Dienstag den 17. September. Nr. 132. 1901. L SSV M Heller, Hellern beigelegt, « Machen, daß man Thaler trägt. (Nachdruck verboten.) Prüfung. Kriminalerzählung von E.HainLerg, (Fortsetzung.) Im Forstmeisterhause war die Stimmung, wie sich nicht Binders erwarten ließ, eine sehr gedrückte. 5zanna war gänzlich gebrochen. Als Tag unt Tag verstrrch, ohne daß das »Schicksal des geliebten Bruders sich wendete, dagegen, alle Fäden sich scheinbar zusammenspannen, die sich zu einem unentwirrbaren Knoten zusammenfügten, da wollte auch Lei ihr die Hoffnung nicht mehr standhalten, um so mehr, tals der Freund, dem sie so voll vertraut und aus den sie all ihren Glauben gefetzt, sich seit seinem letzten Besuche micht wieder hatte blicken lassen. Es waren zwar erst wenige Tage seitdem verflossen, und doch dünkte es Hanna, als hätte er auch nicht einen Tag versäumen dürfen, ihr seine jfvrtdauernde Liebe zu zeigen und versuchen sollen, ihr Trost jeinzuflößen. Von Tag zu Tag hatte sie gehofft, morgen muh es sich erfüllen, muß endlich Roberts, Geschick sich wenden, es ist ja unmöglich, daß Gott sich seiner nicht erbarmen und die Wahrheit zu Tage bringen sollte. Doch vergebens ihr Hoffen, vergebens die frohe Zuversicht aus des Freundes teilnehmende Sorge. Niemand kam, um sie zu trösten, den beiden Trostbedürftigen seine Teilnahme zu bezeugen — auch er nicht — und er hatte doch bei seinem Letzten Abschied mit so vertrauenswürdigem Tone gesagt: .Hoffen Sie, Hanna!" Und nun? Warum kam er nicht? Wußte er nicht, daß allein schon seine Nähe, sein freundlicber Zuspruch sie aufrichten würde? Oder hatte auch er die Hoffnung aufgegeben und scheute sich nun, ihr seine völlige Mutlosigkeit zu zeigen? Oder zweifelte er gar an ihres Bruders Schuldlosigkeit? O, daß auch die teuersten Menschen Ans zuweilen so unverständlich und fremd werden können! versunken schien das kaum entsprossene, noch tief „verhüllte zarte Herzensglück. Sie schalt sich selbst eine Thörin, daß sie seinen Worten eine solche Deutung unterlegt hatte. Das warm Ausdrücke einer gewissen, freundschaftlichen Teilnahme gewesen; aber die Teilnahme mußte schwinden, sobald er an die Schuld ihres Bruders glaubte. Hanna schlug die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich. Anders hingegen äußerte sich bei Frau Bertha der Schmerz. Anscheinend ungebrochen, mit kaltem, steinhartem Gesicht, in dem auch nicht das geringste Zucken die brennende Wunde ihres Innern verriet. Und doch war ihr Schwerz kein geringer. Das entsetzliche Schicksal ihres Gatten und der Schatten, der damit zugleich! aus ihre Frauenehre gefallen, das waren beides vernichtende Schlage, aber ste hatten sie nicht niedergeworfen, sondem aufserntteti ans ihrem eiteln, genußreichen Leben. „Es ist Dem Werk, rief ihr die innere Stimme zu, als man ihren ^tien ver- haftet, „Dein ist die Schuld!" als ste von der abscheulichen Anschuldigung hörte, die man über sie in Umlauf gebrachti „Und bist Du auch rem von dieser Schuld, die man Dir aufbürdei", sagte ihr diese Stimme weiter, „so hast TU dock den Grund zu dieser Anschuldigung selbst gegeben; denn ohne Dein kokettes Betragen würde man nie gewagt haben, in solcher Weise Deinen Ruf, anzutastenti Das waren bittere, demütigende Gestihle für ihren Stolz. Fn ihrem bisherigen Glück, auf der Siegeshohe ihrer eitlen Triumphe, hatte sie nach dem Urteil der Welt Nicht gefragt, ja in ihrem Uebermut denselben wagehalsig aufs,Spiel gesetzt. Jetzt zum erstenmal kam es ihr zum Bewußtsein, daß man, ohne im eigentlichen Sinne etwas Boses zu chun, dennoch schuldig sein kann, und daß hauptsächlich dm Frau die ihr von Sitte und ihrer eigenen Würde vorgeschriebenen Grenzen nicht ungestraft übertreten darf. In früheren guten und glücklichen Tagen hatte die