-MO KM au v - W MW einen Erdgebornen Preiset als zum Glück Erkornen, Bis er ohne Leid und Klagen Seinen letzten Tag ertragen, Bis zum Ziele seines Strebens Er gelangt und seines Lebens. Sophokles. (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von Anton v. Perfall. (Fortsetzung.) Frau Wanda hatte die Herrichtung der Jnnenräume übernommen; Herr Vigo, ein Operettentenor von größter Popularität, der Intimus des Bruders Fritz, unterstützte sic. Er hatte- in den ersten Kreisen der Residenz, welche ihn zur rechten Zeit als Spaßmacher und Ersatz für mangelnden Humor beigezogen, große Erfahrung gesammelt. Tie Einladungen waren sorgfältig ausgewählt, das Erscheinen des Ministers machte in dieser Beziehung nichts unmöglich. Es handelte sich jetzt nur noch um das Auftreten des Bauern vorn Wald und seiner Gattin. Polentz wat, nach seiner Art möglichst dick aufzutragcn, einmal gewonnene Vorteile bis zur äußersten Grenze auszunützen, auf eine famose Idee verfallen. Es war nun einmal Mode, mit der Liebe zu dem Bauernstand zu kokettieren, und er war lange Zeit thöricht genug gewesen, das nicht zu begreifen. Jetzt aber war er auf der richtigen Spur. Er trug Johannes seine Bitte vor. Er wollte dadurch gewissermaßen seinen früheren Fehler gut machen, ihm volle Genugthuung verschaffen, vor der ganzen versammelten Welt seine hohe Achtung vor dem Bauernstände zu zeigen. Johannes weigerte sich entschieden. „Was soll das G'wand, wenn nm 's do nimma is, der Bauer vom Wald, und zum Komödi spiel'n is do z'guat." Seit zwei Jahren hing es'unberührt im Schrank. Tie Bäuerin zeigte sicb zu Polentz' Ueberraschung willfähriger. Sie fühlte nach den gemachten Erfahrungen eine Scheu, modern zu gehen. In ihrer Tracht aber, das wußte sie, stellte sie etwas vor. Da sollten sie nur' kommen in Seide und Spitzen! Die Eitelkeit trieb sie. Tas genügte Polentz, nicht weiter in Johannes zu dringen. Er wußte jetzt bestimmt, die Frau brachte ihn dazu, er kam in der Tracht des Bauern vom Wald. Man bildete Spalier vor dem festlich erleuchteten Palais. „So weit kann man's bringen, wenn man Glück hat." „Und die nötige Frechheit!" meinte ein anderer. „Was Frechheit? Jeder macht sich- Platz, wie er die Ellenbogen dazu hat." „Abwarten, abwarten!" tönte eine andere Stimme wie Unkenruf. „Uebers Jahr fährt vielleicht der grüne Wagen vor." Ter Witz wärmte ordentlich- in dem kalten, dicken Nebel, der draußen herrschte. Endlich erschien Graf Waradin, zwei galonnierte Tiener hinten auf dem Wagen. Nur das wollte man noch sehen, dann zerstreute man sich. Tie einen, mißgelaunt mit dem Schicksal rechtend, die anderen von neuer Hoffnung beseelt. Man kann ja auch einmal eine gute Karte ziehen. Der Salon bei Altinger war bereits dicht gefüllt. Ta waren wackelige Gutsbesitzer aus der Umgegend, die man nicht aus den Augen verlieren durfte, Architekten mit Frauen und Töchtern, Geschäftsfreunde, die sich verständnisvoll zunickten, sogar einige Künstler fehlten nicht, junge Leute, welche um ein Glas Champagner überall zu haben waren. Dazu kamen noch die besonderen Freunde des Herrn Fritz, typische Exemplare des großstädtischen Nachwuchses, kümmerliche Gestalten in geckenhafter.Tracht, mit jedem Worte, mit jeder Bewegung die