(Nachdruck verboten.) Prüfung.' Krimmalerzählung von E. Hainberg. (Fortsetzung.) Werner kam, wie sich leicht denken läßt, in keiner fröhlichen Stimmung nach Haus. Er wurde sogleich von Gattin und Schwester bestürmt, die wissen wollten, wie die Angelegenheit stände, wie es Mohrmann gehe, und pb der Thäter noch nicht entdeckt sei? „O ja!" lachte Werner bitter aus. „Seht mich einmal hn, und ihr seht ihn!" Frau Bertha und Hanna schrieen zu gleicher Zeit auf: »,Robert! Man soll mit solchen Dingen nicht scherzen." „Wer sagt euch denn, daß das ein Scherz ist?" entgegnete Werner bitter. „Du willst doch nicht sagen, daß man Dich der äb- fcheulichen That beschuldigt?" „Ganz dasselbe. Warum denn auch nicht? Wäre es denn nicht möglich, daß ich Mohrmann aus — liebe Hanna", unterbrach er sich, „möchtest Du mir nicht einmal ein frisches Glas Wasser holen, aber recht frisch, laß lieber erst ein paar Eimer ablaufen." Hanna tvar sofort bereit, und als sie die Thür hinter sich geschlossen hatte, vollendete Werner seinen unterbrochenen Satz mit den weiteren Worten: „Also wäre e§ denn nicht möglich, daß ich Mohrmann aus Eifersucht niedergeschossen hätte?" Seine Gattin starrte ihn erst eine Weile sprachlos! tot, dann sagte sie von Angst gefoltert? „Robert, sprich Nicht so Entsetzliches." „Nicht ich sage das, sondern die Welt folgert so, Bertha", sprach er mit einem Ton, in dem die ganze Dual seines Innern lag. Gram, Sorge, Empörung. „Aber was soll denn das. heißen?" sagte nun Frau Bertha fassungslos. „Ja, liebe Frau, Du bist ein wenig, nein, wohl sehr Unvorsichtig gewesen, Du hast Dir allzusehr die Huldig- üngen Mohrmanns gefallen lassen, und nun Dein Zusammentreffen im Walde, ihr müßt von irgend jemand beobachtet worden sein, das legt man sich eben auf die schlimmste Art aus, und sieht nun in mir den beleidigten Gatten, der seine angegriffene Ehre zu rächen vermeinte." „Allmächtiger Gott", stöhnte Bertha .auf, »was, find dre Menschen schlecht!". öl Ä7? 1901. — Nr. 130. WWW WW rwünschte Arbeit ist der Leiden Arzt. Shakespeare. .„Sie urteilen nach dem, was sie sehen, nach dem? Schein." „Und was haben sie gesehen? Eine zufamge Begeg-! nung, und ein gemeinschaftliches Zusammengehen nachs meines Gatten Haus." „Tas letztere würde nicht so schlimm anzüsehen sein, liebes Kind, wenn nicht die offenbare Huldigung und Deine nur zu bereitwillige Entgegennahme vorausgegangen wäre." Frau Bertha schluchzte auf. „Denkst Du denn selbst so schlecht von mir?" „Nein", sagte er offen. „Aber kch will Mr gestehen, daß mich Deine Duldung, um nicht zu sagen Aufmunterung doch zuweilen verdrossen hat — aber eine solche That, nein! Damit wäre meine Ehre, wenn sie wirklich befleckt wäre, nicht reingewaschen." „Robert, verzeihe mir! Ja, ich habe gefehlt, ich war eitel und gefallsüchtig. Fortan aber soll mein Bestreben sein, nur Dir zu gefallen. Du sollst nie wieder über Dein Weib zu klagen haben. Wir lieben uns! Laß uns nun auch vor der Welt in Frieden, Einigkeit und Liebe zusammen- tzalten! Ich sehe mit Schauder, wohin meine Unbedachtsamkeit geführt, und in welche Unannehmlichkeiten sie Dich verstrickt hat! Noch einmal, verzeihe mir!" Sie schlang ihre Arme um ihn, und küßte ihn. ■ - Hatte noch irgend ein leiser Groll in ihm gehaftet, er war verschwunden bei diesen aufrichtigen Aeußerungen der Reue, und die Sorge um ihn that ihm wohl. Er hatte Bertha noch nie so sanft und liebevoll gefunden. Er ergriff, daher mit Herzlichkeit ihre Hand, und sagte mild: „Laß uns jetzt nicht weiter darüber sprechen, denke lieber darüber nach, wer euch zusammen gesehen hat, um dies Gerücht unter die Leute bringen zu können. Mir will scheinen, als müsse der Urheber des Geklatsches der