Nr. 131 1901 H UntechMnMM M MchmerKnMr GmmlAMßch imw® ISE' T^hö.6e,'”'au»it..H?Noi i. .61 den ihre beiderseitige Liebe ihr gab,. ' ...... ' * Held, der als Untersuchungsrichter jederzeit Zutritt zu !bem Gefangenen hatte, nahnr sich nicht einmal Zeit, zuvor -in seine Wohnung zu gehen; er schlug, in der Stadt angenommen, sofort den Weg nach dem Gerichtsgebäude ein, 'in welchem Werner Aufnahme gefunden hatte. v Wie aber war Held erschüttert, als er dem' Forstmeister 'gegenüberstand. Was war während einer kurzen Nacht und Den vorhergehenden bösen Tagen aus dem bis dahin so strammen, reckenhaften Männe geworden? Seine Gestalt gebeugt, als brückten ihn schwere Lasten nieder. Sein schönes, volles, blondes Haar zeigte an den Schläfen helle Stellen, und sein Gesichtsausdruck war müde und schlaff, wie der eines schwer' Kranken. Held trat mit einigen hastigen Schritten auf ihn zu und faßte die bewegungslos herab- hängenbe Rechte des Unglücklichen. - „Fassen Sie Mut, lieber Freund", redete er ihn an, ■„iveitn ich nicht irre, beginnt es zu tagen," 7 -■ z.- Ter Forstmeister hob' müde den Blick zu ihm 'empor'. 'Wer Mochte es ihm verdenken, wenn er den Glauben an eine glückliche Wendung verloren hätte, wo alle Umstände zusammentrafen, ihn immer tiefer zu verstricken. Wie hatte er nun schon darüber nachgesonnen, Tag unds Nacht. Er hätte sein Hirn 'angestrengt, bis es brannte und die Gedanken sich ihm zu verwirren änfingen. Umsonst, er fand keinen lichten Punkts der ihn aus diesem Dunkel hinausführte, sah keinen Ausweg aus dem Labyrinth, in das ihn eine -unglückliche .Verkettung von Umständen geführt. NMn hob' er für einen Augenblick die müden Lider von den brennenden Augen, die keine Ruhe int Schlafe finden konnten, dann fielen sie wieder schwer herab'. Es war die äußerste Mutlosigkeit, die über ihn gekommen; in diesem Augenblick erschien es ihm auch' fast gleichgiltig, auf was sich! die neue Hoffnung Helds gründete, sie würde ja doch' zu nichts' führen, Held ständ fast ratlos diesem Urbild des Jammers gegenüber. Sö konnte das Unglück einen Menschen zusammendrücken. Endlich aber raffte er sich! auf, er hielt es für seine unabweisbare Pflicht, Werner aus dieser starren Gleich^ giltigkeit aufzurütteln. Aber er mußte vorsichtig mit dem Unglücklichen umgehen; wie man ein zerbrochienes Gesäß sanfter anfaßt als ein unversehrtes, so hieß es auch hier, den vollständig gebrochenen Mann mit zarter Hand ergreifen, daß er sich wieder zusammensinde, „Lieber' Freund", sägte er nun Mik möglichst 'ruhiger Und eindringlicher Stimme, „nehmen Sie sich einmal recht 'zusammen, um mir einige Fragen, die ich an Sie zu stellen habe, ohne sich von Ihren trüben Gedanken allzusehr be- cherrschen zu lassen, beantworten zu können." Werner sah ihn nun doch mit einem neugierigen Blick an, »Fragen Sie", bat er/ T „Von jener Flinte, die bei dem Attentäk äuf den Stääts- "änwält benutzt ist, haben Sie mir bereits gesägt, daß Sie dieselbe bisher noch nicht vermißt hatten, der Zeitpunkt, 'wann Ihnen dieselbe entwendet wurde, sich also nicht fest- ! stellen läßt. Nun hat heute Ihre Frau Gemahlin auf meine 'Veranlassung Ihre Garderobe einer Durchsicht unterworfen und dabei die Entdeckung gemacht, daß einer Ihrer kurzen 'Jagdröcke fehlt, und zwar einer, der von Ihnen schön seit ! längerer Zeit nicht mehr ch'enutzt ist. Nun wollte ich Sie fragen, haben Sie denselben fortgegeben, öder wissen Sie nnir sonst über den Verbleib desselben etwas zn fagen?"