^»hofaa^-aufg. h.'noii. 6 Itssen W i»oi. - m. 70. Eamstag dm 18. Rai. ß K«recha!lmGd!M M iGießenerAkMMr Oenmü-All^tzer) eib tauglich zu eurer Arbeit, und ihr werdet immer Arbeit haben. Spurgeon. (Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold OrkmAnn. (Fortsetzung.) Klemens Herbvlö sah sie mit seinen leuchtenden Künstleraugen an, als wollte er ihr Bild unauslöschlich in fein Gedächtnis prägen. Dann, nach einer Minute des Schweigens, kehrte er sich seinem Schüler zu: .. „Und Du sagtest mir nichts davon, Harro, daß Du sie gesunden hättest, unsere Göttin des Glücks! Wahrhaftig, Tu mußt ein Sonntagskind sein, daß Dir dies gelang!" Der junge Bildhauer suchte verlegen nach einer Antwort; Erika aber kam ihm zuvor. „Du bist im Irrtum, lieber Vater! Dies ist Fräulein Sylvander, und sie wird sicherlich nicht gestatten, daß Du Deiner Glücksgöttin ihre Züge giebst." „Und wenn ich Sie aus den Knien darum bitten soll, sie darf es mir nicht verweigern. Ich sehe Sie ja zum erstenmal, mein Fräulein, aber ich habe von diesem da gehört, daß Sie keines von den alltäglichen Geschöpfen sind — und wenn er es auch nicht gesagt hätte, so würde ich es Ihnen doch vom Gesicht abgelesen haben. Sie werden nicht nein sagen, ich weih es, Sie werden mir erlauben, Sie zu modellieren." Hanna fühlte, daß die Blicke der drei in höchster Spannung auf sie gerichtet waren, aber nicht für einen Moment zeigte sich irgend welche Befangenheit oder Verwirrung in ihrem Benehmen. „Wenn Sie wirklich glauben, Herr Professor, daß mein Kops sür Ihre Zwecke brauchbar ist, so bin ich mit Vergnügen bereit, Ihnen als Modell zu dienen." Sie hatte es so leicht und so liebenswürdig gesagt, als handle es sich dabei für sie um die Gewährung einer höchst unbedeutenden Gefälligkeit. Klemens Herbold aber ließ den Arm seiner Tochter los und ginz zu Harros Erstaunen mit sicheren, beinahe elastischen Schritten auf Hanna zu. „Ich wußte es. Und ich danke Ihnen. Kann ich morgen mit der Arbeit beginnen?" „Ich bin jederzeit zu Ihrer Verfügung, Herr Professor!" Er hatte sich in seiner Herzensfreude doch wohl zu viel zugemutet; "denn die tastende Bewegung seiner Hand lieh erkennen, daß er MA einer Stütze suchte. Aber schon war Erika an seiner Seite, und, auf ihre Schulter gestützt, erreichte er den nächsten Stuhl. „Du wirst den Beginn noch um einige Tage hinausschieben, nicht wahr, lieber Vater!" sagte sie. „Hast Du denn vergessen, wie streng Dir der Arzt für die nächste Zeit das Arbeiten verboten hat?" „Ah, was kümmert mich sein Verbot! Meine irdische Zukunft ist nicht mehr so lang, daß ich auf unbestimmte Zeit hinausschieben könnte, was ich hier unten noch zu thun gedenke. Bin ich morgen am Leben, so werde ich morgen anfangen. Ob das Flämmchen darum ein paar Wochen früher erlischt, mir gilt es gleich, wenn es mir nur zuvor vergönnt ist, dies da zu vollenden." 1 Er nannte Hanna die Stunde, zu der er sie hier im Atelier erwarten wollte, dann richtete er sich wieder auf und verabschiedete sich von ihr, weil ihn die Unruhe des Herzkranken in sein Zimmer zurücktrieb. In der Thür wandte sich Erika noch einmal zurück und sagte bittend: „Sie werden gewiß noch ein wenig bleiben, Fräulein Sylvander — es liegt mir sehr viel daran, Sie zu sprechen, ehe Sie fortgehen." Der Vorhang fiel herab; Harro und Hanna waren wieder allein. Mit freudestrahlendem Gesicht trat der junge Bildhauer hart an ihre Seite. „Wie gut das von Ihnen war, Fräulein Hanna! Es wird ja nicht dazu kommen, aber Sie haben den armen Meister doch für den Augenblick durch Ihre Zusage sehr glücklich gemacht." „Und warum wird es