m Phot-ogr-aufCt- H.'Noii. c> ie.ssenf "TgwiSöcTr. WO U Dienstag den 15. Januar. 1901. — Nr. 8. Wich-" Anlechalklngsb der Nordost fachte das Feuer in dem großen Kamin wie ein Blasebalg an, so daß es laut knisterte. Mein Vater sprach nie davon, wieder zur See zu gehen, so sehr ihm auch sein altes Leben fehlte. Er hatte oft Geschäfte in Shields, und obgleich er mich manchmal auf Spaziergängen mitnahm, und auch oft Tage lang nur auf wenige Stunden ausging, jo war er doch nicht so viel wie früher die Mutter mit mir zusammen. Ich fühlte mich einsam und verlassen. Wir hatten wenig Bekannte in Newcastle, und ihre Zahl schmolz mik jedem Jahre mehr zusammen, da sie aus der Nachbarschaft fortzogen, weil die Männer Anstellung auf Schiffen fanden, die von anderen Häfen aus fuhren. Die Schwermut, die mich nach der Mutter Tode ergriff, das Gefühl der Verlassenheit war durch Theetrinken und die Zerstreuungen, welche mein geselliger Kreis mir bieten konnte, nicht zu heilen. So sehr ich das traute Newcastle auch liebte, ich war seiner müde. Oft erfüllte die Sehnsucht nach einem freieren Leben mein Herz, und ich dachte mir, wenn das Leben mir nie etwas Interessanteres bieten könnte als die altbekannten Straßen, so wäre es besser, ich ginge aus dem Leben wie meine Mutter, und genösse den Frieden des Grabes. Eines Tages im März, etwa ein halbes Jahr nach der Mutter Tode, war Vater schon früh nach Shields gegangen. Ich benützte diese Gelegenheit zu einem schon längst geplanten Besuch bei einer Freundin, bei der ich bis gegen sieben Uhr abends blieb. Es war schon dunkel, als ich mich unserem Hause näherte. Im Wohnzimmer brannte Licht. Vater war also unterdessen nach Hause gekommen. Beim Eintreten strömte mir Tabakrauch entgegen, auch hörte ich Stimmen. Das öffnende Mädchen sagte mir, es wäre ein junger Herr da, aber sie wisse seinen Namen nicht. Ich dachte sofort an Herr Fowler und hatte mich nicht getäuscht. Wir schüttelten uns die Hände, und nachdem ich meinen Vater begrüßt, setzte ich mich zu ihnen ans Feuer. „Wo warst Du, Jessie?" fragte mein Vater. „Zum Thee bei Frau Barnett in Gateshead", antwortete ich. „Ach, bei Deiner Mutter Freundin", rief er bewegt aus. „Ich wollte, Du gingest öfter aus. Es ist eine förin- liche Arbeit, Herr Fowler, sie zu bewegen, über die Straße zu gehen, wenn ich nicht mitgehe. Aber ich kann sie doch nicht immer begleiten." „Sie sollten wirklich mehr ausgehen, Fräulein Snowdon", sagte Herr Fowler. „Der Mensch wird nicht geboren, um nur für sich allein zu leben, und das gilt noch mehr für junge Mädchen als für Männer." „Ich möchte ja gern ausgehen", sagte ich lachend, „wenn es hier nur etwas zu sehen gäbe. Aber ich habe mein ganzes Leben hier zugebracht und habe es satt, die- dem lm es sagte- ihrem s die ; doch Rückert. (Nachdruck verboten.) sahen Leid rahl' nicht heute: morgen will Dieses oder das ich thun. ' Schweige doch bis morgen still; Sage dann: das that ich nun. zuge- chäfts- traten - Wie der es rloren t, wie Übung g eines daß die richwort Groß- i nicht ie jetzt ihende j aus i, von indem tagen, t, gab trafen d die einer Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Fran Tarbit war aus Northumberland -und sprach den reinsten Nordländer-Accent, den man sich denken kann. Als Tarbit sich um sie bewarb, hielt sie ein Speisehaus für Seeleute in Nord-Shields. Aeußerlich war sie keine Göttin, und der Kapitän hatte sie wohl nur ihres warmen Herzens wegen lieb gewonnen. In ihrer großen, gelb garnierten Haube, einem grünseidenen Kleide und einer losen Tuchjacke sah sie mit ihrem