4 1 :n 4 UsMW -OMD^UÄR. MMBM ß^WASW MMHW WMWS AW Was dich freut, KJ Was dir fehle, ■ Suche außer dir es nie! Greif nur in die eigne Seele: Goldne Freude, Trüber Sinn Wohnt darin — Und du selbst bereitest beide! Zoozmann. (Nachdruck verboten.) Die Seekönigin. Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Ich ließ den Zimmermann kommen, der sogleich mit demselben Eifer an die Herstellung der Krücken ging, den er bei dem Bau der Sänfte gezeigt hatte. Noch vor dem Abendbrot brachte er die Krücken in die Kajüte, und sie sahen, trotz des rohen Materials, aus, als wenn sie in einem Laden gekauft wären. Die Sänfte wurde an Neck getragen, Richard erhob sich> auf einem Bein, die Krücken wurden ihm unter die Arme gesteckt, und nun fing er an herumzuhinken, unb: machte ein so glückliches Gesicht, daß mir die Thränen in die Augen traten. Er freute sichz wie ein Kind über ein neues Spielzeug. Jmnckr wieder sprach er seine Bewunderung aus, und erklärte dem Zimmermann, der ein bescheidenes Gesicht zu machen versuchte, es wäre das beste Stück Arbeit, das er je gesehen habe. Herr Short antwortete sehr höflich: „Die Mannschaft der „Aurora" hat Ihnen das Leben ferner genug gemacht, Herr. Daher freut es mich um fo mehr, daß ich es bin, der Ihnen wieder auf die Beine hilft." „Komm, Jeß", sagte Richard, „wir wollen einen Rundgang an Deck antreten, damit die Leute ihren Schiffer auf seinen Spazierhölzern sehen.". Es stand zwar nicht viel See, aher doch schlingerte die Brigg etwas, und ich hielt mich daher dicht neben Richard, um ihn zu halten, wenn er mit den Krücken ausgleiten sollte. Die Leute saßen beim Abendbrote in ihrem Hause. Spenee, der uns kommen sah, teilte es ihnen mit, und alle kamen an Deck, und riefen: „Hurra!" Daß fie das fertig bekamen, war mir unbegreiflich, nach der Art und Weise, wie sie sich früher benommen hatten. Aber jetzt waren wir den heimischen Gewässern schon zu nahe, als daß ich mir über ihre Beweggründe den Kopf zerbrochen hätte. Während dieser Reise auf der Brigg hatte ich eine etwas bessere Meinung von der Männ- schaft gewonnen. Die Leute haben ihr Bestes gethan, und sich so „fix" gezeigt, wie man es von Kauffahrteimatrosen nur irgend verlangen kann. Wenn ich aber meinen hinkenden Mann ansah, fo konnte ich doch ein Gefühl des Widerwillens gegen diese Männer nicht unterdrücken, die sich so unseemännisch und erbärmlich betragen hatten. Wie Richard darüber dachte, weiß ich nicht- Er sprach mit den Leuten in seinem gewöhnlichen, freundlichen Ton, hinkte an das Haus heran, sah hinein, und fragte, ob die Segel jetzt, wo wir aus der heißen Zone heraus, auch warm genug wären, um als Betten zu dienen. „Ja, wir liegen weich und warm genug," bestätigte Tom Cutter. „Sv bequem wie in einer Hängematte ist's natürlich nicht; aber eine ordentliche Lage gutes Segeltuch! ist wohl eine ebenso gute Matratze, als man in den meisten Volkslogis findet." In diesem Augenblick stampfte die Brigg etwas, und Richard schwankte. Gleiche sprang ein halbes Dutzend Leute herbei, um ihn zu halten. Er dankte ihnen, und sagte, er hoffe, daß wir in den nächsten vierundzwanzig Stunden schon ein gutes-Stück in den Kanal sein würden. Dann nahm er meinen Arm, und wir entfernten uns. Um die Leute nicht länger beim Abendbrot zu stören. Während wir nach achtern gingen, sprach er aus, was auch, ich dachte: „Wären diese Burschen an Bord der „Aurora" nur halb so willig gewesen wie jetzt, dann könnte das arme Schiff vielleicht noch schwimmen. Wir hätten