1901. M «MW ¥T¥^ wer nur immer lieben wollt', Nicht klagen und nicht trauern sollt' In allem Leid der Erden. Und droht der Himmel trüb und grau, Ihm muß das ew'ge Himmelsblau, Ihm muß die Sonne werden! Aug. Sturm. (Nachdruck verboten.) Auf der Felseninsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e n. (Fortsetzung.) Unschlüssig, was ich beginnen sollte, um ein Alleinsein mit Gunhilda zn erreichen, trieb ichl mich am folgenden Morgen im Garten umher. Da erschollen laute Stimmen aus der Laube, ich! sah den Doktor mit den drei übrigen Herren im eifrigen Gespräch und glaubte die Namen Gunhilda — Ravenskjold zu Haren. Wollte man den Freund unseres Hauses mit in den Anschlag ziehen, ihn als Bundesgenossen gegen mich gewinnen? Meinem Onkel würde eine Frau ohne Namen und Ver- mögen nicht willkommen sein, das wußte ich wohl; doch der Gedanke an den Widerstand, der mich erwartete, bestärkte mich noch mehr in meinem Vorsatz, nicht von Gunhilda zu lassen/ sie zu zwingen, die Meine zu werden, auch gegen ihren eigenen Willen. Schnell verraucht war mein Unmut, tausend Entschuldigungen fand ich! für das gestrige Benehmen der Geliebten, und fest entschlossen, nicht zu weichen, bevor sie mir ihr Wort gegeben hatte, eilte ich! ins Haus. Leer waren die Zimmer, durch! die offenen Küchenfenfter sah ich die Zwillinge eifrig damit beschäftigt, einen Teil der gestern gefangenen Fische in große Korbe zu verpacken. Schon wollte ich! wieder die Wohnung verlassen, als ich> in einer Nische des Gartenzimmers eine Gestalt hinter dem großen Blumentisch hocken sah. „Hanna!" rief ich erstaunt. Mit einem freudigen Ausruf flog sie mit entgegen. „Lieber Toktor, Gott sei Dank, daß. Sie gekommen! Ich fürchtete mich schon hier ganz allein. Was ist denn geschehen? Gunhilda hat sich oben mit der Mutter emge- schlossen, und niemand will etwas von mir wissen!" Ein Thränenstrom brach aus ihren Augen, und sie schmiegte sich so ängstlich an mich, als sei endlich der Reiter in der Not erschienen. „Kommen Sie", sagte ich, ihr beruhigend über die blonden Haare streichend. „Zusammen wollen wir Gunhilda aufsuchen. Ich will und muß sie sprechen." Gehorsam wie ein Kind gab sie mir die Hand und zog mich mit sich die Treppe hinaus. Beklommen blieb ich stehen, meine frohe Sicherheit war wieder verschwunden: mir bangte vor der Erklärung, die ich fordern wollte. Ta öffnete sich! plötzlich eine Thür, die Pastorin trat heraus. Einen Moment starrte sie bald mich, bald ihre Tochter an, als wären ihr plötzlich Gespenster erschienen. Dann sagte sie rasch entschlossen: „Ich weiß, wen Sie suchen — Gunhilda erwartet Sie. Tie Wahrheit verlangen Sie zu hören — ertragen Sie sie als ein Mann. Gehen Sie — und Gott sei mit Ihnen, mit uns allen!" Sie zog die Tochter heftig an sich; einen Moment blickte ich bestürzt in ihr sorgenvolles Gesicht, dann stieß ich die Thür auf. Mir gegenüber, hell beschienen von dem Tageslicht, stand Gunhilda. Noch nie war mir ihre Erscheinung so stolz, so gebieterisch erschienen, und unwillkürlich verneigte ich mich tief, wie ein Bittender, der von den Lippen seiner Königin das Urteil über Leben und Tod empfangen soll. Sie winkte mir, näher zu treten, und sagte mit lauter, klarer Stimme, als könnten diese Worte sie von einer Last befreien, die sie sonst zu Boden drücken würde: „Recht hat die Freundin, Wahrheit muß zwischen uns sein. Machen Sie mir Vorwürfe, ich habe sie verdient, aber verurteilen Sie mich