I# IW KJ VW Ä- iSsS HMD MMR.! Wwfj ^WBfep/ MMW f-".; . mV. . Av. u'.’jlMl 'ii ^LrLAM' W MUH »»oär.autg. h :noii. 61 €ss7. d..____ . , ----------- W as ärmste, dunkelste Kämmerlein Verklärt die Liebe mit gold'nem Schein; Es reicht keine Liebe an das heran, Was die Liebe thut und die Liebe kann. Frida Schanz. (Nachdruck verboten.) Die Seekömgin. Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Wiederum trat eine Pause ein. Dort standen die Leute mit uns zugekehrten Gesichtern, einige mit übereinandergeschlagenen Armen, und bewegten ihre Kinnbacken, indem sie ihre offenbare Erregung durch heftiges Kauen von Primtabak zu verbergen suchten. Hier stand mein Mann, zwar etwas bleich, aber fest und entschlossen. Der dicht hinter ihm stehende Steuermann spielte mit seinem Sextanten und loarf nur verstohlene Blicke hinüber. Zuweilen biß er sich auf die Unterlippe, sodaß seine obere Zahnrcihe sichtbar wurde. Alle seine Grimassen konnten jedoch den Ausdruck einer gewissen Genugthuung in seinem Gesicht nicht verbergen. Vorne steckte der Koch sein neugieriges Gesicht zur Kombüsenthür heraus und hinter ihm spähte der Steward um die Ecke, offenbar nicht wünschend, von uns in dieser lauschenden Stellung bemerkt zu werden. „Was wollt Ihr, Männer? Weshalb seid Ihr nach achtern gekommen?" fragte Richard in seinem gewöhnlichen Tone, als er sah, daß die Leute noch immer nicht sprachen. Einer der beiden Matrosen in den Halbstiefeln, Namens Isaak Quill, trat einen Schritt vor. Er ließ seine Arme, die er bis dahin auf der Brust gekreuzt hatte, fallen und sagte:, „Wir sind nach achtern gekommen, um uns zu beklagen, weil das Schiff ungenügend bemannt ist." „Wieso ungenügend bemannt?" rief Richard. „Nach der, Musterrolle haben wir fünf Voll- und zwei Leichtmatrosen und einen Jungen. Dazu kommen noch zwei Freiwächter und ein arbeitender zweiter Steuermann. Wir sind im ganzen dreizehn Mann auf dieser kleinen Bark. Ist das nicht ausreichend? Ich verstehe nicht, was Ihr damit sagen wollt, das Schiff sei ungenügend bemannt." „Das wäre ganz richtig", erwiderte der Matrose trotzig, „wenn die fünf als Vollmatrosen angemusterten Leute auch wirklich alle Vollmatrosen wären. Zwei von diesen können jedoch nicht mehr leisten als Jungens; außerdem haben wir einen zweiten Steuermann, der nicht mit nach oben geht, ir iijii.i in n____r irr-f~i i___m~ -i T .-nnr - i - ~ r ifffi—m ■«—i außer beim Reffen der Marssegel. Wenn aber ein Schiff von dieser Größe nur von drei Vollmatrosen bedient werden soll, dann sage ich als einer von den dreien: Hätte ich das vorher gewußt, so will ich verflucht sein, wenn ich mit dieser Bark in See gegangen wäre." „Ich auch!" erklärte der andere Pankee-Matrose. „Welches sind die nicht genügenden Leute?" fragte Richard. Es erfolgte keine Antwort. „Hört mal, Leute!" rief mein Mann, indem eine leichte Röte sein Gesicht überflog. „Wenn ihr eine begründete Klage vorzubringen habt, werde ich Euch anhören. Wenn Ihr mir hier aber Flausen vormachen wollt, will ich Euchi nur mitteilen, daß Ihr Euch in dem unrechten Schiff für solche Possen befindet. Welches sind die nicht genügenden Leute?" wiederholte er mit erhobener Stimme. „Nun, Jim Snow ist der eine", versetzte der Sprecher der Leute. „Snow, wollen Sie mir weißmachen, daß Sie nicht im stände sind, Ihre Schuldigkeit als Matrose zu thun?" Der Mann antwortete finster: „Ich weiß nicht. Quill und die anderen behaupten es ja." „Haben Sie schon Gelegenheit zur Unzufriedenheit mit diesem Manne gehabt, Herr Heron?" fragte Richard den Steuermann. „Er war der Mann, der damals im Nebel es unterließ, den Ewer zu melden." „Das