Klatschsucht der Welt wohl kaum mehr als em kaltes, verächtliches Lächeln bei ihr hervorgelockt, jetzt aber bereitete ihr dieselbe qualvolle Schmerzen, die Reue und bittere Selbst- Vorwürfe erzeugten. Daneben aber sagte ste sich auch, Nicht thatenlose Reue ist, was die Vergebung sichert, sondern ern mutiges Handeln, dem es vielleicht vergönnt ist, Licht m das geheimnisvolle Dunkel zu bringen. Da hatte der letzte Besuch Helds und das mit ihm geführte Gespräch ernen entscheidenden Einfluß aus ihr nächstes Thun m dieser Angelegenheit ausgeübt. Sie sagte sich, wenn desl Amtsrichters Vermutung, daß der rothaarige Begleiter Karstens dem Ver- brechen nicht fern steht, die richtige ist, dann hat der eine nur im Einverständnis mit dem andern gehandelt, und ste werden auch ferner geheimen Verkehr miteinander unterhalten. Dies zu erforschen, sei meine Aufgabe. Es war am vierten Tage nach Helds Besuche,im Forst- meisterhause, als sich zu später Abendstunde eine Dame bei Held melden lieh. „©ine Dame? sagte dieser erstaunt zu der meldenden alten Frau, »und ihr Name? „Den wollte sie nicht nennen, aber ste hat nur dies Briefchen an den Herrn Amtsrichter mitgegeben Held nahm das Dargereichte. , Es war ern kleines Couvert in Visitenkartenformat und eme solche enthielt auch, „Frau Bertha Werner bittet in wichtiger Angelegenheit um Gehör", stand darauf. , ,,, .. Bitten Sie die Dame einzutreten, es handelt sich um eine "geschäftliche Angelegenheit", wandte er sich an die Fran zurück^ entfernte sich und öffnete gleich darauf der» Fremden die Thür. „, Held ging ihr einige Schritte entgegen, blieb aber dann erstaunt stehen, Er hatte die Forstmeisterm erwartet =, e« 526 -O und diese Dause! —. Doch jetzt schlug sie den dichten schwärzen Schleier, der bis, dahin ihr Gesicht verdeckt hatte, zurück, Und nun erkannte er sie doch. Die ungewohnte, mehr als' /einfache, schwarze Kleidung war ihm so fremd vorgekommen, daß er Frau Bertha nicht darunter vermutet hatte, und .wahrscheinlich War diese Kleidung auch gewählt, die Trägerin 'unkenntlich zu machen, „Gnädige Frau!" sagte er erstaunt und reichte ihr die Hand. „Bitte, treten Sie hier herein", nötigte er, die Thür 'zum Nebenzimmer öffnend. „Wie ich vermute, wollen Sie von Unberufenen nicht erkannt sein, noch dach was Sie mir zu sagen haben/ fremden Ohren preisgeben,"- „So istf es", antwortete Frau Bertha mit fester Stimme, ' Held wunderte sich im stillen, tote auffallend sich die junge Frau verändert hatte. Ihr sonst so rosiges Gesicht war votl fahler Blässe, und eilt harter Zug lagerte um ihren Mund. . „Hier sind wir sicher Vor jedem Lauscher", sprach der Amtsrichter, nachdem er sie zum Sofa geführt; „nun haben Sie die Güte, mir mitzuteilen, was Sie herführt." >,Jch^ weiß jetzt, daß jener Rothaarige, den Mohrmann an jenem verhängnisvollen Tage zweimal gesehen hat, erst -in Begleitung Karstens, dann abends tut unserm Fenster, mit dem Forsthüter Schwarz identisch ist —" Held ivar voller Ueberraschung aufgesprungen, ein frohlockendes „Ah!" loar seinen Lippen entschlüpft, !vas eine kleine Pause veranlaßte, „und", fuhr die Forshneisterin dann wieder fort, „daß Schwarz und Karsten heimlich miteinander Verkehren," „Auf welche Weise —" - „Sie wünschen zu wissen, auf welche Weise ich zu dieser Kenntnis gekommen bin. Durch eigene Beobachtung. Doch nun hören Sie auch, wie ich' das angestellt habe, Sie hatten bei Ihrem letzten Besuch nicht undeutlich durchscheinen lassen, daß Sie jenen mysteriösen Begleiter Karstens als der That nahestehettd betrachteten. Nun sagte ich ttttr, ist jener Mann wirklich der Thäter, so ist er auch kein Fremder und auch Karsten ist der Mantt bekannt; die beiden haben alsdann im Einverständnis gehandelt, und sie werden dann auch das