die Bark wohl noch bis Sierra Leone gebracht, wenn wir sie dort auch hätten anbohren und sinken lassen müssen, um das Feuer zu löschen. Aber ich bin noch ein junger Mann", fügte er hinzu, „und lasse den Mut nicht sinken, weil ich ein Schiff verloren habe." „Wenn Du überhaupt nicht wieder in See gingest, Richard, würde ich auch nicht gerade weinen." „Nicht wieder zur See gehen? Womit soll ich denn das Geld verdienen, um mein Frauchen anständig zu kleiden?" „Darauf wird Dir Vater schon antworten," versetzte ich!. „Wie meinst Du das, mein Schatz?" „Weist Du nicht, daß er sagte, was ihm gehöre, gehöre auch mir, und was mein ist, ist doch auch Dein, Wenn für ihn genug da ist, ist's auch für mich. Und wenn ich davon leben kann, kannst Du's auch; das ist sicher." „Das ist ja eine merkwürdige Logik," rief er lachend. „Höre 'mal, Richard", fuhr ich fort, und sprach damit aus, was mich schon seit einigen Tagen beschäftigt hatte. „Diese Reise ist genug für mich. Ich werde die See und die Seeleute stets lieben, aber nur noch aus der Ferne, von einem Molenkopf oder der Spitze einer Klippei aus. 158 Von der hohen See habe ich genug. Aber Du mußt auch zu Hause bleiben. Du bist und bleibst ein Seemann. Deshalb brauchst Du aber doch nicht wieder in See zu gehen." Er lächelte, sah aber gleich wieder ernst aus. Schließlich rief er: „Na, darüber können wir reden, wenn wir wieder zu Hause sind." Als ich abends halb zehn Uhr wieder an Deck kam, war der schöne, steife Wind, der uns bis an den Anfang des Kanals getrieben hatte, ganz abgeflaut. Es herrschte völlige Stille an Deck, die durch die Schatten der Nacht mit den unzähligen, strahlenlosen Sternen noch mehr her- vorgehoben wurde. Etwas unbeschreiblich Feierliches lag in der Meeresstille. Das leise klagende Geräusch des längsseit plätschernden Wassers, das Flattern der leichten Segel hoch oben, das waren alles Töne, die die Stille nicht unterbrachen.' Im Gegenteil, sie erhöhten sie noch. Gerade durch den Gegensatz wird das tiefe Schweigen der Meeresstille noch fühlbarer. Wenn ich an den hohen Masten empor, und über das Meer blickte, das wie ein zweiter Himmel auf seiner spiegelglatten Fläche die Gestirne zurückstrahlte, so spürte ich eine solche Ruhe, solchen Frieden, wie ich es in dem Maße an Land nie empfunden habe. Nur in einer sternklaren, stillen Nacht auf See, wo der Blick unbehindert an die fernsten Grenzen des Gesichtskreises dringt, nur da erkennt man die Gegenwart Gottes, und empfindet jene Seelenruhe, die eben nur möglich, wenn das Land mit seinen Sorgen und Kämpfen weit entfernt ist. Plötzlich, schlugen die Royals back, und rechts voraus wurde das Wasser dunkler. Scharf abgegrenzt und sich schnell verbreiternd kam der Wind heran wie ein Rauchx- gewölk. „Backbord Großbrassen!" rief Snow. Das Klappern von Tritten war vernehmbar, und wie Schatten kamen die Leute längs Deck. Tauwerk wurde dröhnend niedergeworfen. Die Stille war gebrochen. Ein heiserer Gesang wurde angestimmt, Scheiben quiekten in den Blöcken, Ketten rasselten, und die Schwanenhälse an den Raaen kreischten, als die Unterraaen herumgeholt wurden. Alle Segel standen nun wieder voll. Schon begann die Brigg das Wasser zu durchschneiden, und ein dünnes Kielwasser verlor sich in der Dunkelheit, während die Matrosen den Großhals zu Bord holten, und ihr Gesang durch die stille Nacht schallte: Nach Hause segeln wir jetzt hin Mit frohem Mut und heitrem Sinm Siebenundzwanzigstes Kapitel. Zu Hause. Am 22. Mai abends