nicht dazu kommen? Etwa weil Fräulein Erika es verbietet?" „Aber Sie hörten doch, daß der Arzt —" „O, wenn Klemens Herbold ein echter Künstler und ein Mann von Charakter ist, wird er sich um die Vorschriften des Arztes so wenig kümmern, als um die Bevormundungsversuche seines Töchterchens. — Aber sagen Sie mir doch, Herr Boysen: Wenn Ihr Meister aus den ersten Blick in mir ein brauchbares Modell für seine Glücksgöttin erkannte, wie erklärt es sich dann, daß nicht auch Sie, der Sie mich doch schon wiederholt und in aller Gemächlichkeit ansehen konnten, aus diesen Gedanken verfielen?" „Und woher nehmen Sie die Gewißheit, Fräulein Hanna, daß es nicht wirklich geschah?" „Nein, nein, verstecken Sie sich nicht hinter einer Unwahrheit", lachte sie. „So leicht bin ich nicht zu täuschen. Gestehen Sie's nur ehrlich zu, daß Sie für Ihre Person sich das Glück ganz anders vorgestellt haben." Ihre Lippen nicht nur und der schelmische Klang ihrer Stimme, auch ihre herrlichen Augen lachten ihm entgegen, und der verführerisch holde Zauber dieses Lachens machte all seine schüchterne Unbeholfenheit schwinden. „Nein", rief er, „nein, und tausendmal ein! Seit dem Augenblick, Sie an jenem Abend in Ihres Bruders 278 Sie reichten einander dis Hände, und .Harro tvar überzeugt, daß es in diesem Augenblick kein Mißverständnis und keinen Mißton mehr zwischen ihnen gab. Eine kleine Weile noch sprachen sie miteinander von der Krankheit des Professors, die Hanna jetzt, nachdem sie den Patienten gesehen hatte, für eine keineswegs hoffnungslose zu halten schien, und von allerlei künstlerischen Dingen, in denen sie ein überraschend feines und sicheres Urteil an den Tag legte. Erika überließ zwar die Führung der Unterhaltung fast ausschließlich den beiden anderen; aber sie war keineswegs unfreundlich, und Harro fand durchaus nichts auffälliges in ihrer Zurückhaltung. Als Hanna erklärte, daß sie nun aufbrechen müsse, gab Professor Herbolds Tochter ihr das Geleit über den stillen Hof, und in Seligkeit leuchtend folgten die Augen des junger» Bild- hauers von einem der hohen Fenster aus der schlanken Gestalt des schönen Geschöpfes, das er binnen kurzem ganz sein nennen sollte. -.Die Göttin des Glücks!" murmelte er lächelnd vor sich hin. „Ja, wahrhaftig, der Meister hat recht. Ich muß ein Sonntagskind sein, daß es mir beschreden war, sie zu finden und sie zu halten." Siebentes Kapitel. Kopfschüttelnd hatte Bernhard Sylvander aus dem Munde seiner Schwester vernommen, daß sie dem kranken Professor Herbold gestattet habe, sie zu modellieren; aber er hatte sie hierin gewähren lassen, wie er sie in allem gewähren ließ, was sie zu thun für gut hielt. So vollständig hatte er sich seit Jahren daran gewöhnt, die Schärfe ihres Verstandes und die kühle Ueber- legung in jeder ihrer Handlungen zu bewundern, daß er sie einer wirllichen Thorheit oder einer verhängnisvollen Uebereilung überhaupt nicht fähig glaubte, und deshalb auch da keinen ernstlichen Versuch machte, ihre Entschlüsse zu beeinflussen; wo er nicht mit ihnen einverstanden war oder sie nicht recht begriff. Zudem hatte sich ihr Verhältnis, das von jeher ein sehr freundschaftliches gewefen war, während dieses nunmehr vierzehntägigen Zusammenlebens so herzlich und angenehm gestaltet, wie er es nach Hannas ersten Aeußerungen über seine Verlobung kaum zu hoffen gewagt hatte. Sie scyien sich mit der Thatsache dieses Herzensbündnisses, zu dessen Verhinderung sre doch nach ihrem eigenen Geständnis aus Zürich hierher geeilt war^ sehr rasch und ohne jeden Rest von Bedauern aus- qesöhnt zu haben. Es verging kein Tag, an