gUV w iMMenn ein Gedanke, den die Menschheit ehrt, Den Sieg errang, so war'S der Mühe wert. flRr L. Uhland. (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von Anton v. P e r f a l l. 1. De« Bauer vom Wald, so hieß er, und nicht anders, Johannes Altinger stand nur im Kirchenbuche, und in dem verhaßten Steuerkataster. Im ersteren stand wenigstens unter dem Namen noch, die Bezeichnung „Bauer vom Wald", ebenso wie auf dem bemoosten Familiengrabstein an der Kirchenwand gleich rechts vom Eingang. Aber was kann man denn von dem Schreibervolk draußen auf dem Amt verlangen? Was wissen denn die, was da drin liegt, „Bauer vom Wald" — die Geschichte von ganzen Geschlechtern, von zwei Jahrhunderten. Ja, natürlich, ivenn es heißt „Amtmann" oder gar „Baron" oder „Gras" oder auch nur „Gerichtsschreiber", das darf nicht fehlen unter dem Namen, beileibe nicht! Aber „Bauer vom Wald", da wird man die Feder noch einmal eintunken! Und doch war der Titel ihm so gut zu eigen, ja viel besser, als manchem hohen Herrn da drinneü in der Stadt- der seine, bei dem's schon lang nimmer stimmt". Er hieß nicht bloß, er war auch der Bauer vom Wald, und wer weiß, ob nicht gerade der Name daran schuld war, daß er es noch war, der Stolz darauf, der in den schlechten Zeiten, wenn es den Bauern noch so an den Kragen ging, doch stand hielt. Man glaubt es nicht, was für eine Kraft liegt in so ein paar Worten! Hat sich nicht alles verschworen im Laufe der Zeiten gegen den Wald ringsum, der alle Höhen deckte, und Thäler füllte, weit und breit, der allein Bauerneigentum war? Da war zuerst der Staat, der Nimmersatt, der seine gierige Hand danach, ausgestreckt. Die Steuer war hoch, der Ertrag gering, und im Staatssäckel klimperten die harten Thaler. Und wenn es auch, deren nicht viel waren, die einem geboten wurden — Geld wär damals eine gar rare Sache auf dem Lande. Einer nach! dem anderen ging den Handel ein und behielt nur das nötigste um den Hof herum zurück, gerade genug zum Heizen und Dachflicken. Nur der Bauer vom Wald ließ nicht „luk", nicht ein Tagwerk war ihm feil. Und wenn man auch, im gerechten Zorne über diese Dickköpfigkeit die Steuerschraube für den Johannes Altinger noch! ganz besonders anzog, der Sixtus, des Johannes Vater, biß die Zähne aufeinander und hielt mutig aus. Dann, als der Verkehr von Jahr zu Jahr zuuahm, die Eisenbahn dem Gebirge immer n.äher rückte, kamen die Händler und boten den dreifachen Preis. Man zwackte von dem „nötigsten" um den Hof herum wiederum etwas ab um das blanke Gold, und sparte lieber am Heizen und Dachflicken. Der Bauer vom Wald ließ sich aber auch jetzt keinen Stamm abfeilschen. Saum hatte der Johannes den Hof übernommen, so wurde im Westeu des Thales ein Kohlenbergwerk eröffnet. Was vom Wald noch übrig war, nahm jetzt das Bergwerk um teures Geld als Verzimmerungsholz. Aber vom Bauer vom Wald war kein Stämmchen dabei. Doch damit ging es noch immer nicht rasch genug. Da erfand die Spekulation ein Ungeheuer, dessen Heißhunger gar nicht mehr zu stillen war, das ganze Flächen des herrlichsten Waldes zermalmt hätte wie Hirsekorn, wenn sie nur noch vorhanden gewesen wären. Eine Holzstofffabrik wurde gegründet. Der war nichts! zu teuer und nichts zu schlecht; selbst das jüngste Holz nicht. Von allen