HMMü MÄM as find die Kleinsten der Kleinen, Doch leider gar dicht gesellt, Die Eines nur können und meinen, Sie seien die Pfeiler der Welt. W. Jensen. (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von Anton v. Perfall. (Fortsetzung.) Etwas wie Schadenfreude drängte Johannes, alles zu berichten. Er klopfte an die eiserne Thür. „Herein!" Polentz saß an seinem Schreibtische. Ein Durch^- einander aufgeschlagener Bücher umgab ihn rings, selbst der Boden war mit Papieren und Akten bedeckt. Die Geldschränke standen weit offen. Mit einer hastigen Bewegung wandte er sich zu Johannes. Der Anblick mußte allerdings ein überraschender sein. Er sprang jäh auf. „Wie sehen Sie aus, Johannes? Was ist geschahen? Man hat Sie überfallen, ausgeraubt? Sie bluten ja am Halse?" Johannes griff hastig nach der Stelle, besah seine Hand, sie war wirklich blutig. Die ganze grauenhafte Szene mit dem Alten trat wieder vor ihm auf. Er mußte sich setzen. Dann erzählte er. Polentz lief erregt im Raume umher, aber er sagte kein Wort. Johannes begriff nicht, wie er das alles so verhältnismäßig ruhig mit anhören könne. Plötzlich ertrug es Polentz nicht mehr länger, er packte Johannes bei der Schulter. „Ob der Handel abgeschlossen ist? Das will ich wissen! Notariell?" Johannes bejahte es. „Und der Kaufschilling bleibt bei mir liegen?" „Bis auf die fünftausend Mark, welche ich bereits bezahlt habe", entgegnete Johannes. Polentz atmete erleichtert auf, und warf sich in seinen Sessel. „Ja, ja, ich begreife es. Es muß schrecklich gewesen sein! Verwünschtes Pech; aber wenn wir nur das Anwesen haben, den Grund und Boden, den Wald —" Er stieß das alles einzeln, in höchster Erregung heraus, und trocknete dabei die feuchte Stirne mit seinem seidenen Taschentuch. „Morgen ist alles wieder an den Mann gebracht. Man wartet schon darauf." Polentz griff nach dem Arm des Bauern, seine Gesichtszüge 'spannten sich seltsam. „Johannes, ich muß Ihnen etwas sagen, wir sind ja doch Freunde, Verwandte, wir — wir stehen und fallen zusammen. Ich habe auch schwere Stunden erlebt unterdes —" Johannes horchte auf. Zugleich kam ihm das Mitleid mit dem gebrochenen, bleichen Manne. „Reden Sie, Herr Polentz, reden Sie!" „Sie haben die erleuchteten Fenster gesehen bei Altingers, nicht wahr? Musik gehört? Man tanzt wohl! dort — alles Lüge! Ich habe das arrangiert. Es ist Schein — für die Leute. Es ist nämlich niemand da zum Tanzen." Polentz beugte sich dicht bis zu dem Ohr des Johannes. „Mein Fritz ist" — er machte eine bezeichnende Handbewegung — „durchgebrannt. Sehen Sie den Kassenschrank dort? Den hat er ausgeleert. — Nun, offen; gesagt, Johannes, es war nicht mehr viel darin. Er -hat sich getäuscht, der liebe Junge. Mer das wäre noch nicht so schlimm. Es existieren Wechsel mit meiner Unterschrift, die ich! nicht geschrieben habe. Morgen liegen sie dem Gerichte vor, wenn ich sie nicht einlöse. Sehen Sie, wie wichtig es war, daß Sie heute noch kauften Er warf einen irren Blick umher auf die geöffneten Kassenschlränke, auf die Papiere und Bücher. „Es geht noch, es geht eben noch. Aber sonst darf niemand kommen, Geld einzufordern — diesen ganzen Monat nicht. Ein Kind könnte mich! umwerfen, das sein Sparkassenbuch einfordert. Aber später — ja, dann