Nr. 100. 1901, w ’^nrWenn eines wirken soll, So laß das and're ruh'n; 1J8f Ein Schütz, der treffen will, Mnß zu ein Auge thun. Rückert. (Nachdruck verboten.) Auf der Felsenmsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e n. (Schluß.) Ich fand Sigurd allein auf dem Verdeck. Müßig stand er da und starrte hinüber nach der Küste, die, in Nebel gehüllt, hinter mir lag. Cirren Augenblick zauderte ich verlegen, als ich seinem überraschten, feindseligen Blick begegnete. Dann trat ich rasch auf ihü zu, und, ohne ihn zu Worte kommen zu lassen, erklärte ich ihm kurz und bündig den Grund meines Hierseins. Kein Wort verschwieg ich, das zwischen mir und Gunhilda gewechselt worden war, und ich suchte dabei keineswegs mein eigenes Vorgehen zu bemänteln. Im Gegenteil; es gewährte mir.eine qualvolle Lust, mich selbst recht elend und erbärmkuh? darzustellen im Gegensatz zu dem erhabenen Wesen des herrlichen Mädchens, das wir beide liebten. Als ich geendet hatte, schwieg Sigurd noch immer und schritt in tiefem Nachdenken auf dem Verdeck aus und ab. Der Wind pfiff in den Raaen, kreischend umflatterten die weißen Möwen das Schiff, und mit einförmigem Getöse brachen sich die Wellen an dem felsigen Strand. Ein leichter Nebel verhüllte die Sonne — Stille und Frieden herrschte überall. In der Brust eines Menschen wurde aber ein Streit gestritten, der für seine und einer anderen Zukunft entscheidend sein sollte. Ich sah, daß er an meinen Worten zweifelte, daß es vielleicht anderer Beweise bedurfte, um ihn von der Treue und Liebe seiner Gespielin zu überzeugen. Würde er mir überhaupt folgen oder, im finsteren Trotz, verharrend, fortan die Heimat meiden? Lange genug hatte ich, jetzt in den Schären gelebt, um diesen Charakter zu verstehen. Hart und streng gegen sich und andere, wenn es gilt, einen Kampf ums Dasein aufzunehmen, ist der Küstenbewohner doch im Grunde seines Herzens ein Sanguiniker. Nie verlernt er es, aus einen unerwarteten Glücksfall zu hoffen, der sein Fahrzeug wieder flott machen soll. Sollte Sigurd, dieser echt norwegische Seemann, ganz anderen Schlages sein als seine Gefährten? Würde er nicht vielmehr Herr seiner Eifersucht werden und bald mit erneutem Mut seinem Glückssterne folgen? Ich trat an den Rand des Verdecks und schaute hinaus über die große, wogende Straße, welche in die Ferne führte. Bald würde auch ich; darüber hinsegeln; jetzt wollte ich wirklich, meinen Plan aussühren und mich den kühnen Entdeckungsreisenden anschließen. Doch ohne Freude gedachte ich; heute der Fahrt, die sonst mein höchster Wunsch gewesen war. Grau und eintönig wie die unendliche Wasserfläche zu meinen Füßen breitete sich die Zukunft vor mir aus. Mochte Gunhildas Geschick sich entscheiden wie es wollte — für mich war sie doch verloren. Aber nein, hatte ich ihr den Mann ihres Herzens wiedergewonuen, dann konnte ich ruhiger dävonziehen. Unwillkürlich mußte ich meiner gestrigen Rede gedenken — und jetzt wiederholte ich mit wirklich empsundener Bitterkeit: Pflicht, Pslickch! Ein Frösteln durchfuhr mich, und ich beugte mich so tief über die Brüstung hinab, daß mir der kalte Gischt ins Gesicht spritzte. Wie, wenn mich nun ein Schwindel erfaßte, wenn ich langsam, ohne es selbst gewollt zu haben, in den kalten Fluten von dem kälten Leben schied! Wer fragte darnach? Der alte Mann dort in der Stadt, der in Olaf Ravenskjold allein den Erben des alten Namens erblickte und nur über seine vernichteten Hoffnungen trauern würde! Oder that ich ihm unrecht? Hatte er vielleicht doch den Waisenknaben in sein Herz geschlossen, und würde er noch bitterer, noch vereinsamter werden, wenn ihn der einzige, den