Dienstag den 19. November. Nr. 166. 1901. B f L MLiMWWWMZWMMNM .. < ■., ■<1UX1 rx>tTitl4**N* MMWMMMKMKWW» N WWMWUWMßWM icr nicht fortgcht, geht zurücke. Uns're schnellen Augenblicke Geh'n vor sich, nie hinter sich. Das ist mein, was ich besitze, Diese Stunde, die ich nütze; Die ich hoff', ist die für mich? Jeder Tag, ist er vergebens, Ist int Buche meines Lebens Nichts, ein nnbeschrieb'nes Blatt. Wohl denn! morgen so wie heute Steh' darin auf jeder Seite Bon mir eine gute That. Chr. Felix Weiße. (Nachdruck verboten.) Gesprengte Fesseln. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Trotz ihres Versprechens hatte er gefürchtet, daß Margarete bei dieser grausamen Enthüllung laut aufschreien oder vielleicht gar von einer Ohnmacht heimgesucht werden würde. Wer sie war entweder in der That ein ungewöhnlich tapferes Mädchen, oder sie vermochte nicht sogleich die ganze Bedeutung dessen zu erfassen, was sie da vernahm. Denn es kam kein Laut des Schreckens über rhre Lippen Ihre Hände nur hatten sich krampfhaft zusammengepreßt, und mit starren, unnatürlich weit geöffneten Augen blickte sie auf den Sprechenden. „Bestohlen?" wiederholte sie. „Und das ist die Wahrheit? Mein Vater hat Ihnen selbst zugestanden, daß er es gethan?" . r r , , r „Mehr als das — er hat es mtr unaufgefordert bekannt, als ein Zusammentreffen widriger Umstände ihm die Möglichkeit abschnitt, die Entdeckung länger zu verzögern. Es thut mir herzlich leid, Ihnen diese peinliche Mitteilung machen zu müssen, liebe Margarete, aber am Ende erfahren Sie es immer noch besser aus meinem Munde als aus dem seinigen. Die. Beschämung wenigstens, sein Geständnis vor Ihnen zu wiederholen, können Sie ihm nun ersparen." „Ja", nickte sie, und ihre Fassung begann dem Kammerer nachgerade fast unheimlich zu werden, „es ist besser so. Und jetzt, da die Entdeckung erfolgt ist- jetzt werden Sie ihn zur Anzeige bringen — nicht wahr?" „Es wäre allerdings meine Pflicht, das zu thun. Aber ich bin kein alter Römer. Und mein gutes Herz ist wieder einmal im Begriff, mir einen vielleicht recht üblen Streich, zu spielen. Ich habe zwar nicht die Macht, das Verbrechen des unglückseligen Mannes einfach ungeschehen zu machen. Und ich sehe in diesem Augenblick kaum noch eine Möglich leit, ihn vor den strafrechtlichen Folgen seiner unredliches Handlungen zu bewahren; trotzdem aber will ichalle; versuchen, was in meinen Kräften steht, um die Katastropy- wenigstens für jetzt abzuwenden und ein paar Monate Zer. zu gewinnen. Vielleicht ereignet sich inzwischen boo)' nofl ein rettendes Wunder, wie gering auch in diesem Moment» die Aussichten dazu, sein mögen." / „Sie sagten, daß es sich um eine große Summ h ein bett ?/z * „Ich habe noch nicht Gelegenheit gehabt, sie durch eigene Untersuchung festzustelleu. Aber nach Lindemanns. Angaben sind cs mindestens vierundachtztgtausend Mark. „O mein Gott, das ist ja ein ganzes Vermögen. Aber ich kann es noch nicht fassen. Wozu könnte mein Bäte-' eine solche Riesensumme verwendet haben — er, der be scheidenste und anspruchsloseste aller Menschen?" , Ja, das ist eine lange Geschichte, mein Krnd, unk wenn Sie durchaus Aufklärung darüber haben wollen müssen Sie sie sich schon von ihm selbst geben lassen. E scheint ja, daß ein verschlagener Schurke seine erste Ver irrung und seine nachherige Schwäche gemißbraucht hat um ihn ganz in seine Gewalt zu bringen. Aber das wurd ihm vor Gericht selbstverständlich nicht als Entschuldigung dienen. Wenn es nicht gelingt, bis zur nächsten Kassent rcvision den ganzen Fehlbetrag aufzubringen, so