1901 B@8 W jJWsbs r- L MMK M •lii 3 tonn die Ehre dieser Welt Dir feine Ehre geben; Was dich in Wahrheit hebt nnd hält, Mich in dir selber leben. Wcnn's deinem Innersten gebricht An echten Stolzes Stühe, Ob dann die Welt dir Beisall spricht, Ist all dir wenig nütze. Das flncht'gc Lob, des Tages Nnhml Magst dn dem Eitlen gönnen; Das aber sei dein Heiligtum: Vor dir bestehen können. Theodor Fontane. (Nachdruck verboten.) Gesprengte Fesseln. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Neuntes Kapitel. „Noster!" „Herr Stadtrat!" „Gehen Sie hinüber in das Bureau dev.Herrn b-.en- banten Lindemann. Und wenn er anweseno ist, jo richten iSie ihm meine Empfehlung aus, und ich ließe mich nach seinem Befinden erkundigen." „Sehr wohl, Herr Stadtrat!" Pünktlicher als sonst war der Kämmerer an diesem Nachmittag in seinem Arbeitszimmer erschienen Aber er setzte sich nicht an seinen Schireibtisch, sondern blieb Mit aus dem Rücken verschränkten Händen am Fenster stehen, bis der Magistratsdiener zurückkehrte. Nun?" „Der Herr Rendant läßt ehrerbietigst danken, und es 'ginge ihm schon wieder ganz gut. Das heißt, er sagt so. Ansehen thut man's ihm wahrhaftig nicht." „Was sieht man ihm nicht an?" ',®te Gesundheit. — Wie ein Gespenst — Herr Stadtrat wie ein leibhaftiges Gespenst." , Nun, er selbst muß doch wohl am besten wissen, tote ter sich befindet. — Ist der Herr Oberbürgermeister ttn Hause?" „Jawohl, Herr Stadtrat!" „Melden Sie mich bei ihm an! Ich bitte um eine kurze Unterredung in eiliger Sache." Noster hinkte davon und kam mit dem Bescheide zurück, der Herr Oberbürgermeister würde sich freuen, den Herrn Kämmerer zu sehen. Ludwig Ignatius atmete tief auf und rückte seinen Halskragen zurecht, tote wenn er ihm heute enger wäre als sonst. Dann begab er sich festen Schrittes in das Arbeitskabinett des Stadtoberhauptes. Er war nicht feige, und da der Berzweiflungskampf um Ehre und Ezn!>enz nun einmal unvermeidlich geworden war, wollte er ihn auch auf der Stelle beginnen. Eine volle Stunde verging, ehe er wieder in das Vor- zimmer hinaustrat. Sein Gesicht war dunkel gerötet, aber seine Haltung war aufrecht und seine Miene die eines Mannes, der mit seinem Erfolge zufrieden ist. Der alte Noster mußte sein lahmes Bein abermals in Bewegung setzen und den Aendanten zur Entgegennahme eines Aus- träges zu feinem Vorgesetzten bescheiden. Als Lindemann gehorsam ans der Schwelle des Arbeitszimmers erschien, schickte der Kümmerer den Diener mit der Weisung hinaus, daß er vorläufig für niemand zu sprechen sei. Dann deutete er auf einen Stuhl. „ „ , „Setzen Sie sich! Bitte — ohne Umstande! Sie sehen noch herzlich schlecht aus, und ich habe kein Interesse daran, daß Sie sich durch langes Stehen über Ihre Kräfte an- strengen. Wollen Sie ein Glas Wein trinken?" Der Rendant, der sich augenscheinlich in der ^.hat kaum auf den Füßen erhalten konnte, machte eine bescheiden abwehrende Bewegung. , Ich danke ergebenst, Herr Stadtrat — das vertrage ich in solchen Fällen am allerwenigsten." „Na, wie Sie wollen. Ich habe soeben Ihretwegen mit dem Oberbürgermeister gesprochen. Es war ein harter Strauß: denn der neue Herr läßt sich nicht leicht von einem einmal kundgegebenen Vorhaben abbrtngen. Uber er sah, daß auch ich diesmal entschlossen war, an meiner Ansiwt festzuhalten, und der Gegenstand schien ihm oenn doch nicht bedeutend genug, um ihn zur Ursache eine, Konflikts innerhalb des Magistratskollegiums zu machen. Die Verwaltung des Stiftungsfonds wird Ihnen also m'icht ab- genommen werden. Es bleibt damit vorläufig allev beim Lindemann, der auf der äußersten