(Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Tann hörte er etiteu Laut wie einen halb unterdrückten Schrei — einen so haßerfüllten, wilden, teuflischen Laut, daß es ihn eiskalt überrieselte. Tas dämonische Antlitz, dessen Linien bis dahin so unbeweglich!, gewesen waren, verzerrte sich zu einer Griinassc der Wut ilnd wich von ihm zurück. Noch einmal raffte er sich mit ungeheurer Willensanstrengung zusammen, um den grausigen Bann zu brechen, der ihn so lange zu einem wehrlosen Lebendigtoten gemacht, lind jetzt, nach einem kurzen, verzweifelten, Kampfe, war es ihm wirklich gelungen. Mit einem Schrei richtete er sich empor — und Ivar erwacht. Magisches bläuliches Mondlicht erfüllte bis in den letzten Winkel das Schlafgemach, dessen Fenstervorhänge seltsamerweise heute nicht zugezogen worden waren. In dem Rahmen der offenen Thür aber stand, von diesem Lichte umflossen, eine schlanke, dunkle Frauengestalt. „Hanna!" rief Bernhard, noch in den Schrecknissen des" unheimlichen Traumes befangen: „Bist Du's?" Aber die Gestalt war, verschwunden, tote wenn sie urplötzlich in nichts zerflossen wäre, und alles war totenstill. "„Es war eine Einbildung", dachte Bernhard, der sich erst jetzt ganz ermuntert fühlte, „ein aus dein tollen Spuk jenes wahnwitzigen Traumes zurückgebliebenes Phantom." Und er rückte den verschobenen Kopfpfühl zurecht, um seinen heißen Kopf bequemer zu betten. Dabei griff er halb unwillkürlich!, wie er es oft beim Erwachen zu thun pflegte, nach dem Schlüsselbund, den er des Nachts unter jenem Kissen verbarg. Und heftiges Erschrecken durchzuckte ihn, da er ihn nicht fand. Er warf den Pfühl beiseite und überzeugte sich mit einem einzigen Blick, daß die Stelle leer war. Aber seine Bestürzung war nicht von langer Tauer; denn nun kam ihm die Erinnerung, daß er die Schlüssel in dieser Nacht garnicht dorthin gelegt hätte. Der Herzenskummer, der von all seinem Denken Besitz genommen, hatte es ihn zum erstenmale vergessen lassen. Ein Griff in die Tasche des neben seinem Bett auf dem Stuhle liegenden Beinkleides überzeugte ihn, daß es sich so verhielt. Denn der Schlüsselbund war darin, und erleichtert durfte er aufatmen. 1901. ■JBÄjtJÄs SSStSim wwi MH ZMM her schätzet man das Gute Nicht, als bis man es verlor. Herder. Ter einmal vertriebene Schlaf aber kam nicht wieder. Wie eine Erlösung begrüßte der junge Rechtsanwalt beit ersten Schimmer des endlich anbrechenden Tages, und als die Haushälterin am frühen Morgen sein Kabinett betrat, um ihre tägliche Aufräumungsarbeit zu beginnen, fand sie ihn zu ihrer Verwunderung schon am Schreibtisch. „Mein Gott, wie . angegriffen Sie aussehen", sagte sie, „sind Sie denn krank?" „Nein, liebe Frau Heitmüller, nur eilt bischen übernächtig. Sie hatten vergessen, die Fenstervorhänge in meinem Schlafzimmer zuzuzieheu, und da hat mich der Helle Mondenschein um eine« Teil meiner Nachtruhe gebracht." . „Was ?das sollte ich vergessen haben? ^ch weiß, nicht, wie Sie mir eine solche Nachlässigkeit zutrauen können, Herr Rechtsanwalt! Einen körperlichen Eid kann ich darauf leisten, daß auch nicht die kleinste Spalte da war, durch die der Mond hätte zu Ihnen herein scheinen können. Wenn die Vorhänge während der Nacht nicht geschlossen waren, müssen Sie ' fie gestern abend in der Zerstreutheit selbst wieder aufgezogen haben." Bernhard war zwar auf das Vollkommenste vom Gegenteil überzeugt, aber er. hatte es längst aufgegeben, mit der wackeren Frau Heitmüller über irgend etwas zu streiten, und er stellte sich deshalb, als ob er selbst an diese seine