geht es schon wieder. Nur Zeit, Zeit brauche ich; dann muß es wieder gehen." Er sprang auf, eilte an das Fenster, und blickte in die Nacht hinaus. Johannes drückte sich! die schmerzende Brust. „Könnt' man denn net, wenn's fehlat, da unten im Keller — das Deponierte — grab auf an Monat —" nur zögernd kamen die Worte heraus. Polentz wandte sich jäh um. „Sind Sie denn verrückt? Glauben Sie, man läßt das Geld im Keller lagern wie die Kartoffeln? Woher sollten denn die Zinsen kommen? Sollen die aus dem Kellerboden wachsen? Geld muß arbeiten, sonst bringt es nichts. Aber kann ich für die schlechten Zeiten? Zum Teufel, was kümmert Sie überhaupt das alles? Haben Sie vielleicht Angst um Ihre lumpigen fünfzigtausend Mark? Wollen Sie sie haben?" Er gffnete hastig eine Schiublade, aus der das blanke Gold in tiefen Hvlzfchüsseln herausleuchtete. Johannes schämte sich. Er war gewiß der letzte, der ein Recht hatte, auf seine Sicherheit bedacht zu sein. Polentz sollte ihm nicht zürnen, die Ereignisse des Tages, dazu die Unglücksnachricht, die er eben vernommen, hatten ihn verwirrt. Er wollte gehen. 226 Polentz sah ihm, sichtlich mit einem Entschlüsse ringend, uaK Dann hielt er ihn plötzlich unter der Thüre noch aus. „Pah, warum sollen Sie denn besser schlafen als ich? Mein Fritz empfahl sich! nicht allein, seine Schwester ist auch, dabei,' Wanda — den dritten kenne ich nicht, Vigo wahrscheinlich!" Johannes hielt sich an der Thürschwelle fest, und beugte das Haupt. „Na, machen Sie sich nichts draus", führ Polentz höhnisch fort. „Wenn wir nur den Fechinger haben — das ist die Hauptsache. Gute Nacht, Kamerad." Der Bauer zuckte zusammen unter dem Handschlage, der seine Schiulter traf. Aus diesem bleichen, verstörten Antlitze lachte die hoffnungslose Verzweiflung. Gr mußte den Blick davor senken, und verließ eilig das Kontor. Seine Wohnung war leer. Seine Frau war wohl drüben bei Frau Polentz. Als er zum Fenster hinausblickte, schien ihn: der Nachthimmel in der Richtung gegen Fechingen noch immer sanft gerötet. Und „Judas — Judas!" gröhlte wieder die furchtbare Stimme, und er fühlte den Griff des Wahnsinnigen an seinem Halse. . . . Die Bäuerin fand eine Stunde später Johannes vor dem Fenster am Boden liegen, schwer atmend, schmutzbesudelt. Aus ihre Anrufe gab er wilde, unzusammenhängende Antworten. Mne wahre Schande! In einem so feinen Hause und betrunken wie ein Fuhrknecht! 7. Wie es gekommen war, man wußte es nicht. Wie die Entladung eines lange schon drohenden Gewitters, wie ein alles vernichtender Sturz nach- längerem, immer schneller werdendem Gleiten auf einer schiefen Ebene. Das ganze Stadtviertel wär in Bewegung wie ein aufgestachelter Ameisenhaufen. Die verschiedensten Gerüchte gingen um, Wahres und Falsches mischend, völlig Getrenntes verbindend. Die einen wußten von einer nächtlichen Flucht des Polentz -unter Mitnahme aller Barbestände der Bank, andere von einem Selbstmorde in dem Augenblicke, in welchem er wegen Wechselfälschung verhaftet werden sollte. Auch der schreckliche Brand im nahen Fechingen, welchem das halbe Dorf zum Opfer fiel, warf von neuem seinen blutroten Schein über die erregte Menge. Man erzählte sich haarsträubende Geschichten, in welchen der Agent des Polentz, der