SS feg Ojü Leben, schönes Wunderland In dunklem Wald! Wenn wir dein Innerstes erkannt, Dann sind wir alt. Wir seh'«, was wir gesollt, gekonnt, Doch mahnend steht Die Sonne nun am Horizont — Es war zu spät. W. Jensen. (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von An ton v. Per fall. (Fortsetzung.) Zwei Jahre waren vergangen. Ein regnerischer Apriltag — graues Gewölk sich übereirWnderschiebend über der schmutzig-gelben Landschaft. Der Wind fuhr stoßweise in die halbwüchsigen Föhrendickungen, über .das rotgelbe Moorgras zu beiden Seiten der grundlosen Straße, auf welcher der Apfelschimmel schwerfällig dahinpatschte; aber sein Haupt trug er jetzt tief gesenkt, und von dem rassigen Feuer war wenig mehr zu verspüren. Sein Führer hatte den breiten Hut tief in die Stirne gezogen gegen den fast horizonalen Strichregen, der ihm das Antlitz peitschte. Unter dem blauen Mantelkragen stahl sich schneeweißes Haar hervor. Der schwere Körper drückte die Federn bis auf das Wagengestell herab. Tas ganze Ding knackte und ächzte, und der Schimmel hatte seine Not in dem schlammigen Geleise. Gerade als ob außer dem Manne heute eine ganz besondere Last im Wägelchen läge. Und sie lag wirklich darin und zwar dem Manne gerade auf der Brust, sodaß er kaum Atem genug bekam. Und wie stolz und frei war er schon aus demselben Wagen gefahren, im selben Handel, und wer ihm begegnete, rief ihm schon von weitem grüßend zu. Vorbei! Auf immer vorbei! Diese verdammte neue Zeit dreht sich einem unter den Fingern um und zeigt im Nu ein ganz anderes Gesicht. Wer hätte das noch, vor einem Jahre gedacht! Mit einem Schlage aus, radikal aus mit dem ganzen Aufschwünge! Gerade als wenn die Pest ausgebrochen wäre in der Stadt! Kein Quadratfuß mehr zu verkaufen, kern Haus mehr zu vermieten, kein Glaube und kein Vertrauen mehr weit und breit. Kirchhofsruhe! Jeder werß einen anderen Grund, und keiner den rechten. Tie Zeitungen vertuschen und vertuschen, sprechen höchstens von augenblicklicher Krisis ohne weiteren Belang. Alles schweigt und wartet auf etwas besonderes, etwas besonders Freudiges, oder etwas Furchtbares — man weiß es selbst nicht, vermeidet darüber zu sprechen. Ter Polentz thüt auch gar nicht dergleichen, im Gegenteil, er praßt jetzt mit seinem Schwiegersöhne um die Wette, ladet die ganze Stadt in sein Haus oder verbringt ganze Nächte in lustiger Gesellschaft, wo es hoch hergeht. Sieht man ihn aber dann im Kontor, so erschrickt man vor dem sorgenvollen, jetzt ganz ausgemergelten Gesichte, über das gar oft, wenn man unangemeldet eintritt, ein jäher Schatten der Angst fliegt. Lange Ivar es schon nicht mehr richtig mit ihm. Tas ist alles nur künstlicher Rausch, um etwas zu vergessen, zu betäuben! Oder die Angst? Herrgott, wenn es die Angst wäre, die Angst vor dem Einstürze des Schwindelbaues! Und hat er, der Johannes, denn nicht wacker mitgebant daran die letzten Jahre? Wenn er jetzt aufstände aus dem Grab, der jüngst verstorbene Minister, und vor ihn hinträte wie damals — „Sie sind ein braver Mann, ich verlasse mich auf Sie!" Müßte er nicht bis in sein Innerstes hinein erröten, er, der Beschützer des Bauernstandes? Wieviel Tutzende hatte er denn schon von Haus und Hof gebracht! Allerdings um ein schönes Stück Geld, das nod); dazu die reinsten Wucherprozente trug beim Polentz. Sollte er den Leuten etwa dafür irgend ein Anwesen anhängen weit draußen im Lande, das kaum seinen- Mann nährte, wie er es anfangs gethan? Wird denn die Zeit nicht immer schlechter