befanden wir uns querab von der Küste von Yorkshire, etwa zwischen Flainboro Head und Whitby, und Richard sagte, er hoffe, Sunderland am folgenden Morgen ganz früh in Sicht zu bekommen. Nie werde ich das Gefühl vergessen, mit dem ich in meine Kammer ging, um zum letzten Male in der Koje zu schlafen, die meine Lagerstatt war, seit ich mich an Bord der „Bolama" befand. Ich kniete nieder, und sandte ein heißes Dankgebet zu Gott. Seit wir in den Kanal gekommen waren, war Richard fast fortwährend an Deck, da er in diesen gefährlichen Gewässern die Brigg nicht Herrn Short anvertrauen wollte. Es ging mit Hilfe der Krücken auch ganz gut. Er meinte, daß er die kommende Nacht überhaupt nicht schlafen wolle, und ich versuchte auch nicht, ihm dies auszureden, erstens, weil es mir doch nicht gelingen würde, und zweitens, weil ich einsah, daß es in der Nähe des Landes nicht anging, die Führung der Brigg Leuten wie Short und Snow zu überlassen, die beide kein Patent besaßen. Bis elf Uhr blieb ich bei meinem Manne, dann mußte er mir versprechen, mich zu wecken, sobald die Küste von Sunderland in Sicht käme. Darauf ging ich zu Bett. Ich lag noch lange wach, und lauschte auf das Klappern von Richards Krücken über meinem Kopfe. Höchstens eine Stunde konnte ich geschlafen haben, als ich davon erwachte, daß sich eine Hand auf meine Schulter legte. Es war Richard, der mir nritteilte, daß die Uhr halb acht, und Sunderland kaum noch fünf Seemeilen entfernt sei. Kein Matrose ist wohl je auf den Ruf: „Alle Mann an Deck!" mit größerer Hast aus dem Bette gesprungen, als ich an diesem Morgen. Kaum ließ ich mir Zeit, mich anzukleiden. In fünf Minuten war ich fix und fertig an Deck. Querab an Backbord zogen sich die dunkeln Felsen von Durham entlang, und achteraus zu Luward waren die Verschwimmenden Umrisse der Küste von Borkshire noch eben erkennbar. Ich stand damit gefalteten Händen, und schaute darauf hin. Was kann man wohl mit dem Gefühl vergleichen, das der Anblick der heimatlichen Küste nach einer langen Reise hervorruft? Und wie erhöht sich dieses Gefühl, wenn man schwere Gefahren durchgemacht, und nur mit Seufzern und Thränen an die Heimat gedacht hatte wie ein Sterbender an etwas Liebes, das er nie Wiedersehen sollte. „Ach, Richard", ries ich. „Ob der Vater uns wohl erwartet?" „Wenn er es nicht thut", antwortete er sanft, „so wird es doch nicht lange dauern, bis wir ihn treffen." ' Der Wind war leicht und ablandig, so daß wir mit scharf angebraßten Raaen kaum auf den Hafen zu liegen konnten. Im Nordwesten unter einer bräunlichen Rauchwolke lag Sunderland. Es war ein herrlicher Maimorgen, so warm wie ein Tag im Juni. Der Himmel war ganz klar, nur im Osten erhob sich eine perlfarbene Wolkenwand. Dort war auch die See glatt und blau, während sie näher an der Küste eine leuchtend grüne Farbe hatte. „Du thust am besten, jetzt hinunterzugehen, Jeß", sagte Richard, „Du mußt doch packen." „Ja, wie werden wir aber nur unser vieles Gepäck an Land schaffen?" „Thut nichts", fuhr er fort. „Wenn wir auch ohne Kisten und Kasten heimkehren, so birgt dieser alte Kahn doch auch für uns Geld genug, daß ich Dich von Kopf bis zu Fuß in Sammet und Seide kleiden kann, und noch genug übrig behalte." In dieser schneckenartigen Weise krochen wir weiter, bis der Steward meldete, daß das Frühstück angerichtet fei. Wir brauchten zu dieser letzten Mahlzeit an Bord nicht viel Zeit. Ein Schleppdampfer kam auf uns zu, so schnell ihn die Räder treiben konnten. In zwanzig Minuten