SB«? 1 «Ws^WMML-? >/*^l WUD^j t,b nit Üjjjf t !n h«... ■• g-s KT fohl stürzt, was Macht und Kunst erschufen, Wie für die Ewigkeit bestimmt; Doch alle Trümmer werden Stufen, Darauf die Menschheit weiter klimmt. Geibel. (Nachdruck verboten.) Die Seekönigm. s '' ’ r Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Ich blieb in der Kajütskapp stehen. Menschliche Stimmen konnte ich nicht hören, und in dem schwachen Schein der Kompaßlampe waren die Gestalten der beiden Männer am Ruder kaum zu erkennen. Einer derselben war mein Mann. Jetzt fing auch die See an, höher zu gehen. Es bildeten sich gewaltige Wogen, auf denen die Bark heftig stampfte. Noch eine halbe Stunde hindurch lenzten wir weiter, und jagten ebenso toll über das Wasser, wie der Sturm selbst, während uns fliegender Schaum umhüllte, der Donner des Orkans uns betäubte, und wir zuweilen durch die feurigen Blitze plötzlich geblendet wurden. Mein Mann schrie vom Ruder aus etwas, das' iä) nicht verstehen konnte. Der Wind trug den Schall nach vorne, und gleich darauf bemerkte id): die Gestalt eines Mannes, der sich taumelnd, zuweilen auf allen Vieren an der Reeling entlang arbeitete, um nach achtern zu kommen, wo er Richards Platz am Ruder einnahm. Mein Mann trat jetzt schnell einige Schritte vor, und rief den Leuten zu, daß er das Schiss sofort beidrehen wolle. Wenn das überhaupt geschehen sollte, so war es weise, es jetzt zu thun, ehe sich die See zu einer solchen Bergeshöhe erhoben haben würde, wie man es bei diesem Orkan erwarten mußte. „Klar beim Stagsegelnehrholcr! Sind alle Mann dort? Dann los das Fall!" Im Augenblick, wo die Schot aufgefiert wurde, zer- peitschte das Segel in Fetzen. Kleine Stücke wirbelten in der Lust herum wie die fliegenden Schaumflocken und lange, peitschenähnliche Streifen knatterten, wenn sie gegen das Stag schlugen, als ob ganze Musketensalven von der Bark abgefeuert würden. „Laßt das Stagseget fliegen! An die Achterbrassen! Die Leute am Ruder! Langsam aufluven!" Sobald das Schiff seinen Bug dem Orkan zugewendet hotte, legte es sich so stark auf die Seite, daß das Deck s«st senkrecht über dem Wasser- zu stehen schien. Diesmal blieben die Leeschanzkleidungen zwar über Wasser, aber die ganze Wucht des Sturmes traf uns jetzt von vorne. Seine Wut schien sich zu verdoppeln, als ob sie dadurch, daß sich das Schiff urplötzlich umdrehte, und sich ihm nun stellte, wie ein gehetzter Hirsch bis zur entsetzlichsten Raserei gereizt wäre. Mit vieler Mühe gelang es mir, unsere Kammer zu erreichen, mich- der nassen Kleider zu entledigen, und wieder trockene anzuziehen. Noch- halb betäubt, und instinktmäßig mich; festhaltend, saß ich; in meiner Koje, als Richard jetzt eintrat. „Nun, liebe Jeß, hast Du schon Deinen Thee gehabt?" fragte er. „Nein",' sagte ich, „und habe auch noch nicht daran gedacht. Dies ist ja ein furchtbarer Sturm, Richard! Wie entsetzlich die Bark schlingert! Manchmal fürchte ich wahrhaftig, daß es mit uns bald aus ist." „Aus mit uns?" rief er. „Hat der Sturm Deine« ganzen Mut fortgeweht? Was! würde Dein Vater sagen, wenn er das hörte? Es ist ja ein sehr schwerer Sturm, aber glaubst Du etwa, daß die „Aurora" ihm nicht gewachsen ist?" „Nun, als sie sich vor dem ersten Anprall überlegte, glaubte ich bestimmt, daß wir alle verloren wären. Ich wäre beinahe heruntergelaufen, und hätte Heron herausgelassen. Es kam mir so grausam vor, ihm nicht wenigstens soviel Gelegenheit als irgend möglich zu geben, sein Leben zu retten." „Es freut mich, daß Du es nicht thatesllh sagte er schnell. „Hast Du ihn denn