angebliche Zerstreutheit glaube. Tie Haushälterin aber sagte, während sie geräuschlos mit ihrer Arbeit begann: „Tie Schlaflosigkeit scheint übrigens jetzt hier in der Luft zu liegen. Fräulein Hanna ist auch schon vor Tau und Tag aus den Federn gewesen, und ich habe ihr bereits vor einer halben Stunde den Kaffee bringen müssen. Daß sie jetzt mit Migräne auf dem Sofa liegt, kann natürlich keinen vernünftigen Menschen Wunder nehmen." Bernhard stand auf diese Mitteilung hin sogleich auf, um sich nach dem Befinden seiner Schwester zu erkundigen. Mit müder Stimme forderte ihn Hanna auf sein Klopfen zum Eintritt auf, und ihr bleiches, überwachtes Gesicht bestätigte zur Genüge die Angaben der Haushälterin. Auf die besorgte Fragendes Bruders aber erwiderte sie mit ihrem gewöhnlichen, liebenswürdigen Lächeln. „Es hat ganz und garnichts zu bedeuteii — verlaß Dich darauf, Bernhard! Ich bin ein paar Stunden früher erwacht als sonst — das ist alles. Ein wenig Ruhe, und ich werde so frisch und gesund sein wie ein Fisch im Wasser. Als halbe Aerztin muß ich das doch wohl am besten wissen." Sie plauderten noch eine kleine Weile, und Bernhard erzählte ihr auch von seinem seltsamen Traum und von der Hallueination, die er im Augenblick des Erwachens gehabt. Gleichgiltig, mit den halbgeschlosenen Augen einer vom Kopfschmerz Gepeinigten, hörte sie ihm zu. 334 „Entschuldige — aber mein Besuch bei Dir hat eigentlich einen anderen Zweck. Willst Du die Güte haben, dieses Schriftstück hier auf seine Fassung zu prüfen? Als Jurist wirst Tu mir ja sagen können, ob die Form genügt oder ob es anders stilisiert werden muß." Er hatte einen sorgfältig zusammengelegten Bogen Kanzleipapier aus der Brusttasche gezogen und ihn dem Rechtsanwalt überreicht. Rasch entfaltete Bernhard das Blatt, und das höchste Erstaunen spiegelte sich in seinen griffen sei?" „Ja, das wollte ich sagen. Habe ich es richtig ab- gefaßt?" „Ach, darüber brauchen wir garnicht erst zu reden. Denn Hanna wird das selbstverständlich nicht annehmen. Was, um des Himmels willen, hat Dich denn überhaupt zu dieser sonderbaren Abtretung bestimmt?" gehabt, Harro?" , „Einen Streit? — Nein, das war es wohl eigentlich nicht." „Aber es ist doch etwas zwischen euch vorgefallen? Leugne es nicht — Dein Benehmen verrät es ja zur Genüge. Und sage mir offen, was es gewesen ist, bannt ich die Rolle des ehrlichen Vermittlers spielen kann. Irgend ein Mißverständnis doch ohne allen Zweifel." Der Bildhauer schüttelte den Kopf. „Nein. Wenn es zwischen Deiner Schwester und mir Mißverständnisse gegeben hat, so war es vor unserer Verlobung, Bernhard!" „Das verstehe ich nicht. Und da Du doch ohne Zweifel __......... £. 1 «"l Du glaubtest es nur ? Innerhalb weniger Stunden ist Dir die Erkenntnis aufgegangen, daß Du Dich, getauscht । „Der Wunsch, Deine Schwester wenigstens vor ma- I teriellem Schoden zu bewahren, wenn sie, wie ich es von | ihr erbitten werde, in die Aufhebung unseres Verlöbnisses I 'E Bernhard Hylvander warf das Blatt auf den Tisch, | und seine Stirn zog sich in Falten. , „Ah, steht es so? Du willst zurucktreten? Und aus I welchem Grunde?" , „Ich möchte Dir den Grund nicht nennen, Bernhard, I ehe ich! mit Hanna gesprochen habe." „Aber ich habe ein Recht darauf, ihn zu erfahren. I Du weißt daß meine Schwester keinen anderen Beschützer hat als mich. Mir kommt es zu, ihre Ehre zu verteidigen, 1 und ich werde mich dieser Verpflichtung sicherlich! nicht "'Nun, das ist wenigstens aufrichtig", rief der Rechtsanwalt erregt, „aber Du wirst begreifen, mein lieber Harro, daß