Bedürfnis haben, sich! gegenseitig ÄUszusprechen, das heißt, sich die Befürchtungen und Hoff- unngen mitzuteilen, die sie für ihre eigene Sicherheit hegen, Es gilt also, Karsten unauffällig zu beobachten, ihm unbemerkt zu folgen, wenn er sich aus dem Hause begiebt, oder dem änderet! bei etwaigen heimlichen Besuchen aufzulauern. Vergebens aber sann ich auf eine geeignete Persönlichkeit, diü diese Ueberwachung übernehmen, oder vielmehr, der ich 'sie anvertrauen konnte, Ihren Detektiv wollte icEj nicht erst erwartest auch durfte ich Ihnen ja keine Vorschriften dieser Art machen /in mir aber drängte alles zum Handeln. Da beschloß ich, selbst, diese Ueberwachung zu übernehmen,"- „Sie/gnädige Frau?!" „Ja, hatte ich nicht die erste Pflicht, die meiste Veranlassung dazu?" sagte sie mit einem bitteren Lächeln. „Doch hören Sie weiter: Man dürfte mich bei diesem Umschleichen der Karstenschen Wohnung natürlich nicht erkennen; doch! hiefür hatte ich! eine passende Tracht in Bereitschaft. Vor etwa Jahresfrist hatten mehrere befreundete Familien ein kleines ländliches Fest .arrangiert. Alle Teilnehmer erschienen dazu in;bett verschiedensten Kostümen. Gärtnerinnett, Hirtinnen; jeder Stands dessen Kleidung irgend einen hübschen Effekt für seine Vertreterin versprach!, wat vertreten. Ich hätte die bizarre Idee, im Gewand eines alten kräuter- süchenden Weibes zu erscheinen und freute mich köstlich auf Die Ueberraschung, wenn das die Herrschaften um eine Gabe angehende Mütterchen sich in meiner Person entpuppte. Die Ueberraschung war auch über Erwarten gelungen, alle bewunderten die täuschende Nachahmung. / Dieses Kostüm, das eins Laune mich aufheben ließs. käm! mir für meinen jetzigen Zweck zu statten. Unter dem Vorgeben starken Kopfschmerzes zog ich mich Won am Nachmittage in mein Schlafzimmer zurück. Hier hielt ich Anprobe und fand den Anzug ganz geeignet für mein Vorhaben, Einige schwache Kohlenstriche verliehen mir die. -erforder-! sichen Runzeln, mein Haar jvard durch ein fest umgelegtes Tuch völlig verdeckt. Auf einen Stock gestützt, einen großen 'Korb an dem Arm, verließ; ich zur Dämmerzeit durch! eine Hinterthür das Haus, den Schlüssel steckte ich zu mir, um später auf dieselbe Weise hie Rückkehr ungesehen bewerch Wligen zu können,"- „Das haben Sie gewagt, Frau Forstmeister, Sie ganz Wein?, Dachtest/Sie denn nicht ast die Gefahr, denen sich eiste einzelne Dame hei dergleichen UnterneMüngen g-M setzt?"! Frau Bertha schüttelte den Kopf, „Ich war eben in' jener Verkleidung wenig verführerisch und dastn, wie durfte' ich danach fragen, wo es' galt, meines Gatten Freiheit und! guten Leumund zu .retten? Außerdem hätte ich zu meines Sicherheit -einen geladenen Revolver in der Tasche, Ich der-, S damit umzugehen", erwiderte sie auf einen erstannteu Helds, „als Frau eines Forststtästns lernt man auch das." „Ich bewundere Ihren Mut, gnädige Frau." Die Forstmeisterirt winkte leicht ab- und fuhr daun ist ihrem Bericht fort: „Ich weiß nicht, ob Ihnen die Lagst! des Karstenschen Hauses bekannt ist, es liegt ain äußersten Ende des Dorfes, nahe am Waldessaum. Nicht allzuweit von dem Karstenschen Anwesen führt ein Bach vorüber, und' am Rande desselben steht ein dichtes Weidengestrüpp. Dahin wandte ich meine Schritte, nachdem ich das Haus umspähh und auch -einen Einblick in das Wohnzimmer erh-alten hatte/ Karstens Frau war eben damit beschäftigt, Brot und Wurste auch 'mehrere Flaschen Bier auf den Tisch zu stellen. Dass siel mir auf; die Landleute pflegen ihre .Abendmahlzeit! zu früherer Stunde einzunehmen.. „Man -erwartet jemanden", sagte ich mir. Um nicht aufs meinem Lauscherposten entdeckt zu werden, schlich ich nach meinem Versteck, dem dichten Weideng-ebüsch," Eine halbe Stunde' mochte ich wohl so