Johannes Altinger, die Hauptrolle spielte; von seinem Kampfe mit einem Fechinger Bauern, den er ruiniert, und in den Wahnsinn getrieben hatte, von seiner eiligen Flucht vor der erregten Bevölkerung, die ihm den Tod geschworen. Nur eines stand fest. Ein ungeheurer Schwindel war aufgedeckt. Hinter diesen marmornen Palastwänden, von denen man sich seit Jahren hatte verführen lassen, gähnte eine furchtbare Leere. Es war der erste Samstag int Quartal. An diesem Tage strömte sonst alles herbei zu den wunderbaren Goldquellen, um sich die Taschen zu füllen mit dem mühelos eingeheimsten Zins, dessen Höhe man zwar längst nicht mehr begriff, aber ruhig, einsteckte, sich um die Erklärung und Rechtfertigung sorgfältig herumdrückend. Heute fanden die ersten Kunden das Bankhaus gesperrt, die Rollläden heruntergelassen. Zwei Gendarmen standen vor dem Eingänge, und wiesen die beunruhigten Frager kurz ab. Die Bank sei vom Gericht gesperrt. Auf alles weitere war keine Antwort zu erhalten. Die Hauptmasse der Andrängenden bildete die Landbevölkerung, deren Ratlosigkeit eine vollkommene gewesen wäre, wenn sich nicht rasch städtische Elemente dazugesellt hätten, die es an Schüren und Aushetzen der völlig entmutigten Leute nicht fehlen ließen. Warum hatte man so lange zugesehen, wenn der Mann wirklich ein Schwindler war? Man erinnerte sich an die frühere Verbindung des Polentz mit dem allmächtigen Minister, Grafen Waradin, an die Grundsteinlegung der Kirche. Es sah ja gerade aus, als ob man da oben unter einer Decke mit ihm gearbeitet hätte. War er aber kein Schwindler, lag nur eine augenblickliche Geschäftskrise vor, warum dann auf diese Weise eingreifen, den Mann von vornherein unmmöBW machen, und dadurch Tausende schädigen? (Fortsetzung folgt.) Zu viel Frauen. Eine Kritik der Ergebnisse der letzten Volkszählung. Von Dr. Woldemar Hgering. (Nachdruck verboten.) Unter den Ergebnissen der letzten Volkszählung ist eines der interessantesten das zahlenmäßige Verhältnis der Geschlechter zu einander. Daß in Deutschland das weibliche Geschlecht sich schon seit vielen Jahrzehnten in der Mehrheit befindet, ist allgemein bekannt, und überall dort, wo man die Frauenfrage vom rein statistischen Standpunkte aus betrachtet, hat man den Ueberschuß an Weiblichkeit für die nicht hinwedzuleugnenden Uebelstände, welche der Frau bei der freien Bethätigung ihrer Individualität entgegen» stehen, verantwortlich gemacht. Das schöne und --- wie man höflich behauptet — schwächere Geschlecht hat diesmal alle Ursache, mit dem Ergebnis der Volkszählung zusiieden zu sein; denn das Anwachsen des Frauenüberschusses ist zum Stillstand gekommen. Es wurden in Deutschland im Jahre 1890 insgesamt 24 230 832 männliche und 25197 638 weibliche Personen gezählt, was zu Gunsten des weiblichen Geschlechtes einen Ueberschuß von 966 806 Köpfen ergießt. Im Jahre 1895 hatte dieses Plus bei einer Gesamtbevölkerung von 52 280000 eine winzige Herabminderung auf 957 401 Köpfe erfahren. In den darauf folgenden fünf Jahren bis zum vergangenen Dezember hat jedoch die Bevölkerung ein weiteres Wachstum um über 4 Millionen auf 56 370000 erfahren, und trotzdem ist der Frauenüberschuß um weitere 68 000 Köpfe, nämlich auf 882 880 herabgegangen. Die Aussichten der