es mir nicht genügt. Wenn es sich um den guten und vielleicht um das Lebensglück eines pingen Mädchens handelt, die durch eine derartige _ Sinnesänderung vernichtet werden können, so ist ein einfaches ^a oder Nein nicht mehr Erklärung genug. Es hätte L.rr wahrlich nicht an Zeit gefehlt, die Natur Deiner Empfindungen für Hanna gründlich zu prüfen, ehe Tu ihr einen Heiratsantrag machtest^ $.r barauf antworten, Bernhard? Was könnte ick» Dir sagen, als daß Du recht hast, tausendmal recht und daß ich voll Verachtung bitt gegen mich selbst. Aber wäre es vielleicht ehrenhafter, wenn ich anstnge, eine jämmerliche Komödie zu spielen? Soll ich Mich glücklich stellen, während ich mich, grenzenlos elend suhle, Um soll ich ihr Leben zugleich mit dem meinigen verderben, nur weil es nicht schicklich ist, ein Verlöbnis zu losen? _ ,91ber es muß doch« irgend etwas geschehen sem Hanna muß etwas verschuldet haben. Warum willst rn Neim^si^hat nichts verschuldet. Tenn was sie gestern war,' ist sie sicherlich auch in der ersten Stunde unserer Bekanntschaft gewesen, und niemals hat sie einen Versuch gemacht, mich'zu täuschen. Wenn ich trotzdem wahrend dieser ganzen Zeit eine anoere geliebt habe als ste em Wesen, das ihre Gestalt und ihre Zuge, doch Nichts „»u» w., ----'17, i rein nichts von ihrer Seele und ihrem Charakter hatte, gekommen bist, Dich mit mir darüber auszusprechen, so — b (ieL bie Schuld allein an mir. Ich kann Drr das ßpi vir firrt MmmthÄ I nicht mit Worten erklären, Bernhard! Sie aber, das weiß ich, sie wird mich verstehen." . . „So antworte mir offen und ehrlich nur auf eine einzige Frage. Hat Deine Freundschaft für Erika Herbold einen Aiiteil an dem jähen Wechsel Deiner Gefühle, ^ch meine: wünschest Du Dein Wort vielleicht nur deshalb zurück zu erhalten, weil Du der Meinung bist, daß sie besser für Dich paßt als Hanna?" Er hatte gehofft, daß Harro mit einem raschen und entschiedenen Nein antworten würde, aber er sah sich in seiner Erwartung getäuscht. Nach einem langen Schweigen erst erfolgte die Erwiderung des Freundes, und sie klang ganz anders als Bernhard es vermutet. „Daß sie besser für mich passen würde — ja, das glaube ich gewiß. Nur daß sie tausendmal zu gut für mich wäre. Man muß aus besserem Material gemacht sem als ich um ein Wesen wie Erika zu verdienen. Niemals wurde ich den Mut haben, um sie zu werben." „Aber Du hattest den Mut, um mente Schwester zu werben, während Du eigentlich jene andere liebtest? „Das eben ist es, was ich Dir nicht erklären kann. Ich verstehe mich selbst ja nicht mehr. Ob ich Erika geliebt Mienen, während er las. „Wie, Harro — verstehe ich recht? Du erklärst in diesem Dokument, daß Du alle Ansprüche, die Dir an den Nachlaß Deines Oheims Dietrich von Restorp zustehen, auf meine Schwester überträgst? Und Du hebst besonders hervor, daß auch Dein etwaiger Besitzanteil an dem strei- tigen Salzbergener Terrain in diese Abtretung einbe- Es war um die fünfte Nachmittagsstunde, als Harro Boysen in das Arbeitszimmer seines Freundes trat. Er ivar ganz schwarz gekleidet; aber viel deutlicher noch als die Farbe seines Anzugs spracht der tiefernste Ausdruck seines sonst so frischen und heiteren Gesichts von der schmerzlichen Trauer, die sein Herz erfüllte. I hMv" Gepreßt, kaum vernehmlich klang sein Gruß, und als I - 0§ 9(naen hafteten noch immer an den ver- Bernhard Sylvander aufstand, um ihm nut einem mannen I § Mustern des Teppichs. Seine breite Brust ar» Wort der Teilnahme die Hand zu schütteln, wich er ein I ^toetJ unb toie aus dem tiefsten Herzen