er um sich geduldet, verließ? Und wieder zischten die Wellen: Pflicht, Pflicht! Da legte sich eine Hand aui meine Schulter, und rasch wandte ich mich hinweg von der lockenden Tiefe. Vor mir stand Sigurd erhobenen Hauptes, das alte Lächeln nur die Lippen. „Schlagen Sie ein", rief er, mir mit männlicher Offenheit die Hand reichend. „Sie sind doch ein guter Mensch, und ich glaube Ihnen ja alles aufs Wort, was Sie mir da gesagt haben. Längst hätte ich's auch; gestanden, wie es um mich steht, wäre es mir nicht ganz überflüssig erschienen, förmlich um ihre Hand zu werben. Soweit ich zurückdcnken kann, habe ich fie meine kleine Frau genannt, und ich dachte, sie müßte mir's an den Augen ansehen, daß ich ihr gut sei. Da kamen Sie, und gleich packte mich.die helle Eifersucht, wollte ich mir's auch> nicht merken lassen. Ich kannte Gunhildas Schwärmerei für das Lesen, und wenn ich sah, wie an dächtig sie stets Ihren Worten lauschte, verlor ich. beinahe den Mut und wurde gegen meine Art wortkarg und verschlossen. Gegen einen solchen Gelehrten kann es mir wenig nutzen, anzukämpfen, und ich zog mich immer mehr zurück. Nur die Frau Pastor wollte mich nicht gewähren 398 lassen und forderte mich stets auf, mit ihr dahin und dorthin zu gehen — überall sah ich Gunhilda in Ihrer Begleitung, und wurde bald ganz an dem Mädchen irre. Als Gunhilda aber gestern ganz die alte war, so lieb und gut zu mir uud der Mutter — da ward mir wieder leicht ums Herz, uud ich dachte, alles könnte noch werden, wie ich ' es mir wünschte. Gunhilda wollte ich suchen — und ich finde sie in Ihren Armen. Da habe ich getobt Und gerast, und Gott muß ich danken, daß er mich vor dem schlimmsten bewahrte." Ich drückte Ml seine Hand, und er fuhr fort mit feiner Herzlichkeit, die einen fonderbaren Gegensatz zu seinem sonstigen Benehmen mir gegenüber bildete: „Jetzt aber, wo Sie hierher gekommen sind, um mir dies alles zu sagen, jetzt ioeiß ich, daß Sie ein edler Mensch sind, der Gunhilda viel mehr verdient als ich - denn.daß ich's nur gestehe: gerade als Sie kanien, kämpfte ich mit mir einen schweren Kamps. Konnte ich sie nicht besitzen, so sollte es auch teilt anderer. Zurückkehren wollte ich, und süßer dünkte mir der Tod mit ihr in den Wellen, als ein Leben allein in der Ferne. Sie aber. Sie wollen i h r Glück vor allem, und nie werde ich die Lehre vergessen, die Sie mir gegeben haben." Noch immer vermochte ich nicht, ihm eine freundliche Antwort zu geben, mir war das Herz zum Zerspringen voll: jetzt hatte ich die Geliebte ganz verloren und selbst den Felsen vorgeschoben, der mir für immer den Eintritt in.das Land des Glückes versperrte. Abend tour es, als wir nach einer mühsamen Fahrt gegen den Wind endlich den Handlungsplatz erreichten. Unten im Hafen verrichteten die Leute in gewohnter Weise ihre Arbeit. Wir gingen znm Hause hinauf; es war leer. Vom Garten schallten aber laute Stimmen zu uns empor; verwundert eilten wir dahin, wo der Lärm herkam. Keiner bemerkte uns, und ich winkte Sigurd, leise näher zu treten, ich ahnte, daß etwas Bedeutungsvolles vorgefallen sei. Tie ganze Gesellschaft drängte sich! nm Doktor Falsen, der, einen glitzernden Gegenstand in der Hand hielt und eifrig auf Gunhilda einsprach. Es war noch hell, jenes Dämmerlicht, welches den nordischen Abenden eigen ist, ehe die Nacht eintritt; deutlich konnte ich jede Miene in Gnnhildas Gesicht erkennen. Sie schien erregt, die Röte kam und flog auf dem schönen Gesicht, die Augen standen voller Thränen. „Und ich sage Ihnen, verehrtes Fräulein", beteuerte der Doktor in einem ihm sonst fremden, respektvollen Ton, „es ist kein Irrtum möglich. ,C. R.' — Cordelia