W M yrvj -*| "J. «Ni. ^^DZND M uf grobe Lüge derbe Wahrheit. Sprichwort. (Nachdruck verboten.) Auf der Felsemnsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e u. Erstes Kapitel. Norwegen ist schön, wie es stolz und gebieterisch Fels an Fels aus den Meeresfluten emporsteigt. Weithin leuchten die Firnschneefelder im Frühlingsglanze, ungestüm brechen die rauschenden Ströme sich Bahn durch das ^erwachende Thal, und von Alpe zu Alpe jubelt es h«ll: „Tw Sonne die Sonne!" Und alle, groß und klein, erlen hinaus auv Haus uitb Gehöft auf die nächste Höhe, das Sonnenauge zu grüßen nach langer Winterzeit. — Schon ttt das graue Felsenland mit seinen tiefen Seen, von dunklen Waldern umrahmt: schön in seiner wilden Majestät, wenn d Sturm die schaumgekrönten Wogen gegen die Scharen treibt, und die Nordlichter ihren flackernden wchern auf das unendliche Schneereich werfen, schöner aber noch mi Schmucke des lichten Sommers, wenn es friedlich im Arme des Meeres ruht und lächelnd den Zurückkehrenden empfangt, der in der Fremde fast den Reiz der eigenen Heimat vergaß. Auf dem Verdeck des Dampfers stand ich lange, den Blick unverwandt auf die winkende Küste geheftet, otoet Jahre hatte ich! im Auslande verbracht. Bedeutsam^ und Nichtiges im bunten Gemisch gesehen und neben den Naturwissenschaften, meinem eigentlichen Fache, auch grunDiiM das Kapitel der großstädtischen Vergnügungen studiert. Mitten im Gewimniel der eleganten Residenz hatte niich aber plötzlich ein Heißhunger nach Einsamkeit, nach stillem, ungetrübtem Leben in der Natur erfaßt. Schnell entschlossen, hatte ich mein Bündel geschnürt und zog jetzt dahin, anscheinend planlos und doch- ein bestimmtes Ziel vor Augen. f , Wie die Bilder eines Panoramas glitten die wechselnden Landschaften an mir vorüber: bald öde und unfruchtbar, schroffe kahle Felswände, welche trotzig den Eingang ins Land zu versperren schienen; bald wieder einladend und lieblich! mit Fernsichten über blaue Fjorde, die sich wie breite, glitzernde Bänder zwischen lichtgrünen Wäldern dahinschlängelten. Wir hatten Bergen, diese alte, wunderliche Stadt mit ihren Brücken und' Giebelhäusern, passiert, und immer höher gen Norden ging unser Weg. Der brave Kapitän wunderte sich gewiß im stillen über den schweigsamen Passagier, welcher oft bei ihm auf der Kommandobrücke stand und so gespannt in das Weite starrte, als warte er darauf, daß ihm plötzlich eine Offenbarung zu teil werden solle, welche ihm das Ziel zeigte, das er die ganze Zeit verfolgt hatte. Und richtig! Ta tauchte sie endlich am Horizonte^auf, die graue Felseninsel, auf welcher ich die glücklichen .rage der Kindheit verbracht hatte, ehe die Eltern so kurz hintereinander starben und mich der unbekannte, wortkarge Onkel mit naä- der fernen Stadt nahm. Jahre waren seitdem vergangen, doch lebhaft, als wäre es gestern, stand tn diesem Augenblick der Abschied vor meiner Seele. Noch nie habe ich geweint wie damals. Ich glaubte, das Herz sollte Mir Zerspringen vor lauter Weh, und noch lange nachher mußte ich gewaltig-gegen eine fast unwiderstehliche Regung kämpfen, welche mich an klaren Sommertagen erfaßte und mich aus der engen Stube hinaustrieb in die Berge, Tort I ah ich fa die weißen Segel wie Möwen über die schimmernde Flache des Fjords dahinfliegen, und ungestört durften meine Gedanken ihnen auf der flüchtigen Fahrt folgen. Denn das ist die Zaubergewalt des Meeres, daß derjenige, den sein Gesang als Kind in Schlummer wiegte, niemals dem geheimnisvollen Ruf seiner lockenden Stimme widerstehen """Ich hatte es mir nicht eingestehen wollen, und