schlechte Erziehung verratend. Frau Wanda, in auffallender, kostbarer Kleidung, wurde beständig von dem Operettentenor Vigo umschwärmt, der ihr in ausfallender Weise den Hof machte, während Polentz wie ein Pascha unter den Gästen wandelte. Matthias stach mit seiner hohen kräftigen Gestalt, den unter dem schwarzen Rocke sich abzeichnenden Muskeln, der noch immer etwas schwerfälligen Bewegung des Bauern, den markigen Gesichtszngen, uie sein neues Leben nicht so rasch verwischen konnte,? vorteilhaft ab inmitten dieses bunt zusammengewürfelten Völkchens. Nur die Hauptpersonen fehlten noch für Herrn Polentz, den eine heftige Unruhe befiel — Johannes und seine Frau. Eben war man im Begriffe hinauszueilen, sie zu holen, da trat schon Graf Waradin ein. Lautlose Stille, allgemeine Verneigung. Während Polentz seine Gattin vorftellte, schweifte das Auge des Grafen suchend über alle Köpfe. Matthias wurde mit einem scharfen Blick und einem äußerst gemessenen Kopfnicken abgefertigt. 210 keinen sein wo' ver- vorteilungen ausgesetzt, die reinen Kinder, mit erner großen Summe in der Hand. Da haben Sie ein herrliches Feld zur Thätigkeit. Uebrigens brauche ich Ihnen ja das alles gar nicht mehr zu sagen. Wie mir Herr Polentz berrchtet hat,- leisten Sie bereits Ersprießliches in dieser Richtung. Ja, offen gesagt, Ihnen gegenüber — ich bin fest entschlossen, bei dßr Frage der Ringbahn, welche ja sehr auf Sie." , „ Johannes vergaß jede Verbeugung, und blrckte starr dem Grafen nach, welcher sich zur Gesellschaft zuruck- 8 Also darum hatte er ihn geholt, der schlaue Fuchs — darum diese Komödie mit der Bauerntracht.! Er, die Seele des Geschäfts, die Stütze seines Standes! Der verlotterte Johannes, der auf den Bierbänken seine Sprüche machte, der, ohne daß man ihn darum fragte, das falsche Spiel mitmachen, mußte, den braven Mann zum t)OTl tn.4,V***7 ♦*'*»'* *' f r ausgedacht, wenn er durch fernen Wald sein sollte und könnte, und der Gras horte zu, und nickte nur ost ernst mit dem Kopfe. Plötzlich intonierte das Orchester euren Marsch. Johannes erwachte wie aus einem Traume. Aber was red' i denn da, Exzellenz. I brn ja kern Bauer mehr. Wia nur grad so ein hoh'r Herr so an müaß'gen Schwätzer anhör'n mag, der sein Grund und Bod'n verlass'n, und in der Stadt faulenzt —" „Allerdings, da gebe ich'Ihnen recht, Sre hatten bleiben fallen, was Sie waren", entgegnete der Graf „Gerade um solche Leute, wie Sie, rst es schade. Wav aber Ihre weitere Bemerkung betrifft - Sre arberten ja ’ 1 S’eeferwtt. die »em« »ei Tische M. empfing b auf öen Grafen. I die beiden mit lautem Zurufe. Das Gebühren des "Ta können Sie ja segensreich wirken für Ihren I Ministers hatte allgemeines Aufsehen erregt. Große, b ' Stand"^ fuhr dieser fort „Warnen, Helsen, raten! Tie reitete sich offenbar mit den beiden Männern vor, welche Leute sind ja gewöhnlich allen erdenklichen lieber- | dre Sonne seiner Gnade beschrün. Wo ist denn der Vater Ihres Schwiegersohnes, der Bauer vom Wald?" fragte jetzt der Minister. Polentz stand der Schwertz auf der Strrne. . Er war verloren, wenn Johannes ihm einen Strerch sprelte. So unglaublich es war, der Graf hatte ftd) den Bauern tn den Kopf gesetzt. . In dem Augenblick ging erne Bewegung