kann nichts mehr Ihren Vater vor einer vieljährigen Gefängnis- ode gar Zuchthausstrafe bewahren." Margarete hatte sich erhoben. Noch immer netzte kein Throne ihre völlig farblos gewordenen Wangen. „Ich danke Ihnen für Ihre Aufrichtigkeit, Herr Stadt rat ! Leben Sie wohl!" r , Doch auch der Kämmerer war blitzschnell aufgesprunger und vertrat ihr den Weg. „Was haben Sie vor, Margarete? Wohin wollen Sr eichen u * „Dahin, wo mein Platz ist — zu meinem unglücklicher 95 eiter/z „Und was gedenken Sie zu thun? Wodurch wollet Sie ihn ermutigen oder trösten?" „Dadurch, daß ich mit ihm trage, was getragen Werder muß — die Schande oder den Tod." . „Na ja, etwas derartiges habe ich mtr wohl gedacht Aber das ist nicht die richtige Gemütsverfassung, m des ich Sie zu ihm zurückschicken kann. Nehmen Sie also go fälligst noch einmal Platz und hören Sie mich recht ruhi^ und verständig an. Sie werden mir doch wohl glauben daß ich Ihnen nicht das alles so offen gesagt hatte,, Wern, ich nicht ein wenig auf Ihre Mitwirkung rechnete bet den Versuch, die Sache zu einem guten Ende zu fuhren. , Er hatte die schwach Widerstrebende abermals auf 0G Sopha niedergedrückt und begann nun, mit auf den Rucker gelegten Händen im Zimmer auf und nieder zu gehen Margarete aber schüttelte mutlos den Kopf und sagte: „Stile sollte das möglich sein, Herr Stadtrat? Heutzutage geschehen keine Wunder mehr. Und da es doch keine Rettung giebt, wäre es nur eine nutzlose Grausamkeit, das Unvermeidliche um Wochen oder Monate hinaus zu schieben." „So? Sie mochten also Ihren Vater bestimmen, unverzüglich hinzugehen und sein Verbrechen zur Anzeige zu bringen?" „Ja. Ich halte es so für das Beste-" „Nun, das mag sehr heroisch sein, besonders liebevoll und kindlich aber ist es 'gerade nicht. Denn wenn idj auch! vorhin von einem Wunder sprach, das sich ereignen müßte, um das Aenßerste abzuwenden, so ist das doch vielleicht nicht ganz buchstäblich zu nehmen. Ihr Vater freilich kann die unterschlagene Summe so wenig in einigen Monaten aufbringen, als er es in zehn Jahren könnte. Ich aber werde dazu möglicherweise int stände sein, wenn es auch, bei Gott, keine leichte Aufgabe feilt wird." „Sie, Herr Stadtrat? Nein, das ist unmöglich. Ein solches Opfer wird mein Vater nimmermehr von Ihnen annehmen." „Nun, was das Annehmen betrifft, so dürfen Sie, wie ich glaube, ganz ruhig sein. Und schließlich bin ich jn auch einigermaßen bei der Sache interessiert, da man mir int Fall eines öffentlichen Skandals mit Recht meine blinde Vertrauensseligkeit zum Borwurfe machen würde. Ich werde mich also, wie gesagt, bemühen, das Geld zu beschaffen. Gelingt es, so braucht tiiemaud außer uns dreien etwas von der Schuld Ihres Vaters zu erfahren, und er kann in den Augen der Welt ein ehrlicher Manu bleiben bis an sein Ende." । „Und Herbert?" warf Margarete leise ein, „dürfte ich auch ihm die Wahrheit verschweigen?" „Da sind wir bei dem kritischen Punkt. In Ihren Beziehungen zu meinem Sohne liegt für den Augenblick die wesentlichste Schivierigkeit, und hier vor allem bin ich auf Ihre Mitwirkung angewiesen. Daß ich unter bett obwaltenden Umständen leider nicht mehr daran denken darf, ein Familienband zwischen Ihrem Vater und mir zu knüpfen, haben Sie sicherlich bereits eingesehen, liebe Margarete! Tausend schwerwiegende Gründe machen es ganz und gar unmöglich." Margaretens blondes Köpfchen war tief herabgesunken, sodaß Ludwig Ignatius nicht mehr hätte in ihren Zügen lesen können, selbst wenn sein Blick auf ihr Antlitz gerichtet gewesen wäre statt auf die Muster des Teppichs. Es