Dienstag den 19. Februar ;pofo^-au^irH~Noii. 6 lt.sse.ru HW M ElU MUGichen W^W MW ^^Ä»U Vft MUWch LWß Ä « as Lebcn soll die Erde sein, £M^ Darin die Weisheit Wurzel schlitzt; 'S*» Und pflanzt ihr hier den Kern nicht ein, Wächst auch kein Baum, der Früchte trägt. Fricdr. Bsdcnstcdt. (Nachdruck verboten.) Die Seekömgin. Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) „Wir. lnöchtelt erst wissen, was aus Quill geworden ist", sagte der Matrose Craig von der Backbordwache, der als untüchtig dargestellt worden war, und es ruhig mitangehört hatte, als Quill diese Behauptung aufstellte. „Wenn ihr's wissen ivollt, er ist eingesperrt als Rädelsführer bei der Meuterei", antwortete mein Mann. „Geht ruhig an die Arbeit. Ich habe mein Versprechen gehalten, und euch aus die Versicherung hin, daß diese Geschichte vorbei sein soll, in Freiheit gesetzt. Haltet ihr jetzt auch, was ihr mir versprochen habt, Leute." „Ja, aber Sie können nicht sagen, die Geschichte ist vorbei, solange Isaak Quill eingesperrt ist; denn dann ist sie eben noch nicht vorbei", erwiderte Craig mit derselben Frechheit, wie früher. „Na, na, genug davon für heute", sagte der Zimmermann, der nach vorne gekommen war, und nun neben der Kombüse stand. „Wenn Quill verspricht, seine Pflicht zu thun, wird ihn der Kapitän schon freilassen." „Quill ist einer von unfern besten Matrosen, und wenn wir so schon schwach sind, können wir ohne ihn gar nichts machen", meinte Craig. Wäre mein Mann von seinen Steuerleuten unterstützt worden, so ivürde diese Auseinandersetzung einfach unmöglich gewesen fein. Die Matrosen wußten aber recht gut, daß ihr Kapitän nur auf sich selber angewiesen war. „Hört ihr nicht, was Herr Short sagt?" rief Heron. „Wenn Quill verspricht, zu arbeiten, wird ihn der Kapitän höchst wahrscheinlich freilassen." „Er versprach das schon, ehe die Luke geöffnet wurde, mit uns zusammen, und kaum ist er an Deck, so sperrt ihn der Kapitän ein", schrie Ralf Green, ein Leichtmatrose. „Wollt ihr an die Arbeit gehen oder nicht?" fragte Richard. „Nicht ohne Quill", antworteten zwei oder drei Stimmen zugleich. Nun iuaren wir also wieder so weit wie vorher oder noch schlimmer daran. Zuerst war die Beschwerde der Leute grundlos gewesen, jetzt hatten sie wirklich Grund, sich zu beschweren. Ich meine, sie fühlten, daß es ungerecht gegen Quill und sie selber sei, ihn gefangen zu halten, nachdem ihnen mein Mann versprochen hatte, sie in Freiheit §11 setzen, wenn sie .die Arbeit wieder aufnehmen wollten, und daß jetzt ihre Arbeitskräfte wirklich um einen tüchtigen Mann vermindert waren. Etwas Aehnliches mußte auch meinem Mann in den Sinn gekommen sein. Er stand eine Weile bewegungslos da, und starrte die Leute au. Dann drehte er sich um, und ging nach, achtern mit einem aus Unschlüssigkeit und Aerger gemischten Ausdruck im Gesicht. Ich bemerkte, wie ihm der Steuermann und der Zimmermann mit ihren Blicken folgten, als ob sie fein Zaudern genau beobachteten, und ich ärgerte mich, daß man meinem Manne diese Unentschlossenheit oder augenblickliche Ratlosigkeit anmerken konnte. Die Leute standen zusammen und schwatzten und lachten, schienen aber noch keine Lust zu haben, an die Arbeit zu gehen. Jeden Augenblick erlvartete ich, den Mann am Ruder nach, jemand rufen zu hören, wie es vorher der Mulatte gemacht hatte. Vielleicht konnte er von seinem Posten ganz achtern