- Das schien Werner nun wieder eine Enttäuschung, Was chatte dieser Rock mit dem Uebersall auf Mohrmaun zu thun? i Wollte man damit neue Verdachtsgründe gegen ihn hervör- ! suchen? Der tim gespannt beobachtende Held, bekam nichts, als eist fast unwilliges Kopfschütieln. -„Ich weiß nichts davon", fügte Werner alsdann noch hinzu. -„Besinnen Sie sich, Herr Forstmeister. Wie ich Ihnen? bereits sagte, scheint mir, als wenn sich an das Verschwindeck tzes/Rockes .eine Spur zur Auffindung des. Thäters. knüpfte,^ Nun kam etwas Leben in die Gesichtszüge Werners.- „Sie glauben?"- fragte er, und seine Augen sprühten auf.* »Ich hoffe", antwortete Held> „doch! urteilen Sie selbst.. Sie erinnern sich, daß ich Ihnen ausgab', darüber nachzu- denken ob Ihnen nicht eine Persönlichkeit bekannt ist, die in} Körpergröße und- Haltung einige Aehnlichkeit mit Ihnen hat/ die bei der damals herrschenden Dunkelheit wohl eine Ver- wechsluug mit Ihnen gestattete. Ich -nehme, ast, Rock nnds Flinte sind mit Vorbedacht Ihnen zu dem Zweck gestohlen/ um Sie jenes Ueb'erfalls. verdächtig zu machest. Ich kaust mich ja irren, aber immerhin, für mich hat diese Ansicht! sehr viel Wahrscheinlichkeit, Doch hören und urteilen Sie, dann selbst. Also irgend eine uns stoch unbekannte Persönlichkeit— nehmen wir einen Wildfrevler 'an —. Karsten wärst wohl davon auszuschließens denn einmal hat er sein Alibi, zur Zeit, der That nnzweiselhäst bewiesen, und zweitens! ist seine Figur nicht leicht mit der Ihrigen zu verwechseln.-, Also jener uns noch Unbekannte will sich', an Ihnen und vielleicht auch an Mohrmann rächen. Was paßt ihm dck besser, als daß er den -ersteren niederschießt und Sie in deck' Verdacht der Thäterschast bringt? Sie beide sind für längere} Zeit unschädlich gemacht und haben, nach, feilt er Ansicht, eine} empfindliche Züchtigung erlitten, die Sie für die Zukunft' vielleicht nachsichtiger sein' läßt. So denkt jener und hast danach feinen Plan ausgeführt. Um nun aber auch sicher deck Verdacht auf Sie zu lenken, dazu gebrauchte jener Ihren! Rock und} Ihre Flinte. Denn wäre es ihm nur barunt zck thun gewesen, seine eigene Person gegen Verdacht zu sichern-} so brauchte er sich ja nur sonst unkenntlich zu machen, oder MöhrmastN aus irgend einem Versteck heräus niederzu-i Sjen. Aber nein, er erweckt erst dessen Aufmerksamkeit fein lautes, rasches Hinterihmhereilen, so daß sich! Mohrmann nach ihm umwenden muß!, und in dem Glauben/ Sie seien} es, Herr Forstmeister, stehen bleibt, um Sie zus erwarten und dann als Antwort auf.seine Frage: „Sie/ Herr Forstmeister?" den Schuß empfängt., Aber jener Urrst bekannte mutz gut Bescheid gewußt haben in Ihrem Hause,-' daß 'er alle Umstände auszunutzen verstanden hat; mir will scheinen, als wäre jener Rothaarige der That nicht allzu- fern; wüßtest Sie niemand mit dieser Persönlichkeit in Beck ziehung zu bringen?" Werner schüttelte den Kopf. „Sie gehen Wohl zU weit,- Herr Amtsrichter, Die Räche gegen mich wäre mir nicht sol unglaublich' Zr aber zugleich auch gegen den Staatsanwalt? Das scheint mir doch ein wenig zweifelhaft." „Nicht so gaNz, ivie Ihnen scheint, Herr Forstmeister/ Wenn ich mich nur des ersten Tages meiner hiesigen Atntss thätigkeit erinnere, wo Sie beide gegen Karsten und deck Forstläufer Schwarz die Anklage wegen Wildsrevel aufrecht zu erhalten bestrebt wären. Glauben Sie, daß das bei benj- beiden nicht böses Blut gesetzt