heiratslustigen Damenwelt haben sich also nicht unerheblich gebessert, wenngleich auch auf 1000 Männer noch immer 1032 Frauen entfallen. Dieser Frauenüberschuß verteilt sich allerdings auf die verschiedenen Gegenden des Reiches in sehr ungleicher Weise. Denn von dem gesamten Frauenüberschuß nimmt allein die Reichshauptstadt Berlin fast ein Zehntel, nämlich 80 541 Köpfe für sich in Anspruch, und auch in der Schwesterstadt Berlins, in Charlottenburg, verfügt die holde Weiblichkeit über eine Mehrheit von 17 501 Personen. Unter Einbeziehung der übrigen Vororte, wird man daher für Groß-Berlin mit seinen 2 600000 Einwohnern auf einen Frauenüberschuß von mindestens 125 000 Köpfen rechnen können. Weit größer als hier ist das Mißverhältnis zwischen beiden Geschlechtern in Breslau, welches bei einer Bevölkerung von 422 738 Einwohnern den kolossalen Frauenüberschuß von 34 628 Köpfen aufweist, für heiratslustige junge Damen also nicht als ein geeigneter Platz bezeichnet werden kann. Dafür gießt es aber eine ganze Anzahl Städte, besonders im Westen des Reiches, in welchen das männliche Geschlecht das lleßergewicht hat. An erster Stelle marschiert hier Kiel, wo bei einer Anwohnerschaft von 107 938 die Männer um 9800 Köpfe in der Mehrheit sind; dann folgen Dortmund mit 6704, Essen mit 6191, Straßßurg mit 5308, Mannheim mit 4520 und Düsseldorf mit 3577 männlichem Ueßerschuß. Im allgemeinen sind die Ursachen der Mehrheit der Männer oder Frauen in den einzelnen der angeführten Städte sehr durchsichtig. Während in Kiel, Metz und Straßßurg die starke Garnison ßezw. Marinemannschaft und die Werftarbeiter den Ausschlag geßen, ist es in Mannheim und den Städten des rheinisch-westfälischen Industrie- und Kohlenbezirkes die Arbeiterschaft und zwar zum großen Teile junge, unverheiratete Leute im Alter von 18 ßis 30 Jahren, welche dem männlichen Geschlechte das zahlenmäßige Ueßer» gewicht verleiht. Im allgemeinen aß er strömt das weißliche Geschlecht in noch höherem Grade als das männliche den großen Städten zu, in denen fortwährend ein großes Bedürfnis nach weißlichen Dienstboten vorhanden ist. Ein großer Teil dieser Zugewanderten findet es natürlich ßitinen kurzer Zeit angenehmer, in den Fabriken Arbeit zu suchen, statt sich der Gebundenheit des Hauses dauernd zu fügen, wo nur immer nach 14 Tagen der freie Sonntagnachmittag winkt. Außerdem absorbieren noch die zahl- 227 — reichen mit Frauen und Mädchen zu besetzenden Stellen im Handel als Verkäuferinnen und dergleichen einen ' Teil der weiblichen Zuwanderung, sodaß der Arbeitsmarkt, ... I steigenden Unlust, einen eigenen Herd zu gründen, ist mit ren großen I diesen Zahlen natürlich noch nicht bewiesen, daß es, eine _ witsmarkt, I Frauensraae in dem Sinne, daß jede Frau im heirats- ber großen Städte fast überall eine bedeutende Aufnahme. I fähigen Alter in der Lage sei, einen Mann zu finden, fähiqreit für weibliche Hilfskräfte aufweist, I nicht gäbe; aber die Heiratsaussichten des weiblichen Gejährten Gründen mühelos I schlechtes find hiernach doch nicht so schlecht, wie es von >ßen Städten, so bleibt doch I übertriebenen Frauenrechtlern gewöhnlich behauptet wird. " ■ - Unbedingt ungünstig liegen die Verhältnisse jedoch für Witwen; denn 774 967 Witwern stehen