durch d • ^Mend H landwirtschaftlichen Interessen unserer Um- Raum. Polentz hatte ausjauchzen mögen. Da ftai ' I nb berü£)rt qatt, insbesondere darauf Rücksicht zu und nehmen Wiegen Jie I -- M-nn. ich «W Mich ragte. Ihm zur Seite die Bäuerin in schwarzer Serbe, mit roten Blumen darein gewirkt. Um den Halv dre srlberne Kette aus feinstem Silberfiligran mit seurrgerr Rubrnen besetzt, das schwere Haar von einer Art Krone gehalten, welche das Hinterhaupt schmückte. ' Das Maskeradenhafte des ganzen Auftrrtts, vor dem sich Johannes mit Recht so gescheut, kam rm ersten Augenblicke gar nicht zur Empfindung, so ernhertlrch wrrkte Tracht und Wesen. , „r Graf Waradin war sichtlich! angenehm überrascht. Er ging sofortauf Johannes zu rerchte rhm dre Hand, besten^halten.^ ^ilen, ihm alles und lrest srch ferne Frau vorstellen. bec.ann er I gestehen, da kam ihm plötzlich ein anderer Gedanke. „Es freut nrrch sehr, Sre hrer zu ) , fönen I ’ Wenn er diese Lüge zur Wahrheit machte, wenn er zu Johannes. , „Jck> habe schon gehört vw ^hrem schonen I ^,enn^e g toa§ ihn der Graf hielt, der Wald, den leider dre bösen Nonnen verzehrt haben. , | feiner Landsleute' Wenn er diesem Polentz besser ««£ U ÄS» K «S Z SStää»ää als'ob Sie sich rasch ber uns emgewohnen konnten, Sre ^hatte^der Graf^ gesagt. ^hlte etwas von Johannes wurde es herfb ' c. und weckte I der alten Kraft zurückkehren. Es war rhm, als ob er plötztrch den wenrgen Worten sem ganzesInnere um^uno w sem em Grund und Boden stände, von dem es wunder- E Ä SÄS A Ä bQS „a61 „6, „ trOt5Z Lw Xn^t Zr^anb nnh stot erte einige werde bereits anderwärts erwartet, und müsse leider fort. -MLWHM Ztz-LESM wo fick nack veraeblich wiedsrholten I es die sichere Beute wittert, zuglerch aber etwas wie U U -">wl-e»'d°" 8*** teil- * eil,c «”•*. «*■«* das gerade Wesen, das sichtlich! „Brav haben Sie Ihre Sache gemacht. Famos! Der warme ^Interesse an allem, was den Bauernstand betraf, I Graf schwört auf Sie. Aber jetzt kommen Sre mrr ii^s ?afch zutraulich, und plötzlich war es ihm, als versänke mehr aus dem Hause, dre Seele des Geschäfts mrrssrn Sre L 0ÄbTmTÄ Zhannes, der schon eine zornige Ertvidernng auf und rings rauschte der Wald zu ihm herauf, wogten die I den Lippen hatte über das freche Spiel, das man tm Selber • 8und er sprach von des Bauern Leid und Freud, | ihm getrreben, sah srch entwaffnet. Seme! Srnne " n/fem was ibn bedrückt von allem, was er sich oft I wrrrten srch. Nre wrrd er dresen Brann verstehen, altem, was ihn bedruckt, ging, iie es sich unter seinen Händen in alles Erdenkliche verwandelt und der Graf hörte rhm schweigend „Jawohl, schauen Sre nur so erstaunt. Dre seele - ' - ' 1 des Geschäftes! Sre müssen es machen von nun an, Generalagent von Polentz & Altinger! Sollen sich« auch nicht schlecht dabei stehen, der Polentz ist kein Knauser. Aber jetzt kommen Sie! Die Freude hat mir Hunger gemacht. Die ganze Bande da draußen stecken wir em, wenn wir zusammenhalten. Alles in Ehren, Johanne., alles in Ehren! Kennen mich ja am besten." Johannes wirbelte der Kopf. Er fühlte, daß dreser Marrn an seiner Seite ganz anders dachte, als er Maa), daß er ein falsches Spiel mit ihm spielte; aber er suhlte sich schwach wie ein Kind ihm