gab eirie kurze Pause, ehe zur nicht geringen Erleichterung des Stadtrats in scheinbar ruhigem Tone ihre Antwort erfolgte: „Ja, ich sehe es ein. Sagen Sie dem Herrn Assessor, daß er keine Verpflichtung mehr gegen mich hat." „Wie brav sie sich hält!" dachte der Kämmerer. „Es steckt doch mehr in dem Mädel, als ich geglaubt hatte." Laut aber sagte er: „Ich versichere Ihnen, liebes Kind, daß ich diese unselige Wendung der Dinge nicht nur Ihretwegen, sondern auch um Herberts willen aufrichtig beklage. Sie wissen, daß ich ursprünglich einige Bedenken gegen die Verbindung hatte. Wer sie waren längst geschwunden, und ich hatte mich so daran gewöhnt, Sie als ein Mitglied meiner Familie zu betrachten, daß — —" „Ich danke Ihnen, Herr Stadtrat", fiel Margarete ein, „aber nachdem ich Ihnen diese Erklärung abgegeben habe, brauchen wir wohl nicht weiter darüber zu sprechen."- „Hm! — Es wird sich doch nicht vermeiden lassen, so gern ich auch jede nur mögliche Rücksicht auf Ihre Empfindungen nehmen möchte. Es ist nämlich ganz und gar ausgeschlossen, daß ich den Ueberbringer Ihrer Erklärung an meinen Sohn mache, wie Sie es da soeben vor mir verlangten. Wenn Ihnen daran gelegen ist, Ihren Vater zu retten, müssen Sie selbst die Auflösung des Verlöbnisses herbeiführen, und zwar unter Verschweigung der eigentlichen Ursache." „Ich weiß nicht, ob ich Sie recht verstehe — Sie verlangen, daß ich den ersten Schritt thun — und daß W mich obendrein eines Vorwandes bedienen soll?" „Tie Rücksicht auf Ihren Vater verlangt es so — nicht ich. Sie wissen, daß Herbert augenblicklich die Funktionen eines Staatsanwalts-Stellvertreters versieht. Wenn er von den Unterschlagungen Ihres Vaters Kenntnis erhielte, gleichviel, ob auf privatem oder auf amtlichem Wege, so würde er dadurch in einen furchtbaren Zwist zwischen seine« Pflicht und seinem Herzen gebracht werden. Denn seine! Pflicht geböte ihm, unverzüglich gegen den Verbrecher ein--, zuschreiten. Und wie ich meinen Sohn kenne, fürchte ich,- daß er nicht zögern würde, dem höheren Gesetz alle persönlichen Empfiiidungen und Rücksichten zu opfern. Aber! ob er nun das eine oder das andere thun würde, in jeden- Falle müßte ihn sein Entschluß sehr unglücklich machen.- Und ich meine, es wäre an dem durch Ihren Vater heraufbeschworenen Unglück ohnedies genug." Margarete kannte die Pflichten eines bei der Staats-, auwaltschaft beschäftigten Assessors nickst hinlänglich, uni die Darlegung des Stadtrats auf ihre innere Wahrhaftigkeit! prüfen zu können. Aber sie hatte von der Seelengröße! ihres Verlobten und von der Lauterkeit seines CharaktersI eine so hohe Meinung, daß sie den eben gehörten Worten! ohne weiteres Glauben schenkte. Und vielleicht begriff siej erst in diesem Augenblick die ganze Furchtbarkeit der Sage,; in die sie durch ihres Vaters unselige Schuld versetz- worden war. Für einen Moment barg sie das Gesicht in den Händen^ und es schüttelte ihren Körper wie mühsam unterdrücktes! Schluchzen. Auch ihre Kraft hatte eine Grenze, und was da über sie hereinbrach, war fürwahr schwer genug, um! alle Tapferkeit und Selbstbeherrschung zu Schanden zu! machen. Ludwig Ignatius trat an das Fenster und wartete. Abe« er blickte dabei verstohlen auf seine Uhr. Denn wenn e« nicht zu einem Ergebnis gekommen war, bevor Herber- nach Hause zurückkehrte, so konnte er seinen Rettungsplan,- der ihm ja noch immer nur in ganz unbestimmten Um-, riffelt vorschwebte, von vornherein als gescheitert betrachten.! Die beiden durften einander unter keinen Umständen begegnen, ehe Margarete sich seinen Ansichten