(Nachdruck verboten.) Der Schmetterling. Novelle von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Von der Krankheit, die sie vor einem halben Jahre verhindert hatte, der Verhandlung gegen ihre Tochter beizuwohnen, war Frau Willisen wenigstens so weit wieder hergestellt, daß sie umhergehen und die leichten Obliegenheiten erfüllen konnte, die ihr kleines; Hauswesen erforderte. Aber sie liebte es, sich trotzdem noch immer das Ansehen einer schwer Leidenden zu geben, ihre Worte nur mit matter Stimme' zu hauchen und möglichst häusig von ihrem baldigen Tode als von etwas Selbstverständlichem und Unabänderlichem zu sprechen. Rudolf hatte sie bei den häufigen Besuchen, die er während der letzten Monate den beiden Frauen abgestattet, hinlänglich; kennen gelernt, um zu erwarten, daß er sie heute in einem Meer «von Thränen finden würde. Aber er hatte sich in dieser Annahme getäuscht. Sie empfing ihn mit verhärmter und verbitterter Miene, aber mit trockenen Augen, und ihre Stimmung schien weniger schwermütig als gereizt. „Ja, sie ist ins Gefängnis gegangen", bestätigte sie, „freiwillig und trotz meiner flehentlichen Bitten. Sie wollte den Kelch bis zum Grunde leeren. Daß sie mich bei ihrer Rückkehr nicht mehr unter den Lebenden finden wird, galt ihr, wie -es schien, ziemlich gleich." „Sie thun Ihrer Tochter bitteres Unrecht, wenn Sie so von ihr sprechen. Ich- wenigstens habe nie ein zärtlicheres und liebevolleres Kind gesehen, als sie es Ihnen ist. Sie begehen geradezu eine Grausamkeit gegen die Arme, wenn Sie sie fortiväyrend mit Ihren Todesahnungen quälen." Frau Willisen mochte fühlen, daß der ernste Vorwurf nicht unverdient war, der in seinen Worten lag. Sie zog es darum vor, einzulenken. „Ich bin eine kranke Frau, und man muß Nachsicht mit mir haben, Herr Rechtsanwalt. Wenn einem das Leben so übel mitspielt wie mir, kann man wohl bitter und ungerecht werden — manchmal vielleicht auch gegen 1901. i TFjM DM | diu uni ehalte Hoffnung stets bei widrigem Geschick Und eine heit're Stirn bei trüben Sorgen, Genuß für jeden Augenblick, Und einen Wunsch noch für den Morgen. v. Köpken. die, die es nicht verdienen. Und wäre es denn nicht wirklich; am besten für Margarete wie für mich-, wenn ich; es überstanden hätte, ehe sie wiederkommt? Sagen Sie mir doch, was aus uns werden soll, ivenn sie in den Augen der Welt erst als eine bestrafte Diebin dasteht, als eine Gebrandmarkte, die im Gefängnis gesessen hat, vielleicht in Gemeinschaft von Landstreichern und schlechten Frauenzimmern!" „Gerade um mit Ihnen zu überlegen, was nach Fräulein Margaretes Entlassung geschehen soll, kam ich hierher. Ihre Tochter hat bis jetzt jeden, auch den kleinsten greifbaren Beweis meiner Freundschaft zurückgewiesen, obwohl ich immer und immer wieder wiederholen muß, daß ich; damit nur einen winzigen Teil der Schuld abzahlen könnte, die wir an Ihnen zu tilgen haben." „Meine Tochter hat vollkommen recht. Die Schuld, von der Sie sprechen, ist die Ihres Vaters, nicht die Ihrige. Und -es ist eine Schuld, die mau nicht mit Geld abtragen kann, §-err Rechtsanwalt." „Es wäre mir sehr schmerzlich-, verehrte Frau, wenn mein Benehmen Ihnen jemals die Vermutung erweckt hätte, daß ich dies für möglich hielte. Ist es mir denn noch immer nicht gelungen, Ihr Vertrauen und Ihre Freundschaft zu gewinnen?" „Meine Freundschaft?" wiederholte Frau Willisen bitter. „Was kann Ihnen an der gelegen sein, Herr Jmberg!' Und wenn es die Freundschaft meiner Tochter ist, die Sie meinen, so sollten Sie doch begreifen, daß davon eigentlich nicht die Rede sein kann." Er blickte verwundert auf. „Nein, das begreife ich nicht. Halten Sie mich