lauschend und nach allen Seiten um mich! spähend verbracht habet:, als! ich näherkommend'e Schritte hörte. Ich setzte mich; nun auf, einen alten Weidenstumpf, den Rücken gekrümmt, den Kopf in die mit groben Handschuhen bedeckten Hände gestützt,- wie eine erschöpfte alte Frau, Sollte ein Vorüb'ergehender)- mich erspähen, so sollte! er denken, eine Erschöpfte ruhe das aus. Sie können denken", fuhr die junge Frau in ihrem! Bericht weiter fort, „mit welcher Spannung ich dem Nähere kommenden entgegenlauschte, tote mir das Herz klopfte vow unzähligen auf mich- einstürmenden Gedanken, Wär es der/ den ich suchte? Und wenn er mich entdeckte—erkannte ? Was; dann? Würde er mich alsdann nicht für immer stumrn machen? Ich- konnte ja annehmen, daß er auch- davor nichts zurückschrecken würde," ! „Es war ein gewagtes Unternehmen, gnädige Frau.^ „Ich weiß das und habe das nie stärker gefühlt, alH in jenen Augenblicken,, wo die Gefahr der Entdeckung mir so nahe war/ Aber der Mann; denn ein solcher war es/ ging vorüber lohne Ahnung, daß sein Verhängnis hier auf ihn lauerte. Ich hatte ihn erkannt — es war der Mann/ den ich suchte, den ich jetzt des Ueberfalls auf Mohrmanst anklage — der Forsthüter Schwarz. Er trat in KarstenA Haus; zugleich beobachtete ich, wie drinnen die bis dahist unverhüllten Fenster durch Holzläden geschlossen wurden/ Das konnte mir recht sein, gab es doch für mich da drinnew nichts mehr zu sehen, aber erlauschen konnte ich vielleicht etwas, und dafür war der Verschluß der Läden günstig. Ich schlich mich denn auch; an eines der Fenster heran, aber icfx vernahm nur ein uttd-eutliches- Gemurmel, nur einmal hört« ich meines Gatten sowie Mohrmanns Namen nennen. Abev was wollte das bedeuten? Ich hätte nun eigentlich nach Hause gehen können und Ihnen heute über die Thatsache,; daß die beiden des Wildfrevels- Verdächtigen auch jetzt hetm- lich, bei nachtschlafender Zeit, miteinander verkehrten, Mitteilung machen können; aber ein unwiderstehlicher Drang! hielt mich an mein heimliches Versteck gefesselt, ich wollte doch sehen, was die beiden etwa noch vorhatten. Die Situa-- tion wurde für mich zwar mit jeder Minute gefährlicher x- d-enn je weiter die' Nacht vorrückte, je verdächtiger mutzt« bei einem etwaigen Entdecken mein Verweilen hier sein/ Doch mit innerer zwingender Gewalt hielt es mich hier fest/, es wär mir, als müsse ich noch etwas erleben, was geeignet w-äre, ein Streiflicht auf die dunkle That zu werfen. Und ich -erlebte etwas, wenigstens will -es mir scheinen, als hatttz die Behörde nun. Ursache, sich! etwas näher nm. den Forsts Hüter Schwärz, sowie nm seinen Kumpan Kärsten zw kümmern/vielleicht bei ersterem, öder auch bei Beiden sofort eine Haussuchung vörzuuehmen,"- . „Nun —/?.'< fragte Held, M die junge Fran hier em.e. „Nach! Verlauf von Äwä einer Stunde",! berichtete ft« dänn weiter,- traten die Heiden Männer Wsammen aus der Hausthür, aber diesmal wär- das, Aussehen des Forsch 1 Hüters ein anderes. Keine Gestalt schien mir gedrungenes fo breit in! den Schultern war er mir nie vorgekommen. IW üächsten Augenblick, wd die Männer Meinem Versteck immer näher kamen, wurde ich durch Karsten über die Ursache dieses veränderten Aussehens belehrt, Zu gleicher Zeit ernannte ich, daß der Fvrsthüter jetzt einen anderen Rock trug; vorher war es ein langschößiger grau-grüner Rock gewesen, jetzt trug er eine Joppe, die zu kurz war, die Schöße des ändern, den er unter derselben trug, zu bedecken. „Ter vermißte Jagdrock meines Mannes!" durchfuhr es mich blitzartig. In dein gleichen Moment sagte Karsten: Du hättest doch vorsichtiger sein und die Joppe nicht so offen aus dem Leib tragen sollen, wenn man sich den blonden Vollbart hinzudenkt, hast Du jetzt eine verteufelte Aehn- lichkeit