weiß ich. Aber was ist sonst noch gegen ihn einzuwenden?" „Bis jetzt ist wohl kaum Zeit dazu gewesen, das ausfindig zu machen." „Sie haben ebensoviel Zeit dazu gehabt wie die Leute. Und wenn Sie nichts bemerkt haben und ich nichts bemerkt habe, worüber sollen sich dann Quill und Cutter beklagen?" rief Richard. „Ruft mir Herrn Short hierher, einer von Euch!" Niemand rührte sich; nur der Schiffsjunge, ein großer, strammer, bärtiger Bengel von achtzehn bis neunzehn Jahren legte die Hand an den Mund und brüllte über das Deck hin: „Herr Short, Sic sollen zum Kapitän kommen!" Der Zimmermann trat sofort aus seiner Behausung. Er kaute mit vollen Backen, als ob er plötzlich sein Mittagessen unterbrochen hätte, und zeigte nicht die geringste Ueberraschung beim Anblick der am Fallreep versammelten Mannschaft. „Herr Short", rief Richard, „die Leute beklagen sich darüber, daß einige unter ihnen wären, die ihre Arbeit nicht verständen. Quill behauptet, daß zwei von den fünf Vollmatrosen nichts taugen. So viel ich bemerken konnte, ist einer gerade so gut als der andere. Herr Heron erklärt, noch keine Zeit zu Entdeckungen auf diesem Gebiete gehabt — 94 — Ku haben. Was haben Sie wahrgenommen? Ist diese Aage begründet?" Der Zimmermann blickte erst Herrn Heron, und dann die Leute an und sagte: „Ich bin im Zweifel, ob einige von ihnen viel verstehen." „Nennen Sie die Namen", sagte Richard. „Jim Snow ist einer, nicht wahr, Jungens?" rief Short, indem er sich an die Leute wendete, „und dann ist da noch Dan Cock und Micky Craig." „Jawohl, Herr Short", antworteten die Leute im Chor. Selbst diejenigen, denen der Vorwurf gemacht wurde, daß sie ihr Handwerk nicht verständen, stimmten mit ein. An der Art, wie der Zimmermann die Namen nannte, konnte man sofort sehen, daß er sich im Einverständnis mit der Mannschaft befand. Ein noch schlimmeres Zeichen war es, daß zwei von den drei Männern — der dritte befand sich am Ruder —, die als untüchtige Matrosen bezeichnet wurden , sich diesen Vorwurf ruhig gefallen ließen, ohne dagegen Widerspruch zu erheben, gerade als ob sie ihre Rollen sorgfältig einstudiert hätten. Schon dies allein genügte, um den ganzen Vorgang als eine heimtückische Verschwörung zu kennzeichnen. Das Gefühl für die Standesehre ist unter den Matrosen ein so hohes, daß kein ehrlicher Mann, der sich bewußt ist, seine Schuldigkeit in vollem Maße thun zu können, es sich gefallen lassen würde, von seinen Schiffskameraden in seiner Gegenwart dem Kapitän gegenüber des Gegenteils beschuldigt zu werden, ohne erzürnt und unwillig darauf zu antworten. Richard war sehr blaß geworden. Ein steinharter Ausdruck lagerte auf seinem Gesicht, nnd nichts als das leise Beben seiner Nasenflügel und das Feuer in seinen Augen verriet seinen Zorn. „Wie die Sache angezettelt wurde", sagte er, „weiß ich vorläufig noch nicht. Vielleicht mache ich! es noch ausfindig. Aber ich durchschaue euch, und daher will ich auch kein Wort mehr darüber hören. So, nun geht nach, vorn!" Einer oder zwei von den Leuten machten eine Bewegung, als ob der gewohnte Gehorsam sich! stärker zeigen wollte als diese meuterische Anwandlung ;bie übrigen blieben un-M beweglich!. 