ivenig^uruck., Deine Hand jetzt nicht nehme, Bern- I kommender «enfzer klang es: Hard", sagte er. „Es könnte Dich nachher gereuen,, daß Tu He mir gegeben." _ _ T,, „Was heißt das?" fragte der Rechtsanwalt aufs höchste befremdet. „Was ist geschehen, das Dich auf eine so ungeheuerliche Vermutung bringen konnte?" Harro blickte gesenkten Hauptes vor sich hin, und statt die verlangte Antwort zu geben, sagte er: „Fch habe mW heute früh, während Tu abiveseud warst, schon einmal bei Deiner Schwester melden lassen. Aber sie hat mir damals, wie jetzt wieder, durch die Haushälterin geantwortet, daß sie leidend sei und niemand empfangen könne. Sie ist doch nicht ernstlich krank?" „Ich denke — nein. Es ist nach ihrer Versicherung nur eine gewöhnliche Migräne. Aber Tu glaubst doch nicht etwa, daß--Habt ihr denn einen Streit miteinander 335 habe, ehe Hanna ans meinem Lebenswege auftauchte — ob ich sie heute liebe — ich weiß es nicht zu sagen. Ich weiß nur, daß ich wie in einem Traume oder wie in einem Rausche gewesen sein muß während dieser ganzen Zeit. Ich lag anbetend vor einem Götterbild, das bis auf die äußere Hülle nichts war als ein Geschöpf meiner Phantasie. Und als mir In einer schweren Stunde die Augen ausgingen, da war mir's, als verlöre ich mit einemmale allen Boden unter den Füßen. Ich wurde irre an mir selbst und an der ganzen Welt. Ich zweifelte an allem, was mir bis dahin teuer uud heilig und verehrungswürdig gewesen war — ich sah vor mir wie um mich her nur trostlose Finsternis und gähnende Leere. Wäre es mir nicht io jämmerlich feige vorgekommen — bei Gott, es hätte mich wenig Kampf gekostet, dem Ganzen mit meinem Armeerevolver ein rasches Ende zu machen." (Fortsetzung folgt.) Ein schönes Stückchen Erde. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Ein angenehmer Ausflug ist auch der nach Frauen- alb. Auf einer breiten Terrasse steht die ausgedehnte Ruine des Klosters und der Kirche mit ihren zwei Türmen, der Ueberrest des 1803 eingezogenen adeligen Benediktiner- innen-Stiftes. Seitwärts sieht man das noch gut erhaltene Abteigebäude, im Hintergründe ein sehr ansehnliches, lieblich gelegenes Sommerhaus, bergabwärts, der Straße zu, das hübsch eingerichtete Hotel „Klosterhof", das eine hübsche Terrasse und schöne, schattige Gartenplätze besitzt, zur Seite eine Mühle und ein Sägewerk, alles einst zum Kloster gehörig. Ter Weg dorthin, sowohl über Knllmühle durch den Wald, wie über die sehr gut erhaltene Landstraße ist schön und lohnend; besonders von letzterer hat man einen wundervollen Blick auf die schöne Klosterruine. Auch von der Rothenfoler Steige sieht man in malerischer Weise tief unten die Ruine Frauenalbs liegen. „O Lust, vom Berg zu schauen Weit über Wald und Strom, Hoch über sich den klaren Tiefblauen Himmelsdom!" Ein sehr lohnender Ausflug ist auch der nach dem 500 Meter hoch gelegenen Ort Bernbach; ein schöner Weg geht über den Falkenstein. Bernbach ist ein hübsches, wohlhabendes Dorf, das ein stattliches Schulhaus besitzt, dessen sich keine Stadt zu schämen brauchte. Den Rückweg kann man über die Fahrstraße nehmen, der bedeutend kürzer ist; man findet eine Menge Waldblumen, Erika und üppiges Farnkraut und wunderschöne, seltene Baumgruppen. Unvergleichlich schön ist auch der Predigerweg mit vielen Sitzplätzen und einem Ausblick auf herrliche, faftige Wiesen und den geschäftig dahineilenden Gaisbach.. Von hier gelangt man in das liebliche Gaisthäl, wo man Erfrischungen sindet. Zurück führt ein guter Waldweg, von wo ein Weg zur Aschenhütte abzweigt, von der man einen