für unwürdig, Fräulein Margaretes Freundschaft zu besitzen?" „Was soll ich Ihnen darauf antworten! Es ist mir peinlich, davon zu sprechen, und ich hoffte immer, es würde mir erspart bleiben. Denn so unerfahren und weltfremd können Sie doch in Ihrem Alter nicht mehr sein, daß Sie nicht einsehen, einen wie schlechten »Dienst Sie meiner Tochter mit dieser Art von Teilnahme erweisen." „Halten Sie mich immerhin siür unerfahren genug, Frau Willisen, um -es mir des Näheren zu erklären. Denn Ihre Worte sind mir völlig rätselhaft. Es ist doch undenkbar, daß Sie einen Zweifel in die Lauterkeit und Uneigennützigkeit meiner Beweggründe setzen konnten." In dem verhärmten Gesicht der Witwe zuckte es ironisch. „Nein, ich zweifle durchaus nicht daran. Aber die Wett dürfte es anders ansehen. Sie sind nun einmal ein lediger junger Mann, und meine Tochter ist ein leidlich hübsches Mädchen. Man sieht Sie seit Monaten in unserem Hause verkehren, und da niemand naiv genug ist, zu glauben, daß Sie etwa ernstliche Absichten aus die Hand Margaretes haben könnten, so macht man sich eben eine Erklärung zurecht, die meinem armen Kinde zu dem - 458 Ruf einer Diebin vielleicht noch, einen anderen, schlimmeren einträgt." Die Bestürzung in Rudolfs Zügen war zu lebhaft, als daß Frau Willisen sie hätte für eine erheuchelte ansehen können. „Halten Sie das im Ernst für möglich? Bei Gott, daran hatte ich noch keinen Augenblick gedacht." „Ich glaube es wohl, und Margarete ist es in ihrer Unschuld vielleicht ebenso gegangen. Mir aber sind aus der Nachbarschaft bereits wiederholt Aeußerungen zugetragen worden, die mir schlaflose Nächte verursacht haben und die mein ohnehin so karg bemessen.es Dasein sicherlich um Monate verkürzen werden." Finster blickte der junge Rechtsanwalt vor sich hin. „Aber das ist nichtswürdig", sagte er. „Ist denn die Gemeinheit so mächtig in der Welt, daß. man sich zu ihrem Sklaven machen muß, statt den Kampf gegen sie aufzunehmen und ihr die Lästerzunge auszureißen?" „Um des Himmels willen — sprechen Sie nicht so! Sie hätten bei einem solchen Kampf natürlich nicht viel zu verlieren; wir aber würden die ersten sein, die ihm zum Opfer fallen. Nein, lafsen Sie es uns nicht noch schlimmer machen, als es — Gott sei's geklagt — jetzt schon ist. Wäre Margarete meinem Rate gefolgt und hätte sie Ihren Beistand von vornherein zurückgewiesen, so wäre ihr wenigstens diese üble Nachrede erspart geblieben. Sie sehen ja, welchen Nutzen Ihre Freundschaft ihr bis jetzt gebracht hat. Die unglückliche Sache ist auf Ihre Veranlassung hin noch vor einen zweiten Gerichtshof gezerrt worden; die Zeitungen haben noch einmal davon gesprochen — und wer bis dahin noch an ihrer Schuld gezweifelt hatte, der ist jetzt sicherlich um so 'fester davon überzeugt. Ich glaube ja gern an Ihren guten Willen, aber da Sie mein Kind vor dem Gefängnis nicht haben bewahren können, so bewahren Sie es nun wenigstens vor der Schande jener anderen Verleumdung!" Rudolf war aufgestanden; zornig und ratlos durchschritt er das kleine Zimmer, dem Margarete trotz ihrer geringen Mittel immer einen freundlich anheimelnden Charakter zu erhalten gewußt hatte. „Mit anderen Worten: id) soll mich ganz und gar von Ihnen zurückziehen, soll Sie ruhig Ihrem Schicksal überlassen! Aber haben Sie denn auch bedacht, Frau Willisen, daß Sie damit vielleicht Ihren einzigen aufrichtigen Freund von sich stoßen, und daß möglicherweise Tage kommen werden, wo Sie eines solchen Freundes nur zu sehr bedürfen?" 