verruchten That nicht allzufern stehen." „Hier ist das Wasser; aber wird' ess Dir nicht zu ' kühl sein?" .Hanna wär wieder eingetreten. „Du haft recht", sagte Werner, das' Glas, welches ihm Hanna gereicht, wieder zurückstellend, „es ist sehr kalt." „Aber Du bist mir noch schuldig, zu erzählen, tote, man es wagen kann, Dich für den Thäter zu halten, Robert: ihr wäret doch Freunde", drang Hanna in den- Bruder, der wieder in sein finsteres Schweigen zurück-! gesunken war. „Man kann aber den rechten nicht finden, da wählt man mich. Wir könnten ja Streit unterwegs miteinander gehabt haben —; und meine alte Jagdflinte lag in derl Nähe — „Aber Du hast ja gär keine Flinte mitgenommen",- widersprach Hanna. .„Aber, mein Gott, düs wäre ja! dumm von Dir gewesen« 518 Unbedachtsamkeit Ihre Lage erschweren, und' damit Such die Entdeckung des wirklich Schuldigen verzögern, wenn nicht für alle Zeiten zu Nichte'machen; denn irgend! eine; Gewaltthat von Ihrer Seite würde auch die anscheinendes Beweise von Ihrer Schuld nur vermehren. Ich bitte Sitz deshalb nochmals, mir ruhig zu folgen, und auf die Zus tunst zu vertrauen." „Was liegt aufs neue gegen mich vor, das diese Handlung rechtfertigt?"- Held legte wie beschwichtigend seine Hand auf des! Erregten Schulter. „Ich hätte Ihnen das gern vorerst noch verschwiegen; Mohrmann ist endlich zum.-Bewußt-, sein gekommen, und bezeichnet Sie nun auf das bestimmteste als denjenigen, der den Schuß auf ihn abfeuerte."! „Welches Lügengewebe! —Ist denn alles aufgestandew,- unt mich zu vernichten? Was habe ich Mohrmann zuleide! gethan, baß er mich nicht allein solcher That für fähig hielt, sondern auch bezichtigt?" Werner schwieg einige Zeit, in tiefes Sinnen Verloren, dann brach er wieder! hervor, der ganze Ingrimm, der sich in ihm angesammelt hatte. „Ist der Mann wahnsinnig geworden, oder was verleitet ihn sonst zu dieser Aussage? Sollte man nicht glauben, bas sei ein wohl ausgeheckter Plan, um mich zu verderben, wer weiß, zu welchem Zweck!" „Das glauben Sie ja selbst nicht", sagte Held, „so! läßt nur Ihre übermächtige Erregung Sie sprechen. —A Mohrmann, so behaupte ich, ist durch eine wahrscheinlich mit Vorbedacht hergestellte Aehnlichkeit seines Angreifers! mit Ihnen getäuscht. In dieser Vermutung bestärken mich noch die weiteren Angaben Mohrmanns, welcher behauptet,- Sie an Ihrem blonden Vollbart und Jagdrock erkannt zu haben, Ihre Gesichtszüge hingegen feien in der herrschenden Dunkelheit nicht zu erkennen gewesen. Er habtz noch, als er sich nach dem schnell Nahenden umgewendet,- verwundert gerufen: „Sie, Herr Forstmeister?" Anstatt einer Antwort, sei ihm die Kugel geworden. Auf diese Aus-, sage hin ist Ihre Verhaftung verfügt." „Ich werde mich fügen und Ihnen folgen", sagte Werner dumpf. „Noch eins, Herr Forstmeister; können Sie sich keiner Person entsinnen, die Aehnlichkeit in Gestalt, Haltung und Gang mit Ihnen hätte, wenn auch nur eine ganz entfernte?, Ich kann den Rothaarigen, der Mohrmann im Walde begegnet sein soll und spät abends von ihm an Ihrem Fenster gesehen worden ist, nicht aus dem Sinn bringen^ mir ist, als hätten wir in ihm den Thäter zu suchen, aber- wo? Denken Sie nach, Herr Forstmeister, der Mann kann! Ihnen nicht unbekannt sein, der rote Bart darf Sie nicht irre machen, der kann falsch sein, angethan, um sich unkenntlich zu machen." „Mein Kopf ist verwirrt", gab der Forstmeister zurück,- „ich vermag meine Gedanken nicht zu konzentrieren, sie gehen niit mir durch, brausen mir im Kopfe herum, Witz die vom Sturm bewegten Meeresivogen, ohne. einen Rühes punkt zu finden. Nur eine Nacht ruhigen Schlafes, und ich würde nachsinnen können, aber wo sollte der Herkommen! bei dem sich immer