nicht- Gott sei mein Zeuge, — nie habe ich! geahnt, daß Sie, der überlegene Mann, durch! Stand und Erziehung von mir so verschieden, für Ihre Schsilerin andere Gefühle als die der Freundschaft hegen konnten. Ueberrascht, bestürzt hörte ich gestern Ihr Geständnis. Ihre Leidenschaft überwältigte mich, machte mich einen SWen- blick gar an meinem eigenen Herzen irre. Nie hatte ich ähnliche Worte gehört, und mir fehlte die Kraft, die Be- finnung, Ihnen zu fagen--" Sie stockte und blickte zum Fenster hinaus. Von einer furchtbaren Ahnung ergriffen, trat ich dicht an sie heran und zwang sie, mir tu die Augen zu sehen. „Sie lieben einen anderen, Sie lieben Sigurd Hall?" rief ich verzweifelt. „ , , „Gestern wußte ich! es noch nicht", sagte sie traurig und fest zugleich. „Von Kindheit an war ich ihm gut und wollte mir'» doch nicht gestehen. Erst als ich einen kurzen Moment dem Gedanken Raum gegeben, einem anderen anzugehören, erkannte ich plötzlich klar und deutlich, wie es um mich stand, und jetzt möchte ich es in alle Winde rufen: habe ich ihn auch in die Fremde getrieben, werde ich ihn auch nie Wiedersehen, so liebe ich doch .ihn allein, heute und in alle Ewigkeit!" 394 Vernichtend, wie Tolchstöße durchbohrten diese einfachen Worte mein Herz. Wie eine Binde fiel es mir von den Augen: ein Thor war ich gewesen, ein blinder, eitler Thor! Ich sah nicht, wie sie langsam das Zimmer verließ, ich hörte nur das eine: ihn liebe ich heute und in alle Ewigkeit! Und wieder sah ich die düsterglühenden Augen, das verzerrte Gesicht des jungen Mannes, von dem ich sie getrennt hatte — ich, dem sie doch nie und nimmer angehören würde. Doch nicht lange dauerte dieser qualvolle Zustand: wie eine Eingebung von oben stand es klar vor meiner Seele, was ich zu tyuu hatte'. Tarin sollte er recht behalten, der treue, schlichte Mann: nur ein braver Mensch kann eine Gun- Hilda lieben! Mit dem Entschluß, Sigurd aufzusuchen, ihm rückhaltlos das Ganze zu bekennen, begann auch die Betäubung zu weichen, die mich noch immer an derselben Stelle gefesselt hatte. Tas brennende Weh im Herzen wollte zwar nicht weichen, .und ich fühlte, daß meine alte Sorglosigkeit auf immer verschwunden war, allein der Gedanke, daß noch eine Pflicht zu erfüllen sei, ehe ich die Insel verließ, stärkte mich wunderbar, und erweckte aufs neue Energie und Willenskraft. Ich suchte Frau Hall auf in dem Gedanken, sie könnte am besten ein Gespräch mit ihrem Sohne vermitteln. Wer schildert aber mein Entsetzen, als sie mir auf die Frage nach Sigurd stumm folgendes Schreiben hinhielt: „Liebe Mutter! Verzeih mir, was ich Dir jetzt anthue, und bitte cmd)' den Vater, zu verzeihen, daß ich wider seinen Willen handele. Gott sei mein Zeuge, wie schwer es mir wird, Euch zu verlassen! Ich kann und darf aber nicht hier bleiben. Es treibt mich fort, und ich vermag nicht zu sagen, wann ich Wiederkehre. Ein Seemann will ich werden — noch heute gehe ich! an Bord unseres neuen Schiffes; in England hoffe ich mich zu verdingen. Tein treuer Sohn Sigurd Hall." Verzweifelt rang die Frau die Hände. „Noch habe ich seinem Vater nichts gesagt", jammerte sie. „Jähzornig wie er ist, würde er sofort dem Sohne nachreisen, und niemand kann wissen, wie die Zusammenkunft ablaufen! würde. Auch Sigurd ist heftig und vermag nicht, die Ruhe zu wahren, wenn ihn der Vater mit Vorwürfen bestürmt, und schwer genug ist's mir oft geworden, zwischen beiden Frieden zu stiften." „Tann