gegenüber, willenlos tun — 211 — Polentz wurde als alles Erdenkliche gefeiert, als Hort der Kirche, als Unternehmergenie, als Vater der Arbeiter, als „Mann seiner Zeit". Das war der Knalleffekt, der sich nicht mehr überbieten ließ. Und auch Johannes, erhitzt vom Weine, von dem ungewohnten Lärme, dem Lobe des Ministers, das in ihm nachgärte, stieß mit an auf den „Mann der Zeit", derselben Zeit, der er einst so stolz die Fehde angekündigt hatte. Nachdem diese Komödie zu Ende war, lüfteten sich rasch die Masken unter dem Einflüsse des Champagners. Frau Polentz verlob ihre ganze Grandezza, und wurde wieder möglichst lärmend. Herr Fritz und Genossen rückten den Damen gegenüber mit ihrer gewohnten Sprache heraus, während man in einer anderen Ecke unter dem Vorsitze des Herrn Polentz eine förmliche Börse abhielt, Bündnisse abschloß, sich unter dem Scheine der Freundschaft hinter die Karten zu blicken suchte. (Fortsetzung folgt.) Welches ist gegenwärtig der bevorzugte Modegeschmack der deutschen Frauenwelt? Eine allgemeine Modenwahl der dentschen Frauenwelt in Verbindnng mit einer Verteilung von 300 wertvollen Preisen. i Nicht dar Schönste auf der Welt Soll dir am meisten gefallen, Sondern was dir wohlgefällt, Sei dir da- schönste von allem. Rückert. Alle denkenden deutschen Frauen sollen zu einem Wahlkampfe aufgefordert werden, allerdings nur zu einem ganz harmlosen, aber doch nicht unwichtigen; denn es handelt sich dabei um die jetzt so viel umstrittene Kleiderfrage. Die Mode in Deutschland sucht unter den verschiedensten Einflüssen nach einer bestimmten Gestaltung, ohne jedoch unter den um die Herrschaft ringenden Geschmacksrichtungen bisher zu irgendwelcher entscheidenden Klarheit gekommen zu sein. Da ist zunächst der kokette, raffinierte Pariser Geschmack, welcher mit seinen althergebrachten Rechten immer den Grundton angiebt, wie er es ja in der gesamten zivilisierten Welt thnt. Teils aus Nationalgefühl, teils weil er unserer Geschmacksrichtung nicht entspricht, wird er angefochten und wird an ihm herumgemodelt. Ein anderer Einfluß, der sich geltend macht, ist in der allgemeinen Frauenbewegung begründet, welche für die im Existenzkampf stehende Frau allen unnötigen Schmuck re. verbannt und 1. Parisienne, graziös, leicht und duftig. 2. Tailor-made, gediegen, einfach, korrekt. 5 Promenadenkostüme zur Wahl gestellt, deren jedes dentlich eine bestimmte Geschmacksrichtung darstellt und zwar in möglichst decenter, wenig auf. fallender Weise nnd möglichst unter Berücksichtigung des guten Geschmackes. So zeigt z. B. Fig. 1 ein modernes Kostüm im echten Pariser Geschmack, aber ohne Uebertreibung. Es besteht ans leichtem, duftigem Stoff und ist reich mit Spitzen-Einsätzen und Chiffon garniert. Figur 2 erscheint von direkt entgegengesetzter Geschmacksrichtung; denn aus Tuch bestehend, ist es streng im praktischen tailor-made-Stil gehalten und nur mit Steppreihen verziert. Figur 3 stellt den neutralen deutschen Geschmack dar, welcher wohl die Mode mitmacht, aber sie weder nach der einen noch nach der anderen Richtung übertreibt. Figur 4 wird den Bestrebungen der verbesserten Frauenkleidnng gerecht, welche vor allem die geschnürten Taillen und langen Röcke abschaffen will, und