Seiten grinsten dem Beschauer die kahlen, öden Flächen entgegen. Es blieb nicht einmal mehr so viel, um den Boden zu schützen für neue Samenanfnahme und Fruchtbildung. Die jetzt ungehemmten Bergwasser vollendeten die Zerstörung. Aber der Bauer vom Wald gab nicht nach. Zwei- hundertfünfzig Tagwerke geschlossener Forst umgaben rings seinen Hof und seine Gründe. Sie bildeten für ihn eine lebendige Schntzwehr gegen das Eindringen einer neuen, hastigen Zeit. Doch es waren nicht allein die schwarzen Rauchsäulen, im West und Ost aufsteigend, und über seinem Wald sich zu einem drohenden Gewölk vereinigend, welche ihn stets an den verhaßten Feind erinnerten, der draußen auf ihn lauerte; in seinem eigenen Haus ging es um, das Ungreifbare, Namenlose, das ihn Tag" und Nacht beängstigte, ihm jede Freude vergällte an feinem Besitz. Es lauerte in den Augen seines Eheweibes, es sprach, aus dem ganzen Wesen seines einzigen Sohnes, des künftigen Bauern vom Wald; nur die Rosl, sein Liebling, war davon noch nicht ergriffen, die war und blieb das richtige, frische Waldkind, wie er es haben, wollte. Sonderbar, gerade das Madel muß die Lieb zum Wald erben, und der Bua — der haßt ihn gerad. Ja, das war es ja, was den Bauern so verdroß, den reinsten Haß hatte er daraus, besonders seitdem der Bursch vom Militärdienst zurückkam aus der Hauptstadt. „Drinn wachst 's Geld auf der Straß'n für jed'n, der sich nur a bißl rührt, und unsereins bleibt da sitz'n und schaut die Bam 's wachs'n zua, bis er grau wird!" 166 schon genug Sorgen. „ tx,, „Jetzt red, Muatter, was soll t merk'n?" • . No aber — aber —" die Bäuerin warf emen mitleidigen Blick auf den Johannes, der mit seinen strengen tiefeinqegrabenen Zügen, dem ergrauten Haupthaar und dem gebeugten Rücken den Eindruck eines Greises machte, gegenüber der wohlgepflegten, rundlichen Frau auf der Altane. „Der Ferl!" ries sie dann laut in gezogenem Tone. Johannes schoß das Mut in das Gesicht. „Was t§ wie lang's no dauert —" In diesem Augenblicke knallte es wieder vom Bergwerke her, Schuh aus Schuh. Da stieß Johannes zornig den Stock auf. . , re, „Kreuzelement, i glaub', mr hats a schon packt, das neue Fiab'r! War' mir schon gnua! Na, wenn s chn schon eingrab'n den Bauern, i wenigstens will kein Schausei dazua wers'n. Was so lang in Ehren besteht, allen Femden zum Trotz, muaß do a a g'sunde Wurz'n hab'n, und wegen an Madel abfall'n — nix da! A End muaß werd n. Einen festen Entschluß auf der kantigen Stirn, eilte er vorwärts. Dichtes Unterholz . nahm ihn auf, dura) welches nur ein schmaler Fußsteig führte. Er legte W seine Anrede an den Ferl dabei zurecht. Zuerst klang i Das waren so seine Sprüche, die dem Alten durch I mit dem Ferl? Der Ferl ist a braver Mensch, über n Mark und Bein gingen, und die Mutter, selbst eine Wald- I Ferl laß' i nix komma.' . bauerntochter, gab dem Jungen so halb und halb recht. I „Brauchst's za gar net. Hab t !vas g sagt? „Man müßt do a bihl mit der Zeit geh'n und sein I »Gnu« hast g'sagt, um mir uwmletzte Freud z Vorteil bedenk'n", meinte sie. I grft n. Aber der Ferl denkt an so was gar net. Nur die Rosl blieb bei der Stange. Die hätt' am i „Hab r vom Ferl g redt? 4a liebsten geweint, so oft ein Baum unter dem Axthieb fiel. I „Und d'Rosl erst recht net. An alte