1 „Das ist keine Antwort auf unsere Klage", sagte Quill. „Wir haben die Musterrolle für fünf Vollmatrosen unter- schrreben, und jetzt stellt sich heraus, daß wir nur drei sind. Ich werde nicht in einer Wache arbeiten, wo ich der einzige ausgelernte Seemann bin, und da die ganze Geschichte faul ist, bin ich eben hier, um Ihnen sowohl für mich wie für die anderen zu sagen, daß wir die Arbeit verweigern werden, wenn wir nicht unser Recht erhalten." „Euer Recht!" schrie Richard. „Das soll Euch werden, darauf verlaßt Euch. Geht nach vorne jetzt, hört Ihr?" • »Was ist Ihre Antwort?" fragte der Matrose Cutter. „Ei, daß Ihr eine Horde von lungernden Vagabunden seid, eine Gesellschaft von faulen Kanaillen, denen ich eine solche Lehre geben werde, daß Ihr gn Kapitän Fowler denken sollt, so lange Ihr lebt. Das ist meine Antwort!" Richard schrie ihnen diese Worte zu und ballte die Fäuste, nicht im stände, seinen Zorn zu bemeistern. „Ich bin schon mit schlimmeren Männern gesegelt, wie Ihr seid, und habe gesehen, daß sie den Kürzeren zogen. Ich werde and), mit Ihnen fertig werden. Quill! Ich durchschaue Sie!" Er machte eine Bewegung, als ob er sich auf ihn stürzen wollte. „Sie mögen schimpfen und drohen, soviel Sie wollen", antwortete Quill; „all solche Reden sind noch keine Antwort auf unsere Klage." „Was verlangt Ihr denn von dem Kapitän?" fragte Heron, indem er sich zum erstenmal einmischte. Dabei sprach er aber mit völliger Gleichgiltigkeit, die er auch gar nicht zu verbergen bemüht war. „Wir wollen, daß die Bark ihre volle Arbeitsbesatzung erhält", antwortete Quill. „Nun, da müßt Ihr warten, bis ivir nach Sierra Leone kommen", sagte der Steuermann, , der offenbar auch! eine Rolle einstudiert hatte. „Nein, das wollen wir nicht", sagte Cutter. „Wir wollen umkehren. Herr Short ist unser Zeuge, und noch ehe wir die englische Küste wieder in Sicht bekommen, werden Sie sehen, daß wir die Wahrheit gesprochen haben, Herr." „Von Umkehren kann keine Rede sein", erklärte mein Mann zu meiner großen Beruhigung in gemäßigterem Tone. „Nach Sierra Leone sind wir bestimmt und dorthin werden wir auch gehen." „Dann kann die Kajüte das Schiff bedienen; denn verdammt will ich, sein, wenn das Volkslogis es thut", sagte Quill, indem er die Arme übereinander schlug und sich dem Schlingern^ des Schiffes entsprechend hin und her wiegte. „Das sagen Sie! Wir werden ja sehen. Jetzt geht nach vorne !" rief Richard. Cutter schien noch etwas sagen zu wollen. „Geht nach vorne!" schrie mein Mann und faßte nach der Brusttasche seines Rockes. Ob die Leute durch diese Bewegung eingeschüchtert wurden oder nicht, weiß ich nicht; mir kam sie entsetzlich bedeutungsvoll vor. Jedenfalls gehorchten sie diesesmal, gingen in geschlossener Kolonne nach vorne und verschwanden in der kleinen Luke vor der Back. „Wer wird mich, hier verfangen?" schrie der Mann am Ruder, ein Mulatte Namens Dan Cock. „Bleiben Sie auf Ihrem Posten", antwortete Richard, „sind Sie verrückt, Mann?" „Nein, ich kann nicht auf Posten bleiben, ich bin einer von der Mannschaft. Wenn niemand kommt, muß ich das Rad loslassen. Ich muß, Herr! Acht Glasen sind vorbei. Mein Turn ist um. Mit so viel Luvruder fliegt sie recht im Wind, so gewiß ich hier stehe, und dann passen Sie auf die Spieren auf, Kapitän." Indem er dies sagte, that er, als ob er das Rad loslassen wollte. Ich stand dicht daneben und griff in der Meinung, daß er seinen Posten verlassen würde, in die Speich,en. Er trat einen Schritt zurück und starrte mich mit offenem Munde an. Dann rannte er, so schnell er konnte, nach vorn und sprang in die Luke hinab, wie eine Wasserratte in einen Fluß. Obgleich ich schon seit Jahren kein Steuerrad mehr gehalten hatte, so hatte ich! doch früher auf meines Vaters Schiff oft zu meinem Vergnügen gesteuert, so daß es mir jetzt sehr leicht wurde. Jch^ brauchte jedoch nicht allzulange dort zu stehen; denn als der Mulatte ausriß, ries mein Mann den Steward herbei: Er kam aus der Kombüse und näherte sich sehr langsam und mit einem sehr sauren Gesicht. „Geh'n Sie ans Ruder!" „Es