nicht weniger Erklären sich aus den angeführten Gründen mühelos I schlechtes ,mo yrernacy oocy nicyr go Mie^c, wie « .mm die Zahlenverhältnisse in den großen Städten, so bleibt doch 1 übertriebenen Frauenrechtlern gewöhnlich behauptet tot b. die Erörterung des merkwürdigen Umstandes übrig, daß I Unbedingt ungünstig liegen die Verhältnisse jedoch für trotz des Ueberwiegens der männlichen Geburten das Ber- I die Witwen; denn 774 967 Witwern stehen nicht weniger hältnis der beiden Geschlechter sich binnen kurzem zu I als 2 457 964 Witwen gegenüber, sodaß sich letztere in emer Gunsten des weiblichen ändert. I Majorität von 1383000 Köpfen befinden. Dieses Mißver- Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt,- daß nach den I hältnis wird sich leider schwerlich jemals fmidamental napoleonischen Kriegen, welche doch namentlich die männ- | "^rn; denn so tauge ber Mann tn ein n tirhp bpitTnipxfpii in fcift qIIcti ßä.nb'Crti I bi§ ad)t £.eb enteilter fjciicitßt, bic SnhShe?%9auenülS^^^ 1 Frau, wird er auch die Aussicht haben, bedeutend eher a6^ Äta SÄSaW ber »SüSn zusterben als jene, und zwar nmsomehr als die Lebens- oölkeruna aui 1000 Männer nur 1008 Frauen Diese Diffe- I zähigkeit der Frau noch dazu beiträgt, das hier in Rede renz gllch stch ta bettTaigenstehende Zahlenverhältnis noch weiter zu verschlechtern, noch weiter aus bis zum Jahre 1852, in welchem das Ver- I Es ist wohl nur ein schwacher Trost, daß m anderen hältnis der männlichen zur weiblichen Bevölkerung wie I Ländern die Verhältnisse ähnlich liegen wie bet uns. 1000 : 1002 war. Erst von diesent Zeitpunkte an beginnt I Weitaus schlechter als in Deutschland liegen nämlich die Ver- das starke Auschwellen des Frauenüberschusses, das bis zum I hältnisse in Portugal, Schweden, Norwegen, Russisch-Polen Kriege von 1866 auf 9 pro 1000, nach 1871 auf 15 pro 1000 I uud Großbritannien, wo auf 1000 Manner mehr als 1060 und seitdem, wie schon erwähnt wnrde, auf 32 pro 1000 I Frauen kommen. Oesterreich weist mit einem Frauen- gestiegen ist I Überschuß von etwa 510 000 Köpfen annähernd dieselben SS bSXnbeÄffmn bie W günstigere Zahlen bieten das eigentliche Ruß and Ter^Manrß bZ W Ä Fr^nkrkich'/nd Belgien in welchen der Frauenüberschuß schlecht ergeht, entschließt sich viel leichter, zum Wander- I nur em sehr schwacher ist, , stabe zu greifen und jenseits des großen Wassers sein Glück I Allen diesen Staaten stehen auch tn Europa eine ganze zu suchen als die konservativere Frau, und es ist ziffern- I Anzahl anderer gegenüber, tn betten das männliche Ge- mäßiq festgestellt, daß in den Perioden der stärksten I schlecht überwiegt. Bosnien samt Herzegowina, Bulgarien, Auswanderung Deutschland einige hunderttausend Männer I Griechenland, Italien, Rumänien und Serbien, wo ms- mehr als Frauen an das Ausland abgegeben hat. Durch I gesamt rund eine halbe Million mehr Manner leben als Kriege hat die männliche Bevölkerung Deutschlands und I Frauen. Faßt man die gesamte Bevölkerung Europas zu- ebenso Oesterreich-Ungarns in den letzten 30 Friedens- I sammen, so ergiebt sich, daß unter den 395 Millionen Eurojahren keine Einbuße erlitten, und das gleiche gilt auch I päeru gegenwärtig rund 4 Millionen Frauen mehr vor- von den übrigen Staaten Europas, von