nicht bemerken, was vorne vorging, oder er besaß noch ' nicht die meuterische Frechheit des Farbigen. Richard blieb neben dem Oberlicht stehen, und ich ging zu ihm. „Ist das nicht zum Berrücktwerden?" sagte er. „Da muß man ja allen Mut verlieren. Was für Aussichten habe ich überhaupt mit dieser Mannschaft und diesen Steuerleuten? Sie wollen mich zurücktreiben — das wird ihnen wohl nicht gelingen." „Thue mir den Gefallen, Richard", rief ich, „und laß diesen Quill frei." „Was! Den Seeräuber, den Rädelsführer! Der stiftet mir ja sofort eine neue Meuterei unter den Leuten an", rief er mit finster in Gesicht. „Ja, aber Du versprachst ihm die Freiheit, wenn er arbeiten wollte, und dazu hat er sich ja bereit erklärt. Du bist verpflichtet. Dein Versprechen zu halten." „Den anderen, aber nicht diesem Hunde. Wenn ich ihm nicht unversehens hätte die Handschellen anlegen können, so wäre es mit Gewalt geschehen, Mann gegen Mann. Ich hatte mir fest vorgenommen, den Kerl in Eisen zu legen. Diesen Kanaillen darf ich'kein Oberwasser lassen. Das bißchen Ueberreft von Ansehen, das ich noch zu haben, glaube, würde dadurch vollends zerstört". „Ich würde das gar nicht beachten", sagte ich. „Ich würde es darauf ankommen lassen. Sage den Leuten, Tu hättest Dir die Sache überlegt, und würdest Quill frei- - 102 — lasse«, vorausgesetzt, daß sie wie ehrliche -Seeleute ihre Pflicht thäten. Was kann man sonst machen, Richard? Die Leute sind alle gegen Dich, und wenn Du ihnen nicht etwas entgegen kommst, müssen sie Dich ja zuletzt bewältigen. Und was wird dann aus uns?" Diese Worte machten mehr Eindruck ans ihn, als alle meine Gründe. Er glaubte, daß ich- um meine eigene Sicherheit besorgt sei, und das hatte ich auch beabsichtigt. .Ich- wußte wohl, daß ich sonst wenig Aussicht hatte, ihn umzustimmen. Er sah mich gütig an, und sagte: „Ja, Jeß, das darf ich freilich nicht vergessen, daß ich auch für Dein teures Leben Verantwortliche bin." Damit ging er einige Schritte nach vorne und rief der'Mannschaft zu: „Da ihr meint, daß mein Versprechen sich ebenso auf Quill, tote auf euch bezieht, so soll es so sein. Ich will euch entgegenkommen, tote ihr mir. Seid ihr vernünftig, so lasse td)- auch mit mir reden; seid ihr es nicht, so bin ich der leibhaftige Teufel. Dies ist nicht meine erste Reise als Schiffer, und bis jetzt habe ich als Steuermann tote als Schiffer noch keinen Mann an Bord gehabt, der nicht gern mist mir zur See gegangen wäre. „Was euch zur Meuterei veranlaßt hat", fuhr Richard fort, „das weiß ich- nicht. Ich bin kein Panker, kein roher Tyrann, sondern ein englischer Seemann, der Matrose gewesen ist, wie ihr, ttnd ich wäre der erste, der etwaige wirkliche Uebelstände abstellen würde. Was ich aber nicht sehen kann, das glaube ich nicht. Eure Beschwerde ivar nicht ehrlich, und das wißt ihr. Die Leute, die als Vollmatrosen angemustert sind, können Matrosenarbeit verrichten, raetirt sie nur wollen. Wenn sie sich weigern, und ihre Pflichten andern Letiten aufbürden wollen, werde ich sie wegen Betrug bestrafen, und ihre Heuer herabsetzen. Ihr wißt, daß ich das thun kann, und nötigenfalls thun werde. Das ist's, was ich end)- zu sagen hätte, und nun, Herr Heron", schloß er, indem er dem Steuermann den Schlüssel übergab, „können Sie nach achtern gehen, und Quill in Freiheit setzen." Es verging eine ziemlich lange Zeit, ehe Heron wieder