bewahren Sie vorläufig das Geheimnis", sagte ich, in meinem guten Vorsatz noch mehr durch mein Mitleid mit der zarten, einsamen Frau bestärkt. „Verlieren Sie nicht die Hoffnung — ich suche Ihren Sohn auf — und vermag ein Mensch ihn noch zu erreichen, so werde ich es thun — denn der Frieden meines Gewissens hängt davon ab!" Sie nickte und sah mich verständnisvoll an mit den klaren, seelenvollen Augen. „Noch eine Frage, verzeihen Sie die Aufrichtigkeit einer alten Frau, welche in der Jugendzeit Ihre Mutter Freundin nannte", sagte sie hastig, als ich mich; anschickte, davonzueilen. „Sie haben Gunhilda gesprochen — Sie waren jetzt bei ihr — ohne Umschweife, sind Sie mit ihr verlobt?" ^„Nein", sagte ich und summte mit erzwungener Heiterkeit das alte Lied ,Des Seemanns Braut die Welle liebt' — ich brach indes jäh ab, und wieder hatte ich ein Gefühl, als müßte ich ersticken. Ta legte die blasse Frau beide Hände auf mein Haupt, und ich, der ich so lange eine Mutter entbehrt hatte, ich, neigte mich tief vor ihr wie ein Sohn. Sanft drückte sie einen Kuß ans meine Stirn und sagte leise: „Gehen Sie mit Gott! Ter Segen einer Mutter begleitet Sie, und ist auch jetzt Ihr Herz schwer, der Himmel trüb und schwarz — glauben Sie mir, auch dies geht vorüber, und die Sonne bricht wieder mit neuem Glanz durch die Wolken!" Ein frischer Nordostwind blähte die Segel des Bootes, in welchem ich, von dem alten Rasmus begleitet, aus der Bucht hinaussteuerte. Ich war fieberhaft erregt, und mir war, als könnte ich nie wieder einem ehrlichen Menschen in die Pugen schauen, wenn es mir nicht gelänge, den Eltern ihren Sohn, der Geliebten ihren Bräutigam wiederzubringen. Ze kräftiger aber der Wind die Segel schwellte, je schneller wir dahinflogen, desto mehr stieg meine Spannung: würden wir noch das Schiff erreichen, oder hatte auch Sigurd die günstige Brise benutzt, um noch! vor der festgesetzten Zeit die Anker zu lichten?" „Keine Angst, Herr", meinte zwar Rasmus, dem ich meine Besorgnis anvertraute. „Heute abend soll die Brigg abfahren — heute abend fährt sie ab. An Bord muß jeder Ordre parieren und sich nach der getroffenen Verabredung richten — und wäre es der Großtürke selbst!" Ich schwieg und lugte scharf in die Ferne; draußen, wo der Fjord ins offene Meer mündete, lag das Schiff, und erwartete eine letzte Ordre vom Rheder. Ein Ausruf des Fischers: „Dort, dort" — und richtig, da wiegte sich ein schlankes Fahrzeug auf den krausen Wellen. „Gott sei gelobt!" rief ick mit solcher Inbrunst, daß der fromme Seemann den Kopf neigte und hinzufügte: „In alle Ewigkeit, Amen!" Bald waren wir so nahe, daß wir den wachthabenden Matrosen anrufen konnten, bald stiegen wir an Bord. (Schluß folgt.) Saunen des Blitzes. Von B. Ohrenberg. (Nachdruck verboten.) Seitdem die Wetterkunde zur Wissenschaft erhoben wurde, haben die Meteorologen beobachtet, daß während der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Blitzgefahr stetig zugenommen hat. Es ergaben z. B. die von dem Leiter der preußischen Staatsanstalt für Wetterkunde, Professor von Bezold, angestellten Untersuchungen die Thatsache, daß die Blitzgefahr, vom Jahre 1833 bis 1897, auf das Sechsfache gestiegen ist, und daß die Gewitter nicht nur an Häufigkeit, sondern auch an Heftigkeit zugenommen haben. Wenn es sich in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ereignete, daß Feldarbeiter, Forstbeamte oder Touristen im Freien vom Blitze getötet wurden, so