dichter iiber meinem Haupt zusammen- ballenden Gewölk? Ich bin mir keiner Schuld bewußt und! muß dennoch schweigend alles auf mich nehmen, ohne Hoff- datz fich das jemals aufklären wird. Wenn der Staatsanwalt behauptet, mich in seinem Angreifer erkannt zu haben, bin ich so gut wie verloren. Was könnte ich, eingekerkerter Mann, unternehmen, das Trug- und Lügennetz zu zerreißen, oder was zur Auffindung des Verbrechers beitragen?" „Sie vergessen Ihre guten Freunde, Herr Forstmetstet,- die alles aufbieten werden, den Schuldigen zu entdecken — und das Auge, das auch hinter dunklem Gewölk über uns wacht." ' „Und wenn der Schuldige nie entdeckt ward? Held seufzte schwer auf. Auf diese Frage hatte auch er keine tröstliche Antwort. - „Verzagen Sie nicht, und werden Sie ruhiger, damit Sie uns möglicherweise auf die Spur jenes Elenden helfen! können, der die Folgen seines Verbrechens auf einen andern kommen läßt. Denken Sie nach; wer wiohl ein Interesse! daran haben könnte, Ihnen zu schaden; denn das Tragen! eines Jagdrockes, des! blonden Vollbartes, du Nachahmung Ihrer Haltung, das alles- kann nur mit der Absicht geschehen sein, den Verdacht auf Sie zu lenken; freilich konnte djes such mit der Absicht geschehen sem, die Behörden auf in einem solch ganz undenkbaren Falle die Flinte liegen zu lassen." „Ja, ja Kind, ein Bösewicht macht eben nichts Sls dumme Streiche, das sind dann eben die Verräter, die zu seiner Entdeckung führen." Aber Du wärest der Bösewicht nicht. Du Guter!" Hanna strich sanft seine Wange, und nahm seine kalten Hände in die' ihren. „Du lieber, guter Bruder, wie mich das schmerzt." Werner drückte warm ihre Hände. „Ich danke Dir, danke euch beiden!" In stiller, trauriger Stimmung vergingen die nächsten Tage. Es waren niederdrückende Sorgen, unter denen diese drei Menschen seufzten. Abends legte man sich mit der angstvollen Frage nieder, was wird der morgende Tag bringen? Und derselbe bange Gedanke erfaßte beim Er- wachen die niedergedrückten Gemüter, und selbst der karge -Schlaf brachte nur erschreckende Träume — und nirgends eilte Aussicht, die Aufklärung dieses Geheimnisses verhieß. Karsten, jenen übelbeleumundeten Wilddieb, hatte man ebenwohl zu wiederholten Malen scharf verhört, doch derselbe hatte ohne große Schwierigkeit sein Alibi beweisen können. Und was seinen Gefährten betraf, in dessen Begleitung er an jenem Tage dem Staatsanwalt begegnet war, so verblieb er bei seiner ersten Aussage und behauptete, denselben nicht zu kennen, und nur eine kurze Strecke Weges mit ihm zusammen gewesen zu sein; auch das Ziel, dem jener zugestrebt habe, sei ihm unbekannt, sie hätten beide nur über allgemeine und gleichgiltiga Tinge gesprochen. Alle Nachforschungen der Behörde, nach dieser immerhin beargwöhnten Persönlichkeit, waren indessen erfolglos. Er schien, nach den geschilderten Vorgängen, die ja freilich nur Mohrmann allein erlebt haben sollte, und auch von diesem noch nicht bestätigt waren, wie von der Erde verschwunden. Tas schien nun ebenfalls nicht zu Gunsten Werners zu sprechen. Dennoch hatten, ans Betreiben des Untersuchungsrichters, sowohl Polizeibeamte, wie Gendarmen den Auftrag, auf die also signalisierte Persönlichkeit zu fahnden, und sie im Betretungsfalle sofort zu verhaften. lieber acht Tage waren wiederum verflossen, da fuhr am späten Nachmittage ein geschlossener Wagen bei der Forstmeisterei vor, dem Held entstieg. Sein Gesicht war ernst, und eine tiefe Blässe lagerte auf demselben. Er ließ sich durch das ihm öffnende Mädchen dem Forstmeister melden, mit der Bitte, ihn auf krtrze Zeit ungestört sprechen zu können. Werner empfing ihn in seinem Arbeitszimmer und erhob sich bei Helds Eintritt von seinem