doch war es die Sehnsucht nach den meeresumrauschten Scharen, welche mich fortgetrieben hatte von all der Herrlichkeit der großen, schönen Welt. Wie unverändert war hier alles! Tort an der Landspitze lag noch die kleine Kirche, grau wie das Gestein, tn das sie hineingebaut war. Geschlecht auf Geschlecht hatte zuversichtlich Wind und Wetter getrotzt, um hierher zu kommen, seinen Gott zu preisen, und vergeblich hatten seit Jahrhunderten die brausenden Wogen es versucht, die ver- witterten Mauern zu zerstören. Nur das Pfarrhaus drinnen an der Bucht, welche tief in die Felseii einschneidet, lag heute hinter Bäumen versteckt. Meine Mutter hatte ine Tannen und Birken einst gepflanzt, und setzt standen sie da, ein kleines Wäldchen, ein Stück Sommer und Poesie inmitten der rauhen Berge, und winkten rnnn Sohne, daß er zu ihnen hinkommen und sich von derjenigen erzählen lassen solle, welche längst in der kühlen, schwarzen Erde ruhte. Eine mir sonst frenide Schwermut hatte sich meiner bemächtigt. Wie durch einen dunklen Schleier sah ich die Insel hervorschimmern, winkend und drohend zugleich wie jene geheimnisvolle Macht, die uns bald zu unserem Glucke, bald zum Verderben mit sich reißt, und die Nur übermütig nur einen Zufall pennen. Emen Augenblick schwankte ich wirklich ob ich meinen Vorsatz ausführen und den Kapitän 350 für mich wenig Verlockendes, ch lieber gleich mit Haut und Nein, so hätten Sie reden müssen: Haben Sie, mein lieber Leuchtturmverwalter Hansen, nicht ein Plätzchen übrig für den Sohn eines alten Freundes?" „Wie durfte ich! es wagen", begann ich verlegen. „Was wagen? So ängstlich! sehen Sie meiner Treu nicht aus", unterbrach mich mein neuer Bekannter unwirsch „Vielleicht ist es Ihnen aber bei uns zu einfach, und Sie wollen lieber im Pfarrhause absteigen? Denn ehrlich hält besser. Tort wird man Sie natürlich! auch mit offenen Armen empfangen und drüben auf dem Festlande beim Kaufmann gleichfalls. Ich habe aber das erste Recht aus Sie, und paßt es Ihnen nicht bei uns, können Sie es ja später noch immer bei den anderen versuchen." Diese Aussicht auf unumschränkte Gastfreundschaft^ in weiter Runde hatte indes genannt." • Mein Freund hatte sich also in seinen alten Tagen verheiratet. Nun, warum nicht? Er mußte zwar jetzt ein Mann hoch in den Sechzigern sein, aber stark und gesund sah er ans, wie jene knorrigen Fichtenstämme, welche mit eiserner Kraft den Angriffen des wilden Nordwindes trotzen. Sie können brechen, beugen werden sie sich aber niemals. Schiffer Hansen, wie ich ihn aus alter Gewohuheit nennen will, hatte eisblaue oder graue Augen, borstige, weiße Haare, welche ganz kurz geschnitten waren, und einen struppigen, Weißen Bart. Er erinnerte wirklich! etwas an jenen mächtigen Meeresbewohner, mit dem wir Kinder ihn zu seinem großen Vergnügen verglichen hatten — an , den brummigen, gutmütigen, wenn gereizt aber gefährlichen Eisbären . So wanderten wir stumm dahin an dem felsigen Gestade entlang. Mochten sich! in der Ferne Wetterwolken drohend zusammenziehen! Ich hatte nur Auge und Ohr für das gewaltige Meer, welches glatt und spiegelblank dalag, während die kurzen, krausen Wellen mit leisem Geplätscher gegen den Strand schlugen und mir die alten Lieder sangen von schönen Seejungfern und stolzen Helden, die jene zu sich auf den Meeresgrund hinunterlockten. So ganz war ich in meine Träumerei versunken, daß ich erschrocken zusammenfuhr, als mich plötzlich eine Hand unsanft an der Schulter faßte und eine barsche Stimme rief: „Sehen Sie sich vor, Mann. Einen Schritt noch, und Sie hätten selbst