denen nur Ruß- I Händen sind als Männer. land, die Balkanstaaten und Spanien kriegerische Unter- I Demgegenüber weist Amerika dank der starkeii Em- nehmunqen ausgeführt haben, die obendrein das Gesamt- I Wanderung, die überwiegend atw Mannern sich rekrutiert, ergebuis nur wenig beeinflussen. Eine noch lange nicht I ein Plus an solchen m Hohe von über anderthalb Millionen S gewürdigte Ursache des Franenüberschusses liegt I auf. In den westlichen Staaten der Umon ist das Mißver- iu der größeren Lebenszähigkeit des weiblichen Ge- I hältnis der Geschlechter em so bedeutendes, daß auf . 100 schlechtes. Die Lebens- und Gesundheitsgefährdung, welcher I Männer nur 71 Frauen kommen, wahrend tn einigen die Frauenwelt dadurch ausgesetzt ist, daß es der kommen- I eetitralamerikanischssN Republiken mit stockender Cmto.anber« bett Generation das Leben schenkt, wird schon dadurch mehr I ung sich wieder em erheblicher Frauenubersch uß zeigt, als ausgeglichen, daß es im Lebensgenüsse weitaus mäßiger ] Auch Australien beherbergt unter seiner samt Polynesien ist als der Mann, und namentlich der entnervenden Wirk- I 9 Millionen zählenden Bevölkerung einen Männerüberschuß ung des Alkohols weit weniger ausgesetzt ist, als dieser. I von einer halben Million. Außerdem zehrt die schwerere Arbeit des Mannes ungleich I Hinsichtlich der anderen Länder sind wir großenteils stärker an dessen Lebenskraft, und endlich raffen Seuchen I auf Schätzungen angewiesen; namentlich gilt dies von den und ansteckende Krankheiten bedeutend mehr Opfer unter I noch nicht genau gezählten rund 190 Millionen Menschen, den Männern hinweg als unter bett Frauen, bie sich einer I die in Afrika leben. Wenn man bie lokalen Zählungen erheblich längeren Lebensdauer als jene erfreuen. I auf die Gesamtbevölkerung des schwarzen Erdteils über- MUM °°»BW I Mich- sich b-Äb-- d°, stehen die tar tae Gründung einer Familie hauptsächlich I die Aussicht, sich durch eine Ehe zu versorgen, kerne besonder^ in Betracht kommen; man wi?d also bie Altersklassen von I günjtige i^t, wird freilich nicht K^tt geholfen daß bet- 0 bis 20 Jahren ebenso ausscheiden müssen, wie jene lensetts I fpielswetse in Hawai ach lMO Rattner nur S ■L~> 45 aebensiabres in welch letzteren bie Zahlen ber I kommen, und daß in Colorado, Arizona unb aiweren EwsMwsmna so er^ baß sie das Gesamt- I amerikanischen Weststaaten jede antamntenbe Frau tm hei- SSeta” gÄttaU». ft L°lsLd"ft^"L »l&W« SM zichten, eine Gattin in das eigene Heim zu führen. Bei der I dem spricht auch die größere Sterblichkeit unter oen 228 Ntänneru in gewissem Grade dafür, daß die Männerwelt den schwereren Teil der Lebensarbeit übernimmt, und sich .deswegen abnutzt, ein Zustand, über den der weibliche Teil der Menschheit gewiß keinen Grund hat, sich zu beklagen. Jedenfalls ist das heutige Streben der Frauenbewegung, neue Beschäftigungen und Anstellungen zu erringen, nicht der richtige Weg zum Ziele. Wenn an Stelle eines Mannes, der einen Beamtenposten bekleidet, eine beamtete Frau oder Fräulein tritt, so ist damit nichts weiter erreicht, als daß wiederum für eine andere Frau die Möglichkeit aus der Welt geschafft wird, einen solchen Beamten zu heiraten. Das Zuviel an Frauen, welches ziffernmäßig ja thatsächjlich