ist nicht meines Amtes, zu steuern", rief der Steward ; „dafür habe ich nicht gemustert. Von mir kann man keine Seemannschaft erwarten. Sie können mich nach oben schicken oder mit den Leuten arbeiten lassen, aber Sie können mich nicht zum Steuern zwingen." Ob er hierin recht hatte, weiß ich nicht. Mein Mann drehte sich um und sagte zu den Steuerleuten: „Dars ich irgendwelche Unterstützung von Ihnen erwarten? Ich möchte darüber jetzt gleich ins klare kommen." „Sie haben keine Veranlassung, eine solche Frage zu stellen, Herr. Ich habe mich noch nicht geweigert, einen Befehl auszusühren", antwortete Heron. ' „Und Sie?" fragte Richard, sich an Short wendend. „O", antwortete dieser, indem er sich streckte, ,ich habe gemustert, gewisse Arbeit zu thun, und die werde ich thun. Aber für diese Geschichte habe ich mich nicht verpflichtet, Kapitän, und die Arbeit einer ganzen Schiffsmannschaft werde ich nicht verrichten." „Dann gehen Sie und lösen die Dame am Ruder ab." Short überlegte einen Augenblick; dann drehte er sich kurz um und kam in gemächlichem Schritt auf das Steuerrad zu. Ich schloß mich meinem Manne an. „Herr Heron", sagte Richard, blaß und erregt, als überblickte er jetzt erst den ganzen Umfang und die etwaigen Folgen dieser Angelegenheit, „was für eine Rolle spielen Sie bei dieser Meuterei?" „Gar keine Rolle", erwiderte jener finster. „Wenn Sie auf feiten der Leute stehen, sind Sie gegen mich. Verhält es sich so? Dann sagen Sie es mir gleich." Ich legte meine Hand auf seinen Arm, um ihü zu beruhigen, und fühlte ihn zittern wie vor Kälte. „Sie haben kein Recht, so zu reden, Herr", sagte der Steuermann mit leiser Stimme. Mein Mann sah ihn ein paar Sekunden lang an, ohne zu sprechen; dann befahl er ihm mit veränderter Stimme, nach achtern,zu gehen und die Nationalflagge mit der! Union nach! unten art der Gaffel aufzuhissen. Indem er diesen Befehl gab, bückte er sich-, um unter dem Unterliek des Großsegels hindurch die See zu überblicken. Dann suchte er den - 95 — Horizont zu Luward ab. Es war nichts in Dicht. Ich wagte nicht, ihn anzureden. Seine Unruhe und Sorge spiegelten sich so lebhaft in seinem Gesichte wieder, daß ich es kaum übers Herz brachte, ihn anzuschauen. (Fortsetzung folgt.) Der Nicaraguakanal in technischer und wirtschaftlicher Beleuchtung. Von Dr. I. Wies e. (Nachdruck verboten.) Der Gedanke, an irgend einem geeigneten Punkte in Mittelamerika einen interozeanischen Kanal herzustellen und so die riesige Felsenmauer, die sich vom nördlichen Polarmeer fast bis in die eisigen Gewässer des antarktischen Ozeans erstreckt, zu durchbrechen, ist seit den Zeiten der Entdeckung Amerikas stets und stets wieder ausgesprochen worden. Es lag allzunahe, daß man nicht immer wieder darauf zurückkommen sollte. Aber die Spanier, welchen Mittelamerika gehörte, dachten nicht an die Ausführung großartiger Pläne und noch weniger ihre Nachfolger, die kleinen zentralamerikanischen Republiken. Es ist ein Verdienst von Alexander von Humboldt, dem besten Kenner mittelamerikanischer Verhältnisse, daß er nachdrücklich auf das mittelamerikanische Kanalprojekt hinwies, und seitdem hat die Lösung des großen Problems zahlreiche tüchtige Männer, aber auch viele Jndustrieritter und Abenteurer beschäftigt. Nicht weniger als zwanzig verschiedene Projekte sind nach und nach in Vorschlag gekommen, unter denen die Benutzung der beiden großen Landseen in Nicaragua eine hervorragende Rolle spielte. Nach den letzten bekannten Beschlüssen der gesetzgebenden Körperschaften der Vereinigten Staaten von Nordamerika kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß das