'NMZ BHf M U 1901. — Nr. 149. Samstag -en 19. Dktober. rx ttß&A aZ Alter wägt und mißt es, Kgkf Die Jugend spricht: So ist es. Platen. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elster. (Fortsetzung.) Er ergriff ihre Hand und küßte sie in stürmischer Erregung. Lächelnd überließ sie ihm ihre Hand eine Weile. .Tann zog sre sre zuruck und drohte ihm mit dem Finger. „^ch merke, Sre haben die Husarenstreiche noch nicht „Gnädige Frau verzeihen. . uun müssen Sie mir auch volles Vertrauen schenken." , . ganzem Herzen. Ich, habe ja auch nichts zu ver- ??lln mEltr^retlt Elater starb, ehe ich Offizier wurde — eg stellte srch heraus, daß kein Vermögen vorhanden war K' bs waren iroch. Schulden da — es war mir unmöglich dre mrlltarrfche Karriere weiter zu verfolgen, und ich wurde Herr Arthur Wedemeyer hatte dieses Märchjen schon lo oft erzählt daß er fast selbst daran glaubte. Was brauchteit auch dre Leute zu wissen, daß er wegen dummer Streiche und Schulden halber als Fähnrich zur Reserve ent- „Tas ist allerdings sehr traurig. Aber mußten Sie denn gerade Landwirt werden?" m bUlen Onkel zu beerben, der ein eigenes Gut besäst Aber das Gut kam unter dein Hammer . . .: so Muß ich denn als Inspektor mein Leben fristen " p. '^un ~ vielleicht ändert sich Ihr Schicksal doch noch S? ; Sie sind ja noch jung und — einem flotten, hübschen Mann stehen viele Wege offen..." ^I'Ege Frau — wie dankbar ich Ihnen bin!" . „Vorläufig sollen Sie aber noch hier bleiben und mich in meme neuen Pflichten einführen." „SKit tausend Freuden. Ich begreife nur nicht . . ." «. "®ie haben heute morgen mit meinem Gatten einen längeren Ritt unternommen?" „Ja, gnädige Frau. . ." diesem Ritt brächte mein Mann den Entschluß Heun, hier zu bleiben und sich der Landwirtschaft zu SÄ"* * **baiU" ** fcÄ»« sägt”"*“ ** tomÄ * bCm „Wo waren Sie denn?" „Gnädige Frau kennen die Gegend noch nicht?" "Aur wemg. Nach, der einen Seite grenzt Petershagen ja wohl an Jesewitz..." 1 b ."GmA recht — nach der anderen Seite an Jägerhof . . . gnädige Frau lind gestern an Jägerhof vorübergekommen. Wir waren heilte nrorgen auch dort. . „In Jägerhof?" „Rur an der Grenze." „Und haben den alten Breymann, Ihren Vorgänger, V v-1 U uj i r „Nein,^ gnädige Frau. Wir trafen nur Fräulein Brey- "ITt'd-Tt Tt • e • „Ah, die schöne Else Breymann! Erzählen Sie mir doch etwas^von Man erzählt sich ja Wunderdinge von vo'n t§La"^en' ^etU SWann wenigstens ist ganz begeistert Wedemeyer lächelte. Auch er hatte von dem Gerücht gehört, welches über das Verhältnis des Barons und El e Vreymann bestand. Sollte die Baronin etwas erfahren MVWvXl . Mit unsicherem Blick sah er sie an. ,. „Sprechen Sie nur offen, Herr Wedemeyer", mahnte sie lachend., „Mich interessiert dieses Mädchen ein wenig, da es ja die Jugendgespielin meines Gatten war. . ." Ihr Lächeln ,der verfängliche Blick ihrer Augen sagten mehr, als ihre Worte, und Arthur Wedemeyer hätte nicht ein so gewiegter Frauenkenner sein müssen, um nicht zu erraten, was in der Seele der Baronin vorging. „ .