wirklich eingeschfossen?" fragte ich leise. „Ja, wirklich. Er ist in seiner Kammer, und den Schlüssel dazu trage ich bei mir." ch„Aber wie soll er dann seine Mahlzeiten einnehmen, „Darüber beunruhige Du Dich nicht, Jessie! Ueberlaß den Mann nur mir. Es thut mir sehr leid, daß Du die Geschichte zwischen Herrn Heron und mir mit ansehen mußtest. Gott weiß, ich würde sie gern vermieden haben, aber bei diesem offenbaren groben Ungehorsam konnte ich nicht anders. Er verweigerte mir seine Hilfe der Mannschaft gegenüber und bestärkte die Leute noch in ihrem meuterischen Betragen — und das angesichts eines ausbrechenden Sturmes, von dem er ebenso gut wußte, wie ich, daß er ein sehr schwerer sein würde." Während dieses Gespräches war Richard beschäftigt, trockene Kleider und Oelzeug anzulegen. Dann küßte er mich und begab sich wieder an Deck. Obgleich er aber versprochen hatte, zum Abendbrot wieder herunter zu kommen, meldete mir jedoch der Steward bald darauf, der Kapitän könne das Deck noch nicht verlassen, und ich solle nicht ihn warten. 110 Ich konnte nicht essen; auch mürbe mir ber Aufenthalt irr ber Kajüte unerträglich. Ich mußte an Deck gehen unb wäre es nur auf eine Minute, um mich umzuschauen. Mit vieler Mühe unb in steter Gefahr, sowie ich mich losließ, an bie Wanb geschleudert zu werben, gelang es mir, meine Kammer wieder zu erreichen. Ich hüllte mich in einen dicken Regenmantel, zog bie Kapuze über bett Kopf, tappte bis an bie Kajütentreppe unb stieg bis zur Höhe der Luke empor. Oben angelangt, konnte ich im Schutz ber Kapp und dem Winde den Rücken kehrend, bie See in Lee überblicken. Es war ein schauerliches unb wildes Schauspiel, das unser kleines Schiff in dieser dunkeln, heulenden, stürmischen Nacht darbot. er mit wunderbarer Geschick- Habe ja gemacht, er ganz anhören daß ich ja ängstlich werden." „Ich kann das sehr wohl verstehen", versetzte er. „Hier iß dies Stück Fleisch und nimm einen kleinen Schluck zu trinken." „O, wie das Schiff stampft, Richard! Ich niemals auf eine besondere Tapferkeit Anspruch Selbst mein Vater würde nervös werden, wenn allein hier unten sitzen, und dieses Konzert mit Fuß im Grabe steht?" Er fing an zu lachen. „Ei, Jeß, das geht durchaus nicht. Wo ist Deine Begeisterung für bie See geblieben? Komm, fünf Minuten habe ich allenfalls Zeit. Ich will doch sehen, wenn ich ein paar Bissen nehme, ob Du nicht meinem Beispiel folgen wirst." Er schlang den Arm um meine Taille, hob mich in die Höhe unb im nächsten Augenblick hatte er mich schon neben sich an ben Kajütentisch gesetzt. „Jeß", sagte er, indem er mit wunderbarer Geschicklichkeit immer ben richtigen Zeitpunkt abpaßte und sich mit ider größten Leichtigkeit alles, was er wollte, von dem Schwingebrett nahm, „aus so einem Sturm mußt Du Dir nichts machen. Wir sitzen hier doch nicht in einem alten Siebe, sondern in einem so wackeren, kleinen Kahn, wie nur je einer auf See geschwommen hat." „Es ist die Einsamkeit, und dabei muß ich das ^racEien und Knarren anhören, und wenn ich dann noch an jenen denke" — ich deutete auf Herons Kammer — „so muß ich müßte." Ich wollte ihn nicht gern merken lassen, Angst hätte, sah aber auch wohl ein, daß es sehr albern sein würde, wenn ich ihm durchaus einreben wollte, daß ich ganz ruhig sei. Dunkle Wasserberge rollten dahin, umspielt von flammenden Feuerzungen, und wenn zuweilen ber Kamm einer riesenhaften See sich überschlug, stieg und fiel bie baburch entftanbene Schaumfläche auf den bahinjagenden Wogen, als ob sie mit brennenbem Terpentin begossen wären. Die Bark lag unter