Gelegenheit gehabt, zu untersuchen, ob der Meereskönig wirklich seine Schätze hier an der Küste' aufbewahrt. Ter eine oder der andere hat im Laufe der Zeiten ein paar Münzen oder einen alten Goldreifen gefunden — natürlich! muß das alles ein Teil des unermeßlichen Hortes sein." „Ich weiß noch, daß unsere alte Magd, die Kari, von ersuchen sollte hier anzulegen. Traurig und leer erschien mit alles und ich mir selbst zum ersten Mal in meinem Leben bedauernswert und vereinsamt. Was suchte ich auf dieser Insel, wo keiner nach mir fragte, von welcher irndji das Schicksal so früh weggetrieben hatte? Tie Wolken ziehen schnell vorüber, und ich lachte über meine abergläubische Schwäche. Eine kleine, reizende Idylle und kein erschütterndes Drama war die Dichtung, die ich hier lesen würde. So luftig erklang das Trillern der Bootsmannspfeife, so friedlich der einfache Gesang der beiden Fischer, welche gerade ihre Netze zum Trocknen in der Sonne aufhingen, während ein Haufen barfüßiger Kinder mit ihren braunen Händchen Steine in die See warf und jubelnd aufkreischte, wenn das Wasser hoch aufspritzte. Unten auf der kleinen, aus aufeinander getürmten Felsstücken gebildeten Mole stand ein hvchgewachsener Mann mit einem runden Strohhut auf dem Kopfe und stieß behaglich dicke Rauchwolken aus seiner kurzen Meerschaum- Pfeife. Die kleinen, scharfen Augen beobachteten voller Interesse das Manöver des Dampfers, und daß ein Passagier ans Land stieg, schien ihn wenig zu interessieren. Ich sage: schien; denn kaum war das schnaubende, schwarze Ungetüm wieder davongedampft, so wandte er sich plötzlich zu mir, der ich unschlüssig, wohin ich jetzt meine Schritte lenken sollte, noch auf demselben Fleck zögerte, und fragte barsch: „Nun, mein Herr, haben Sie ein Gelübde abgelegt, die Steine am Ufer zu zählen, oder was führt Sie hierher, mit Verlaub?" Tie tiefe Baßstimme, das launige Lächeln, welches die strenge Miene des wettergebräunten Gesichtes Lügen strafte - kurz jenes gewisse Etwas, das man sich! nie im Augenblick zu erklären weiß^ rief bei mir den Eindruck hervor, ich! stehe einem alten Bekannten gegenüber. „Ich bin hier fremd und doch nicht fremd", begann ich! unsicher: „das heißt, mein Vater war hier vor Jahren Prediger und--" „Tu meine Güte! Da sind Sie Wohl gar Olaf Ravenskiold", rief der Alte, die Pfeife aus dem Munde nehmend und meine geringe Person einer genauen Musterung unterwerfend. „Was man doch alles erlebt! Ein Staatskerl war er, der kleine Olaf. Segeln konnte er und fischen, wie der beste, und jetzt — zum umpusten, blaß und fein wie ein Mädchen sehen Sie aus." Er schüttelte mißbilligend den Kopf und fuhr seufzend fort: „Ja, die Bücher, die Bücher! die haben schon manchen braven Kerl in die Gruft gebracht!" „Nun, nun", erwiderte ich: lachend, „so schlimm steht's doch nicht. Wir denken noch lange nicht daran, die Pfeife einzustecken — im Gegenteil! Erst frisch gelebt, dann mutig gestorben. Ist die Gesichtsfarbe jetzt nicht blühend zu nennen, so ist das allein die Folge von dem langen Aufenthalt in den heißen, langweiligen Städten und dem vielen Gucken in die großen Folianten. Tie frische Küstenluft wird schon den letzten Rest von Staub wegwehen, der mir die Lunge bedrückte, und da Sie meinen Namen kennen, haben Sie wohl auch die Güte, mir eine Stätte anzugeben, wo der müde Reisende seinen Hunger und Durst stillen kann — mit einem Wort, mir den Weg nach dem nächsten Gasthof zu zeigen!" „Oh heilige Einfalt!" rief der Alte, mich noch immer prüfend betrachtend. „Zwar waren Sie kaum elf Jahre alt, als Sie damals ugsere