an Deck erschien. Endlich kam er, und hinter ihm Quill, der noch die Handschellen trug. Es schien mir ein großer Fehler, bett Mann mit gefesselten Händen der ganzen Mannschaft vorzuführen. Das wär jedenfalls nichts als Bosheit des Steuermanns. Auch- Richard schien es so anf- ztlfassen. Wütend rief er: „Nehmen Sie ihm die Handschellen ab! Was meinen Sie eigentlich damit, den Mann hier gefesselt vorzuführen? Sagte ich Ihnen nicht, Sie sollten ihn in Freiheit setzen?" ’ „Von den Handschellen habett Sie nichts erwähnt", antwortete Heron. „Nehmen Sie sie ihm ab!" donnerte Richard, ttnd stampfte heftig mit dem Fuße. Der Steuermann gehorchte mit ganz überflüssiger Umständlichkeit, so daß jeder genau sehen konnte, was vorging. Dann warf er die Eisen zu Boden, daß sie klirrten. Dabei machte er eine taschenspielerartige Bewegung, als wollte er sagen: „Seht ihr, es sind wirkliche Eisen". Richurds Gesicht ivar dnnkelrot vor Zorn geworden, tür konnte seine Absicht, einige Worte an Quill zu richten, nicht ausführen, fottbertt winkte nur mit der Hand und sagte: „Geht jetzt nach vorne, und an die Arbeit!" Dann befahl er dem Steuermann, die Eisen aufznnehmen, und ttt hie Kajüte zu tragen. Dieser that es, indem er sie, während er längs Teck ging, hin und her schwang. Richard wartete, bis er seine Selbstbeherrschung wieder gewonnen hatte. Dann rief er Herrn Short heran. „Wessen Wache ist es?" „Herrn Herons, Sir", antwortete der Zimmermann. „Nun, da Sie an Deck sind, können Sie die Leute gleich- zntörnen; Hann schicken Sie jemand nach- achtern, um die Flagge 'runter zu holen". Der Zimmermann ging scheinbar sehr diensteifrig nach tzorne, und erteilte seine Befehle. „Komm mit in die Kajüte, Jeß, damit wir etwas zu essen bekommen", sagte Richard. „Wenn der Koch nicht etwa auch streikt, sollte das Mitlagesseti jetzt ungefähr fertig sein. Ich möchte mir nicht den Anschein geben, als beobachte ich die Leute. Wenn ich von Deck gehe, si*Ht es f» aus, Ms ob ich Vertrauen zu ihnen hätte," Ich wollte Richard meine niedergeschlagene Stimmung verbergen, und trat deshalb mit einem Lächeln in die Kajüte, wo er bereits am Tische saß, und auf mich toarteie. „Die Steuerleute haben mehr Schuld daran, als die Matrosen", sagte ich „Wirklich unterstützt haben sie Dich gar nicht. Sicherlich hat dieser Herr Short die Mannschaft anfgereizt." „So toirb es wohl sein", sagte Richard. „Schufte sind sie aber trotzdem. Und so schlimm auch Short ist, Heron halte ich für zehnmal schlimmer." ' „Mir scheint Short", versetzte ich, „ein von Natur nörgelnder, meuterischer Seemann, der nicht leben kann, ohne Ränke zu spinnen, auf welchem Schiffe er auch sei. Heron aber handelt, meiner Meinung nach, nur aus Rache. Er kann Dich nicht leiden, uitb möchte gerne Deine Interessen durchkreuzen und gefährden. Hoffentlich wirst Du sie in Sierra Leone alle beide, los." „Darauf kannst Du Dich verlassen, vielleicht schon vorher." „Vorher?" „Ich werde sie nicht über Bord werfen", rief er lachend, indem fein natürlicher Frohsinn wieder zum Durchbruch, kam. „Aber ich vermute, daß Heron über kurz ober lang in dieselbe Lage kommen toirb, wie vorhin Quill." „Das Spiel, bas Heron spielt", fuhr mein Mann fort, „kann nichts anderes bebeuten, als dies: Wem: die Mannschaft mich wirklich zum Umkehren zwänge, so würde er zu den Reedern gehen und erzählen, ich hätte keine Gewalt über