Nicaraguakanälprojekt, für das man sich in der Union schon seit 1848 lebhaft interessierte, zur Ausführung kommen und somit ein gewaltiges Kulturwerk, gleich bemerkenswert nach der technischen wie wirtschaftlichen Seite, in nächster Zukunft geschaffen werden wird. Skizzieren wir zunächst nach dem von der Jsthmus- Kanalkommission eingereichten Bericht die technischen Grundlagen, die zur Annahme einer Bill betreffend die Genehmigung des Baues führten. Der Kanal beginnt bei Grehtown am Karaibischen Meere, nördlich der Mündung des Flusses San Juan in dasselbe, und wird bei Brito (San Juan del Suo) in den Stillen Ozean münden. Die Gesamtzahl der Schleusen ist nach dem von der Kommission dem Kongreß unterbreiteten Material auf sechs beschränkt worden, die einen Höhenunterschied von 33,5 Meter überwinden sollen; eine Schleuse soll allein 13,7 Meter Gefälle überwinden. Von den Thalsperren, die auszuführen sind, soll die im Thale des Rio Grande eine Länge von 640 Meter und eine Höhe von 25 Meter erhalten. Die Fahrzeit für Dampfer wird auf der 273 Kilometer langen Strecke, von der allerdings nur eine Strecke von 46 Kilometer förmlich auszugraben ist, bei einer Durchschnittsgeschftiindigkeit von neun Kilometern in der Stunde etwa 30 Stunden betragen. Während die Kosten eines Kanals über die Panamalandenge je nach der gewählten Strecke auf 156 378 258 Dollars zu veranschlagen wären, werden die Kosten des Nicaraguakanals auf 200 540 000 Dollars geschätzt; doch werden sie, wie bei allen solchen Bauten, zweifellos bedeutend höher zu stehen kommen. . 1 | ;' ,i i.•. |'! r.. |4| Der Bau des Kanals wird ungeheure technische Schwierigkeiten bieten. So müssen, um nur einige Hervorzuheben, drei künstliche Seen geschaffen werden, welche durch Aufstauung dreier von Norden kommenden Kordillerenflüßchen gebildet werden sollen. Zur Bildung dieser Seen sind 19—24 Kilometer Dämme von 30—60 Meter Höhe erforderlich; das Material dazu, gegen 7 Millionen Kubikmeter Thonerde, muß zum Teil aus weiterer Entfernug herbeigeschafft werden. Der obere San Juan tritt als wasserreicher, 240 Meter breiter Strom beim Fort San Carlos aus dem 33 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Nicaraguasee. Das Flußbett ist jedoch flach, durchschnittliche 3 Meter tief, und wird von vier Stromschnellen unterbrochen, deren Passage bei niedrigem Wasserstande stromaufwärts selbst sür die kleinen Flußdampfer, die ihn heute befahren, unmöglich ist. Um dem Strom nun die genügende Tiefe zu geben, soll bei Ochoa, unweit der Mündung des von Süden kommenden Nebenflusses San Carlos, ein gewaltiger Staudamm errichtet werden, der weit über eine Million Kubikmeter Steine erfordern wird. Seine Anlage wird sich sehr schwierig gestalten, da eine Ableitung des San Juan während des Baues unmöglich ist. Da der Untergrund nicht aus Felsen besteht, so ist es fraglich, ob der Damm den furchtbaren Druck des . Stromes aushalten wird. Durch diese Aufstauung würden zwei der Stromschnellen unschädlich gemacht werden, bei den übrigen sind Sprengungen von Felsen unter Wasser notwendig. Sonst erfordert der Strom, der etwa 111 Kilometer als Kanal benutzt werden soll, nicht wenige Regulierungsarbeiten, hauptsächlich in der Nähe des Sees, wo im Strombett ungefähr dreieinhalb Millionen Kubikmeter Fels uud acht Millionen Kubikmeter lose Stoffe fortzuräumen sind. Im Nicaraguasee soll der Kanal am Grunde mindestens 90 Meter breit werden. Da die Böschung der Wände unter Wasser in dem morastigen Sande noch weit flacher sein muß, als auf dem Lande, so sind gewaltige Massen auszubaggern. Ein wunder Punkt das ganzen Nicaraguakanalprojekts