für den Bauern? Wozu denn einen Stand halten, der sich einmal überlebt hat? Die Leute stehen sich ja so viel besser bei den hohen Zinsen! Wenn aber der Polentz wirklich fiel — dann stürzt es auch über ihn ein das Hans, über alle, die ihm ihr Hab und Gut anvertraut, über alle, die er dazu gebracht — ja, er, nur er allein! Seit Jahren schleppte er sie ja von weit und breit herbei. Sie vertrauten ihm ja wie die Kinder, er gehörte ja nicht zu den verhaßten Ausbeutern in der Stadt. Er war ja von ihrem Fleisch und Blut, sprach; ihre Sprache. Heiliger Gott! Wenn die alle bann vor ihn hinträten, die Fäuste gegen ihn erhöben, die Männer, die Frauen, die Kinder, denen er die Heimat genommen, die er zu Bettlern gemacht! Ter Einspänner ächzte und beugte sich ganz zur Seite, als ob er die Last nicht mehr tragen könnte, und Johannes hieb auf den Apfelschimmel ein. 218 ähc fuhr eben wieder denselben Weg in sein bestes Revier, aus dem er dem Polentz schon manchen fetten Bissen geholt, aber der fetteste war noch übrig. Jetzt tag er bereit. Der alte Besitzer des Anwesens hatte es dem .Sohne übergeben, und der war schon lange mürbe gemacht. Johannes zögerte immer noch mit dem Abschlüsse, der Alte that ihm leid. Er war ohnehin kränklich. Vielleicht starb er vorher. Gestern aber drängte Polentz. Er müsse das Gut haben, es sei bereits wieder so gut wie verkauft an eine Holz- stvfffabrik. Seine Erregung fiel ihm auf, sein Hasten. War es doch sonst seine Art nicht, und das Objekt nicht so bedeutend. Wenn er um jeden Preis Geld brauchte, so könnte er doch für den Augenblick ans den Kapitalien schöpfen, die bei ihm lagen. Narr! Als ob der Haufen Geld tot int Eisenschranke liegen könnte. Ter arbeitet ja draußen, trägt die Prozente. Das weiß doch jeder Mensch. Er braucht einfach Geld, das kommt in den besten Geschäften vor, daß es einmal ausgeht. In keinem Falle möchte er es in irgend etwas verfehlen, nur das nicht. Auf den einen kommt es jetzt auch nimmer an, und dessen Schaden ist es ja nicht. Von neuem hieb Johannes auf den Schimmel ein. Nur das eine Mal noch, dann will er nichts mehr wissen von dem ganzen Geschäfte. Tann nimmt er seine kimfzigtausend Mark und zieht sich zurück. Mit dem kleinsten Erträgnis will er sich gerne zufrieden geben. Vielleicht kauft er selber noch ein kleines Güt'l, oder er zieht mit seiner Frau zu Rosl hinaus. Tas müßte ein Glück sein! Seine Ruhe wieder haben, keine Angst, keine Sorge, keine — Gewissensbisse. Ter Schimmel fing jetzt sogar zu galoppieren au, so daß er die Zügel anziehen mußte. Tas Dorf Fechingen lag zwei gute Stunden von der Stadt entfernt, mitten im besten Getreideland. Bei dem unnatürlichen Steigen des Bodenwertes sahen !ich die verschiedenen Industrien, welche sich früher an der Grenze der Stadt niedergelassen hatten, genötigt, das flache Land aufzusuchen. Fechingen eignete sich infolge seiner Lage an zwei großen Heerstraßen vortrefflich dazu, und ' Polentz & Altinger waren es, welche zuerst ihre Augen darauf warfen, nachdem in der Stadt selbst schon längst kein Geschäft mehr zu machen war. So erfreuten sich die guten Fechinger bereits verschiedener chemischer Fabriken, welche schädliche Dünste ringsum über die Fluren sendeten, und die Leute hatten die begründete Aussicht, anstatt ihres früher an den Sonntagen von den Städtern mit Freude ausgesuchten reizenden Dorfes einen Fabrikvorort der Haupt- und Residenzstadt zu bewohnen. Das ging denn gar vielen, welche mit warmem Herzen an ihrer alten Heimat