Top unb Takel, machte also keine Fahrt. Jebesmäl wenn eine See heranrollte, stürzte sie mit solcher Wucht in bie brausende Tiefe hinab, baß sich kolossale Schaummassen über ber bavoneilenben Woge ausbreiteten. Das flimmernbe Licht dieser schneeigen Massen vermischte sich mit dem höllischen Phosphorgefunkel ber See. In diesem Scheine hoben sich bie Umrisse des Schiffes klar hervor unb würben bis zu ben Fockrüsten sichtbar. Aus ber Dunkelheit kam eine Gestalt auf mich zugeglitten. Es war mein Mann, ber sich in ber Bucht eines Taues zu mir herabfierte. In ber Finsternis konnte ich sein Gesicht nicht erkennen, obgleich er dicht neben mir stand. „Was thust Du hier, Jessie?" fragte er. „Du solltest unten bleiben. Hier ist nichts zu sehen, unb Du kannst leicht über Bord gespült werden." Ich stieg einige Stufen weiter hinab, um ihm in der Kapp Platz zu machen, da er draußen meine Antwort nicht gehört haben würde. „Ich mag in solcher Nacht nicht allein da unten sein", meinte ich. „Wenn wir einmal untergehen sollen, so will ich wenigstens nicht wie eine Ratte in ber Kajüte ertränkt werben." „Untergehen! Unsinn!" rief er lächelnd. „Die Bark hält sich ganz vorzüglich," „Weshalb kamst Du denn nicht zum Abendbrot?" fragte ich. „Weil ich nicht von Deck gehen will. Hast Du schon gegessen?" „Nein! Wie kann man essen, wenn man mit einem „Wenn Du Dein Abendbrot gegesssen hast", sagte er, „mußt Du ruhig zu Bette gehen, und morgen früh, wenn Du aufwachst, scheint die Sonne und der ganze Sturm ist vorüber. Einen Kuß, Jeß, so! —In einer halben Stunde komme ich einmal wieder herunter unb hoffe. Dich bann gut zugebeckt vorzufinben im Laube ber Träume, wo es keine Stürme giebt." Ich gehorchte ihm, obgleich ich keine befonbere Lust verspürte, mich wieder zu legen. Lieber wäre ich die ganze Nacht aufgeblieben, indessen sah ich ein, daß Richard mich wohl nicht aufgefordert hätte, zu Bette zu gehen, wenn unsere Sage wirklich so gefahrvoll gewesen wäre, wie es mir schien. Das unb der ermutigende Einfluß seiner Unterhaltung hielten mich aufrecht. Ich hätte allerdings todmüde fein müssen, um bei dem betäubenden Geräusch in meiner Kammer gleich einzuschlafen. An das alltägliche Geräusch hatte ich mich bereits gewöhnt, und das störte mich auch nicht mehr. Dies war jedoch ein Aufruhr, wie ich ihn bis dahin in der „Aurora" noch nicht gehört hatte. Wie lange ich wach lag, weiß ich nicht; jedenfalls ein paar Stunden. Trotz seines Versprechens erschien mein Mann nicht wieder in der Kammer. Ich verfiel in einen unruhigen Schlaf, aus dem ich alle Augenblicke auffuhr, um ängstlich den schrecklich en Tönen ringsumher zu lauschen, bis ich endlich fest einschlummerte und, soviel ich mich erinnere, nicht eher wieder erwachte, als am nächsten Morgen kurz vor neun Uhr. Zwanzigstes Kapitel. Untergang der „Aurora". Der Sturm hatte sich gebrochen. Aber immer noch fah ber Himmel düster und trübselig aus, und es lief eine gewaltige See. Das Schiff war vor den Wind gebracht, und lenzte nun, mit dem Sturm etwas seitwärts achterlich, unter dicht gerefften Marssegeln unb gereffter Fock. Den ganzen Tag und bie folgende Nacht flog bie _ „Aurora" vor bem Sturme bahin, und wir legten in diesen vierundzwanzig Stunden eine schöne Strecke zurück. Ungefähr um zehn Uhr am folgenden Vormittag flaute ber Wind schnell bis zur völligen Stille ab; gegen zwei Uhr nachmittags erhob sich aber aber schon wieder ein leichtes, östliches Lüftchen. Es wurde allmählich stärker und ging nach Nordost herum, und nach einer Stunde hatten wir den Passat stark querein. Es