Ravenskjold, dazu das Bild und Ihre frappante Aehnlich- keit mit der Verschwundenen — ein merkwürdiger Zufall --" Ter Pastor räusperte sich bedeutungsvoll. „Eine Höhere Fügung", verbesserte fid); der andere schnell, „daß Sie gerade heute dies Medaillon verlieren mußten, daß ich der Finder war. Nichts leichter zu beweisen, als Ihre Identität — ich kenne Zeugen, welche dem Tranakte Ihrer Eltern beiwohnten, ehe sie das Land verließen —und unser Freund, Olaf Ravenskjold, wird gewiß glücklich fein, Sie zuerst als Verwandte zu begrüßen, die angebetete Kusine dem Kreise zuznführeu, dem Sie durch Geburt und Schönheit angehören —- —" „Nein, nein, das soll nie und nimmermehr geschehen", rief Gunhilda, sich wie hilfesuchend an die Brust ihres Pflegevaters werfend. „Hier bleibe ich, hier ist meine Heimat. Weiß ich auch jetzt, daß ich nicht dazu bestimmt bin, das volle, reine Glück zu genießeu, das ich mir einst ersehnte, so weiß ich auch, daß ich daran sterben würde, stieße man mich von dieser Insel fort. Für Dich!, Vater, will ich leben und für jene dort, denen ich den Trost ihres Alters raubte —" „Und für einen elenden, dummen Kerl, Gunhilda, dem allein feine Liebe das Recht gießt, um Ach zu werben, der wohl iveiß, daß er nicht lvert ist. Deine Schuhriemen zu lösen —" unterbrach sie Sigurd, der sich! ungestüm durch den Kreis Bahn gebrochen hatte und jetzt jubelnd die Geliebte in seine Arme schloß. „Zusammen wollen wir an dem Glück dieser armen, verlassenen Schären bauen. Leben wollen wir Hervorrufen in diesen Steinen, und so Gott will, sollen des Menschen Mut und des Menschen Wille die rauhen Elemente zwingen, ihm nutzbar zu sein." Während alle frohlockend das junge Brautpaar umringten, sprach ich leise mit Doktor Falsen und dem Leuchtturmverwalter. Der alte Schiffer war zu Thränen gerührt, dabei aber praktisch genug, um auf die Winke und Vorschläge des gewandten Weltmannes einzugehen. Wir beschlossen, daß Gunhilda ungesäumt ihren Vaternamen Gianelli annehinen sollte, und der Leuchtturmverwalter gab seinem Freunde, dem Kaufmann, einen derben Schlag auf die Schulter, als dieser sich' uns näherte. „Na, Alter", rief er mit seinem schlauen Augenzwinkern, „was sagst Du denn zu dieser vornehmen Schwiegertochter, die Dir obendrein, Ivie unser Freund hier versichert, eine ansehnliche Mitgift ins Hans bringt?" Ter brave Fischwarenhändler konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Er bewahrte jedoch feine Würde und sagte mit wirklichem Gefühl: „Gunhilda war stets die Tochter meines Herzens; auch ohne Namen und Vermögen hätte ich sie willkommen geheißen. Ihr rechtliches Erbe wird aber dazu beitragen, dem alten Handlungshaufe neuen Glanz zu verleihen, und wenn der Hafen von Schiffen wimmelt, wenn Arbeit genug für den Arbeitsuchenden zu finden ist — da wird ihr Name ringsum in den Schären segnend genannt werden." „So hat das Kind Dir doch Heil gebracht", sagte der alte Schiffer still. In dem allgemeinen Aufruhr, in welchen diese Begebenheiten die Gemüter versetzten, schlich! ich unbemerkt auf mein Zimmer. Noch heute wollte ich die Gegend verlassen, an Sigurds Stelle mit dem Schiffe absegeln, um mich dann in Christiania der Expedition nach dem Polarmeer anzuschließen. Glücklich hatte ich die Brücke erreicht, wo Rasmus nach Verabredung mit dem Boote meiner harrte. Da trat der Mond in vollem Glanze ans den schwarzen Wolkeu hervor, die sich oben am Himmel jagten. Klar und hell fiel sein Schein auf den Platz, und jetzt sah ich!, daß ich nicht allem war. Mir entgegen trat Hanna, blaß und ernst wie noch! nie. Zitternd, als fürchte sie, zurückgestoßen zu werden, hielt