmerzlich zum Bewußtsein. Wo wollte er ihn suchen? Wer es ließ ihm keine Ruhe, er wanderte weiter, aus der Stadt hinaus, den Berg hinan, in den Wald, den er so oft in dem herrlichen Sommer mit Oel- schlläaer durchkreuzt hatte. Es war eine Helle Mondnacht, und das llare Licht ließ alle Plätze genau erkennen und rief alle so schönen, jetzt so bitteren Erinnerungen mit unbarmherziger Deutlichkeit zurück. So kam er an einen Kreuzweg, wo wenige Schritte davon unter alten Buchen eine Moosbank stand — ein Lieblingsplatz der beiden Freunde, von wo man einen reizenden Blick über das Thal hatte, in dem sich? die Universitätsstadt hinstreckte. Wie oft hatten sie dort gesessen, geplaudert und gescherzt, Lustschlösser gebaut, geträumt. Laut aufschluchzend ging Wolf vorüber. Und auf der Moosbank, im Dunkel der alten Buchen, sah Martin Oelschläger wirklich. Als er sein Schicksal ent- fchieden sah, war sein Entschluß gefaßt. In einer Stunde bösen Leichtsinns hatte er das ihm anüertraute Geld unterschlagen, in der bestimmten Absicht, es wieder zurückzu- zahlen. Als fein Fehltritt durch? Fleischers Vorgehen an den Tag zu kommen drohte, wurde seine im Grunde nicht unedle Natur weiter gedrängt bis zum Verbrechen. Die Bestechung des Wirts war geglückt, aber einmal in die Folgen der unseligen That verstrickt, schritt er zur Fälschung des Postscheins. Er blieb sich! bewußt, was für eine Verzweif- lungsthat eß war ; Oeich riW WeWrM AnKlM Mt» « sich einen Revolver gekauft. Ör spielte verhängnisvoll; fcm es heraus, so stand fein Entschluß fest, fein entehrtes Leben mit dem Tode zu sühnen. Mit dem Revolver in der Tasche war er in die Sitzung des Ehrenrats gegangen; nach dessen Spruch hatte er unten in der Wirtschaft feinen Abschiedsbrief geschrieben, war bann hinauf in den Wald gewandert und nach manchem Umwege au den Kreuzweg gekommen. Wolfs Schritte, die laut durch die fülle Nacht hallten, trieben ihn ins Waldesdunkel zu der Moosbank. Im Mondlicht erkannte er Wolf, hörte fein Schluchzen — um ihn. Die Treue des Jungen rührte ihn bis ins Innerste — das war der letzte Schmerz. Wer gerade Wolf sollte ihn hier nicht finden, nicht jetzt ■— und nicht später. Langsam verhallten die Schritte. Der Schuß sollte ihn nicht zurückrufen. Er zog die Uhr aus der Tasche, ging bis zum Kreuzweg vor, und im Mvndlicht zählte er die peinigend langsam schleichenden Minuten. Als Wolf fern genug war, ging er in den Wald zurück, setzte sich auf die Moosbank und drückte ab. Beerensuchende Kinder haben ihm am ändern Morgm gefunden.__ Gemeinnütziges. Australische Tafeläpfel. In Australien wird eß Herbst, wenn zu uns der Frühling kommt, also gerade jetzt, wo wir unsere obstärmste Zeit haben, ernten di« Australier ihren Obstsegen ein. Natürlich machen sich die australischen Obstzüchter diesen Umstand zu nutze und senden, besonders nach? London, aber auch nach einigen Hafen- städten Deutschlands, die sehr angenehm säuerlich schmeckenden und wundervoll gefärbten Tafelfrüchte, die das Pfund, je nach! Sorte und Güte 50 Pf. bis 1 Mk. kosten. Es ist dies ein sehr wertvoller Umstand für Obstliebhaber; denn sie können so während des ganzen Jahres Obst genießen. In der neuesten Nummer des prakttschen Ratgebers, die vom Geschäftsamte zu Frankfurt a. O. zu erhalten ist besindet sich! ein längerer Aufsatz über diese australischen Aepfel mit zwei trefflichen Abbildungen. Um zu erkennen, ob ein Trin kwas ser als Genußmittel verwendbar ist, hat man nur in ein Trinkglas voll Wasser einen Eßlöffel voll klarer Tanninlösung — 1 Teil Tannin in 4 Teilen Wasser und 1 Teil Weingeist gelöst — zu bringen. Tritt sofort oder nach einiger Zeit eine erhebliche Trübung ein, so ist es gefährlich beim Genüsse; denn durch diese Trübung ist erwiesen, daß solches Wasfer reich ist an organischen Stoffen, namentlich! tterischer Abstammung, und diese sind es, welche am leichtesten in Fäulnis übergehen. Essig wird vielfach auf dem Lande als Zusatz zum Trinkwasser verwendet, um den Durst besser zu stillen. In Keinen Mengen, und vorausgesetzt, daß man guten Obsi> oder Weinessig besitzt, schadet der Essig nicht. Er unterstützt die Verdauung der eiweißhaltigen Nährstoffe. In größeren Mengen, mit oder ohne Wasser genossen, stört er nicht allein den Verdauungsprozeß, sondern zerstört auch die roten Blutkörperchen, erzeugt Blutarmut, Bleichsucht, Hautausschläge u. dgl. An diesen Krankheiten leidenoen Personen, besonders Frauen und Mädchen, muß er entzogen werden. Ebenso ist der Genuß stark mit Essig gesäuerter Speisen, Salate, Ragouts usw. magen- leidenden Personen strengstens verboten. Zifferblatträtsel. Nachdruck verboten. I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII Statt der Ziffern des Zifferblattes sind die Buchstaben AAA, B, E, G, M. NN, R, T, U derart zu setzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender BedeuMng berühren: 1—5 innerer Körperteil. 2—6 Geschäftsmann, 2—8 dessen Geschäft. 8—6 Hauptstadt einer belgischen Provinz. 6—11 Kopfbedeckung. 7—11 Name von Päpsten. 9—11 Kroatischer Titel. 10—1 Land in Asien. Auflösung in nächster Nummer. Krdkltion: E, Burkhardt. — mck Verlag »er Brühl'schr« UaiverfitiitS-Such- und Tteindrnckerei (Pietsch Erde«) in Hirse».