mit — na, ich will lieber den Namen nicht aussprechen, man soll den Teufel nicht an die Wand malen!' ,Pah!' lachte der ändere, ,der blonde Vollbart fehlt Den, und der Rock wärmt, die Luft kommt von Nord und ist (gerade nicht angenehm. Wer soll uns auch! begegnen in Vieser Nacht? Der Forstmeister sitzt hinter Schloß! und Riegel und die andern s- na, allzu sauer werden sie sich diese Zeit der Freiheit eben nicht machen.' Mein Verdacht war also bestätigt, es war ja gleichsam -ein Schuldbekenntnis, welches die beiden da von sich gäben, fchade nur, daß ich die einzige Hörerin war! Mittlerweile hatten sich die beiden Männer entfernt, und ich konnte nach einiger Zeit meinen Lauscherposten verlassen. Müde und zerschlagen kam ich heim, aber dennoch war die seelische Erregung so stark, daß der Schlaf mich floh, -erst als der Morgen längst angebrochen wär, fiel ich in einen kurzen Schlaf. Sie werden nun fragen, warum ich mit diesen Mitteilungen nicht sofort zu Ihnen eilte? Darauf habe ich nun freilich nur die eine und für Sie wahrscheinlich unzureichende Antwort, daß ich eine nicht zu unterdrückende Furcht hatte, Mein Gang zu Ihnen möchte beobachtet und! den beiden Verbrechern mitgeteilt werden, die dann hinreichende Zeit hatten, -alles das zu beseitigen, was zum Beweis ihrer iD-äterschaft bei dem! Uebersall auf den .Staatsanwalt hätte führen können." „Auch jetzt wird! es noch nicht zu spät sein", meinte Held, -,ich werde sofort die nötigen Schritte zu einer schleunigen Haussuchung sowohl bei Schwarz, als auch bei Karsten thUn, Und je nachdem dieselbe ausfällt, wird auch! die Verhaftung der beiden verfügt werden. Darf ich Ihnen jetzt einen Wagen besorgen, gnädige Frau?" „Wenn Sie die Güte haben wollten, ich fühle mich wirklich erschöpft, und der Weg dürfte mir wohl zu viel werden, die Gefahr, daß mein Gang zu Ihnen vorzeitig den Verdächtigen verraten wird, besteht ja wohl nicht mehr; denn wenn ich Sie recht verstanden habe, soll noch' heute die Haussuchung vorgenommen werden," „Ja, die Dringlichkeit der Sache rechtfertigt die späte Stunde. Doch nun entschuldigen Sie mich, damit ich jemand Nach einem Wagen sende und währenddem mich für meinen Gang tiorßereite." „Noch eins, Herr Amtsrichter", hielt Frau Bertha den Hiuauseilenden auf, „geht es an, daß ich meinen Mann auf eine Viertelstunde spreche?" : „Bedaure, gnädige Frau — aber so spät abends' es ist gegen die Regel; auch glaube ich. Ihnen den immerhin -schweren Gang ersparen zu können. Finden sich auffallende Beweise, so ist Ihr Herr Gemahl morgen frei,'' Frau Bertha war allein. Sie lehnte sich erschöpft in die Sofaecke zurück, ihre Kräfte waren aufgebraucht. -Es war auch zu viel, was seit Wochen auf sie einstürmte und -noch die Anstrengung und Erregungen der letzten Nacht, der in Angst und Sorgen verbrachte Tag und zuletzt der fast zweistündige Weg hierher^ " ' „Gnädige Frau, der Wagen ist bereit, darf ich Sie hinab- ssühren?" Mit diesen Wdrten trat Held wieder ein. DDvch Zuvor trinken Sie dieses Glas! Weich äs wird Sie etwas erfrischen und entsHuldigen Sie, daß ich nicht früher daran 'gedacht Habe, allein die Spannung auf Ihren stngewZhn- lichen Bericht ließ mich vergessen —" „Bitte, entschuldigen Sie sich nicht, Herr AmtsriKech sondern haben Sie Dank für all Ihre Teilnahme."-" Sie hatte das! Glas geleert.und! schritt nun an Helds Seite die Treppe hinach er half ihr noch in den Wagen und drückte den Schlag hinter ihr zu, dann ging er in ent» äegengesetzter Richtung, den Weg nach der Polizeidirektion Anschlag end.- - - ■ (Schluß folgt.) Bob und Dolly. Eine Manövergeschichte von Alwin Römer. (Rachdruck verboten.) ' , (Fortsetzung.). >,Jch habe nämlich vorhin eins und das andere gehört, Was Sie sich äuf dem Bahnhose erzählt haben! Ohne es zu wollen!' Daher weiß ich. .