anbequemt und den entscheidenden Schritt nach seinem Willen gethan! hatte. Darum wandte er sich nach Verlauf von zwei schier unerträglich langen Minuten wieder ins Zimmer zurück und sagte in eindringlich ernstem Don: „Ueberlegen Sie wohl, mein Kind, wie viel hier in! Ihre Hand gelegt ist. Und bedenken Sie auch, daß wir nicht Zeit haben, lange zu zaudern und zu überlegen! Denn dir Umstände drängen gebieterisch zu einer raschen Entscheidung.! Nnr wenn die Verhältnisse völlig geklärt sind, darf ich daran denken, den schweren Kampf zu Ihres Vaters Rettung! aufzunehmen. Und um keinen Preis will ich daneben auch noch einen Kampf in meinem eigenen Hause zu führen haben.- Aber vielleicht ist -es gerade das, worauf Sie hoffen. Viel-f leicht rechnen Sie mit dem Großmut und der leideuschaft- lichen Liebe meines Sohnes, von der er Ihnen ja allerdings! schon hinlängliche Beweise gegeben hat. Sie erwarten viel-i leicht, daß er das Opfer nicht annehmen und Sie trotz alledem zu feiner Frau machen werde, gleichviel ob es ihn seine Ehre und feine gesellschaftliche Stellung, seine ganze Zukunft kostet. So nur könnte ich mir Ihr Widerstreben! gegen meinen wohlgemeinten Borfchlag erklären. Und ich bin aufrichtig genug, Ihnen zu sagen, daß Sie den thörichtett! Idealisten damit möglicherweise ganz richtig beurteilen würden." „Halten Sie ein!" rief Margarete, und eine hoheits-. volle Würde lag in dem Klang ihrer Worte. „Wodurch habe ich Ihnen das Recht gegeben, so niedrig von mir zN denken? Nein, ich will Herbert ebenso wenig in einen Kamp-tz zwischen feiner Pflicht und seinem Herzen drängen, als ich gesonnen bin, das Opfer seiner Zukunft anzunehmen. Sagen! Sie mir, was ich thun soll, es zu verhüten — aber sagen Sie! es mir schnell; denn ich weiß nicht, wie lange ich noch im stände sein werde, dies Entsetzliche zu ertragen." „Nun denn — Sie müssen ihm brieflich das Verlöbnis! aufkkündigen unter irgend einem Vorwande, der ihn dick Wahrheit nicht ahnen läßt — und der gleichzeitig so geschaffen ist, daß er alle weiteren Auseinandersetzungen^ schriftliche wie mündliche, ausfchließt. Verstehen Sie, wie ich oas meine?" Margarete hatte die Hand an die Stirn gelegt. Sie! empfand hort feit einigen Minuten einen so rasenden Schmerz, daß sie meinte, der Kopf müsse ihr zerspringen.! „Nein, noch nicht ganz. Und vielleicht ist es am besten,! wenn Sie mir gleich einen solchen Vorwand nennen.")! „Mein Gott, das liegt doch so nahe. Wenn Sie zum! Beispiel erklären, daß Sie sich in der Stärke und Beständigkeit Ihrer Liebe zu ihm getäuscht hätten — wenn Sie 663 durchblicken lassen, daß ein anderer — Sie brauchen ja keinen Namen zu nennen — Ihrem Herzen mit der Zeit teurer geworden sei als er--" „Nein — nein — nein!" schrie die Gepeinigte auf und grub ihr Gesicht in die Polster der Sophalehue. „Es ist unmenschlich, was Sie von mir fordern. Lieber lassen Sie mich mit meinem Vater sterben." „Also war es Ihnen doch nicht recht Ernst mit Ihrer feierlichen Versicherung! Nun, so handeln Sie in Gottes Namen nach Ihrem eigenen Ermessen. Aber machen Sie gefälligst nicht mich für all ' das unabsehbare Unglück verantwortlich, das daraus entstehen wird." Er hatte wieder nach der Uhr gesehen und sich überzeugt, daß Herbert in weniger als einer Viertelstunde da sein konnte. Darum hatte er in feiner Erwiderung einen beinahe brutalen Don angeschlagen; denn diese Szene mußte jetzt ein Ende haben — so oder so. Und es schien fast, als ob er damit das Rechte getroffen habe; denn nach Verlauf einer kurzen Zeit, während der nur das Schluchzen der jetzt