LL 1 'iS. TOä MM f rt unnv, IMBSM MW S : B ilutunTI f streuet alle, streut des Guten Saat! Nur aus vereinter Kraft erwächst das Große; Was dann auch Zukunft birgt im dunklen Schoßes Sie findet einig uns und stark zur That. Beck. (Nachdruck verboten.) Die Seekömgin. E-rroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Richard wanderte nun in schnellem Tempo qnerschiffs über Deck auf und ab, nagte an seiner Unterlippe und zog die Brauen zusammen. Dann sprang er plötzliche nach! vorne, zog den Deckel über die Luke des Volkslogis und versicherte ihn in einer Weise, daß niemand ihn von unten öffnen konnte. Auf diese Art würde die ganze Mannschaft zu Gefangenen gemacht. Als er zurückkam, guckte er in die Kombüse und richtete unter heftigen Armbewegungen einige Worte an den Koch. Dann trat er zu mir heran. „Jetzt hab' ich sie", sagte er. „Wilde Bestien werden gezähmt, indem man ihnen kein Wasser giebt. Die Schufte sollen dort liegen bleiben, bis der Durst sie zur Vernunft bringt. — „Sehen Sie, was ich gethan habe?" rief er den Steuerleuten zu. „Jawohl, Kapitän", antwortete Heron. „Verstehen Sie mich recht! Me beide! Der Lukendeckel wird nicht angerührt, ohne meinen ausdrücklichen Befehl." Beide antworteten zugleich: „Sehr wohl, Kapitän." Nach einiger Zeit ging der Steuermann hinunter. Mein Mann ging noch unablässig querschifss hin und her. Er hatte die Arme auf der Brust verschränkt, und ich! stand neben dem Oberlichte und beobachtete ihn. Das eben Geschehene hatte mich sehr aufgeregt, und ich zerbrach mir den Kopf darüber, was nun wohl geschehen würde. In diesem Augenblick fiel Richards Blick auf mich. Er hielt inne und sagte mit einem etwas gezwungenen Lächeln: „In Deinen alten Träumen vom Seeleben kam eine solche Geschichte wohl niemals vor, Jeß?" „Nein", antwortete ich. „Wie ist dies alles nur gekommen, Richard?" „Davon weiß ich nicht mehr als Du. Ich zweifle nicht, daß die Steuerleute ursprünglich daran schuld sind. Die ganze Geschichte ist ein abgekartetes Spiel. Die Leute, die da behaupten, ihre Matrosenarbeit nicht zu verstehen, spielen einfach die ihnen zuerteilten Rollen." „Das merkte ich sofort", entgegnete ich. „Hast Du das Benehmen der.Steuerleute beobachtet? Short stellt sich ganz offen auf ihre Seite. Heron, der gewissenloseste von beiden, ist vorsichtiger. Aber verlaß Dich darauf, er hat die Leute merken lassen, daß er ebensosehr gegen mich ist wie irgend ein anderer." „Es scheint so unvernünftig, so entsetzlich", meinte ich, „daß eine ganze Mannschaft so früh schon sich gegen einen Kapitän erhebt, dem sie doch nichts vorzuwerfen hat. Selbst wenn es wahr wäre, daß einige von deu Vollmatrosen schlechte Seeleute sind, könnte doch kein ehrlicher Mann Dich dafür verantwortlich machen." „Wenn Seeleute einmal Schurken sind, dann giebt es keine schlimmeren. Dies ist nicht das erstemal, daß eine Schiffsmannschaft ohne gerechte Ursache gemeutert hat. — Ach, Jeß, ich! wollte, Du wärest zu Hause, Du wärest sicher bei Deinem Vater. Deine Gegenwart macht mich schwach Die Rücksicht auf Dein kostbares Leben nimmt mir die Festigkeit und Entschlossenheit, mit der ich jetzt handeln muß." r- Er fuhr fort, als ob er mit .sich selbst spräche: „Beide Steuerleute gegen mich Nicht ein lebendes Wesen in einer Gesellschaft von zwölf Männern, das ehrlich- genug wäre, zuzugeben, daß man mir auf eine grausame Art mitspielt. Es ist unglaublich! Selbst unseres Lebens sind wir nicht sicher." Dabei faßte er wieder nach! der Brusttasche. „Was hast Du da?" fragte ich. „Nichts, Jeß, nichts", antwortete er und ließ die Hand sinken. „Warum