Schreibtisch; er sah abgespannt und sehr niedergedrückt aus. „Was bringen Sie, werter Herr Amtsrichter, Ihre Miene kündet gerade nichts Gutes?" Sie drückten sich die Hände. „Es ist' für mich in der That keine leichte Aufgabe, die mich herführt." Werner sah forschend in Helds umdüstertes Gesicht. Tann sagte er anscheinend ruhig: „Sprechen Sie es aus, Herr Amtsrichter, ich bin auf alles gefaßt, Sie kommen, um mir meine Verhaftung anzukünden." Nach diesen Worten entstand eine schwüle, drückende Panse, in der jeder den Herzschlag des andern zu vernehmen glaubte. Dann raffte sich Held auf. „Sie haben es erraten, Herr Forstmeister. So unendlich schwer mir diese Aufgabe ist, so habe ich mich doch dazu freiwillig entschlossen, um Ihnen das Peinliche einer Verhaftung durch Gendarmen zu ersparen. Ich übernehme daher die volle Verantwortung, Sie selbst ohne anderes Geleit in Untersuchungshaft zu führen; ich weiß, Sie werden mir diese Aufgabe nicht erschweren. Es war das einzige, was ich für Sie thun konnte, die Dinge haben sich so gewendet, daß eine Verhaftung, hoffentlich nur auf kurze Zeit, nicht mehr zu umgehen war." Werner sah ihn mit einem Blick an, den Held sich nicht recht zu oeuten wußte. Und dann kamen die Worte fast wie ' eine Drohung von seinen Lippen. „Sie unternahmen das so ohne weiteres? Fürchten Sie nicht die Desperatiott eines bis aufs äußerste getriebenen Menschen? Wie, wenn ich mich Ihnen widersetzte mit Gewalt widersetzte?" „Tas werden Sie nicht thun, Herr Forstmeister. Sie kennen meine Freundschaft fiir Sie und werden einsehen, daß ich nur tu schonender Weise vollstrecke, was., nicht mehr' zu hindern ist. Auch würden Sie durch Line j(ritte falsche Spur zu leiten und sich währenddem in Sicherheit zu bringen. Und nun, Herr Forstmeister, bitte ich Sie, Mir zu folgen." In diesem Augenblick klopfte es an die Thür. Auf Ws Herein des Hausherrn erschien das Stubenmädchen mit deiner Empfehlung der Frau Forstmerster und sie lasse die Herren bitten, den Thee bei ihr einzunehmem Held lehnte Wirkend und entschuldigend ab, er sei genötigt, sofort nach der Stadt zurückzukehren. „Auch ich bitte meine Frau, mich zu entschuldigen", lieh Werner sagen, „ich würde den Herrn Amtsrichter in fcirtei unaufschiebbaren Sache zur Stadt begleiten und — wenn ich heute übend nicht zurückkehren sollte, möchten die Kamen sich nicht ängstigen, es könnte sein, daß ich die Nacht in der Stadt bleiben würde, sie möchten nur das Haus zu- schliehen lassen und sich niederlegen. Es durchschauerte Held sonderbar, als er Werner diese letztere Anweisung mit kalter Stimme geben hörte; er hatte sich sofort bei Werners Bestellung nach dem Fenster begeben Und schaute da so angelegentlich hinaus^ als wären da wunder welche interessanten Vorgänge zu sehen. Als sich dann die Thür wieder hinter dem Mädchen geschlossen, trat er wieder zurück. „Wäre es nicht besser gewesen. Sie hätten Ihre Frau Gemahlin und Fräulein Schwester vorbereitet?" Hierauf eine Pause, während der es seltsam in dem Gesicht Werners zuckte, dann mit bebender Stimme die Erwiderung : „Ich kann nicht — kann ihnen nicht selbst meine r— Schande mitteilen." „Welche schwere Auffassung!" sagte Held. Weiter wußte -auch er nichts hinzuzufügen. (Fortsetzung folgt.) Aus dem Sonnenlnifgaiigs-Lande. Von Will). F, Brand. Nachdruck verboten. ' Hl- Leute nnt drei Religionen. — Kioto. — Tempel- — Tem- pelthorhüter. — Ein Götterdienst. — Kunstgewerbe. — Der Biwa-See. — Die Stromschnellen des Katsura-gawa. — Nokohama. — Die deutschen Klubs des Ostens. — Nationale Feste. — Ein Hotel-Orchester. Die meisten Japaner gehören nicht einer, sondern zwei vder drei Religionen an und sind doch oder eben deshalb jdas religionsloseste