Figur 5 schließlich ist im Sinne moderner Kunst gehalten, welche keine allgemeinen Besätze, sondern individuelle Ornamente durch einfache, mit der Körperform harmonierende Linien fordert, verbunden mit feinen Farbenwirkungen. daher dem praktischen tailor-made mit seiner strengen Einfachheit dak Wort redet. In anderer Hinsicht sind die Reformbestrebungen von Einfluß, welche in erster Linie die gesundheitlichen Rücksichten gelten lassen wollen, und schließlich sind es in neuester Zeit die Künstler, speziell die modernen, denen das jetzige Frauengewand in seiner Stillosigkeit nicht gefällt; denn sie predigen Einfachheit der Schnittform, ornamentale, bewegte Dekorations- linien, die mit der Körperform harmonieren. Aus alledem geht hervor, daß man im großen und ganzen mit der jetzigen Mode nicht zufrieden ist. Was sagen nun aber die am meisten Beteiligten, die deutschen Frauen selbst dazu? Dieses festzustellen ist der Zweck dieses Aufrufes, den die Internationale SchnittmanufakturDresden-Ifl.8, welche sich als Lieferantin fertiger Schnitte in kurzer Zeit einen hervor- ragenden Ruf erworben hat, an alle Frauen erläßt. Um die gestellte Aufgabe zu lösen, werden mit beistehenden Figuren 4. Reform, corsettlos, fussfrei. 6. Jugendstil, modern, kttnstlcdafh. 3. Neutral, Jlig, aber Extreme vermeidend. M Ml ä- e @ <8>I tz $ Q> ry. jfr'y Es werden nun alle deutschen Damen aufgefordert, durch Einsendung einer Postkarte mitzuteilen, welches Kostüm am meisten ihrem Geschmack nnd vor allem ihrer „Geschmacksrichtung" entspricht. So interessant nun dies Unternehmen au nnd für sich sein dürfte, so soll das Interesse daran noch dadurch gesteigert werden, daß jede Einfenderin im günstigsten Falle die Aussicht hat, das von ihr gewählte Kostüm fix und fertig für ihr persönliches Maß passend vollständig kosten» srei zu erhalten. Es sind nämlich 800 Preise ausgewvrsen, worunter als Hanptpreise die 5 Kostüme selbst. Ende Mai, bis zu welchem Termine Ansichtsäußerungen möglich sind, erfolgt die Zuerkennung der Preise unter den Einsenderinnen vermittelst Loses. Das Ergebnis dieser Wahl wird Anfang Juni bekannt gegeben werden. Hoffentlich wird die Teilnahme eine recht rege sein, damit das statistische Material ein möglichst vollkommenes werde. Alle Einsendungen sind auf einfacher Postkarte bis spätestens Ende Mai zu richten an die „Internationale Tchnittmanufaltnr, DreSden-ki. 8." 212 » Bakterien-Licht. (Nachdruck verboten.) Hd. Wir wissen, daß es schädliche Mikroben giebt, welche als Krankheitserreger gefürchtet werden, und nützliche, welche sich in der Technik einer hohen Wertschätzung erfreuen. Aber daß die Mikroben künstliches Licht schassen können, etwa wie die Elektrizität oder das Leuchtgas, daran haben wir allen Ernstes noch nicht gedacht. Indessen es giebt wirklich einen Bazillus, der während seiner Entwickelung ein merkwürdig phosphoreszierendes Licht ausstrahlt, und die Eigenschaft besitzt, bei geeigneter Behandlung ungeheuer zu wachsen und sich zu vermehren. Man ist gewöhnt, Phosphoreszenz als eine Erscheinung anzusehen, die in der Hauptsache auf das Vorhandensein von Phosphor zurückzuführen ist. Wir wissen jetzt, daß dies ein Irrtum ist; denn Phosphoreszenz kommt in vielen