hatten die Betroffenen in den allermeisten Fällen die Unvorsichtigkeit begangen, unter hohen, vereinzelt stehenden Bäumen Schutz zu suchen. Jetzt kommt es nicht gar selten vor, daß durch die Entladungen nur eines starken Gewitters, auf freiem Felde mehrere Menschen und Zugtiere getötet werben. Tiefe, im Vergleich zu früherer Zeit, erhöhte Gefahr ist zum Teil dadurch heraufbeschworen worden, daß mit der nachhaltigeren Feldkultur der Brauch immer allgemeiner iwurde, alle einzeln stehenden Bäume und kleinen Gehölze, die früher so häufig zwischen den bebauten Ackerflächen zu finden waren, zu fällen intb auszuroden. Jetzt bildet auf .dem weiten Gelände der Körper des Menschen oder des Zugtiers den höchsten Ableitungspunkt für den Ausgleich .der verschiedenen Elektrizität der Erdoberfläche und der Wolken, und aus demselben Grunde ereignet es sich immer häufiger, daß während der Erntezeit der Plitz in die, zu Hocken aufgefchichteten Garben schlügt und zündet. Durch die vermehrten Beobachtungen der gewaltigen Naturerscheinungen, die wir Gewitter nennen, ist viel interessantes Material über das Entstehen derselben und über das Wesen des Blitzes gesammelt worden; die Meteorologen haben erkannt, daß mit diesem großen Schauspiel doch noch manches Unaufgeklärte verbunden ist!, — es sei hier nur an die Erscheinung der Kugelblitze erinnert. Ohne Wahl zuckt der Strahl; wie seltsam bisweilen die Launen des Blitzes sind, soll an mehreren Beispielen nachgewiesen werden. Nachdem Benjamin Franklin den Blitzableiter erfunden hatte, wurde es nach und nach allgemein Sitte, die Gebäude durch eine derartige Anlage vor Blitzgefahr zu schützen; daß aber eine unbedingte Sicherheit nicht damit zu erzielen ist, haben vielfache Beobachtungen ergeben. Auf einem hochgelegenen Gutshofe in der Nähe von Görlitz wurde das neuerbaute, mit einem Türmchen gekrönte Wohnhaus mit mehreren Blitzarbeitern versehen; wenige Tage später entlud sich ein heftiges Gewitter, und der erste Blitzstrahl, der in das Gehöft schlug, mied das Türmchen und die Blitzableiter, — .er fuhr in ein sehr niedriges Wirtschaftsgebäude, 895 — das kaum drei Meter vom Wohnhause entfernt lag, und sofort in Hellen Flammen stand. Jedem Forstmann ist bekannt, daß es in großen Waldungen eng begrenzte Bezirke giebt, in denen häufige Spuren der Zerstörung durch Blitzschläge zu finden sind; man hat an solchen Stellen schon mehrfach verborgene Quellen oder Erzlager entdeckt Im Jahre 1893 wurde in der Nähe von Sets in Tirol, in der Tedaschlucht, eine Eisenquelle durchs den Blitz erschlossen, indem der mächtige Strahl das Gestein zerspaltete. Eigenartige Verhältnisse, bezüglich! des Grundwassers, sind fast immer die Ursache, wenn im Laufe weniger Jahre der Blitz stets wieder in bestimmte Gebäude schlägt; man sieht, namentlich in Gebirgsdörfern, bisweilen Ruinen von Häusern, die nicht wieder aufgebaut werden, weil erfahrungsgemäß die Blitzgefahr an diesen Orten zu groß ist. Einer der merkwürdigsten Fälle, wo der Blitz innerhalb weniger Tage in dasselbe Haus schlug, hat sich in einem Dorfe des Kreises Bunzlau in Schlesien zugetragen. Während eines heftigen Morgengewitters frühstückt der Besitzer des Wirtshauses an einem Tische, der mitten in der Schenkstube steht; plötzlich steht die Stube in Flammen, und der Wirt sinkt tot vom Stuhle. Zwei Tage später entladet sich in derselben Morgenstunde wieder ein Gewitter über dem Torfe. Bor dem heftigen Regen