die Mannschaft, und würde verlacht: überhaupt wäre ich keine geeignete Persönlichkeit, ein Schiff zu kommandieren. Wenn man auf diese Weise mit Schmutz beworfen wird, bleibt stets etwas davon Heben; denn bedenke, die Rückkehr des Schiffes würde den Reedern doppelte Kosten verurfacheir, und wer Geldverlust erleidet, ist stets geneigt, Klagen über den Mann anzuhören, bem man die Schuld daran aufbürden könnte. Vielleicht hofft der Bursche auch-, meine Stelle zu erhalten. Solchen Charakter ganz zu durchschauen, ist unmöglich. Aber meine Zeit toirb schon kommen. Einmal wird er mir schon Gelegenheit geben, ihn zu fassen. Und nun", meinte er lächelnd, „wie denkst Du jetzt über Seeleute? Stehen sie noch immer so hoch in Deiner Achtung, wie bisher?" „Du redest zu einer Seemannsfrau", sagte ich. „Ja", versetzte er, „zu einer Seemannsfrau, die gesehen hat, wie eine Mannschaft wegen Meuterei eingekerkert und mit Hungersnot bedroht ist; die gesehen hat, wie ihr Manu eiit Pistol auf dem Herzen trug, um die Janmaateu mit Blut und Tod zu schrecken, — und das alles in den ersten acht Tagen der Reise." „Ich würde den Seemann ebensowenig nach- diesen Leuten beurteilen, tote etwa die Bewohner von Newcastle nach den Insassen des Polizeigefängnisses. Aber bitte, Richard, sieh, daß Dn all diese Leute in Sierra Leone los wirst. Von dort nach den: Kap ist's ebenso weit, wie von England nach Sierra Leone, und diese ganze Zeit .über mit den Stenerleuten und mit dieser Mannschaft zusammen zu fein, das würde idj nicht ertragen können." „Jeß", erwiderte er, „Du stehst unter meinem Schutz; überlast mir getrost die ganze Angelegenheit. Weder die Mannschaft, noch die Steuerleute, noch Orange sollen Dir ein haar krümmen." Eine ganze Woche hindurch ging alles ruhig seinen Gang. Ich beobachtete die Leute so genau es mir möglich war, wenn ich mich an Deck befand. Ich gedachte vielleicht, irgend etwas zu entdecken, was Richard übersehen könnte, fand aber nicht dei: geringsten Grund zur Besorgnis, und auch Richard hatte sich über nichts zu befiagen. Den Zimmermann sah ich- selten, und redete ihn niemals an. Wenn er die Wache hatte, hielt er sich in der Nähe des Fallreep auf. In dieser Woche hatte er meist keinen Dienst, wenn ich an Deck war, so hatte ich!, tote gesagt, nur wenig Gelegenheit ihn zu beobachten. Herrn Heron traf ich natürlich- häufig. Sein Wesen war noch immer ebenso abstoßend und ungesellig, tote bisher. Da er jedoch seine Pflicht that, und im stände war, bei einem etwaigen Wechsel des Windes die nötigen Befehle zu geben, wenn er ba» Kontmando hatte, und ein sehr ge- 163 wiegtet Rechner war, ließ Richard ihn unbehelligt. Er war in allen Zweigen der Navigation so bewandert, und beherrschte die Geometrie, Trigonometrie, nautische Astronomie usw. so vollständig, daß Wohl nur wenig Leute gegen ihn hätten aufkommen können. Und doch bin ich überzeugt, was praktische Seemannschaft anbetrifft, hätte wohl jeder Ewerführer oder Knstensteuermann, der vielleicht von der Sonne nicht mehr wußte, als daß sie morgens auf» und abends nnterginge, diesen mathematischen Herrn Heron weit übertroffen. Man kann eben den Gebrauch des Sextanten aus dem Grunde verstehen, und doch nicht mehr dazu taugen, das Kommando eines Schiffes zu übernehmen, als sich vielleicht ein Kommis in einem Schnittwarengeschäft zu einem Lokomotivführer eignen würde. Aber