wurden jetzt Royals und ein Voroberleesegel bei» gesetzt, und die Bark flog dahin, etwas zur Seite geneigt, doch mit völlig trockenem Deck. Der heiße goldene Sonnenschein funkelte und strahlte in ben blanken Masten, unb bem Glas und Messing ber Deckeinrichtung. Das schaumbedeckte Kielwasser schoß unter dem Heck hervor, unb tanzte in schneeweißer Linie über einer See dahin, bie eine ebenso schöne und glänzende blaue Farbe hatte wie ber Himmel, an bem bie lammweißen Passatwölkchen entlang zogen. Wenn sonst bei uns an Bord aUes in Ordnung gewesen wäre, über das Wetter brauchten wir uns bis dahin nicht zu beklagen. Der Orkan war ja allerdings furchtbar gewesen; aber er hatte uns nichts geschadet. Im Gegenteil, ber darauffolgende Sturm hatte uns unmittelbar in ben Passat hineingeweht. Wir machten vorzügliche Fahrt, und Richard redete davon, daß wir Sierra Leone anfangs März prrpiffiipTt hriirbPH Aber nicht nur das Betragen der Leute, auch ber Umstand, daß ber Steuermann in seiner Kammer gefangen saß, verdüsterte unsere Stimmung so, daß auch- günstige Winde unb schnelles Segeln dieselbe nicht zu heben ber- mochten. Ich rede hier besonders von mir selber. Ich konnte in der Kajüte niemals ruhig fein, weder allein noch in Richards Gesellschaft. Wenn ich je aufgelegt war zu lachen, unterdrückte id; diese Anwandlung stets, da ich sofort daran dachte, daß der Steuermann in feiner Kammer säße und es hören könnte. Es war ein fortwährender Zwang. Wir mußten uns leise mit einander unterhalten, unb bie Annahme, daß Heron jedes Wort hören könnte, wirkte so lähmend auf meinen Mann, daß ich oft bemerkte, wie er etwas zu mir sagen wollte, dann inne hielt, und es sich erst noch einmal überlegte, ehe er sprach Einige Tage vergingen, und der Norbpafsat verließ uns, 111 Um das Bild herum war ein schwarz-gold-grünes Band ge* schsungen. Zu gern hätte ich gewußt, welche Bewandtnis es mit diesem Bilde hatte;chenn es nahm sich in seinem altmodischen Rahmen und verblaßt, wie es war, merkwürdig genug inmitten der sonst so eleganten Einrichtung der Villa aus. Viele Jahre später erst habe ich aus Onkel Lothars Munde erfahren, welche Erinnerungen sich für ihn an die kleine Photographie knüpften. Wie so oft saßen wir wieder einmal auf der Veranda beim traulichen Schein der Lampe. In unseren Gläsern funkelte Onkels Lieblingswein, der rote St. Estephe. Vom Garten her drang zu uns der betäubende Duft der Lindenblüte. Lange Zeit hatten wir uns schweigend gegenüber ge- sessen. Dann hatte Onkel Lothar plötzlich, völlig unvermittelt zu erzählen begonnen: „Als ich die Universität bezog, war ich etwa 22 Jahre. Zu meiner Zeit begann man etwas später als jetzt das Gymnasium zu besuchen und kam demgemäß auch, ziemlich spät auf die Universität. So war ich denn stark und kräftig genug, um die Strapazen des Korpslebens ■— ich wurde schon am zweiten Tage nach meiner Immatrikulation für das Korps Nassovia „gekeilt" — zu ertragen, ohne daß mich dasselbe sehr angegriffen hätte. Nachdem ich sieben Semester flotter Korpsstudent gewesen, wollte ich mich eigentlich im achten Semester inaktivieren lassen, aus Rücksicht darauf aber, daß wir nur vier Burschen waren und keinen Fuchsen hatten, entschloß ich mich, noch; ein Semester Couleur zu tragen. Noch nach Pfingsten, als wir schon alle Hoffnung auf neuen Zuwachs für das Sommersemester aufgegeben hatten, gelang es uns, einen Renoncen zu keilen. Otto Meßmer war noch sehr jung. Er hatte in einer kleinen Provinzstadt, dem Wohnort seiner Eltern, das Gymnasium besucht und glatt absolviert. Er