46 „Was giebt es dabei zu bedenken! Wie es uns ergehen wird, weiß ich gut genug. Margarete wird immer wieder die nämliche Erfahrung machen, wie in ihrer letzten Stellung, und eines Tages werden wir vor die Wahl gestellt sein, entweder zu verhungern oder uns mit Hilfe eines wohlthätigen Kohlenbeckens Ruhe zu verschaffen vor der Schlechtigkeit der Welt." „Nimmermehr! Aber was für eine Erfahrung ist es, von der Sie da reden? Fräulein Margarete war doch so zufrieden mit ihrem Buchhalterinnenposten. Hat man ihr denn gekündigt?" „Freilich — und von einem Tage zum andern. Ihr Prinzipal hat eben die DiebstahlsgeseUchte erfahren, wie sie jeder erfahren wird. Ich durfte es Ihnen nicht sagen — Margarete hatte es mir verboten. Aber id)i sehe nicht ein, weshalb ich durchaus ein Geheimnis daraus machen soll. Und so wie ech dort ging, wird es später natürlich überall gehen. Ihre Freundschaft, Herr Rechtsanwalt, wird sie schwerlich davob schützen können, und da wir niemals Ihre Unterstützung in Gestalt von Geld oder Geldeswert annehmen werden, so mögen Sie sich selbst Antwort geben auf die Frage, ob die Nachteile dieser Freundschaft für meine Tochter nicht vielleicht sehr viel größer sein würden als ihr Nutzen." Rudolf Jmberg antwortete nichts. Noch zwei- ober dreimal ging er schweigend auf und nieder, dann nahm er plötzlich seinen Hut. „Ich muß über das, was Sie mir da gesagt haben, mit mir zu Rate gehen, Frau Willisen, ehe ich einen Entschluß fasse. Ich kann also während — während dieser drei Monate gar nichts für Sie thun?" „Nein — nichts. Meine Tochter hat dafür gesorgt, daß ich inzwischen nicht Hungers zu sterben brauche, und wenn, wie ich: es mit Bestimmtheit fühle, der Todesengel trotzdem--■" „Ihre düsteren Ahnungen werden Sie hoffentlich, diesmal täuschen, wie sie Sie bisher glücklicherweise noch immer getäuscht haben", fiel Rudolf ein. „Ich werde mich Ihnen also in der nächsten Zeit nicht aufdrängen, aber ich werde selbstverständlich immer zu Ihrer Verfügung sein, wenn Sie glauben, von meinen Diensten in irgend einer Weise Gebrauch machen zu können. Nach Fräulein Margaretes Entlassung sollen Sie jedenfalls weiteres von mir hören." Er verabschiedete sich rasch, und Frau Willisen dachte, als die Thür sich hinter ihm schloß, voll zorniger Bitterkeit: „Ich wußte es ja — er denkt nicht daran. Aber dann ist es auch am besten, daß ich Klarheit geschaffen habe. Wie ängstlich sie sich bemüht, es vor mir zu verbergen, ich weiß doch, daß sie eine thörichte Hoffnung in ihrem Herzen hegt. Aber sie braucht nicht noch unglücklicher zu werden, als sie es schon ist. Wir haben des Elends und des Jammers wahrlich genug." Seinen Vorsatz, sich noch in das Gefängnis zu begeben, hatte Rudolf Jmberg nicht zur Ausführung gebracht. Er kehrte vielmehr geradeswegs in das Bureau zurück und ersuchte den Doktor Volkmar, statt seiner diejenigen Schritte zu thun, die ihm zulässig und zweckmäßig erschienen, um die überhaupt erreichbaren geringen Vergünstigungen in Bezug aus Verpflegung und Beschäftigung für Margarete Willisen herbeizuführen. Volkmar bemerkte, daß sein junger Sozius während dieses und der folgenden Tage noch um vieles ernster und schweigsamer war als sonst. Er arbeitete mit verdoppeltem Eifer, aber dem menschenkundigen Freunde entging es nicht, daß er keine Freude an dieser Arbeit hatte, sondern daß er sich! ihr so rückhaltlos hingab, um andere peinigende Gedanken von sich fern zu halten oder sie zu übertäuben. Er that keine Frage; denn er wußte, daß Rudolf Jmberg nicht zu den mitteilsamen Naturen gehörte. Es setzte ihn ein wenig in Erstaunen, als der andere eines Tages nach beendigter Bureauzeit mit den Worten zu ihm trat: „Hast Du eine Viertelstunde für mich übrig, Volkmar? Ich möchte mich in einer persönlichen Angelegenheit mit Dir