«« hät allerdings heute morgen längere leichthin^ „Sprechen wir njcht mehr davon, Herr Baron! . . q Sie haben mir die Hand zur Versöhnung gereicht, und es wäre schlecht von mir, wenn ich nicht eingeschlagest hätte. Was hinter uns liegt — das ist abgethan. Selbst, meine Else — doch kein Wort mehr davon. Sie habest ja das Mädchen wiedergesehen; macht es den Eindruck, als vH es an Herzweh leide? —" " „Nein, Herr Breymann. . ." „Sehen Sie — wieder der Segen der Arbeit! — Das! Mädchen ersetzt mir einen Sohn. Heiraten wird sie jst wohl kaum — sie hat wenigstens -schon mehrere Antrags! zurückgewiesen. Na — und so weiter! — Aber, mein beste« Herr von Petershagen, was Sie da von mir fordern, kann ich nicht gewähren." „Aber weshalb nicht?" , „Ich mische mich grundsätzlich nicht in die Angelegen^ heiten anderer Leute — in die von Petershagen kann ich mich aber erst recht nicht mengen." „Ah, Sie sind mir noch immer böse!" „Wahrhaftig nicht. Aber Ihr Inspektor Wedemeyer würde mir eine solche Einmischung mit Recht sehr übel nehmen . . -" „Darauf kommt es doch nicht an." „Herr Wedemeyer ist nun einmal Ihr Inspektor und,- wie ich anerkennen mutz, ein recht tüchtiger Oekonvm =5 Vielleicht etwas zu großspurig - . ■" „Ja — das sagt mein Schwager auch!" „Na, da haben Sie ja ein sachgemäßes Urteil. Und dann — Herr Wedemeyer erfteut sich des Wohlwollens der Frau Baronin in hohem Matze — offen gestandern Herr Baron, ich möchte nicht die Ursache von Verdruß und Zwistigkeiten sein." , 1 , Aber wie wäre das möglich? Meine Frau interessiert sich neuerdings scheinbar sehr für die Landwirtschaft, fast jeden Tag ist sie zu Pferde auf den Felderii oder rM ^"^,Und Herr Wedemeyer begleitet die Frau Baronin . . „Breymann, was wollen Sie damit sagen?!" , Nichts, Herr von Petershagen, was Sre rrgendwrä erregen könnte. Meine Worte sollten nur meine Ansicht bestätigen, daß es für mich nicht schicklich ist, Ihnen ratend zur Seite zu stehen. Sie werden mit der Zeit schon selbst das Richtige heraussinden, jeder von uns mutz Lehrgeld bezahlen, Herr Baron. - Und nun lassen Sie uns mst das Haus zurückkehren - geben Sie uns die Ehre em W Wein mit uns zu trinken. Ich sehe, Else hat den Fruhstucks-i tisch auf der Veranda gedeckt." _ ■ Tie Veranda war ein einfacher, von wildem Weist umrankter Platz vor der Thür des schlichten Herrenhauses.-, Eine grün gestrichene Holzbank, einige einfache, grüne Gar-, tenstühle und ein handfester, von dem Dvrftischler geq zimmerter Tisch bildeten das Mobiliar der Laube Aber, es saß sich so gemütlich! und traulich auf diesem schattigen; Plätzchen mit dem freien Blick über den Hof bis aus di«, am Hvfthor vorüberlaufende Landstraße, daß man sich gar keine bessere Ausstattung wünschte. Der Tisch war sauber gedeckt, und mit freundlichem Lächeln auf dem schönen sonnengebräunten Antlitz; lud! Ost schon halte Eitel Fritz in dieser LaM gesessen^ und ein Stündchen mit dem alten Breymann loder Else verplaudert. Ein harmlos-freundschaftlicher Verkehr hatte sich wieder zwischen ihnen herausgebildet, wie er früher geherrscht, als Eitel Fritz als Jüngling in dem Inspektor- Hause auf Detershagen verkehrte, und wenn auch sein Auge öfter mit innigem Wohlgefallen auf Elses schlank- kräftiger Gestalt und ihrem schönen, ruhigen Antlitz ruhte, so begegnete sie ihm doch mit solcher herzlichen, harmlosen Freundschaft und edlen Offenheit, daß kein unrechter Gedanke in seinem Herzen erwachen konnte. „Ich fühle mich! bei Ihnen, wie bei lieben Verwandten", sagte er, „und nirgends fitze ich lieber als in Ihrer weimlmrankten Laube". „Wenn Sie erst wieder mit Ihren Gutsnachbaren in näheren Verkehr gekommen sind, wird das schon anders werden", meinte der alte Breymann lachend. 