ist's, im Unglück nie verzagen, Als bescheiden großes Glück zu tragen. M Haug. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elfter. (Fortsetzung.). IL Der alte Freiherr Hans Joachim von Petershagen hatte sich Zeit seines Lebens wenig um die Bewirtschaftung seines väterlichen Stammgutes bekümmert. In seiner Jugend diente er bei ibertl Garde-Äürassieren in Berlin und- war als „Seiner Majestät schönster Offizier" der Löwe der ersten Gesellschaft und der Liebling der Damenwelt gewesen. 1870 Hatte ihn die Kugel eines verwünschten Franktireurs auf einem Patrouillenritt dienstunfähig gemacht, er . mußte seinen Abschied nehmen, zog sich als Rittmeister tt. D. lauf die väterliche „Klitsche" zurück und führte in dem alten «weitläufigen Herrenhause ein üppiges Leben, das so recht nach; dem Geschmack seiner Gattin Wanda, geborene Komtesse von Czarborinski, war. Eigentlich glaubte die Baronin, die einer uralten polnischen Stavoftenfamilie entsprossen war, eine Mißheirat geschlossen zu haben, als sie dem jLeutnant Hans Joachim von Petershagen die kleine, zierliche, weiße Hand zum Ehebunde reichte. Da aber Hans Joachim damals nicht nur ein schöner Offizier und der gefeierte Liebling der Berliner Gesellschaft war, sondern jauch als mit irdischen Gütern reich versehen galt, so zögerte die kleine polnische Gräfin, in deren Adern wohl königliches Blut wallen mochte, die aber arm wie eine Mrchenmaus war, nicht lange, sondern beglückte Hans 'Joachim mit ihrer Liebe und ihrem zierlichen Händchen. Der Krieg trennte die eben vereinigten jungen Gatten, und als Hans Joachim als halber Invalide zurückkehrte, da trat. ihm Wanda mit ihrem Erstgeborenen auf dem Arme, schöner und lieblicher denn je, entgegen. Die Freude Aber den „Erbprinzen" milderte den Sch,merz über den Abschied Hans Joachims aus dem Militärdienst, und einige Jahre lebte man glücklich! und fröhlich in dem alten Herren- Hause zu Petershagen, aus dessen Feldern, Wiesen und Wäldern der Inspektor Breymann alljährlich ein hübsches Sümmchen herauswirtschaftete. Aber die Fahre änderten sich. Noch zweimal erschien der Klapperstorch im Schloß Petershagen und brachte zwei „Prinzessinnen", Wanda und Ruscha —. dann schied er auf Nimmerwiedersehem Die Baronin aber kränkelte seit der Geburt Ruschas, und als ihr der Spiegel sagte, daß ihre .Schönheit mehr und! mehr Sonntag den 22. September. Nr. 135. 1901 @@@ mH b ÖfäTi. verwelkte, ward sie mürrisch und reizbar, quälte den Gatten mit ihrem Stolz und ihren Launen, als ob er Schuld daran sei, daß ihre Schönheit verblühte, gefiel sich nicht mehr in Petershagen, rerste des Sommers in die Bäder, des Winters nach Berlin und suchte Ersatz für das entschwundene glückliche, fröhliche Familienleben im alten Herrenhause zu Petershagen in dem geräuschvollen/ glänzenden Treiben der Berliner Gesellschaft. Sie veranlaßte ihren Gatten, wieder an den Hof zu gehen und sich als konservativer Abgeordneter in den Reichstag wählen zu lassen. So konnte sie doch fast den. ganzen Winter in Berlin zubringen. Der gute Hans Joachim von Petershagen ließ sich bei Hofe wieder melden und sich zum Reichstagsabgeordneten wählen, einesteils um des lieben Friedens willen, andern- teils aber auch!, weil ihm die Einsamkeit auf Peters-; Hagen mit der Zeit langweilig geworden war und er ess viel vergnüglicher fand, im Kreise von alten Kameraden ber Uhl und Drossel zu sitzen, als daheim im alten Herrenhause von