besprechen." „Ich bin ganz zu Deiner Verfügung. Wollen wir dazu aber nicht lieber in irgend eine Weinstube gehen, wo sich's gemütlicher plaudert?" „Nein, laß uns hier bleiben. Es wird rasch abge- than sein, und es ist auch! eigentlich keine Sache zum gemütlichen Plaudern. Würdest Du es in Anbetracht meiner jetzigen Lage und bei der Art meiner Zukunftsaussichten für leichtfertig halten, wenn ich mich mit einem mittellosen Mädchen verheiratete?" Auf eine solche Frage war der Doktor am allerwenigsten vorbereitet gewesen. Aber er antwortete doch! ohne Zögern: „Wenn Du das Glück hast, eine vernünftige Frau mit mäßigen Ansprüchen heimzuführen — keineswegs! Doch vergieb, wenn ich ein bißchen erstaunt bin. Bei Deiner einsiedlerischen Lebensweise hatte ich geglaubt, Du würdest von Amors Geschossen noch eine Weile verschont bleiben. Und daß ich die Veränderung in Deinem Wesen auf Verliebtheit zu deuten hätte, kam mir wahrhaftig keinen Augenblick in den Sinn." „Du hättest Dich mit solcher Deutung auch vollständig geirrt, Volkmar", sagte Irnberg rnhig, „ich bin nicht „Was heißt das? Es handelt sich also vorläufig nür um eine gewissermaßen theoretische Erörterung?" „Nein. — Kann ich auf Deine unverbrüchliche Verschwiegenheit rechnen?" „Soll ick) Dir diese Frage nun mehr als Freund oder als Rechtsanwalt verübeln, mein Junge?" „Sie war überflüssig — ich sehe cs ein. Nun denn, ich! gedenke mich um die Hand von Fräulein Willisen zu bewerben." Das verblüffte Gesicht des Doktors spiegelte die ganze Größe seiner lleberraschung wieder. „Was! Ach!, geh doch — das ist ja nicht Dein Ernst." 459 „Mein voller Ernst. Ich sehe ein, daß ich den beiden unglücklichen Frauen nicht als Freund zur Seite stehen kann, ohne den Ruf Margaretes zu gefährden. Und da ich! nun einmal die Pflicht habe, sie vor dem Untergange zu bewahren, bleibt mir kein anderer Ausweg als der, von dem ich Dir gesprochen." „Na, erlaube 'mal! Da hört denn doch! alles auf. Wenn Du mir gesagt hättest, daß Tu das Mädchen bis zum Wahnsinn liebst, so würde ich: alles Erdenkliche aufgeboten haben, Dich von dem verhängnisvollen und ganz unmöglichen Gedanken einer Heirat abzubringen. Da Tu aber offen zugestehst, Dir gar nichts aus ihr zu machen, halte ich Deine Idee — nimm mir's nicht übel — einfache für eine Verrücktheit." „Es thut mir leid, wenn sie Dir so erscheint; an meinem Entschluß aber wird dadurch: nichts geändert. Und ich! erinnere mich nicht, Dir gesagt zu haben, daß ich mir nichts aus Margarete Willisen mache. Ich erklärte Dir bereits, nicht in sie verliebt zu sein, und das ist die Wahrheit. Aber ich schätze sie sehr hoch! — ja, ich darf wohl sagen, daß ich sie aufrichtig verehre. Der Verkehr mit ihr und ihrer Mutter Hat mir Gelegenheit genug gegeben, sie kennen zu lernen. Sie ist das zärtlichste, selbstloseste und reinste Geschöpf, und sie verdiente sicherlich einen hundertmal besseren Mann als mich." „So laß sie doch« in ihrem eigenen Interesse noch: eine Weile auf diesen besseren warten — ich beschwöre Dich darum, Rudolf! Wenn er nach: so und so langer Zeit nicht gekommen sein sollte, ist es für Dich ja immer noch früh genug." „Er würde niemals kommen — das weißt Du so gut als ich>» Wieviel Männer giebt es denn, die vorurteilslos genug wären, eine wegen Diebstahls Bestrafte zu heiraten?" „Nicht viele — Gott sei "Dank! Es würde ja auch recht hübsch um den Nachwuchs unserer Gesellschaft aussehen, wenn es anders wäre. Und so lange ich mich Deinen Freund nenne, werde ich! nicht dulden, daß. Du um einer bloßen Edelmutslaune willen zu den wenigen gehörst, die sich: in sträflichem Leichtsinn über die Pflicht gegen sich: selbst und