kleinen Bart von ein Achtel Zoll Länge wie ein verkleideter Scherenschleifer aus. Aber nie hat in eines Weibes Brust ein zartfühlenderes, menschenfreundlicheres Herz als das ihre geschlagen. Kein Seemann war in ihrer Pflege, der nicht sein Leben gewagt hätte, itnt ihr einen Dienst zu leisten. Keine schiffbrüchige, todesmatte Mannschaft wurde an Land gebracht, ohne daß sie die erste war, die den Armen Geld beschaffte, ihnen Kleidungsstücke schickte, und die, welche starben, mit allen Ehren auf eigene Kosten bestatten ließ. Wenn sie zu uns von meiner Mutter sprach, so lag in ihr»n schlichten, treugemeinten Worten ein so herzlicher Ton warmer Teilnahme, daß ich ihr rauhes Gesicht hätte küssen mögen. Solche Menschen sind göttliche Erläuterungen der menschlichen Natur. Sie sollen uns den Wert zeigen, den der Himmel auf die leibliche Schönheit legt; denn weshalb sollte sich sonst zuweilen ein erhabener Charakter in einer Gestalt zeigen, die geeignet ilt, jede Zuneigung im Keime zu erjticken? Herr Finlah erzählte Wunderdinge, wie man sie in „Tausend , und eine Nacht" liest. Noch sehe ich ihn vor mrr mrt seinem dichten, schwarzen Haar, dem etwas zerzausten Vollbart, der den Ausdruck rauhen Mutes in seinem Gesicht noch verschärfte, während er seine wunderbaren Abenteuer von Schiffbruch, Gefangenschaft, von Todesqualen und Hunger im offenen Boote erzählte, während wrr j einen Worten lauschten. ,n. Draußen ließen d'ie strahlenden Sterne am dunkeln Winterhimmel die schneebedeckte Straße hell erglänzen, und - 30 — Des Hauses Herd. Plauderer am Kamin von I. G e b e s ch u s. (Nachdruck verboten.) Wer hätte nicht an kalten, stürmischen Wintertagen den behaglichen Platz am offenen Kamin oder in der Nähe des nordischen Kachelofens schätzen gelernt, wenn auf dem Nebentisch traulich der Theekessel summt? Der Ofen des Familienzimmers, der Kamin des lauschigen Boudoirs, der Herd des westfälischen Bauernhauses haben sich aber erst aus bescheidenen Feuerstätten herausgebildet; gehen wir in die Behausungen wärmerer Länder, so können wir eingehende Studien machen über die verschiedenen Formen der Heizung und des häuslichen Herdes, an dem sich die Familie versammelt. Von diesen teils offenen, teils bedeckten Feuei- stellen und sogenannten „Feuertöpfen" bis zu den herrlichen gotischen und Renaissance-Kachelöfen, wie sre rn Süddeutschland und namentlich in der Schweiz noch erhalter sind — welch' ein Weg des Umformens und Umbrldew Tie Kulturbedeutung des Feuers spricht sich rn bei Verehrung der Flamme aus; sie war das relrgröse Symb«! aller Völker des indogermanischen Stammes; an du Flämme und an die Feuerstätte knüpfen fich die erster Religions'begriffe und wurden so zu Kulturgebräuchen. Tie griechische Sage nennt uns den ältesten der Kulturmartym, Prometheus, der das heilige Feuer vom Himmel entwendet um es den Menschen zu bringen. Hestia (römisch Vesta) wai die Beschützerin des häuslichen Herdes. Selbst später, nachdem die Religion andere Formen angenommen hatte, blte das Atrium mit dem Herd und den Bildern der Laren uni Penaten noch das Familienheiligtum, die Hauskapelle, n der die Hausandachten gehalten wurden. Tie Wärme der Flamme, des Feuers suchten die Volke: bei kühlerer Jahreszeit auch für die Wohnräume und W die Bäder nutzbar zu machen; der „Feuertopf" oder bn „Feuerpfanne" wurde bei den Persern und Hebräern n die Mitte des Zimmers oder des Zeltes gestellt unter e« Holzgestell, das dicht mit Teppichen verhängt war, uni unter diesen Teppich schlüpften dann die sämtlichen mitten glied er, um sich in dem