ungestüm Weinenden vernehmlich gewesen war, richtete sich; Margarete wieder auf und trocknete mit dem Taschentuche ihre Augen. „Wohl — ich werde Herbert einen solchen Brief schreiben. Aber er wird nicht ein Wort von seinem Inhalte glauben." „Wenn es Ihr fester Wille ist, ihn daran glauben zu machen, werden Sie auch die rechten Worte finden, davon bin ich überzeugt. Und wenn er dennoch zweifeln sollte, nun, so müssen Sie eben durch Ihr weiteres Verhalten seine Zweifel zerstreuen." Margarete stand auf. Ihre Thränen waren versiegt, und ihr Gesicht war ganz ruhig. Schweigend befestigte sie aufs neue ihren in Unordnung geratenen Schleier, und Ludwig Ignatius, der mit heimlicher Ungeduld ihrem Beginnen zusah/ fühlte trotz seines Ingrimms gegen alles) was den Namen Lindemann trug, eine leise Regung des Mitleids bei dem Anblick ihrer schönen, jungen, selbst unter dem Drucke des furchtbaren Herzeleids in Haltung und Bewegung so anmutigen Gestalt. Er gedachte ihr noch irgend etwas Tröstliches zu sagen, aber es wollte ihm nicht gelingen, die rechten Worte zu finden, und als er endlich zu sprechen anfing, war sie schon an der Thür. „Nur eine letzte Bitte noch, Herr Stadtrat!" fiel sie ihm in die Rede. „Sie sind gewiß nicht ohne Einfluß uuf Ihren Sohn, und Sie selbst sagten vorhin, daß alle mündlichen Auseinandersetzungen besser vermieden würden. Wenn er meinen Brief empfangen hat, wird er vielleicht trotz alledem den Wunsch haben, mich noch! einmal zu sprechen. Aber Sie werden ihm diesen Wunsch anszureden suchen — nicht wahr?" „Ich werde thnn, was ich nur immer vermag, um es Ihnen zu ersparen. Sie können in diesem wie in allem anderen ganz auf mich zählen, liebe Margarete!" Er wollte ihr die Hand, reichen, aber sie mußte seine freundlich dargebotene Rechte wohl nicht gesehen haben; denn sie legte biet ihrige nicht hinein, und verließ mit einem leisen, fast tonlosen Äbschiedsgruhe das Gemach. (Fortsetzung folgt.) Mißlungen. Von An ton Tschechow. Mus dem russischen ton Stefan ia Gold en ring. (Nachdruck verboten.) Ilja Sergjeitsch Peplow und dessen Frau, Cleopatra Petrowna, standen an der Thür und horchten eifrig. Hinter der Thür wurde offenbar eine Liebeserklärung volb- zogen, und zwar machte der Gemeindeschullehrer Stschupkin ihrer Tochter, Nataschenka, seine Liebeserklärung. „Er beißt an", flüsterte Peplow, dabei zitterte er vor Ungeduld und rieb sich die Hände. „Paß auf, Petrowna, sobald sie von Liebessachen zu sprechen beginnen, dann nimm sofort das Heiligenbild von der Wand, — und wir segnen sie . . . Wir werden sie bedecken. . . Der Segen mit dem Heiligenbild ist heilig Und unantastbar . . . Dann kann er nicht zurück, und wenn er selbst an's Gericht ginge." Indessen wurde hinter der Thür folgende Unterhaltung geführt: „Hören Sie auf zu trotzen!" sagte Stschupkin, während er an seinen fintierten Beinkleidern ein Zündholz austeckte. „Ich habe Ihnen gar keine Briefe geschrieben!" „Ach nun! Als würde ich Ihre Handschrift nicht kennen!" kicherte das Mädchen, pfiff dabei, urib zierte sich, und besah sich immer wieder im Spiegel. „Ich habe die Schrift sofort erkannt! Und wie sonderbar Ihr seid! Schönschreiblehrer sind Sie, und haben eine Handschrift wie ein Huhn! Wie lehren Sie schreiben, wenn Sie selber so schlecht schreiben?" „Hm . . . Das thnt nichts. Beim Schönschreiben ist die Handschrift nicht die Hauptsache, das Wichtigste ist, daß die Schüler sich gut betragen. Der eine bekommt mit bernj Lineal eins an den Kopf, ein anderer über die Kuie-e! . . Was liegt an der Handschrift! Unsinn! Nekrasow war