Volk der Welt. Die älteste, die nationale Religion ist die schintoistische, deren Lehren im wesentlichen darauf Hinauslaufen: „Folge der Stimme Deines Gewissens und halte des Mikado Gebote!" Und da dieser Religion zufolge der Mikado von Göttern abstammt, so kann es uns nicht gerade wunder nehmen. Daß dieselbe neuerdings von oben herab wieder in den Vordergrund gedrängt worden ist, und die eigentliche Staatsreligion ausmacht. Sie ist aber äußerst tolerant Und hat so im Laufe der Zeit nicht nur die von China und Korea herübergebrachten cvnfucianischen Lehren zum Mten Teil in sich ausgenommen, die im wesentlichen in einer Eltern- und Vvrfahren-Verehrnng bestehen, sondern duch die umfassenderen buddhistischen Lehren, über die ich mich in meinein Buche „Reise um die Welt" (Verlag von B. Elischer Nachfolg., Preis 4 Mk.) in dem Bericht von der Disputation mit meinem Freunde, dem Priester Sila- Uanda, im Tempel zu Kandy auf der Insel Ceylon eingehender ausgesprochen habe. So giebt es denn eine Menge Tempel in Japan, nirgends indessen wohl eine größere Zahl dieser Andachts- Wtten als in der vormaligen Hauptstadt Kioto. Auch sie fit sehr hübsch gelegen. So !oft wir aber irgendwo an ieinem besonders schönen Plätzchen vorüberkommen, können wir sicher sein, daß uns auch ein Tempelthor entgegenstarrt, ein frei dastehender, offener Thorbogen mit der schwungvollen, kühn gewölbten, mächtigen Ueberdachung. Verraten diese Bauten auch keinen hochentwickelten Stil, 1° srnd sie in ihrer bescheidenen Art doch auch wieder kunstvoll und jedenfalls freundlich und einladend. Dasselbe gilt von den in gewisser Entfernung da- strnter liegenden, gewöhnlich mit einem schattigen Hain umgeb enerr Tempeln selbst, welcher Religion sie auch zu- gehoren mögen. Doch sind die Thore vielfach achtung- gebretender, Äs die eigentlichen Andachtsstätten. ' In blesen giebt es dann häufig Rieseuabbildnngen, umfang-519 reiche Räucherbecken, alles ans Holz, dder edlen Metallen, mehr oder weniger Kunstsinn verratend, öfter aber ist alles von uranfänglichster Darstellung. In einem Punkte ähneln sich aber alle Tempel in besonderem Grade. Tas sind die beiden Schreckgestalten, die, an jedem Tempeleingang hinter einem Gitter aufgestellt, als Thürhüter dienen. Thürhüter — in Käfigen. Diese Figuren find sich auch darin durchweg so ähnlich, daß sie neben dem Furcht und Schrecken einjagenden Ausdruck auch wieder eine gewisse Gutherzigkeit an den Tag legen sollen. Wenn wir uns getrauen, die Schauergestalten genauer zu beobachten, so werden sie uns in der That mehr an alte polternde Haudegen erinnern, die gern wettern und fluchen und auch wohl dreinschlagen, im Grunde genommen aber kreuzbrave Kerle sind. Denn diesen närrischen Käuzen liegt eine zwiefache Aufgabe ob: sie sollen die bösen Geister schrecken, die andachtbegierigen Menschen aber freundlich ermutigend willkommen heißen. Hoffen wir, daß sie der an sie gestellten ersteren Anforderung gerecht werden! Indessen das Schreckhafte ist doch bei ihnen so vorherrschend, daß dies vielleicht ein Grund ist, warum so wenige Menschen an ihnen vorüberzugehen sich erdreisten. Wie viel Dutzende von Tempeln hatte ich bereits besichtigt, und wie selten irgendwelche Andacht, irgendwelche religiöse Zeremonie beobachten können! Sonntage in unserem Sinne giebt es Hier nicht, und Feiertage auch nicht gar viele. Jeder Tempel, der meistens einer besonderen Gottheit gewidmet ist, hat auch seine besonderen Feiertage. Nachdem ich dann nicht ohne Mühe einen Tempel! ausfindig gemacht, der gerade seinen Feiertag hatte, begabt ich mich eines Tages ober vielmehr Abends an Ort und Stelle, um der Andacht beizuwohnen; denn diese „Andacht" schien das