war ein ausgesprochenes Muttersöhnchen, und als er erst drei Wochen nach seinem Eintritt ins Korps seinen Eltern davon Mitteilung machte, kam sofort seine Mutter nach, der Universitätsstadt, um ihr Söhnchen unseren Klauen zu entreißen. Jedoch gelang es meiner glänzenden Beredtsamkeit, die Mutter versöhnlich zu stimmen und uns unseren einzigen Fuchs zu erhalten. Ich hatte sogar das Glück, daß Otto mich zum Leibburschen wählte. Ich hatte ihn wohl darauf aufmerksam gemacht, daß noch zwei Burschen ohne jeden Nachwuchs herumliefen, während ich bereits stolz auf die stattliche Nachkommenschaft von fünf Leibfüchsen blicken konnte. Jedoch bat mich, Otto in seiner kindlich-naiven Weise so inständig, doch sein Leibbursch zu werden, da er zu mir so großes Vertrauen hätte, daß ich es ihm nicht abschlagen konnte. Allmählich entwickelte sich zwischen uns eine warme, innige Freundschaft. Ich habe mich stets redlich bemüht, das Versprechen, das ich der Mutter des Jungen gegeben hatte, über ihren Sohn zu wachen und ihn vor Thorheiten zu bewahren, zu erfüllen, und es gelang mir, aus Otto Meßmer einen flotten Korpsburschen zu machen, ohne daß er die Schattenseiten des nach außen hin so schönen Korpslebens allzu sehr kennen lernte. Nur vor einem konnte ich ihn nicht bewahren. Er führte eine miserable Klinge, und so viel Mühe ich mir auch in- und außerhalb der Fechtstunden gab, ihm die richtige Deckung beizubringen, so war doch bei jeder Mensur schon nach dem ersten Gang die Quartseite Ottos völlig ohne Deckung, sodaß dieselbe einen Riegel neben dem anderen aufzuweisen hatte. Anfangs waren die Eltern über das scharf gezeichnete Gesicht ihres Sohnes entsetzt, als sie aber sahen, daß sich derselbe bei uns zu einem kräftigen, selbstbewußten Jüngling entwickelte, schwand ihre Voreingenommenheit immer mehr und mehr. Schließlich wurde ich sogar am Ende des Semesters eingeladen, mit meinem Leibfuchfen die Ferien bei dessen Eltern zuzubringen. Dieser Ferienbesuch sollte eine wichtige Wendung in meinem Leben herbeiführen. Ich lernte die Schwester meines jungen Freundes kennen und verliebte mich in sie. Als wir wieder ins Semester gingen, nahm ich Magdalenens Versprechen mit, auf mich zu warten, bis ich Assessor sein würde, und dann meine Frau zu werden. Zunächst aber hatte ich ja noch das Referendarexamen zu machen. Ich. legte die Couleur ab, und nach zwei So- obaleich wir uns noch, etwas nördlich von den Breiten befanden, wo dieser Wind gewöhnlich sein Ende erreicht. Es war der heißeste Tag, den wir bis jetzt erlebt hatten. Alles, was man in der Sonne etwa mit der Hand berührte, brannte wie heißes Eisen. Das Pech in den Nahten der Decksplanken war weich wie Glaserkitt, lieber dem Deck schwebte ein bläulicher Dunst, ähnlich wie der Nebel, der frühmorgens über sumpfigen Landstrecken zu liegen pflegt. Ein tiefes, wundervoll zartes, afrikanisches Blau zog sich ohne jede weitere Schattierung über das ganze Himmelsgewölbe bis hinab zur Wasserlinie. Den ganzen Nachmittag hindurch dauerte die Stille und mit einem Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit sah ich die glühende Sonne, eine blutrote Feuerkugel, hinter der See versinken. Gleich darauf brach auch die Nacht herein; nur eine ganz kurze Dämmerungspause lag dazwischen. Mein Mann hatte die erste Wache, d. h. von acht bis zwölf Uhr. Ich blieb aus Furcht vor der drückenden Hitze in der Kajüte noch bis gegen elf Uhr bei ihm. Es lag etwas »wunderbar Schönes und Anziehendes in der gewaltigen, weiten Fläche der schweigenden, schwarzen Gewässer. Hier und