sehr lieblichen Blick in das .romantische Ellbogenthal hat. Man mag kommen, von welcher Richtung man will, immer liegt Herrenalb unbeschreiblich schön und lieblich einem vor Augen. Immer im Hintergrund ein dunkler Höhenzug, lieblich gebettet, teils an schützend ansteigende Höhen geschmiegt, die Häuser, der Kirchturm und die schmucken Villen. Aussichtspunkte, deren Schönheit überwältigend ist, find unter andern ganz besonders die Teufelsmühle und der Bernstein. Der Weg zu letzterem ist wunderschön und mühelos, der Blick von oben unbeschreiblich, weit hinaus ins Land bis zu den Vogesen. Aber auch in Herrenalbs schöner Umgebung, im Wald und auf den Bergen, treibt ein loser Schelm, Gott Amor, fein Wesen, der mit Pfeil und Bogen überall auf Beute lauert und sich ins Fäustchen lacht, wenn es ihm gelungen ist, zwei Herzen zu vereinen, und was sich in solch' paradiesischer Umgebung findet, das ist durch einen ganz besonderen Zauber verbunden. „Wir saßen auf des Berges Gipfel, Weit um uns her die tiefste Ruh, Nur leise rauschten grüne Wipfel Uns ihre frommen Grüße zu. Uns war's, als wären Gram und Sorgen Für alle Zeiten abgethan. Als bräch' ein eto’gcr Sabbathmorgen Für uns're Liebe leuchtend an-" Manch einer, der groß Leid erfahren, und es zu verwinden suchte, hat sich in Herrenalbs schöner Umgebung, in seiner Ruhe und seinem Gottesfrieden wieder gefunden, sich wieder Mut und Lust znm Leben und Schaffen geholt; denn nichts wirkt tröstender und beruhigender auf ein wundes Gemüt, als die hehre Gottesnatur, wie sie hier ist. 9(0(1) viele herrliche Wege, unzählige entzückende Plätzchen giebt es, die man nicht alle einzeln aufzählen kann. Was nun aber die materielle Seite anbetrifft, so ist die Verpflegung in Herrenalb überall eine vorzügliche. Tie Gäste richten sich dort verschieden ein; entweder sie nehmen Wohnung in den Pensionen der Hotels und sind in allen sehr gut versorgt, oder in Privathäusern, die in einem Prospekt, der von der Badeverwaltung verschickt wird, aufgeführt sind. Aerzte und Apotheke sind im Ort. Tie Bevölkerung befleißigt sich eines höflichen, zuvorkommenden Benehmens. Angenehm berührt es, daß jedes Kind, auch das kleinste, das kaum sprechen kann, jedem ihm begegnenden Fremden „Grüß Gott" zuruft. Nie kommt es vor, daß jemand von Bettlern belästigt wird. Allenthalben macht sich die Umsicht und unermüdliche Sorge der Badeverwaltung geltend. Aber auch die Forstverwaltung hat große Verdienste um den Ort, da sie es sich zur Pflicht macht, die Rücksicht aus das Schöne nach Möglichkeit mit der ihr zunächst liegenden Rücksicht auf das Nutzbringende zu verbinden. So manch schönen Punkt, manch, angenehmen Weg hat der Naturfreund ihr zu danken. Ein Künstler findet reiche Ausbeute für sein Skizzenbuch, aber auch ein Altertumsforscher kann seiner Neigung nachgehen in der alten Cisterzienser-Niederlassnng. Wo die Schrift von Grabesplatten In den Trümmern der Abtei, Ueberwölbt vom Nußbaumschatten, Mahnt an Zeiten, die vorbei. Gerat. Ta gilt's, Steine der alten Klostermauer zu unter- suchen, die Kirche und ihre merkwürdige Vorhalle, „das Paradies" zu studieren, die alten Grabsteine zu durchforschen, am Grabmal des Markgrafen Bernhard von Baden im Chor der Kirche sich zu erbauen. Vor kundigem Forscherblick wird sich geistig die ganze Anlage des verschwundenen Klosters neu aufbauen. Wenn man die Kirche durch die westliche Thür verläßt, kommt man in das Paradies. Tie alte Kirche reichte bis hierher, und das Mittelschiff öffnet sich mit dem Hauptportal in diese Vorhalle, während die Thüren