befand er sich längsseit, und fragte, nach welchem Hafen er uns schleppen sollte. Ich hätte den rauhen Seemann auf der Brücke umarmen mögen. Sein breiter, nordenglischer Dialekt war die schönste Musik für meine Ohren. Ich war aber zu aufgeregt, um irgend welche Vorgänge besonders zu beachten, und hatte daher ein kleines Boot gar nicht bemerkt, das herangekommen war, und war sehr überrascht, als der Lotse an Bord stieg. Er kannte meinen Mann, und starrte ihn, als er die Krücken erblickte, ganz verwundert an. „Nanu, Kapitän Fowler",, ries er aus, „wie kommen Sie hier an Bord? Bill sagte mir doch Sie führten die „Aurora", und wären auf acht Monate — oder war's ein Jahr — ausgegangen?" „Ja", sagte Richard, „Bill hatte' ganz recht; also werden Sie sich wohl denken können, daß ich ein kleines Garn zu spinnen habe." „Aber was haben Sie mit der Bark gemacht, Kapitän?" rief der Lotse. „Die habe ich nordwestlich vom Golf von Guinea gelassen; es ist kein Lotungsgrund dort, ich kann Ihnen also auch nicht sagen, in wieviel Faden Wasser." „Na, das ist ja 'ne schöne Bescherung", meinte der Lotse. „Die Geschichte müssen Sie mir noch erzählen". Dann wandte er sich seinen Pflichten zu. Im Augenblick wurde der Befehl erteilt, alle Segel aufzugeien oder niederzuhvlen, und währende der Dampfer die Schlepptrosse manöverierte, sprang die Mannschaft herum, holte an Geitauen unb Gordings, und stimmte laut an verschiedenen Stellen des Decks ihre Gesänge an. Ein Segel nach dem andern wurde zusammengeschnürt, und als die Leute nach! oben gingen, um alles festzumachen, holte der Dampfer die Bucht der Trosse aus dem Wasser. Die Brigg folgte ihm, indem sie mit ihrem breiten Bug den aufgerührten Schaum auf beiden Seiten zurückwars, während das an einer Leine hinterher geschleppte Lotsenboot auf dem geglätteten, breiten Kielwasser mit einem zischenden Geräusch, die Fluten durchschritt. 159 — Rrchqrd unterhielt sich mit dem Lotsen, und erzählte ihm tue Einzelheiten über die Reise, und den Verlust der „Aurora". Er sprach auch! von mir, und ich bemerkte daß mir der Lotse erstaunte Blicke zuwarf. Ich kümmerte mich aber nicht darum; denn das Land, dem wir uns immer mehr näherten, nahm meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Jetzt waren schon Hafen, Docks und die ganze Stadt deutliche zu sehen, im Vordergrund ein Mastenwald, und dazwischen ab und zu die in der Sonne glitzernden Fenster von Häusern. Vor mix, nur einen Steinwurf entfernt, lag die Heimat. Auf der Nordmole standen Leute. Im Vorüberfahren musterte ich klopfenden Herzens die Gesichter. Da am Ende der Mole stand jemand, der wie unsinnig seinen Hut schwenkte, und dazu soviel Platz brauchte, daß die Umstehenden zurücktreten mußten. „Richard, Richard!" kreischte ich. „Das ist Vater!" „Ja, das ist er", rief Richard, legte die Hand in den Mund, und schrie hinüber: „Wie geht's, Kapitän? Hrer sind wir — ganz munter. Auch! Jessies Befinden und Strmmung ist vorzüglich." Ob die Leute auf der Mole etwas von unserer Geschichte wußten, weiß ich, nichts Wahrscheinlich! ist es; Vater hatte meinen Brief erhalten, und gewiß überall davon erzählt. Jedenfalls stimmten sie auf Richards Ruf ein solches „Hurra!" an, daß meines Vaters Antwort ganz davon übertönt wurde. Gleich darauf waren wir auch schon vorüber, und lagen nun neben dem Quai der Zollbehörde. Die Zollbeamten kamen an Bord, der Dampfer warf unsere Trosse los, und Vertäuungen wurden an Land gebracht. Dazu kam ein Stimmengewirr an Land