willst Du es mir nicht sagen? Ist es ein Pistol?" „Ja", erwiderte er nach einigem Zögern. „O, Richard", rief ich händeringend; „um Gottes willen, trage nicht diese im Zorn so furchtbare Versuchung bei Dir." „St!" machte er, indem er auf den am Ruder steheuden Zimmermann blickte. „Ich bin einer gegen zwölf und ich kenne meine Leute. Kein Wort mehr darüber, Jessie!" Er sprach so bestimmt, daß die Bitte, die ich. wiederholen wollte, mir auf den Lippen erstarb. Zufällig blickte ich auf den Sextanten, der noch immer auf dem Oberlicht stand. Er nahm ihn sofort auf und sagte: „Ich muß hinunter gehen und die Breite bestimmen. Das hatte ich ganz vergessen. Bleibe an Deck, Jeß, bis ich zurück- komme, und sollte der Steward oder der Koch an jene kleine Luke dort unmittelbar vor dem Ankerspill Herangehen, rufe mich durch das Oberlichtfenster." Damit verließ er mich- und stieg hinunter, nachdem er zuvor an den Kompaß herangetreten war und etwas zu dem Zimmermann gesagt hatte. Er blickte dabei nach oben, als ob er über die große Segelfläche eine Bemerkung gemacht hätte. Dann sah er sich noch rings am Horizont genau um, um das Wetter zu beobachten, vielleicht auch, um zu sehen, ob ein Schiff in Sicht sei. — 98 Ah bemerkte, daß Herr Short, der achter« ani Rade stand, mit ziemlich finsterem Gesicht steuerte. So wenig ich ihm auch zugethan war, bildete ich mir doch ein, vielleicht irgend etwas durch eiu nochmaliges Gespräch mit ihm zu erreichen. Da ich die Back von: Ruder aus ebenso gut beobachten konnte, wie vom Oberlicht, ging ich nach achtern. „Haben Sie schon jemals von einer Mannschaft gehört, Herr Short", begann ich „die so kurz nach Antritt der Reise gemeutert hätte, wie diese?" „Ja", erwiderte er, „Dutzende von Malen. Man hört ja fast täglich, daß Mannschaften sich weigern, das Spill zu bemannen, und das ist Meuterei schon vor Antritt der Reise." „Aber doch nicht ohne jeden Grund, der die Leute dazu berechtigen könnte?" „O, wenn sie sich zu schwach glaube», ist das schon Grund genug, um zu meutern", antwortete er mit einem häßlichen Lächeln. „Manche Matrosen würden unsere Leute noch für sehr geduldig halten, daß sie so lange gewartet haben, bis sie "ihre Beschwerden nach achtern brachten." „Von Meuterei habe ich wohl schon gehört, aber noch nie eine erlebt", sagte ich, „Und wenn ich die Leute schon in diesen Geschichten für toll gehalten habe, wie muß ich erst über die Wirklichkeit denken, wo ich dieses Schiff so gut wie verlassen, Wind und Wellen preisgegeben sehe?" „Die ganze Mannschaft im Logis", sprach ich entschlossen weiter, „eingeschlossen, wo die Leute umkommen müssen, wenn das Schiff zu Grunde gehen sollte; und doch scheinen sie ihr Leben so gering zu achten, daß sie, nur um uns alle in Gefahr zu bringen, irgend eine Beschwerde erfinden. " „Nun, das sagen Sie?" versetzte er unverschämt. „Ich aber, der ich auch zu den Leuten da vorne gehöre, wenn ich hier auch zweiter Steuermann genannt werde, und der ich mehr über das Leben int Volkslogis weiß, als Sie jemals erfahren werden, kann die Leute nicht gleich für Lügner halten, weil sie hier achtern eine Beschwerde vorbringen. Ich bin nicht für sie, aber auch nicht gegen sie. Ich habe nichts damit zu. thun. Wenn aber, wie Sie sagen, die Mannschaft lieber ihr Leben aufs Spiel setzt als das Schiff bedient, glauben Sie nicht, daß die Leute an Land dann annehmen werden, die Beschwerden dieser Matrosen müßten doch wohl begründet gewesen sein, da sie es sonst nicht vorgezogen haben würden, lieber zu ertrinken, als ihrem Vorgesetzten zu Willen zu sein?" Wenn das, dachte