hat? Nun will ich! zwar nicht behaupten, daß einer von diesen beiden die That ausgeführt hat, obgleich auch! das noch nicht ausgeschlossen ist, ctlleutl könnte nicht eine ähnliche Veranlassung auch bet einem, andern vorliegen, öder ein dritter im Auftrage jener Seibert! die Ausführung übernommen haben?" »Herr Gott!" ries Werner fast laut, „daß ich bar an Noch, gär nicht gedacht habe! Aber ich war so niedergedrückt vöck dem ans mir ruhenden Verdacht und dem häßlichen Geklatsch/ das sich zugleich in meine intimsten Familienangelegenheiteck drängte, daß mir die Schärfe logischen Denkens fast gänzlich- verloren gegangen istch „ „ „ „Nun hören Sie Seifer. Ich Nehme art', daß die Persock/ welche die 'That vollführt hat, so ziemlich einer Größe mch Ihnen war. Mein Verdacht lenkt sich dabei auf den Bes gleiter Karstens an jenem!Tage. Und ich glaube ferner nta)fi zu irren, wenn ich in bient Verbrecher auch zugleich bett!, Urheber und Verbreiter jener böswilligen Gerüchte verck mute, die nur zu dem Zwecke in Umlauf gesetzt wurden, um die .That als einen Ausfluß der Eifersucht von Ihrer Seite; hinstellen zu können." DerForstMetster wär in Völler Erregung äufgesprung'en/ Helds beide Hände ergreifend, rief er fast laut: „Sie habeckrecht, tausendmal recht, so ist es und nicht anders! O, nut® wird mir alles klarst Und wissen Sie, wer jener Rothaarigs, ist? M ist Schwarz, der ans meinen Antrag! von, W W —«• 523 •™* - fetzte itnä bock tnir Wegen FörMevels Mitangeklagte MarstenK Tie Figur paßt so! zieinlich, zwar etwas kleinert Md« weniger korpulent als ich. Aber immerhin wäre in der Dunkelheit eine Verwechslung mit mir, zumal sich! der Mann -zu seinem! verruchten /Zwecke auch! noey einen blonden Voll- bart zugelegt hat, gar nicht f» unwahrscheinlich. Um nun -noch aus den von meiner Frack als nicht vorhanden bezeichneten 'Jagdrock zurückzukommen, so weiß ich jetzt be- Mmmt, daß! dieser am Tage vor dem Attentat Noch Vor-!. .Händen war. Ich hatte ihn zufällig statt eines.' änderen ^ergriffen unds ihnchabei einer Prüfung unterzogen.- Tann /hatte ich den Kock in den -Schränk zurückgehängt und' zwar ßgleich vorn än die Hakenreihe, so daß ich! ihn gleich ' zur 'Hand hatte; denn ich hatte mir vorgeuoinmen, ihn einem älten, armen Holzfäller zu schenken, der in den nächsten Tagen kommen würde, seinen WiochenlohN zu holen; daher isi es erklärlich, daß gerade dieser Rock jemanden, der daraus /ausging, sich/zu dem gedächten Zwecke eines meiner Klei- hnngssiückö zu bemächtigen, sofort in die Hände fiel." „Sie hatten' die .Gewohnheit, Ihren Garderobeschrank Nicht zu .verschließen, Herr ForstNieister?" „Nein, ich habe ehrliche Leute im Hause, und! der Schrank mußte ihnen' zur Reinigung der Garderobe zugänglich sein." „llnd wie. erklären. Sie sich den Vollzug der beiden Diebstähle?" >'' ‘ ■■ 1 r ■ • 1 „Ich kann nur anttehmen, daß diese durch .Einsteigen in Has nicht allzu hoch gelegene Parterrefenster' erfolgten," „Erinnern Sie sich vielleicht, daß äbends die Fenster ZN diesen Zimmern vffenstaNden?" „Sog'ar mit voller Bestimmtheit, sie bleiben stets bis. spät abends offen. Außerdem habe ich/ wachsame Hunde, lern Fremder würde kaum unbehelligt das Haus betreten können. Schon allein aus diesem Grund ist änzunehmen, daß jene Person, welche den Diebstahl .Vollführt hat/auch Meinen Hunden kein Fremder war," „Und IHV früherer Forsthütex wär den Hunden begannt ?"