Kante de» angebotenen Stuhles Platz genommen hatte, drückte tn freudiger Erregung die Handflächen zusammen. „Wie soll ich Ihnen dafür danken, Herr Stadtrat. — O, mein Gott, wenn das Schreckliche vielleicht doch noch abgewendet werden könnte — —" „Still! Kein überflüssiges Wort! Wir sind hier nicht in unseren vier Wänden. Ich werde fetzt zum Polizeipräsidenten fahren, um mich über die Angelegenheit des fluch tigen Jrmisch informieren zu lassen. Und ich will hoffen, daß Ihre Vermutung hinsichtlich der von ihm geübten Vorsicht sich bestätigt. Haben Sie Mir sonst noch etwas $ sLindemann begann zu hüsteln wie immer, wenn es ihm schwer fiel, auszusprechen, was er auf dem Herzen hatte. Endlich sagte er leise nnd beklommen: . W Meine Tochter ist an diesem Vormittage bei Ihnen 666 gewesen, Herr Stadtrat — und Sie haben ihr alles gesagt, nicht wahr?" „Sie bestand darauf, die Ursache Ihrer Aufregung zu erfahren, und da sie ein sehr vernünftiges Mädchen ist, schien es mir am besten, ihr nichts zu verschweigen." „Sie nennen sie ein vernünftiges Mädchen" — und die heißen Thränen rannen dabei unaufhaltsam über die eingefallenen Wangen des Sprechenden — „und in Ihren Augen mag sie ja auch Wohl nichts weiter sein als das. Für mich aber ist sie ein Engel des Trostes und der Gnade — eine himmlische Lichtgestalt — o, wenn Sie ungesehen hätten zugegen sein können, als sie zurückkam — wie sie mich erst mit ihren beiden Armen umfaßte und ihr Gesicht an meine Wange legte, ohne etwas anderes zu sprechen als „Mein lieber, lieber Vater!" — und wie sie mir dann! ins Ohr flüsterte, daß sie mich niemals verlassen, daß sie alles mit mir tragen wolle — wie sie — —" Seine Stimme brach, und seine Worte verloren sich in ein unartikuliertes Schluchzen. Ludwig Ignatius aber benutzte diese Gelegenheit, um dem für ihn sehr unbehaglichen Gefühlserguß ein Ende zu machen. „Sie sehen also, daß ich recht daran that, Ihre Tochter über die Sachlage aufzuklären. Sorgen Sie nur, daß sie reinen Mund hält. Und nun kehren Sie in Ihr Bureau zurück. Sie können ja vielleicht heute abend eine Stunde früher nach Hause gehen. Morgen aber müssen Sie wieder auf Ihrem Posten sein. Man darf sich nicht zum Sklaven seines Körpers machen, und mit einiger Energie läßt sich da viel ansrichteu." Er winkte entlassend und klingelte nach dem Diener, um Lindemann an weiteren unbequemen Vertraulichkeiten zu hindern. Eine Viertelstunde später fuhr er nach dem Polizeipräsidium, und nach einer langen Unterredung mit dem Kriminälkommisfarius, der die polizeilichen Ermittelungen in Sachen des flüchtigen Jrmisch bewirkte, kehrte er in seine Wohnung zurück. Er hatte den Eindruck gewonnen, daß auch von dieser Seite her eine unmittelbare Gefahr nicht zu fürchten sei, und sein sanguinisches Temperament ließ ihn die Dinge jetzt bereits viel hoffnungsvoller ansehen, als vor einigen Stunden. Vollkommen unbefangen begrüßte er seinen Sohn, und in seinem rosigen Antlitze zuckte keine Muskel, als er ihm bei Durchsicht der soeben eingegangenen Postsachen einen Brief von zierlichem Format überreichte. „Das ist für Dich, Herbert — vielleicht von Deiner Brant." „Allerdings — es ist Margaretens Handschrift", sagte der Assessor einigermaßen überrascht. „Was mag sie mir nur zu schreiben haben?" Er trat unter den Kronleuchter und löste den Umschlag. Hilde, die bis dahin im Zimmer gewesen war, wurde von ihrer Mutter eben jetzt in das Nebengemach gerufen, und der Kümmerer vertiefte sich sehr angelegentlich in die Lektüre einer Zeitung. Aber er begriff nicht das Mindeste von dem, was er las; denn mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte er auf die erste Aeußerung Herberts, die ihm ver- raten sollte, wie er den Absagebrief seiner Verlobten aufnahm. Es dünkte ihn fast unbegreiflich, daß auch nach; Verlauf von Minuten noch kein Ausruf der Ueberraschung, des Schreckens oder des Zornes hinter ihm laut wurde, daß er noch immer nichts anderes vernahm als das leise Knistern des Papiers, wenn der Assessor den Briefbogen wandte, nm mit Sein Lesen der vier eng beschriebenen Seiten, deren Inhalt er doch nun fürwahr bereits hinlänglich kennen mußte, von neuem zu beginnen. Fast litt es den Horchenden vor ungeduldiger Spannung nicht mehr in feinem Stuhl, und die gedruckten Buchstaben begannen einen tollen Wirbeltanz vor seinen Augen aufzuführen. Da endlich klang etwas wie ein schwerer Atemzug an sein Ohr und unmittelbar darauf das Geräusch eines sich hastig entfernenden Schrittes. „Mas gtebt's denn, Herbert? Willst Du noch vor dem Abendessen ans geh en? „Ja. Und ich bitte Erich, nicht auf mich zu warten; denn ich komme wahrscheinlich erst sehr spät nach Haus." Damit fiel die Thür hinter ihm zu, und der Kämmerer hatte nicht den Mut, beit Enteilenden durch eine weitere Frage auf§u§alten. „Er geht also doch zu ihr!" dachte er mit einer Empfindung lebhaften Unbehagens. „Nun wird es sich entscheiden. Wenn ich nur wüßte, was sie ihm geschrieben hat! Sie schien ja vollkommen gefügig; aber der Teufel traue einem ver- liebten Frauenzimmer."-- Da auch Felicia heute in dem Familienkreise fehlte, gab es ein sehr stilles Abendessen. Denn der Hausherr war sichtlich übelgelaunt, und die Stadträtin, die in seiner Gegenwart ohnedies immer wie ein scheues und verängstigtes! Vögelchen dasaß, schien die Gabe der Sprache jedesmal ganz und gar zu verlieren, sobald sie auch nur das kleinste Wölkchen auf der Stirn ihres Gebieters gewahrte. Hilde hatte zwar die Absicht gehabt, einige auf den Doktor Müller bezügliche Fragen an ihren Vater zu richten; aber in dieser schwülen Atmosphäre entsank ihr der Mut dazu, und sie war herzlich froh, als der Stadtrat mit einem kurzen „Gesegnete Mahlzeit!" seine Serviette auf den Tisch legte, um gleich darauf das Speisezimmer zu verlassen. Sie hatte sich schon in ihr Schlafstübchen zurückgezogen, als sie Herbert heimkehren hörte. Er wechselte auf dem Gange einige Worte mit dem Hausmädchen, das ihm geöffnet hatte, und Hilde wunderte sich über den sonderbar veränderten^ rauhen Klang seiner sonst so freundlichen und wohltönenden Stimme. Aber sie verstand nicht, was er sagte, und gleich darauf wurde es still. Auch der Kämmerer hatte in seinem Arbeitszimmer! den Heimkehrenden gehört, und er kämpfte mit der Versuchung, hinaus zu gehen, damit er seinem Sohne scheinbar zufällig in den Weg treten und auf solche Art der quälenden Ungewißheit ein Ende machen könne, unter der er nun schon seit Stunden litt. Aber er durfte sich den Vorwand sparen; denn durch das Vorzimmer kam ein schwerer Schritt, und gleich darauf stand Herbert in der Thür,. „Guten Abend, Vater! Hast Du ein paar Minuten für mich übrig?" Schon der Ausdruck, mit dem er das sagte, verriet dem Stadtrat, daß sein Sohn sich in düsterster Stimmung befand, und er war geneigt, das für ein gutes Zeichen zu nehmen. Er bejahte freundlich und wandte dem Assessor sein Gesicht mit jenem Ausdruck erwartungsvollen Wohlwollens zu, das er feinen Zügen besonders bann zu geben pflegte, wenn er von vornherein entschlossen war, einen Bittsteller abschlägig zu bescheiden. Es brachte ihn auch nicht aus der Fassung, als Herbert in raschen, hastig hervor- gefloßenen Worten fortfuhr: „Man sagt mir, daß