Insel verließen — aber hier Gasthöfe zu erwarten, das ist doch ein bißchen stark. Derartige Tinge überlassen wir den Bewohnern des Festlandes." Er begann wieder zu rauchen, während er bald mich, bald die Fischerhütten betrachtete. Tie Situation war unerträglich. „Wenn sich auf der ganzen Insel kein Obdach für' den Fremden findet, sollte lieber gleich hier unten ein Schild aufgepflanzt werden mit der Inschrift: Vor Betretung der Insel wird gewarnt"/ ries ich ärgerlich. „Da stehe ich nun und muß vielleicht den ganzen Tag hier in der Sonnenglut bleiben, bis ein Schiff vorbeikommt, das so mitleidig ist, mich wieder mitzunehmen." „Nicht so hitzig, mein junger Freund", sagte der alte Herr. „Wer wird gleich aus der Haut fahren! Wenn einer, fo hätte ich das Recht dazu; denn, das muß doch einen alten Kerl wurmen, wenn er sieht, daß die Jugend ganz vergessen hat, wie in Norwegs Land stets das Gastrecht heilig gehalten wurde. Warum sofort nach Gasthöfen fragen? und ich- beschloß daher, mich lieber gleich mit^Haut und Haaren meinem neuen oder richtiger alten Freunde zu übergeben. Ich entsann mich recht gut eines Schiffers Hansen, der manchmal im Winter mit meinem Vater Karten spielte und uns Kindern, die wunderbarsten Geschichten erzählte. Daß ich sofort jemanden getroffen, der einst im Elternhause verkehrt hatte, schien mir außerdem ein gutes Vorzeichen, und in die dargebotene Äand einschlagend, rief ich schnell entschlossen: „Mit Tank, nehme ich , Ihr An- erbieten an. Vorerst müssen Sie mir aber erzählen, wie Sie dazu kamen, die Kauffahrteifahrt einzustellen und die Laterne des Leuchtturmes zu hüten. Ich weiß noch, wie oft Sie uns von Ihren Fahrten nach Spitzbergen und von den vielen Eisbären erzählten, welche Sie dort erlegt hatten." „So, so. Sie haben wirklich den ,Onkel Eisbär', wie -Ihr Kinder mich! alle nanntet, nicht vergessen?" sagte Schiffer Hansen sichtlich erfreut. „Jetzt kommen Sie aber. Ihre Sachen können Sie ruhig liegen lassen. Diebe giebt es Gott sei Dank hier nicht, und ich lasse bald alles holen. Tort aber", er deutete mit der Hand gegen Westen, „sehe ich eine Wolke, die dem Ange des Seemanns nicht gefällt. Es giebt ein Gewitter, wenn nicht alle Zeichen trügen, und da muß der Kapitän nachsehen, daß auch alle Mann an Bord sind. Es hätte meiner Gunhilda einfallen können, fortzugehen und ---" „Gunhilda", wiederholte ich! erstaunt. „So hieß; doch, Ihr Schiff, wenn ich nicht irre!" „Ganz recht, ganz recht", sagte er plötzlich, ein rascheres Tempo einschlagend, als hätte er jetzt keine Lust, das Thema weiter zu erörtern. „Ich habe das Mädchen nach dem Schiffe — 351 einem Meermann erzählte, den ihre Mutter einst am Strande gesehen habe" erwiderte ich, eifrig bemüht, ihm zu zeigen, daß ich mich noch gern der Sagen unserer Insel erinnerte. „Er versprach ihr die herrlichsten Kleinodien, wenn sie die Seine werden und ihm durch ihre Liebe eine unsterbliche Seele verleihen wolle — als sie aber das Zeichen des Kreuzes machte, sah sie ihn, traurig und drohend die Hand gegen sie erhebend, in die Wellen versinken. Tas Gold, das er ihr zu Füßen gelegt, verwandelte sich aber in grünen Schlamm." „Weibergeschwätz!" sagte mein Begleiter mit einer Heftigkeit, welche mir die geringfügige Sache nicht zu verdienen schien. „Man spricht von Aufklärung, von allgemeiner Bildung — Prosit Mahlzeit! Hier wissen wir wenig von diesen Errungenschaften der Neuzeit. Hier glauben unsere Leute noch steif und fest an Seejungfern und Meermänner — ja, 'sie behaupten gar, — diese unheimlichen Wesen vermöchten eine Zeitlang Menschengestalt