• „Ich er hatte vor ferner Versetzung, wie das ja' sein Dienst mit sich brachte, häufig mein Haus betreten und sich bä'mals sehr gut mit den Hunden gestellt; ich! hielt ihn für einen großen Tierfreund.. Wer", setzte nun Werner wieder mutlos hinzu, >,wie wällen Sie den Menschen üb'er- führen, der scheinbar alles so gut vorbereitet hat, um die Spur seiner Thätigkeit zu verwischen, das alles sind doch Nur Vermutungen, die vorläufig'nur wir zwei teilen, so viel Wahrscheinlichkeit in meinen Augeck diese Vermutungen auch haben. Etwas anders dürfte die Angelegenheit sich stellen, wenn nachgewiesen werden könnte, daß Scharz an jenem Tage hier am Platze gewesen ist," " V »Tas zu erforschens Herr Forstmeister, soll meine nächste Aufgabe sein; noch heute abend wird ein Telegramm an /einen mir bekannten Privatdetektiv in B; . abgehen, das diesen unverzüglich'hierherruft; ich werde ihm dann die erforderlichen Mitteilungen machen /- und ist irgend /etwas auszuspähen — er bringt es fertig. Gedulden Sie sich /also und verzweifeln Sie nicht, wenn sich die Sache etwas in die Länge ziehen sollte, es heißt mit Vorsicht zuwege gehen, aber verlassen Sie sich darauf, es geschieht währenddem alles, um den schmählichen Verdacht von Ihnen zu Nehmen^/ v ' ; . (Fortsetzung folgt.j/ - Bob und Dolly. ' , Eine Manövergeschichte von Alwin Römer'.- ' (Nachdruck verboten.) „Es dauert Nbchj eine Viertelstunde, Heinrich!" sagte Leutnant Arno von Eschenbvrn, der soeben eine Unterredung Mit dem Bahnhof-Inspektor gehabt hatte. „Zugverspätung! Wre gewöhnlich! Ich glaube. Du gehst nun mit dem Kroppzeug heim. ist hier so windig, und sie find die Luft noch zu wenig gewöhnt! Bob, jaule nicht, Lummes Vieh! Na, und dann sag' Deinem Vater nochmals, daß er die Alte ordentlich pflegt, damit sie uns nicht eingeht, nicht wahr? .Es grebt 'auch ein Extratrinkgeld, wenn ich wiederkomme! Dolly'! Komm, .gieß' Pfötchen! Fix, fix! Was, Du willst beißen? Pfui, schäme Dich kleines Scheusal! 8 Wien, Hemrichw- - Wdjech, Herr Leutnants äniivortete prompt der halb- wuchsige Bursche, dessen Vater die Pflege der Hundefamilie des Leutnants übernommen hatte,- so lange dieser, im. Manöver wär/ -,-,Und ich will schon/ MeK richtig besorgest. W können Sie ruhig drüber sein!" ' - ■ „Bin ich auch!" erklärte Eschenborn Und sah dem am, ziehenden .Heinrich, der Bob und Dow mit ein paar geschickten Griffen, chnf .seiM..Urme genommeck hatje^ beinahe zärt-i sich nach, i' ' / ' , j!/ / //- / ■' ; / Er wär ein Hundenarr, wre andere Pscrdenärren waren. Und er konnte nicht einmal etwas dafür. Es' war erbliche Belastung, wie die Narrheit so oft. Seine Mutter hatte eine ganze Sammlung, natürlich nur reine Rassen, wie die liebe Hundenarrheit das einmal zum ersten Gesetz gemacht hat! Ihre schönste Foxterrier-Hündin aber hatte sie dem Sohne geschenkt, als er sie,Weihnachten überrascht hatte. Sie war ein Prachtexemplar/schön weiß 'und braun gefleckt, wie eilte halbreife, wilde Kastanie, und tadellos ihr nächst geraten wären Bob und Dolly, ihre munteren Sp'rößlinge. Enthusiastisch hatte er seinerzeit das wichtige Ereignis der Mutter gemeldet, und noch vor dem Aufbruch zum Manöver war er mit dem drolligen Kleeblatt in ein photographisches Atelier gepilgert, um zum bevorstehenden Geburtstag der „lieben/Alten daheim" ein getreues Konterfei von sich und „seiner Familie"- absenden zu können.