erwärmten Raum an bei metallenen Kohlenbecken zu versammeln. Bei den Perser, soll diese Heizvorrichtung noch heute in Gebrauch se« Die Bäder heizte man durch Röhrenleitungen, indem bei Fußboden auf kurzen Pfeilern ruhte und unterhalb be- Bodens von thönernen Röhren erwärmt wurde; zügle« waren diese Röhren auch an den Zimmerwänden hrnau geleitet, um von allen Setten ihre Wärme ausstrayle zu können. Tie nordwärts vordringenden Römer wam schon durch das kältere nordische Klima gezwungen, G Wohnräume durch Röhrenheizung zu erwärmen; zahlreM Ausgrabungen von römischen Villen in den verschiedenste Gegenden Deutschlands und der Schweiz haben dres ei- Das germanische Altertum empfing die HerdflanM von dem göttlichen Feuer des Blitzes, den der Tonne niederschleuderte; Donar churde dadurch nicht Nur o Spender des heiligen Feuers, sondern auch der BescyM Fowler", sagte ich mit leichter Verbeugung. „Wann segeln Sie?" — „Ich kann noch vier bis fünf Wochen an Land bleiben", antwortete er. „Aber warum nennen Sie mich Kapitän? Das ist ein militärischer Titel. Wir Kauffahrer heißen „Schiffet"/' „Ich kann Sie doch nicht Schiffer nennen", sagte ich lachend. „Nein", rief mein Vater, „leider nicht. Wir Schiffs- mhrer werden nun einmal Kapitän genannt. Ich, für meine Person, habe es stets vermieden, mich so zu nennen. Ich bin aus meinen Beruf genau so stolz, wie die Herren Marine-Offiziere auf den ihrigen, und möchte auch nicht den Anschein erwecken, als wünschte ich, mit ihnen verwechselt zu werden." „ c , Ich will mich nicht länger bei diesem Abend aufhalten, obgleich ich mich seiner freudig und deutlich erinnere; denn er bildete für mich die Schwelle zu einem ganz neuen Leben. (Fortsetzung folgt.) selben Läden, denselben Strom und dieselben Laternen»- pfähle anzusehen." „Das Fräulein hat recht, Kapitän", sagte Herr Fowler, und sah mich mit seinen strahlenden, dunkeln Augen an, „man kann einen Ort herzlich lieben, und seiner doch zeitweise recht überdrüssig werden." In dem Ausdruck, mit dem er mich ansah, lag förmlich eine Aufforderung, mein Herz einmal gründlich auszuschütten. „Sollte man nicht meinen", sagte ich, indem ich mich an ihn wandte, „daß mein Vater mich verstehen müßte, der die Abwechslung und das Reisen so sehr liebte, daß erst ein schwerer Sturm kommen, und ihn beinahe schiffbrüchig machen mußte, um ihn von dieser Leidenschaft zu heilen? Er müßte doch meine Ungeduld nachempfinden können, daß ich immerfort dieselben Dinge sehen muß, die ich seit zwanzig Jahren gesehen habe." „Das ist brav", sagte lächelnd der Vater, „sie verrät ihr Alter wie ein ehrliches Mädchen. Aber habe ich Dich nicht schon auf drei Reisen mitgenommen?" „Welche Länder möchten Sie denn gern sehen?" fragte Herr Fowler. „Gar keine Länder, Fowler", antwortete der Vater, „sie will zur See gehen. Sie war noch ein ganz kleines Ding, da wollte sie schon Matrosenkleider anziehen." „Haben Sie die Seeleute gern?" fragte Herr Fowler. „Ja", erwiderte ich, „ich habe alle Seeleute und die See immer gern gehabt." Mein Vater stopfte sich langsam seine Pfeife und fuhr fort: „Aber ist es nicht hart, Fowler, daß sie sagt, ich alter Mann hätte kein Verständnis für ihre Sehnsucht?" „Fräulein Snowdon sinder Newcastle langweilig, sre wünscht Abwechslung. Darin ist doch nichts Unvernünftiges, Kapitän", sagte Fowler. „Das sage ich auch nicht", versicherte mein Vater, „aber welche Abwechslung kann ich Dir bieten? Allem kannst Du nicht reisen, Jessie, und einen gebrechlichen alten Mann wie mich möchtest Du doch nicht mit Dir herumschleppen?" ., _ „Sprechen