Freundschaft s, „Vater, giebt's denn Länder ohne Wald?" fragte siel anfg'wachsin san J' ^mllanander, a guatr Buab iH er. enim@nua giebt sie's, Rosl", erllärte Johannes. I ^Weib, mach mi net narrat. D'Rosl rUas her!" polterte "Aber da thät i mi fürcht'n", erwiderte das Kind. I Johannes. , , ,, ., ... Johannes vergaß nie diesen Ausspruch. Er enthielt I „Hast f' M felb r fortg schickt mit aner Botschaft zu alles, was er selbst empfand, ohne Worte dafür zu finden. I dei'm Först'r, der Mnaklhax. Samstag ist um fünf Uhr schon Feierabend. Das ist I „Alors Grunm heißt er. Scham Da, über a Unglück ein alter, richtiger Brauch bei den Bauersleuten. Der Tag | spott'n, das er an unserm ^enst erlltt n. Aber es rs des Herrn braucht seine Vorbereitung, körperlich und geistig. | ja schon zwei. Stunden her, daß t d Rosl gjfäuiij»ab . Die da drunten im Bergwerk kümmerten sich darum I „Mein Gott, der Wald laßt s halt net aus. So an freilich, nicht, das qualmte womöglich, noch ärger von allen I Abend dazua. Warum a net? Jung is jung und am Seiten, um den morgigen Ausfall vorweg einzubringen. I End - - Jobannes sah zornig auf die schweren Rauchschwaden, I „Was am End? Am End mochst selb r hab n, daß die üi der schwülen Abendluft über seinem Walde lagertem I 's so kommt, daß. i in die Grub n fahr vor lauter Aerg r- Sogar das Samstagszigarrl roch nach Kohle; ärgerlich, nis und die ^g' frei gab ur Euch. Wer halt a bchh lckleuderte er es wea. I no net, no net! I will Di' grad tmgn irras n, orum Plötzlich schrak er zusammen — ein Böllerschuß — noch I geh' i und red' selb'r mit die Leut. ~. einer' Das Echo grollte von Thal zu Thal, vom Bergwerke I Er holte seinen Stock mit mächtigein Hirschhvrngrisf, her kam der Schall. I warf eine Joppe um und eilte hastigen Schrittes den „Zu Ehren'Gottes schiaß'n die da drunt' net!" I Berg hinab dem Walde zu, aus dem eine seine Rauchsaule Er rief nach seinem Sohne. Vor einer halben Stunde I kerzengerade emporstieg, gleichsam eine zarte Parodie aus hatte er ihn in seine Kammer gehen sehen. I den schwarzen Rauchwulst, der sich hinter dem Berge erhob. Statt dessen antwortete die Bäuerin von der Altane I ^rst als er den Hochwald betreten hatte, hielt er an, herab, eine immer noch stattliche Fräu, der es noch gar I naßm ben Hut vom Haupte und trocknete sich, kopfschüttelnd lebenslustig flackerte in den schwarzen Augen. 1 bie feuchte Stirn. „ „ „Weißt ja eh, das s' heut' den neuen Durchschlag I '@.o suchte er es immer in einem schweren Fall. Er feiern im Bergwerk. Hörst denn net schiaß'n? Der Herr I qing mft f^nem treuen, alten Freund zu Rat; das leise Verwalter hat ihn no extra eing'lad'n, den Matthes", I Kuschen schon in den Fichten beruhigte ihn. , rief sie. I Die Moni hatte am Ende recht, er war ein blinder „So, extra eing'lad'n — der Herr Verwalter!" höhnte I ^ix — Freundschaft zwischen an Buab'n von neunzehn Johannes. „Das is wohl a hohe Ehr?" I Fuhren und an Madel von siebzehn! War er denn me „No, i meinet schon, wenn die Herrschaftn alle 1 :ung gewesen? _ ,, komma, der Herr Direktor selb'r und die Herren Be- I zgas ihn aber am meisten verdrretzt bei der sach, amt'n von der Stadt —" I iS1 die Falschheit von der Rosl, die alleweil nut ihre» „Thuat's Di net selb'r g'lüst'n?" meinte der Bauer. I