hingen und sich nicht mit Verkaufsgedanken trugen, wider den Strich. So kam es, daß der Einspänner des Johannes nichts weniger als freudig begrüßt wurde, als er jetzt durch das Dorf fuhr. Man grüßte nur widerwillig, da und dort sivg ihm ein hartes Schimpfwort nach, oder man drohte gar mit der Faust. Wo er wohl halten wird, der Johannes? ■ Man ahnte es zwgr, wußte es beinahe bestimmt, aber es ließ einem keine Ruhe. Man machte sich auf und folgte der frischen Wagenspur. Fehlt sich nix! Wie nur das Volk gleich Wind be- Zommt von allem! Vor dem schönsten Anwesen hielt er, vor dem Fechinger Bot'. Und richtig, im Schuppen daneben stand ein ebenso bekannter Wagen, der des Notars! Also schon abgemacht! Wieder ein schönes Anwesen weniger, und wer wußte, welch neuer Stinkkasten an seine Stelle kommen sollte. Er soll sich nur in acht nehmen vor dem Alten, dem sei net z'trau'u, wenn er glei scho halb weg iS. Auch Johannes erkannte auf den ersten Blick den Wagen im Schuppen. Tas ging ja vortrefflich. Ein junger Mann kam heraus, Hochaufgefchssfen, städtisch gekleidet, mit einem finsteren Gesichtsausdruck. Ohne Gruß machte er sich daran, den Schimmel aus- zuschirren. Johannes hatte ein peinliches Gefühl. Gr mußte immer an feinen Matthes denken, wenn er den Menschen ansah „Na, das is schön, Bot'", begann er, „daß d' glei den Notar b'stellt hast." „Was will i denn mach'n!" erwiderte dieser verdrossen, den Gaul herumreißend. „Gebt's ja fei Rnah. G'rad treib'n und treib'n. Hälft net no a Woch' wart'n könna, nachher hält' er's ja scho überstand'n g'habt, der Vater." Johannes stieg das Blut in das Gesicht. „I wollt ja, aber — mein Gott, i kauf ja net, der Polentz kauft. I bin ganz unschuldi, i zwing niemand, kann niemand zwinga." Ter junge Mann lachte höhnisch und zog den Schimmel tu den Stall. „Geh' nur in d' Stuben zum Notar, i komm' glei. Aber daß d' di net verfehlst, z'nachst neben der Stall- thür liegt der Vater. I glaub', es wär' sein End', wenn er Di sah'." Johannes gingen die Worte durch und durchs. Hatte er die Qual nicht selbst erlebt, und jetzt stand er mit seinen weißen Haaren auf der Seite des Sohnes gegen den Vater, gegen den sterbenden Vater, — er, der Bauer vorn Wald! O, es war zum in den Boden sinken vor Scham. Aber er war ja unschuldig, handelte ja nur im Auftrage. Er konnte das größte Unglück anrichten, wenn er zögerte. Ter Gedanke richtete ihn wieder auf. Aber er wagte es nicht, allein das Haus zu betreten. Er könnte sich doch irren, der Alte ihm begegnen — er ertrüge seinen Anblick nicht. Erst als der Bot' kam, trat er dicht hinter ihm in das Haus. Ehe dieser die Wohnstube betrat, rief eine heisere Stimme: „Matthes! Wer is da, Matthes? I bitt’ Di, Matthes." Ter 'junge Mann — er hieß gerade wie sein eigener Sohn — machte Johannes ein schweigendes Zeichen, einzutreten und eilte hastig in die Kammer neben der Stallthür. „Matthes" — die Stimme klang jetzt zitternd in qualvoller Angst — „schau, i mach's ja nimmer lang — g'rad so lang wart'!" Johannes stand, wie angewurzelt auf dem Flur. Der Schweiß stand ihm auf der Stirne, und doch mußte er horchen auf die furchtbare Stimme. Der Sohn flüsterte beruhigende Worte, die man nicht verstand. „I dank- Dir, Matthes, i will Dir ja glaub’«, so schlecht kann ja niemand sein." Die Stimme verlor sich in ein weinerliches Gewimmer. Johanes mußte sich auf feinen Stock stemmen. Der Atem versagte ihm fast. Hinein in die Kammer und dem Alten auf den Knieen abbitten, das wäre ihm jetzt das nächste