und an Deck, daß ich ganz verwirrt wurde. Ich weiß nur, daß ich plötzlich Vater und Kapitän Robinson, der aus meiner Hochzeit gewesen war, aus dem Quai stehen, und winken sah. Eine Planke wurde hinüber gelegt, und im nächsten Augenblicke lag ich in meines Vaters Armen. „Vier Monate fort!" schrie mein Vater, hielt meine beiden Hände fest, und trat einen Schritt zurück. „Und in dieser Zeit hast Du Feuer und Schfsfbirüchj, und wer weiß was erlebt! Haben Sie schon 'mal so ein Mädel gesehen, Robinson? Und wie gut sie aussieht! Braun wie 'ne Kaffeebohne, und mit dem richtigen tropischen Glanz um die Augen! Man kann gleich sehen, wo sie gewesen ist! Und Dick! Auf Krücken!? Gott soll mich bewahren!" Hier folgte erneutes Händeschütteln und Küssen, Weinen und Lachen von meiner Seite, und Lachen und etwas, das fast wie Thränen aussah, auch bei meinem Vater. Die Einbildungskraft des Lesers möge sich unser Wiedersehen ausmalen; beschreiben kann ich es nicht. Richard konnte uns nicht nach der Stadt begleiten, da er noch einige Förmlichkeiten in Betreff der Bergung der Brigg auf dem Seemannsamt erledigen mußte. Kapitän Robinson blieb bei ihm, während der Vater und ich uns nach dem Gasthaus „zum Sattel" in der Highstreet begaben. Dort, wo damals Frau Davison und ihre Tochter Lizzie das Regiment führten, wollten wir zu Mittag essen, und Richard nebst Kapitän Robinson erwarten. „Hast Du kein Gepäck, Jessie?" fragte der Vater. „Nicht die Bohne, Vater; nicht soviel, um es als Bündel im Taschentuch zu tragen", erklärte ich, „außer diesem kleinen Paket, das ich als Andenken an unsere Lerden aufbewahren will." 5.- toa§ es sei. Ich teilte ihm mit, daß es dre Wasche sei, die ich mir notgedrungen hätte anfertigen müssen, da ich nur retten konnte, was ich aus dem Lerbe trug, als wir die „Aurora" verließen. „Ach, mein armes Kind!" rief er. „Habe ich Dir nicht gesagt, was die See ist? Nun hast Du aber auch genug davon, mein Lamm. Einmal Schiffbruch ist genug für oas ganze Leben. Dick hat seinen Willen gehabt; jetzt komme ich wieder an die Reihe." Der Weg vom Quai bis „zum Sattel" war glücklicherweise nicht weit; aber auch so genierte es mich etwas, mich in einem solchen Aufzuge auf der Straße zu zeigen. Mein Hut sah ganz verbeult und zerknittert aus; den Stiefeln hatte das Seewasser eine richtige Broncefarbe verliehen, und mein Zacket war über und über mit Flecken bedeckt, da die Farbe durch den Einfluß von Tau, Regen und Seewasser verblichen war. Auch mein Kleid sah mehv wie ein Sack, als wie ein vom Schneider gefertigtes Kleidungsstück aus. Die Leute, besonders die Damen, blieben auf der Straße stehen, und sahen mir nach, und ich war herzlich froh, als wir endlich das Hotel „zum Sattel" erreichten, und in seinen gemütlichen, schmucken, altmodischen Räumen Schutz fanden. (Schluß folgt.) Die neue Yacht „Prinzeß Viktoria Luise". Von W a l t e r E r w i n. (Nachdruck verboten.) Vor etwa zehn Jahren machte die Hamburg-Amerika- Linie den ersten Versuch, einen ihrer regelmäßigen Passagier- dampfer, die „Auguste Viktoria", auf eine Winterreise von Hamburg nach dem Mittelländischen Meer zu senden. Der Versuch wurde gewissermaßen als ein Experiment betrachtet und wohl auch unternommen, um das Schiff während der stillen Zeit des transatlantischen Handels zu nützen. Die Reise bildete einen glänzenden Erfolg, und man beschloß, New-York zum Abgangspunkt der nächsten Fahrt zu machen. Die Resultate waren so befriedigend, daß die Gesellschaft darauf hin einen