Uab zum Wald sich so eing'schmeichelt hat bei ihm, wahrend- „Mein Gott, i! Wenn ma' amal aufg'wachs'n is m I be§. Lt's nur dem Ferl 'golt'n, die Liab. dem Glanb'n, was Schlechteres z'sein — aber die Jung'n, I Also Verrat ringsum, wo er hinschaut. die denken ganz anders, und recht haben s', ganz recht, i Mer wenn's wirkli so is — was dann? „Bist Du aufg'wachs'n in dem Glaub'n?" erwiderte! Ferl war der Sohn eines armen Taglöhners, Johannes in hartem Ton. „I net! Was Schlechteres z sem, I . , ., Fünfzehnten bei ihm die Waldarbeit verrichtete, g'wiß net. Aber in an andern Glaub'n bin i ausg wachs n, I Förster, wie die Moni ihn nannte. Er war in seinem daß a richtiger Bauer nix Mnan hat mit dene Leut, I verunglückt, ein Baum hatte ihm den linken Fuß die ihn im Herz'n do net schätz n und grad schon thuan I -erguetscht seitdem nannten ihn die spottsüchtigen Leut mit ihm, wenn s' ihn brauch'n könna. Natnrli, die werd'n I Schnaklhax" auf Dein Buab'n wart'n." M toar eitt braüer Mensch, unentbehrlich für ihn, „Mei Bua versteht nut denen umzugeh u, is net ,o 1 qunz verwachsen mit dem Wald, aber trotz alledem nur a brummiger wie Du", meinte schnippisch die Bäuerin. I v löhner Taglöhnerssohn ist kein Mann „Auf den Buab'n sein schön's Gesicht warten's net, I «J °im BErntochter aber auf den Buab'n fern Wald, so war s g meint. Aber I §( y^^rschied muaß fei’, a Ordnung, und er müaßt no is net sein Wald, verstand n? Werd s a net, wenn I ber ^tzte fei’ der da dran sich vergreift. Was soll „ad*« f.l„ MbF IP»»-». «- „Ä” 5 Bäuerin. „Eppa der Rosl? No M, warum net? ^s ihr I A'^ine richttg'n Mensch'n! Fleißi is er zwar, der Ferl, ja so ans Herz g'wachsn — ber Wald! I a HdiHq’r Mensch, und wenn man's recht nimmt, is a „Das ärgert Di wohl, daß sie zu mw halt. O, i merk s I „ Taglöhner mehr wert als a liaderlicher Bauern- schon lang, aber da geb Dr nur kaue Muah net, d Rosl I Mensch is eigeutli Mensch, und der Bauer is a e*6 KL S wirM? Was Da I ™ Mb-M. d-m Unt.-M-d - do die jung'n Madeln kennst! Merkst denn gar nix vor lauter Bam? Gar nix zwischen dief BamI" Johannes überkam ein banges Gefühl. Was sollte denn von dieser Seite drohen, die anderen machten ihm ja 167 rauh, gebiMkiM Dann wurde fie immer gemäßigter, milder. Da unterbrach ein seltsamer Laut seinen Gedanken- gang; es klang wie ein Schluchzen, dann wie ein Flüstern. Johannes duckte sich unwillkürlich und spähte durch! das Geäst. Ein roter Punkt tauchte aus, blieb stehen. Johannes lachte grimmig und schliche vorsichtig näher. Jetzt langte es schon, er sah genug. Seine Rosl und der Ferl! (Fortsetzung folgt.) SprWeufelchen des Weines. Aus der Lebensgeschichte eines Verfolgten. Von Dr. Kurt Rudolf Kreusner. (Nachdruck verboten.) Go wahr es ist, daß der Wein des Menschen Herz erfreut, so sicher ist es auch, daß, wenn in froher Zecher-Runde die Funken des Witzes sprühen oder im lustigen kecken Treiben des Karnevals die Wogen übermütiger Ausgelassenheit hochgehen, jener Wein am meisten bevorzugt wird, der jetzt zum Leidwesen seiner Verehrer durch eine neue Besteuerung nicht unerheblich verteuert werden soll, nämlich der einheimische Schaumwein oder, wie ihn die meisten noch immer zu nennen pflegen, der Sekt oder Champagner. Der Rotwein mag für alte Knaben eine von den besten