Samstag den 21. September. Bjj’läw] 1901. — Nr. 134. WM äutg. hTJoII.~5 1'WvBSi ja WS5Bä ggssjin ktt zu fetter Herd f Selten lange währt. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elster. K I. „Also morgen wollen Sie wieder fort, Herr von Petershagen?" ' ' Tie großen blauen Augen der Fragenden schweiften -über die wogenden, goldenen Kornfelder, die sich in weiter Ferne verloren, unabsehbar fast, wie das Meer. 1 ’ „Weshalb nennen Sie mich eigentlich beharrlich Herr Von Petershagen — und nicht mehr Eitel Fritz? — Soll ich etwa gnädiges Fräulein zu Ihnen sagen?" fragte der junge Dragoneroffizier an ihrer Seite, während über sein hübsches, charakteristisches Gesicht ein ärgerlicher Zug huschte. Tas junge Mädchen lachte leicht auf. „Bewahre! — das würde sich nicht schicken. — Ich! bin die Tochter des Inspektors Breymann und kein gnädiges Fräulein..." „Und ich bin Eitel Fritz von Petershagen, der Jugendfreund und Spielkamerad von Else Breymann, und ich denke, so soll es auch bleiben!" rief der junge Offizier. „Ach, das war einmal. . ." Eine Weile schritten sie schweigend nebeneinander hin, der schlanke junge Dragoneroffizier mit dem keck zugespitzten Schnurrbart, den blitzenden Augen und dem etwas hageren marfterten Gesicht, dem man es, ebenso wie der straffen Gestalt, ansah, daß der, junge Offizier ein schneidiger Reiter und Sportsman sein mußte — und das um einige Jahre jüngere Mädchen mit den schweren goldenen Flechten um den Kopf, den großen, ttefblauen Augen, dem klassisch geschnittenen Gesicht und der geschmeidig-kräftigen Gestalt, welche fast dieselbe Größe wie die des jungen Offiziers erreichte. Tas der Sense des Schnitters entgegenreifende Korn Umwogte sie mit goldenen Fluten, auf welche die Junisonne niederbrannte, und die eine leichte Brise zu leis rauschendem Wellenschlag bewegte. Unabsehbar fast breitete sich das goldene Aehrenfeld nach Süden zu aus, während nach Osten und Norden zu ein flacher, schön bewaldeter Höhenzug die Fernsicht begrenzte, der auf seiner höchsten Erhebung das Schloß Petershagen trug. Die Sonne spiegelte sich in den Fenstern des Herrenhauses, das blendendweiß aus der grünen Umgebung des Parkes hervorschimmerte. Eine Schar Tauben umkreiste den Turm des Schlosses, und ihre weißen Schwingen blitzten im Sonnenlicht wie flüssiges' Silber. Tann verschwanden sie plötzlich im Schatten der Bäume und ließen sich auf den langgestreckten Dächern der Wirtschaftsgebäude nieder, welche tiefer tote das Schloß am Fuße der Anhöhe lagen und ebenso tote das Dorf Petershagen, im Kranze der Gärten und Obstbäume fast verschwanden. m Nach Westen zu leuchten mehrere Dörfer und Wetter aus dem flimmernden Nebeldunst der Ferne und bem goldenen Aehrenmeer hervor, durchs das sich!, tote em ftlber- schimmerndes Land, die breite Heerstraße zog, welche diesen Men Winkel mit der geräuschvollen, hastenden,, rnmmer rastenden Welt da draußen verknüpfte. „Lassen Sie uns dort ein wenig ausruhen, Else", sagte der junge Offizier nach einer Weile, auf eine einfache Bank unter einer breitästigen Linde deutend, die — der Himmel mochte wissen, durch welchen Zufall sie hierher gekommen, — als einziger Baum den sandigen Feldweg beschattete. Sonst faßte ein niedriges Gebüsch und Brombeerranken den Pfad ein. „Ich glaube, wir thun besser, nach Petershagen zuruck- zukehren, Herr Leutnant", meinte Else zögernd. „Nein", entgegnete er kurz und entschieden, „ich