Tageslicht zu scheuen. Es war kein hervorragender Tempel. Größere Götterhäuser veranstalten den Göttern auch größere Feste. Aber was ich hier zu sehen bekam, bot jedenfalls den Vorteil, für eine normale Andacht gelten zu können. Vor dem Tempel hingen zwei Papierlaternen, ganz von der einfachen Art, wie sie Japan — das Stück zu 10 Pfg. — auch uns so reichlich zusendet. Im Innern brannten noch zwei oder drei Lichter. Das war alles, was die Priester zu dieser götterdienstlichen Zeremonie beitrugen. Freilich bei der malerischen Lage des von gewaltigen Kampferbäumen umgebenen Tempels an sich mochte diese matte Beleuchtung inmitten der ringsum herrschenden Dunkelheit auf das einfache Gemüt eine besondere Wirkung ausüben. Jedenfalls blickten die Götzenfratzen — und nun gar erst die alten Haudegen am Eingang — unheimlicher drein als je. Tann und wann nahten einige Gläubige einzeln oder zu Zweien. Sie traten nur bis an den Eingang des Heiligtums. Hier hing ein langes Seil, das mit einer Glocke in Verbindung stand. Wer seine Andacht verrichten will, ergreift es. Ein kräftiger Ruck, die Glocke ertönt. Dadurch soll die Aufmerksamkeit der Götter erregt werden. Nun fliegt eine kleine Kupfermünze in die backtrogartige Sparbüchse der Priester, welche vor dem Tempel aufgestellt ist. Ter Gläubige hebt die Arme empor. Er klatscht rasch noch! einmal in die Hände, als wollte er sagen: „Passest Tn auch auf! Ich bims!" — Dann hebt er abermals die Hände in die Höhe, legt sie mit der flachen Seite gegeneinander, neigt nun demütig das Haupt rind spricht ein stilles Gebet, vermutlich das allgemein übliche: „Langes Leben, Glück und Reichtum verleihe mir," Das Ganze hat kaum eine Minute gedauert. Die Andacht ist verrichtet. Ter Gläubige dreht sich wieder um und wandert getrost weiter. Tie Glocke bimmelte in geringen Zwischenräumen weiter,! bald bescheiden und zaghaft; gewöhnlich aber wurde sie! mit einer Heftigkeit gezogen, als sei man besorgt, daß drinnen jemand eingeschlafen. Das Händeklatschen erschallte in die Nacht hinaus. Die Kupfermünzen rasselten in die allmächtige Kiste, und die hohen Kampferbäume schüttelten seltsam das Haupt. Wie manche ter Tempel wirkliche Kunstwerke aufweisen, so blühen auch die alten Kunstgewerbe des alten Japan ! gerade in der einstmaligen Residenz des Mikado in besonderem Grade, und so nehmen auch zumal die Geschäfte der verführerischen Bronee- und Lackarbeiten, der Seidenstickereien und vor allem des herrlichen Sathuma- Porzellans dem Reisenden gewöhnliche einen erklecklichen Teil seiner Barschaft ab. 520 — - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnivcrfitätZ.Duch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Redaktion: E. Burkhardt. ■ Gar interessante Ausflüge lassen sich tütch Von Tokio aus unternehmen, so vornehmlich nach dem schönen Biwa- See, wo der heutige Kaiser von Rußland aus seiner Reise um die Welt seinerzeit trott einem plötzlich von Wahnsinn, befallenen japanischen Sicherheitsbeamten mörderisch! angegriffen und ihm von einem der Finricffchab urschen und auch wohl von seinem mit ihm reisenden Vetter, dem! Prinzen Georg von Griechenland, das Leben gerettet wurde. ' Recht amüsant war auch der Ausflug nach Hozu, von !vo o6~ wir in einem 'offenen Ruderboot eine gar lustige Fahrt durch die Stromschnellen des Katsura-gawa unternahmen. Gefährlich war die Fahrt nun wohl nicht, aber aufregend immerhin und anregend jedenfalls auch, insofern als auf der vielleicht zehn Kilorneter langen Strecke auf beiden Seiten unmittelbar am Uferstrand stets herrliche Gebirgszüge sich uns darboten. Das Ganze erinnerte wohl mt die Stromschnellen des Nils unterhalb der Insel Philae. Wenn auch die Wassermassen des