-gestand das hübsche,! junge Frauchen. „Aber ich bitte sehr, gnädige Frau", unterbrach er> sie. „Das fehlte noch, daß Sie sich' entschuldigten. Wie' alt ist denn Ihr Töchterchen?" -„Sechs Monate! Und das Jhre?" >,Ebenso viel Wochen!" stotterte er. Und wahrhaftig^ nun wurde auch er rot. Ganz deutlich- fühlte er, wie! ihm das Blut in die Wangen emporstieg bis in die blonden Plüschstoppelm Aber es war auch zu dumm, dieses' Mißverständnis, das er da zugelassen hatte! „Und Bob?" fragte sie gespannt. „Ebenso alt!" entfuhr es ihm. „Ah, also Zwillinge!" sagte sie wichtig. „Und beide' munter?" „Wie die Fische! im Wasser!" entgegnete er, heiß, werdend. „Unsere Dolly' wiegt jetzt zwölf Pfund!"- bemerkte, sie nun, 'offenbar stolz auf diese Thatsache. - „Ah. . ." „Und Ihre Meinen?"-' „Ich weiß nicht", antwortete er nachdenklich. „Aber so viel lange nicht!"- „Das wäre auch zu viel verlangt! Aber wiegen Sie denn die Kinderchen nie?" „Nein!" sagte er bestimmt und schüttelte zur. .Be-ä kräftigung das Haupt dazu. „Tas sollten Sie aber dock thun. Sie wissen ja dann gar nicht, ob sie zunehmen oder nicht!" „O doch", sagte er daraus. Das hat man so uit Griff!" „Wirklich?" fragte sie bewundernd, „Mein Mann hätte keine'Ahnung!" -„Ja ja", meinte er lustig, „so sind wir! Uebrigens, wie sind Sie auf den Namen gekommen, gnädige Fran?" „Es ist doch eine Abkürzung von Dorothea!" gab sie Auskunft, verwundert, gerade von ihm danach gefragt zu werden, der doch selbst sein Töchterchen so genannt hatte. „Die Schwester meiner Freundin ist ihre Patin, und die wird auch Tolly gerufen. Die Schwestern sind nämlich lange in England gewesen, wo Dolly Mode ift!" „Ganz recht!"- nickte er, obwohl er keine Ahnung davon hätte. w . „Nach wem heißt denn Ihre Kleine?" , „Nach einer Tante!" log der Leutnant. " , ■ ' ’ „Gewiß auch eine Engländerin?" „Freilich! Die ganze Familie stammt m aus! England !" >,S-o! Ihre Frau Gemahlin ist also auch daher?" ,Meiue Frau Gemah. . ; ach so, ja, ja, natürlich ! Sie ist auch aus England!" „Darum rufen Sie auch! den anderen: Bob.! Das ist doch eigentlich Robert, nicht?" - „Sehr richtig!" sagte er und lenkte das Gespräch! geschickt äuf ändere Dinge, die sich in Deutschland eingebürgert hatten, vom Lawn-Tennis! bis zur Worcester Sauce, sodaß die. junge Mutter nicht wieder Gelegenheit hatte,- nach seinen Babys' zu fragen, bis ihre Station erreicht war. Aber! äls sie ausstieg und ihr Gepäck von" ihm in Empfang nahm, konnte sie sich doch nicht enthalten,- den Erwägungen Ausdruck zu gebeu, die ihr während seiner Ruder- und Segelgeschichten öfter durchs Hirn gefahren wären. >,Gebe .Gott Ihrem Pärchen Gedeihen!"- meinte sie herzlich wobei sich der Schalk ehrlich schämte. „Aber ich würde sie doch ab und zn wiegen! Das mit dem Griff kann doch leicht trügen!" „Ich werde eine Wage, anschaffen!" gelobte er, um das Thema nicht woch weiter spinnen zu hören. Darauf nahm sie befriedigt -Abschied und wandte sich! ihrem Eheherrn zu, der jenseits des Bahnsteiggitters ihrer schon in Ungeduld harrte, als sparsamer Hausvater aber! keine Bahnsteigkarte .gelöst hatte.' Lächelnd sah ihnen Escheüboru nach, wie sie Arm in! =» 528 cm . nd . r sich Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Rr.r Haar, Ebro, Reis, Bega, Emil, Rigi, Tage. Die Anfangs- und Endbuchstaben ergeben: Herbert — Rosane. w. n . t, F ü l l r ä t s e l< (Nachdruck verboten.) d . i. . l. . o Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Bitten, drollige Entrnstmig, überschattet von mädchenhafter. Scham, hatte er aus diesen großen, süßen Kinderaugen zn esen vermeint und sich von dem geheimnisvollen Zauber WieUich bezwingen lassen. „Werrn Sie dort oben bleiben wollen, meine Herrschaften/ und sich nicht