habe mit Ihnen noch ein ernstes Wort zu sprechen." „Da bin ich neugierig", lachte Else und nahm an seiner Seite auf der Bank Platz. Doch jetzt schien Eitel Fritz von Petershagen den Anfang seiner Mitteilungen nicht finden zu können. Er zeichn nete mit seiner Reitgerte einige krause Figuren in den Staub und blickte nachdenklich! in die Ferne und seufzte ganz vernehmlich „Nun? — Sie wollten mir etwas sagen, Herr Leutnant?" fragte Else mit einem leicht spöttischen Seitenblick auf ihren stummen Gefährten. , „Ja", fuhr dieser empor. „Tas wollte ich— und da tch morgen in aller Frühe abreise, so muß es jetzt noch geschehen .... Else, so kann es mit uns beiden nicht weitergehen !" „Wieso?" fragte sie ruhig; aber ihre Stimme bebte doch! leicht, und unaufhaltsam stieg eine feine Röte in ihren Wangen empor. ____ „Ach — verstellen Sie sich doch nicht, Else! — Oder sollten Sie vergessen haben, daß ich Sie vor fünf Jahren meine kleine Braut genannt habe. . .?"- Seutnant —** > Sie wollte sich erheben, über Eitel Fritz hielt sie 9 „Nein, Else, Sie müssen mich anhören! Mein Gott, wir waren doch, sonst immer so gute Freunde, und wenn ich als Kadett in die Ferien kam, dann sprangen Sie mir jubelnd entgegen und sielen mir um den Hals und küßten mich..." „ „ , , .. „Wir waren Kinder, Herr von Petershagen", sagte ste ernst. Aber in ihrem Herzen quoll doch ein warmes, inniges Gefühl empor, wenn sie der fröhlichen, harmlosen 534 fiinverzetk gedachte; sie wagte nicht, den Spielgefährten ihrer Jugend anzusehen, sondern blickte zu Boden und saß regungslos da. „Ja, wir waren Kinder — glückliche, fröhliche Kinder, Else! Aber bei Gott, Else, Ihr liebliches Bild begleitete mich all die Jahre hindurch- die ich fern von der Heimat in dem Kadettenkorps durchleben mußte, und dann, als ich als Fähnrich wiederkam — vor fünf Jahren — da sah ich Sie als erwachsenes Mädchen vor mir stehen — und ich — ment Herz — ach, Else, machen Sie es mir doch; nicht so furchtbar schwer, Ihnen zu sagen, daß ich Sie lieb habe!" Sie schien leicht zu erbeben und tiefer senkte sich ihr blondes Haupt. Doch dann richtete sie sich energisch empor. „Es ist nicht recht, Herr von Petershagen", sagte sie ernst, „mich jener Zeit zu erinnern, in der ich als Back- fisch von sechzehn Jahren Ihren Schmeicheleien zugänglicher war, als es sich schickte . , „Else?!" — „Bitte, lassen Sie mich aussprechen, Herr Leutnant. Ich will nichts beschönigen und nichts entschädigen. Dankbar bin ich; Ihnen, daß Sie mir Gelegenheit zu dieser Aussprache geben; denn es muß klar zwischen uns werden. Gewiß, die schöne Kinderzeit lebt mit leuchtenden Farben in meiner Erinnerung — Kinder waren wir aber auch, noch vor fünf Jahren, Sie der zwanzigjährige, kurz vor seiner Ernennung zum Offizier stehende Fähnrich, und ich der sechzehnjährige Backfisch, der die Welt nicht kannte und noch ttt kindischer omantischen Träumen schwärmte. Damals —" Sie schwieg plötzlich wie erschreckt, itttb eine dunkle Glut ergoß sich über ihr schönes, stolzes Gesicht. Er lächelte schelmisch „Ja, damals schwuren wir uns an diesem nämlichen Platz ewige Treue. . ." sagte er und versuchte ihre Hand zu fassen. Doch; hastig zog sie ihre Hand zurück. „Kindereien, Herr von Petershagen", stieß sie hastig hervor. „Ich, hoffte. Sie würden miäy nie wieder daran erinnern. Sie gingen zum Regiment — nach Berlin — ich kam in eine Pension — lernte dann den Haushalt und die