Petershagen mit Hausfreunden eine Partie Skat zu spielen, während seine Gattin in Wohlthätigkeitsst bazaren „machte" oder Frauenheime und Kinderbewa.hr- anstalten „gründete". Dafür erhielt denn Hans Joachim! einen Orden, und die Baronin wurde öfter durch Einladungen zu den intimen Zirkeln der Monarchin oder dieser Md jener Prinzesssin geehrt. Das Leben kostete ab et Geld, viel Geld, zumal auch Eitel Fritz, der junge Dragoneroffizier, das seinige dazu that, das durch Inspektor Breymann verdiente Geld unter; die Leute zu bringen. Inspektor Breymann sah sich schließe lich veranlaßt, mit dem Freiherrn ein ernstes Wort zu sprechen. Das gab nun wieder Zank und Aerger, und beinahe hätte Herr Breymann. gekündigt. Hans Joachim aber gab doch klein 6ei; denn er wußte, daß er ohne Herrn! Breymann verloren war, und versprach dem braven Inspektor, nicht länger als zwei Monate mit seiner Familie im; Winter in Berlin zubringen zu wollen. Die Baronin war sehr ärgerlich« darüber, gab jedoch schließlich nach, zumal da ihre Kränklichkeit zunahm und sie wochenlang an das Zimmer fesselte. Nur eine vierwöchentlichp Badereise; im Sommer bedang sie sich aus. So zog man sich« denn wieder in das alte Herrenhaus von Petershagen zurück; die Baronin lebte in der Erinnerung an ihre früheren Triumphe, die Töchter Wanda und Ruscha hofften von Jahr zu Jahr auf einen Freier, Md Hans Joachim vertrieb sich die langen Sommertage und langen Winterabende mit Kartenspiel, einer guten Zigarre und noch besserem Rotspohn. „Siehst Du, mein Junge", sagte der Rittmeister, als er nach; dem Abendessen mit Eitel Fritz in feinem Zimmer saß, um mit ihm abzurechnen, „Has ist das End« vom Lied: eine leidliche Zigarre und ein Glas Rotspohn .. .und dann die verwünschte Kugel im Bein. —t Na, hoffentlich gelingt es Dir besser im Leben, Mußt nur die Augen 538 500 Mark, sowie der erste Roggen gedroschen ist, bekommst Dn mehr." Er reichte Eitel Fritz mit gutmütigem Lächeln fünf blaue Scheine, die der junge Offizier nervös zusammenknitterte und in die Tasche steckte. „Danke, Papa", sagte er. „Wer wie das alles werden soll, weiß ich wahrhaftig nicht. Vielleicht wäre es das Beste, ich nähme meinen Abschied und legte mich hier inj Petershagen vor Anker." „Mach keine Dummheiten, Eitel Fritz", entgegnete der Rittmeister. „Als Offizier hast Du hundert Gelegenheiten/ eine gute Partie zu machten, hier aus Petershagen nichts Tie Gutsbesitzer ringsum stecken noch tiefer drin, als üfy Ja, wenn Du mit einer Frau kämest, die ein Milliönchen mitbrächte . . -" „Papa?!" r . „Na, na, nur nicht aufbrausen! Was ist denn dabei? — Es cjiebt viele reiche und liebenswürdige junge Damen in Berlin — und Reichtum schändet nicht, und Armut macht nicht glücklich! Ueberlege Dir auch einmal, was Du hier in Petershagen ansangen wolltest. . ." „Arbeiten, Papa!" Hans Joachim sah seinen Sohn mit offenem Munde und großen Augen eine Weile an, als habe er eine neue, wunder-, bare Mär vernommen. Dann blies er den Dampf feinet Zigarre langsam und mit hörbarem Geräusch fort, trank sein Glas Rotwein aus und sagte: Und wovon wolltest Du uns und Derne Schwestern auszahlen? Oder sollen wir auch arbeiten? Ich will Dir einmal ein Rechenexenrpel ausgeben. Petershagen ist ferne 750 000 Mark wert — das ist richtig. Aber es rst belastet mit beinahe 600 000 Mark — bleiben ca. 200 000 Mark. Nun rechne die Wirtschaftskosten dazu — den Haushalt und was drum- und dranhängt — na, was bleibt dann übrrg? —i Kannst Du das ausrechuen, mein Sohn? — Und wenn ich Dir nun wirklich das Gut übergebe — und für die Mädchen nur je 100 000 Mark rechne, — na, und für uns, Derne Eltern 150 000 Mark — was bleibt dann für Dich! übrig? Nichts, mein Sohn, rein gar nichts. — Deshalb eine reiche Heirat oder Verkauf von Petershagen, und wrr ziehen allesamt in das Elend und leben von meiner Rrttmerster- pension mit Kriegszulage. — So, nun weißt Du, wie es steht, und kannst Dich, danach richten. Urrd nun komm zu Mama und den Schwestern, und laß Dir nichts an-, ntcrfcn." Ter alte Herr war aufgestanden und legte seinem Sohn die Hand auf die Schulter. Eitel Fritz war blaß geworden. Er sah mit einem Schlags das Glück seines Lebens in nichts zerstieben, es war ihm, als öffne sich vor seinen Füßen ein gähnender Abgrund, der ihn zu verschlingen drohte. Eine zornig« Empfindung quoll in seinem Herzen empor und erregte seiN Blut, daß es in seinen Schläfen in wilden Schlagen pochte.^ Tas Lächeln, die Worte des Vaters erschienen ihm chnisch und egoistische und unwillig schüttelte er dre Hand des , Also auf mich rechnet ihr? — Ich soll mich verkaufen/ um Euren Leichtsinn gut zu machen?" stieß er zornig hervor. Da flammte es in dem verwitterten Gesicht Hans Joachims auf, und energisch richtete er sich empor. „Du vergißt wohl, daß Tu mit Deinem Vater sprichst?" entgegnete er scharf und streng. „Mach', was ^ willst — so lange ich! lebe, wird uns Petershagen wohl noch ernähren. Später bist Du an der Reihe, für Deine Mutter und Deine Schwestern zu sorgen, und ich denke, em Peters-, Hagener kennt seine Pflicht." , Eitel Fritz schlug die Augen nieder. Glaubst Du", fuhr Hans Joachim fort, „ich weiß nicht/ welche thörichten Gedanken in Deinem Herzen leben? — Hut« Dich diesen Gedanken allzusehr Gewalt über Dich zu geben und um eines schütten Gesichtes willen Derne Pflicht zu vergessen . .." Vater " "Laß nur, mein Junge", fuhr der Rittmeister wieder! . in ruhigem Torre fort. „Was wir zusammen gesprochen haben, braucht kein Dritter zu erfahren. Du bi straft genug, um Deine Pflicht zu erkennen und damit Basta. Er ergriff seinen Krückstock und humpelte schwerfällig : aus dem Zimmer, um sich zu den Damen auf der Veranda! i zu begeben, vffen halten KUfaissett, wenn Dir daZ Glück einmak - ™ ^Die^Armen^es jungen Offiziers leuchteten in eigenem Glanze. Papa, ich habe das Glück schon erwischt", sagte er und seine Augen schweiften zu dem offenen Fenster hinaus auf die wogenden Kornfelder, . die unter dem letzten Strahl der finkenden Sonne wie ein goldenes Meer aufleuchtetem Hatte er doch heute inmitten jener goldigen Fluten sein Glück gefunden! „Alle Wetter, Junge, nimm Dich nur m acht", entgegnete Hans Joachim. „Oftmals meint man, man habe das Glück am Zipfel, aber wenn man dann den Mantel fortzieht, grinst einem nur ein Totenschädel entgegen." . „Welch trübselige Philosophie, Papa! die ist man bei Tir nicht gewohnt." c , Ja, man wird älter — dann kommen einem solche Gedankem Aber siehst Du, Junge, die dreitausend Mark kann ich Dir wirklich nicht geben — Dreymann hat mir heute erklärt, daß er vor der Ernte keinen Pfennig mehr flüssig machen könne." „Das ist mir aber sehr unangenehm, Papa, ich brauche das Geld notwendig. Ich habe in der Frühjahrsrennsaison Pech gehabt..." , , „Solltest diesen teuren Sport ganz aufgeben, mem Sohn. Kostet viel Geld und bringt nichts ein." . „Erlaube