regelmäßigen Winterverkehr dieser Art einrichtete. Um das Interesse für dieses Unternehmen zu steigern, hat, nun die Gesellschaft ein für gedachten Zweck besonders geeignetes Schiff gebaut, welches alle maßgeblichen Faktoren der Eleganz und des Komforts, wie sie heute beansprucht werden, in sich vereinigt. Die „Prinzessin Viktoria Luise", die ihren Namen zu Ghren des jüngsten Kindes und der einzigen Tochter des deutschen Kaisers empfangen hat, entspricht, sowohl in ihrer Ausstattung wie in ihrer Fahrgeschwindigkeit und Seetüchtigkeit einer erstklassigen Kreuzer- Yacht. Mit Ausnahme der neuen, kürzlich in Großbritannien gebauten Queens-Yacht besitzt sie das größte Deplacement von allen Yachten der Welt, obgleich ihre Fahrgeschwindigkeit bedeutend geringer ist, als die der meisten russischen, englischen und deutschen kaiserlichen Yachten. Die „Queens-Yacht" ist 420 Fuß lang, hat 18 Fuß Tiefgang und besitzt eine Schnelligkeit von 20,5 Knoten, während ihr Deplacement 4700 Tons oder 200 Tons mehr als das der „Viktoria Luise beträgt. Diese ist 450 Fuß lang und erreicht eine Geschwindigkeit von 16 Knoten. Die „Prinzeß Viktoria Luise" wird durch Zwillingsschrauben-Maschinen von dreifacher Spannung getrieben, die 4000 Pferdekräfte entwickeln, wenn das Schiff mit einer Geschwindigkeit von 16 Knoten pro Stunde fährt. Die gewöhnliche Geschwindigkeit der Yacht ist indessen nur etwa 13 ein halber Knoten pro Stunde. Das prächtige Schiff zeigt alle charakteristischen Kenn- zerchen der modernen Yacht, wie Schnellsegler-Bug, Bugspriet, langes überhängendes Hinterschiff und weiten Pro- menaden-Deckraum. Alles ist auf die Bequemlichkeit der Passagiere und der Besatzung berechnet. Es zeigt keinen spießbürgerlichen Komfort, und die Prachträume sind luftiger und geräumiger als man sie sonst auf transatlantischen Schiffen findet. Die Passagiere haben drei Decks zur Verfügung: das Salondeck, das obere Deck und das Promenadendeck. Zwischen den beiden Schloten auf dem Bootdeck in der Mitte des Schiffes befindet sich eine große Turnhalle. Der Speisesaal, der auf dem Salondeck vor dem Kesselraum liegt, faßt bequem etwas über 200 Personen; das ist die Zahl von Passagieren, die das Schiff tragen kann, wenn es vollständig besetzt ist. Besonders gefällig wirkt „in dem Saal eine Reihe vorzüglicher Gemälde, welche die Häfen von Konstantinopel und Sidney und verschiedene Landschaften Deutschlands und Nordamerikas darstellen. Das obere Deck ist vollständig den Prachträumen gewidmet, während auf dem Promenadendeck darüber sich die Wandelhalle, die Bibliothek und der Rauchsalon befinden. Die Ausstattung der Bibliothek ist vorzüglich in roten Tönen und sehr geschmackvoll gehalten. Die Wände zeigen reichen Schmuck an Gemälden, welche landschaftliche! Szenen des Mittelländischen Meeres und des Orients darstellen. Der Rauchsalon ist in geschnitztem Eichenholz ausgeführt, und die Wände tragen reiche Majolikamalereicn, — 160 welche die verschiedenen Arten des Wassersportes illustrieren. Eine Neuerung, die wir hier zum ersten Male finden, ist die Einrichtung von Schutzdächern auf Deck. Dieselben sind dadurch gebildet, daß man die Wände und das Dach zweier Deckhäuser verlängert hat, wodurch offene luftige Loggien entstanden sind, in denen die Passagiere die Seeluft genießen können, ohne von dem Wind und dem Sprühregen belästigt zu werden. Das ist eine sehr willkommene Neuerung, welche den Passagieren eine solche Fahrt zu einer besonders genußreichen machen wird. Hinter