Schriftsteller, und es ist eine Schande, seine Handschrift zu sehen. In der Sammlung der Aufsätze wird seine Hand-t schrift gezeigt. „Das ist Nekrasow, aber Sie . . . (Seufzer). Einew Schriftsteller würde ich gern heiraten. Er würde mir fort-, während Gedichte aus dem Kopf schreiben!" „Gedichte kann auch ich Ihnen schreiben, wenn Sitz wollen." „Worüber können Sie denn schreiben?" . „lieber Liebe . . . von Gefühlen . . . von Ihren Augen . . . Sie werden es lesen — davon gerührt sein . . . Eine Thräne wird fallen! Und wenn ich Ihnen ein poetisches Gedicht schreibe, so werde ich Ihnen das .Händchen küssen dürfen?" „Große Cache . . . Meinetwegen küssen Sie jetzt gleich!"' Stschupkin sprang herbei, öffnete die Augen weit, und stürzte sich ans das runde, nach Mandelseife riechende Händchen. „Nimm das Bild herunter!" mahnte der Mann zur Eile, stieß seine Frau mit dem Ellenbogen an, wurde ganz bleich vor Aufregung und knöpfte feinen Rock zu. Ohne eine Minute zu zögern, machte Peplow die Thür auf. „Kinder", stammelte er, die Hände erhebend und mit den thränengefüllten Augen zwinkernd. „Der Herr segne Euch, meine Kinder. ■ . Lebt. . . vermehrt Euch. . . pflanzt Euch fort! —" „Auch . . . auch ich segne Euch . . ." fügte die Mama hinzu und weinte vor Glück. „Werdet glücklich/ meine Teuren! O, Sie berauben mich meines einzigen Schatzes!"' sagte sie, indem sie sich an Stschupkin wandte. „Lieben Sie meine Tochter, feien Sie gut zu ihr." Stschupkin öffnete den Mund vor Stailiicn und Schrecken, Der lieber fall der Eltern geschah so urplötzlich und kühn, daß er kein Wort sprechen könnte. „Hereingefallen! Ueberrumpelt!" dachte er, vor Schrecken ganz schwach werdend. „Jetzt bist Du gefangen,; Bruder! Sieh zu, wie Du herauskommst!" Und er hielt demutstoll seinen Kopf hin, als wollte er sagen: „Nehmt mich hin, ich bin besiegt!" „Ich se. . segne . fuhr der Papa fort und weinte ebenfalls. „Nataschenka, meine Tochter. . . stell Dich daneben. Petrowa, gieb mir das Bild her. . ." Hier aber hörte der Erzeuger plötzlich auf zu meinen, sein Gesicht erzitterte vor Zorn. „Schafskopf!" sagte er mit Aerger zur Frau. „Dumm' bist Du aber! Ist das denn ein Heiligenbild?" „Ach, Du heiliger Himmel." Was ist geschehen? Der Schonschreibelehrer erhob ängst-, lich die Augen rind sah, daß er gerettet war. Die Mama! hatte in Eile anstatt des Heiligenbildes das Porträt des! Schriftstellers Ljasetschnikow von der Wand hernnterge- nommen. Der alte Peplow und dessen Fran Cleopatra! Petrowna standen mit dem Porträt in den Händen verlegen da und wußten nicht, was sie thun und sprechen sollten. Der Schönschreibelehrer benutzte diese Verwirrung und machte sich davon. Neue Pariser Hüte. (Nachdruck verboten.) Auch die Herbst- und Winterhüte folgen in Form und Farbe der gegenwärtigen, zum Malerischen neigenden Moderichtung. Der große, flache Hut beherrscht fast aus-i schließlich die Jahreszeit, da er jedoch nicht für jedes Gesicht! kleidsam ist, so behaupten sich neben demselben noch die verschiedensten Formen, wie Capelines, Amazonen, der Toreador, Trieorne elegante Toques aus Tuch oder Sammet usw. Auch der seit längerer Zeit etwas vernachlässigte 664 Wickeln. („Prakt. Wegw.", Würzburg.) f. Getränk. a b c sondern auch in seinem ersten Teile Vorschriften enthalt, die die Ausbildung der Gedächtniskraft selbst bezwecken, was als besonders anerkennenswert hervorgehoben werden muß. Federn, dem daran liegt, ein in allen Dingen zuverlässiges Gedächtnis zu erhalten «der sich zu bewah^n, können wir das Buch aufs angelegentlichste empfehlen. Der Preis desselben beträgt nur 2 Mk., gebunden 2.75 Mk. Magisches Dumdrat. (Nachdruck verboten.) a. stolzer Vogel. _ b. Bezirk. c. in Alpen. — (1. türkischer Titel. o. schmackhafter Fisch. Auflösung der Schachaufgabe in vor. Nr.: W K 112, D cl, T a4, e8, 8 b7, f8, L g7, B a9, dG; - Schw. X f5, T al, a5, L bl, e7, 8 h8, B a2, 12, f7, g5, h5. 