mal, Papa, in voriger Saison habe ich 2o000 Mark gewonnen, außer den Ehrenpreisen." , Ja, wo sind aber diese 25 000 Mark geblieben? Rechnest Du die Kosten des Rennstalls dagegen, dann bleiben Dir keine fünf Mark — und dann das Spiel, mein Junge, das verruchte Spiel." Eine dunkle Blutwelle ergoß sich über das Gesicht Eitel Fritzens. In diesem Punkt fühlte er sich! nicht ganz frei von Schuld, wollte er doch die dreitausend Mark gerade zur Begleichung einer Spielschuld verwenden. „Papa, ich versichere Dich ..." „Ach., laß nur, mein Junge. Ich kenne Berlin und das Leben der jungen Offiziere. Na, und ein großes Unglück ist's ja auch nicht, wenn mal ein junger, lebenslustiger Offizier sich verleiten läßt — kenne das! Nur alles mit Sinn und Verstand, Eitel Fritz! Du weißt, Majestät ist ungemein schürf auf das Spiel. Und dann — Du mußt bedenken, ich kann's nicht mehr leisten, wenn Du mal ordentlich hereinfällst. Also Vorsicht, mein Junge. Die dreitausend Mark sollst Du im Lause des Sommers so nach! und nach haben — aber 's ist das letzte Mal, Mel Fritz! Wahr und wahrhaftig das letzte Mal!" So ernst hatte sein Vater noch nie mit ihm gesprochen. Mel Fritz sah nachdenklich zur Erde. „Steht es denn wirklich so schlimm, Papa?" „Na, bei vernünftigem Leben tarnt noch alles gut werden. Der Breymann versteht's, und die Zeiten bessern sich ja auch langsam wieder für die Landwirtschaft. Aber zu außergewöhnlichen Ausgaben langt's nicht mehr, mein Junge. Deine Mutter hat selbst ihre Badereise aufgeben müssen. Sie wollte nach, dem Süden, da ich ihr aber nur einen Aufenthalt auf Rügen oder in Thüringen bewilligen konnte, verzichtete sie ganz aus die Reise. Ihre Laune ist dadurch gerade nicht rosiger geworden." Eitel Fritz war aufgesprungen und ging erregt im Zimmer auf und ab. Mit welchen frohen Hoffnungen war er heute nachmittag heimgekehrt! Ja, er hatte sich fest vorgenommen, mit seiner etwas bewegten Vergangenheit abzuschließen; ein anderer, ein besserer Mensch zu werden — noch einige Jahre wollte er dienen, dann den Abschied nehmen, Petershagen selbst bewirtschaften und seine Else heimführen. Seine Mern konnten dann behaglich tn der Stadt leben, das war ja immer der Wunsch Mamas go wesen — so war sein Lebensplan! Aber zur Ausführung desselben gehörte, daß man in geordneten Verhältnissen sich befand, daß er seine Eltern, seine Schwestern auszahlen oder ihnen doch! ihren Anteil von Petershagen verzinsen konnte. Und jetzt konnte ihm sein Vater nicht einmal die lumpigen 3000 Mark geben? Es sollte ja das letzte Mal sein, das hatte er sich fest vorgenommen, — aber wenn es so schjlimm um Petershagen stand, dann war ja alles in Frage gestellt. „Na, nimm's Dir nicht zu sehr zu Herzen,,-dünge, fuhr Hans Joachim gemütlich fort. „Ein schneidiger Kerl wie Du findet' immer seinen Weg. Hier sind vorläufig 539 Eitel Fritz sank auf seinen Stuhl zurück rmd stützte die Heiße Stirn in die Hand. So blieb er lange sitzen, bis seine Schwester Ruschä hereintrat, aus ihn zueilte und den Arm liebkosend Um seinen Nucken Mang. (Fortsetzung folgt.). ' 1 Bob und Dolly. Eine Manövergeschichte von Alwin Romer. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Gleich nach Beendigung der Parad emarsch-Uebung war Arno von Eschenborn vom Manöverfelde ab g eschwenkt und heimwärts geritten. Die Kameraden, die in einem halb städtisch eingerichteten Gasthofe, der in der Nähe lag, Tafel haben wollten, waren vergeblich bemüht gewesen, ihn zum Bleiben zu überreden. Selbst! Hagenfeld's allezeit spotlustige Zunge, die sich in Erkundigungen gütlich gethan hatte, ob er sich vielleicht „seine Familie" habe Nachkommen lassen, hatte ihm kaum ein Lächeln abgenötigt. Natürlich war auch von diesem und jenem die Vermutung laut geworden, auf dem alten Rittergute müßte Wohl ein junges, schönes Burgfräulein Hausen; aber er hatte sich gehütet, diesen Vermutungen Nahrung zu geben. Ter Geburtstagsbrief für seine Mutter und die Verpackung des hoffentlich nun eingetrvffenen Bildes waren der Wall gewesen, hinter dem er sich sicher verschanzt hatte. Zunächst hatte er sogar selbst geglaubt, reinen andern Grund zu so schleunigem Heimritt zu haben. Bald aber merkte er doch, daß, die Unruhe in seinem Blute durchaus nicht mit der Bummelei seines Photographen znsammeu- Hing, sondern irgend ein geheimnisvoller Truck wie Gewitterschwüle aus seiner Seele laschte. Ter Hof von Kleinkoberstedt kam ihm wie ausgestorben vor, trotz des unbekannten Wägelchens, auf dessen Deckleder die Nachmittagssonne fratzenhaft-spöttische Lichter tanzen ließ. Er warf Stübecken die Zügel zu, und trat in das Haus. Ein fremdes Gesicht zog sich von einem der Fenster zurück, ohne seinen Gruß abzuwarten. „Merkwürdig heute!" dachte er, und stieg leise die Treppe zu seinem Zimmer hinan. Wie er oben eine Thür gehen hörte, blieb er stehen und horchte. Der Schall kam aus dem Seitenflügel, wo die Zimmer der Gutsherrschaft lagen. Nun kam auch ein leichter, leiser Schritt näher, aber nicht halb so flink, als sonst. Und doch wußte er, daß es ihr Schritt war. Ob sie wohl lächeln würde, wenn sie ihn unverinutet auf ihrem Wege fand? Wie einer, der im Aufstieg einmal rasten mußte, setzte er seinen Weg fort, und stand nun vor ihr, ehe sie noch Zeit hatte, die Flucht zu ergreifen. „Grüß Gott, Fräulein 'Dolly!" kam es ihm leise und innig von den Lippen. Sein Gefühl für das herrliche Geschöpf hatte ihn fortgerissen, und zu so vertraulicher Anrede perleitet. „Guten Tag, Herr Leutnant!" sagte sie tonlos, aber Mit zuckenden Lippen. Kein Blick traf ihn dabei, und hastig wollte sie an ihm vorüberschreiten. Ein jäher Schreck zog ihm schmerzhaft durch die Brust. Was war denn vorgefallen, daß sie so bleich und verstört aussah, und verweinte Augen hatte? „Liebes Fräulein Dolly," bat er weich, und ließ sie nicht vorüber. „Sie haben irgend einen Kummer!" „Sie irren sich durchaus, Herr Leutnant!" entgegnete sie herb. Aber so lieh er sich nicht abspeisen. „Warum wollen Sie es mir verschweigen, Fräulein Dolly? Ich nehme so herzlichen Anteil an allem, was Sie angeht! Sie wissen ja noch nicht, — aber vielleicht ahnen Sie es doch, — vielleicht hat Ihnen mein Blick es verraten, was meinen Lippen noch nicht entschlüpfen wollte!" „Nicht weiter, Herr von Eschenborn!" zürnte sie nun, empört über seine Gewissenlosigkeit. Und wie er im Begriff. war, nach ihren Händen zu haschen, entwand sie ihm riefe voll Abscheu wieder, und sagte schneidend: „Rühren Sie mich nicht an, Herr Leutnant, oder ich schreie um Hilfe! Für Ihr Spielzeug bin ich denn doch! wohl noch zu gut!"'" Herrn von Eschenborn war es, als fiele er durch sämtliche sieben Himmel der Moslemiten mitten in deck ärgsten' und greulichsten Höllenpfuhl. „Für Ihr Spielzeug, gnädiges Fräulein?" fragte er, ganz aus der Fassung gebracht. „Wer sagt Ihnen denn—?' „O, verstellen Sie sich nur nicht mehr. Wir, wissen jetzt