wir von etwas anderem", sagte ich. „Herr Fowler, ich hoffe. Sie bleiben zum Abendessen bei uns — ?" „Gewiß, Jessie", unterbrach mich der Vater, „was kannst Du uns vorsetzen?" c .. Ich sagte, ich wollte nachsehen, und gmg m die Küche, war aber so in Gedanken versunken, daß ich alles ganz mechanisch that. Was mochte ich mit meinem Geständnis wohl angerichtet haben? Ich kannte noch keinen Mann, der mir besser gefiel, als Herr Fowler. Er sah wie ein echter Seemann aus, hatte schöne, dunkle Augen, eine wettergebräunte Haut, eine hübsche Nase, blendend weiße Zähne, und einen ebenmäßigen Wuchs. In ferner Stimme, seinem Lächeln, seinen Bewegungen lag em besonderer Reiz. Der edle Kern seines Wesens — das Erbe seiner Eltern — hatte- die harte, an Versuchungen reiche Lehrzeit im Volkslogis und in der Kajüte gut überstanden, und verlieh seinem Wesen eine ganz unbewußte Anmut, die eine gewisse Salzwasserfrische besaß, wie man sie nur bei Seefahrern findet, die zugleich wohlerzogene Herren smd. Ich beeilte mich in der Küche, um ins Wohnzimmer zurückkehren zu können. „Ah, da kommt sie", — empfing mich der Vater, „mit roten Ohren ohne Zweifel. Thu' nur nicht, als ob Du nicht wüßtest, daß wir von Dir gesprochen haben, Jesste. Fowler ist auf Deiner Seite, und hat mich nach allen Regeln der Kunst heruntergemacht, daß ich Dich so viel Dir selbst überlasse." „Aber warum dreht sich die ganze Unterhaltung nur um mich", sagte ich lachend. „Wovon sprachen Sie mit meinem Vater, Herr Fowler, als ich hereinkam!" „Ei, von Frachten, Registern, Zollverhaltnissen, Seemannsheuern und anderen romantischen Einzelheiten des Berufes, den Sie so sehr lieben, Fräulein Snowdon", er- toibcrtc er. „Jetzt ist Herr Fowler Kapitän, ich habe ihm ein Schiff besorgt", erzählte mein Vater, „jetzt ist er Herrscher zur See; die Luvseite des Quarterdecks gehört ihm ganz allein; er hat keine Wache zu beziehen, und kann kommen und gehen, wie ihm gut dünkt." „Ich gratuliere, Herr — Verzeihung — Kapitan 31 — des häuslichen Herdes. Wie einst in alten Zeiten, so wird in Hinterpommern noch heute die Braut dreimal um den Herd geführt; alles Gesinde, alle erworbenen Haustiere müssen ebenfalls dreimal den Herd umwandeln, bevor sie in den geweihten Bann des Hauses eintreten. Aus dem Herd entstand später der Ofen oder Oven, auf den mancher heidnische Brauch übertragen wurde. In der Neujahrsnacht, wenn die Schleier der Zukunft sich lüften, schauen die jungen Mädchen in den Ofen, um das Bild des Zukünftigen zu erspähen. Fieberkranke werden auf dem Lande in den Backofen gesteckt, nicht etwa, um sie durch das wohl- thätige Schwitzbad genesen zu lassen, sondern durch den Zauber des uralten Feuerdienstes, der Feueranbetung. Zahlreiche Sagen und Märchen verknüpfen sich mit dem Ofen als dem Symbol des heiligen Feuers; selbst die Rechtsanschauung gab ihm eine gewisse Bedeutung, indem einem Rechtlosen das Herdfeuer gelöscht und der Ofen eingerissen wurde. Von dem einfachen, auf Steinplatten erhöhten Herd der Pfahlbauten nahmen der Kamin und der Ofen ihren Ausgangspunkt; in der karolingischen Zeit bestanden beide nebeneinander; später erwies sich der Ofen für den kälteren Norden als brauchbarer, während der Süden und Westen den Kamin vorzog. Italien, Spanien, Frankreich, England, Holland bevorzugen den Kamin, alle slavischen und germanischen Länder einschließlich |ber Schweiz wenden ihre Gunst dem Ofen zu. Der „Camino", „Caminata" deutet ohnehin schon auf romanische Abstammung, während der Ofen der nordischen Sprache entlehnt scheint. Nach anderer Lesart entstammt