der beiden Seitenschiffe ins Freie führen. Ter Name „Paradies" für solche Vorhallen soll daher rühren, daß sich hier gewöhnlich eine bildliche Darstellung des Paradieses und des ersten Sündenfalls befunden hat, vornehmlich für die Büßenden berechnet, welche auf diesen Vorraum der Kirche verwiesen waren. Tie hier anfgestellten Grabsteine aus grauer Vorzeit tragen die Namen aller Siebte, znm Teil dem Adel, zum Teil dem bürgerlichen Stande angehörend. Tie halbkreisförmige Steinplatte, die den Thorbogen oben ausfüllt, trägt drei schöne Inschriften in maurischem Stil. Die Oberschwelle zeigt die Inschrift: Ad portam vitae, fratres, prope- raitter adite, Qui sunt condigni, nunc, intrent corde benigui. Tas heißt etwa: Brüder, eilt zu diesem Orte; denn hier ist die Lebenspforte. Seid ihr von den Sünden rein, tretet fröhlich flugs herein! Heinrich Vierordt singt vom Paradies: „Immer lenk' ich gern die Schritte, Von der Bergwandswand'ruug matt, Zu des Schwarzwaldthales Mitte, Zn der stillen Trümmerstatt. Reste siud's vom alten Kloster: Runde Bogen, hoch Portal; An den Wänden grünbemooster Grabsteinplatten reiche Zahl. Siebte, tote Ordensbrüder, Krummstabtragend, im Talar, Schauen gar befremdet nieder Zur modernen Kurgastschar. : ■ 336 Mode- 12 3 4 2 16 8 3 6 15 Nicht mehr glüht beim Orgelschalle Buntbemalter Fenster Schein; Tenn geborsten ist die Halle, Blauer Himmel blickt herein. Bauernkrieg mit blut'gem Streiten Und den Sensen in der Faust, Schweden- und Frauzosenzeiten Sind darüber hingebraust. Waldverträumt ruht die Ruine Von den wilden Tagen aus — Eine ginstertrunk'ne Biene Summt durchs alte .Gotteshaus. Und ein Forchenbaum, ein steiler, Schüttelt hochhin das Geäst, Hält der grauen Pforte Pfeiler Mit den Wurzeln klammernd sest. Durch die Wipfel hörst du's schweben Wie verrauschender Choral. . . Trümmerreichem Erdenleben Winkt von oben her ein Strahl." Arithmogriph. Nachdruck verboten. 561178 schwebt durch die Lust. Soldat. Wcttergelehrter. altes Musikinstrument. 7 4 4 7 Vorname. 8 2 11 Ziffer. Auflösung folgt in nächster Nummer. Austösung der Geheimschrift in vor. Nr.. Zweifel ist der Erkenntnis erste Stufe wie tefcte Aber die Mitt' umfließt tröstend em höherer ®l®n^uppli.) 4 2 5 6 .... 5 7 8 5 7 8 Leckerer. 6 15 6 spanischer Feldherr. 1 6 2 5 6 8 schlesische Stadt. 1 6'2 3 Teil des Gewehres. ungen des Stldtschultheißen Beutters, der 18o2^ als O^ts- tteftliche BkMtn ftik^iSu^Jahren >n bahmgegangen Sein Sohn ist mit seinem Amt rn feine Wfe treten und schasst tm Smne seines Vaters weiter, o-roge e^ dem schönen Städtchen immer mehr zum Segen In den Kurorten ergeht sich die eleganteTmuenwelt Erchinger von Megenheim im Zaubergäu waren gute Freunde und lagen zum öfteren in den Waldern de^> Strembergs, der dem letzteren gehörte, dem ^agdvergnugen ob. Aus einer derartigen Jagd im Jahre 1134 kam dein Zimmerschen Helden Albert ein Hirsch von nie gesehener Größe zu Gesicht. Ten verfolgte er, aber bald war derselbe im Dickicht verschwunden. Dafür trat dem Ritter ein entsetzlicher Riese in den Weg und hieß ihn folgen, da ihm wichtige Dinge offenbart werden sollten, klüter seiner Führung gelangte er in eine liebliche Gegend und in eine prächtige Burg, in welcher er eine ungemein große Gesellschaft bei einem herrlichen Mahle in der Halle versammelt fand. Nur vernahm er kern Wort, keinen Haut, und jemand zu fragen oder anzureden, war ihm verboten worden. Mit stummem Gruß empfaugen, wurde er, nach dem er alles zur Genüge betrachtet hatte, ebenso wieder entlassen. Sein früherer Begleiter aber, der ihn