anzunehmen und lebten dann ganz vergnüglich unter uns!" „Eine Anschauung, welche tief in dem alten heidnischen Glauben der Väter wurzelt und mit Sagen von Werwölfen und ähnlichen Vorstellungen zusammenhängt", sagte ich begütigend. „Sie wollen noch die Tummheit beschönigen", rief er, mir einen halb argwöhnischen, halb drohenden Blick zuwerfend. „Sie würden am Ende gar einem Schwätzer Glauben schenken, der Ihnen sagte, hier auf der Insel Hause eine Seejungfer, die, wie fromm sie sich auch zu stellen vermag, doch im Stillen ihre gottlosen Zauberkünste treibt, weil sie es nun einmal nicht lassen kann?" (Fortsetzung folgt.) Segelsport. Von Alfred Stavenhagen. (Nachdruck verboten.) Während den Radfahrer der erste schöne Frühlingstag auf die Rennbahn lockt und auch die Pferderennen beginnen, sobald der Turfplatz sich mit dem keimenden Grün des Rasens bedeckt hat, tritt der Wassersport erst dann in seine Rechte, wenn die Sonne ihren höchsten Stand am Himmel fast erreicht hat. Die Herren Studiosen von Oxford und Cambridge haben ihren berühmten herkömmlichen Ruderwettkampf zwar auch bereits im zeitigen Frühjahr ausgefochten, aber für die großen Ruderregatten und Segelrennen beginnt die Saison erst um Mitte Juni, um dann freilich sofort auf den Gipfelpunkt zu steigen. Der Wassersport ist im allgemeinen ein Kind der Neuzeit. Zwar ordnete schon im Jahre 1315 der große Rat der Republik Venedig die Abhaltung von Ruderwettkampfen an, um die Jungmannschaft der Königin der Adria -mit dem Wasser vertraut zu machen, in dessen Beherrschung ihre Größe lag; eine allgemeine Verbreitung haben diese Rennen aber doch erst von der Zeit an gefunden, als die führende Herrschaft zur See auf den kräftigen germanischen Norden überging. Die ersten '.Anfänge des Segelsports haben wir in Holland zu suchen, und zwar um jene Zeit, da dessen thatkräftiges, kleines Volk seinen Verzweiflungskampf gegen die Mordbanden des finsteren Philipp II. von Spanien und seines Nachfolgers führte. Von dort, wo bie Natur den Menschen allerdings förmlich- zwingt, sich in der Beherrschung des nassen Elements zu üben, wurden die ersten Lustsegelfahrzeuge zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach! England gebracht. Der erste Segelklub wurde jedoch nicht im engeren England, sondern in Eork in Irland als „Cork Harbour Water Club" gegründet, nachdem erst recht langsam und erst von der Mitte des 19. Jahrhunderts in schnellerem Tempo ähnliche Vereinigungen folgten. Heute aber huldigen im sportliebenden Großbritannien rund 300 Vereine dem Segelsport, und verfügen über ein Schtffsmaterial von etwa 5000 Segelyachten größerer und kleinerer Art, in welchen ein Kapital von mindestens 30 Millionen Mark angelegt ist. Deutschland, welches nach den längst entschwundenen, ruhmvollen Zeiten der Hansa durch die Ungunst der Verhältnisse Jahrhunderte lang gezwungen war, das Aschenbrödel unter den seefahrenden Nationen zu spielen, steht an Zahl der Vereine und Fahrzeuge natürlich noch heute unendlich weit gegen England zurück, und wird dieses wegen seiner beschränkten Küstenentwickelung auch nie erreichen. Hier kam es auch erst am Anfang der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts zur Gründung des ersten Segelklubs, und zwar in Hamburg, wo'vvr zwei Menschenaltern fast das ganze Seewesen des deutschen Volkes seinen Mittelpunkt hatte, und als ältester deutscher Segelverein sich bildete. Ter Doyen unter den heute bestehenden ist der im Jahre 1855 zu Königsberg in Preußen gegründete Klub Rhe, während ganz Deutschland heute 34 Segelveveine mit über 1000 