dem sie mast zu kürzerem oder längerem Besuch bei den Restorps erschienen wäre, und Bernhard war jedesmal aufs neue entzückt, wenn er sah, mit wie liebevoller Zärtlichkeit sie semer Braut begegnete. Ja, er hatte sogar mitunter die Empfindung, daß Inge ihr herzliches Entgegenkommen nicht warm genug erwidere, und daß es nicht bloß Schüchternheit und Befangenheit seien, die sie so still und zurückhalcend gegen die 'immer gleich heitere und liebenswürdige Hanna nt eichte. Weniger erfreut war er allerdings von dem sehr vertrauten Verhältnis, das sich in dieser kurzen Zeit zwischen seiner Schwester und Georg von Restorp Herausgebilde-, hatte. Und sein Mißvergnügen über die mancherlei aufdringlichen und lächerlichen Huldigungen, durch die Inges Vater seiner schwärmerischen Bewunderung für Hanna Ausdruck gab, würde wahrscheinlich noch lebhafter gewefen sein, wenn er gewußt hätte, daß die beiden einander ueuer- diugs fast täglich „zufällig" begegneten, wenn Hanna sich auf dem Heimwege von Professor Herbolds Atelier befand, und daß sie dann oft eine halbe Stunde oder länger gemeinsam promenierten. Allerdings waren es durchaus ernsthafte Unterhaltungen, die sie auf diesen Spaziergangen führten, und ihren Gegenstand bildete ausschließlich der Prozeß um Dietrich von Restorps Millionenerbschaft, weniger sie mit ihrem Bruder über diese Angelegenheit sprach, desto eingehender erörterte Hanna ihre Aussichten und namentlich ihre Vorgeschichte mit Georg von Restorp, der seit Jahren seinen Geist und sein Gedächtnis Nicht so angestrengt hatte arbeiten lassen, als er es fetzt auf das beständige Antreiben seiner schönen jungen Freundm thun mußte. Unzähligemale schon hatte er ihr die Aeutzer- ungen Dietrichs wiederholen müssen, deren er sich noch erinnerte oder' vielleicht nur zu erinnern glaubte. Und durch Zimmer traten, wußte ich, daß S i e das Glück seien . mein Glück, Hanna! Und seit dem Augenblick war ich entschlossen, um Ihren Besitz zu ringen, wie jener dort, drüben —" und er wies dabei auf die unfertige Gruppe. „Mit hundert heiligen Eiden will ich es Ihnen beschwören." . . , Sie hatte das Köpfchen ein wenig abgewendet; aber das süße, sinnbethörende Lächeln war noch immer auf ihrem Antlitz „Wirklich? Wie jener dort? Ah, das traue ich Ihnen nicht zu. Sie haben vielleicht die Siegsriedsgestalt diefes Jünglings, aber Sie haben nicht seinen Siegfriedsmut.^ „Oho, das wollen wir doch sehen. Stellen Sie mich f auf die Probe, Fräulein Hanna! Wie schwer sie auch sei, ich werde sie bestehen." „Und wenn ich diese Aufforderung ernsthaft nehme? Würden Sie mir dann im voraus versprechen, alles zu thun, was ich von Ihnen verlange?" „Alles! Lassen Sie es mich ohne Bedenken Horen ü „O nicht jetzt. Ich brauche Zeit, es mir zu - über- leoett" ° „Und bis Sie sich's überlegt haben -- soll ich so lange in dieser schrecklichen Ungewißheit bleiben? Werden Sre mir nicht durch ein einziges kleines. Wörtchen verraten, daß ich Hoffnung habe, das Glück zu gewinnen?" „Wenn Sie nicht hoffen dürften, würde ich dann hierher gekommen sein, Harro?" „Hanna!" jubelte er. „Meme teure, angebetete Hanna *" ' „Still! — Fräulein Erika kommt zurück. Vorläufig kein Wort zu ihr und keines zu meinem Bruder das ist meine erste Bedingung." Ihre Mahnung war nicht überflüssig gewesen; denn schon bewegte sich der Vorhang und Klemens Herolds Tochter trat mit raschen Schritten in das Atelier. „Ich komme, um Ihnen für Ihre freundliche Abficht zu danken, Fräulein Sylvander", sagte sie, und wxder tn ihrer Stimme noch in dem Ausdruck ihres schönen, ernsten Antlitzes verriet sich etwas von