Gaben sein, der wirkliche Kenner alter bouquetreicher Rheinweine mag mit geringschätziger Gebärde an der süßesten Spende der Witwe Cliquot vorübergehen, wenn ihm eine Flasche „Steinberger Kabinett" winkt; denn dies sind die Freuden eines abgeklärten veredelten Geschmacks, wie er nur auf Grund langjähriger Erfahrung erworben wird. Dort aber, wo die frohe Lebenslust der Jugend überschäumt, trinkt man stets am liebsten jenen Wein, der schon in seinem Aeußeren ein Sinnbild ungebundenen, ausgelassenen Frohsinns ist, wenn auch seine aufsteigenden, schnell zerrinnenden Schaumperlen daran gemahnen sollten, daß der Genuß der Stunde flüchtig ist und schnell verrauscht.. Zu unserer Väter und Großväter Zeiten war für jeden, der nicht im Besitze eines reichlichen Mammons war, der Genuß einer Flasche Champagner fast ein Ereignis. Wer nicht ein besonderer Schlemmer und Verschwender war, gönnte sich eine Flasche Gold- oder Silbergekapselten nur bei ganz besonderen Gelegenheiten wie Hochzeitsschmäusen und Tauffesten, oder wenn es galt, das Wohl des Landesvaters an dessen Wiegenfeste in solenner Weise zu begießen; denn damals, wo die deutsche Schaumwein- fabrikation noch in den Kinderschuhen stak, hatte man ein heute unbegreifliches Vorurteil gegen unser einheimi- sches Produkt, und trank fast nur echten Champagner, der ja auch heute trotz des allgemeinen Steigens des Wohlstandes ftdE); nicht gerade als Getränk für einen kinderreichen Familienvater mit kleinem Einkommen eignet. Dies ist nun innerhalb der Zeit eines Menschenalters ganz anders geworden, seitdem der deutsche Schaumwein hoffähig geworden ist, und man sich auch in den Zirkeln des Reichtums nicht mehr schämt, eine Flasche Hochheimer Mousseux oder Seligmüller selber zu trinken, und auch seinen Gästen vorzusetzen; denn die besseren Marken deutscher Herkunft sind, wie von allen zugestanden wird, die nicht den echten Wein der Champagne nur aus Laune und Großthuerei trinken, den französischen Produkten nicht nur völlig ebenbürtig, sondern übertreffen diese sogar in mancher Hinsicht. Die Anfänge der deutschen Schaumweinfabrikation reichen bis in die Zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Das Zeitalter der Napoleonischen Kriege lag damals in der allerjüngsten Vergangenheit, und die Abneigung gegen das Franzosentum, wie sie namentlich! auch, vom Turnvater Jahn genährt wurde, war wohl die treibende Ursache, daß man sich auch von den französischen Champagnern unabhängig zu machen bemühte, und um das Jahr 1830 in Eßlingen, Heilbronn, Würzburg, und an der Mosel, etwas später aucEji am Rheine mit der Fabrikation von Schaumwein begann. Es zeigte sich, jedoch, auch hier, wie in vielen anderen Fällen, daß der Deutsche nur zu leicht geneigt ist, alles was vom Ausland kommt, zu überschätzen, und das Produkt deS eigenen Fleißes gering zu bewerten; denn die ersten Schaumweinfabrikanten fanden für ihre Ware in Deutschland keinen Absatz; dafür öffneten die Engländer bereitwilligst ihre Thore dem deutschen Champagner, der, weil er im allgemeinen schwerer ist, als der französische, dem Geschmack eines Volkes besser zusagte, welches durch das feuchte Nebel- und Seeklima schon im allgemeinen einem stärkeren Alkoholgenuß zuneigt. Weil diese in England verbrauchten