1. D cl—c.4, beliebig. 2. D, T oder 8 matt. GsmernnÄtzises. Di e Reinlichkeit erstreckt sich auch auf die Haarkultur, besonders auf die des Bart- und Haupthaares und ist für die Gesundheit nicht unwichtig. Außer dem vorsichtigen Kämmen sind auch die Waschungen des Kopfes im Winter mit lauwarmem und im Sommer mit kaltem Wasser zu empfehlen. Da die offenen Enden abgeschnittener Haare mehr zur Absonderung, als zur Aneignung fremder Stoffe dienen, so soll man die Haare nicht mit vielen wohlriechenden Deien und Pomaden einschmieren. Auch nehme man das Abschneiden des Hauptyaares nie un Winter ber starker Kälte oder bei ungünstiger und naßkalter Witterung, welche ohnehin katharrhalische und rheumatische Krankheiten begünstigt, vor. Beqonienknollen überwintern am besten rn flachen Kästen, in welchen sie in Sand eingebettet werden. Nachdem der Frost das Laub dieser schönen Blutenpflanzen zerstört hat, werden die Knollen herausgenommen, alle abgestorbenen Teile entfernt, und die Erde, soweit meses möglich ist, ausaeschüttelt; vor Schneiden und Wreißen hüte man sich Verwundete Stellen, welche trotz aller Vorsicht doch Mwechm entstehen, bestreut man mit zerstoßener Holzkohle, wodurch Täulnis verhütet wird. Dunkel dürfen die Knollen schon stehen, wenn sie nur nicht vom Froste erreicht werden, auch ist öfters nachzusehen, daß keine trocknen. Wenn sie warm stehen, ist das Kästchen oanu und wann zu spritzen oder leicht überzubrausen, bmtut Erde immer einen bestimmten Feuchtigkeitsgrad besitzt, ^nt März können die Knollen schon wieder emgepflanzt und hinter das Fenster gestellt werden, wo sie sich bald ent- ten Schleier. , r... Im allgemeinen kann man den neuen Pariser Hut.n nachsagen, daß sie mehr denn je kapriziös sind, daß aber gerade ihre phantastischen Formen dem Wesen der Pariserin durchaus' angemessen scheinen und sie trefflich kleiden. Fn Deutschland sollte man diese Hute nicht ohne weiteres kopieren, sondern sie dem schlichteren Wesen der deutschen Frau anpafsen. Eine verständige Putzmacherin, welche etn selbständiges Urteil besitzt, wird hier leicht das recqte Maß treffen, ohne den Pariser Anregungen aus dem Wege zu gehen. 'x'9’ Wie erlangt und wie erhält mau sich ein gutes Gedächtnis? Von Erich Franken. Verlag von Hugo Steinitz, Berlin SW Die Wichtigkeit des Gedächtnisses ist allgemein anerkannt, und doch ist die Zahl derer, die über ein gutes Gedächtnis verfügen, nur klein. Besonders aber beklagen viele, die sich in der Jugend eines, guten tz^oachtnisses erfreuen, das Abnehmen und Schwinden dechelben imt dem zunehmenden Alter. Das uns vorliegende Buch lue.et eine vorzügliche Anleitung zur Erlangung und Erhaltung des Gedächtnisses, indem es nicht nur die Hilfsmittel der Mnemotechnik bringt, die in gewissen Fällen dienlich fmo, Richtiges Ueberwintern der Gemüse. Die Hausfrau, welche auf dem Markte ihre Einkäufe macht, weiß ein Liedchen davon M singen, wie ungemein wechselnd der Geschmack der Gemüse ist. Es schmeckt dasselbe oft dumpfig, muffig, oft besitzt es andere unbesttmmbare Beigaben. Woher rührt das? Vorzugsweise von schlechter Cm- winterung. Ein Gemüse, welches seinen gesunden Geschmack 'behalten soll, darf nicht in irgend einem Winkel liegen, nicht in der Nähe