Margarete heute bei Dir gewesen sei. Was hat Dich veranlaßt, es mir zu verschweigen?" „Solltest Du Dir diese Frage nicht selbst beantworten können, mein Sohn? — In die Angelegenheiten eines Liebespaares soll man sich nicht eimnischen. Und ich durfte ja auch annehmen, daß Du von ihr selbst erfahren würdest, was ich Dir hätte sagen können." „Also sie war wirklich gekommen, um Deine Vermittelung für eine Auflösung des Verlöbnisses in Anspruch zu nehmen? Dann muß es ihr allerdings bitter ernst damit gewesen sein. Und ihre Gründe?" „Ja, hat Margarete sie Dir denn nicht geschrieben? Und hast Du sie nicht soeben selbst gesprochen?" „Nein. Ich habe zweimal den Versuch gemacht he zu sehen; aber ich wurde jedesmal von der Auswärterm abgewiesen, weil Margarete ihren angeblich kranken Vater! nicht verlassen könne und weil ihm jede Aufregung fernst gehalten werden müsse. Es war natürlich nur ein armseliger Vorwand, aber ich konnte doch nicht mit Gewalt bei ihr einbringen. Und geschrieben — ja, geschrieben hat fte mir allerdings. Da" — und er warf den zerknitterten Brief auf ben Tisch — „nachdem sie Dir allem Anschein nach früher gebeichtet hat als mir, habe ich keinen Grund, Dir dies unbegreifliche Schreiben vorzuenthalten." Das war es, was der Stadtrat gewünscht hatte. Er las, und dieselbe leichte Empfindung des Mitleids, M er heute mittag bei dem Anblick Margaretens verspürt hatte, regte sich auch jetzt wieder in feinem Herzen, als er fach wie ernst sie es mit der Erfüllung ihres Versprechens ge=i nommen. Nein, dieser Brief war wirklich kein Schern-, mancher, wie er es gefürchtet hatte. Mit keinem Wort deutete sie den wahren Beweggrund ihrer Absage an, unbi nirgends ließ sie burchblicken, baß es ein fremoer Wille fei, ber ihr die Feder führe. Sie habe sich, doch wohl rrt der Natur ihrer Empfindungen getäuscht, schrieb sie, und sei nach ernster Selbstprüfung zu dem Schluß gekommen, daß sie ihr Schicksal nicht mit dem des Assessors vereinen burfe. Daß ihr Herz sich einem anberen zugewendet habe, sprach! sie zwar nicht mit jener Deutlichkeit aus, bie bem Stadt- 667 „Wenn %'/ das möglich scheint, Vater, mußt Du für- wahr eme seltsame Vorstellung von den Gefühlen eines schmählich betrogenen Mannes haben. Wer lassen wir das — denn nicht über meine Empfindungen wollte ich mit Dir sprechen. Du sagst, daß Du keinen Zwang auf Margarete ausgeübt hast, und ich muß es selbstverständlich glauben. Aber ihre Handlungsweise wird mir dadurch nur noch rätselhafter, und solange ich mir die Erklärung auf andere Weise nicht verschaffen kann, muß ich wohl versuchen, sie von ihr selbst zu erlangen." (Fortsetzung folgt.) Die Altersversorgung für alleinstehende und erwerbende gebildete Frauen und Männer in ihren verschiedenen Formen und Einrichtungen. Von Henriette Goldschmidt, Berlin. ' (Nachdruck verboten.) In einem populären Aufsatze, betitelt: „Frauenüberschuß in Deutschland von dem bekannten Ethiker und Pädagogen I. Tews in Berlin", las ich jüngst die statistisch erwiesene Aufstellung, daß schon im Jahre 1890 von den 966 806 Frauen, welche mehr als Männer in Deutschland vorhanden waren 214 426 — 50 bis 60 Jahre, 214 085 — 60 bis 70 Jahre, und 137 889 über 70 Jahre alt befunden worden sind. Der Verfasser sagt hierauf, daß, wenn schon vor mehr als einem Jahrzehnt 566 400, also viel mehr als eine halbe Million über 50 Jahre alte unter den überschüssigen Frauen 'vorhanden gewesen seien, der heutige Prozentsatz dieser Altersklassen sicher ein noch bedeutend höherer sein müsse. Er sagt ferner, daß es bei dem daraus sich ergebenden Altersversorgungsproblem, zu