er füllte, wie Richard sagte, gut genug seinen Platz aus, bis wir ihn los werden konnten, hielt sich allein, und reizte die Leute nicht mehr zur Auflehnung. Sein mürrisches, finsteres Wesen war mir sehr willkommen. Wir konnten sehr gut ohne seine Unterhaltung auskommen, und ich für meine Person muß sagen, daß er mir während seiner Abwesenheit immer am besten gefiel. So vergingen die Tage ohne eine Wiederholung der Meuterei, so daß wir sie fast vergessen hatten. Es schien nur ein plötzlicher Ausbruch von Aerger bei den Leuten gewesen zu sein, dessen sie sich nun schämten. Allerdings zeigten sie sich niemals sehr willig. Die Lust und Liebe zur Arbeit, woran man sofort eine zufriedene Schiffsmannschaft erkennen kann, fehlte. Die Leute betrugen sich, als ob sie sich zwar nicht von ihrem Aerger hinreißen lassen wollten, ihn aber auch nicht ganz unterdrücken konnten. Ich machte meinen Mann darauf anfmerksain, er hatte es aber auch schon bemerkt. „Meiner Meinung nach", sagte er, „haben sie nur nachgegeben in der Absicht, mir in Sierra Leone auszukneifen. Sie haben etwas Vorschuß gehabt. Die Reise ist nur kurz; also verlieren sie nicht viel, wenn sie ablaufen. Indessen könnte es mir auch einfallen, sie daran zu verhindern. So ohne weiteres wird in Sierra Leone wohl keine Schiffsmannschaft zu bekommen sein." „Wenn sie desertieren wollen, laß sie doch", sagte ich, „wir wollen keine Meuterei wieder haben." „Was!" rief er lachend, „und uns lieber auf ein paar Monate in des „Europäers Grab" begraben lassen, so daß wir, wenn wir nach Hause kommen, Deinen Vater mit einem breiten Trauerflor um den Hut vorfinden, weil er uns schon lange tot glaubte. Aber wir werden ja sehen. Wenn die Dinge nur so weiter gehen, wie augenblicklich." (Fortsetzung folgt.) Jungfer Uebermnt. Fafchings-Novellette von Paula Kaldcweh. (Nachdruck verboten.) Monatelang hatte man in dem kleinen Städtchen von nichts anderem gesprochen, als von der reizenden, mit allem Komfort der Neuzeit errichteten Villa, die fid} Kommerzienrat Olsdorf vor dem Thore erbauen ließ und die er zu Anfang des neuen Jahres bezogen hatte. Die schon seit lange geplante Einweihungsfestlichkeit mußte zum Leidwesen der vielen guten Freunde des Olsdorfschen Hauses wegen Krankheit der Kommerzienrätin immer von neuem verschoben werden, aber nun endlich hielt man die Einladungskarte in den Händen, in der man am Fastnachtsdienstag abends acht Uhr zu einem kleinen Maskenfeste freundlichst eingeladen wurde. „Jungfer Uebermut, Du sollst auch mitkommen!" Landgerichtsrat Wegner, der vertrauteste Freund Olsdorfs, legte die lithographierte Karte beiseite und sah seine Jüngste schmunzelnd an. „Wirklich, liebster Vater? Das ist ja zu famos! Ich darf doch hin, nicht wahr; denn ich habe noch niemals einen Maskenball mitgemacht. Und gerade für so etwas laß ich mein Leben." Dabei fühlte fick) der stattliche Herr von zwei jugend- llck)en Armen umschlungen, und verspürte einen schallenden Kuß auf seiner Wange. „Eigentlich ist es ein Unsinn, ein Ding von sechzehn Zähren, dem noch der Zopf auf dem Rücken baumelt, unter Erwachsene zu bringen, aber wenn Mutter nichts dagegen hat, will ich nicht den hartherzigen Vater spielen." „Mütterchen willigt ein, das weiß ich schon im voraus, nicht wahr, Du Süße." Ein Kopfnicken der schönen Frau war ihr Antwort genug, und mit einem Jubelruf stürmte der Backfisch