Ueberraschung oder Unwillen über die so augenfällig vertrauliche Situation, m der sie die Beiden gestmden. „Sie wollten meinen Vater nicht durch eine abschlägige Antwort kränken, und das war sehr liebenswürdig von Ihnen. Aber es würde unzweifelhaft seine Krankheit verschlimmern, wenn er jetzt trotz semer Schwäche zu arbeiten versuchte. Und Sie werden es deshalb nicht geschehen lassen, nicht wahr?" _ „Ich?" fragte Hanna erstaunt. „Aber sollte das nicht vielmehr Ihre Aufgabe sein, Fräulein Herbold, oder die des Arztes, wenn er glaubt, ein solches Verbot vor semem Gewissen verantworten zu können." , „Weder der Arzt noch ich werden gegen den einmal gefaßten Entschluß meines Vaters etwas ausrichten. Sie allein können es, 'indem Sie Ihre Zusage zurücknehmen oder mit irgend einem Vorwande Ihr Ausbleiben ent- schuldicsen. ^he das eine so wenig thun als das andere. Zwar habe ich kein Staatsexamen bestanden und meme ärztlichen Erfahrungen sind ohne Zweifel geringer als die Ihres Hausarztes. Aber ich weiß trotzdem, daß die Enttäuschung, die ich durch eine Erfüllung Ihres Wunsches dem Professor bereiten würde, ihm ungleich verhängnisvoller werden müßte als die Arbeit, die ihm schon deshalb nicht schaden wird, weil sie ihn mit neuer Lebeüsenergie erfüllt." Erika richtete ihre Augen fest auf das Antlitz der Sprechenden; aber Hanna hielt den forschenden Blick ruhig aus. Kein Wimpernzucken verriet, daß sie sich durch ihn tjetluirrt fühlte. „Sind Sie davon überzeugt, Fräulein Sylvander?" So fest überzeugt, daß ich die Verantwortung für die Folgen eines Wortbruchs unmöglich auf mich nehmen könnte. Sie werden mir geradezu Ihr Haus verbieten müssen, wenn Sie mich hindern wollen, mein Versprechen 2>u holten/' „Davon kann selbstverständlich nicht die Rede sein. Ich bin Ihnen ja im Gegenteil großen Tank schuldig für das Opfer, das Sie meinem Vgter bringen wollen. Und ich bitte um Verzeihung, wenn meine Bitte Ihnen ungeschickt oder verletzend schien." ....., .. .... ... ..... .... — 279 - chre unermüdlichen Fragen nach den nämlichen Dingen Hails sie es dahin gebracht, daß sich das schon etwas unsichere und verwischte Bild jener Vorgänge in seiner Vorstellung wieder zu voller Klarheit gestaltet hatte. Wie viel oder wie wenig auch seine lebhafte Phantasie dabei der Wirklichkeit hinzugefügt haben mochte, jedenfalls war er selbst von der Richtigkeit dieses Erinnerungsbildes unerschütterlich überzeugt und ahnte nicht im inindesten, daß vieles, was er jetzt vor jedem Gerichtshöfe der Welt unbedenklich als wahr beschworen haben würde, ihm nur durch Hannas geschickt gefaßte Fragen und Vermutungen all- -ing-g-b-n «°r^g Erkaltet die Sonne? Eine astronomisch-physikalische Skizze. Von Dr. Max Neu Wirth. (Nachdruck verboten.) Ms Rudolf Falb es vor 3 Jahren für notig hielt, Tausende von Leuten durch die Andeutung eines im Herbst 1899 möglichen Weltuntergangs oder — um es genauer zu umgrenzen — einer alles Lebende vernichtenden Erd- kaiastrophe in einen recht überflüssigen Schrecken zu jagen, erörterte man alle denkbaren Möglichkeiten, durch welche der Mstenz des organischen Lebens auf der Erde eine Schwanke gesetzt werden könne. Unter allen diesen Annahmen, deren Austüftelung zum Teil der blühenden Phantasie ihrer geistigen Väter mehr Ehre machte, als deren kritischem Verstände, steht in erster Linie die zukünftige Abkühlung der Sonne bis zu einem Grade, dah alles irdische Leben in den Todesschlaf eines ewigen Frostes hinsinkt. Während alle anderen Theorien vom Weltuntergang müßige Spekulationen sind, die von willkürlichen und unbewiesenen Annahmen ausgehen, ist