Katsura-gawa damit gewiß nicht einen Vergleich aushalten, so sind sie doch von ebenso überstrudelndem Frohsinn, stellenweise aber auch wieder von ebenso wankelmütiger, störrischer, zer- störungsfüchtiger, wutentbrannter, unbändiger Sinnesart. Ter nächste bemerkenswerte Ort, den ich besuchte, war die in Bezug auf Handel und europäischen Verkehr bei Weitem bedeutendste Stadt des Landes, der Vertragshafen Yokohama. Hier ist auch das Deutschtum wieder stark vertreten, das dementsprechend auch in einem geräumigen, prächtig ausgestatteten Klubgebäude eine gebührende Hemt- ftätte gefunden, wie denn die deutschen Klubs des Ostens in Städten wie Hongkong, Schanghai und selbst in Kobe nicht minder wie in Yokohama ihren Begründern alle Ehre machen. Diese Klubs sind für die meisten Deutschen ja auch das recht eigentliche Heim, welches sie unter den fremden Menschen und den fremden Verhältnissen haben, und der recht eigentliche Nährboden der Vaterlandsliebe. Die Deutschen des Ostens sind gute Patrioten. Das scheint allerdings auch von den Zugehörigen anderer Nationen zu gelten, aber es ist natürliche kein Grund, warum sie, die alle inimerfort in geschäftlichen, vielfach auch in geselligem Verkehr miteinander stehen, nicht trefflich! miteinander auskommen sollten. Die Angehörigen der verschiedenen Nationen lernen sich hier besser kennen, verstehen und würdigen. Der Patriotismus wird toleranter, gewrsiermaßen geläuterter, und darum ein um so edlerer Zug in dem internationalen Leben. So werden auch die Nationalfeste aller Völker Wohl nirgends enthusiastischer gefeiert, als hier draußen im Osten, und es sind sowohl an König Eduards wie Kaiser Wilhelms Geburtstag, au den französischen tote amerikanischen Nationalfesttagen nicht nur alle Geschäfte der betreffenden Nationen, sondern alle Banken auch an jedem einzelnen dieser Tage geschlossen. Und wenn dann gar die Japaner drei Tage und die Chinesen eine ganze Woche lang Neujahr feiern und keine Geschäfte machen, so schließen sich die ausländischen Geschäfte beinahe für die ganze Dauer ihnen getreulich an. , Indessen ist dieser „Anschluß und Zuschluß" nun mcht so sehr aus das Bestreben zurückzuführen, das gute internationale Einvernehmen zu bekunden, als auf den Umstand, daß durch diese Feste der einzelnen Nationen der Geschäftsverkehr im allgemeinen doch wesentlich gestört wird, teilweise auch wohl ganz ins Stocken gerät, vornehmlich! aber auf die Anschauung, daß man in der Wahl der Gründe nicht zu zaghaft sein muß- wenn es gilt, sich — einen freien Tag zu machen, wo es nur irgend angeht. Tarrn ist man hier sehr liberal.. Indessen, wer wollte es den guten Leuten verargen — denen doch durch das Klima und die, wenn auch freiwillige, „Verbannung" so viele Opfer auserlegt werden! Reich werden sie in kürzester Zeit ja doch — zuweilen. Sie Zeiten, wo das allgemeui war, sind allerdings langst vorüber. Wie angenehm es aber auch ist, als Reisender auf kurze Zeit die Welt zu durchstreifen, unter den hier dauernd ansässigen Ausländern giebt es. doch nur wenige, die sich; hier ganz wohl fühlen, die nicht an einem gewißen Heimweh leiden. v Y . Freilich, in Yokohama läßt sichs schon leben; und so ivar ich denn auch froh, nach den mancherlei Entbehrungen, die mir meine Streifereien durch das Innere des Landes, auserlegt hatten, hier auch wieder ein Hvtel vorzufinden, das den besten europäischen oder doch amerikanischen Atustern nachgebildet ist, und sogar sein eigenes Orchester unterhalt. Msöe. In den Auslagen der Buchhandlungen findest wch Hest 24 der „Wiener Mode" vom 15. September ausgestellt-: Es enthält das Neueste in Herbstkleidern, Hüten, Besuchsund Soireetviletten, Blusentaillen, Theatergarderoben, Jago-, anzüge