das Wort Ofen dem gotischen Auhns, das wieder dem bereits in den indischen Veden enthaltenen Wort Akna (Stein) entnommen wurde. Die Benennung „Ofen" für gewisse Felsformationen kommt sowohl in der Alpenkette zwischen Piemont und Steiermark vor, wie aus der nordischen Insel Bornholm in der Ostsee, wo man in den kolossalen Granitbildungen einen nassen und einen trockenen Ofen unterscheidet. Noch heute verbindet sich bei den Engländern der Begriff „Ofen" mit etwas Primitivem, z. B. einem Backofen oder dem Ofen im Waschhause; für den Zimmer ofen benützen sie das Wort stove, die Italiener sagen stufa; dementsprechend nennt man in Norddeutschland einen kleinen Feuerbehälter auch wohl „Stüvken" (Stübchen). Aus diesem romanischen Wort stufa entstand demnach die Bezeichnung „Stube" für ein heiz bares Zimimer. Norwegen, das erst zu Ende des 11. Jahrhunderts durch Olaf den Friedfertigen mit dem Ofen bekannt wurde, nannte die heizbaren Räume „Ofnstofa" (Ofenstube). Die Romanen und die Britannier, die sich mit dem einfachen Rauchabzug begnügten, bezeichneten diesen als camino, caminata, cheminee, chimney, von welchem Wort unsere germanischen Vorfahren wieder den Ausdruck Kemenate für Stube herleiteten. In Westfalens Bauernhäusern haben wir noch die ursprünglichste Art germanischer Feuerstätten, wo Menschen und Tiere noch einträchtig unter dem gleichen, tief herabhängenden Strohdach wohnen; durch den großen Thvr- flügel gelangt man auf die Tenne oder Scheundiele, wo das Korn gedroschen wird; links sind die Stände für Pferde und Kühe, rechts die Scheunfächer für das Getreide und das Heu. Im Hintergründe erhebt sich der Herd mit seinen metallenen Feuerblöcken und dem tief hängenden Herdmantel oder Rauchfang; daran stoßen die Wohnräume und Schlafkammern der Familie, der Herd aber ist der Versammlungsort, der Mittelpunkt des Ganzen. Das berühmte Kloster von St. Gallen, dessen Bauriß von 820 noch aufbewahrt blieb, scheint verschiedene Heizsysteme gehabt zu haben: den offenen Herd, den Ofen und die Röhrenheizung.. Auch Schloß Marienburg, die prächtige Residenz der deutschen Ordensritter, hatte ein viel bewundertes Heizsystem in seiner Röhrenheizung; unter dem großen Ordensremter lag im oberen Kellergewölbe ein mächtiger Ofen mit eingemauerten Rosten, auf denen Feldsteine durch die sie umspielende Flamme glühend gemacht wurden; aus dem Ofen leiteten Röhren die erwärmte Luft in den Ordenssaal, diesem eine angenehme und sogar regulierbare Wärme mitteilend. Alle übrigen mittelalterlichen Burgen kannten dagegen nur den einfachen Kamin. Während die ältesten eisernen Oefen kaum über das Jahr 1400 zurückreichen, geschieht der Kachelöfen schon im 13. Jahrhundert Erwähnung, doch erinnern die bildlichen Darstellungen dieser frühesten, aus tellerartig vertieften Kacheln erbauten Oefen noch lebhaft an den Backofen. Glasierte Ofenkacheln aus dem 13. Jahrhundert wurden noch in ziemlicher Menge gefunden, und die reichsten Fundstätten bot noch immer die Schweiz; die mit kleinen, in kräftigem Relief hervortretenden Figuren verzierten Kacheln haben eine grüne oder bräunliche Glasur. Die gotischen Oefen des 14. Jahrhunderts sind auf ihren sauber glasierten Kacheln mit architektonischem Bildwerk, Majuskelschrift, Minneszenen, heiteren Lebensbildern, Trachten, Tiergestalten, Jagdszenen bedeckt. Das Glasieren der Thonkacheln ist wahrscheinlich wieder auf die Kunst der Sarazenen zurückzuführen, die ja auf Majorka und an verschiedenen Orten Italiens die blühendsten Majolikafabriken eingerichtet hatten; die thongebrannten Fußbodenfliesen