- ■ ./< „Seine Familie!" hatte der lange Hägenfeld sie .ge- taust, als' er sich einmal hinterlistig in den Stall eingeschlichen hätte und dort Heimlich Zeuge von der zärtlichen Sorgfalt geworden wär, mit der Eschenborn die Mutter und ihr kleines Volk pflegte. Und „seine Familie" wär seitdem im Kasino Und dessen Anhang in jenen Wortschatz aufge- NomMen worden, aus dem man die allerliebsten, kleinen Neckereien schöpfen kann, die ein Uneingeweihter niemals merkt, die. er im Gegenteil arglos für bare Münze nimmt und gelegentlich ernsthaft .und ahnungslos, einem Trieb der Höflichkeit oder gär der Teilnahme folgend', dem er-, staunten Opferlamm gegenüber felbst anwendet, was' natürlich den anderen ein unglaubliches Vergnügen bereitet. „Seine Familie", hätte damals nicht recht still gehalten. Bob hatte nach einem wütenden Angriff anf das hölzerne Bein des Apparat-Stativs einen Flankenausfall auf die Unaussprechlichen des Photographen gemacht und nachher, als die Geschichte endlich so weit wär, durch Knurren und Schwanzwedeln den künstlerischen Wert der Aufnahme sehr in Frage gestellt. Im zweiten Manöver-Quartier war auch schon eine Karte vom Photographen eingetroffen, nach der eine neue Sitzung unbedingt erforderlich sei. Und so hatte denn Leutnant von Eschenbvrn, zu jedem Opfer für „feine Familie" bereit, den ersten Ruhetag benutzt und war in die Garnison gefahren, obwohl sie nicht gerade in der Nähe von Hem hlten Nest gelegen hatte. Wie Eschenbvrn jetzt den Blick von Bob und Dollh wandte, gewahrte er zu seinem Entsetzen die drei Töchter des Rentiers Mühlenbrecher, reiche, aber süßlich kokette Geschöpfe, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatten, harmlosen kleinen Leutnants eine gleißende Fessel von dottergelbem Dukatengold um den vierten Finger der linken und möglichst bald darnach der rechten Hand zu legen. „Rette sich, wer kann!" flüsterte er und schob sich eiligst in den Warterackm, den schlechten Kognak, der dort zu haben wär, immer noch als eine Wohlthat betrachtend, wenn er sich durch diesen „Genuß" um die Mühlenbrechers drücken konnte.- r Und richtig, es gelang' ihm, ihnen zu entwischen. Wie der Zug endlich einfuhr, steuerte er zielbewußt auf ein Koupee zweiter Güte los, öffnete, ohne sich lange nach einem Schaffner umzusehen, und verschwand im Handumdrehen. von der bunten Bildfläche, des! Sedenheimer Bahnhofs.- „Bitte iäusend Mal Um Entschuldigung!" -stotterte er zunächst mit einer höflichen Verbeugung nach der jungen, anmutigen Däme hin, der er bei seiner eiligen „Verpack-. Ung" beschämenderweise jackf den Fuß getreten hatte. >,O, bitte", entgegnete diese mit jenem leisen Lächeln deck Verzeihung, das einen so sympathisch/ berührt, Wenn man eine Dummheit begangen hat Und .auf irgend eine Spitzfindigkeit gefaßt ist- „Nettes Mädel!" dächte daraufhin Eschenborn. „Und was sie für hübsche Zähne hat!" Natürlich wurde sie rot,- als er sie musterte. Das äber war ihm wieder fatal. Und da er zugleich mit dem schönen Gefühl gesättigter .Schadenfreude tot die Mühlei« brechers denken mußte, so. wandte er sich 'aus Fenster, um ►. 