gewesen. Da trat schon der Bot' heraus. Er schloß sorgfältig die Thüre und lachte verschmitzt. „Dem hab’ i gesagt, der Roßdoktor sei komma! Aber jetzt komm’ eina." In der Stube wartete der Notar und sein Gehilfe. Ter Handel bot wenig Schwierigkeiten. Johannes hatte nicht die geringste Einwendung auf die Forderung des Bauern. Ter Verkauf umfaßte alles bewegliche und unbewegliche Gut, so daß eine weitere Inventaraufnahme nicht notwendig ivar. Belastung war keine vorhanden. Von dem Kaufpreis sollten nur fünftausend Mark in bar ausbezahlt werden, der Rest von sechzigtausend Mark sollte in der Bank des Polentz bleiben zu zehn Prozent. So lautete die Vollmacht des Johannes. Der Notar zögerte bei dieser Bedingung. „Warum verlangen Sie nicht eine größere Barzahlung?" fragte er den jungen Manu. „Tas' Haus Polentz kann ja zahlen." „Aber i kann ma keine zehn Prozent veroiena, mit allem Rackern net. Da war i do bmurrt!" meinte dieser. „Er rnuaß 's sogar b’halt’n, die fechzigtausend Mark, sonst mag i net." Sonst freute sich Johannes über das Zutrauen der Leute, jetzt war es ihm, als müsse er Öen jungen — 219 — Menschen atmen, und er wischte sich Sen Schweiß von der Stirne. Ter Notar zog die Stirnfalten hoch. „Wenn Sie wollen —" Tann diktierte er dem Schreiber das Protokoll, indem er dabei gleichgiltig zum Fenster hinaussah. Durch seine monotone Stimme vernahm man plötzlich ein Schlürfen auf dem Flur, und eine Thüre knarrte. Ter junge Manu sprang auf, wollte gegen die Thür eilen, daöffnete sich diese — ein Greis mit spärlichem, weißem Haar und verwildertem Barte, auf einen Stock gestützt, wankte auf den Tisch zu. Sein Auge rollte unter den schlaffen, roten Lidern, sein Atem rasselte. Er legte seine zitternde, welke Hand auf das Protokoll. „Herr, i leid's net! I protestier dageg'n." „Ta müssen Sie sich an den Herrn dort wenden, nicht an mich", bemerkte der gegen solche Auftritte schon abgestumpfte Notar, auf Johannes deutend. (Fortsetzung folgt.) Amerikanisches Backobst. (Nachdruck verboten.) Tie große Fülle von Artikeln der Nahrungsmittelindustrie auf der Pariser Weltausstellung verhinderte den Besucher fast ganz das einzelne eingehender zu besichtigen. Aber es war weit dankbarer, besonders interessante Objekte aufmerksamer zu betrachten, als alle Abteilungen schnell zu durchstreifen, ohne sich über einen Gegenstand genügend belehrt zu haben. Sehr interessant war eine Gruppe, welche den amerikanischen Obstbau und Obsthandel umfaßte; denn Amerika ist das obstreichste Land und führt aus nach fast allen Ländern der Erde. Man sah da eine reichhaltige Sammlung getrockneten Obstes: Aepfel, Birnen, Rosinen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Himbeeren, Feigen usw. Diese Früchte sind nicht nur schön, sondern auch vou vorzüglichem Geschmack. Tie Amerikaner sind sehr erstaunt darüber, daß man iit Europa, insbesondere aber in Frankreich, das doch in der Konservenindustrie so außerordentlich hoch steht, dem getrockneteit Obst nicht ein genügendes Interesse entgegen- bringt, zumal es sich uin eine sehr dankbare Industrie handelt. Es gehören zum Dörren der Früchte gar nicht einmal besondere Fachkenntnisse, vielmehr zeigte die ausgestellte amerikanische Obsttrockenstube, wie einfach das ganze Verfahren ist, wenn man sich guter Vorrichtungen bedient. Wir kommen gerade hinzu, wie man mit dem Trocknen von Birnen beschäftigt ist. Im Vordergründe handhabt ein Knabe eine Schälmaschine. Er schält die Birnen; eine Frau neben ihm vierteilt sie mit