kommen schon in der romanischen Zeit überall vor und waren fast allgemein in Gebrauch. Die Feste zu Salzburg, Schloß Tirol bei Meran, die Burg Nürnberg, vor allem aber die Schweiz besitzt Prachtexemplare solcher mittelalterlichen Kachelöfen. („Wiener Mode.") Gemeinnütziges. Heber den Wert des Schlittschuhlaufens für die Gesundheit ist man schon längst einig. Während im Sommer eine regelmäßige, ausgiebige und kräftige Bewegung in freier Luft viel leichter möglich ist, und- durch die Ausübung aller Arten Sport gefördert wird, verurteilt die kalte Jahreszeit den Menschen gewissermaßen zur Un- thätigkeit. Da ist es nun gerade der Eissport, welcher „Bewegung und Leben" uns aufzwingt, eine Bewegung, die alles übertrifft, was Bewegung heißt. Alt und Jung, Arm und Reich, jedem, ist sie gleich zugänglich und jedermann kann sich die Vorteile eines großen Genusses sichern, der mit Anspannung aller Kräfte zu lösen isü Ter Schlittschuhlauf ist eine sehr nützliche Leibesübung, die nicht allein die Muskelpartien der unteren Gliedmaßen, sondern auch die Brustvrgane in gleicher Weise beschäftigt. Die gesteigerte Atmungsthätigkeit bedingt eine vermehrte Aufnahme von Sauerstoff und damit einen regeren Stoffwechsel. Der kräftigere Blutumlauf verursacht eine vollständige Durchblutung aller Körperteile und der Haut, deren ausscheidende Thätigkeit er wesentlich unterstützt, und die jenes Vollgefühl der Kraft und Gesundheit herbeiführt, welches dem thätigen und gesunden Menschen eigen isü Damit entsteht gleichzeitig eine Entlastung des Gehirns und- der Nerven, die sich! bei Stubenhockern und Geistesarbeitern so notwendig macht. Gerade die holde Weiblichkeit und die Jugend bedarf dieser Kräftigungsmittel im reichsten Maße, und ihr sei es hiermit ans Herz gelegt, diesen Wintersport recht fleißig zu betreiben. Die Bewegung in frischer, freier Luft bedingt auch eine Abhärtung des Körpers, der gerade im Winter unter den wechselreichen Einflüssen unserer Lebensweise und des Klimas, mehr wie sonst zu Erkältungskrankheiten geneigt ist. Das ist eine Summe von Vorteilen, die kein vernünftig denkender Mensch von der Hand weisen kann. (Aus dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg.) S. Eisblumen auf einer Glasplatte festzuhalten, ist durch folgendes Verfahren möglich. Die betreffende Glasscheibe wird mit einer zweiprozentigen Gelatinelösung übergossen, die man dann etwas abtropfen läßt und zum Gefrieren ins Freie stellt. Nachdem sich dann die Eisblumen auf der Platte gebildet haben, wird diese mit absolutem-Alkohol übergossen, wodurch, das Eis aus dem gefrorenen Gelatinenetzwerk herausgefressen und die feine Struktur des letzteren auf der Glasscheibe festgehalten wird. Diese kann dann vorteilhaft an Stelle von matten oder blinden Fensterscheiben verwendet werden. x. Vermutet man irgendwo das Ausströmerr von Acetylengas, so darf man unter keiner Bedingung die Röhren mit einem Licht absuchen, es würde eine schwere Explosion entstehen. Man nehme in dem Falle ein Stückchen Filterpapier, welches mit einer 10 prozentigeu Bleiacetatlösung getränkt ist; dieses wird von dem etwa entweichenden Acetylengas sofort schwarz gefärbt. x. . 