ist die völlig unzureichende Beschaffenheit der beiden Häfen Grey- town und Brito, die wegen der stets drohenden Versandung durch Sand- und Schlammmassen je zwei gewaltige Dämme erhalten müssen. Aber selbst wenn diese ungemein schwierigen technischen Hindernisse dank des gewaltigen Fortschrittes der Mechanik und Naturwissenschaften beseitigt sind, so droht dennoch dem fertigen Kanal eine Gefahr, die die Amerikaner in ihrem Jmperialismustaumel zu unterschätzen scheinen. Autoritäten auf diesem Gebiete des Wissens, wie der französische Geologe Marcel Bertrand und der amerikanische Geograph Professor Heilprin haben nämlich aus dem Studium der vulkanischen Erscheinungen, die sich im Nicaraguasee abgespielt haben, den Nachweis geliefert, daß sich die vulkanische Thätigkeit in Mittelamerika allmählich immer mehr nach diesem Bezirk hin verlegt. Diese Thatsache wird dadurch bestätigt, daß die Vulkane von Guatemala erloschen sind, während sich in Nicaragua neue Vulkane gebildet haben. Die vulkanische Thätigkeit scheint demnach von Nord nach Süd vorzurücken und gerade den Nicaraguasee zu bedrohen, der vielleicht in nicht allzuferner Zeit der Schauplatz eines ungeheuren Zusammenbruches werden wird, wie er um 1 : Mitte des vorigen Jahrhunderts im Golf von Fonseca auf dem Gebiete von Honduras eintrat. Auch ist durch die von den Ingenieuren und Hydrographen der Nicaragua- Kanal-Kommission von 1897—1899 gesammelten Beobachtungen festgestellt, daß der See während der letzten 25 bis 30 Jahre ganz merklich zusammengeschrunrpft ist, und dieser Verlust an Ausdehnung und Wassermenge scheint beständig fortzuschreiten. Bei den letzten zuverlässigen Messungen hat sich ein Sinken des Wasserspiegels um nicht weniger als 20—30 Fuß ergeben, was bei der gewaltigen Ausdehnung des Seebeckens eine ganz außerordentliche Wasserabnahme bedeutet. Auf den ersten Blick erscheint ja dem Laien die Idee einer Durchstechung des amerikanischen Kontinents sehr verlockend, und er malt sich gewiß eine ungeheure Ablenkung des internationalen Verkehrs von anderen Routen nach dieser Wasserstraße aus. Zweifellos spielt bei diesen Erwartungen der Vergleich mit der außerordentlichen Einträglichkeit des Suezkanals mit. Ein solcher Vergleich ist jedoch unzulässig. Der Suezkanal hat keine Eisenbahnkonkurrenz und war ein absolutes Bedürfnis, welchem auch heute noch keine andere Verkehrslinie entspricht. Ganz anders der Kanal durch den amerikanischen Isthmus. Dieser wird die Konkurrenz von einem ganzen Dutzend transkontinentaler Bahnen zu bestehen haben, und selbst die Panamabahn würde, beide Umladungen inbegriffen, Frachtsätze bieten, welche hinter den niedrigsten Passierabgaben zurückbleiben würden, mit denen ein isthmi.scher Kanal sich bescheiden könnte. Auf eine Ablenkung des englischen Verkehrs mit Ostasien nach dem amerikanisch-isthmischen Kanäle wäre schon gar nicht zu rechnen; denn selbst nach Yokohama — von Hongkong und Kalkuta gar nicht zu reden — würde die Reise durch den isthmischen Kanal um 800 englische Meilen länger sein als die durch den Suezkanal. Es ist charakteristisch, daß das amerikanische Staatsbureau für Statistik, welches noch vor zwanzig Jahren den wahr- — 96 - schcinlichen Jahresverkehr eines isthmischcn Kanals auf 1650 000 Tonnen berechnete, vor einem Jahre mit seiner Schätzung bis auf eine Million heruntergegangen ist und heute trotz der inzwischen durch den spanischen Krieg gewachsenen Beziehungen Amerikas mit Ostasien erklärt, auch diese Schätzung nicht mehr aufrecht erhalten zu können. Wenn trotz dieser Erwägungen dennoch die große Schranke, welche zwei Ozeane