diesen Loggien hat man einen großen, etwa 45 Fuß breiten und 50 Fuß langen Raum als Tanzsaal gewonnen, der nur bei ungünstigem Wetter mit Segeltuch überspannt wird. Eine weitere Neuerung, die nach einem sorgfältig ausgearbeiteten Plan entstanden ist, bildet die Turnhalle. Sie ist mit Turngeräten nach dem Zanderschen System ausgestattet; etwa ein Dutzend dieser Apparate werden elektrisch betrieben. Z. B. soll einer derselben, das „Pferd", die Bewegungen eines trabenden Pferdes nachahmen. Dann ist ein Fahrrad sowie eine Art Rudermaschine vorhanden, und natürlich fehlen auch Hanteln und Gewichte nicht. Andere Apparate sind derart eingerichtet, daß man sich ihrer zur Erzielung einer mehr oder weniger heftigen Massage ohne fremde Hilfe bedienen kann, wobei das Reiben und Kneten der Glieder durchs Räder und Gummireifen bewirkt wird- Die Yacht wurde am 26. Januar für ihre erste Fahrt nach Westindien und Venezuela vom Stapel gelassen. Sie berührte alle wichtigeren Punkte des Jnselgebietes, hielt sich bei La Guayra einige Tage auf um einige Reisen in das Innere von Venezuela zu ermöglichen. Es verdient hier Erwähnung, daß wegen der vielen Landungen, die im Verlauf einer Fahrt gemacht werden, die Yacht mit zwei großen Naphtamotorbooten je für 40 Personen, und mit sechs Rettungsbooten versehen ist. Nach ihrer Rückkehr nach New-York wird die Yacht eine 57 tägige Fahrt nach dem Mittelländischen und dem Schwarzen Meere unternehmen. Darauj werden zwei Fährten nach dem Nordkap folgen, und eine Reise nach dem baltischen Meere wird den Beschluß der Saison bilden. liche Erinnerungen an A r n o l d B ö ck l i n von Pros. L u d w. Pietsch, einen fesselnden, eigenartigen Artikel über Münchener Künstlerkarneval von Fritz v. Ostini (famos illustriert!), einen instruktiven Aussatz über den Hamburger Hafen, ein Essay über den Aufschwung des Deutschen Handels von Prof. Haushofer, eine Plauderei über die ersten Größen der Münchener Bühnen. Der Roman von Ernst Remin „Das rote Auge" nähert sich seinem Abschluß. Die tiefsinnige Novelle „Leiden" von Bernhardine Schulze-Smid wird zu Ende geführt. Die Gratis-Beilage „Roman-Bibliothek" bringt die Fortsetzung des Romans „E r l o s ch e n e s L i ch t" von Franz Rosen. Das ganze Heft zeigt einen Bilderschmuck von erlesenem Geschmack. Litteravrscher. Katechismus der Elektrotechnik von Theodor Schwartze. Siebente, vollständig umgearbeitete Auflage. Mit 286 Abbildungen. In Originalleinenband 5 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig . Ein ungemein vielseitiger, hochbedeutender und trotz aller technischen Fortschritte jedenfalls erst im Anfang einer großen Entwicklungsepoche stehender Stoff ist hier auf dem Raum von 30 Bogen in erfreulich klarer Darstellungsweise erschöpfend behandelt von einem Verfasser, der der Praxis auch mehrere andere mit Beifall aufgenommene Werke desselben Verlages über Dampfkessel, Dampfmaschinen und andere Wärmemotoren, Heizung, Beleuchtung und Ventilation gewidmet hat. In der neuesten, nun schon 7. Auflage seines Lehrbuchs für Praktiker, Chemiker und Industrielle ist der vorteilhaft bekannte Verfasser bestrebt gewesen, auch den allerneuesten wissenschaftlichen Ergebnissen der Elektrizitätslehre immer mit Rücksicht auf die Elektrotechnik Rechnung zu tragen. In 25 Kapiteln behandelt der Autor mechanisch-physikalische Grundsätze, absolutes Maßsystem, elektrische und magnetische Maßeinheiten, die Grundgesetze der Elektrostatik, den elektrischen