dessen vollständiger Beleuchtung man noch die Witwen und die durch bie Zahl der unverheirateten Männer sich ergebende Mehrheit der unversorgten Frauen hinzurechnen müsse — es nicht allein mit der Eröffnung neuer Erwerbszweige gethan sei, sondern daß man in erster Linie bestrebt sein müsse, Fürsorge zu treffen für Witwenpensionen, Rentenversicherung oder für sichere, unantastbare, von keinem Kursverluste bedrohte Kapitalansammlung für Alter und Krankheit." Wer nun nicht allein mit Zahlen zu rechnen versteht, sondern wer Gelegenheit hat, hineinzublicken in die Zustände und Verhältnisse, welche der den Frauen aufgezwungene Kamps um Arbeit und Existenz hervorruft, wer erfährt, wie der, wenn auch zähe, doch oft schwache Organismus derselben sich dabei frühzeitig aufreibt; wer ferner die Rücksichtslosigkeit kennt, mit der ältere Arbeitskräfte einfach abgelehnt und durch jüngere Elemente beiseite geschoben, ihre Existenz verlieren, ehe sie es erwarten, der kann all das Elend ermessen, welches vorhanden ist. Aus Ehrgefühl wird es ost genug verborgen, aber der teilnehmenden Frau, der man vertraut, muß es sich desto deutlicher offenbaren. . Heute, wo alles gethan wird, nm durch dre Hygiene, die fortgeschrittene ärztliche Kunst und die verbesserte Lebenshaltung Tausende von Manschen am Leben zu erhalten, die früher vielleicht eher zu Grunde gegangen sind, ist die Langlebigkeit im allgemeinen, besonders aber bei den Frauen, noch erhöht worden. Es ist deshalb doppelt unverantwortlich, zu sagen: „In der Jugend denke ich nicht daran, Fürsorge für mein Alter zu treffen; später kann ich das immer noch, und wer lveiß, ob ich alt werde!" Dieses ist durchaus falsch; denn nur, wer es in der Zeit der Arbeitstüchtigkeit so früh als möglich gethan hat, hat wohlgethan. , c. , m , Alle Einrichtungen, welche man tit dreier Bezrehung getroffen hat, sind eben darauf berechuet, daß lange Jahre gezahlt werden soll, wenn es billig, wenn es erjchwrugtrch sein soll. ~ , Gewiß giebt es Fälle, wo aua) rn spateren Jahren noch eine Altersversorgung leicht zu erreichen rst, aber dieses ist nur dann der Fall, wenn man große Einnahmen! hat, oder ein kleines Kapital besitzt, welches man dafür anleqen kann. Hierzu sind aber die wenigsten Frauen in der Lage; denn sehr oft ist ihr Erspartes entweder durch schlechte Berater, oder durch gutwillige Gefälligkeits- dienste und durch Kursverluste vermindert, oder selbst auf- qezehrt, ehe es zu obiger Verwendung gelangt. Es sollte deshalb allgemein zur Regel werden, daß rat erwünscht gewesen wäre; aber gewisse Wendungen ließen immerhin eine derartige Deutung zu, und die Fassung des Ganzen war augenscheinlich darauf berechnet, dem Empfänger jeden Zweifel an dem Ernst ihres Entschlusses und jede Hoffnung auf eine Sinnesänderung zu nehmen. „Nun?" fragte Herbert, da ihm sein Vater das Blatt schweigend zurückgab. „Was sagst Du zu diesem Briefe?" „Er enthält nichts, was mich überraschten könnte, mein Sohn." „Sie hat Dir also das Nämliche gesagt? Sie hat sich nicht gescheut, auszusprechen, daß ihre vermeintliche Liebe nur eine Lüge gewesen ist?" „Das Wort ist vielleicht zu hart, Herbert! Man könnte ebensowohl sagen, ihre Wahrheitsliebe hat sie zu dieser Erklärung gedrängt." „Ah, das sind Spitzfindigkeiten", brauste er in leidenschaftlicher Heftigkeit aus. „Wenn dieser Brief wirklich aus ihrer freien Entschließung hervorgegangen ist, und wenn nicht irgend eine Teufelei dahinter steckt, . die ich freilich nur ahnen, nicht begreifen kann, so hat sie mich seit Monaten schändlich hintergangen und belogen. Aber ich glaube noch nicht