ich, die Logik ist, die dieser See- Advokat in seiner Unterhaltung nut den Leuten anwendet, kann man sich nicht wundern, daß sie meutern. Die hinter seinen Worten versteckte Meinung wurde mir allmählich immer klarer, und ich war jetzt fest überzeugt, daß dieser unangenehme Vorfall größtenteils, wenn nicht ganz, den Steuerleuten zuzuschreiben sei. Sie hatten ausfindig gemacht, daß die Mannschaft, wie es leider oft bei Kaufsahrtei-Seeleuten der Fall ist, zum Nörgeln und Murren hinneigte und dieselbe im geheimen noch in diesen Gelüsten bestärkt. Das Geräusch heftigen Klopfens schreckte mich auf. Gleich darauf trat der Koch aus der Kombüse und rief tnir zu, er lasse sich hängeu, wenn die Leute nicht erstickten. Das Klopfen wiederholte sich, und icfy rannte an das Oberlicht und rief nach Richard. Er kam sofort an Deck und brauchte nicht erst zu fragen, was los sei, da auch er das klopfende Geräusch deutlich vernahm. „Jlha", ries er aus, „sie scheinen zur Vernunft zu kommen. Herr Heron", rief er hinunter, „kommen Sie sofort an Deck und bringen Sie die Handschellen mit, die auf dem Tisch! in meiner Kammer liegen." Der Steuermann kam sofort mit den Handschellen. „Nun", rief Richard, indem er die Handschellen an sich nahm und ihn scharf anblickte, „kann ich auf Ihre Unterstützung rechnen?" „Gewiß", antwortete Heron. Er war sehr blaß geworden, was mich nicht wunderte. In dem Wesen und Ton meines Mannes lag etwas, das daraus hindeutete, daß er zum äußersten entschlossen sei, so daß der feige, charakterlose Mensch dort vor ihm wohl mit Recht fürchten mochte, daß. eine Zögerung ihm das Leben kosten könnte. „Dann folgen Sie mir", sagte Richard und ging schnell nach vorne; der Steuermann" ging hinterher. Vor der Back angekommen, beugte sich Richard über die Luke, ohne sie zu öffnen, und rief: „Logis ahoh! Habt ihr schon genug? Seid ihr müde, die Sachte weiter fortzusetzen?" ' Die Antwort konnte ich nicht hören, aber es war eine erfolgt; denn Richard ries: „Ich kann es länger aushalten als ihr. Wollt ihr wieder an die Arbeit gehen? Das braucht ihr nur zu sagen, dann laß ich. euch raus. Wenn nicht, bleibt ihr wo ihr seid; denn nach Sierra Leone gehen wir, und wenn ihr bis dorthin ohne Luft _ und Essen und Trinken aushalten könnt, soll's mir recht sein." Die Leute antworteten etwas, worauf mein Mann sagte: „Gut, ich werde den Lukendeckel öffnen, aber Isaak Quill muß zuerst heraufkommen. Jeden andern Mann, der sich ohne meine Erlaubnis untersteht, ihm zu folgen, schieße ich nieder, sowie er den Kops über Deck zeigt. Also danach richtet euch!" Der Klang seiner Stimme ließ keinen Zweifel aufkommen, daß er im Ernst sprach! Darauf öffnete er den Schiebedeckel. Sowie Quill herausgestiegen war, schloß mein Mann schnell die Luke wieder, und ehe Quill, vom Hellen Sonnenschein geblendet, noch ordentlich sehen konnte, war er bereits gefesselt und stand da wie ein Sträfling. Mein Herz klopfte heftig. Ich konnte ja noch immer nicht missen, was geschehen würde, welch schreckliches Trauerspiel durch Richards Verwegenheit und die entfesselten Leidenschaften der Leute herbeigesührt werden konnte. Mein Mann sprach zum Steuermann, woraus dieser Quill am Hemdärmel faßte, und ihn längs Deck führte. Ich bemerkte, daß Herons Lippen sich bewegten, als ob er mit leiser Stimme zu Quill spräche. Wahrscheinlich sagte er etwas, um ihn zu ermutigen, oder sich, wegen der Rolle, die er spielte, zu entschuldigen. Sie gingen die Kajütentreppe hinab, und ich bemerkte durch das Oberlicht, wie Heron die vom Steward bewohnte Kammer öffnete. Quill trat hinein. Der Steuermann