4 . (Fortsetzung folgt.) ~ M . , - Der Redner. Bon An ton Tschechow.. Aus' dem Russischen von Stefania Goldenring. (Nachdruck verboten.) An einem schönen Morgen fand die Beerdigung des Kdllegien-Assessors Kyrill Iwanowitschi Wawilonow statt, der zwei in seiner Heimat so verbreiteten Nebeln erlag: dem bösen Weib und dem Alkohvlismus. Als sich der Leichenzug von der Kirche nach, dem Kirchhof bewegte, da setzte sich einer der Kollegen des Verstorbenen, ein gewisser Poplawski, in eine Droschke und eilte zu seinem Freund Gregor Petrowitsch Sapoikin, einem jungen, aber schon ziemlich populären Mann. Sapoikin besitzt, wie ‘ die Leser wissen müssen, das seltene Talent, Hochzeits-, Jubiläums- und Leichenreden aus dem Stegreif halten zu können. Er kann zu jeder beliebigen Zeit sprechen: im Halbschlaf, nüchtern, in völlig trunkenem Zustande, im Fieber. Sein Redefluß ist glatt, gleichmäßig, wie das Wasser aus einer Dachrinne und unerschöpflich, in seinem Sprachschatz gießt es mehr sentimentale Worte als Würmer in der Kneipe. Er redet stets fließend und lang, so daß man zuweilen, besonders zu Hochzeiten in kaufmännischen Kreisen gezwungen ist, die Mitwirkung der Polizei in Anspruch zu nehmen, um ihn still zu kriegen. „Ich .habe eine Bitte an Dich, lieber Freund!" ■— begann Poplawski, als er ihn in seinen! Zimmer antraf. „Zieh Dich sofort an, und komm mit. Es ist einer von den Unseren gestorben; wir sind eben dabei, ihn nach jener Welt zu geleiten, da muß doch zum Abschied irgend ein Unsinn gesagt werden. . . Auf Dir ruht alle Hoffnung . ... Wäre einer von den Unbedeutenden gestorben, so würden wir Dich nicht belästigen, aber es ist der Sekretär . . . gewissermaßen eine Stütze der Kanzlei. Es schickt sich! doch nicht, eine Person von diesem Rang ohne Rede zu beerdigen. — „Ach, der Sekretär!" sagte Sapoikin gähnend, — >,dieser Trunkenbold?" „ „Ja, der Säufer. Es wird frischen Kuchen und Appetitbrötchen geben . .; Die Droschke wird man Dir auch bezahlen. Komm' mit, Liebster! Gieß 'mal Deinem ciceroni- schen Redefluß freien Lauf; Dank sollst Du haben." Sapoikin willigte gern ein. Er fuhr mit der Hand durch's Haar, nahm einen melancholischen Gesichtsausdruck !an, und ging nkit Poplawski fort. „Ich kannte Euren Sekretär", —. sagte er, als er die Droschke bestieg. „Das war ein Lumpenkerl, wie es wenige gießt, Gott habe ihn selig." „Nun, GriseßÄ, man soll auf Tote nicht schimpfen." „Natürlich, „Ueßer Verstorbene nichts als gutes"! über ein Schurke war er doch!." Die Freunde holten den Leichenzug ein, und schlossen sich ihm an. Der Leichenwagen bewegte sich langsam, so daß; sie auf dem Wege nach dem Kirchhofe noch in etwa drei Kneipen einkehren konnten, um für das Heil des Verstorbenen ein Gläschen zu leeren. Aus dem Kirchhof wurde eine Messe gelesen. Schwiegermutter, Frau und Schwägerin weinten nach altem Brauch sehr. Als der Sarg in die Gruft versenkt wurde, rief die Frau des Verstorbenen sogar laut: „Legt mich zu ihm!", über schließlich! folgte sie ihrem Mann doch nicht ins Grab, dq sie wcchrscheinliM an die Pension dachte, die sie zu erwarten hatte. Als endlich alles sttll wurde, trat Sapoikin hervor, umfaßte alle Versammelten mit einem Blick und begann: „Darf man seinen Augen und Ohren glauben? Ist Mer Sarg, sind diese verweinten Gesichter, die Seufzer und Klagen vielleicht nur ein Traum? O, weh, es ist leider kein Traum, unser Auge täuscht uns nicht! Dorf Mann, den wir noch jüngst so tapfer, jugendfrisch und makellos sahen, der noch jüngst vor unseren Augen gleich einer emsigen Biene seinen Honig in den allgemeinen Bienenstock der staatlichen Einrichtung trug, er, der . . dieser selbe Mann ist jetzt zu Staub, zu einem Spiel der Phantasie geworden. Der nnerbittliche Tod hat ihn mit seiner steifen Hand berührt, zu einer Zeit, wo er trotz seines vorgerückten Alters noch voll üppiger Kraft und strahlender