alles! Und es ist eine Schande, daß ein verheirateter Mann sich so vergessen kann, —" fuhr es ihr heraus.. Aber das letzte Wort erstickte schon in neu aufsteigenden Thränen. „Ein verheirateter Mann?" fragte er, ärgerlich auf- lachend. „Soll ich denn das etwa sein? Wer hat denn den Unsinn aufgetischt?" „Kennen Sie Frau Ober-Steuer-Jnspektor Röstling aus Trimburg?" fragte sie ihn mit vernichtender Schärfe. Er besann sich einen Augenblick lang, und schlug sich dann schallend mit der Hand vor die Stirn. „Ah, da Kfaut's heraus?" fragte er nun, merkwürdig heiter für e feinen Ohren Dvlly's. „Ob ich sie kenne! Natürlich, wenn auch nur aus der Äsenbahn her!" „Ganz recht," erklärte Dolly. „Diese Frau ist meine Freundin, sie erwartet mich jetzt unten!" „Diese arme Frau habe ich neulich schiver belogen, Fräulein Dolly! Ich will ihr sofort Aufklärung geben, und Sie sollen dabei sein. Wer vorher müssen Sie mir erst versprechen, dann auch allen Groll gegen mich fahren zu lassen!" Seine Zuversicht beglückte sie, und wie von einem! Alp befreit, hob sich ihre Brust. „Ader das Mld!" sagte sie plötzlich „Ist es angekommen?" fragte er schnell. „Am Nachmittag! Es wartet unten auf Sie!" „Eine bessere Hilfe konnte mir der Himmel nicht schicken!" lachte er vergnügt. „Kommen Sie nur, liebe® Fräulein, wir wollen es sofort auspacken, und dann werden Sie ja sehen! Versöhnen Sie mir nur die Keine, gute Frau Steuer-Inspektor!" Eisiges Schweigen herrschte im Salon, als die Thür geöffnet wurde, und Eschenborn, doch ein wenig, herlegen den Schnurrbart zwirbelnd, jetzt hinter Dolly etntrat. Nach einer kurzen Begrüßung fragte er sogleich! nach dem Pakete, das für ihn angekommen sei, und indem er sich daran machte, die Fäden und Hüllen davon zu entfernen, sagte er lächelnd und mit einer leichten Verbeugung zu seiner erwartungsvoll dreinschauenden Eisen- bahnbetänntschast: „Lügen haben kurze Beine, gnädige Frau! Ich bin ein arger Schalk Ihnen gegenüber gewesen, und war doch, bei Gott, von keiner schlechten Absicht dabei beseelt! Als nrir Ihre verehrte Frau Gemahlin, Herr Ober-Inspektor, dicht hinter Sedenheim so recht beglückt erzählte, ihr Baby hieße auch Tolly, da schämte ich mich faktisch, und hatte nicht die Kourage, ihr einzugestehen, daß meine Dolly dieser kleine alberne Foxterrier hier wäre!" Tabei drehte er das Bild herum, und zeigte die Gruppe, auf der er zwischen seinen Lieblingen paradierte. „Tas sind ja Hunde! Alle Donnerwetter!" rief der Ober-Inspektor schmunzelnd, und warf seiner Frau einen Siegerblick zu. „Für die kleine Fahrstrecke, dachte ich damals", sirhr der Leutnant fort, „darfst Du Dir schon den Spaß machen, um ihr den Stich ins Herz zu ersparen! Tas übrige können Sie sich jetzt Wohl hinzudenken! Wie ich gar hier in Kleinkoberstedt eine zweite Tolly kennen lernte, kam ich mir geradezu verrucht vor, solchen Namen mißbraucht zu haben! Und das schwöre ich Ihnen feierlich: sobald ich nach Hause komme, werden sie umgetauft, die kleinen Friedensstörer. Vielleicht helfen Sie mir nachher Namen zu suchen; vor allem aber bitte ich jetzt um Verzeihung!" „Eine verdrehte Geschichte!" lachte fröhlich. die Hausfrau, und wie erlöst stimmten sie alle ein. Der Ober- Inspektor schüttelte dem Schalk die Hand, und auch seine so arg hinters Licht geführte Gattin hielt dem um Ver- zeihung bettelnden Blick des Sünders nicht lange stand. „So zu lügen", sagte sie zwar, aber es lag eine gewisse Bewunderung