aus dem Gehölz hinaus hegeben, so bitte ich höflichst: „Der Weg ist frei!" Ach, wie dankbar hatte es darauf in den lieben Augen' aufgeblitzt! Was für ein holdes Lächeln hatte den schmalen/ chöngeschnittenen Mund umspielt! Und wie elastisch war )ttttn die schlanke Gestalt den schmalen Pfad zu der Anhöhr emporgekloinmen t Wie eine Waldelfe, deren Füße den Badest gar nicht b erühren! Gott sei Dank hatte Unteroffizier Winkelmann während dieser seiner wenig dienstlichen Gedanken das Operationsfeld beobachtet und konnte ihn gerade noch früh genug auf eine 'eindliche Bewegung aufmerksam machen, die ihn zum Vor- rücken verpflichtete. Ein paar Minuten später wäre der richtige Augenblick versäumt und ihm eine gewaltige Nase wohl ziemlich sicher gewesen. Das schöne Mädchen mit denj dUnÄeN Augensternen war freilich nicht mehr zu finden/ als er eine halbe Stunde später über die Anhöhe sprengte/ vpn djer heimlichen Hoffnung beseelt, sie noch einmal zst ehen. Ein paar Offiziers-Burschen, die am Fuße der An- söhe mit den Pferden ihrer Vorgesetzten hielten, gäben ihist Auskunft, daß die Herrschaften vor etlichen Minuten nach dem Fußwege hinüber aufgebrvchen seien, wo ein paar Landauer auf sie gewartet hätten. Recht enttäuscht sprengte Arno darauf seiner Schwadron' wieder zu. Gerade der Umstand, die ihm auf den ersten Blick so sympathische Erscheinung nicht wieder angetroffen zu haben, bewirkte es, daß seine Gedanken sich nur noch eigensinniger mit ihr beschäftigten. Und daß er nieyt ernq mal wußte, wer sie war, machte ihn um so melancholischer/ Vielleicht war das just die gewesen, nach der er sich unlängst in der Eisenbahn so gesehnt hatte! Wenn ihm solche Augen vom Erker seines Hauses her einmal zunicken wur-< den, hätte er Wohl Ursache, sich glücklich zu schätzen! Ach^ und wer konnte wissen, ob ihm diese Augen je wieder rM Leben begegneten! Er war eben in solchen Dingen ein rechter Unglücksrabe! . . • (Fortsetzung folgt.) Gemeinnütziges. Ueber den Wert des Honigs als Heil- und Nahrungsmittel schreibt eine Fran Sophie Warnten, welche diesbezüglichen Beobachtungen genaue Aufmerksamkeck schenkte, u. a. folgendes: Ihr Jungfrauen esset tüchtig Honig, er erhält Euch frisch und gesund. Und habt Ihr mit Euren blitzenden Augen und roten Wangen und Eurem frohen Lebensmute es einem braven Jüngling angethau und seid Ihr in den Stand der heiligen Ehe getreten, dann kann ich Euch nur raten, beim Genuß des Honigs zN bleiben, besonders, wenn Euch der liebe Gott zu Muttern würdigt und mit Knäblein und Mägdlein segnet. Mir ist wiederholt von Müttern versichert worden, daß es ihnen! beim reichlichen Honiggenusse ein Leichtes ser, dem Kinde die natürliche Nahrung geben zu können und daß das Kleine vorzüglich dabet gedeihe. Es sollte aber jede Mutter sich zur Ehrenpflicht machen, ihr Kindlein auch vom eigenen Fleische und Blute zu nähren, statt es von einer fremden Amme nähren zu lassen, und traurig genug ist es, zu sehen, wie das Kindlein der Amme mehr zugethan ist als der Mutter, und wie wenig Liebe Letztere oftmals zu ihrem Kinde bekundet. Das kommt von der frenwen Nahrung her, . s . M . n . e . en c . t . 1 , e . . n k . i Arm die Birnbaum-Allee nach dem Dorfe hinüberschritten, er mit ihrem bischen Handgepäck beladen, eifrig auf sie einsprechend, als wäre sie statt der zwei Tage ebenso viele Jahre fort gewesen. Sie hatten sich wirklich ganz gewaltig viel zu erzählen, weil sie Wohl Noch ebenso in einander verliebt waren, wie damals in der Brautzeit. „Jetzt wird er ihr berichten, wie Tolly sich geführt hat während der langen, langen Trennung!" dachte er und seufzte, während der Zug sich wieder in Bewegung setzte, „Ach ja, so eine kleine, süße Frau, die einen recht von Herzen lieb hat, ist entschieden eine