32 — F'g- 3. Fig- 1. F'g- 2. nötige Kolorit. Besonders schön nehmen sich diese letzteren aus, wenn der Stoss des Kleides nicht einfach weiß, sondern weißgrundig mit Streifen- oder Blümchenmustern versehen ist, deren Tönung dann durch die Schleifen- und Schärpengarnitur verstärkt wird. Aehn- liche Wirkungen werden bei Kleidern von ganz weißem Batist durch farbige Unterkleider erzielt. Wichtig bei derartigen Waschkleidern ist die Form, welche mit Rücksicht-aus die häufige Reinigung möglichst einfach gewählt werden muß, und haben sich bis jetzt die verschiedenen Variationen der sogenannten „Hänger" bestens bewährt. Je nach dem Alter der Mädchen hält man sie länger oder kürzer, läßt sie frei herabsallen oder hält sie in der Taille durch eine Schärpe, giebt ihnckü einen kurzen Koller oder ein bis unter die Arme reichendes Leibchen, Msde. Sich elegant kleiden mit wenig Mitteln - wer das will, beziehe das reichhaltige Moden-Album und Schnitimufierbuch der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden; Preis 50 Pf. Es enthält wirklich reizende und für jeden Geldbeutel erreichbare Neuheiten; denn die Schnitte aller Kostüme zum bequemen Selbstschneidern sind um billigen Preis erhältlich. Die Firma wurde im Jahre 1900 dreimal mit goldenen Medaillen ausgezeichnet und jedermann, der diese praktischen Hilfsmittel für Schneiderei benutzt, urteilt über dieselben auf das Günstigste. Redaktion: T. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Umverfitäts-Buch. und Strindruckerei (Pietsch Erben) in «ieß«. was alles auch mit durch den persönlichen Geschmack bestimmt wird. Die Aermel hält man immer am besten in der bekannten bauschigen Form, welche am Handgelenk durch ein zierliches Bündchen anschließend gemacht wird. Eine charakteristische Vorlage für ein derartiges Kleid bietet Figur 2. Wir geben gern zu, daß diese vom Ausland zu uns gekommene Kindcrmode, so empfehlenswert sie auch ist, noch nicht allgemein Eingang gefunden hat, und für diejenigen Kreise, die mehr an der herkömmlichen Form Gefallen finden, sind unsere nachfolgenden Vorschläge bestimmt. Als praktischstes Material sind in diesem Sinne dunkle Wollstoffe _ in erster Linie Tuch zu empfehlen, und für elegante Zwecke behält wie bisher Sammet seine volle Geltung, nur daß man nicht mehr die üblichen dunkelblauen und roten Farben als die allein gültigen ansieht. Vielmehr sind moosgrün, türkisblau und biberbraun moderne Farben, wozu als Garnitur weiße Suhraseide, Goldborten und kräftige Point- lace-Spitzen, letztere hauptsächlich in Form von breiten Kragen, Verwendung finden. Eine besonders einfache und hübsche Form Elegante Kindermode». Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch ä 50Pfg. daselbst erhältlich. Wenn auch der gestrenge Herr Winter bis vor kurzem ein auffallend mildes Regiment führte, so zeigt er jetzt sein ureignes Wesen, so daß die Jugend sich der so willkommenen Vergnügungen aus der Schlittenbahn und auf dem Eise freuen darf. All' die Herrlichkeiten, die der Weihnachtsmann den lieben Kleinen für diese Bedürfnisse geboten hatte, kommen zur Geltung. Hatte doch die Mode so viele schöne Sachen für diese Zwecke bereit gehalten, wie rote, electricblaue und weiße Mäntelchen mit weißem oder biberbraunem Pelz verziert für kleine Mädchen, mit dazu passenden Tuchkäppchen mit gleichem Pelz umrahmt. Ferner ganze Jäckchen aus Pelz für größere Mädchen, mit breitrandigen Pelzhüten und natürlich Boas, Muffe in mannigfacher Auswahl. Ebenso hatte die Mode für Knaben mit Pelzpaletots, Pelzmützen 2c. reichlich vorgesorgt und auch eine zeitgemäße Modeneuheit fehlte nicht, nämlich ein Anzug, in Schnitt und Farbe ber, Uniform unserer Chinakrieger nachgeahmt rote Fig. 1. Aber selbst wenn die liebe Jugend infolge ungünstigen Wetters hauptsächlich auf das Haus angewiesen bleibt, fehlt es auch da an Kurzweil nicht: den Kindergesellsch asten und Thö dansants, die neuerdings mit Recht immer mehr an Beliebtheit