dort leuchtete ein schwaches, phosphorartig leuchtendes Blitzen über der Dünung, und erhöhte noch den geheimnisvollen Zauber der bodenlosen, finsteren Tiefe mit den silberglänzenden Sternspiegelbildern. Zuweilen hörte man das leise Flappen der Segel oder das seufzende Geräusch des Wassers arrt' Vordersteven, wenn die Bark schlingerte. Die Luft war entzückend kühl, und so schwer mit Tau durchtränkt, daß es jedesmal, wenn die Segel sich hin und her bewegten, wie ein kleiner Regenschauer auf das Deck herabplätscherte. Um elf Uhr ging ich hinunter. In der Kajüte war alles still; die Lampe brannte trübe. Die Luft in der Kammer war sehr heiß, wenn auch nicht so drückend, wie ich gefürchtet hatte. Ich blikte durch das offene kleine Seitenfenster und stand noch einige Minuten in den Anblick des, kreisrunden Stückes von dem sternenbesäten Himmel versunken, das durch diese Oeffnung sichtbar war. Dann ging ich zu Bett und schlief auch sofort ein. Ich erinnerte mich dunkel, daß Richard am Schluß seiner Wache herunterkam; mir fielen jedoch sofort wieder die Augen zu.. Er war stets sehr leise in allen seinen Bewegungen und störte mich niemals im Schlafe. (Fortsetzung folgt.) Bmschentreue. Von G. Günter. (Nachdruck verboten.) Mein Onkel Lothar war das, was übelwollende Leute mit dem Worte „Sonderling", wohlwollende mit dem Worte „Original" bezeichnen. Allerdings war bei dem sehr zurückgezogenen Leben, das Onkel Lothar führte, der Kreis der ihm wohlwollenden wie der ihm übelwollenden Menschen äußerst beschränkt. Den Kreis der F r e u n d e bildeten meine Mutter, Onkel Lothars Schwester, und mein Vater — den der Feinde zwei alte Tanten. In ihren Augen war mein Onkel das Schreckenskind der ehrsamen Familie, und schon als Kind wurde ich von den beiden alten Damen immer und immer wieder gewarnt, nicht wie Onkel Lothar zu werden, der im Leben nichts erreicht habe, und der sogar so schlecht sei, daß er bereits „gesessen" habe. Als ich entsetzt der Mutter dieses Geheimnis anvertraut hatte, war mir erzählt worden, daß Onkel ein halbes Jahr Festungshaft wegen Duellangelegenheiten verbüßt habe. Diese Mitteilung ließ bei den unklaren Begriffen, die ich von Duell und Festungshaft hatte, meinen Onkel in meinen Kinderaugen geradezu als einen Helden allerersten Ranges erscheinen, zu dem ich mit ehrfürchtiger Bewunderung emporschaute. Onkel Lothar aber vergalt mir die Begeisterung und Bewunderung, die ich ihm entgegenbrachte, mit grenzen- lvser Güte und Nachsicht gegenüber allen losen Streichen, die ich bei den häufigen Besuchen in seiner Villa ausübte. Nur einmal habe ich Onkel Lothar zornig gesehen, und das war, als ich ihn neugierig fragte, wen wohl das kleine verblichene Bild über seinem Schreibtisch darstelle. Es war dies die Photographie eines hübschen jungen Mannes, den die bunte Burschenkappe und das Burschenband zierten. 112 laß' uns noch Ml ein volles Glas leeren im Andenken an Warme Füße zu erhalten. Auflösung in nächster Nummer. Verlust ausgetobt, da war ich aber auch schon der einsame Mann ohne Lust und Freude am Leben und ohne Hoffnung für die Zukunft, der ich jetzt noch brn. So nun weißt Du, was für cm Geheimnis mit jenem .......