verschloß die Thür, und brachte den Schlüssel mit an Deck. Er ließ ihit zwischen Daumen und Zeigefinger Hilt und her baumeln, während er sich, wieder mach, vortt zu meinem Manne begab. Inzwischen stand Richard neben der Luke, die Hand in der Brust, und wartete auf den Steuermann, ohne die Leute unten wieder anzureden. Als Herr Heron kam, nahm mein Mann den Schlüssel an sich, und steckte ihn in die Tasche. Darauf Beugte er sich über die Luke und rief: „Wenn ich euch in Freiheit setze, wollt ihr eure Arbeit thun, und mich kein Murren, und keine Lügen von ungenügender Bemannung mehr hören lassen?" Die Antwort war offenbar bejahend. Ohne ein weiteres Wort schob Richard den Deckel der Luke zurück und rief: „Gut also! Kommt herauf, und geht an die Arbeit, und damit ist die Sache erledigt! Das Geschehene soll vergessen sein. Der Mann, dessen Turn' es ist, gehe nach achtern, und verfange den zweiten Steuermann am Ruder." Darauf ging er mit dem Steuermann langsam nach, adjitern bis an die hinter dem Großmast stehende Winde, wo er sich nach den Leuten umdrehte. Achtzehntes Kapitel. Neue Schwierigkeiten. Einer nach dem anderen kam an Deck und rieb sich die Augen. Die Routine an Bord der „Aurora" war dieselbe wie auf den meisten Kauffahrteischiffen. Die des Morgens um acht Uhr abgelöste Wache hatte die Vormittagswache zur Koje. Des Nachmittags aber wurden alle Mann zur Arbeit aufbehalten. Mittag war bereits vorüber, also war es der Ordnung gemäß, daß die ganze Mannschaft an die Arbeit ging. Ob die Leute nun noch befangen waren, oder sich nach, dieser Unterbrechung nicht gleich wieder in die gewöhnliche Schiffsroutine finden konnten, weiß ich nicht. Jedenfalls blieben sie in einem Haufen am Spill stehen, ohne Miene zu machen, an ihre verschiedenen Arbeiten zu gehen. Als Richard, dies bemerkte, sagte er etwas zum Steuermann, worauf dieser ausrief: „Wessen Ruderturn ist es?" Dan Cock, der Mulatte, antwortete: „Isaak Quills, Herr; er soll um acht Glasen verfangen." „Wer verfängt Quill?" rief Richard. „Ich, Herr", erwiderte Gray, der Leichtmatrose. - 99 — „Sann geht also Tray an« Ruder." Oer Mann sah sich schnell nach seinen Kameraden nm. Aber mein Mann beobachtete ihn; vielleicht fand er auch nicht die gesuchte Ermutigung in den Blicken der anderen. Er ging nach achtern und löste den Zimmermann ab. „Nun also vorwärts, Jungens, an die Arbeit!" rief der Steuermann. (Fortsetzung folgt.) Sittenbilder ans China. (Nachdruck verboten.) III. Das soziale Leben. Das chinesische Volk ist im wesentlichen in vier verschiedene große Klassen eingeteilt. Die Literati, denen die Beamten entnommen werden, bilden, wie wir in dem vorigen Aufsatz gesehen, den obersten Stand. Der Ge- lehrten-Klasse zunächst kommt die ackerbautreibende Bevölkerung. , Von den ältesten Zeiten her steht der Ackerbau in China in hohem Ansehen. Schon Kaiser Schennung, der vor fünftausend Jahren regiert haben soll, wird als der Erfinder des Pflugs gefeiert, und noch in unseren Tagen legt der Kaiser zur Frühlingszeit die hocheigne Hand an den Pflug, ein so primitives Ding, wie es vermutlich auch zur Zeit des seligen Schennung vorhanden gewesen sein wird; während die Kaiserin, sobald die Maulbeerbäume Blätter treiben, eigenhändig einige abbricht und den Seidenwürmern des Palastes überbringt. Neben der noch einer außerordentlichen Entwickelung fähigen Seidenzucht ist es vor allem der Reisbau, der in China emsig betrieben wird. Reis bildet bekanntlich den bei weitem vornehmlichsten Nahrungsartikel des Landes wie des ganzen Ostens. Daneben wird aber besonders auch noch viel