Fällen vor, wo gar kein Phosphor vorhanden ist. Phosphoreszenz ist zweifellos eine Folge von chemischen oder physikalischem Wechsel, aber der Wechsel mag natürlich nicht immer von der Wirkung zahlloser mikroskopischer Organismen yer- rühren. Gewiß ist dies jedoch der Fall bei der phosphoreszierenden Erscheinung des Meeres. Die Phosphoreszenz ist in diesem Falle am besten, wenn die See unruhig ist, und das meiste Licht wird von dem Kamm einer kurzen schnellen Woge oder von dem Schaum bei unruhiger See erzeugt. Das kommt daher, weil die Wirkung der phosphoreszierenden Bakterien oder Photo-Bakterien viel größer ist bei dem Vorhandensein eines Uebermaßes von Sauerstoff. Der Atemwechsel oder die Oxydation der Bakterien ist die Ursache der Phosphoreszenz des Meeres; denn wenn die Mikroorganismen getötet oder der Sauerstoff ausgeschlossen würde, so würde das Licht sofort erlöschen, während das Licht intensiver wird, wenn man noch eine größere Menge verbrennbaren Nahrungsstofses, wie z. B. Zucker, hinzu fügt. Tie Glut gewöhnlichen gelben Phosphors rührt natürlich von direkter Oxydation ohne irgend welche Wirk- tutg von Mikroorganismen her. Der sonderbare grünliche Schein, den man auf alten Schellfischen und anderen See- fischen bemerkt, wird von den merkwürdigen Photo-Bakterien erzeugt, und ist niemals mit dem Vorhandensein von Phosphor verbunden. Die phosphoreszierenden Bakterien lassen sich auf solche Weise züchten, sodaß man ein sehr stark phosphoreszierendes Fluidum erhält. Legt nian z. B. das Fleisch von frischen Schellfischen oder Heringen in eine zwei- bis dreiprozentige Salzlösung und stellt das Ganze an einen Ort, der gleichmäßig niedrige Temperatur hat — ungefähr -1 Grad E. über Null — so findet man, daß nach einigen Tagen nicht nur die Fische, sondern die ganze Flüssigkeit, in die sie eingelegt sind, ein blasses grünliches Licht ausstrahlen, welches viel glänzender wird, wenn man etwas Zucker hinzufügt. Auf diese Weise kann man Reinkulturen züchten, die ein so starkes phosphoreszierendes Licht geben, daß sie bei längerer Exposition mit ihrem eigenen Lichte photographiert werden können. Man kann nicht vorher sagen, ob die Kultur jemals zu einem solchen Grade von Vollkommenheit gedeihen wird, daß man das Gefäß, welches sie enthält, vorteilhaft als Straßenlaterne öber- Tischjlampe oder Lampion gebrauchen kann. Aber die Wirkungen der Bakterien sind vielfach und die Möglichkeiten, ihre Macht nutzbar zu machen, sind sehr mannigfaltig. Ja, es wäre sogar wunderbar, wenn nicht eines Tages ein findiger Kopf darauf verfiele, das Bakterienlicht wirklich nutzbar anzuwenden; denn in Wahrheit liegt gar kein zwingender Grund vor, daß nicht die leuchtenden Bakterien die große Zahl der nützlichen Bakterien in der Technik vermehren sollten. einen Eisschrank. Ter Amerikaner ist uns darin über. Er besitzt aufs praktischste und sorgfältigste eingerichtete Kühlhäuser, ähnlich denen unserer Schlachthäuser, oder Fischgesellschaften. In diesen riesig großen Kühlhäusern, in welche gleich die Eisenbahnzüge hineinfahren können, lagern die verschiedensten Waren, von allen möglichen Firmen, und es bedarf nur eines Telegramms, so bekommt der Eigentümer sofort seine Ware, fertig