Pachten zählt, von denen sich 21 Vereine mit rund 650 Pachten zu dem im Jahre 1888 gegründeten t eutschssn lseglerverbande zusammengethan haben. Dieser Veroand hat in ähnlicher Weise organisatorisch und reformatorisck gewirkt, wie der Verein deutscher Eisenbahnen; denn e) so wie für Form und Dimension, Kuppelungen und be-. Signaldienst und noch viele andere Betriebsvorrichtungen vom äußersten schwedischen Norden bis zum Schwarzen Meere und Sarajewo heute die Grundprinzipien die gleichen sind, gelten auch für das Segelwettfahren gegenwärtig in Deutsch- iand, Dänemark, Norwegen und zum Teil auch in Schweden und Oesterreich die gleichen Regeln. Tie Landratte, welche zum ersten Male einer großen Segelregatta beiwohnt, wird erstaunt sein, daß keineswegs immer das erste durch das Ziel gehende Boot Sieger ist. Tas hat jedoch seine guten Gründe; denn von zwei im übrigen gleichen, aber verschieden großen Pachten segelt, wenn die Führung in beiden Fällen auf der Höhe steht, die größere dank der besseren Verwertung ihrer größeren Segelfläche schneller, und es bedarf daher einer besonderen Berechnung, der sogenannten Pachtvermessung, um . die Stärke der Fahrzeuge gegeneinander abzuwerten und einen einigermaßen sicheren Vergleich! zu gestatten, nach welchen: den kleineren Fahrzeugen eine Vergütung gegenüber den größeren gewährt wird. Früher waren hierfür nur die Länge, Breite und Tiefe des Rumpfes maßgebend. Seit Mitte der 80 er Jahre des verflossenen Jahrhunderts zieht man aber auch die Segelfläche mit in Betracht, und außerdem wird auch die zu Beginu des Rennens herrschende Windstärke mit in Rechnung gestellt. Tie Folge dieser verschiedenen Meßverfahren war natürliche, daß die Konstrukteure sich bestrebten, die neu zu erbauenden Fahrzeuge diesen Meßformeln in der günstigsten Weise anzupassen. Aus diesein Grunde bevorzugte mau in den 70 er und 80 er Jahren die langen, schmalen und tiefen Pachten, während man bis vor kurzem wieder breitere Fahrzeuge baute, denen man jedoch zur Verhütung des Umschlagens schmale messerartige und tiefreichende Kiele gab. Auch heute hält man noch an breiteren Schiffsrümpfen fest; doch hat man jetzt fast durchweg die brettartigen Kiele durch Metallplatten ersetzt, an deren unterer Flächx schwere Bleiwulste hängen. Auf den meist flachen Binnenseen wäre jedoch die Verwendung dieser tiefreichenden Kiele wegen der Gefahr des Auffahrens bedenkliche und man rüstet deswegen die Pachten mit beweglichen Kielen, den sogenannten Kielschwertern aus, welche durch einen Einschnitt in den Schiffskörper entsprechend der größeren oder geringeren Wassertiefe herabgelassen und heraufgezogen werden können. Dafür gestatten die ruhigeren Binnengewässer die Benutzung einer- größeren Segelfläche als sie aus offener See mit deren starken und heftigen Winden möglich ist. Wenn es sich nicht um Fahrten über sehr große Entfernungen wie bei dem vorjährigen Segelrennen von England bis Helgoland handelt, wird der Kurs nach! Möglichkeit so gelegt, daß sämtliche Segel zur Verwendung kommen müssen, über welche die Pacht verfügt, und daß ein erhebliches Stück gegen den Wind aufgelreuzt werden muß. In dem Nehmen der Wende- und Trehpunkte, die meist durch Bojen oder Dampfer gekennzeichnet sind, und wobei unmittelbar nach dem Passieren des Drehpunktes Segelstellung und Steuerlage gewechselt werden müssen, zeigt sich die ganze Kunst in der Beherrschung dieser Fahrzeuge, deren Insassen, wenn bie Pachten sich soweit auf die Seite legen, daß sie den Boden zeigen, der Laie in zorniger Angst im nächsten Augenblick schon ins Wasser geschleudert glaubt, während sich das Fahrzeug, welches momentan dem Wiuddruck gehörte, sofort wieder aufrichtet und im neuen Kurse durch die Wellen schießt. 