Hilfe einer vor ihr stehenden Schneide- Maschine und legt sie auf die tablettartigen Üeisten- böden, die üt zwei Stößen neben ihr stehen. Die Frau und das Kind können in dieser Weise mehr als zwei Hektoliter Obst die Stunde verarbeiten. Hinter ihnen steht eine große kastenartige Maschine. Es ist der „Evaporator", ein neuer zum Dörren des Obstes benutzter Apparat. Derselbe besteht aus einem Ofen, der einen lebhaften Strom heißer Luft erzeugt, sowie einem langgestreckten Holzkasten, in welchen die mit den Früchten belegten Leistenboden eingeschoben werden. Der Heißluftstrom streicht durch diesen Kasten; unter seiner Einwirkung geht das Austrocknen gut und schnell vor sich. Der lange kastenartige Behälter über dem Ofen ist geneigt angebracht, mit mehreren Zwischenböden, sowie Thüren am oberen und unteren Ende versehen. Durch die obere Oeffnung werden die Leistenböden eingeschpben, dann weiter vorgestoßen, um einer neuen Ladung Platz zu machen, und so fort, bis sie am unteren Ende anlangen und mit den gedörrten Früchten herausgenommen werden können. So können drei Personen in 24 Stunden 1000 bis 1200 Kilogramm Obst schälen, schneiden und backen. Der Evaporator ist ein Apparat, den jeder bedienen kann. Man kann alle Arten Obst in diesem Apparat vorteilhaft trocknen, wie es die amerikanische Ausstellung zeigt; wir finden in derselben nicht nur Rosinen, Pfirsiche und Birnen, sondern auch Erdbeeren und Himbeeren. Bis jetzt hat man bei uns nur Pflaumen, Birnen und Aepfel ge- rocknet; aber in unseren Oefen erzielen wir nicht ein so chönes glänzendes Backobst wie die Amerikaner. Ter „Evaporator" hat außerdem noch den Vorzug, die Handarbeit und damit die bedeutenden Kosten derselben auf ein unwesentliches herabzumindern. Alle Welt kennt unsere gebackenen Pflaumen, Birnen und Ringäpfel. Sie ind sehr beliebt und brauchen den Wettbewerb des Auslandes nicht zu fürchten. Will man aber andere Früchte haben, so muß man seine Zuflucht zu den amerikanischen Erzeugnissen nehmen. Die Amerikaner verwenden das denkbar beste Obst, um es zu dörren; keineswegs aber gewöhnliche Kelteräpfel. Ob man Pflaumen, Kirschen, Aepfel, Pfirsiche oder Aprikosen bäckt, immer muß man danach. streben, ein hochbewertetes Produkt zu erzielen. Andern- falls ist der Erfolg ein sehr zweifelhafter. Tie Pflaumen, Kirschen, Feigen und Weintrauben werden meist ohne Vorbehandlung gebacken. Man braucht sie nur auf die Leistenböden zu legen und in den „Evaporator" zu schieben. Manchmal jedoch werden die Pflaumen entkernt und geschält. Zum Entkernen bedient man sich kleiner Sondervorrichtungen. Die Aepfel und Birnen werden stets geschält. Tue Birnen werden gewöhnlich gevierteilt, doch trocknet man sie bisweilen auch ungeteilt. Die Aepfel bäckt man manchmal ganz, manchmal auch in Vierteln, meist jedoch schneidet man sie in Scheiben (Ringe). Es giebt Maschinen, die die Aepfel gleichzeitig schälen, in Scheiben schneiden und das Kernhaus entfernen. Da das letztere sehr hart ist, wird es fast immer herausgenommen. Pfirsiche und Aprikosen werden mit oder ohne Schale gebacken. Gewöhnlich teilt man sie in Hälften. Das Fleisch der Früchte, die man vor dem Backen schälen und zerteilen muß, unterliegt der oxydierenden Thätigkeit der Luft und schwärzt sich. Um dies zu vermeiden, setzt man diese Früchte Schwefeldämpfen aus, bevor man sie in den Verdunster bringt. Ter Apparat, in welchem dies geschieht, heißt Bleichkasten. Man sieht also, daß das Obstbacken ein einfaches Verfahren ist, das wenig