die Frage, ob die Sonne einer langsamen Abkühlung ausgesetzt ist, ernstlich erörterungsfähig, weil alles in der Welt ununterbrochenen Veränderungen unterworfen ist, und es außer der Mternative, daß die Sonne entweder wärmer oder kälter wird, eine dritte Möglichkeit nicht giebt. Jeder, der über etwas mehr als Elementarschulkenntnisse verfügt, weiß heute, daß alle Kraft und Energie, die auf der Erde zur Entfaltung kommt, ein Geschenk der Sonne ist welches auf der Brücke der Lichtstrahlen über eine Entfernung von 150 Millionen Kilometer einst zu uns heruber- geflogen kam oder noch immer neu herüberfliegt. Die Kraft der Meereswvgen, des Sturmwindes, der Dampfmaschinen, welche die Riesendampfer des Ozeans, und auf eiserner Spur die Lokomotiven ihren Zielen entgegentreiben, und Millionen Räder in den Fabriken in Bewegung setzen, die Muskelkraft unseres Armes, die künstliche Wärme unserer Oefen, ja selbst unsere sämtlichen dem Tier- oder Pflanzenreiche entnommenen Nahrungsmittel sind nichts anderes als die verschiedenen Formen, unter welchen die Energie der Sonnenstrahlen sich aufgespeichert hat. Die der Erde von feiten der Sonne zukommende Energie ist allerdings nicht ausschließlich Wärme, sondern entsprechend den verschiedenen möglichen Schwingungen des Weltäthers sehr mannigfach. Neben der Wärme ist es nämlich in erster Reihe das Licht, ferner chemische, elektro- dynamische und höchstwahrscheinlich noch! ein großes Heer anderer unsichtbarer Strahlen, deren Existenz wir seit der Entdeckung der Röntgen- und Becquerelstrahlen erst zu ahnen beginnen, die in ununterbrochenem Strome zu uns herüberfluten. Am meisten aber interessiert uns die Wärmestrahlung der Sonne, weil wir uns allenfalls ein Eskimodasein bei ausreichender Wärme in der Hütte während einer andauernden Polarnacht, niemals aber eine Existenz trotz des blendendsten Lichtes bei 100 oder mehr Grad Kälte vorstellen können. L ... Die Ermittelung der Wärmestrahlung der Sonne ist eines der schwierigsten Probleme der modernen physikalischen Astronomie, weil wir nicht wissen, was und wie viel davon im Weltraum verloren geht. Die Frage läßt sich aber dahin vereinfachen, daß wir nur den Betrag der zur Erde gelangenden Wärmemengen zu ermitteln suchen. Allerdings ist mich dieses nicht so leicht, weil ein großer Teck der Sonnenstrahlung von der Atmosphäre aufgesangen werd; doch ist es gelungen, die Menge der Sonnenwärme fest- zustellen- welche der Erde einschließlich! des von, der Atmosphäre verschluckten Quantums zukommt, und die dort, wo die Strahlen senkrecht auffallen, hinreicht, um in jeder Minute auf einem jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche eine Wassermenge von 1 Gramm, d. i. also einen die Erde in Höhe von 10 Millimeter bedeckenden Wassermantel um 4 Grade des hundertteiligen Thermometers zu erwärmen. So geristg diese Zahlen auf den ersten Blick erscheinen, so ungeheuer groß sind sie in Wahrheit; denn sie bedeuten nichts weniger, als daß die Einwirkung des Sonnenlichtes während 12 Stunden ausreichen würde, um einen die Erde umgebenden Wassermantel von nahezu 29 Zentimeter Höhe auf Siedetemperatur zu erhitzen, oder daß diese Wärme, auf ein Jahr berechnet, genügen würde, um eine die ganze Erde bedeckende Eisschicht von 67 Meter Höhe zum Schmelzen zu bringen. Um von der gewaltigen Heiz- wirkung der Sonne eine richtige Vorstellung zu erhalten, müssen wir uns aber vor Augen halten, daß die von diesem Zentralkörper in den Weltraum ausgestrahlte Wärme 2200 Millionenmcck größer ist als der Anteil, den die Erde davon empfängt. Nach! den vorstehend gegebenen