Opium und Thee gebaut. Der chinesische Thee ist wohl noch immer der beste der Welt, wenn derselbe durch Vermengung mit allen möglichen anderen Dingen in neuerer Zeit auch einen schlechten Namen erhalten und durch die in Indien und Ceylon gemachten wesentlichen Fortschritte der Thee-Kultur etwas in den Hintergrund gedrängt worden ist. Daneben werden aber viel Früchte, Gemüse und mancherlei Getreide gebaut, und es ist erstaunlich, was der Fleiß der dicht zusammengedrängt wohnenden Chinesen dem Boden zu entlocken weiß. Bei dem Mangel an größerem Viehstand ist der Dünger nicht allzu reichlich vorhanden. Aber wie emsig der Chinese auf Erlangung desselben bedacht ist, werden wir bald gewahr, wenn wir vielleicht mit mehreren Kameelen und Maultieren durchs Land ziehen. Da werden wir überall Leute mit Körben antreffen, die uns oftmals weite Strecken folgen auf die Möglichkeit hin, es könnte für ihre Körbe etwas abfalleu. Das Sprichwort „Zeit ist Geld" gilt nichts in China, wo alle Menschen Zeit und so wenige Geld haben. Als dritter Stand gilt derjenige der Handwerker, die bei aller Geschicklichkeit, dem unermüdlichsten Fleiß im allgemeinen ein recht armseliges Dasein fristen. Aber was soll daraus werden, wenn die vielen Millionen, die mit solchen Eigenschaften noch die größte Anspruchslosigkeit ver- binden, bei der nun doch wohl unausbleiblichen raschen Eröffnung Chinas, ihre Massenprodukte auf den europäischen Markt schleudern! Dürfte das nicht in manchen Ländern noch zu harten Kämpfen führen! Es ist merkwürdig, daß von alters her der Kaufmann s st a n d in China der am wenigsten geachtete ist, obwohl er doch der wohlhabendste ist, und Geld gerade in China wohl noch eine größere Macht hat, als sonst irgendwo. Noch wunderbarer aber muß es uns erscheinen, daß während der höchst geachtete Stand der Literati und Mandarinen eine so tiefe moralische Verkommenheit aufweist, der mindestgeachtete, eine Zuverlässigkeit, eine Ehrenhaftigkeit bekundet, bte wir nicht rühmlich genug anerkennen können. Und insofern unterscheidet sich der chinesische Kaufmann auch sehr zu fernen Gunsten von dem japanischen, wie ich bereits in meiner letzthin erschienenen „Reise um die Welt"*) mehr im einzelnen dargethan. Darüber herrscht bei dem europä- *) Verlag: Leipzig, B. Elischer Nach;. ischeri Kaufmann des ganzen OftenS nur eine Stimme. LP konnte ein europäischer Bankdirektor in Shanghai vor einiger Zeit bei Gelegenheit eines ihm zu Ehren gegebenen Abschiedsessens erklären: „In Bezug auf kommerzielle Ehrenhaftigkeit stehen die Chinesen uns in keiner Weise nach. Ja, ich kenne kein Volk der Welt, dem ich eher trauen würde als dem chinesischen Kaufmann und Bankier." . . . „Seit 25 Jahren hat die Bank große Geschäfte mit Chinesen in Shanghai gemacht, die sich auf Hunderte von Millionen Taels belaufen, aber wir haben mit keinem Chinesen zu thun gehabt, der uns betrogen hätte." Der chinesische Kaufmann scheint aber von alters her ehrlich und rührig gewesen zu sein. Drei hundert Jahre ehe die Bank von Stockholm die ersten Banknoten ausgegeben, die in Europa gesehen worden, waren solche in allen Teilen Chinas im Umlauf. Freilich wohl nur tu der höheren Geschäftswelt. Denn das Münzwesen, das bei der Bevölkerung im allgemeinen in Brauch, ist das verlottertste, das man sich denken kann. Die chinesische Münzeinheit ist das „Tael", das aß er, wie die englische Guinee, nur dem Namen nach bestehend, fortwährenden Schwankungen im Werte unterworfen, heute ungefähr drei Mark gilt. Ein Tael hat ungefähr tausend „Käsch" und zwar unbedingt nur „ungefähr", gewöhnlich viel