gewinnen, weil sie den Kindern spielend die heutzutage nun einmal ganz unentbehrliche gesellschaftliche Routine beibringen, kommen immer mehr in Aufnahme. Mit ihnen gewinnt die gesellschaftliche Toilette der Kinder mehr als früher an Bedeutung; denn es ist eine bekannte Thatsache, daß die Art unserer Kleidung unser Empfinden und Benehmen stark beeinflußt, und man wird gut thun, dieses Moment auch bei den Kindern zu berücksichtigen. Denn ebenso wie für das Tummeln im Freien bequeme durable Kleidung, welche die bewegliche Jugendlust in keiner Weise beeinflußt, am Platze ist, ebenso gehört sür die vorerwähnten gesellschaftlichen Zwecke ein anmutiger und sorglicher Anzug, welcher das Selbstgefühl hebt. Trotzdem möchten wir unsere liebevollen Mütter vor allzuzarten und empfindlichen Kleidern für ihre kleinen Mädchen warnen, worin die Mode allerdings eine verführerische Auswahl bietet, wie die zartfarbigen Sammetkleider, ebenso die nicht selten gesehenen Hellen Seiden- und weißen Wollkleider darthun. Denn derartige Stoffe lassen sich zu schwer reinigen, sodaß eine zufällig umgeworfene Tasse Cacao, ein Kuchenfleck oder dergleichen zu einem schlimmen Aergernis werden. Wieviel praktischer und dabei ebenso elegant sind dagegen die hellfarbigen oder weißen Kleider aus Batist, indischem Mull oder der jetzt so beliebten Waschseide. Die geringe Mühe einer sorgfältigen Wäsche macht sie auch nach reichlichstem Gebrauch immer wieder wie neu, und die Eleganz der Ausstattung läßt sich in der vielseitigsten Weise wechseln. Vor allen Dingen sind Spitzendurchbrüche, reichlich angewendet, hier am Platze, denn trotz ihres zarten Aussehens verursachen sie bei der Wäsche keine besondere Muhe. Dazu paffende Spitzen an den Kanten der Volants, als Umrandung des Hals-, Aermel- und Rock-Randes ergänzen diese Durchbrüche aufs beste und buntfarbige Schleifen und Schärpen geben der kmdlichen Lotlette das sür Sammet- oder Tuchkleider zeigt Figur 8. Zum Schluß mögen nun auch noch einige Ratschläge für die Kleidung der kleinen Kavaliere bei gesellschaftlichen Veranlassungen folgen. Die Formen werden naturgemäß hauptsächlich durch das Alter bestimmt, und ist der Matrosenanzug in seinen verschiedenen Variationen sür kleine Knaben die verbrei- teste Form. Besonders beliebt ist die lange unten weite dunkelblaue Hose, welche durch eine weiße Bluse mit hellblauem M'atrosen- kragen ergänzt wird. Dieser letztere ist meist zum Abknöpfen eingerichtet und kann aus Wachsstoff oder auch aus Seide gewählt werden, wenngleich Seide uns für Knaben weniger passend erscheint. Die Kleidung sür ältere Knaben lehnt sich schon zum großen Teil an die Vorbilder der Herrenmods an. So ist das Bei der Herrenwelt für kleine gesellschaftliche Zwecke beliebte Smoking auch sür Knaben die mode- e gerechte Form, welches genau wie bei Herren durch weißes Wäsche"und kleinen weißen Shlips ergänzt wird. Daß für dieses Smoking eine mit Seide gedeckte Shawlform und an Stelle der bisher üblichen abgerundflen Vorderteile die gerade Kante nach neuester Mvdevorschrift bevorzugt wird, mag mit Hinweis auf Figur 4 nicht unerwähnt bleiben. Logogriph. Mich trieb ein froher Wandersinn Wohl kreuz und quer durch's Land. Da hab' ich sie zuerst geseh'n, Als auf dem n sie stand. Gleich hab' im tiefsten. Herzen ich Der Liebe Macht gespürt. Ich fand mein Glück, als ich die Maid Hab' zu dem r geführt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Wortsviel-Rätsels in vor. Nr.: Nabel, Ostern, Tasche; Leier, EtiaS, Harm, Reiter, Trost; Rast, Ehering, Traum, Ebern, Neid. Not lehrt beten.