Daten ist es kein besonders schweres Rechenexempel, festzustellen, wie groß die Kohlenmenge ist, welche dieser Wärmeentwickelung entspräche. , Wir erfahren da, daß ein der ganzen Masse der Erde oleicksts Gewicht an bester Steinkohle gerade nur hmrerchen würde, um den Brand des ungeheuren Sonnenofens wahrend 23 Tagen zu unterhalten. Da die Masse der Sonne aber 324 000 mal so groß ist als die der Erde, würde erstere, wenn sie aus reiner Steinkohle bestünde, immerhin nur 21000 Jahre reichen, um die Wärmestrahlung der Sonne in den Weltraum zu bestreiten. Daß. die Sonne nun jedenfalls schon unendlich viel länger besteht, steht außer jedem Zweifel, und es ergiebt sich daraus mit Notwendigkeit der Schluß, daß die Wärme erzeugenden chemischen und physikalischen Prozesse auf der Sonne ganz andere fern müssen, als sie bei einer gewöhnlichen Verbrennung auf der Erde herrschen. Ehe wir auf die Frage nach der Quelle des Sonnenlichtes und der Sonnenwärme eingehen, drängt sich eine andere Frage auf, nämlich die nach der auf der Sonne herrschenden Temperatur. Auch hierauf können wir natürlich nur eine indirekte Antwort geben, weil wir weder das der Sonnenmarterie eigentümliche spezifische Wärmeausstrahlungsvermögen kennen, noch wissen, in welchem gesetzlichen Verhältnis dieses zur absoluten Temperatur der Sonne steht. Vor allem wissen wir nicht, ob die Sonnenoberfläche fest oder flüssig ist oder aus Gasen besteht, welche sich unter hohem Druck befinden; in diesen drei verschiedenen; Fällen gestaltet sich aber auch die Wärmeausstrahlung sehr ungleich, und je nach dem man sich auf den einen oder anderen Standpunkt stellte, hat man Temperatur- angaben für die Sonneuoberfläche herausgerechnet, welche, zwischen 6000 und 14 000 Grad schwankten, während man dem Sonneninnern eine noch unendlich viel höhere Temperatur beimessen zu müssen glaubte. Aus theoretischen Gründen, deren Erörterung hier viel zu weit führen würde, ist man aber in neuester Zeit auf Mittelwerte gekommen, die der Wahrheit vermutlich sehr nahe kommen, und man nimmt nach einer Berechnung des Professors Scheiner heute fast allgemein an, daß die Temperatur der Sonnenoberfläche zwischen 8000 und 10 000 Grad Celsius liegt. Woher kommt nun der Ersatz für den Temperaturverlust, welchen der ungeheure Glutball fortwährend durch Abgabe großer Wärmemengen an den kalten Weltenraum erfährt, dessen Temperatur man heute nahe an den sogenannten Nullpunkt, d. h. nahe an —273 Grad Celsius verlegt? Wenn die Sonnenwärme nicht ständig von irgendwoher erneuert würde, hätte diese innerhalb der historischen Zeiten von rund 6000 Jahren eine sehr merkliche Einbuße erleiden müssen. Eine solche hat sich aber praktisch bisher nicht nachweisen lassen; denn obwohl zeitweise in unseren mittleren Breiten arktische und dann wieder einmal tropische Temperaturen geherrscht haben, so waren dies eben nur periodische Temperaturschwankungen, und aus dem Umstände, daß z. B. in Palästina die südliche Grenze t>e| Weinstocks noch heut- ebenso mit der nördlichen Grenze der Dattelpalms sich berührt, wie vor mehreren tausend Jahren, läßt sich der sichere Schluß ziehen, daß eine größere und dauernde Temperaturabnahme dort innerhalb des besagten Zeitraumes nicht stattgesunden hat. Man hat nun schon vor langen Jahren darauf hinge- wiesen, daß vermöge der bedeutenden Anziehungskraft der Sonn« fortwährend große Mengen von Meteoren in die erstere hineinstürzen müssen, deren Aufprall große Wärmequantitäten erzeuge. Diese an sich recht verlockende Voraussetzung ist aber nicht beweiskräftig, weil dann auch die Erde, die auch