von einander trennt, fallen soll, so müssen für den Bau des interozeanischen Kanals andere Gründe maßgebend sein. Tas ist denn auch der Fall, wie folgende Zahlen zeigen mögen. Die Entfernung von Liverpool nach dem Osthafen des Kanals würde 4780 englische Meilen betragen, die Entfernung von Hamburg aus 5127 Meilen. Der Kanal selbst soll eine Länge von 169 Meilen haben, und von dem Westhafen des Kanals beträgt die Entfernung nach Valparaiso 2807, nach Yokohama 7020 Meilen. Für den Dampferverkehr von Liverpool nach San Franzisco würde die Wegeersparnis durch den Nicaraguakanal auf 5867 Meilen zu berechnen sein. Der gegenwärtige Weg beträgt rund 13 500, der zukünftige nur etwas über 7600 Meilen. Von Liverpool nach Yokohama beträgt heute der Weg um das Kap der guten Hoffnung 14 505 englische Meilen, durch den Nicaraguakanal würde er auf 11947 Meilen, also um 2558 Meilen verkürzt werden. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse natürlich für Hamburg. Einen unmitelbaren materiellen Wert hätte der Kanal für die europäischen Häfen vorwiegend in Bezug auf den Verkehr mit der Westküste von Amerika; mittelbar käme aber die Verschiebung der Konkurrenzverhältnisse sowohl in Ostasien wie anderwärts in Betracht; die Position der Vereinigten Staaten von Amerika würde durch den Kanalbau in jeder Hinsicht unendlich gebessert werden. Die Entfernung von Newyork nach dem Osthafen des Kanals beträgt 2060 Meilen, die Distanz von San Franzisko nach dem Westhasen 2700 Meilen. Der Seeweg von Newyork nach San Franzisco, der um das Kap Horn herum gegen 15000 Meilen beträgt, würde also auf ein Drittel reduziert werden. Im Verkehr der Segelschiffe von Newyork nach Aokoharna, der heute um das Kap der guten Hoffnung stattfindet, würde eine Ersparnis von 6000 Meilen eintreten. Es wird sich aber auch ein bedeutender Verkehr zwischen der Ostküste Nordamerikas und der Westküste Südamerikas entwickeln. Schon jetzt beträgt der Warenumsatz zwischen den Häfen der Vereinigten Staaten, West-Indiens und den vom Karaibischen Meere bespülten Ländern jährlich ungefähr 500 000 Tonnen. Der Kanal wird sofort als weitere Absatzgebiete das Innere und die.Westküste Mittelamerikas, die Staaten von Columbia, Ecuador, Bolivia, Peru und Chile hinzufügen. Alle diese Länder sind noch unentwickelt und stehen auf der Agrikulturstufe; alle besitzen bestimmte Monopolnaturprodukte, und überall herrscht Nachfrage nach den Fabrikwaren und dem Petroleum der Vereinigten Staaten. Für den zukünftigen Handel und die-Entwickelung Amerikas wird der neue Kanal zweifellos von hoher Bedeutung sein, was der Suezkanal für den Handel der östlichen Halbkugel gcthan hat, das wird in gleicher Weise der vom Nicaragua für den Handel der westlichen Halbkugel thun. Die übertriebenen Hoffnungen der Amerikaner auf Ablenkung des europäischen Verkehrs mit Ostasien vom Suezkanal wird er natürlich nicht befriedigen, sondern nur die durch die Natur ohnehin bevorzugte Stellung Amerikas im ökonomischen Wettbewerbe der Nationen mehr zur Geltung bringen. Vom ideellen Standpunkte aus kann der Bau des Kanals nur gewünscht werden; die Hindernisse, welche bei der Bildung der Erdrinde dem Welthandel in den Weg gelegt worden sind, würden damit iviederum um ein großes Stück vermindert worden sein, und von neuem würde ein Sieg des menschlichen Geistes über die ihm zuerst unbezwingbar erscheinenden Mächte der Natur gefeiert werden können. Gemeinnütziges. Die Gute Luise. Direktor Häckel in Crossen a. O. erörtert in Nr. 6 des praktischen Ratgebers die Frage, welche Birnsorte die empfehlenswerteste ist. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, die beste aller Birnen, die nahezu unter allen Verhältnissen und in jedem Klima gedeiht, sei die Gute Luise vou Avranches. Nach! Häckels Meinung ist die Gute Luise unter den Birnen etwa dasselbe, ivas unter den Aepfeln die Wintergoldparmäne ist. Die Obstzüchter werden aufgefordert, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Weidenkätzchen im Topfe. Es ist eine anmutige Spielerei zu jetziger Jahreszeit, wenn man sich Zweige von Weiden, namentliche die Trauerweide (Salix babylonica), im Wohnzimmer in einen Blumentopf setzt, dessen Erde man feucht hält. Die Reiser schlagen sehr rasch Wurzeln, treiben bereits nach einigen Tagen, entfalten Blätter vvm zartesten Grün, und strecken die lieblichen Kätzchen dem Lichte entgegen. (Entnommen dem „Prakt. Wegweiser", Würzburg.) Aür die Küche. Pfefferfleis ck (vorteilhafteste Resteverwendung). Um Suppenfleisch auf vorteilhafte Weise schmackhaft zu verwerten, sei der Hausfrau folgendes oft erprobtes Rezept empfohlen: Man bereitet aus Butter und Mehl eine braune Mehlschwitze, löscht mit kaltem Wasser ab, füllt mit heißem Wasser auf, würzt mit Salz, Pfeffer und Essig und mit einem Lorbeerblatt und läßt die Sauce lange kochen (braune Sauce wird durch langes Kochen schmackhafter). Das Suppenfleisch wird in nicht zu kleine Würfel geschnitten und der Sauce beigegeben. Hat man übrige Bratensauce, so kann man sie der Sauce beigeben. Mit einem Theelöffel Maggi's Suppenwürze im Geschmack gekräftigt, erhält das Gericht einen besonders angenehmen Geschmack. Zu Klößen, Spätzle oder Reis gegeben, ist das Fleisch immer ein willkommenes Gericht, und können, bei richtiger Zubereitung, die wenigsten das Fleisch! als Restespeise erkennen. A. R. Sch. Litterarisches. Kinder«Zei1ung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 20. Was in der Welt vorgcht: Gewaltige Stürme; Deutsche Schiffe im Atlantischen Ozean; Kaiser Wilhelm englischer Fcldmarschall; In China; Wie sieht es bei den Buren aus? „König von Arabien"; Hungersnot in Indien; Neues aus Kanada; Ein berühmter Komponist gestorben; Willkommener Schnee; Ob es wahr ist? Unvorsichtigkeit mit dem Gewehr. Aus dem Reiche der Natur: Der Beobachter in Wald und Feld: Ein Winterspaziergang. „Das geheimnisvolle Haus" (Forts.). Buschfeuer in Australien. Erlebnisse. Briefwechsel. Anzeigen. Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75. Buchstabenrätsel. Nachdruck verboten. Kopflos war es unfern Ahnen Heilig einst in alter Zeit. Sechsmal anders wird sich's zeigen, Wenn man Köpfe ihm verleiht. Alle haben's; mancher wünscht auch, Daß es nicht beschert ihm sei. — Dann springt's munter durch die Felder, Bis es trifft des Jägers Blei. — Dann erfreut es uns're Augen, Schmückt es üppig grün die Flur. — Dann crfreut's den Wüstcnwand'rer, Findet er dahin die Spur. — Dann schmückt's Gärten, Treppen, Hallen, Oft ein Werk von Künstlerhand. — Schließlich wird's uns Wohlgefallen, Denn es ist mit uns verwandt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skataufgabe tu voriger Nummer: Kartenvertcilung: B. aK, D, 9, 8, 7; blO, D, 9; clO, D. M. a, b, oB, bK, cK, dA, 10, K, D, 9. H. dB, aA, 10; b8, 7; c9, 8, 7; d8, 7. Skat: bA, cA. Spiel: 1. B. a7, cB, aA (— 13). 2. M. bK, b7, blO. 3. V. »8, bB, alO (— 12). 4. M. dK, d7, aK. 5. V. a9, aB, dB (— 4). Die andern Stiche nimmt der Spieler. Entscheidend war es, daß M im zweiten Stiche korrekter Weise bK anzog. Hätte M, entgegen der Regel,, lange Farbe angebracht, mußte der Spieler verlieren. Redaktion: «. Burkhardt. - Druck mrd Strlag der Brühl-schm Uni»erfität«-Buch. tmb Steindruckerei (Pietsch «den) in «eß«.