faulenden Gemüses untergebracht Jem. verlangt eine Ueberwinterung, die nicht nur gegen Fos sthichtz sondern auch gegen Annahme fremder Gerüche W e man das macht, das beschreibt tn Nr. 31 des „Ersurtep Führers im Obst-und Gartenbau" ein alter <^musepraktiker auf das eingehendste und ergänzt oas Gesagte durap view Bilder Unseren Abonnenten steht Nr- 31 kostenfrei zu Verfügung, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden. ____ 'In die Felder des vorstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAA^G L M R U derart cinzntragcn, daß die drei wagerechten Lckhm'a b c'nnd die drei senkrechtes Reihen d e f Wörter von der be> gefügten Bedeutung bilden. (Auflösung in nächster Nummer.) Kapothut erscheint wieder tn den verschiedensten Am führ- ungen Die tzutköpfe zeigen vielfach reiche Verzierungen in "gesteppten Btais, schmalen Sammet- oder Seidenrollen, Ehenille sowie der ganzen Serie von Applikationen, welche wir auch an vielen ^eleganten und geschmackvollen Wrnter- ^^Weiche, rauhhaarige Filzhüte sieht ^nan in fach allen Schattierungen und in recht kleidsamen Formen. Als Garnitur verwendet man für diese Hüte, häufig nur emfache Seidenkordel, ein Sammetband mit schöner Schnalle, seidene, mit Gold oder Silber getupfte Pompons, oder eine Band- Tie unnatürlich großen Blumen, welche, die Sommer- Und teilweise auch noch die Herbsthute schmückten, werden ans den Winterhüten zu bescheideneren Dtmen,iouen zuruck- kehren: die Dahlia erfreut sich gegenwärtig unter den Modeblumen sehr großer Beliebtheit. Ganzbesonders, rm Schwung aber sind Federgarnituren, Flügel, ganze Vogel, Phantasiefedern, Rosen und die kostbaren, schwarzen und weißen Straußenfedern, welche sich, wie kaum em anderer Schmuck, in der Gunst der Frauenwelt behaupten. _ Eine hübsche Pariser Neuheit bildet das besonders für elegante Abendtoiletten passende Doqne, welches ganz aus strohhalmbreiten Atlasbiais, abwechselnd mit Sammetbrats $ ^Sehr geschmackvolle Hüte sieht man auch in Velours miroir mit reichem Federschmuck und eleganten, Applikationen. Der kleidsame Jean-Bart, eine gegenwärtig ,ehr beliebte Form, so benannt nach dem berühmten Seehelden, wird mit Vorliebe in grauer.'. Filz getragen und unt wersten oder abgetönten Galons umrandet; häufig schmucken ihn zwei Paar Merkurflügel. Ein sehr eleganter, toqueartiger Hut war aus drapierten, orchideenfarbigem Sarnmet gefertigt. Der breite Kopf bestand aus Taffetbiais und Sammetröllchen. An der linken Seite war die Form leicht aufgebogen und mit emem vollen Strauß Parmaveilchen geschmückt. Eine reizende Eapeline aus weißer Melnfme war mit Draperien aus Velours miroir garniert, unterbrochen durch mattblaue Banddraperieen. Zwei große Posen und eine hübsche Schnalle vervollständigen die geghmackvolle Gar- Sammet wird mehr denn je zu Hutgarnituren verwendet als Stoff sowohl, wie als breiteres Band und ganz ghmales Bändchen. Man sieht auch Blumen und Laub aus sammec; doch scheint man denselben die aus Satin antigue gefertigten Blumen vorzuziehen, welche sich durch wundervolle, zart abgetönte Farbenharmonieen auszeichnen. „ Tie lockeren Frisuren erheischen cu§ unerläßliches Toilettenstück den Schleier, der in diesem Jahre besonders fein und leicht ist. Nur für Sportzwecke, tote für Automobtl- uub Radfahrten, trägt man ein dichteres Gewebe. Ganz neu sind doppelte Tüllschleier, die den Vorzug besitzen, nicht unkleidsam zu sein, wie die schwereren dtcptgemuster- Ncdaktion: E. Burkhar dt. - ^tionsdruck und Verlag der Brüll'sch-n UniversiÄs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.