gegen ihre Nachkommen Hinwegsetzen." „Ich verstehe Dich: nicht, Volkmar! Niemals) und wenn ich! sie — wie Du es nennst — bis zum Wahnsinn liebte, würde ich eine Diebin heiraten. Margarete Willisen aber ist unschüldig verurteilt worden, und gerade um vor aller Welt Zeugnis abzulegen für ihre Unschuld, will ich ihr meinen Namen geben." (Fortsetzung folgt.) Gemer«nützige». Gymnastische Uebungen bei herzleidenden Personen bieten, wie ein englischer Forscher, Dr. Pvyn- ton, auf Grund zahlreicher Beobachtungen auseinandersetzt, eine Gefahr, die bei den heutzutage weit verbreiteten sportlichen Bestrebungen unserer Jugend vielfach nicht gebührend gewürdigt wird. Es ist freilich nicht immer leicht, die durch körperliche Ueberanstrengungen bewirkten Schädig- ungen des Herzens festzustellen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß stark betriebene Gymnastik in vielen Fällen keinerlei krankhafte Veränderungen des Herzens verursacht. Ist das Herz dagegen in irgend einer Form, sei es auch: noch so leicht, erkrankt, so können körperliche Ueberanstrengungen ganz sicher lebensgefährliche Zustände Hervorrufen. Allerdings sind hierbei die verschiedenen Arten der Gymnastik in ihrer Einwirkung auf das Herz nicht gleich bedeutend. Dr. Poynton will gefunden haben, daß' das' jetzt so sehr in Aufnahme gekommene Fußballspiel entschieden am gefährlichsten ist. Tie plötzliche starre Muskelanstrengung, die bei diesem Spiel in Betracht kommt, kann selbst bei normalen Herzen Zerreißungen der Herz- klappen zur Folge haben. Auch: ganz wenig anstrengende Spiele, wie Cricket und Crocket, können bei erkranktem Herzen bedrohliche Erscheinungen bewirken. Derartige Personen sollen daher von allen Uebungen, die nicht heilgymnastischer Art sind, Abstand nehmen. Mit Präservesalzversetztes Hackfleisch ist gesundheitsschädlich: und der Zusatz ist nach dem Nahrungsmittelgesetz auch strafbar, weil er aus eine Täuschung des Publikums abzielt. Das Präservesalz schweflig-saures Salz) hat den Zweck, die hellrote Farbe des Fleisches, welche die Frische desselben kennzeichnet, zu erzielen, als wäre es im Eisschrank gelegen oder vom frisch geschlachteten Tiere entnommen. Dadurch wird es möglich, schon lange lagerndes und nicht mehr einwandfreies Fleisch täuschend dem frischen Fleische ähnliche zu machen, ein Betrug, der unnachsichtig gestraft zu werden verdient. „Praktischer Wegweiser", Würzburg. Isür die Küche. Bauernbiss en. 125 Gramm Speck werden würflich geschnitten und in einer Bratpfanne mit einer feingeschnittenen Zwiebel ziehen gelassen. Dann giebt man anderthalb Pfund in Würfel geschnittenes Rindfleisch, das man vorher gut geklopft hat, hinzu, würzt mit Salz und Pfeffer, gießt soviel Fleischbrühe oder Wasser hinzu, daß das Fleisch bedeckt ist und läßt es weichdünsten. Beim Anrichten fügt man noch ein wenig gestoßenen Kümmel bei und schmeckt, sehr zur Verfeinerung des Gerichtes, mit 1 Theelöffel Maggi-Würze ab. Hierauf wird ein Kranz von Reis, welcher in Fleischbrühe aufgequollen ist, um eine flache Schüssel gelegt und die Bauernbissen in der Mitte angerichtet. A. & R. Mode. Eine Volksabstimmung über die Mode veranstaltete in den vergangenen Monaten die Internationale Schüitt- manufaktur, Dresden. Ueber 17 000 deutsche Frauen, von Fürstinnen hinab, bis zur einfachen Näherin, aus allen Gegenden der Erde haben von dem Recht in dieser „Staatsangelegenheit" ihre Stimme abzugeben, Gebrauch gemacht, und es läßt sich denken, wie vielseitig und interessant die Meinungen über die Bekleidungsfrage, dieses wichtigen Teiles der Frauenfrage, ausgefallen sind. Unter den verschiedenen Geschmacksrichtungen hat das