daran — ich will nichi daran glauben, so lange ich nicht aus ihrem eigenen Munde die Bestätigung erhalten habe." „Du beharrst also darauf, sie zu sprechen — trotz dieser so unzweideutigen Erklärung und trotz der zweimaligen Abweisung, die Du heute abend erfahren hast?" „O, Du branchst nicht zn fürchten, Vater, daß ich mich ihr zu Füßeu werfen und demütig um das Gnadengeschenk ihrer Liebe betteln werde! Kann sie mir ins Gesicht hinein wiederholen, daß ihre vermeintliche Zuneigung nur ein Selbstbetrug gewesen ist, so ist für immer jegliches Band zwischen ihr und mir zerrissen. Wer ich muß es von ihren Lippen hören — muß mich durch sie selbst von der Grundlosigkeit dieses schrecklichen Argwohns überzeugen lassen, daß man sie zu etwas gezwungen hat, wovon ihr Herz nichts wußte." „Was für eine abenteuerliche Vermutung ist das, Herbert? Wer in aller Welt sollte sie denn gezwungen haben? Etwa ihr Vater, der durch eine Verbindung mit unserem Hause nur hätte gewinnen können? Oder dachtest Du vielleicht gar an mich?" Mit finster gefurchter Stirn blickte der Assessor vor sich nieder. . „Vergieb mir, Vater," sagte er nach einem Keinen Schweigen, „aber ich will Dich nicht belügen. Ja, ich habe an die Möglichkeit gedacht, daß Du sie dazu bestimmt haben könntest." In gut gespieltem Unwillen fuhr der Kämmerer auf. „Ah, das ist stark. Und ich würde diese Unterhaltung auf der Stelle abbrecheu, wenn ich das beleidigeude Wort nicht Deiner erklärlichen Aufregung zu gute hielte. Glaubst Du, ich hätte solcher Mittel bedurft, um meinen Willen durchzusetzen, wenn ich diese Heirat durchaus hätte verhindern wollen? Und bist Du naiv genug, anzunehmen, daß sie sich von mir zu einem derartigen Schritt hätte zwingen lassen?" „Ach, ich weiß ja nicht mehr, was ich glauben und was ich bezweifeln soll. Mein Kopf ist ganz wirr von all' dem Grübeln, und ich stehe vor einem Rätsel, das mein „armer Verstand nicht zu lösen vermag. Ja, wenn ich während der letzten Wochen oder auch nur während der letzten Tage eine Veränderung in ihrem Benehmen gegen mich bemerkt hätte! Wenn jemals ein Blick oder ein Wort mir das Erkalten ihrer Liebe verraten hätte! Aber sie war noch gestern von so inniger, hingebender Zärtlichkeit — sie sah noch an einem der letzten Abende mit so glückselig leuchtenden Augen zu mir auf, als ich von meiner Absicht spracht, den Termin unserer Hochzeit zu beschleunigen! Wo giebt es noch Treue und Wahrhaftigkeit in, der Welt, wenn dies alles nur eine elende ° Komödie gewesen wäre!" „Ich könnte Dir darauf antworten, daß alle Weiber, auch die besten nnd liebenswürdigsten, geborene Schauspielerinnen sind. Wer ich meine, daß Du in Deiner blinden Verliebtheit ebensowenig ein unbefangener Beobachter warst, als Du jetzt ein unbefangener Richter bist. Das arme Mädchen war ooch schließlich gezwungen. Dir den wahren Zustand ihres Herzens so gut als möglich zu verbergen, solange sie noch nicht zu einem festen, befreienden Entschluß gelangt war. Der Kampf mag hart genug für sie gewesen sein, und bei ruhigerem Blute wirst auch Du vielleicht dahin gelangen, sie mehr zu bemitleiden, als zu verdammen."' 668 — stelle Bilderrätsel (Nachbildung verboten).. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Magischen Quadrats in vor. Nr, AAR GAU ALM jeder — Mann oder Frau — vom Anfang des ^Erwerbs an sich tu die Pensionsversicherung aufnehmen keße, um die Beiträge hierfür so niedrig als möglich zu stellen. Die verschiedensten Einrichtungen smd ja getroffen, urn die freie Disposition nach jeder Richtung hin offen W halten. Es giebt Kapitalversicherungen, die entweder rar Aeit bar zu erheben oder in Rente (Pension) umzu- wandelil sind. Ferner Pensionsversicherung, welche ver- bundeit mit Jnvaliditätsversichernng, Schutz gegen vorzeitig eintretende Erwerbsunfähigkeit gewährt. Aussteuer-, Unfallversicherung mit Tagegeldern re. Bet allen Ver- sicherui'gen sowohl auf Rente wie auf Kapttal verfallen die eingezahlten Beiträge heute nicht mehr, wenn man die Zeit der Auszahlung nicht erleben sollte, sondern werden den Angehörigen mit Zinseszinsen, nur mit eurem Abzüge für Unkosten, zurückerstattet. — Bei der sogenannten Lebensversicherung für diejenigen, welche ihre Angehörtgen für den Fall, ihres Todes versorgen wollen, grebt es Formen, bei denen die Beiträge von Jahr zu ^ahr brurger werden, oder toemt die Versicherung ohne ärztliche Untersuchung eingegangen ist, der Gewinnanteil jährlich zur Ver- ncherungssumme zugeschrieben wird. Jede Pokze, ob auf Rente oder Kapitalversicherung lautend, kann ttt Notfaaen bclichcn, kann abgekürzt oder zurückgekauft werden. Im Sterbefalle kann eine, Aussteuer- oder Altersversorgung mit Kapital sogar einfach auf eine andere Person übertragen werden und läuft dann Wetter. Es tst also nach allen Richtungen vorgesorgt. Für ältere Leute kann natürlich eine sofort beginnende Leibrente für em oder zwei verbundene Leben (Ehegatten, Geschwister oder Freundinnen . gegen Kapitalszahlung erworben werden. Diese ist aber itiemals so Höch, als wenn man sie sich Jahre vorher gesichert hat. „ „ , , . , , Die letztere Form auf die verbundenen Leben wird so lange gezahlt, als noch eine der beiden Personen am Leben ist. r , Tie „Geschäftsstelle der Versicherung der Mitalieder Deutscher F r au en v e r ei n e", welche von der Scbreiberin dieser Zeilen seit zweieinhalb Jahren, im Anschluß an die Gesellschaft „Friedrich Wilhelm tn Berlin gegründet worden ist und stch da,elbst Behrenstraße 60/61 befindet, umfaßt jetzt schon 34 Frauen- und qemisclcke Vereine in Deutschland. Die Leiteriit hat es sich zur Aufgabe gemacht, hauptsächlich die Frauen, ohne tinter- ichied von Stand und Beruf, zur rechtzeitigen Fürsorge für das Alter und für etwaige vorher eintretende Arbeitsunfähigkeit anzuregen, sie treu zu beraten und ihnen jede mögliche Erleichterung zu gewähren. Auch die Manner sollten diese Bestrebungen unterstützen; denn auch ihnen kommen die Einrichtungen zu gute, wenn sie Eintreten wollen. Vor allein aber sollen sie nicht dagegen sem, wenn ihre Frauen, Schwestern und Verwandten es zu thun wünschen, um nicht späterhin auf die Gnade anderer angewiesen zu sein. Wenn sie sich durch eine solche Anlegung ihrer Ersparnisse srei und unabhängig machen wollen für eine ungewisse Zukunft und für die Tage, des Alters, von denen wir sonst sagen: „Sie gefallen uns nicht!" Redaktion: E. Burkhardt: — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruaerei (Pietsch Erben) in Gieß GsmernnNtzrses. Sünden gegen die Augen. Tie Augen find das Kostbarste in unserem Leben. Durch sie empfangen wir unsere geistige Nahrung, durch sie lernen wir Gottes Schöpfung in uns aufnehmen, seine Werkeschauen, ->ehe dem, dem das Licht des Auges mangelt, dunkel und traurig ist sein Weg, Entsagung und Entbehrung sein Los Und trotzdem sind die Sünden gegen die Augen von >ecken der Erwachsenen und der Kleinen unendlich groß, und wir hüten sie nicht wie unser Kleinod. Schon vom ersten Tage der Gebnrt an drohen ihnen Gefahren. Sie verlangen Schonung und größte Sauberkeit, um nicht Schaden für das ganze Leben zu nehmen. Starke Strahlen der Sonne oder des künstlichen Lichtes bescheinen oft das zarte Auge des neugeborenen