in dem Tvn. An demselben Fenster, wo sie vor etlichen Stunden so entgeistert in den Park hinausgestarrt hatte, lehnte Tolly und beobachtete, wie dieser kriegserfahrene Taugenichts ihr näher und näher rückte. Von der Frau Ober- Inspektor zu ihrem Schwager, von dort zum Ober-Inspektor, nun war er bei ihrer Schwester, jetzt legte er das Bild! 540 — Verein der Bücherfreunde. Ms siebenter Band des zehnten Jahrgangs der Ver- j oisentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde Wchftslmtung: Alfred-Sch all, Königl. Hofbuchhandlung) Derlin W 30, erschien soeben? . Maud. Die Geschichte einer Eh^ Von Valeska Grafm Bethusy-Huc. Preis geheftet 2,50 Mk., gebunden 3,50 Mk. Für Mitglieder des „Vereins der Bücherfreunde kostet .der Band nur 1 Mk. 85 Pf. geheftet und 2 Mk- 2o Pf. ^Gräfin Bethusy-Huc kann sich rühmen,, zu den ge- Lesensten deutschen Schriftstellerinnen zu gehören, ^n dem Romane „Maud" ist die Geschichte der Ehe zwischen einet amerikanischen Milliardärstochter und emem ^deutschen Prinzen von Anfang bis ®ttbe derartig lebenswahr und ^fesselnd geschildert, daß der verwöhnteste Leser von diesem : ^Msp^kte und Satzungen über den „Verein der Bücherfreunde" sind durch jede Buchhandlung und die Geschafts- jeitung des „Vereins der Bücherfreunde ■ Berlin W, 30, W beziehen.; _ auf das Tischchen, das„ ihrem Fenster am nächsten stand, — 1 und NUN stand er nach einer raschen Wendung vor ihr. | „Gnädiges Fräulein, bm ich gerechtfertigt?' ; flüsterte er.. "unt> dar/ich Ihnen nun wieder die Hand drücken?" "und^auch einen respektablen Kuß darauf drücken?" 'Muß das sein?" fragte sie, leise verwirrt, und langsam errötend. , . r „Eigentlich nein!" sagte er, sich aus der schon halb gebückten Lage wieder auftichtend. >,We?iN Sie mir dafür gestatten wollen — - „Herr von Eschenborn!" mahnte sie ihn bestürzt; denn ihr heftig klopfendes Herz wußte wohl, was er gemeint hatte, ohne daß er seinen Satz zu Ende gesprochen.. „Fräulein Dolly", flüsterte er, sich scheu nach den anderen umsehend, die in ein lebhaftes Gespräch geraten waren. „Ihr Kummer .vorhin hat mir mehr verraten, als Sie mir in diesen flüchtigen Manövertagen vielleicht zu- gestanden hätten! Ich weiß jetzt, daß ich em Glückspilz biil, und wenn Sie tausendmal nem sagen! ä Hast Tu mick? lieb, Dolly?" „Ja!" hauchte sie. Ta bückte er sich nieder, und Wßte ihr glühend die schönen schlanken Hände. „Als Abschlag!" flüsterte er dabei und sah sie beseligt an. ä Ober-Steuer-Jnspektors aber fuhren nun doch erst anderen Morgen. :=== ■. Gemernnutzrges. Familiengärten als bescheidene Mithelfer b et d er Lösung der sozialen Frage. Keine Freuden sind reiner, als die, welche uns die Natur bietetz und kein Mensch darf als verloren betrachtet werden, bet! noch Sinn hat für die Schönheiten der weiten Gotteswelst Deshalb muß es das Bestreben aller Menschenfreunde sein/ diesen Sinn dem deutschen Volke zu erhalten, und Freude, und Verständuis für die Wunder der Schöpfung iN den Herzen der Jugend zu wecken. Was wäre aber dazu mehr geeignet als ein Fleckchen Erde, auf dem jeder mit den * »>*»«««•>«« •**in Logogriph. (Nachdruck verboten.) So lang du wandelst auf Erden hier. Gehört das Wort mit 1 auch dir; Mit r jedoch ist cs bekannt Als Stadt im schönen Schwerzerland. ., (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Wortspiels in vor. Nr^r ... Karten Ornat, Pforten, Estrich, Rain, Nestor, Insel, Karn, Manen, Siam. — Kopernikus.