flüchtet sich ein Handwerksbursche in die Schenke und setzt sich! zufällig an denselben Tisch, an dem der Wirt vom Blitz erschlagen wurde. Während die Wirtin dem Gaste weinend das Unglück erzählt, schlägt der Blitz abermals ein und tötet auch den Handwerksburfchen. Bei einem Gewitter, von dem im September 1895 der Ort Waltersdorf in Sachsen betroffen wurde, ereignete sich ein seltsamer Fall, den der Volksmund als Gottesurteil bezeichnete: Eine zur Miete wohnende, böhmische Familie, die seit mehreren Jahren den Zins schuldig geblieben war, wurde vom Besitzer des Hauses gezwungen, es zu verlassen. Während des Gewitters schleicht sich die rachsüchtige Böhmin, die ihr Kind auf dem Arme trägt, in der Dunkelheit an das Haus, um Brandstiftung zu begehen; da zuckt ein Strahl hernieder und erschlägt die Frau, das in ihren Armen ruhende Kind wurde fortgeschleudert, blieb aber unverletzt. Unter allen Waldbäumen wird am häufigsten die Eiche vom Blitz getroffen; dieser Umstand dürfte die Veranlassung gewesen" sein, daß bei den heidnischen Germanen die knorrige, stolze Eiche dem Gewittergott Donar geweiht war. Die neueren Forschungen über die elektrischen Entladungen während eines Gewitters haben ergeben, daß nicht nur aus den Wolken der verderbliche Funke zur Erde zuckt, sondern daß durch die Ausgleichung mit der Elektrizität der Erdoberfläche ein sogenannter „Rückschlag" hervorgerufen wird, der zwar nicht so heftig wie der direkte Blitzstrahl wirkt, aber stark genug ist, um Menschen und Tiere zu töten. Es sind auch schon „Erdblitze" wahrgenommen worden, nämlich! elektrische Ausstrahlungen, die in Blitzgestalt der Erde entsteigen. Ein Erdblitz scheint thätig gewesen zu sein bei einem Fall, der in der Nähe von Lausanne beobachtet wurde: man fänd ein Mädchen als Leiche, das bei heftigem Gewitter unter einem wilden Birnbaum Schutz gesucht hatte; die in viele kleine Fetzen zerrissenen Kleider, sowie die Kopfhaare der Getöteten hingen hoch! oben im Wipfel des Baumes; es muß also angenommen werden, daß diese Stoffe von einem nach oben zuckenden Blitz dorthin geschleudert wurden. Ein Apotheker, Namens Pfeffer, beobachtete bei seiner Besteigung des Col de Balan, daß während eines heftigen Gewitters, wenige Schritte vor ihm, ein Blitz aus der Erde fuhr und sich mit dem Strahl aus der Wolke vereinigte. Den interessanten Aufzeichnungen des Pastors Johannes Tobias Volkmar, der im achtzehnten Jahrhundert in Petersdorf im Riesengebirge amtierte, ist nachstehender Bericht entnommen, der die mit furchtbarer Gewalt bewirkte Zertrümmerung eines Felsens durch Blitzschlag aus der Erde schildert; der gelehrte Herr schreibt: „In dem Jahre 1755, da in anderen Gegenden der Welt die Erdbeben auf eine ungewöhnliche Weise wüteten, hatten wir ein paar Monate hindurch täglich die heftigsten Donnerwetter; ein Blitz durchfuhr bei den „Dreisteinen" einen ungeheueren Felstnrm in einer Oeffnung gleich einer Kanonenkugel unten am Boden. Ohngezweifelt hat der Blitz den ganzen Felsen heben müssen, weil er, an Höhe einem ziemlichen Turm gleiche eingestürzet und in lauter gleiche Tafeln gespaltet ist. Sein Fall hat einen prasselnden Knall verursacht, der bis in viel Meilen weit entlegene Thäler ist gehört worden. Ich habe keine größere Gewalt des Blitzes gesehen; denn eine einzige von diesen Tafeln würde kaum mit zwölf Pferden von der Stelle zu bewegen sein. — Ein anderer Blitz durchfuhr einen Fels in der „großen