Material, wenig Personal und keine Fachkenntnisse erfordert. GeMeinnütziger. Untersuchung des Halses bei Verdacht der Diphtheritis. Durch große Aufmerksamkeit ist oft der Gefährlichkeit dieser verheerenden Krankheit vorzubeugen. Man versäume bei plötzlich eintretender Mattigkeit, Fieber, Halsschmerzen, überhaupt verändertem Wesen des Kindes nie, den Hals, resp. der Rachenpartie besondere Beachtung zu schenken. Zu diesem . Zwecke lasse man den Mund recht weit öffnen, die Zunge nicht etwa vorstrecken, sondern in der natürlichen Lage auf dem Mundboden liegen; je ruhiger und ungezwungener es geschieht, Um so besser. Nun drehe man den Kopf des Kindes möglichst so, daß das volle Licht eindringen kann, bei Lampenlicht muß jemand die Flamme direkt neben dem Ohr des Untersuchenden halten. Sind nun die Kinder sehr ungebärdig, so gehe man nicht eher weiter, als bis sie sich nach wiederholten Versuchen überzeugt haben, daß es nicht „wehe thut". Dann drücke inan mit dem breiten Stiel eines starken Eßlöffels die Zunge noch mehr auf den Mundboden, bis man deutliche das Zäpfchen und die umliegenden Rachenpartien sehen kann. Im gesunden Zustande sind sie wie die Mundschleimhaut rosarot, im entzündeten mehr oder weniger feurig und nicht selten seitlich geschwollen. Schon letzterer Umstand kann Veranlassung geben, den Arzt zu rufen; besonders ist es aber notwendig, wenn grauweißliche oder- gelbe Auflagerungen sich zeigen, die das Alarmsignal zur schnellen Herbeiziehung ärztlicher Hilfe geben. Man verliere also keine Zeit mit unnötigen und oft gar schädlichen Mitteln; nur für den Fall, daß der Arzt nicht gleich zu haben wäre, wende man indessen laue Umschläge um den Hals an und lasse Kinder, die zu gurgeln verstehen, mit einer ziemlich starken Auflösung von übermangansaurem Kali tüchtig gurgeln. Kindern, die noch nicht gurgeln können, bestreiche man mit dieser Flüssigkeit mittelst eines kleinen weichen Pinsels die gefährlichen Stellen im Hälfe. Dem Untersucher ist Vorsicht dringend zu empfehlen und wende man bei Besichtigung des verdächtigen Kindes, sobald sich dasselbe zum Husten anschickt, schleunigst bei; — 220 — Kops zur Seite und holte den Atem an, audj ist es gut, Karbolwatte auf Mund und Nasenlöcher zu legen, um sich vor Ansteckung zu schützen, die gebrauchte Watte wirft man am besten ins Feuer. Kinder sollte man von klein auf an Halsuntersuchungen gewöhnen, ihnen auch sobald wie möglich das Gurgeln beizubringen suchen; die kleine Mühe macht sich in ernsten Fällen reichlich belohnt. (Halberst. Frauenztg.) Jeld und Karte». Eine Aussprache über das Buschobst. In früherer Zeit wurden Hochstamm und Halbstamm als die Formen unseres Obstbaumes angesehen, auf die sich der Obstbau stützen müsse, wenn er zu volkswirtschaftlicher Bedeutung heranwachsen wolle. Nachdem dann die Formobstbaumzucht in Deutschland größeres Verständnis gefunden hatte, wurde ein Teil der Pflichten, die man früher allgemein dem Hochj- und Halbstamm zuwies, aus den Formbaum übertragen, und zwar dort, wo es sich darum handelte, in der Nähe größerer Städte Tafelobst ersten Ranges zu ziehen. In neuerer Zeit ist nun neben die Formobstzucht die sogenannte Buschobstzucht getreten. Während die Formobstzucht dem Hoch- und Halbstamm ihren Wert beließ und sich gewissermaßen mit ihnen in die Entwickelung des Obstbaues teilte, wird augenblicklich von vielen alles Heil unserer Obstkultur im Buschobst gesucht. Es gilt nicht mehr: Hochstamm, Halbstamm, Formbaum! — das Schlagwort: Pflanzt