fabelhaft nette Sache! Wie gut muß diesem langen Oberschnüffler der Morgen- Kaffee schmecken, wenn dieses liebe Mäuschen ihm dabei gegenüber sitzt! Hm, — und wenn man mittags aus dem Dienst kommt, und oben am Erkerfenster steht ein so schlankes, süßes Ding und winkt mit dem Taschentuch und lächelt einem entgegen wie lauter Frühlingssonne: muß bei Gott 'ne verdammt angenehme Geschichte sein ! — Wer wer garantiert einem denn, ob man so eine auch wirklich erwischt? Tie Sonne läßt sich nicht fangen! Das weiß man doch, wenn man nicht gerade ein Schildaer Stadtkind ist!" Und nun ließ er, während die Wagenräder ihm in unendlichen Wiederholungen „Tu fängst sie nicht! Tu fängst sie nicht!" höhnisch in die Ohren zu summen schienen, alle jungen Damen seiner Bekanntschaft in Gedanken Revue passieren; aber es war wirklich keine darunter, die ihn wie ein ruhiger, selig lächelnder Maitag angemutet hätte. Schwüle Augusttage glitten verschiedentlich an ihm vorüber, auch manch' launische Aprilkinder: doch die einzige Eine, die bei ihm im Erker stehen sollte, um ihm eine heimliche Kußhand zuzuwerfen, wenn er fattgeärgert vom Exerzierplatz käme, wollte sich nicht zeigen, Ob fie überhaupt existierte?. ____ r v „Nichts vorgefallen, Rübecke?" fragte er den Burschen, der ihn an der kleinen Station erwartete. „Nee!" berichtete Rübecke. „Es ist alles in Schick!" „Pferde in Ordnung?" „Zu Befehl, Herr Leutnant! Zampa ist sehr gut wieder in Gang. Der kleine Robert hat ihm heute nachmittag Zucker gegeben; den hat er wie'n Lamm genommen!" „Wer ist der kleine Robert?" Ter Sohn von dem Herrn Amtsrat! Sie nennen ihn immer Bob! Aber das is doch ’n Hundename! Und Robert is er auch getauft!" „Du hast doch nicht etwa erzählt, daß unsere Hunde—.?" fragte unangenehm berührt der Leutnant. „Blos dem Robert selbst!" meinte Rübecke. „Tu bist ein Esel! Wenn Du so etwas merkst, mußt Du doch den Mund halten! Bob ist ganz dasselbe wie Robert, blos 'n kleineres. Kaliber! In .England nämlich, bei uns itx nicht Rübecke sah sehr betrübt ans. Seine Kenntnis der neueren Sprachen beschränkte sich auf couchez! allez! und einige andere Hnnde-Jmperative. Warum hatte sein Herr und Gebieter ihm nicht schon früher Aufklärung über diese Zwiefälligkeit gegeben? Aber das hielt ihn doch nicht ab, sich .nach dem Befinden der „Familie" zu erkundigen. „Sind denn die kleinen Racker mobil?" fragte er, und sein biederes Antlitz strahlte, als ihm Eschenborn, offenbar erfreut über seine Teilnahme, freundlich Auskunft gab. Glücklicherweise marschierte das Regiment schon am anderen Morgen weiter, so daß eine Erörterung über die beiden Bobs nicht wieder ausgenommen wurde. Der Leutnant hatte aber doch einmal flüchtig den Gedanken, db es nicht besser sei, die beiden kleinen Kläffer umzutaufen. Während der Aufregung des Manöverdienstes versank jedoch diese brave Anwandlung alsbald tief in das Meer der Vergessenheit. Auch ein anderes Ereignis, das ihm das Herz seltsam erregt hatte und den Kopf mit allerlei krausen Träumereien füllte, trug dazu bei. Eines Vormittags, wahrend er mit einem Zug Husaren als Deckung für einen Jn- fanterie-Vorsipß hinter einer waldbewachsenen Anhöhe gehalten, war ein Trupp Schlachtenbummler erschienen und hatte sich hinter ihm weg auf die Anhöhe postieren wollen. Er hatte' das für unzulässig gehalten und mit einigen kurzen Worten Weisung gegeben, die Gesellschaft an ihrem Vorhaben zu verhindern. Aber da hatte ihn ein Blick aus Wädchenaugen getroffen, sonniger Schalkheit voll. Stumme r . . t . ch . . M . n . e! M , ... Nach Einsetzung der durch Punkte angedeuteten Buchstaben ergibt eine Sentenz von Wieland. (Auflösung in nächster Nummer.) t le ... t U .; .in.. W . . s. n; , . l . e . n . m D . . w e . n . m a , d . . . cd . i