Schneegrube" vou oben bis unten auf den Grund und schlug seine ganze Vorderwand in Stücken, so daß man die Straße an dem Felsen viele Meilen weit iin Thale sehen konnte. In der Mitte dieses zerschmetterten Felsens offenbarte sich» der reichste Bleiglanz nebst einem Silbererze." Diese gewaltigen Zerstörungen zeigen, welcher ungewöhnlichen Kraftentfaltung der elektrische Funke fähig ist; um so überraschender berühren jene Fälle, in denen der Blitz wie ein gewandter Taschenspieler auftritt, verschwinden läßt und andere derartige Scherze übt. Klingt es nicht, als hätte ein neckender Kobold die Hand im Spiel, wenn man in den, vom französischen Astronomen Camille Flam- marion gesammelten Beobachtungen liest, wie der Blitz zwei strickende Damen trifft, sie selbst ganz unversehrt läßt, aber den Strümpfen sämtliche Stahlnadeln entreißt? Der französische Gelehrte berichtet u. a., daß einer Dame der goldene Ring im Ohr geschmolzen wird; daß der Blitz einem Manne die Uhr in der Westentasche und das Geld in der Börse schmilzt, — ohne deren Besitzer zu schädigen; einem Trinkenden schleudert der Blitz den Becher aus der Hand und wirft ihn durchs Fenster; einem Reiter stiehlt er die Peitsche, — aber alle bleiben unverwundet. Sehr merkwürdig ist folgende Begebenheit: In Courcelles-les- Sens standen während eines Gewitters drei Damen um eine Nähmaschine; der Blitz schlug ein und tötete die älteste von ihnen; als die beiden jüngeren Damen aus der Betäubung unversehrt erwachen, finden sie sich gänzlich entkleidet, auch ihre Schuhe sind von den Füßen gerissen. — Selbst den Aerzten pfuscht der Blitz in ihre Kunst: Ein Gastwirt, der heftig am Rheumatismus leidet, beobachtet ein Gewitter von der Schwelle der offenen Hausthür; plötzlich wird er vom Blitz ins Innere des Hauses geschleudert, und, nachdem der Mann sich von dem Schreck erholte, bemerkt er, daß diese elektrische Kur seine rheumatischen Schmerzen vertrieben hat. Viele Radfahrer huldigen dem Glauben, durch Isolierung auf ihrer Maschine vor Blitzgefahr geschützt zu sein, es ist dies jedoch nicht der Fall, wie ein Bericht der Radfahr-Zeitschrift „Velo-Sport" beweist: Zwei Radfahrer wurden am späten Abend vom Gewitter überrascht, wobei den einen der Blitz trifft und ihn mehrere Meter weit vom Rade fortschleudert. Hierauf sehen beide, daß die Maschine des aus dem Sattel Geworfenen von zuckenden Flammen umgehen ist, die sich schlangenförmig um die Speichen winden; es zeigte sich, daß die Lager geschmolzen waren. Mit den Worten: „Wie ein Blitz aus heiterem Himmel" pflegt der Volksmund bekanntlich ein sehr überraschendes Ereignis zu bezeichnen. Thatsächlich sind schon mehrfach Fälle' beobachtet worden, wo elektrische Entladungen, bei völlig wolkenlosem Himmel, den Tod von Menschen und Tieren veranlaßten; so ereignete es sich vor mehreren Jahren, daß im Klostergarten von Maria Trost in Schvn- bornslust ein junges Mädchen vom Blitz erschlagen wurde, während sich, von diesem Orte tocit entfernt, ein Gewitter in der Nähe von Koblenz entlud. Der Blitz vermag auch durch Telegraphenleitnngen zu töten. Im Orte Kowrow (im Gouvernement Wladimir) stürzte einst ein Arbeiter Plötzlich entseelt zur Erde, der mit der Befestigung von Leitungsdrähten beschäftigt war. Nachforschungen ergaben, daß in einer Entfernung von 107 Werst ein starkes Gewitter gewütet hatte; -ein Blitz zersplitterte vier Telegraphenstangen und wurde dann durch die Drähte weiter geleitet. In