352 * o u E S c M L U S H R A G I R N P E T E G A S u w Tkataufgave. Nachdruck verboten. (a b c d die vier Farben; A Aß; K König; fl Dame Ober; 1 B Bube, Wenzel, Unter; V M H die tret Spieler.) M, der Mittelhandspieler, behält Wendespiel avf folgende Karte: a, b, c, dB, aK; b9, 7; cA; dK, D. neten Stromufer, daneben die Ansichten etwas größer in Medaitlonformat. Erläuterungen hierzu finden sich aus der Rückseite, ferner Hinweise auf das echte Liebig s^Hleisch- Ertrakt, das, besonders für Touristen unentbehrlich, schon jo' manchen ermüdeten Reisenden in kleinen Ortschaften rasa? zu einer Tasse stärkender Fleischbrühe verholsen hat, dem besten Labsal für Erschöpfte, wie namentlich Freunde körperlichen Sports stets dankbar bezeugen. Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummer: Er wmdet aD, findet noch bA und drückt dK D. ®k Karten sitzen fo unalücklich daß der Spieler mit Schneider verliert. Die Segncr er holten9 91 Die Trümpfe saßen verteilt. V hatte kein Aß und 22 Augen weniger in der Karte als H. Wie saßen die Karten? Wie ging das Spul. (Auflösung in nächster Nummer.) Mein Kind. - . Seine körperliche und geistige Erziehung von der Geburt . I bis zum Eintritt ins Leben. Bon Gertrud Moldzro, geb- .kcte. L : i - - - g, Th. Griebe n's Verlag (L. Fer- nau> 1900. Preis geh. Mk. 1.— kart. 1.20 Mk Erfahrung ist bekanntlich des Lebens bewährteste- Lehrmeisterin. Der warme Wunsch, zu helfen, hat der Verfasserin, glücklicher Mutter sechs blühender Kinder, die Feder in die Hand gedrückt, Herz und Verstand haben sie Inckl ' I ihr geführt, um in Erfüllung des Tichterwortes: Edel sei Friedlich liegen zwischen diesen drohenden Zerstör- der Mensch, hilfreich und gut Genüge zu^ finden. Man darf nnaswerkzeugen des Seekrieges die Rennyachten mit ihren I die Mutter solcher Linder begluckwunscheu und Iebe . ' koketten schlanken hellangestricyenen Körpern, den hoch bedürstigen Mutter empfehlen, sich von jener erfolgreich aufraqenden Masten. Ueberall die höchste Sauberkeit und I beraten zu lassen. ------------ Eleganz; blankpoliertes Holz und blitzende Metallbeschlage; I Gemeinnützige». ausgesuchte Betakelung, deren dünner, aus der Ferne wn I peim tior Fäulnis zu bewahren. Ein Spinnweben wirkende Betakelung niemand ihre zähe Festig- I Mittel zur Verhütung des Faulens, wodurch der feit ansieht; darüber die bunte Bewimpelung der Flaggen- K'LÄfit Sjtt. ihm während des Kochens gala und dazu die nach der Laune des Besitzers oft recht Leim I " Kilogramm Leim 10 operettenhaft bunt gestaltete Kleidung der Mannschaft - unter beM digem Ruyren ^e vorher in 200 Gramm Wenn aber erst die kleinen Yachten auf den von einer Gramm Sal eylsanre zuzu,epen - ^rg.) frischen Brise gepeitschten Wellen dahmrennen, dann ist nasser gelost wuroe. die schon bei ruhigem Wetter nicht einsache Leitung der- I vermischtes. i iben durchaus kein Kinderspiel; denn der Führer hat Rhein, -an den Rhein" (wie es im unendlich vieles zu gleicher Zeit zu beobachten, das Fahr- I " Volksliede heitzts ist jetzt die Losung Tausender, die zeug im richtigen Kurse zu halten, den verwickelten Vor- I ^ach^dem schönsten deutschen Strom planen, schicksten des Rennregelements Rechnung §u tragen, ba» cme 3al)rt erwartenden Herrlichkeiten bietet die Wenden zu überwachen, und vor allem darnach zu trachten, I foeben erschienene Serie sog. Liebig-Bilder: „Ter wie er dem Konkurrenten durch etn glückliches Maiwver