Hoffnungen war. Ein unersetzlicher Verlust! Wer könnte ihn uns ersetzen? Gute Beamte haben wir viel, aber Prokosi Ossipitsch war ein Anserwählter. Er war in tiefster Seele seinem ehrenvollen Amte ergeben, schonte seine Kräfte nicht, gönnte sich keine Pachtruhe, er war nie auf seinen Vorteil bedacht und unbestechlich... Wie verachtete er diejenigen, die ihn zum Schaden der allgemeinen Interessen bestechen wollten, die ihn durch verlockend« Lebensgüter zum Verräter an seiner Pflicht machen wollten! Ja, Prokosi Ossipitsch verteilte vor unseren Augen fein geringes Gehalt seinen ärmeren Kollegen, und soeben haben Sie selber die Klagen der Witwen und Waisen vernommen, die von seinen Unterstützungen lebten. Seiner Dienstpflicht und dem Wohlthun ganz ergeben, kannte er im Leben keine Freuden und gönnte sich nicht einmal das Glück des Familienlebens; es ist Ihnen bekannt, daß er bis an das Ende feiner Tage Junggeselle war. Und wer konnte ihn uns als Kollegen ersetzen? Noch steht mir sein rasiertes, freundliches Gesicht, das stets ein gutmütiges Lächeln für uns hatte, vor Augen! Ich höre seine weiche, zärtlich- freundschaftliche Stimme. Friede Deiner Asche, Prokofi Ossipitsch! Ruhe sanft, Tu ehrlicher, edler Kämpfer!" Sapoikin fuhr in seiner Rede fort, doch die Hörer begannen zu tuscheln. Der Nachruf hatte allen gefallen, einige Thrünen herausgepreßt, doch manches erschien darin eigentümlich. Erstens war es unverständlich!, weshalb der Redner den Verstorbenen Prokofi Ossipowitsch nannte, wäh- rend er doch Kyrill Iwanowitsch hieß. Zweitens war es allen bekannt, daß 'der Entschlafene sein ganzes Leben hindurch sich! mit seiner legitimen Frau herumzankte, folglich auch! nicht Junggeselle genannt werden konnte; drittens hatte er einen dichten, roten Vollbart, rasierte sich nie im Leben, drum war es unverständlich, weshalb der Redner sein Gesicht ein rasiertes nannte. Tie Zuhörer wurden stutzig, sahen sich gegenseitig an, und zuckten die Achseln. „Pvokofi Ossipitsch!" fuhr der Redner fort, indem er bewegt in die Gruft blickte, „Dein Gesicht war nicht schön, sogar recht häßlich- Tu warst schroff und ftreng, doch wußten wir alle, daß unter dieser sichtbaren Hülle ein ehrliches Freundesherz schlug." Nun bemerkten die Zuhörer etwas Seltsames, das .in dem Redner selbst ßorging. Er blickte starr nach einem Punkt, machte eine unruhige Bewegung, Und zuckte selber die Achseln. Plötzlich schwieg er, öffnete erstaunt den Mund, und wendete sich an Poplawski. „Höre mal, er lebt doch!" sagte er mit einem Blick des Entsetzens. „Nun, Pvokofi Ossipitsch! Da steht er doch am Denkmal!" „Ter ist auch gar nicht gestorben! Kyrill Iwanowitsch ist der Tote!" „Tu hast ipir doch selber gefugt, daß Euer Sekretär gestorben ist!" „Kyrill Iwanowitsch war ja auch unser Sekretär. Tu hast es verwechselt, komischer Kauz. Prokosi Ossipitsch ist früher bei uns Sekretär gewesen, das ftimmt, aber vor zwei Jahren ist er als Bureauvvrsteher in die zweite Abteilung versetzt worden." „Aus Euch mag der Teufel klug werden!" „Warum sprichst Tu denn nicht weiter? Rede weites es ist peinlich!" Sapoikin kehrte sich wieder zur Gruft um, und setzte die unterbvocheue Rede mit aller Beredsamkeit fort. Ach Denkmal stand thatsächlich Pvokofi Ossipitsch- der alte Be^ 596 amte mit dem glattrasierten Gesicht. Er sah den Redner an, und machte ein ärgerliches Gesicht. „Wie bist Tu nur darauf gekommen?" lachten die Beamten, als sie mit Sapoikin zusammen vom Begräbnis zurückkehrten. „Tu hast einen Lebenden begraben." „Tas war nicht