524 — Während der kleinen Verlegenheitspause M sehen, W die „drei Grazien herumwimmelten" . ;; „Doch der Mensch versuche dre Gotter nicht. Und Sv-. -gehre nimmer und nimmer W sWnen■ Suft, als er seinen blonden Muschkopf, der unterhalb der tzelmlinie von der Manöversonne schon ganz tüchtig gefaßt worden war, herausstreckte, stolzierten die drei in Begleitung des nicht gerade glücklich dreinschauenden Assessors Winter am Koupee vorüber, sodaß er ihnen, wie ein dummer Krammetspogel dem Jäger, direkt ins Garn gegangen war. „Ah, da sind Sie ja doch, Herr von Eschenborn!".sagte freudig bewegt und mit einem ausgezeichnet funktionierenden Augenausschlag Lodovica, die Aelteste. „Schwester Anni meinte, es könne gar nicht möglich sein. Wir müßten uns geirrt haben, weil doch jetzt tot Manöver . ;." „Ich wollte, Ihr hättet Euch geirrt!" dachte Arno; aber mit dem guten Humor, den das Bewußtsein einer unaufschiebbaren, baldigen Abfahrt aufkeimen läßt, antwortete er: „Konnte es nicht aushalten da draußen in den öden Nestern! Hatte Heimweh nach unserem lieben Sedenheim!" „Wahrhaftig?" fragte Anni verzückt. „Haben natürlich Ihre Familie besucht?" ertondigte sich der Assessor. „War sozusagen Hauptzweck!" erklärte der Leutnant. „Haben uns alle zusammen photographieren lassen!" „Für Ihre Frau Mutter natürlich!" sagte Winter, der die Hundeliebhaberei der alten Dame kannte. ,,Stimmt . „Wird sich riesig freuen, taxiere ich! Bitte übrigens) nnch zu empfehlen!" „Hat denn der Bob auch stillgehalten?" fragte Lucie, dte Jüngste der Mühlenbrechers. „Diesmal ja! War nämlich zweite Aufnahme!" „Ach, er ist ein reizender Kerl, der Bob!" „Mir ist Doll noch lieber!" flötete Lodovica. „Dolly ast vrel sanfter und hat so schöne braune Rehaugen!" „Mir sind beide gleich lieb!" entschied sich Anni. „Wenn Sie gestatten, hole ich sie öfter ab und gehe mit ahnen spazieren ! Darf ich, Herr von Eschenborn?" „Hm — Das müssen Sie mit der Mama abmachen!" gab der Leutnant, von dieser unverschämten Attacke ganz verdutzt, Auskunft. „Wenn die sie Ihnen läßt?" „O, init der will ich schon fertig werden. Ist sie denn wieder wohlauf?" ' - „So recht noch nicht, aber ich denke .. ." Glücklicherweise hatte der Zugführer jetzt ein Einsehen und gab das Signal zur Abfahrt. „Adieu, meine Damen!" winkte Eschenborn. „Adieu, Winterchen!" „Biel Vergnügen im Manöver!" schrieen die Drei. Und -Lucie fragte naiv, denn das war ihre Domäne: „Soll ich Dolly grüßen? Und den unartigen Bob? Und ihm ausrichten, daß er sich gründlich bessern soll?" „Na natürlich! Wenn ich bitten darf!" rief der Leut- nant in unverkennbarer Freude, die sich die Grazien als die Folge ihrer Anteilnahme an „seiner Familie" auslegten, während sie in Wahrheit der Befriedigung entströmte, die drei langen Hopfenstangen jetzt immer kleiner und kleiner werden zu sehen, bis sie schließlich bei einer Schienenbiegung samt dem gutmütigen Assessor verschwun- Hen sein würden. Er kostete den Genuß aus und zog dann das Fenster Heraus. „Wenn es Ihnen recht ist, gnädiges Fräulein, lasse sich eine Handbreit offen!" sagte er mit respektvoller Freundlichkeit. „Bitte sehr!" entgegnete sie lächelnd und ein wenig rot werdend. „Es ist wieder ziemlich heiß heute!" " A „0 ja!" Tann schwiegen sie eine Weile, jeder mit seinen 'Gedanken beschäftigt, die sich selbstverständlich der Beurteilung des Reisegefährten gewidmet hatten, bis die junge Dame aus den Einfall kam, irgend eine Verlegenheitshäkelei ihrem Handtäschchen zu entnehmen, das über ihr tot Netze schaukelte. betes! Natürlich wär Arno sofort dabei, ihr zu helfen, dlH sie Miene machte, sich darnach zu recken. „Gnädiges Fräulein gestatten doch?" sagte er und hatte die Tasche airch schon herunter. -„Sie sind zu gütig!" stotterte sie. Es ivar der erste Leutnant, der ihr so direkt den Lebensweg kreuzte, unds ie hatte sich diese Halbgötter nicht halb so nett vorgestellt.