weniger. Das hängt von der Gegend ab, in der wir uns gerade befinden und von der Zahl derjenigen Käschstücke, die als echt, als unecht oder halb echt zu bezeichnen sind. Denn die Käsch existieren wirklich, wie uns das schwer bepackte Maultier bezeugen kann, das auf Reisen in das Innere, in Gegenden, wo keine Banken vorhanden, unfern Geldvorrat trägt. Diese schmutzigen Kupferstücke haben in der Mitte ein Loch, durch das _ eine Schnur gezogen wird. Auf diese Weise lassen sie sich noch am besten handhaben. Für größere Summen dienen auch wohl Silberstücke, — nicht etwa geprägt und von einheitlicher Größe — die beim Einwechseln immer erst gewogen und auf ihren Feingehalt geprüft werden müssen. Man kann sich daher denken, was es heißt, wenn unsere chinesischen Diener fast regelmäßig mit der Bemerk- ung zurückkommen, dies sei für das Einwechseln der trübseligste Ort, der ihnen je vorgekommen. Nie zuvor hätten sie so wenig Käsch bekommen. Ach! und wenn wir selbst gehen, sparen wir auch nicht viel, werden vielmehr meist erst recht über das Ohr gehauen. Aber solche Münzzustände herrschen einmal von alters her; wer will sich anmaßen, an den „Wegen der Vorfahren" zu rütteln — zumal wenn so viele dabei einen Profit machen. In den größeren Hafenstädten herrschen natürlich geordnetere Verhältnisse. In deir europäischen Kreisen ist der mexikanische Dollar die allgemeine Münzeinheit. Immerhin ist das Dezimalsystem — soweit sich das bei der allgemeinen „Ungefährlichkeit" der Dinge aufrecht erhalten läßt — seit den ältesten Zeiten gäng und gäbe sowohl für Münz- wie auch Blaß- und Gewichtsivesen. Doch werden Flüssigkeiten gewöhnlich nicht nach Maß, sondern nach ihrem Gewicht verkauft. In hoher Blüte steht von jeher das G i l d e u w e s e n in China, und zwar sowohl unter Kaufleuten und Gewerbetreibenden aller Art zur Wahrung ihrer Berufsinteressen, als sie auch wieder auf Grund gemeinsamer Landsmannschaften errichtet sind. So hat jede Provinz in allen größeren Städten des Reiches ihre besondere Gilde, die sich der Reisenden und Eingewanderten aus den betreffen- den Gegenden nach Kräften annimmt, und vor allem — denn das ist ja stets ein gar wichtiger Punkt für jeden Chinesen — im Falle ihres Ablebens für eine angemessene Beerdigung sorgt, oder wenn irgend möglich, den Leichnam in die Heimat befördert. Wie die Verwaltung des. Reiches in Bezug auf alle wichtigeren Dinge ausschließlich in den Händen der Mandarinen liegt, so haben doch auch die Dorfältesten schon ziemlich wesentliche Befugnisse, während in jeder einzelnen Familie das Haupt derselben, das älteste männliche Mitglied, beinahe unbegrenzte Macht über alle anderen Zugehörigen des Hauses hat. Uebrigens haben die Chinesen bei all ihrer Anhänglichkeit an das Althergebrachte in früheren Zeiten doch auch nach aller: Richtungen experimentiert. Ist doch sogar schon einmal ein unverfälschter Sozialdemokratis- 100 m u s bei ihnen eingeführt gewesen, und zwar nicht von unten, sondern von oben her. Der Kaiser Chin-tsung II. erklärte schon vor achthundert Jahren, „der Staat solle die ganze Leitung des Handels, der Industrie wie der Landwirtschaft in die eigene Hand nehmen, um dadurch den Arbeiterklassen zu helfen, und zu verhindern, daß sie von, den Reichen in den Staub getreten würden." . . . „Die Armen sollten keinerlei Steuern zahlen, Land sollte ihnen überwiesen werden. Jedermann sollte sein Auskommen haben, und es sollte keine Armen und keine Ueberreichen mehr geben." Es wurde thatsächlich der Versuch gemacht, diese Ideen zu verwirklichen, aber die Experimente waren von kurzer Dauer