sie mir die Hand hin, und ich hörte die leisen Worte: „Seien Sie mir nicht böse, daß ich, Ihnen gefolgt bin — es litt mich aber nicht mehr unter den andern — die Mutter wird mich schielten, aber ich wollte, ich mußte Sie noch! einmal sehen — Ihnen Lebewohl sagen —" Thränen erstickten ihre Stimme. Ihr Mitleid, ihre Sorge um mich thaten mir wundersam gut. Sie schmolzen die harte Eisrinde, die sich um mein Herz gelegt hatte, als ich Gunhilda glückstrahlend und hingebend weich, am Arme. ihres Auserkorenen sah, und die Hand des lieblichen Mädchens ergreifend, sagte sre bewegt: „Dank, tausend Tank, daß Du kamst — nie werde ich! diese Stunde vergessen, in der Du dem Einsamen, Verla fenen wie ein Engel des Z".ostes erschienst. — Ich gehe jetzt — ich muß; ich kann nicht bleiben." „Und meiner werden Sie ganz vergessen", rief sie mit einer Verzweiflung, einer Leidenschaft, die sie plötzlich! um Jahre älter erscheinen ließ. „Nein, nein, jetzt verstehe ich! es wohl: derjenige, der weiß, daß ein Wesen auf Erden in Liebe seiner gedenkt, der wird kein rastloser Wandersmann — als ein anderer, ich hoffe, als ein besserer Mensch, kehre ich! zurück — Hanna, auf Wiedersehen!" Ich sprang ins Boot, und sie blieb unbeweglich am Strande stehen, vom Mondlicht umflossen, wirklich! einer jener Lichtelfen gleich, die dazu berufen sind, dem Irrenden den Weg in das winkende Alfeland zu zeigen. Hoch gingen die Wellen, die Nixentreppe, nach! der ich unwillkürlich ausspähte, unter ihrem Schwalle begrabend: Ein Jüngling in Sinnen und Denken hatte ich! die Insel betreten; als ein Wann, der den Ernst des Lebens kennen gelernt hat, zog ich jetzt daran vorüber in der dunklen Nacht. Schimmernd wie ein Stern der Hoffnung strahlte aber der helle Schein vom Leuchtturm hinaus in die Finsternis, und an meinem Herzen barg ich ein kleines, verwelktes Sträußchen „Vergißmeinnicht!" 399 „Neueste Erfindungen und Erfahrungen" auf den Gebieten der praktischen Technik, der Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirtschaft rc. XXVIII. Jahrgang (A. Hartlebens Verlag in Wien). Bezugspreis ganzjährig für 13 Hefte Postfret 7.50 Mk. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. Tiefe Zeitschrift dient ausschließlich der Praxis. Ihre Mitteilungen, die sich über alle Berufsarten verbreiten, bestehen in praktischen, zuverlässigen und leicht ausführbaren Anweisungen, Arbeitsverbesserungen und Neuerungen auf technischem und industriellem Gebiete. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Anweisungen zu neuen, lohnenden Erwerbsarten. Aus der Fülle des Inhaltes des achten Heftes vom achtundzwanzigsten Jahrgange seien besonders folgende Artikel hervorgehoben: Tas neue Kugellicht. — Anleitung zur Quecksilbet-Am- moniak-, bezw. Natriumsulfit-Verstärkungsmethode. — Fortschritte in der Photo-Telegraphie. — lieber die Herstellung von reinem Silber aus Halogensilber. — Tie Relieflupe, eine neue binoculare stereoskopische Lupe. — Wie berechnet man den Kubikinhalt eines Fasses? — Wiederherstellung der ursprünglichen Holzfarbe alter Parkettböden. — Neues Verfahren zur Fällung von Casein mittelst Aethyl- schwefelsäure. — Färben des Holzes mit Anilinfarbe. — Verfahren zur Darstellung von fast geruchlosen, in Wasser löslichen Theerpräparaten. — Neues Verfahren zur Herstellung von Casein-Kitten. — Bleichen von Leder, Elfenbein, Knochen und Horn. — Ausbessern von Celluloidschalen. — Praktische Verschlüsse für Syrupgefäße. — Praktische Anleitung zur Herstellung von Nutzbaummaser-Jmitation. — Metallbäder zum Anlassen des Stahles. — Tragfähigkeit von Ziegelmauerwerk. — Prozentgehalt von reinem Ammo- niakalaun bei