bei uns vorhanden ist, soweit es sich um die Verheiratungsfrage handelt, ist daher, nur dadurch zu beheben, daß eine weise Sozialpolitik mehr Männer in den Stand setzt, eine Frau ernähren zu können. Für beide Geschlechter ist es mit wenigen Ausnahmen, ein heißer Wunsch, nicht einsam durchs Leben zu wandeln, und die Frauenfrage ist dem Kern der Sache nach viel mehr eine Männerfrage. Fürst Krapotkins Memoiren. Im Verlag von Robert Lutz in Stuttgart ist ein ungewöhnlich interessantes Werk erschienen: ^„Memoiren eines Revolutionärs" in 2 Bänden von dem russischen Fürsten Krapotkin. Der Verfasser Peter Kropotkin ist ein geistreicher, hochgebildeter Mann, dessen Welt- und Menschenbetrachtung durch den leichten Anflug von Ironie nur noch interessanter wird. Wechselvoller und stürmischer noch als das Tolstois verläuft sein abenteuerliches Leben. Zunächst Page am russischen Kaiserhof, dann Offizier, wird er in die revolutionäre Bewegung verwickelt, 1873 verhaftet und drei Jahre lang in der Pe- ter-Paul-Festung gefangen gehalten. Seine höchst romantisch bewerkstelligte Flucht bringt ihn nach England, dann in die Schweiz und nach Frankreich, von wo er für seine Ideen eine rege Thätigkeit entfaltete. Eine feurige Freiheitsbegeisterung ohne aufdringliches Pathos und ohne alle eitle Selbstbespiegelung geht durch die Aufzeichnungen, die eine reine Liebe für die Sache atmen. Man braucht diese keinen Augenblick zu seiner eigenen zu machen und wird doch reichen Stoff zur Ueberlegung und zum Nachdenken in den Blättern finden. Sie sind ein Beitrag zur Seelenkunde des modernen Rußland, wie es außer den Tolstoischen Schriften wenige oder gar keine giebt. Krapotkins Leben ist ein Spiegelbild dieser sozialen Zustände. Wie Tolstoi ist auch er Idealist durch und durch, ein Idealist aber, der weit davon entfernt ist, neben der Religion etwa, wie es sein großer asketischer Volksgenosse thut, die Kunst und Wissenschaft gering zu schätzen. Mit der Schilderung der in Moskau und auf dem Lande idyllisch verlebten Kindheit setzen die Erinnerungen ein, patriarchalisch-friedliche, aber auch herzerschütternd grausame soziale Bilder aus dem russischen Volksleben wechseln miteinander ab. Eines der letzteren sei hier wiedergegeben, als Beispiel, wie zur Zeit der Leibeigenschaft die russischen Gutsherrn mit ihren „Seelen" — so nannte man seltsamerweise die Leibeigenen — umgehen durften. .„Eine unserer Mägde, Pauline, oder, wie sie gewöhnlich hieß^ „Polja", hatte die feine Stickerei gelernt, und leistete darin Bedeutendes. In Nikolskoje stand ihr Stickrahmen in unserer Schwester Helenens Stube, und oft nahm sie an unserer Unterhaltung teil. Ihrem Benehmen und ihrer Sprache nach glich Polja mehr einem gebildeten jungen Mädchen als einer Hausmagd. Sie beging einen Fehltritt und merkte, daß sie bald Mutter werden würde. Sie erzählte alles meiner Stiefmutter, die in heftige Vorwürfe ausbrach: „Ich will dieses Geschöpf nicht länger in meinem Hause haben! Ich will solche Schande nicht länger in meinem Hause dulden! O, das schamlose Geschöpf!" und so weiter. Helenens Thränen konnten nichts ändern. Polja würde das Haar kurz geschnitten, und sie selbst in eine Meierei verwiesen. Da sie aber gerade eine besonders feine Stickerei