verpackt, zugeschickt. Die Waren werden dann in besondere Kühlwaggons verladen und erleiden so bis zu ihrer Ankunft fast keinen Temperaturwechsel. Ein längerer illustrierter Artikel über größere uud kleinere Kühlhauseinrichtungen, von einem Amerikaner selbst geschrieben, befindet sich in der neuesten Nummer des „Praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau", die vom Geschäftsamt zu Frankfurt a. O. zu erhalten ist. _____________ Vermischtes. T i e Bedeutung der Maggi-Werke veranschaulicht ein jüngst in hübscher Ausstattung erschienenes Album. Es zeigt in einer Reihe von wohlgelungenen Bildern Fabrikanlagen und Betrieb, landwirtschaftliche Einrichtungen und Bureaus der Maggi-Gesellschaften. Man ist erstaunt über die Ausdehnung der Fabriken, die großen, von einem zahlreichen Beamtenstab belebten Bureau-Räumlichkeiten usw. — Ter Besucher kommt unwillkürlich zu der Ueberzeugung, daß die von einem so großen Unternehmen erzeugten Waren vorzüglich sein müssen, und die zu deren Verbreitung gemachten Anstrengungen volle Anerkennung verdienen. Mode. Herrliche Farben, zwischen dem tiefen Korallen- rosa und dem dunklen Weinrvt spielend, .aber in allen Tönen einen Stich ins. Gelbe zeigend, stehen auf der Modefarbenkarte au erster Stelle und werden sich neben Schwarz-Weiß voraussichtlich auch behaupten. Die „Wiener Mode" behandelt im neuesten (14.) Hefte vom 15. April die. Wahl der Farben, neue L>chnittformen, Toiletten, Blusen, hübschen Aufputz, fesche Hutfacons, schneidige Sport- kostüme re. Die gebotene Auswahl jeder Gattung wird die alten Freunde des Blattes entzücken und ihm neue Freunde gewinnen. Die hübschen Handarbeitsmuster können hier nicht einzeln angeführt werden, ihre Fülle flößt uns Achtung ein. Der litterarisch-unterhaltende Teil dieses beliebten Modejournals wetteifert mit den größten Familienblättern des In- und Auslandes. Die gegebenen Schnittmuster und der bequeme, billige Bezug von abgepaßten Schnitten für Abonnenten erleichtern die Anfertigung der Kleider jeder des Nähens kundigen Dame. — Man abonniert bei allen Buchhandlungen, außerhalb Oesterreichs bei jeder Postanstalt, sowie direkt beim.Verlag der „Wiener Mode" in Wien IV für 2.50 Mk. vierteljährlich. Diamanträtsel. Nachdruck verboten. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben: B, C, EEEEEEEE, FFF, G, HHHH, III, LL, 31, N,RRRRR, SSS, TT, UUITU, WW derart einzutragen, daß die mittelste wagerechte Reihe gleichlautend mit der senkrechten ist und die wagerechten Reihen (ohnediebeidenSpitzen) Wörter von folgender Bedeutungbilden : l.Wild; 2. Körperteil; 3. Kleidungsstück; 4. Sicherheitseinrichtung; 5. Haustier; 6. deutscher Dichter; 7. Vogel. Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Barbarei. GemsinnNtziges. Kühlhäuser. Ter Landwirt, der Obstbauer, der Gärtner, alle drei sind darauf angewiesen, für wenig haltbare Produkte, Milch, Butter, Eier, Obst, Trauben, Beerenfrüchte, geeignete kühle Aufbewahrungsräumlichkeiten zu be- schaffeu, um sich vor Verlusten zu schützen. Gewöhnlich werden hierzu Keller benutzt, nur selten verfügt man über Redalkis«: 9. Vurihsrdt. — Äraö und Scrlag btt Brü^l'schtn UsistrßtÄS-dsch- und MeindruSerti (Pietsch Erben) m Siet«. Auflösung in nächster