zuruck- brachte, teilte ihm nun mit, daß er seines Vatets Bruder, gesehen habe, einen hochangesehenen Mann, der eifrig gegen . ober um eines oer 1W«‘ efanen" Frau die die Ungläubigkeit gestritten habe. Dennoch müsse er, der überaH verdient die Toilette der vornehme^ seine Unterthanen ost unbillig beschwert, schreckliche Strafe I größte Beachtung. Ta ist dw„ tvachsenden Leserkreise im Fegfeuer leiden. Und bei einem Blick ruckwar^ ,ah Berater, und bietet lhrem sowie der Ritter die ganze Herrlichkeit von einem großen Feuer- eitte Wissen und Bildung erweiternde dw Äandfertig- pfuhl verschlungen, und hörte die erbärmlichsten Klagen praktische Anleitungen nebst Vorlagen t : DU*WJ » aus ihm'hervortönen. - Zu Hause angelangt, war der |eit b'cr Frau. Das Hestvom 15. Jun, welches soeben^ Ritter fast nicht mehr zu erkennen. Der Schrecken hatte I schienen ist, weist abermals herrl^e KosMm ient fein 5mar gebleicht. Die Erzählung aber dessen, was er. letten tn großer Zahl °uf- Die »Wiener .^jährlich ertebt° machte auf alle einen so tiefen Eindruck, daß die I daher, in jedem Hause gehalteu zu werden. (Br Herren insgesamt zu dem Entschluß kamen, Kirchen und 9jn. 2.50.) __ Klöster zu ihrer und ihrer im Fegfeuer schmachtenden I Angehörigen Seelenheil (in re medium animarum) zu I gründen Unter dieser Anregung entstand denn auch schon I H38 durch Berthold Ebersteiü das Kloster Fraucualb, ein I Jahrzehnt darauf, nach seiner, Rückkehr vom Kreuzzug, weiter oben im Albthal das Zisterzienserkloster Herrenalb. I An Stelle der früheren Klosterkirche steht heute die I evangelische Kirche, in der regelmäßig Gottesdienst gehalten wird. Oft hört man Orgeltone von Meisterhand I gespielt, bald in Tonwogen Bachscher Praludren^und Fugen, bald im sein abgetönten Mendelsohn'schen Stimmungsbild, das die Kirche sanft durchschwebt. . I Ein großes Verdienst um die segensreiche Entwickelung I des Kurortes hat der frühere Militärarzt Dr. H. Klernertz, I dem es durch unermüdliches, opferwilliges Streben ge- I lang, den Ruf Herrenalbs als Kaltwas erkurort sicher zu stellen. Er erstand die damals unbenntzte Klosterschgffnerei I im Jahre 1857 und richtete sie für seine Zwecke em. beider I raffte der Tod den prächtigen Mann viel zu früh, schon 1 ■2—,.« ■» «wi*» ****«• - ***** <**•"*" ***• schwer trennt man M ton temJ>otabieflf*n. Ort, unwillkürlich sagt man mit Karl Gerat. ,Will mir noch> mal Gott bescheren Wanderlust und Reiseglück, Immer möcht' ich! wiederkehren. Holdes Thal, zu dir zuruck. Wer sich in dem schönen Thal erfrischt und erholt Seine Entstehung dankt das Kloster jener wundersam $at !oer durch seine herrlichen Walder gew°nder t,l, bewegten Zeit, wo so mancher Ritter, so manch hoher Herr seinen Höhen und Velgen gestanden in seinem Gewissen ergriffen, das Bedürfnis empfand, in die weite schone Gotteswelt wer ich“ etwas Ausreichendes zur Sühne, seiner allzu kecken Thaten Rauschen seiner Quellen und Bachlew an^mm n s zu leisten. Manches Kloster ist zu der Zett entstanden ^ihtcn, saftigen Wiesen und an der Rück- Mit Bezug auf das Kloster Herrenalb wird Folgendes I ^mher erquickt und erfreut hat, i :^tbal vom Abendberichtet: Friedrich II., Herzog von Schwaben, Ritter Al- I tef)r von Bergeshohen das lieblichei Gaisch vom^ Av bert von ZimMM^Grch BqrlMdchouWerMwußd Graf | sonnenschem der?ebt dcheim noch in der Eruiner- ung manch frohe Stunde durch. Ein Blatt ans sommerlichen Tagen, Ich nahm es so im Wandern Mit/ Daß es Pereinst mir möge sagen, Wie schön die Nachtigall geschlagen. Wie grün der Wald, den ich durchschritt.