und erwiesen sich bald als unausführbar. ■ Aber die Chinesen, die nicht nur Banknoten, sondern selbst die Buchdruckerei und das Schießpulver so lange vor uns erfunden, sind auch sonst wohl Reformen nicht abhold gewesen. Indessen ihre „Neuerungen" gehören „älteren Zeiten" an. Heute gilt es ja geradezu für sündhaft, an den „Wegen der Vorfahren" zu rütteln. Und wenn wir etwas der Art bei dem Chinesen anzuregen suchen, so wird er uns in seiner überlegenen Weise zur Antwort geben: „Aber warum! Warum! Mein Großvater hat es auch nicht gethan, und er war ein allgemein geachteter Mann und erreichte ein hohes Lebensalter." Wilhi F. Brand. Zu dem aus dem Praktischen Wegweiser, Würzburg, von uns letzthin übernommenen kurzen Artikel über die Gefahren des elektrischen Lichtes wird uns aus Fachkreisen geschrieben: Gedachte Ausführung ist geeignet, in Laienkreisen Mißverständnisse und unnötige Aengstlichkeit hervorzurufen; es liegt daher im öffentlichen Interesse, das Publikum über das Wesen des Kurzschlusses und die zu seiner Vermeidung erfolgten Schritte aufzuklären. Der Verfasser des angezogenen Artikels scheint es nicht für angezeigt gehalten zu haben, sich über die technischen Einzelheiten einer elektrischen Anlage und die zurzeit in Deutschland bestehenden Sicherheitsvorschriften zu vergewissern, sonst würde er nicht verlangen, was vielfach längst besteht. . Der elektrische Strom wird dem „Nutzwiderstande" (d. r. der Lampe oder dem Motor- in der Regel durch einen Draht (Hinleitung) zugeführt, und durch einen zweiten (Rückleitung) wieder zurückgeleitet. Beide Drähte sind also durch den Nutzwiderstand, der, wie schon der Name sagt, dem Stromfluß einen Widerstand bietet, wie etwa ein enger Graben einer großen Wassermenge, getrennt, und die Elektrizität kann nur nach Passieren dieses Widerstandes zur Rückleitung gelangen; bietet sich aber durch irgend welche Ursache eine bequemere Verbindung zwischen den beiden Drähten, so wird die Elektrizität dieselbe benutzen und — der Kurzschluß ist fertig. Diese bequemere Verbindung kann entstehen, wenn die beiden Leitungen durch schlechte Installation oder Unvorsichtigkeit metallisch miteinander verbunden werden, oder — falls die Erde als Rückleitung benutzt wird — die Hinleitung mit dieser d. h. benachbarten Telephon-, Telegraphen-Drähten, Wasser- und Gasleitungsrohren in direkte Berührung gerät. Diese Gefahren sind von der Wissenschaft und Industrie längst erkannt, und werden von ihr nicht mehr gefürchtet; eine sachgemäße Installation ist ein durchaus wirksames Mittel gegen sie. Der Verband deutscher Elektrotechniker, dem die ersten Männer der Wissenschaft und Praxis angehören, hat mustergiltige Sicherheits-Vorschriften erlassen, in denen alle Erfahrungen der Praxis verwertet sind, und die heute von allen wirklichen Elektrotechnikern auf das gewissenhafteste befolgt werden. Hierzu kommt noch, daß bei dem städtischen Elektrizitätswerk in Gießen, sowohl bei der Uebernahme einer Hausanlage, als auch während des Betriebes eine fortgesetzte Kontrolle ausgeübt wird; ferner gelten für das hiesige Werk außer den Verbandsvorschriften noch besondere Vorschriften, die den lokalen Verhältnissen angepaßt sind. Die freie Konkurrenz hat hier dafür gesorgt, daß diese Vorschriften allgemein befolgt werden, und zwar wirksamer, als es das Strafgesetzbuch hätte thun können; denn es fehlt dem Staate an geeigneten Aufsichtsbeamten. Die vereinigten Feuerversicherungsgesellschasten sind mit der Industrie Hand in Hand gegangen, und beglücken alle nach Verbandsvorschriften installierten Anlagen mit der niedrigsten