Wirtschaft, wie sich das für die Tochter des Inspektors von Petershagen geziemt — fünf Jahre sind seitdem verflossen die Kinderzeit ist vorüber — wir haben die Welt und die Menschen kennen gelernt, wir müssen jetzt verständig fein und dürfen uns keinen thörichten Wünschen mehr hingeben. Tas ist's, was ich Ihnen sagen mußte, Herr Leutnant und nun lassen Sie uns heimkehren." Sie erhob sich Doch er blieb ruhig sitzen und blickte sie lachend an. „Das ist ja doch nicht Ihr Ernst, Else", sagte er. Da fuhr sie aus. „Herr von Petershagen, ich! muß bitten. . ." Doch als sie in sein lachendes Gesicht unb in seine bittend auf sie gerichteten Augen blickte, da verstummte sie jäh, wandte sich, ab und schritt rasch den Pfad entlang, "der zum Schlosse zurückführte. Im nächsten Augenblick war er an ihrer Seite. „Wenn Sie mir auch zürnen, Else", fuhr er fort und ergriff ihre Hand, die sie ihm widerstrebend überließ, „ich wiederhole es: es ist nicht Ihr Ernst, was Sie da sagen. Ich! weiß das alles selbst, und habe es mir auch schon gefugt . V . ich bin der Leutnant Eitel Fritz von Petershagen, Sohn und Erbe des alten Herrn von Petershagen, und Sie, Else, sind die Tochter des alten Inspektors Brey- mann, der das Gut meines Vaters seit fünfundzwanzig Jahren in ganz ausgezeichneter Weise bewirtschaftet hat na, und was ist da für ein großer Unterschied zwischen uns? Der Name? — Der bunte Rock, den ich trage, und den ich in einigen Jahren doch ausziehen muß- wenn ich Petershagen übernehme? Wenn Sie wirkliche die Welt und die Mensch,en kennen gelernt hätten, Else, dann würden Sie wissen, daß die Welt und die Menschen auf diesen Unterschied kaum nozch etttett Wert legen. . „Sie täuschen sich, Herr von Petershagen. Fragen Sie Ihre Frau Mama — Ihre Schiwestern." Eine Wolke des Unmuts beschüttete mit einemmale sein vorhin noch so fröhliches Gesichst „Nun, — und wenn Sie recht haben sollten", rief er aus, „so gleicht unsere Liebe diesen Unterschied aus ! Else, Sie sagen selbst- daß Sie jene glückliche Zeit unserer aust- keimenden Liebe nicht vergessen haben — ach!, ich will mich nicht besser machen M ich bin! s Jchchabe jie erst in den tollen Jahren der ersten Leutnantszeit vergessen, und wahr-? hastig, als ich jetzt wieder hierherkam — nach fast zwei-j chhriger Abwesenheit — da standen Sie mir nur als lieb-! liches, herziges Kind in der Erinnerung, und ich, ivill's. Ihnen nur gestehen, daß da von einer großen Liebe keine Rede mehr sein konnte. Aber als ich Sie dann wiedersah^- herrlich aufgeblüht, eine stolze junge Dame — Else, daj ward die Erinnerung an jene Stunde vor fünf Jahren! wieder lebendig in meinem Herzen, und was damals viel-, leicht nur unklare Schwärmerei gewesen wär, das ward ;etzt bewußte, innige, leidenschaftliche Liebe . . . Else^ stoße mich nicht zurück! Ich erneuere Dir hier den Schwur ewiger Treue, und welche Hindernisse auch unserer Ver-z bindnng im Wege stehen, ich werde sie überwinden!" Ihre Hand zitterte in der seinen, und tief senkte sie; das Haupt, auf dessen blonden Flechten die Abendsonne! glühte, sodaß es wie von einem Heiligenschein umgeben erschien. „Es darf nicht sein, Eitel Fritz", sprach sie mit leise bebender Stimme. Doch da legte er den Arm nm ihre erschauernde Ges 'kalt und preßte sie fest an sich. „Du liebes, thörichtes Mädchen", flüsterte er leiden- chaftlich, „vertraue Du nur mir und laß mich für unsere Liebe kämpfen. Hab' Du mich nur lieb