■ v . -r. i U Avt -tVr nun Yt1t tl Auflösung des Zahlenrätsels in voriger Nummer: Krafilien, Rabe, Lflen, Sieben, Irene, Lilie, Insel, Kfel, Nieren. utic, । Eltern gegenüber für mich Partei zu ergreifen oder gar gegen sehr I den Wunsch der Eltern die meine zu werden. Die nächste Folge war natürlich, daß her Dpd meines Leibfuchsen sofort bekannt wurde, daß die Polizei fufj mit der Sache beschäftigte, und alle Beteiligten, £ naj Ärt t I mir die Schuld am Tode ihres einzigen Sohnes ausbürdete. • — fühlte ich mich, denn selbst ganz unschuldig an dem . Tode dieses treuen, braven Kumpans? i I Alles Reden, Bitten und Flehen vermochte die tiefge- | beuate Frau nicht von ihrem Urteilsspruch abzubringen; und so wollte es denn das Schicksal, daß ich zu gleicher Zeit mit meinem treuesten Freund auch meine Braut verlor. Dachte dieselbe auch viel zu gerecht, um die Ansicht ihrer mcht Ichtldern. welch- °»t,-r«ch->' «E- ich mit •. mit R°«d°l-n° -m. ______________________________ , Heftern anaeitrenqten Arbeitens gelang es mir, das Examen Weniae Tage nach dem Examen erkrankte ich schwer. Acbt lanae Wochen lag ich, von den gräßlichsten Schmerzen fflSÄ und meta treuer r-ibtachs «« »Och w ft »«,« ",7 l-npft b äft° ste" do« nicht Kraft genug, den KÄFMMGZ' ™ ' ......J-.......... •*""" —' hatten. Ich drang energisch darauf, daß er endlich z öuujc UC|U#U,„B1V, .... ------ ... feinen Eltern abreifte. ,invrpifp I mrer Beteiliauna zu längerer oder kürzerer Fepung»yast Schweren Herzens entschloßHnr verurteilt wurden So bekam auch ich als Sekundant Ottos BMM6-tte and entlaßen wurde. VLpMWUMZWW "E Jch"EßE"s>u?echten. d-ß ich; «® ftaem^Sinleu I Iletam Bild iib“r°‘i>em ^SWLWt'NW» ist. Und nun Referendarexamen stand, eines Abend» von ernem s I »üt ein volles Glas leeren tm Andenken an LS°M°U>» und dann; «nie «achll" ÄM OjteSU -inem G-M-iNNÜtzig... $£uchfcn auf ©dylaaet anttoten wollte. fsu-rtttttt- I a x m c üfi c &u cxfjGltcn. SBill man ivutmc ' Diese ganze Angelegenheit drehte nun, als die StiM I rn soll man sich keiner zu engen Fußbekleidung ung an jenem^Abeno bereits animiert gewarden^Rek^en^ar «u^aben. Jo I »erhindern durch de» Druck Eberstein so, als ob ich gekniffen hatte. Mein^7b>osuq» I umlauf des Blutes; wenn dagegen die Schutzs den teidigte meine angegriffene Ehre so nachdrücklich, 6 $ I t ni(A ,u enq angepaßt sind, gestattet der zwischen im Laufe des Abends eine schwere Forderung auf Sab I Fußen ^q ^ 8 bildende Zwischenraum den erfor- obne Binden und Bandagen fiel. Otto suchte aus Rücksicht I ) 9 Luftdurchzug Vor allem darf man niemals nasse auf mein Befinden mir sein Renkontre mit Eberstem ^zu ^^halten. Viele Leute glauben daß, verheimlichen. Doch mußte mw auMllen d ß toennT die Schuhe nicht ganz feucht sind es unnutz fei, Ä&'W’W -* * -» MfiB *•MNWSLh°..-inwCÄ- Lu» irgend mögliche das Duell zu verhindern. Drnn ^war nicht sewft^di^ q v 8 bie Mße in diesem Falle in MLWW Ctm9Ctt 10 " "(Praktischer Wegweiser, Würzburg.) Baukanten^^einander gegenüber gestanden.' Aber allM was I Littevarrsches. M mreichen konnte, war, daß ich dem braven Zungen Kinder-Zeitung. Herausgegebcn von Felix von^St^ngll», |tin$Ut|«68U»oie» di- ich Zeit Hutt-, Otto auf Säbel I ?aaBta“S.str'Bi^ g Meusurlokale ver- I Knaben; Di- Zähne von Schulkindern. Aus dem Reiche der Narur. und Frankonia waren m corpore tntJ Drama, I Der Maikäfer im Winter; Wie entsteht das Gummi arabicum? Der sammelt; die letzten Vorbereitungen zu dem borgen Drama, ß»bacht-r in Wald und Feld; Unsere Eidechsen „Das g eheimnis. da« sich binnen wenigen Minuten auf dem m I öo((e (Schluß). Briefwechsel. Tauschecke. Anzeigen. Zu beziehen streuten Fleck abfpielen sollte, waren getroffen I burd) Ale Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschasrsst-lle m «roß. ' Nachdem eine leichte Fuchsenmensur 9 ;«S n toar traten g <* < D.hlemerstr. 75. $§*?= *' **** *** " H^wtau-fm-r-u borilSer, und M-i prächtig- tzori- I MLRW mie Ö&l K S** -°b-u