verschiedenem spezisischjen Gewicht für 17 Grad C. — Erhärtung von Kalkmörteln. — Praktische Anleitung zum Einschleifen von Brillen-Gläsern. — Praktische Prüfung von Cementen auf Brauchbarkeit. — lieber den Nachweis von Kirschsaft im Himbeersaft. — Eine Schutz- und Tämpfvorrichtung für Mikrophone. — lieber das Bremer-Bogenlicht. — Ersatzmittel für Leinölfirnis. — Herstellung von Puderzucker. — Beize für Zigarren. — Behandlung der Möbel in Natureichen. — Neuer Dampf-Lastwagen White. — Praktische Erfahrungen im Färben von Ziegelsteinen. — Bei welchen Kalkofensystemen ist der Köhlen- verbraucht am niedrigsten? — Praktische Erfahrungen über Behandlung und Verwertung von Gummiabfällen. — Säurebeständigkeit der Fabrikschornsteine. — Praktische Ratschläge in der Schaufenster-Dekoration der Seifen-Fabrikanten. — Bezugsquellen für Maschinen, Apparate und Materialien. — Praktische Anleitung zur einfachen Mergeluntersuchung. — Prüfung des Glycerins zur Bestimmung des Aschengehaltes von Handelsware. — lieber das Verhalten wässeriger Formaldehydlösung gegen Schießbaumwolle. — Einfache Methode zur Unterscheidung der Margarine von Butter. — Neue Vorrichtung gegen das Durchgehen von Wagenpferden. — Wie treibt man Waldmeister? — Einige wenig bekannte Frühjahrsgemüse. — Rationelle Tränkung der Schweine. — Herstellung säurefreier Tiamant-Graphit-Wichse. — Metall- Putzcreme Fulmenol. — Fayrrad-Ketten-Schmiere. —. Herstellung von blauem Siegellack. — Brünierungsflüssigkeit. — Kleinere Mitteilungen. — Neuigkeiten vom Büchermärkte. — Eingegangenc Bücher und Broschüren. — Neue Erscheinungen auf dem Patentgebiete. — Photograpisches Feuilleton. — Elektrotechnisches Feuilleton. — Chemisches Feuilleton. — Technische Geheimmittel. — Fragekasten. — Beantwortungen. — Briefkasten. Vermischtes. V o m Heufieber. Alljährlich macht sich zur Zeit der Grasblüte eine krankhafte Erscheinung bemerkbar, die man mit dem Namen Heusieber, auch-Heuschnupfen oder Heuasthma bezeichnet. Ihr Auftreten ist nicht gleichmäßig; sie äußert sich bei dem einen mehr als bet dem andern. Sie besteht in einem fortwährenden Kitzeln, Kribbeln und Bohren in Nase, Augen und Gaumen, ja sogar in heftigen Nieskrämpfen. Die Krankheit wurde zuerst als solche von einem davon befallenen englischen Arzte Nanicns Bostock erkannt. Nach ihm wurde sie Bostock'scher Sommerkatarrh bezeichnet. Tie Landbevölkerung hat von ihr im allgemeinen wenig zu leiden, auch soll das männliche Geschlecht eher dazu neigen, als das" weibliche. Der englische Arzt Blackley hat die Entstehung der Krankheit auf die Einwirkung des Blütenstaubes der windblütigen Pflanzen auf die Schleimhäute der Nase, Augen rc. zurttckgeführt. Sobald Blütenstaub auf 'die Schleimhäute gelangt, saugt er Feuchtigkeit auf, die Zellwand platzt auf, und der körnige Inhalt dringt in die Poren der Schleimhaut, wo er eine empfindliche Reizung verursacht. In der Schleimhaut der Nase verursacht er einen heftigen' Schnupfen, in den Atmungsorganen empfindlichen Hustenreiz, in der Bindehaut des Auges schmerzliche Augenentzündungen. Helmholtz nahm an, daß die Krankheit nicht auf einer rein me- chanisch-physitalischen Reizung der Schleimhaut beruhe, sondern durch Ansteckung veranlagt werde, wobei der Blütenstaub nur als Träger des Ansteckungsstoffes gelte. Sobald der Blütenstaub aus der atmosphärischen Luft verschwindet, sobald schwindet auch die Krankheit. Tie davon Betroffenen haben versucht, vor der Heufieberzeit durch Abhärtung der Schleimhäute sich zu sichern; doch war dies Bemühen ohne Erfolg. A. B. „Praktischer Wegweiser", Würzburg. Diamanträtsel. Nachdruck verboten. X X X X X X X X X In die Felder dieser Figur sind di- Buchstaben AAAAA, EEEEEE, F, H, K, LL, NN, BRR, TT, ZZ derart einzutragen, daß die mittelste wagerechte und senkrechte Linie gleichlautend ist, und die wagcrcchtenReihen folgende Bedeutung haben: 1. Buchstabe; 2. seemännische Bezeichnung; 3. ein Raubtier; 4. Wirtschaftsgcgcn- stand; 5. Musikinstrument; 6. Fluß in Süddeutschlaud; 7. Buchstabe. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schachaufgabe in voriger Nummer: (Dreizüger: W. Kd8, Bc7, e4, f7. — Schw. Ke6, Be5.) 1. £7—f8T, Ke6—d6. 2. c7—c8T,‘ Kd6-e6. 3. Tc8—c6, matt. Sport und Mode. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Jntcrnatioualcn Schuittmanufaktur, Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schuittmusterbuch zu 50 Pfg. daselbst erhältlich. Sorgfalt in der Kleidung ist eine der ersten, und, nebenbei bemerkt, selbstverständlichsten Anforderungen, welche man an den derzeitigen Kulturmenschen stellt. Nirgends ist sie jedoch so am Platze, ja sogar höchst notwendig, als beim Sport im allgemeinen unb bei der Touristik im besonderen; denn, wenil einmal die Tour angetreten ist, hat man weder Zeit noch Gelegenheit, und außerdem keine Lust, sich mit seiner Kleidung zu beschäftigen. Man muß deshalb bei Besorgung dieser Kleidung alles vorher wohl überlegen und vorbereiten, und dabei vor allen Dingen folgende wichtigen Gesichtspunkte ins Auge fassen. Ter Anzug sei zunächst bequem, damit er die Bewegungsfreiheit in keiner Weise behindert. Ferner fei er wetterfest, damit ein plötzlich hereinbrechender Regenschauer ihm nichts anhaben kann. Und ferner sei er leicht int Gewicht, besonders die notwendigen Ergänzungen, damit man nicht zuviel zu tragen hat; denn bekanntlich trägt jeder echte Tourist, gleichgiltig ob Männlein ober Weibein, sein Gepäck selbst. Wenn die Frau außerdem die Kleidsamkeit ihres Anzuges ins Auge faßt, so ist das natürlich, und nicht einmal allzit schwer; denn die Mode mischt sich in alles, was Frauenkleidung heißt, und wirkt überall ver- 400 Fig. 1. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Berlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Als Form hat man die Wahl zwischen Sackform, Schoß- jacket und kurzem Bolero. Am 'meisten bevorzugt wird ja das einfache Zacket, wie es unsere Abbildung 1 veranschaulicht. Empfehlenswert ist jedoch auch die kurze Sacko- form; den» diese ist auch bei dem elegantesten Schnitt ungemein bequem. Zur vollständigen Ausstattung sür eine Touristin gehört außerdem noch ein Wettercape wie Abbildung 2. Dieses leicht zu tragende und bequeme Kleidungsstück bietet den besten Schutz gegen Wsnd und Wetter, und kann außerdem gegebenenfalls auch sehr gut als Plaid zum Lagern oder als Decke dienen. Was nun noch die Unterkleidung anbetrifft, so ist dieselbe die gleiche, wie bei der Radfahrerin. Reformbeinkleider vorn Stoff des Rockes an Stelle der Unterröcke, mit waschbarem Futter versehen, und bequemes Leibchen an Stelle des Korsetts, damit die Atmung (beim Bergsport ebenso wichtig wie beim Radfahrsport) in keiner Weise behindert wird" Hat man nun noch ein paar gute, derbe Bergschuhe, welche nebenbei bemerkt, ziemlich teuer sind, so ist man vollkommen ausgerüstet, und wird seine Touren als Wanderer in die Schönheiten der Natur, unbehindert durch feine Kleidung, genießen können. Dieselbe wird auch allen Fährnissen einer Hochtour aufs beste widerstehen, vorausgesetzt, daß sie aus gutem, wetterfestem Loden bestehen, was mit eine Hauptbedingung ist. Macht man feine Ferienreise anstatt zu Fuß zu Rad, so wird der Anzug wenig ablveichen. Man kann ihn vielleicht im ganzen etwas zierlicher gestalten, wie