und bleibe mir treu, dann werden wir den Sieg erringen." Sie blickte mit ernstem Lächeln zu ihm auf. „Bleibe Du nur fest und treu", sagte sie leise, „Ich schwöre Dir, Else . . ." „Nein, schwöre nicht — versprich nichts — ich verlange keinen Schwur und kein Versprechen. — Ich habe Dich Heb, Eitel Fritz, lieber als alles aus der Welt ,, ," „Mein süßes Mädchen. . ." Er wollte sie küssen, doch sie wehrte ihn ab. „Nicht so — nicht so! — Frei wollen wir bleiben, Eitel Fritz, frei sollst Du sein, damit Du Dir einst keinen Vor-. Wurf zu machen hast, wenn Deine Liebe zu mir erlösche odep wenn — die Verhältnisse uns trennen , , „Das wird nie geschehen!" „Wer kann es wissen? Das Leben spielt wunderlich mit den Menschen, und oft schon haben die Menschen ihr! Schönstes und Bestes den Verhältnissen zum Opfer bringen müssen. Deine Liebe ist mir das Höchste, das Schönste, das! Heiligste in der Welt, mein Eitel Fritz — aber ich will sie; nur als freies Geschenk, nicht erzwungen durch ein int! Augenblick der Leidenschaft gegebenes Versprechen. Des-? halb laß uns von einander scheiden, ohne Versprechen, ohne Schwur, den wir vielleicht beide nicht halten können -S Tu bist frei in Deinem Handeln und niemals werde ich Dir einen Vorwurf machen- wenn Du einst sagst: Es kann nicht sein. . ." , , ,, „Tas wird niemals eintreten, Else! Niemals, sage ich Tir! Und wenn Du auch meinen Schwur nicht annehmen willst, so schwöre ich mir selbst, daß ich Dich ewig lieben und Dir ewig Treue halten werde. Und wenn Du mir auch keinen Schwur geben willst, so halte ich Dich doch an Deinem Wort sest, daß Du mich; liebst. — Oder, Else, soll ich an diesem Wort zweifeln?" Sie sah ihn mit einem leidenschaftlichen Blick an und dann schlang sie plötzlich die Arme um seinen Nacken und flüsterte: „Ewig werde ich Dich liehen . . . auch! wenn Dst mich längst vergessen hast..." . , j Sie duldete jetzt seinen Kuß und lag tote tn seligem Selbstvergessen an seiner Brust Daun richtete sie sich empor und strich; sich in holder Verschämtheit die blonden, krausen Locken aus der Stirnü „Und nun wollen wir Abschied nehmen, Eitel Fritzi sprach sie mit innigem Lächeln. „Man braucht uns im Dorf nicht beisammen zu sehen — wir wollen unser Ges heimnis für uns behalten . . ." „Darf ich Dir schreiben, Else . . ?" „Nein, Eitel Fritz — Tu kennst die strengen Ansichten meines Vaters. Wir wissen, daß wir uns lieben, das wird uns geduldig und glücklich machen." „Du bist grausam . . ." Sie preßte seine Hastd mit zärtlichem Druck Und sah lächelnd zu ihm auf. „ . , __ „ „Ich. muß für unH beide vernünftig fem, thöxichter großer Junge Du," . ' „Wein Lied■ - „r 535 L 1 a E i Er wollte sie wieder in die Arme ziehen, doch sie intwand sich ihm. „Auf Wiedersehen, Geliebter. Morgen früh, wenn Du vorüber fährst, winke ich! Dir den letzten Abschiedsgruß zu." „Nein — ich spreche noch! einmal bei Deinem Vater vor j: . . und nun noch einen Kuh, Else. . " Er streckte bittend die Hände aus und sie flog noch einmal in seine Arme und erwiderte seinen leidenschaftlichen Kuß. Dann riß sie sich los und verschwand in dem schmalen Fußpfad, der sich von dem breiteren Feldweg ab- zweigte. Das goldene Meer der Aehren schlug um sie Zusammen und schon nach einigen Augenblicken war sie leinen Augen entschwunden. Tief atmete er auf; in seinen Augen leuchtete ein schein des Glückes, und langsam schritt er auf dem Wege io eiter, der ihn in kurzer Zeit