- Ob sie alle so lieb und brav waren, wie dieser, der so gar nichts von einem Don Juan an sich hatte? Denn bisher hatte sie nichts anderes gewußt, als daß sie alle urchtbar leichtfertige Patrone in Sachen der Liebe seien.- Aus Romanen natürlich!- Aber dieser war ja ein zärtlicher Vater, der aus dem Manöver heimfuhr, um sich mit 'einen Kindern photographieren zu lassen und wohl nicht zuletzt der geliebten Gattin die freudige Ueberraschung eines unerwarteten Wiedersehens zu bereiten! Und dabei' war er noch so jung! Kaum fünfundzwanzig schätzte fiel Sicher war er eine Ausnahme! Sie streifte ihn mit einem scheuen Blick und errötete wieder, wie sie dabei seinen Augen begegnete. Ihr war zu Mute, als hätte er ihr die eben gehegten Gedanken von der Stirn gelesen. Und dabei sollte sie häkeln! Der Schwankungen des Wagens gar nicht zu gedenken! „Es geht nicht, gnädiges Fräulein! " lächelte er. „Geben Sie den Versuch auf und widmen Sie sich lieber der Landschaft! Sehen Sie 'mal, wie dort drüben der Herbst schon seine Farben aufgetragen hat! Steht der Waldrand, iN dieser Beleuchtung noch dazu, nicht ganz köstlich aus?" >,Wunderbar!" bestätigte sie und ließ das Häkelzeug sinken. , , „Packen Sie's fort, mein liebes Fräuletn!" bat er. „Gern!" antwortete sie, den Blick noch unverwandt auf dem Landschaftsbilde. „Wer nenen Sie mich, bitte, doch nicht Fräulein. Dabei wurde sie abermals rot, sehr zu ihrem Aerger, weil es ihr gänschenhaft vorkam und sie so gerne recht weltgewandt und würdig dagesessen. „Ich bin auch schon verheiratet." . „Auch schon?" dachte Arno verdutzt. „Was soll denn das heißen?" „Wahrhaftig?" fragte er dann, nur um überhaupt etwas zu sagen. , „Jawohl!" nickte sie, sich fühlend. „Mem Mann tst Ober-Steuer-Jnspektor in Trtorburg!" „Na nu nee!" platzte er heraus, starr vor Staunen. „Doch, doch!" lächelte sie vergnügt. „Und denken Sie nur, wie merkwürdig: Unser Töchterchen heißt auch Dolly!" „Fetzt wird's Tag !" konstatierte der Leutnant innerlich- „Sie hält meine Dolly für ein Mädel und den Bob natürlich für einen Buben! Alle Donnerwetter! 'Darum ist sie auch so zuthunlich und nett zu mir! Wir sind ja beide verheiratet, denkt sie, das kann nicht gefährlich werden! Einfach scheußlich! Aber soll ich ihr nun sagen, daß rch meine Hunde so taufe, wie eine christliche Beamtenfamtlle ihre Kinderchen? Nee, die Kränkung kann ich ihr ntcht anthun. Ich sänke jawohl auch um neunundneunztg Prozent tot Werte, wenn ich das laut werden lteße. Adoptieren wir also aus die paar -Stunden die Viecher und lassen uns als zärtlichen Gatten und Vater bewundern. Herrgott, wenn das Hagenfeld sähe, was mir da dre Mühlenbrechers wieder eingebrockt haben! Der wurde srch rollen vor Vergnügen! Na, schließlich ist's 'mal 'was an- Also los!" (Fortsetzung folgt.) Ergänzungsrats el. Nachdruck verboten. — Qa — dient zu Schutz und Zier. .— br — fließt in Spanien. — ei —. Nahrungsmittel. — ej — fließt in Ungarn. — mi — Vorname. — ig — Bergstock in der Schweiz. —- ag — Zeitbestimmung. Werden statt der Striche die paffenden Buchstaben gesetzt, so bezeichnen die Anfangs- und Endbuchstaben einen männlichen und einen weiblichen Vornamen. _____(Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.: Am Ende deiner Bahn ist gut Zufriedenheit; Doch wer im Anfang ist zufrieden, kommt nicht Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brsthl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerek (Pietsch Erben) in Gießen.