aus dem Zimmer, um der älteren Schwester das große Glück zu verkünden. ' Der Winter war mit verdoppelter Kraft ins Land gekommen, und eine prachtvolle Schneedecke lag auf den Wegen, sodaß von nah und fern die Schlittengespanne heranklingelten und vor per Olsdorfschen Villa hielten. Dort herrschte schon ein reges Leben und Treiben. Der Ballsaal war bereits ziemlich art gefüllt, und immer noch strömten neue Masken herein und konnten sich nicht satt sehen an all der Pracht und Herrlichkeit, die der weite Raum aufwies. Unzählige elektrische Lämpchen, farbig und weiß, wechselten zwischen Fahnen und Guirlanden ab; Pierrots und Harlekins vollführten kecke Luftsprünge, und diese jauchzende Lust wird übertönt von dem Schrillen der Geigen und Flöten. Ellen Wegner in dem Kostüm einer neapolitanischen Fischerin bleibt einen Augenblick geblendet an der Thür stehen. So aufregend und sinnverwirrend hat sie sich einen Maskenball doch nicht gedacht; sie kennt ja keinen von all' den Menschen und kommt sich ordentlich fremd und verlassen in dem Gedränge vor. Wo nur wenigstens Hertha weilen mochte? An ihren Arm wollte sie sich hängen, bis das Fest vorüber war. Suchend blickte der geängstigte, sonst so kecke Backfisch umher, und richtig — ein Seufzer der Erleichterung entfuhr seinen Lippen — da hatte er die Schwester, eine zierliche und schlank gewachsene Erscheinung in das Gewand einer Colombine gehüllt, entdeckt. Voll schwesterlicher Bewunderung glitt Ellens Blick über die Gestalt. Ja, sie war ohne Zweifel die Schönste im ganzen Ballsaal. Ein wundervoller Haarknoten von blau- schwarzer Farbe kam unter einem weißen, mit roten Poupons besetzten Dreispitz zum Vorschein. Das Gesichtchen war von einer neidischen Halbmaske bedeckt; ließ aber trotzdem genug von Stirn und Schläfen, dem Oval der pfirsichzarten, rosig angehauchten Wangen und dem entzückend geformten Kinn sehen, um zu dem berechtigten Schlüsse zu gelangen, daß ihr zweifellos auch nach der Demaskierung der Schön- heitspreis zuerkannt werden müsse. Dieser Meinung schien ebenfalls ein arabischer Scheck! ju sein, der, das Haupt von einem Turban umwunden, immer von neuem die Colombine umkreiste und ihr gerade in dem Augenblick den Arm bot, als Ellen bei ihrer Schwester Rat und Hilfe erbitten wollte. „Nein, das war denn auch zu arg! Wie hatte sie sich auf den Abend gefreut und nun kümmerte sich keine Menschenseele um sie; Papa und Mama glaubten ihre ^ungste gut aufgehoben und waren so vertieft in der Unter» Haltung, daß ihnen nichts ferner lag, als der Gedanke, Ellen konnte sich langweilen. Wenn sie nur wenigstens gewußt hätte, wer dieser gräßliche Salon-Araber, der Hertha keinen Augenblick verließ, eigentlich war? Den Beweg- ungen und der Gestalt nach zu urteilen, mußte es Ulrich DlSborf, ber Sohn des Hauses, sein, ber ihrer Schwester !N?n wahrenb bes ganzen Winters seine Hulbigungen so offenkunbig barbrachte. Ehrlich geftanben, gefiel ihr ber elegante, schneibige Assessor gleichfalls sehr gut, was sie in ihrer sechzehnjährigen Würbe zwar nur burch schnippische Antworten zu erkennen gab, bie aber trotzdem der gegen- fettigen Freundschaft keinen Abbruch thaten. Einzig und allein, daß er ihrer Hertha auf Leben und Tod den Hof machte, konnte sie ihm nicht verzeihen, und wehe dem Kecken, wenn es ihm eines Tages einfallen sollte, um deren Hand aiizuhalten. Für diesen Fall war