eine große Anzahl Meteore in ihr Machtbereich zieht, ebenfalls eine Wärmezufuhr erfahren müßte, die sich! indD nicht nachweisen läßt. Befriedigender klingt die Sonnentheorie von Helmholtz, deren Inhalt in kurzen Worten folgende isü Als sich von dem ungeheuren Nebelball, der die Geburtsstätte unseres Sonnensystems war, die Anlagen der Planeten in Form von Ringen abgelöst hatten, formte sich der Rest der Nebelmasse — beiläufig gesagt, übrigens der allergrößte Teil derselben — zu einer Kugel zusammen, deren Stoff durch den Prozeß der Zusammenballung sich stark erhitzte. Wie nun zuerst von Ritter in Nachen nachgewiesen wurde, mußte dieser Wärme aus- strahlende Ball sich unausgesetzt verdichten, bis er schließlich die heutige Gestalt der Sonne annahm. Jede in Natürlichem Gleichgewichtszustände befindliche Gasmasse weist nun nach einem ausnahmslos gütigen Naturgesetz die Eigentümlichkeit auf, daß sich zunächst beim Zusammenziehen ihre Temperatur erhöht, weil die durch die Zusammenziehung bewirkte Wärmeproduktion die Ausgabe überwiegt. Später dreht sich das Verhältnis um, die Wärmeabgabe übersteigt die erzeugte Wärmemenge, und der Himmelskörper muß erst langsam, dann aber immer schneller erkalten. Augenscheinlich hat nun die Sonne ihr Temperaturmaximum schon überschritten; denn sie leuchtet nicht mehr mit dem blendenden Lichte des Srrius und anderer Fixsterne, welche sich im Stadium der höchsten Glut befinden, ist aber auch noch nicht so wett abgekühlt, um wie andere, dem Erstarrungstode entgegen eilende Fixsterne, nur noch ein rötliches Licht auszustrahlen; ihr gelblich weißes Licht läßt vielmehr den Schluß zu, daß sie sich erst in den Anfängen der Abkühlung befindet. Helmholtz hat nun xechnertschnachgewiesen, daß eine Abnahme des Sonnendurchmessers um nur 1: 10000 genügen würde, um den Wärmeverlust unseres TagesgestirnÄ auf 6000 Jahre hinaus zu decken. Hiernach entfallen aber alle Besorgnisse vor einer tapiden Abkühlung der Sonne; dieselbe ist also, um mit Schreiner zu sprechen, noch in der glücklichen Lage, „daß die durch Kontraktion erzeugte Wärmesteigerung noch annähernd die durchs Ausstrahlung bedingte Abnahme zu «rfetzen im stände ist." Aus thermodynamischen Gründen nimmt man an, daß ein Erlöschen der Sonne erst dann Platz greifen wird, wenn diese sich auf die Hälfte ihres bisherigen Durchmessers zusammenaezogen haben wird. Hierzu ist aber eine Zeit erforderlich, welche, wenn unsere Voraussetzungen über die Ausstrahlung der Sonnenwärme nicht grundfalsch sind, zwischen 15 und 30 Millionen Jahren liegt. Auf der Erde wird eS allerdings schon lange vor diesem Zeitpunkte empfindlich kalt werden, und es ist im hohen Grade wahrscheinlich daß Temperaturverhältnisse wie die jetzigen nur mehr während etwa vier Millionen Jahren herrschen werden. Vier Millionen Jahre! Ein Augenblick der Ewigkeit, aber eine Ewigkeit für das Individuum wie für eine ganze Rasse, welche vorläufig noch nicht vor dem Momente erzittern braucht, wann der letzte Mensch als Eskimo am Aequator den Tod des Erfrierens sterben wird. Sie Erkaltung der Sonne kommt, aber so langsam, daß es mehr als zweifelhaft ist, ob noch menschenähnliche Geschöpfe über die Erde wandern werden zu der Zeit, da sich der Sonne Licht ins Rötliche wandelt. Einem ewigen Wesen, welches sich! mit göttlichem Verstand weit außerhalb der Erdkugel im Weltenraum als Beobachter aufstellen könnte, müßte das Problem unserer menschlichen Existenz wie eine Tragikomödie vorkommen, deren erster Akt erst begann, als der Tag des Erdendaseins schon zur Rüste ging, während der Vorhang in dem Augenblicke