Gleichstrom, Stromverzweigungen, Thermoelektrizität, Elektromagnetismus, Elektrodynamik, Jnduktionserscheinungen, Messung des elektrischen Widerstandes, der Elektrizitätsmenge und der Stromstärke und von Potentialen, technische Meß- und Kontrollapparate, die elektrischen Strommaschinen, Transformatoren, Elektromotoren, elektrische Beleuchtung, Stromleitung und Stromverteilung, Kraftübertraguug in die Ferne, elektrische Eisenbahnen und die Methoden der Elektrolyse. Littera- turverzeichniß, Register und geschichtliche Einleitung erhöhen den Nutzen des auch durch fast 300 Abbildungen höchst lehrreichen Buches. Gemernnützrges. Oelsarbenreste äug' irdenen Töpfen zu beseitigen. Man koche die Gefäße in starkem Sodawasser aus und scheuere sie, wenn noch nötig, mit Sand nach Um den Schornstein und Ofen von Ruß sauber zu halten, braucht man nur mitunter einige Hände voll rohe, frische Kartoffelschalen auf das helle Feuer zu werfen. . Kupfergefäße scheuert man mit Essig oder saurer Molke und spült sie mit klarem Wasser nach. (Praktischer Wegweiser, Wurzburg.) Niedere Spaliermauern. Der bekannte Spalier- Obstzüchter Schmitz-Hübschhat eine Schnittmethode für Weinreben erfunden, mit Hilfe deren es möglich ist, ganz niedrige Spaliermauern für Weinstöcke Porteilhaft auszunutzen. Bogrebenschnitt nennt er diesen Schnitt, der darin besteht, daß die tragenden Reben an der Mauer im Tragen nieder- gebunden werden, während die in jedem Jahre nötigen Ersatz- und Zuchtreben an Drähten frei über der Maner gezogen werden. Eine ausführliche Beschreibung dieser eigenartigen Methode mit Abbildungen, die dem Verständnis nachhelfen, enthält die neueste Nummer des praktischen Ratgebers, welche vom Geschäftsamt in Frankfurt a. Oder allen Gartenfreunden kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Velhagen & Klafings Monatshefte bringen in ihrem März he ft einen höchst originellen Beitrag, der in den weitesten Kreisen mteressreren werd: Jugend - Erinnerungen von Prof. Gust. Eb erlein. Es ist das Bild einer wirklich, höchst merkwürdigen Künstlerjugend, das der Berliner Bildhauer vor uns entrollt, das poetisch geschilderte Emporringen eines starken Talents aus den engsten Verhältnissen. Das Heft bringt außerdem persönQuadraträtsel. Nachdruck verboten. 1. Spielzeug. 2. Musikstück. 3. Vorname. 4. Titelheld eines Dramas von Shakespeare. In die Felder vorstehenden Quadrates sind die Buchstaben AAA, B, EE, II, LLLL, N, RR derart einzutragen, daß die vier Rechen wagerecht und senkrecht gleichlautend sind und Wörter von der bngesügten Bedeutung bilden. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Gerichtsvollzieher. Für Bmenfrmnde! Anfang und Mitte April werden die „Familienblätter" ein Preisrätsel bringen. Die Einsender der zunächst ans der Urne gezogenen vier richtigen Lösungen erhalten als Preis je ein gebundenes Exemplar des von der Kritik als eine Erscheinung allerersten Ranges gekennzeichneten Buches Siegen oder Sterben. Die Helden des Burenkrieges. Bilder und Skizzen nach eigenen Erlebnissen von Fred. Rompel, Parlamentsberichtcrstatter und Kriegskorrespondent der „Volksstimme" in Pretoria. Die Namen der Gewinner werden seinerzeit in den „Familienblättern" veröffentlicht, und sind die Preise gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in unserer Geschäftsstelle Schnlstraße 7 in Empfang zu nehmen. Redaktion: E, Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'scheu U«i,erfit8tS°Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erde«) in «eß«.