Buschobst' übertönt alles. Vorläufig fehlt es an größeren Erfahrungen in der Buschobstkultur. Es ist deshalb nur natürlich, baß unser Obstbau in der aller- empfindlichsten Weise geschädigt werden muß, wenn das Buschobst nicht hält, was man sich von ihm verspricht. So leitet der „Erfurter Führer im Gartenbau" eine Aussprache über das Buschobst ein. Da diejenigen unserer Leser, welche sich für den Obstbau interessieren, gewiß diese Aussprache lesen möchten, so können sie sich die Nr. 1 umsonst und postfrei von Erfurt kommen lassen. DerWertundNutzenderKrötenundFleder- mäuse für das Reinhalten der Gemüse- und Obstgärten von Ungeziefer und Schädlingen aller Art ist wohl unbestritten. Sehr lehrreiche Beobachtungen darüber hat jüngst ein amerikanischer Gelehrter F. Hodge in Worcester, Massa- chusets, gemacht. Er hielt eine männliche und eine weibliche Kröte in seinem Garten in einem Wasserbehälter, auf dessen Rand er Stückchen Fleisch und Knochen legte, wodurch die Fliegen angelockt wurden. Die Kröten hielten sich meistens in Sprungweite von dem Köder, und eine derselben verschlang innerhalb 10 Minuten 86 Fliegen. Eben so gierig verzehrten sie ihnen vorgehaltene oder von ihnen gefangene Baumwanzen, Engerlinge, Ameisen, Raupen, Ohrwürmer, Schnecken u. s. w. So läßt sich! auch, ein Warmhaus von den Asseln reinigen, wenn man die Nacht über eine Kröte hineinläßt. Als fleißige „Fliegenfänger" erwiesen sich Kröten, die derselbe Gewährsmann in seinem Zimmer in einem mij: Drahtgeflecht umgebenen, oben offenen Behälter unterbrachte, in dessen Ecke er ein kleines Gefäß mit Wasser aufstellt. Der Boden wurde mit Fleischstückchen und anderen Rückständen bestreut, die darauf berechnet waren, die Fliegen anzuziehen. — Aehnliche interessante Versuche stellte der genannte Forscher mit den so leicht zähmbaren Fledermäusen an. Er ist fest überzeugt, daß die in Manchen Gegenden so furchtbare Mückenplage nur durch die nächtlich schwärmenden Fledermäuse bekämpft werden kann. Wo letztere zahlreich vorhanden sind, kann auch die Apfelblütenmotte nicht aufkommen- Einst fand Mr. Hodge in einem Obstgarten seinerMachbarschaft binnen einer Minute 9 Maden dieses Insektes, während er in einem weiter entfernten nach einstündigem Suchen deren nur 4 auffand. In der Nähe aber lag eine alte Scheune, die eine Kolonie von 80—100 Fledermäusen beherbergte, und der Eigentümer erklärte, daß seine Bäume stets vor dem schädlichen Insekt verschont geblieben seien. (Prakt. Wegw.) Litterarisches. „Neueste Erfindungen und Erfahrungen" auf den Gebieten der praktischen Technik, der Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirtschaft rc. XXVIII. Jahrgang (A. Hartlebens Verlag in Wien). Pränumerationspreis ganzjährig für 13 Hefte franco 7.50 Mk. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. Tiefe Zeitschrift dient ausschließlich der Praxis. Ihre Mitteilungen, die sich über alle Berufsarten verbreiten, bestehen in praktischen, zuverlässigen und leicht ausführbaren Anweisungen, Arbeitsverbesserungen und Neuerungen auf technischem und industriellem Gebiete. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Anweisungen zu neuen, lohnenden Erwerbsarten. Aus der Fülle des Inhaltes des fünften Heftes vom achtundzwanzigsten Jahrgange seien besonders folgende Artikel hervvrgehoben: Autotypie für Plakatarbeit. — Ein neues Bogenlicht. — lieber Ersatzbronzen. — Aus meinem Erfahrungs- und Rezeptenschatz. — Empirische Methode zur Untersuchung parfümierter Flüssigkeiten. — Das Färben wollener Effektgarne. — Herstellung gemusterter Jrisdrucke. — Neue Visiervorrichtung. — Praktische Anleitung zum Selbstanfertigen eines großen Federwinders. — Neues Verfahren zur Herstellung einer gegen Wasser und Säure beständigen Anstrichmasse. — Verfahren zum Verhindern des Zusammenklebens zusammengerollter oder aufeinander geschichteter Hektographenblätter. — Sieben ohne Sieb. — Selbstthätige Knallsignale. — Herstellung und Reinigung von Schaummitteln aus Guillayarinde. — Schweißverfahren unter Benützung von Reaktionswärme. — Die Selbstherstellung des Spiegels. — Der Telautograph. — Neues galvanisches Element. — Erfahrungen in der Anwendung der Maschinenöle. — Die Stearinkerze als Glühlicht. — Herstellung von Malzwein. — Neues Verfahren zur Herstellung gestrichener Papiere. — Condensiert-Rothaut, ein netzartiges Riemenleder. — Ein rationelles Verfahren zur Herstellung von flüssiger Kohlensäure. — Prüfung ätherischer Oele. — Ersatz für Celluloid. — Torfkohle und Torf als Steinkohlenersatz. — Bezugsquellen für Maschinen, Apparate und Materialien. — Neuer Trichter zum beschleunigten Sammeln und Auswaschen eines Niederschlags. — Praktische Anleitung zur Untersuchung von alkobolhaltigen Parfümerien, Kopf-, Zahn- und Mundwässern. — Praktisches Material zur Belegung von Laboratoriumstischen. — Neuer Petroleumgaskocher. — Erfahrungen in der Pflege der Bäume. — Praktische Erfahrungen in der Straßenbepflanzung. — Wann soll man säen. — Reinigung von Kupferstichen. — Widerstandsfähiger Lack auf Kupfer. — Herstellung eines Lackes für Theekisten und Konservenbüchsen. — Darstellung strengflüssiger Lote. — Herstellung von Juwelierkitten. — Kleinere Mitteilungen. — Neuigkeiten vom Büchermärkte. — Eingegangene Bücher und Broschüren. — Neue Erscheinungen auf dem Patentgebiete. — Technisches Feuilleton. — Chemisches Feuilleton. — Chemisch-technisches Feuilleton. — Fragekasten. — Beantwortungen. — Briefkasten. Tie „Neuesten Erfindungen und Erfahrungen", welche im XXVIII. Jahrgang erscheinen, bieten jedermann, insbesondere dem Techniker und Industriellen, die Mittel, alle neuen Erscheinungen und alle wertvollen praktischen Errungenschaften kennen zu lernen und so zu verstehen, daß er sie in seinem Geschäfte sofort verwerten kann und demzufolge immer auf der Höhe der Zeit steht. Hunderte von Fragen aus allen Berufsfächern finden in dieser Zeitschrift praktische und kostenlose Beantwortung. KiNde««ZeitUNg. Herausgegebeu von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 29. Was in der Welt vorgeht: Ein neuer Kampf in China; Bon den gefangenen Buren; Das wandernde Dorf; Neue Uniformen für die deutschen Truppen in China; Ein entflohener Luftballon; Untergang eines Dampfers; Besuch auf einer ein« samenInsel. Aus d em Reiche der Natur: lieber das Leben der Bienen. Der Beobachter in Wald und Feld: Ein nordischer Wintergast. Die ersten Störche. „Peters wunderbare Reisen und Abenteuer." (Forts.) Der Fichtenbaum. Erlebnisse. — Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75. Zahle nrätsel. Nachdruck verboten. 183456768 darstellende Kunst. 2 3 4 5 3 männlicher Vorname. 3 5 4 8 Zeichen. 4 2 3 3 8 Baum. 54456238 Möbelstück. 6 7 3 3 2 weiblicher Vorname. 7 3 3 Fluß in Europa. 6 5 4 4 8 Insekt. 8 6 6 2 Vorname. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Quadraträtsels in voriger Nummer: ALOE LAHR OHIO EROS $)eba!tie«: S. Burkhardt. — Druck und «erlag der Brühk'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Srdeu) in «iefm.