schön, junger Mann!" brummte Pvo- kofi Ossipitsch. „Ihre Rede mag vielleicht für einen Toten ganz gut Passen, aber in Bezug auf einen Lebenden wirkt sie — nur lächerlich!. Ich bitte Sie, was haben Sie gesagt? Auf eigenen Vorteil nicht bedacht, nicht käuflich, nimmt keine Bestechungen! Bon einem Lebenden kann man so etwas doch nur zum Spott sagen. Auch hat Sie niemand gebeten, mein Herr, sich über mein Gesicht zu äußern. Man mag ja nicht hübsche man kann ja häßlich sein, aber wozu brauchen Sie mein Gesicht vor allen Leuten bloszn- stellen? Tas ist beleidigend!" Zur Beleuchtttttst der Tnnkgelderfrage. Ein Hotelbesitzer hatte einem wohlhabenden Logiergast einen Raum mit einem Kronleuchter, der zwanzig Kerzen trug, angewiesen und den Diener beauftragt, die Kerzen sämtlich anzuzünden. Ter Mann that wie ihm befohlen, und obgleich der Gast sofort befahl, die Kerzen auszulöschen, fand er auf seiner Hotelrechuung doch den Posten: „Zwanzig Kerzen, 5 Mark." Er ging in sein Zimmer zurück, nahm die Kerzen aus den Leuchtern, wickelte sie in Papier und steckte sie in die Tasche seines Paletots. Als er das Hotel verließ- standen sämtliche Bediensteten in der Borhalle, freundlich lächelnd, in Erwartung des Trinkgeldes. Der abreisende Besucher zog seine Kerzen aus der Tasche und begann, sie zu verteilen. „Gestatten Sie, mein Herr", sagte er mit einer Verbeugung, „Erlauben Sie, mein Fräulein. Es sind vorzügliche, ungewöhnlich gute Kerzen, ich versichere Sie; ich habe einen hohen Preis dafür gezahlt". Und so verließ er die lange Reihe der dienstbaren Geister, die ganz verblüfft auf die eigenartigen Trinkgelder in ihren Händen niederblickten. Velhagen & Klasims Monatshefte veröffentlichen im I. Heft des neuen Jahrgangs die Anfänge von nicht weniger als drei großen Erzählungen erster Autoren: „Tas ABC des Lebens", einen Roman von I d a B o h - E d; „T r a u m i m S ü d e n", von Georg Frhr. von Ompteda; „Die pap lerne Macht", Roman von Feodor von Zobeltitz^ Alle drei Dichtungen setzen gleich wirkungsvoll ein. Aus dem reichen und vielseitigen sonstigen Inhalt heben wir noch hervor: einen Essay „Richelieu" von Prof. Dr. Ed. Heyck, einen Artikel „R o s e n" von D r. Julius S t i n d e mit Aquarellen von Cat. Klein, eine lustige Plauderei „Hinter den Co ult s s en eines Riesen-Restaurants" (Zool. Garten in Berlin) von Hanns von Zobeltitz. Sehr interessant ist auch ein Beitrag von Fr. von Ostini- Münchcn über den Prinzregenten alsWaidmann. Persönliche Erinnerungen an Weimar und die Wartburg gießt Richard Voß, während Prof. Dr. H a u s - Hofer über „Trusts und Kartelle", und ihre Bedeutung für die heutige Volkswirtschaft orientiert. Das ganze Heft trägt inhaltlich und seinem bildlichen S ch m u ck n a ch d e n v o r n e h m e n C h a r a k t e r, der Velhagen & Klassings Monatshefte stets ausgezeichnet hat. Das Oktoberheft ist wieder sehr reichhaltig und interessant. Unter den vier illustrierten Artikeln, die es bringt, sei an erster Stelle ein Aufsatz von Ludwig Pietsch über den großen Düsseldorfer Maler Peter Janssen genannt. In dem zweiten Aufsatz berichtet Freiherr Georg von Ompteda über seine Bergbesteigungenim Hoch - gebirge. Ernst Förster beschreibt ausführlich die Ausrüstung des Schiffes „Gauß,", das unsere Forscher in die eisigen Regionen des Südpolarmeeres tragen soll, und ein Mitarbeiter, der sich hinter dem Pseudonym Castor verbirgt, plaudert allerliebst über „Rebhühner und Krammetsvögel". — Unter den nichtillustrierten Aufsätzen sei auf den Beitrag von Joseph Laufs: „Meine