Kindes. Häufig genug sehen wir z. B. den Kinderwagen derartig geschoben oder stehen gelüsten, daß das Licht dem kleinen Wesen direkt ins Gericht scheint, oft stundenlang auf Spaziergängen oder Erholungsplatzen. Erschreckend ist es, sehen wir die große Anzahl der kleinen augenkranken Wesen in den Kliniken, die ihr Leiden Nicht immer durch Ansteckung oder schlechte Säfte haben, sondern. in einem hohen Prozentsatz durch Schuld der Vernach- lässigung. Ein arger Verstoß gegen die Hygiene ist es ferner, nachts eine unbeschirmte Lampe, tote wir sie oft, besonders in den Familien der ärmeren Klassen, finden, zu brennen. Das Auge bedarf, wie jedes Organ, unbedlng. ter Ruhe, die es selbst im geschlossenen Zustande Nicht findet, wenn das Zimmer hell erleuchtet ist. Weiterhin sieht man oft zur Zeit, wo das Tageslicht derart abgenommen hat, daß man Gegenstände, um sie deutlich zu erkennen, nur mit Anstrengung wahrnehmen kann, Erwachsene und Kinder noch lesen, schreiben, nähen, Nadeln einsädeln, Noten studieren u. dgl. Wird später die Lampe angezündet, so breitet manche 5musfrau gegen alle Vernunft ein weißes Tischtuch auf dem Tisch aus, an dem gearbeitet werden soll. Sie vergißt dabei, daß sie dem Auge durch den weißen Grund nicht etwa mehr Licht zuführt, sondern es blendet. Es wird den Augen eben sehr viel zugemutet in dieser und anderer Weise, und Krankheiten, die verhütet werden könnten, itnb die Folgen davon. Eine der elegantesten Schlingpflanzen, die stch wie keine andere fo zur Bekleidung von Lauben, Gittern, Brückengeländern, Säulen usw. eignet, ist die Klematis Bitalba, unsere Waldrebe. Der graziöse Wuchs allem macht sie uns wertvoll. Elegant schlingen sich die schlanken, biegsamen Zweige in die Höhe, nach allen Seiten, hier verdeckend, da schmückend. Die Lindenblüten ähnlichen Blumen stehen in kleinen Büscheln leicht über dem Laube, durch ihren Wohlgeruch eine Menge Bienen anlockend, für welche sie durch ihre Reichblütigkeit eine gute Futterpflanze abgiebt. In das lichte Geranke bauen gern Hänfling, Gartensänger und andere beliebte Singvogel, ^m Herbst schmückt sich der Schlingstrauch, mit reizenden, wolligen, grauen Samenbüscheln, in denen die braunen Kerne zu sehen sind. Diese lassen sich, mit den Ranken geschnitten, schön zu dauerhaften Herbststräußen benutzen; Liguster-' zweige mit Beeren und Hagebutten dazwischen gesteckt, liefern geschmackvolle Dekorationen besonders für größere Vasen Diese Clematis findet sich in unseren Waldern wild und läßt sich sehr leicht aus Samen ziehen. HA- p 1 ' 1 „Praktischer Wegweiser", Wurzburg. Kaum ein Balkon, kaum ein blumen-i geschmücktes Fenster, d e m e in e Fn chs ie fehlte. Und obgleich es schon so mannigfache Formen dieser herrlichen Pflanze giebt, sieht man doch alljährlich neue ^Züchtungen von immer hervorragenderer Schönheit, tm yandel erscheinen. Da weiß nun der Liebhaber Nicht immer Rat, welche Sorten er aus der Fülle des Neuen heraussuchen toll Deshalb empfiehlt der praktische Ratgeber in einem längeren Artikel eine Reihe von Fuchsienneuheiten, die wegen ihrer Eigenschaften in allererster Lmie zu häufiger Aniucbt geeignet sind. Allen voran an Schönheit sind die neueren Sorten Marinca, Crinoline, Gertrud Pearson, Ro- deric Dhu, Fürst Otto von Wernigerode, Molesworth und Ehildwill Bedder zu stellen, die sich in der diummer 4o dem Blicke in wohlgelungenen Abbildungen vorstellen. Svende an schönen Fuchsien hat, versäume nicht, stch das hprt Artikel enthaltene Heft des „Praktischen Ratgebers kommen zu lassen Elkann es kostenfrei bon der Geschäfts- in Frankfurt a. O. beziehen. ' -v$)\