nach Dorf und Schloß Petershagen führte. (Fortsetzung folgt.) Freundin, was der kleinen Dollh offenbar als eine Aufforderung zum Zausen erschien; denn sie fing sofort an, ihre kleinen Händchen in dem braunen Gekräusel zu vergraben. „Tolly, willsh Du wohl!" wehrte ihr die Mutter. Und wie das Kind nun anfing, ob des gehörten Genusses zu weinen, bemerkte sie ernsthaft-drollig: „Tas ist gut; hilf Deiner Tante, Kind! Desto eher wird sie damit fertig!" Als aber auch diese leise Mahnung bei der gkotzen Dolly nichts hals, fing sie an, dem armen Mädchen wortlos das Haar zu streicheln, als ob ihre Liebkosung einen Trost gewähren könne. Nun aber wurde aus den Kieswegen des Parks ein Schritt hörbar! „Es kommt jemand! Nimm Dich zusammen, Dolly!" sagte Eva. Sie blickte auf. „Tas ist Stübecke, sein Bursche!" flüsterte sie. „Komm, hier rechter Hand ist eine Laube." „Sein Bursche? Weißt Tu, den werd' id) einmal aus- sragen! Das ist doch das Einfachste!" „Ach thu' das lieber nicht, Eva. Das sieht so entsetzlich neugierig aus!"- tuschelte sie zurück. Sie fürchtete sich davor, die Wahrheit zu hören. „Ich werde schon so fragen, daß es harmlos erscheint! Latz mich nur machen! Aber hell' Dich so, daß er Deine verweinten Augen nicht sieht!" ~ ’ > „So gieb mir das Kind!" . * - •• „Hier!"- - 3 j. - ' Mittlerweile war Stübecke herangekommen, hätte die Pfeife aus dem Munde genommen und wollte nun mit einem verlegenen Gruß vorbeischieben. „Guten Tag, Herr Stübecke!" sagte indes die junge Frau und hielt ihn an. „Fräulein Dora sagt mir da eben, daß! Sie der Bursche vom Herrn von Eschenborn sind?" „Ja, das bin ich!" grinste Stübecke. „Ich, kenne Ihren Herrn Leutnant nämlich und hätte ihn gern 'mal gesprochen. Kommt er denn bald zurück?^ „Nee, heute wird's wohl sieben werden!" meinte Stübecke. „Schade!" erklärte Eva lächelnd. „Wie ist denn das Bild ausgefallen, um das er neulich in Sedenheim war? Oder ist es noch nicht angekommen?" „Nee, aber wir lauern jeden Tag drauf!" „So! Na, es wird schon noch eintreffen! Grüßen .Sie den Herrn Leutnant nur, bitte, von mir. Ich bin die Frau Obersteuerinspektor Rötzling aus Trimburg, mit der er neu-! lich in der Eisenbahn zusammen gefahren ist! Wie geht's denn seinen Kleinen, dem Bob und — der Tolly?"- Stübecke bekam einen Heidenschreck, als er die Hunde erwähnen hörte, und wurde rot wie ein gehetzter Puter! Aber er hütete sich, die heikle Frage zu beantworten. Verlegen kraute er sich! den dicken Kopf und blinzelte bald nach dem Fräulein vom Hause, die ihm den Rücken zuwandte, bald zu der neugierigen, jungen Frau hin. „Na, was haben Sie denn? Sie find ja so rät geworden und so verlegen?" fragte die Gwßj-Jnquisitorin weiter „Sie sind doch gesund?" „O ja, sie sind alle beide ganz mobil!" „Aber das konnten Sie doch gleich sagen!" ermunterte sie ihn. „A, es war nur, weil der Herr Leutnant nicht wollten, daßj hier einer erfährt, —" stotterte Stübecke. ' „So, so? — Na, es ist gut! Sie haben uns nichts gesagt, Herr Stübecke, wenn's einmal so sein sollst Damit entließ sie den Schlauberger. „Nun, habe ich! zu viel gesagt?" wandte sie sich an Tolly! „Ach! Gott, ich bin ja so totunglücklichst stzöhnte die Aermste. ■ 3 ■' ' „Ja, hat er denn ernstliche?" „O nein, gar nicht! Keine Silbe! Wer ich dachte doch!, s Eva, nimm Michl heute abend mit nach Trimburg!, ehe er zurückkommt!"