Prämie, was wohl zur Genüge beweist, daß zu Befürchtungen kein Anläße vorliegt. Es spricht ferner für die Feuersicherheit elektrischer Lichtanlagen, daß diese in Räumen, wo jede andere Beleuchtungsart verboten ist, z. B. Pulverfabriken, chemischen Fabriken und Bergwerken, sich durchaus bewährt. Es ist also in Deutschland keinerlei Veranlassung zu den von dem „Praktischen Wegweiser" verlangten Reformen vorhanden, und das Publikum kann sich gewissenhaften Fachleuten ruhig anvertrauen. In 80 von 100 Fällen ist unsachgemäße Installation die Ursache des Kurzschlusses, und wie wir gezeigt haben, kann durch verständige Befolgung der bestehenden Vorschriften diese Gefahr beseitigt werden. Vor böswilliger oder elementarer Zerstörung der Anlage ist man auch bei Gas- oder Petroleumbeleuchtung nicht geschützt — wie häufig sind die Gasausströmungen mit folgender Explosion oder Erstickung, wie häufig die Explosionen von Petroleumlampen, ganz zu schweigen von Acetylen und seinen Verwandten. Dem denkenden Menschen muß es klar werden, daß eine Beleuchtung, die den Gebrauch von Streichhölzern überflüssig macht und überhaupt keine offene Flamme zeigt, bei sachgemäßer Installation einen hohen Sicherheitsgrad besitzt. Gemernnützige». Ein neues, sich er wirkend es Mittel gegen die Blutlaus. Die Blutlaus hat den Obstzüchtern im vorigen Jahre wieder einmal gezeigt, in welch unheimlicher Weise sie auftreten kann. In vielen Gegenden war die Not mit den Blutläusen eine so große, daß manche Stadtbehörde und manche Gemeinde in ihrer Körperschaft beraten hat, ob es nicht angezeigt sei, durch Verordnungen jeden Obstzüchter zu zwingen, die Blutlaus zu vertilgen. Mittel gegen die Blutlaus giebt es ziemlich viel, aber dauernden Erfolg haben sie bislang nicht gehabt. Viele sind auch etwas umständlich; so macht das Einreiben der befallenen Stellen mit altem Fett, welches als sicherstes Mittel bisher bekannt war, viel Arbeit, ist auch an Hochstämmen schlecht anwendbar. Ein neues und zwar sicher wirkendes Mittel gegen die Blutlaus ist nun im Petroleum gefunden. Das Petroleum wird mit Wasser innig gemischt zu einer sogenannten Petroleum-Emulsion, und mit diesem Petroleumwasser wird gespritzt. Einige Vorsicht ist allerdings notwendig. Die Mischung darf nicht zu stark sein, sonst tötet sie die jungen Triebe. Man muß auch den richtigen Zeitpunkt zum Bespritzen nehmen, wenn man Gefahren vermeiden will. In Nr. 46 des „Erfurter Führers int Gartenbau" beschreibt ein alter Praktiker seine Not mit den Blutläusen und schildert, wie er allmählich, durch die richtige Anwendung des Petroleums dahin gelangt ist, den Kampf siegreich zu beenden. Da bei der Anwendung von Petroleum, wie schon oben bemerkt, gewisse Vorsicht walten muß, so können wir unseren Lesern nur empfehlen, sich die Nr. 46 vom Geschäftsamt des „Erfurter Führers" kommen zu lassen, die im Interesse des heimischen Obstbaues denen kostenfrei zugeschickt wird, welche die Nummer vom Geschäftsamt des „Erfurter Führers" verlangen. Telegraph enräts el. Nachdruck verboten. Vorstehende Zeichen, Punkte und Striche, entsprechen den einzelnen Buchstaben der nachstehend in anderer Reihenfolge aufgeführten Wörter. Diese Wörter sind so zu ordnen, daß die auf die Punkte fallenden Buchstaben im Zusammenhang ein bekanntes Sprichwort ergeben. Auguste Däumling Gustav Schwaben Willen Zweifler. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.: Äsen; Nasen, Hasen, Rasen, Oasen, Vasen, Basen. Rtbaftiott: E. Burkhardt. — Vrnck und Verlag der Brühl'schen UnidersitätS»Buch» und kteiodrnckcrri (Pietsch Erden) in Meße».