angesangen hatte, mußte sie diese in einer schmutzigen Hütte der Meierei an einem kleinen Fensterloch vollenden. Sie machte sie fertig, und noch zahlreiche andere Stickereien, immer in der Hoffnung, sie würde Verzeihung finden. Doch die Verzeihung blieb aus. Der Vater ihres Kindes, der Diener eines benachbarten Gutsbesitzers, bat flehentlich um die Erlaubnis, sie heiraten zu dürfen, aber da er kein Geld hatte, wies man ihn zurück. Poljas zu „feine Manieren" wurden als eine Beleidigung empfunden, und es stand ihr das bitterste Los bevor. Zu unserem Haushalt gehörte auch ein Mann, der wegen seiner Zwerggestalt als Postillon Verwendung fand; man nannte ihn allgemein „krummbeiniger Filka". Als er noch ein Knabe war, hatte ihn ein furchtbarer Hufschlag getroffen, und seitdem wuchs er nicht mehr. Seine Beine waren krumm, seine Füße einwärts gerichtet, seine Nase zerbrochen und nach einer Seite gewendet, seine Kinnbacken mißgestaltet. Dieses Schreckbild sollte Polja heiraten, und man zwang sie auch gewaltsam dazu. Das Paar wurde nachher auf unserer Rjäsanschen Besitzung angesiedelt." Die schauerlichen Eindrücke, die der junge Peter beim Anblick der Leiden des Volks empfing, legten den Grund zu seiner späteren politisch-sozialen Denk- und Handlungsweise. Ueber Thal und Höhen bewegt sich das weitere Leben Krapotkins. Hof und Gefängnis, Pagenkorps unfy Theater, SRüttär und Proletarierheim, Sibirien und Petersburg, Zürich und Genf, Edinburg und London, Belgien und Paris, abermals die Schweiz, England und Frankreich — das sind die bunt wechselnden Schauplätze des an romanhaften und gefährlichen Situationen überreichen, von der ganzen Bildung seiner Zeit getragenen Buches. Mitten aus geologischen Forschungen, die ihm die höchsten Erfolge versprechen, reißt den Verfasser der Gedanke an all die Armen und Elenden, denen die furchtbare Sorge um das -tägliche Brot alles Licht des Gedankens wehrt. Bon neuem setzt er sich als ein demütig lauschender Schüler zu den Füßen des Lebens, und der Reiche, der Gelehrte lernt von den Armen und Ungebildeten. Mag das soziale Ziel, das ihm vorschwebt, eine Utopie sein und bleiben, der Weg zu diesen Vorstellungen und Plänen, den er uns mit- ; gehen läßt, ist voller beherzigenswerter Erfahrungen und humaner Reformgedanken. Der gelehrte Geschichtsforscher wird aus dem Werke ebensoviel lernen können wie der ungelehrte Leser, der für sich in der Seele einer Zeit und eines Volkes lesen möchte. Beigefügt sind der Ausgabe drei Bildnisse, zwei des Verfassers aus verschiedenen LebenD- altern, eines von seiner schönen, sanften Mutter. — (Westermanns Monatshefte.") Skataufgabe. Nachdruck verboten. (»bock die vier Farben; A Aß; K König; D Dam«, Ober; B Bube, Wenzel, Unter; V M H bte drei Spieler.) V, der Spieler in Vorhand, gewinnt o-Handspiel ohne Sieben auf folgende Karte: cD, 9, 8, 7; »A, K, 8; dA, K, 9. Hl W Die Gegner kommen nur bis 47. Im Skat lag b7 und b8. M hatte 11 Augen mehr in der Karte als H. Wie faßen die Karten? Wie ging das Spiel? Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Delphischen Spruchs in vor. Nr.: Astern — Austern. O <> <>QO ❖ <> Aed«Ai»n: C. v»rkh«rtzt. — »ruck uni «erlag kec vrShl'schm UeiiKtgttoMh* mrt Strtndruckerei (Ptrtsch Ctfcett) i« Girß«.