deutsche, neutrale, alle Extreme vermeidende Normälkleid 6667 Stimmen davongetragen; es fehlte nur wenig, dann hätte ihm das einfache, gediegene, englische Schueider- kleid mit 6214 Stimmen den Rang streitig gemacht. Der Pariser Frou-Frou-Geschmack mit 1144 Stimen blieb weit hinter den Erwartungen zurück, während der völlig neue Jugendstil mit Genugthuung aus einen Anhang von 1411 Verehrerinnen zurückblicken kann. Die viel empfohlene Reformmode vermochte es nur auf 1426 Stimmen zu bringen. Die einzelnen Aeußerungen und Begründungen der bevorzugten Geschmacksrichtung sind natürlich äußerst interessant, es würde indessen zu weit führen, hier auf Einzelheiten einzugehen, und den Damen, welche ein vollständiges Ergebnis dieser mit so vielseitigem Interesse ausgenommen Modewahl zu besitzen wünschen, sei der Bezug des reichhaltigen Moden-Albums und Schnittmusterbuchs der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden; empfohlen, welches für die Herbste und Wintersaison zum Preise von 50 Pfg. soeben erschienen ist. Außer der sonstigen hervorragenden Ausstattung des Modenalbums ist in einer Sonderabteilung das Ergebnis der Modewahl nebst den bemerkenswertesten Aeußerungen über die Bekleidungsfrage, sowie auch' das Ergebnis der Preisverteilung veröffentlicht. Zifferblatträtsel. Nachdruck verboten. I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII An Stelle der Ziffern des Zifferblattes einer Uhr sind die Buchstaben D, EEEE, I, LL, N, 0, R, 8 derart zu setzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung berühren: 1—5 kostbares Gewebe. 1-6 Gefäß. 2—3 Nahrungsmittel. 2—4 Gelöbnis. 5—8 Maß. 5—9 englischer Vorname. 7—10 abgekürzter Vorname. 9—12 römischer Kaiser. 10—1 griechischer Gott. 11—2 Blume. Auflösung in nächster Nummer. — 460 - In einer Zeit, wo englische Siege und englische Sympathien seltene Erscheinungen sind, nimmt aus dem friedlichen Gebiet der Mode der von den Engländerinnen zuerst und hauptsächlich gepflegte Tailor-made-Genre seinen Siegeslauf durch die Welt. Aus Paris kommen Klagen über das Ueberhandnehmen dieses einfach-gediegenen Mode-Ge- schmacks, der den Pariser Schneidern, deren Stärke in der Drapierung und spitzenduftiger Ausstattung einer Toilette liegt, nicht zusagen kann; in Petersburg ist es eine bekannte Sache, daß der französische Modegeschmack zu Gunsten des englischen hat zurücktreten müssen, seitdem die Zarin dem letzteren eine Bevorzugung zu teil werden läßt; in Deutschland hat das Ergebnis der von der Internationalen Schnittmanufaktur veranstalteten Modewohl den Beweis erbracht, wie hoch das englische Schneiderkleid auch in der Gunst der deutschen Frauenwelt steht; denn 6214 Damen, also über ein Drittel aller abgegebenen Stimmen, erklärten sich für das Schneiderkleid. Was ist es nun eigentlich, was dem Tailor-made sein charakteristisches, mit keinem andern zu vergleichendes Aussehen giebt? Mit einem Wort gesagt, es ist „die Herrenarbeit"! Es ist die Art der Schneiderkunst, welche dem Kleidungsstück durch mühsame, vorbereitende Arbeiten, wie Bügeln, Dressieren, Pikieren, Steppen usw. die genaue Körperform giebt, aus der es nicht wieder herauskommt; also die, fast möchte man sagen, edelste Form der Schneiderei, die die Zukunft für sich hat. Trotzdem nun dieses einfache Schneiderkleid im Grunde genommen immer das gleiche bleibt, so offenbart sich doch! die jeweilige Moderichtung so genau an demselben, daß! man in einem älteren Schneiderkleid fast den Jahrgang erkennen kann, in welchem es gemacht wurde; denn die Form von Aermel, Taille und Rock folgt in ihren Umrissen stets genau der Mode, obgleich immer noch möglichste Schlankheit