l i t t e r a r i s ch e n W a f f e n g ä n g e" und den Artikel von Arend Buchholtz: „Königin Luise und Kaiser Alexander" hingewiesen. — Die Romane von Ida Boy-Ed: „Das ABCdes Lebens" und von Feodor von Zobeltitz: „Die papierene Macht" fesseln ebenso sehr wie eine reizvolle Erzählung von Georg von Ompteda: „Traum im Süden". — Die selbständigen Jllustra- tionen sind wieder mit jenem feinen Verständnis ausgewähltund wiedergegeben, das für Velhagen & Klassings Monatshefte so charakteristisch ist. GemerrrnMziges. Erwärmende Getränke sind bei Beginn der kühlen Witternng unb den ganzen Winter hindurch Erfordernis bei den verschiedensten Anlässen. Den Schaden für die Nerven bei Aufnahme von zu viel Alkohol, Kaffee oder Thee betonen heut alle Aerzte. Du bieten sich denn alle jene Getränke dar, welche mit einem reichlichen Zusatz von Liebig's Fleisch-Extrakt oder des Fleischs-Peptons der Kompagnie Liebig ebenfalls (das nicht, wie manche andere Peptone, dnrch unangenehmen Geschmack abstoßend wirkt) ein starkes, dabei aber unschädliches Erregnngsmittel für den Organismus bieten. Es sei ans alle dünnen Schleimgetränke, auf Fleisch-Extraktbouillon, auf in leichtem Bier zerquirlte, und mit Fleisch-Pepton versetzte Eier (rohe oder weichgekochte), auf .dünnen Haferschleim mit wenig englischem Porter und Fleischk-Pepton schaumig geschlagen, vor allem auf den nahrhaften Tapioka mit Fleisch-Pepton und wenig Zusatz von Sherry aufmerksam gemacht. Tas alles wird zarten, durchfröstelten oder überarbeiteten Leuten sehr woh bchun. Unter den Seerosen, den lieblichen Bewohnern unserer Teiche, ist die rote unstreitig die herrlichste. Ihr Rot spielt in den verschiedensten Tönen ustd wirkt aus diesem Grunde schon viel abwechslungsreicher als das Weiß ihrer Mitschwestern. Für diese herrliche Pflanze legt denn auch der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau ein warm empfehlendes Wort ein, das um so berechtigter ist, als diese Seerose gleiche Widerstandsfähigkeit gegen die Kälte besitzt wie die weiße Art. Näheres über die Anzucht dieser dankbaren Pflanze finden die Interessenten in der letzten Nummer der obengenannten Zeitschrift, die kostenlos vom Geschäftsamt in Frankfurt a. d. Oder bezogen werden kann- Eine trefflich gelungene Abbildung giebt auch von der Blühwilligkeit dieser Seerose eine Vorstellung. Sanerkrantvordem Verberben zus ch>ü tz e m Droht Sauerkraut zu verderben, überzieht sich dasselbe- namentlich auf der Oberfläche, mit Schimmel, der sich immer wieder erneuert, wenn man ihn entfernt hat, und endlich dem Kraute nicht nur den Schimmelgeschmack verleiht, sondern auch dessen Fäulnis veranlaßt, so gießt man auf die über dem Kraute stehende Brühe langsam einen Viertel- schvppen Branntwein und wiederholt das im Anfänge jedesmal, so oft man Kraut aus dem Fasse nimmt. In der Regel braucht man diesen Zusatz nicht öfter als viermal zu wiederholen, („Prakt. Wegw.", Würzburg.) F Ü ll r ä t s e l. Nachdruck verboten. 1. Fragewort. 2. Französischer Wein. 8. Blütenform. 4. Bekannter Komponist. 5. Musikinstrument. In die Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben A, B, C, D, EEEEEE, II, L, MM, 0, P, ERBE, 8, U, WW derart einzutragcn, daß die wagcrechtcn Reihen Wörter von der beigefügten Bedeutung bilden, während die beiden dnrch schwarze Felder bezeichneten Ouerrcihen die Namen zweier deutscher Flüsse ergeben. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Delphischen Spruchs in vor. Nr.: Epos — Pose. Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.