ihr Racheplan schon fertig. Und jetzt beugte er sich — denn daß der weihe Burnus ihn barg, daran war für sie kein Zweifel mehr, — wieder zu der Colombine herab und flüsterte ihr zärtlich etwas zu. Gleich darauf flogen die Beiden im Tanze dahin. »Nee, weiß ber Himmel, bie Geschichte war ihr wirklich zu langweilig! Ellen unterdrückte mühsam einen Gähnreiz Da ging sie lieber ein bischen in die Damengarderobe, um Uch mit Lisette, ber Jungfer ber Kommerzienrätin, zu 104 »ebaSrwt: E. Burkhard,. — Bruck und »erlag der und wenn ich nicht sehr irre, herrscht jetzt tm Ballsaal, wohm dieser Draht führt, die tiesste Finsterms." In Todesangst eilte die Jungfer wahrend dieser Worte auf den Metallgriff zu und versuchte ihn nach der anderen Seite zu drehen. Hinderte sie die Aufregung oder sonst iraend etwas, ihre Bemühungen waren jedenfalls vergeblich, der sonst so leicht zu handhabende Knops bewegte sich nicht von der Stelle. . „Johann, Johann, kommen Sie schnell emmal her! - Ellen hatte einen Augenblick verdutzt ob des Geschehenen ausgesehen, doch lange hielt ihr Unbehagen nicht an; der göttliche Humor hatte schon wieder die Oberhand m ehr gewonnen, diesmal vermischt mit einer guten Dosis Reu- gierde, wie sich die Situation im Ballsaal inzwischen wohl entwickelt haben würde. In Gedanken stellte jte Viel) , bte sicherlich wenig geistvollen Gesichter vor, die die plötzliche Finsternis verursacht hatte. Und unter einem lauten, herzlichen Lachen eilte sie davon an den Schauplatz ihres Atten- unterhalten, die stets über die neuesten Ereignisse des Stöbt- I Aruttevchen liebtest, die chens auf dem Laufendeu war. s Zder Willen lachte Wegner über seinen Liebling hell Gedacht, gethan! Im nächsten Augenblick war der Vor- I b wandte sich zu Herthas sak ausgeführt, und auch der niedlichen, etwas geschwätzigen I ^ein Kind, ich will Deinem Glucke nicht un Wege Zofe schien die Unterbrechung ihrer Einsamkeit nicht un- I fte" ‘ üerqiR aber niemals im Leben, daß Du es keinem willkommen zu sein; denn bald war sie Mitteni,n schönsten I verdankst, als Ellen, unserer „Jungfer Uebermut . Erzählen begriffen. Ellen, die gespannt zuhorte, lehnte I Unb Oon JDet Seiten fühlte sich der strahlende Back- an der Wand und spielte mechanisch Mit emem dort befestig-I umarmt und geküßt, worauf dm anwesenden Gäste teu kleinen Griff, den sie von rechts nach links drehte. I |.L geeilten, ihrer aufrichtigen Freude über die Verlobung „Um Gotteswillen, gnädiges Fräulein, was machen I Ausdruck zu geben. @lC Lisette unterbrach sich erschrocken in ihrem Bericht. I Gemeinnütziges. „Ja, was haben Sie denn gethan?" I Die besten Gemüsesorten. Welche Sorte Kraut, Sie haben soeben an der elektrischen Leitung gedreht, Wirsing ^lat usw. ist wohl die beste? Diese Frage laßt sich, .... "-----U ftorrfAt lebt 7M Ballsaal. wohin I s5,7?Zsma Lage und örtliche Verhältnisse zu verschieden S Äe'Si’ef« W W&n 9e^n» S»rte m. Lbtnaen kaum beantworten, und so kommt e», oatz eine GemiUesorte, welche in einer niedrig gelegenen Gegend ganz ante Erträge qiebt, in höheren oder Berggegenden ganz und !e „Z>t befriedigt. Nun sind es aber ja nicht allein du Vage sondern, ivie schon bemerkt, auch das Klima, besoudm^- aber auch eine richtige Behandlungvweise, welche hur mitsvrecken Der Gartensreund, welcher von irgend einer als gut empfohlenen Gemüsesorte zu beziehen gedenkt, muß ikh chieserbalb