- „Gern, liebe Tolly! Ich will meinem Mann gleich! Bescheid! sagen. Er kann ja von hier nach Hohensiebeck reiten und holt uns nachher ab !" „Wie Tu willst! Ich bin mit allem einverstanden! Nur fort!" murmelte Tolly und flüchtete in ihr Zimmer hinauf,; um einige Vorbereitungen zu" der so überstürzten Abreise zu treffen. Eva begab sich zu ihrem Gatten, um diesemf von dem Beschluß!, den sie eben gefaßt Wien, Kenntnis zn Bob und Dolly. Eine Manövergeschichte von Alwin Römer. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Aber nun entrüstete sich die junge Frau ernstlich!. „Wer's glaubt!?" echote sie spöttisch. „Wo ich am Bahnhof in Trimburg mit meinen eigenen Ohren gehört habe, wie die Freundinnen seiner Frau mit ihm darüber schwatzten und sich der hübschen Kinder wegen den Wunderbeutel umhingen? Er ist ja extra aus dem Manöver nach Hause gefahren, um sich mit der Familie für seine Mütter zum Geburtstag photographieren zu lassen!"- „Du erzählst Wunderdinge, Eva!" sagte die Hausfrau, ,,Täuschst Tu Dich da auch wirklich! nicht?" „Wenn er nicht einen Doppelgänger hat: nein! Wir haben lang und breit gerade über die Kinder gesprochen. Bob und Dolly heißen sie und sind jetzt sechs, — «ein, nun ja schon sieben Wochen alt! Und Tolly heißt nach einer Tante in England, wo seine Frau nämlich her istst „Jch erstarre!" sagte Frau von Koberstedt. „So ein Duckmäuser!" Dolly war ans Fenster getreten und lehnte wie bewußtlos den Kopf,gegen die Scheiben. So qualvolle Gedanken hatten ihr armes Hirn noch nie zermartert. Konnte ein Mann wirklich so falsch, so bodenlos falsch sein und dabei ein so ehrliches, treuherziges Aussehen haben? „Er hat Dir was vorgeflunkert, liebe Eva", hörte sie jetzt den Inspektor sagen, „weil Tu Dich! sonst nicht mit ihm eingelassen hättest!" „Und das Gespräch auf dem Bahnhof habe ich geträumt?" trumpfte sie. „Na, ich möchte wetten murrte der Ehemann. Wer fein Weibchen ließ ihn nicht ausreden. „Alter, eifersüchtiger Brummbär", lachte sie ihn aus. r,Hätte ich lieber den nächsten Zug nehmen und Dich warten lassen sollen, als ich in Hildesheim keinen Platz mehr im Frauen-Koupee fand, was? 3-: — Komm, Tolly, laß uns ein bischen durch den Garten Meisen! Vielleicht finden wir ein paar reife, blaue Pflaumen Pflaumen, mein Herr Gemahl, und nicht Husaren, verstanden?" Und mit ihrem Baby auf dem Arme wandelte sie Arm in Arm mit deren großer Namensschwester durch die Glas- thür, über die Veranda in den Park hinunter. „Hast Du wirklich richtig gesebeu. Eva?" fragte stockend Dora Malden die Freundin. „Ich glaube, Tolly, Tu hast Dich in ihn verschossen!" versetzte die junge Frau, und wie sie ein paar Thränen an den schönen Wimpern hängen sah, fügte sie teilnahmsvoll hinzu: „Arme Tolly! es gießt ja noch ganz andere und viel schönere Männer, als so einen windigen Leutnant! Denn, wenn einer seine Familie verleugnet und den Trauring vom Finger zieht, nur um im Manöver dämmen Mädeln die Köpfe verdrehen zu können, so mutz das doch ein gräßlich windiger Patron sein, obgleich! mir dieser Herr von Eschenborn damals in der Eisenbahn so recht solide und ehrpusselig vorgekommen ist!" >,Jch kann's auch wirklich nicht glauben, liebste Eva st schluchzte herzbrechend die unglückliche Dollh und lehnte die dunkel umlockte Stirn gegen, die freie Schulter der 536 — Gemeinnütziges Redaktion: E. Burkhardt. A U G E E R v E G E L D U F E R herausgekommen ist, so lasse man sich, trotz aller Bessertmgs- erscheinungen, vom Arzte mit dem Kehlkopfspiegel