I Gingen bis Koblenz, Panorama aus her Vogel- den Rang ablaufen kann. Hierzu aber gehört eisige lfiuhe | Ansichten von anliegenden Ortschaften und und fester Mannesmut, und darum ist der Segelsport auch I schau, Zie Kärtchen sind originell; untereinander ein vorzügliches Mittel zur Heranbildung des seemännischen Bu g . n eine uebersicht der vorher bezeich- Nerfonals der Zukunft, welches dem deutschen Namen den I gelegt, ^g s;« 1-rmns arofier ili alten guten Klang wiedergewinnen soll, den es besaß, I ehe es in seiner territorialen Zerrissenheit sich- von feinen I Nachbarn überflügeln ließ. I Ein glückverheißendes Zeichen ist es, daß auch vom I Binnenlande alljährlich eine immer steigende Zahl Segel-1 nachten zu den großen Seeregatten kommt, und es har wohl selten einen größeren Jubel in Seemannsherzen oegeben, als da im vorigen Jahre in „Rakete von Kuster- inann in München, das erste bayerische Segelboot auf den nordischen Wassern während der Kieler Woche ihr glanzendes Debüt feierte. Ter Segelsport ist kein billiges Vergnügen. Er kostet dem, welcher ihn ausübt, viele Tausende. Freilich ist er bei uns noch lange nicht so kostspielig, wie tn der amerikanischen Union, wo große Luftyachten, welche snr wochenlange Fahrten mit allem erdenklichen Luxus und aller Bequemlichkeit ausgerüstet sind, hunderttausende von Mark kosten und Zehntausende für die Entlohnung des Personals draufgehen. Dafür hat sich aber der Segelsport auch von allem' Anfang an auf den glücklichen Standpunkt stellen können nur' Mitglieder von Vereinen zuzulassen, welche den Wassersport aus Liebhaberei und eigenen Mitteln betreiben Auch wird nicht mehr um Geldpreise, sondern nur um Ebrenpreise gestartet. Damit ist aber die ekelhaste Sippe' von Reklamefahrern ausgemerzt, die einen Krebsschaden des Radfayrsports bilden, häufig nur zum größeren Ruhme der Fabrikanten der von ihnen benutzten Rader fahren, meistens von diesen auch dafür honoriert werden, während das gutmütige, gläubige Publikum, das Räder kauft oder Sportplätze besucht, schließlich doch die ganze Sache bezahlen muh. , ,, Wie nach dem Rade das Automobil kam, so steht Obwohl man bei den Segelregatten auf der Unterelbe l auch beim Masserkort im-.^rgEde der^Zu^uft eme und der Außenalster bei Hamburg, auf dem Müggelsee nno I neue, onirnen e lästigster Maschinen werden binnen her Tabme bei Berlin, tn Bremen, Königsberg und Stettin I Fortschritte iin ^au iui|ug|ic reitlaen deren immer vollendete Seglerkunst beobachten kann, ist doch ohne weniger^ahr^ den Bau olch L ftschfl ^Epssahrzeuge Zweifel der hervorragendste Sportplatz für ganz Zeutsch- I . g Twwr Sport wird zwar nie die land und einen großen Teil des germanischen Nordens die I h Seaelns bieten bei welchem von dem momen- KL ÄÄÄBUSÄ& b°'stuch»d auf H. »o-.Ichri.l- M mit prächtigen, bis hart an das Ufer reichenden Waldungen, | Wassersports muten. _ die wundervolle, den tiefsten Schatten spendende Dustern- broker Allee mit den dahmterliegenden, schmucken Villenvierteln, die zu Studien und Vergleichen anreizende Anwesenheit sämtlicher Schiffstypen der deutschen^Marine . von den zierlichen Dampferbarkassen und den blitzschnell l zur Megeda Leipzig durch, das Wasser schießenden Torpedobooten bis zu den 1 1Qnn ST!rp,s mächtigen Eisenfestungen der Hochseepanzer, dazu eme reiche,^blühende Stadt von mehr als 100 000 Einwohnern. das alles gießt ein Bild, welches auch, den Binnenländer, der erst einmal dort war, immer wieder an die „Waterkant Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch- und Steindruck-r-i (Pietsch Erben) in Gießen.