Schaumweine nun hauptsächlich aus Hochheim und von der Mosel kommen, entstanden zur Bezeichnung der Gattung an sich in England die Namen Spärkling Hock und Spärkling Moselle, die noch heut dort üblich find. Ohne die englischen Absatzgebiete wäre die deutsche Schaumweinindustrie wahrscheinlich! auf halber Entwickelung stehen geblieben und hätte immerdar ein kümmerliches Dasein geführt, wenn nicht die Verhältnisse, wie sie sich nach 1870 entwickelten, eine gründliche Aenderung herbergeführt hätten. Das nationale Selbstgefühl hatte mächtige Antriebe erhalten; es wurde bekannt, daß der alte Kaiser Wilhelm selbst für seine Person dem deutschen Champagner den Vorzug gab; nicht zum wenigsten wirkte aber die Verteuerung des französischen Schaumweines um etwa 1,50 Mark die Flasche durch den im Jahre 1885 auf denselben gelegten Schutzzoll. Seitdem hat die einheimische Industrie einen außerordentlichen Aufschwung genommen, und man kann mit vollem Recht behaupten, daß Deutsche land heute nicht nur das Land ist, in dem der meiste Champagner getrunken wird, sondern daß es auch nächst Frankreich am meisten davon produziert. Die Gesamterzeugung beträgt gegenwärtig über 12 Millionen Flaschen, von denen etwa ein und eine ,Viertel Million ausgeführt werden, während zum inländischen Verbrauche noch 800 000 Flaschen treten, die in Luxemburg, das zum deutschen Zollverein gehört, produziert werden; außerdem werden nöch echte französische Marken im Werte von fast 5 Millionen Mark eingeführt. Diesen Mengen gegenüber bleibt der Champagnerverbrauch, Frankreichs, welches von seiner Erzeugung von rund 24 Millionen Flaschen 17 Mill, an das Ausland verkauft, weit zurück, obwohl dieses mit Wein so reich! gesegnete Land, das jährlich aus seinen Weinbergen nicht weniger als 40 bis 50 Millionen Hektoliter der Bachusgabe erntet, nicht unerhebliche, Mengen niederösterreichischen oder steirischen Schaumweines aufkauft und als eigenes Erzeugnis in den Handel bringt. Wenn wir uns nach diesen trockenen Zahlenangaben den Geheimnissen der Fabrikation zuwenden, so sei zur Beruhigung aller Freunde dieses moussierenden Weines gesagt, daß bei weitem der größte Teil unseres einheimischen Schaumweines ebenso wie des in Oesterreich-Ungarn erzeugten peinlich genau nach den in Frankreichs üblichen Methoden erzeugt wird. In großen Stückfässern macht der Wein teils mit teils ohne Zuckerlösung seine Gährung durch, und zwar enthalten jene Fässer, aus welchen Schaumwein für England und seine Kolonien hergestellt werden soll, nur den reinen Wein einer bestimmten Lage, weil , unsere angelsächsischen Vettern auch beim Champagner eine bestimmte, durch das Aroma diktierte Eigenart wünschen, also z. B. Johannisberger oder Hochheimer Mousseux. Die für den Jnlandsverbrauch bestimmten Fässer hingegen enthalten Verschnittweine, d. h. Mischungen verschiedener Marken, die mit Vorbedacht miteinander verschnitten werden, damit das fertige Produkt an Geschmack und Charakter dem französischen möglichst ähnlich! wird, der ebenfalls keine ausgesprochene Blume hat, sondern aus Mischungen verschiedener Lagen bereitet wird. Nach neun- bis zwölfmonatlicher Lagerung wird der Wein auf die Flaschen abgefüllt, welche wagerecht in Gestelle gelagert werden, in denen die Flaschenhälse durch