stets gefaßt machen, daß dieselbe, obgleich sie wirklich gut ist, ihn möglicherweise dennoch nicht befrie- ^diaen wird. Findet er aber trotz des Mißerfo ges an der betreffenden Sorte irgend eine Eigenschaft, welche für ihn vorteilhaft scheint, so braucht er dieselbe nicht sogleich von Uch u werfen sondern kann dieselbe in kleinerem Maß- abe weUer bauen und säen, um zu erproben ob selbige wenn fte sich an die neuen Verhältnisse mehr gewohnt tates. I hat, auch in ihren übrigen Eigenschaften mrder- - Mit einem schnellen Druck össnete sie die Saalthur - Z. B. es wäre f^. ^men ^musegartner von Vome , und in demselben Augenblick erstrahlten wieder von neuem IU den Besitz einer recht fr'cheu ^alat or dw unwbligen elektrischen Lämpchen, du eben noch tot und I bic a(§ solche bezogene bewahrte sich bei ihm^früher id, II dun?el gewesen waren und beleuchteten - allen erkennbar jede andere, ließ aber noch mancherlei m Hinsicht der — ein Bild, wie es poesievoller aus einer Buhne nicht I Bildung guter Kopse zu wünschen übrig, ^omint gar ost gedacht werden kann. Colombine, auch nach der Demas-I ^mqebeit derselben vorzuschlagen, denn.^ ““ 9 j fferung ?hne Zweifel die Schönste der ganzen Gesellschaft, paß diese schon im zweiten Jahrei ihres Anbauesdie ruhte in einer Ecke des Saales in selbstvergessener Hm- zufriedenstellendsten Ergebni se Doch oftmals tkw »wa ä R-SS&M Frau gingen mit finsterer Miene auf ihre Tochter zu, die khut er am besten, einen ÄÄ mir verloren", raunte sie Ä’Ä’ii und auch der Assessor bat denn diese wissen bann gc Äertha, Dein Bmehmen zwingt uns, dies gastliche Haus säuert^ Brotkrume mit .fulz^ermisch^ mit Rose-ussig^c- ^^Die^Stimm?des allzeit gütigen Landgerichtsrates Kang MAngehen genommenes “Ir {eine lieüer und erreot, wie in mühsam verhaltenem Zorn, I ti(jj als Hausmittel bewahrt. Kopsschmer^, o w während seine Göttin eine Thräne des Schmerzes zerdrückte. in zu starkem Blutandrang hat wird beim Regungslos blieb die Gerufene stehen, und ebenso be- oon Iattem Wasser gemildert und hort l«ilen ga z i mühte sich Ulrich Olsdorf vergeblich, entschuldigende und Rheumatischen Kopfschmerz wildern kalte Wafcyu g^, erklärende Worte für ihr Verhalten zu finden, da trat Ellen vorauf der Kopf mit wollenem T^ emgehullt^o b. furchtlos neben ihren Vater, ergriff seine Hand und sprach. ÖEtüä)em Rheumatismus werden Ernreibungen v t S" »M *. d°ch M sagtest, Dinger, denen noch der Zopf auf dem Rucken I -------■ baumelt, gehören nicht in den Ballsaal. Denn wie immer, I Kavselrätsel. habe ich auch heute — natürlich unbeabsichtigt meinem I Nachdruck verboten. milder. . , I o. Wort sind drei ncbenemandcrstchendc Buchst« en » „Weil ich es in meinem Unverstand und meiner Un° | . , £ic\m Zusammenhang ein Sprichwort ergeben. kenntnis gewesen bin, die das elektrische Licht ausgedreht ! ' Auflösung in nächster Nummer, hat. Na, lieber Vater, die beiden Leutchen macht ich sehen, I —------ , die sich von Herzen gern haben, und solch eine prachtvolle I « «ötnna be6 TeleqraphenrätselS in voriger Nummer. Situation, wie sie zum zweiten Male so leicht^ nicht wieder- U s g S ^eile haben. kehrt, nicht in vollem Maße ausnutzen, .ich hatte es I „. f Däumling Willen, Auguste, Zweifler, Schwaben.) wenigstens nichts anders gemacht und Du rote wärest I (Gustav, Räumung, wu , _ «rühlstch-n Uni»«ßt«r,-Buch. und Suinbruderti (Pietsch COe») in