schon aus unserer Abbildung 3 zu ersehen ist. Die hauptsächlichsten Eigenschaften sind jedoch die gleichen, als da sind Bequemlichkeit, Leichtigkeit, Wetterfestigkeit und praktische Einrichtung des Rockes zum Verlängern. Mit Ausnahme der hinteren Mitte, welche beim Radfahrrock für den Sattel immer eine tiefe Falte haben muß, wird! denn auch der Schnitt unverändert bleiben, und sei auch für Radfad zwecke die Einrichtung mit anknöpfbarem Volant mj - ganz besonders empfohlen. Viel Zeit und Geld wird in allen Frauenkreisen darauf verwendet, das Schüeidern zu erlernen, aber im Gegensatz hierzu erfolgt nur selten eine praktische Nutzanwendung des Gelernten. Der Grund dafür liegt wohl darin, daß die meisten Damen sich fürchten, den teueren Stofs mit unkundiger Hand zu zerschneiden. Seitdem aber die Internationale Schnitt Manufaktur, D res den, vorzüglich ausprobierte, leicht anwendbare Schnitte der Frauenwelt zu niederen Preisen zur Verfügung stellt, fallen diese Bedenken, und alle Damen, die diese Schnitte benutzen, sind wirklich überrascht von dem guten Erfolge ibrer Hausschneiderei. Wer einen Versuch machen will, beziehe von obengenannter Manufaktur das reichhaltige Modenalbum und Schnittmusterbuch sür nur 50 Pfennig. schönernd, wo sonst vielleicht die Form, die sich lediglich aus dem praktischen Bedürfnis entwickelt, zu nüchtern sein würde. „ Auch für Touristen giebt es jetzt allerhand zweckent- fpreichende Anzüge, welche trotz aller praktischen Eigenschaften, doch des gefälligen Aussehens nicht entbehren. Daß sie sich nach; wie vor aus fußfreiem Rock, Hemdbluse und Zacket zusammensetzen, daran ist wohl wenig zu ändern, aber das?,Wie" dieses Anzuges ist sehr abwechsel- düne^besonders praktische Neuheit findet sich an den Röcken. Hierbei steht man bekanntlich immer iin Kampf mit der Länge. Fertigt man den Rock nur so lang, wie inan ihn z. B. für das Bergsteigen gerade braucht, so ist er ja sehr bequem, und kann auch bei einem guten Schnitt rechst vornehm und kleidsam sein; in Städten und Ortschaften bleibt er jedoch stets recht genannt ausfällig. Man hilft sich deshalb meistens mit einem langen Rock, den man mit Hilfe von Spangen und Knöpfen auf die bekannte Weise hochknöpft, was aber nicht sehr hübsch aussieht, besouders bei breithüftigen Figuren. Ta ist denn folgende Einrichtung sehr zweckmäßig. Man schneidet den Rock so kurz, wie man ihn sür seine Touren braucht, und besetzt den unteren Rand mit einer breiten Mohairbiorte oder einem Schrägstreifen; Hauptsache ist hierbei, daß dieser Besatzstreifen nur mit dem oberen Rande festgenäht ist, im übrigen jedoch lose fällt. Man setzt nun rmgsum unter diesen Streifen Knöpfe, an welche ein, nach! allen Regeln der Kunst zugeschnittener Serpentinvolant geknöpft ivird. Auf diese Weise ist der Rock in eleganter und durcch aus unsichtbarer Weise ergänzt; denn die Borte fällt leicht und vollkommen deckend über den, Rand des Volants, welcher abgeknöpft nur ein ganz geringes Gewicht hält. Für das zum Rock passende Bluseuhemd bleibt die Schnittform immer die gleiche, und verziert man die vordere Partie in den verschiedensten Arten durch Fältchen. Ter abknöpfbare Umlegekragen sei sür die Tour am besten aus dem Stoff der Bluse, während man ihn bei besonderen Gelegenheiten durch einen weißen Leinenkragen ersetzen kann. Ob man nun Flanell, Waschseide oder gewöhnlichen Waschstoff zur Bluse verwendet, bleibt dem Ge- fchmacke jedes einzelnen überlassen. Anders beim Zacket. Hier wird man wohl selten einen anderen Stoff, als den des Rockes wählen, wenngleich ein anderes abweichendes Material auch nicht häßlich zu sein braucht. '‘"WM* Fig. 2.