für Damen und Herren, Kleider aus Tuch und dem allerneuesten Himalayastoffe, der bereits sehr beliebp ist, sowie schließlich Morgenkleider, Mäntel, Wintenacken und vieles andere. Damit ist der Inhalt dieser überausj reichhaltigen Zeitschrift noch bei weitem nuht erschöpft.; Der Handarbeits- und Unterhaltungsteil weist zahllose Abbildungen und belehrende Beiträge auf, jede der 48 Seiten dieses stattlichen Heftes ist interessant und nützlich für dm Damenwelt, besonders wird das „Fruhlingslied chster Hoheit der Frau Erzherzogin Marie Valerie das Interesse, der Damen erwecken. — Wer noch nicht abonniert isst kaufe Heft 24 für 45 Pf. (bei jeder Buchhandlung) einzeln? und abonniere gleichzeitig für die Monate Oktober, Novenm ber und Dezember (Mk. 2.50). Abonnements nehmen auch! die Postanstaüen sowie der „Wiener Mode"-Verlag tn Wien VI/2 direkt entgegen. Geheimschrift. Mnddnrblmstgtzfi'dnht Dchwrmnfgstzfrdukinmtnchtwt. Vorstehende Buchstabenreihcn find in Gruppen zu zerlegen, da fich durch Einfügung passender Vokale zu finngcmäßen Wörtern bilden laßen. Das Ganze ergibt einen Sinnspruch von Rückert. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.: Segen ist der Mühe Preis. Wvhl sind die Musiker Japaner, aber sie spielen MM päische Art oder wenigstens ~ auf europäischen Jnstrltt menten. i Und wie ward mir da, als ich ast der Gasthostafelj plötzlich ein Potpourri vernahm, in dem mir Melvdieen wie! „Du hast ja die schönsten Augen", und nun gar -Meines Mutter schickt mich her" entgegen tönten, hier in der inter-i national-europäisch-amerikanisch-j «panischen Gesellschaft, «ist anderen Ende des Erdenrunds! Nicht minder traut erklangf mir aber ein anderes Stück trotz des auf dem gedrucktes Programm ihm begegneten Mißgeschicks — wie wenige hattest wohl Arg daraus! — ein Stück, das dort verzeichnet stand' als „Luder ohne Wortes. GeMsiniMtziges. Lilien! Wer kennt und liebt nicht die majestätischest Blütenstände der weißen Lilie oder die der prächtigest. Fenerlilie? Ueberall sieht man Lilien gern, sei es als! Topfpflanze, als ganzes Blumenbeet oder als Vorpflanzst ung vor Gehölzen. Die Behandlung ist so überaus einfach und die Dankbarkeit für geringe Pflege so groß, daß mast sich wundern muß, die Lilien nicht noch viel häufiger anzu-i treffen. Eine sandiglehmige Erde mit Humus reichlich durchsetzt und ein freier, sonniger Standort ist für die meisten Lilienarten das Beste. Manche, es sind das aber iveniger viele Arten, lieben Halb- oder Vollschatten. DiÄ neueste Nummer des „Praktifchen Ratgebers im Obst- und Gartenbau", die vom Geschäftsamt zu Frankfurt a. O. be^ zogen werden kann, veröffentlicht einen längeren Artikels über Lilien, in dem die bekanntesten Sorten eingehend besprochen und für jede die Bedingungen zu bestem Gedeihest angeführt werden. Es wird auch durch. Bilder verauschau-, licht, wie man durch Einstecken der einzelnen Zwiebel-t schuppen in eine Samenschale sich selbst die Lilien herans ziehen kann. , ,, ... > ■ Kaltes, lufthaltiges, reines Wasser stillt den Durst am leichtesten, indem es die Schleimhaut desj Mundes, des Rachens, der Speiseröhre und, des Magens anfeuchtet, ihr Wärme entzieht und die erhöhte EmpfrndZ lichkett herabftimmt. Zugleich wirkt es als Reiz erregend auf die Muskelhaut des Nahrungskanals, verursacht lebhaftere Kontraktionen, wodurch die Fortbewegung seines! Inhaltes beschleunigt und die Stühlausleerung begünstigt wird. Aus dem Magen wird das Wasser schnell eingesaugt^ gelangt ins Blut und ersetzt den Verlust an wässerigen Teilen., Bei Erhaltung des gehörigen Flüssigkeitszustandes des Blutes begünstigt es dessen Umlauf, das Ernährungsgeschaft und die Absonderung aller Säfte.