fällt, in dem die Schatten detz ewigen Nacht sich über die sterbende Erde legen. Es ist kein Zweifel, daß der Höhepunkt von Licht und Wärme für die Erde eintrat, lange bevor das erste organische Lebewesen auf derselben vorhanden war, und daß die hoch,, entwickelten Geschöpfe dieser Erdenwelt erst auftraten, als es schon im Leben der Erde herbstelte. Wer deswegen mit der Vorsehung hadern wollte, gliche einem Menschen, der sich darüber aushielte, daß die besten, edelsten Früchte des Jahres auch erst im Herbste reifen. Vielleicht, ja sogar wahrscheinlich sind wir jetzt Lebenden überhaupt nur eine Vorfrucht der Entwickelung, auf die noch vollendetere Organisationen kommen. Zeit dazu ist jedenfalls noch lange vorhanden, bis dereinst die Erde als wesenloser Ball durch die nächtigen Gründe des Weltraums wandert. Gemeinnütziges. Kumys wird ähnlich wie Kefir als diätetisches Mittel bei verschiedenen Krankheiten verwendet. Eine einfache Zubereitung geschieht auf folgende Weise: 5 Gramm frische Hefe wird in einer halben Tasse Milch mit 10 Gramm feinem Zucker verrührt, und circa zwei Stunden lang bei 32 Grad Wärme zur Gährung gebracht. Diese schäumende Hefemilch, wird nun mit 1 Liter frischer, roher Milch, der noch etwas Zucker zugesetzt wurde, beigefügt, gut vermischt, und das Ganze in Flaschen mit Patentverschluh gefüllt. Die Flaschen werden 2 bis 4 Tage liegend aufbewahrt, dann ist der Kumys fertig und kann getrunken werden. S. -.Praktischer Wegweiser", Würzburg. Mode. Während der Sommerszeit gilt es für heiße und kühle Tage zu sorgen. Leichte Blusen, dazu Kammgarn- oder Alpaccaröcke, Regen- und Staubmäntel, sowie Bade-, Sport- und Douristenkostüme bilden demgemäß den Hauptinhalt des soeben erschienenen Heftes der „Wiener Mode Nr. 16. Die zahlreichen Toiletten sind durchgängig eigenartig und sehr hübsch, sie zeugen von der enormen Gestaltungskraft und Produktionsfähigkeit dieses Lieblingsblattes der Damenwelt, das neben Toiletten und Kostümen auch! fleißig Handarbeitsvorbilder, gediegenen Unterhaltungsstoff und viel Praktisches für Tafel und Haus bietet. Da die Abonnentenzahl beständig wächst und aus letzter Zeit einige Nummern bereits gänzlich vergriffen sind, empfiehlt es sich, das Abonnement stets recht zeitig zu bestellen. Preis vierteljährlich Mk. 2.50, zu beziehen durch jede Buchhandlung, im Auslande bei allen Postanstalten, sowie direkt vom Verlage in 38 i e n, VI. Bezirk, Gumpen- dorfer ist raße 87. Kinder-Zeitung. Herausgegeben von Felix von Stenglin- Groß- Lichterfelde. Inhalt von Nr. 33. Was in der Welt v o r g e h t: Wie steht es bei den Buren? Vom Krieg in China; Im Hochgebirge verschüttet; Von der Burg Tangermünde: Bernstein an der Elbmündung; Das alte Babylon ersteht aus seinen Trümmern; Zur Erinnerung an Kaiser Maximilian von Mexiko; Was im Omnibus gesunden wird. Aus dem Reiche der Natur: Wie hoch sind die Wolken? Unser Elchwild; Von den Launen des Blitzes. Der Beobachter in Wald und Feld: Der erste Ausflug der jungen Störche. „W ald g e schicht en". Erlebnisse. Vom täglichen Leben. Allerlei. — Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Grvß-Lichierfelde, Dahlemerstr. 75. Silbenversteckrätsel. Nachdruck verboten. Motten, Fledermaus, Grasmücke, Sophie, Mohren, Banane, Landrat. In vorstehenden 7 Wörtern sind der Reihe nach 7 Silben versteckt, die im Zusammenhang gelesen eine moderne, dem Verkehr dienende Er findung bezeichnen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Karre, Karte. Rshaftien: 9„ Nnrkhardt. — Wms und »erlag der Briichl'fchw UniderMtS-Dach- tntk GtewdruSrrri (Pietsch »rdech «e Gieß«,