untersuchen, weil ein zurückgebliebener Fremdkörper stets trühep oder später schwere Erkrankungen oder sogar den Tod hervorruft. Zahnschmerzen, die rheumatischen Ursprungs sind, werden gebessert, wenn man auf die leidende Stelle heiße Hafersäckchen legt. Der geröstete, heiße Hafer wird in handliche Säckchen gefüllt, die so warm als möglich anzuwenden und nach Bedarf zu wechseln sind. Ein heißes Fußbad leistet dabei der Hauptsache nach die besten Dienste. H o n i g a l s S ch l a f m i t t e l. Vor dem Schlafengehen sollte man regelmäßig 1—2 Kaffeelöffel Honig zu fichüehmen,- da derselbe blutbildend, nahrhaft und für nervöse Personen ungemein beruhigend ist und wohlthätigen Schlaf bewirkt. Wer den Honig nicht allein für sich genießen Null, kann ihn auf ein Stückchen Semmel oder Weißbrot streichen, oder denselben mit Milche oder Kaffee trinken, da ersterer stets gute Wirkung erzielt. Emder Weißkohl! In frischer Erinnerung ist bei uns allen noch die Einweihung des großen, im wertesten Westen des deutschen Reiches gelegenen Hafens von Emdem Es ist hierbei vielfach auch von Eindeichungen, Poldern, gesprochen und geschrieben worden. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich in der Umgebung Emdens und des Dollarts/ der Schlick, eine schwärzliche, schmierige Masse, dre das gefräßige Meer an irgend einer anderen Küste losgerrßen und mit seinen eigenen Unreinlichkeiten vermengt hat/ ! in größeren Mengen niedergesetzt. Ist der neue Boden so hoch gewachsen, daß nur noch hohe Sturmfluten ihn überschwemmen, wird er eingedeicht, und em neues, fruchtbares Land, ein neuer Polder ist dem Meer entrissen/ Tie Fruchtbarkeit der Polder ist ohnegleichen. Uebep 30 Jahre erntet man schon dort Gemüse m größter Vollkommenheit, ohne die geringste Düngung. Man kennt hier weder Kohlhernie oder Kohlmaden noch Bobenmudrg- kett. Die festen, großen, weißfleischigen Kopfe des.Emder I Weißkohls haben Weltruf. Interessenten finden rn der | neuesten Nummer des praktischen Ratgebers rm Obst- und I Gartenbau einen ausführlichen Artikel über Einder Pol- I derkulturen. Die betreffende Nummer kann vom Geschasis- I cmtt zu Frankfurt a. d. Oder kostenlos bezogen werden- -geben. Auch die Hausfrau wurde dadurch von Dollys Plötz- | ltchem Einfall unterrichtet und kam jetzt eilig dre Treppe herauf in das Zimmer der Schwester. . r, I „Du willst mit nach Trrmburg, Dolly? Ja, weshalb 1 denn?" , ,T I Wie sie aber das verweinte Gesichtchen sah-, gmg ihr I schnell ein Licht auf; denn das Interesse, das die beiden jungen Leute für einander gehabt hatten, war rhr ja Nicht I UltS5S es s o mit Dir, liebes Herz?" sagte sie bekümmert. „Ja, dann ist es wohl schon das Beste, Du verschwindest auf ein paar Tage, damit Dir der abscheuliche Mensch aus dein Sinn kommt. —' Vorhin ist übrigens ein neuer Beweis | dafür esirgetroffen daß Eva recht, hat." I „O, wirklich?" „Tu glaubst es immer noch nrcht?" „Ach Gott, ich muß wohl!" „Ter Photograph hat das Bild geschickt!" „Wo ist es? Unten? Laß es mich sehen!" „Aber Kind, es ist doch ein Postpaket!" „Ach so!" , I "heute abend, wenn er kommt, werde ich es ihm I selbst überreichen, und sein verlogenes Gesicht dabei stu- vieren I „Tas hat er nicht! Ach, er sieht so grundehrlich. ' de-Iwegen! Und wenn er nach Dir fragen sollte, so werde ich ihm Bescheid sagen, aber gehörig!" „Das würde mich! nur bloßstellen! Er hat ja kern Wort davon gesagt, daß er, — daß ich —" „Auch gut, so werde ich ihm erzählen, daß Du zu Besuch zu Deinen künftigen Schwiegereltern gefahren bist! | „Aber, Konstanze, ich habe doch gar keine künftigen Schwiegereltern!" . . „Diesen Bösewicht muß man mrt fernen eigenen Waffen bekämpfen! So sieht er doch, daß er eigentlrch der Genassührte war! Hab' ich Recht?" „Thu', was Tu willst, Konstanze! Ich —. rch — werde barmherzige Schwester!" schluchzte Dolly. Na, natürlich. Darauf haben wir gerade gewartet! Tu bleibst ein paar Tage in Trimburg, bis der Trubel hier zu Ende ist, und Tu den schlechten Kerl vergessen hast, und dann — „Ich werde ihn nie vergessen, Konstanze! Ser doch nicht so thöricht, Dolly! Morgen schon sieht die Welt ganz anders aus! Kannst es glauben! Wenn Tu fertig bist mit Packen, komm herunter. Ich habe für Rößlings ein Mahl Herrichten lassen, weil Ihr doch vor Abend fortwollt!" „Ich kann nichts essen!" k . „Brauchst Tu auch nicht! Aber Tu kannst, doch Bet uns sein! Nicht, Schatz?" Damit huschte sie wieder hinab, um in Küche und Keller ihren Hausfrauenpflichten -obzuliegen, '(Schluß folgt.) Wortspiel. Nachdruck verboten. Nektar — Notar — Tropfen — Streich — Iran — Ostern — Silen — Inka — Launen — Mais. stabend ÄSJSXTmEW! ™ fey***im Auflösung des Magischen Quadrats in vor. Nr.r In die „falsche Kehle gekommen" sind nach dem Volksmunde Speiseteilchen, die durch verschlucke»" rn die Luftröhre eingedrungen sind und ErMckungsanfalle Hervorrufen. In den meisten Fällen befördert ein starker Husten- | stosi diese Fremdkörper, wo das indessen nicht möglich ist, da kann leicht der Tod durch Ersticken emtreten, wenn nicht rechtzeitig Hilfe geleistet wird. Das einfache Klopfen des Rückens genügt nicht. Das beste und natürlichste Mittel kann man bei den Tieren lernen. Wenn emem Hunde em KnochenMck in die Luftröhre gekommen ist, so neigt er bei dem entstehenden Hustenanfall den Kopf ganz tief nach unten. Ebenso muß man beim Menschen verfahren. Man lege den Kranken auf den Bauch quer ins Bett (oder auf einen Stuhl), die Hände auf den Fußboden geschtzt, den Oberkörper nach vorn überhängend', und lasse ihn langsam und tief atmen. Dabei wird von einem andern auf Rucken und Brust geklopft. Tr. Preobraschensky, der die verschiedensten Methoden versucht hat, führt 12 Fälle an, »i denen auf diese Weise der Fremdkörper entfernt wurde, .sist mau aber nicht ganz sicher, ob der verscyluckte Gegenstand wirklich_____ - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Nichts mehr verpflanzen! Bei Tvpfpflanzert wird sehr oft der Fehler gemacht, daß die, durchgewurzelten Exemplare noch einmal vor der Einwinterung umge- pfanzt werden. Das ist ganz falsch, denn wahrenddep Ruhezeit im Winter benötigt keine Pflanze so ausgiebig Nahrung wie sie beim Umpflanzen wieder geboten wird/ Tie Töpfe trocknen nicht mehr so gut aus, es entsteht Wurzelfäule und damit der Grund zum Erkranken dep ganzen Pflanze. Deshalb ist es besser, kleine Topfe auch beim Einpflanzen der aus dem freien Land entnommenen Pflanzen zu nehmen. Linoleum erhält sich am längsten schön, wenn man es täglich kehrt und dann feucht abwischt. Wochentlico einmal wasche man es mit Seifenwasser und reibe^ trocken nach. Zweimal im Monat reibe man das gereinigte Linoleum mittelst eines Wolllappens Mit Leinöl ab; dann reibe man mit einem reinen wollenen Lappen nach. Diese Behandlung trägt viel zur Erhaltung des Linoleums Bet/ („Prakt. Wegw.", Wurzburg.) j