vorschreibend, verpönt jedoch jede gewaltsame Tailleneinschnürung, da man erkannt hat, daß eine geschnürte Taille starken Leib und Hüften desto mehr hervor- treten läßt. v Die Aermel werden möglichst faltenlos sein, und der Rock um die Hüften ganz glatt und anliegend, während der untere Rand mit Hilfe von geschweiften Nähten oder Serpentinvolantschnitt weit ausfällt. Dabei wird jedoch die moderne Schleppe einem echten Schneiderkleide meistens abgehen; denn sie verträgt sich nicht mit dem korrekten Das englische Schneiderkkeid. Modenbericht, bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch für nur 50 Pfg. daselbst erhältlich. Figur 3. Figur 2. Ein Schneiderkleid aus hellgrauem Tuch war wieder in ganz anderer Weise garniert. (Siehe Figur 2.)Die vollkommen glatt anliegende Taille schloß in der Mitte mit Haken und Oesen und wurde der Schluß durch lose auf* liegenden pastellblauen Lasst verborgen, welcher in Arabeskenmuster ausgesteppt und mit Silberborde umrandet war. In gleicher Ausführung deckte er die beiden Nähte des Rockvorderblattes, wobei er oberhalb des Rocksaumes in Form von breit ausladenden Arabesken verlief. Diese wenigen Beispiele mögen genügen, um einen Begriff davon zu geben, wie hochelegant nian die einfachen Tailor-made-Kostüme ausstatten kann, ohne daß sie ihren Charakter als solches verlieren. Wenn man jedoch nicht in der Lage ist, diesen Luxus vollständig bis aufs Tüpfelchen anzuwenden, so soll man lieber das Schneiderkleid in seiner ursprünglichen, schlichten Einfachheit belassen (wie Figur 3) und sich mit den Stepplinien, Schrägstreifen usw. begnügen. Wesen desselben, während einfache Garnituren wre glatte Steppereien, schmaler Atlas, Schrägstreifchen, aufgesteppte Tuchblenden, oder einfache Applikationen ohne weiteres angewendet werden können. Der Schneider allerdings, der sein Handwerk versteht, ist kein Freund derartiger Garm- turen, da sie seiner Meinung nach nur zu leicht dazu benutzt werden können, die Mängel in der Bearbeitung zu verdecken, aber die Modedame, welche das Schneiderkleid nicht grundsätzlich trägt, sondern deshalb, weil es ihre Figur vorteilhaft zur Geltung bringt, will nicht gern auf dies schmückende Beiwerk verzichten. Deshalb finden wir an den modernen, für die Eleganz besftmmten Schneiderkleidern allerlei derartige Ausstattungen, wovon die farbigen, kunstvollen Steppereien und Passepoilierungen die Inkrustationen und Applikationen von Atlas und die Sou- tachierungen mit Gold- und Silberborden die feinsten und elegantesten sind. Je nach der Art des Kostümes, ob Taille, Jackenkostüm oder Bolerokostüm, fallen dieselben selbstredend mehr oder minder reich aus und sieht mau besonders an den modernen BolerokoWmen manchmal die zartesten, kunstvollsten Garnituren. So war z. B- das Bolerojäckchen eines schwarzen TuchkosWmes mit einer' Kante von kleinen weißen Atlasmedaillons umrandet, welche mit schmalen Goldsoutachebördchen abgegrenzt waren. Die Revers aus weißem Atlas zeigten die gleiche Medaillonbordüre aber aus schwarzem Tuch und gleichfalls mit Goldschnürchen eingefaßt. Ein anderes schwarzes Tuch- kostüm (siehe Figur 1) hatte auf dein Rock' eine reichlich handbreite, von vorn nach' hinten aufsteigende, wellen-^ förmige Bordüre ausgesetzt, welche aus in Fältchen gesteppter Tafstseide bestand und mit Goldbvrden in Arabes- kenform ab gesetzt war. Gleicher Fältchentafft verzierte in Arabeskenmufter den Ausnäher und die Aermel des Boleros, während Revers und Weste aus weißssm, gvld-gstick- tem Sammet bestand. Figur 1. Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Stemdruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.