runde" Ausschnitte gesteckt werden. In diesen Gestellen, welche man nach französischem Vorgänge Pupitres nennt, werden die Flaschen tagtäglich durch den Kellerarbeiter einige Augenblicke geschüttelt, damit die Hefe und andere Niederschläge sich nicht an den tiefsten Stellen ansammeln und damit eine für den gesamten Flascheninhalt gleichmäßige Gährung stattfindet, dabei wird jedesmal der Flaschenhals um eine Kleinigkeit gesenkt, bezw. der Flaschenboden gehoben, bis endlich wenn die Gährung in wünschenswerter 168 Weise fortgeschritten ist, die Flasche senkrecht auf dem Kopf steht, wobei sich sämtliche Unreinigkeiten, dem Gesetze der Schwere folgend, am Pfropfen abgelagert haben. Zur Fertigstellung sind nun nur noch einige wenige Handgriffe notwendig, zu deren Vornahme der Wein in besondere Räume kommt. Es wird nämlich zunächst der den Kork festhaltende Bindfaden durchtrennt; der Kohlensäuredruck treibt nun den freigewordenen Kork heraus, welcher die ihm anhaftende Hefe und schlechte Bestandteile mitreißt; sodann wird der sogenannte Liqueur, eine Mischung von altem Wein oder Cognac mit Zucker und zuweilen noch anderen aromatischen Substanzen, deren Rezept das Geschäftsgeheimnis des Fabrikanten ist, zugesetzt. Der Wem wird hierauf schleunigst neu verkorkt, mit Bindfaden und Draht umwickelt, worauf nur noch die meistens von Frauenhänden besorgte Arbeit des Versilberns oder Vergoldens und Etikettierens zu erfolgen hat, um die Ware versand- fertig zu machen. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß zur Champagnerfabrikation keineswegs edle Sorten benutzt werden. Fast sämtliche deutschen und österreichischen Sorten eignen sich dazu, und selbst aus dem so schwer verleumdeten Grüneberger wird ein durchaus nicht schlechtes Fabrikat gewonnen. Als bestes Rohmaterial gilt der lothringische Wein, der dem der Champagne am meisten ähnelt. Aber auch aus den billigen Weinen am Rhein, an der Mosel, der Saar, der Ahr, am Main und Neckar wird ein gutes Getränk hergestellt, und wen der Weg einmal zur goldenen Sommerszeit stacht der bergumkränzten Hauptstadt der grünen Steiermark führt, der wird es schwerlich bedauern, wenn er einmal das dortige Produkt in Gestalt einer Flasche Herzogsmantel probiert. Der relativ hohe Preis des durch Flaschengährung hergestellten Schaumweines rechtfertigt sich' trotz der Billigkeit des Ausgangsmaterials durch die umständliche Behandlungsmethode und durch die bedeutenden Verluste, welche durch Springen der Flaschen während der Gährung entstehen. Es lag daher nahe, Champagner ähnliche Weine nach anderen Methoden herzustellen, bei welchem diese Uebelstände vermieden werden. Dies geschieht denn auch in großem Umfange dadurch, daß man geeignete abge- gohrene Weine mit Zucker und Liqueur versetzt und unter bedeutendem Druck mit künstlicher Kohlensäure imprägniert. In Deutschland werden mindestens drei Millionen Flaschen, zum Teil auch Obst-- und Beerencheine auf diese Weise hergestellt, und zu sehr billigen Preisen in den Handel gebracht. Ueber die Berechtigung dieses Verfahrens mag hier nicht gestritten werden, da nun einmal die Nachfrage nach solchen billigen Marken im Preise von 1,25 bis 2 Mark vorhanden ist, und vom Standpunkt der Bekömmlichkeit nichts Ernhaftes dagegen eingewendet werden kann. Ter Kenner aber wird schon durch die Zunge zur richtigen Beurteilung gebracht werden. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, so genügt es, eine Flasche Schaumwein, über deren Herstellungsart man im Zweifel ist, ein Weilchen offen stehen zu lassen. Der durch Flaschengährung erzeugte verliert seinen Gehalt an Kohlensäure nur langsam, während letztere, wenn der Schaumwein durch Imprägnierung hergestellt wurde, in kurzer Frist verpufft, sodaß ein fades Getränk in der Flasche zurückbleibt, dem die prickelnden Geister des echten Schaumweines abhanden gekommen sind. Gemeinnütziges. Die Kultur des Radies in Mistbeetkästen ist nicht an besondere Bedingungen geknüpft. Das Radies begnügt sich mit jeder Erde, wie sie zur Treibkultur verwendet wird, verlangt nur Feuchtigekit und 5 Zentimeter Pflanzweite, damit es sich entwickeln kann. Das muß beachtet werden, wenn man säet oder pflanzt. Dann muß es zur rechten Zett geerntet werden, sonst wird es pelzig ober holzig. Zur Treiberei eignen sich nur die kurzlaubigen Sorten. Stehen die Radies allein im Treibbeet, dann ist ein reichliches Lüften sehr angezeigt, sonst tritt des Platzen der Wurzelknollen ein. Das läßt sich leider nicht verhindern, wenn das Radieschen als Zwischenpflanze bei einer anderen Kultur verwendet wird, wo starkes Lüften nicht möglich ist. Ein gu ter Dünger für die Zimmer pflanzen. Wenn Pflanzen einige Monate in Wohnzimmern gestanden haben, so fangen sie an, abzusterben, wenn man ihnen nicht die gehörige Pflege zu Teil werden läßt. Das „Bulletin de Floriculture" empfiehlt zu diesem Zweck, die Pflanzen von Zeit zu Zeit mit folgender Lösung zu begießen: In zwei Liter Wasser löst man ein Gramm Kaliumphosphat, ein Gramm Magnesiumcarbonat, ein Gramm Natriumsilicat, zwei Gramm Salpeter und drei Gramm Eisenvitriol auf. Diese Lösung wird den Pflanzen bald ihr früheres gutes Aussehen verleihen, und ihr Wachstum fördern. Aür die Küche. Schweinefleisch wie Schwarzwildbret zubereitet. Der Schlegel eines jungen Schweines wird ge- klopft, auf dem Herde an einem offenen Stroh- oder Reisig- seuer aus allen Seiten besengt, dann leicht gewaschen, vom äußeren Fett befreit, 8—10 Tage in folgende Beize gelegt und täglich darin gewendet. Halb Weinessig, halb billiger Rotwein, Zwiebeln,'eine Zehe Knoblauch, Wachholderbeeren, wovon einige zerdrückt, Lorbeerblätter, Salz, Pfeffer, Ci- tronenschale. Alles wird gröblich gehackt und der Schlegel damit eingerieben. Nach 8—10 Tagen wird das Fletsch wie anderes Wildpret in Butter gut gebraten und mit saurem Rahm begossen. v „Praktischer Wegweiser", Wurzburg. Litterarisches. Kinder-Zeitung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 25. Was in der Welt vor geht: Ein Anschlag auf den Kaiser; Friedensverhandlungen in Südafrika? Hie Zahl der gefangenen Buren; Deutsche Schulen in der Fremde; Der Held von Taku; Die chinesischen Wettermacher; Ponies in China; Explosion „schlagender Wetter"; Ein Brief von den Philippinen; Ein Räuber gefangen. Aus dem Reiche der Natur: Die ersten Stürche m Deutschland; „Miez". Der Beobachter in Wald und Feld: Tierleben an einem schönen Apriltage. „Peters wunderbare Reisen und Abenteuer." Erlebnisse. Anzeigen. Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75. Sk