gänzlich abweichender Weise von den zickzackförmigen Linienblitzen und den Flächenblitzen zeigen sich dem Auge die weit selteneren Kugelblitze, die sich nur mit geringer Geschwindigkeit fortbewegen. Die feurigen Kugeln erscheinen entweder geräuschlos, oder von starkem Knattern begleitet und zerplatzen häufig mit donnerartigem Krachen; sie bewegen sich mitunter rollend über die Erdoberfläche oder, 8 7 6 5 4 3 2 1 8 7 6 5 4 3 2 1 Gemeinnütziges. Kohlherzenseuche. Ganz ungeheuren Schladen richtet itt den letzten Jahren in manchen Teilen Deutschlands die Larve einer Gallmücke an. Anfang Ium, auch wohl schon etwas früher, erscheinen die Maden zu 3 und 4 in den jugendlichen Herzen der kaum über Setzlmgsgroße gediehenen Kohlpflanzen. Sie zehren die Herzen„ auf, bte bald faulig zerfallen. Es war bisher noch nrcht möglich gewesen, den Schädling zu erkennen. Das Schädlingsamt des Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau hat sich bereits im Vorjahre mit diesem Schädling beschäftigt, und veröffentlicht in der neuesten Nummer des praktischen Ratgebers, die vom Geschäftsamt zu Frankfurt a. O. zu erhalten ist, die Resultate der Forschungen Leider ist es noch nicht gelungen, ein unbedingt wirkendes Gegenmittel zu finden. Es scheint, als wenn Besprengen der Pflanzen mit einer mäßig starken Kochsalzlosung die Maden tötet, «z empft-M sich °b«, tefeMlet schon I-iq, « beugende Maßregel, anzuwenden, da derartig versalzene Pflanzen von den Gallmücken zur Ablage der Eier wahrscheinlich gemieden werden. Die Zeit zum Rosenokulieren ist da. Wer etwas zu veredeln hat, wird scyon genügend vorgearbeitet habens und nicht erst im letzten Augenblick die Wildlinge ausschneiden, Seitentriebe entfernen, um den Saft nach oben in die Krone an die Okulierstelle zu leiten. Zur Verwendung sollen nur gut ausgereiste Augen von ver- : holzten Trieben kommen, weil diese am sichersten an- I wachsen. Wenn sich der Dorn am Rosenzweig so abdrucken läßt daß er die Rinde nicht einreißt, dann ist der Zweig verholzt, und die Augen sind, soweit sie nicht ausgetrieben haben, zum Okulieren geeignet. Ob man nun das Auge vorsichtig und dünn mit einem HolzsMdchen abschneidet oder -einfach ausbricht, blecht sich gleich, in beiden Fällen wachsen die Augen an, wenn nur die Unterlage d. h. der Wildling saftig ist, und sich gut lost. Tie Handgriffe beim Okulieren dursten allen Garteu- I freunden bekannt sein; weniger bekannt oder beachtet sind I aber die Umstände, welche ein sicheres Anwachsen gewahr- I leisten. Wildlinge, bei denen die Rmde Nicht lost, sind I unbrauchbar, ein Regentag ist ungeeignet; wer die Augen erst I mit den Lippen sesthält oder gar anfeuchtet, bis er Mit dem I Einschnitt fertig ist, hat keinen guten Erfolg zu erwarten- I Zum Verbinden eignet sich guter Rafftabast, auch Woll» ! fäden. Baumwachs ist überflüssig. Es wird nur ange- I wendet, wenn die Okuliermade zu besurchten ist. Das beste I Wetter ist ein sonniger, warmer Tag, weck der Saft- I umlauf in der Pflanze dann am lebhaftesten ftüSelir I notwendig ist ein haarscharfes Messer das die Schneide I eines Rasiermessers ausweist, und handliche Fertigkeit, I denn wer langsam herumwurstelt ünd das Auge erst mA I Messer und Daumen mißhandelt, bis er es in den Spalt I bringt, darf sich keine Hoffnungen machen. („Prakt. Wegw.", Würzburg.) sreischwebend in der Luft, und bisweilen in aussteigenden i - Spiralen. Ihre Wirkung ist meistens sehr zerstörend, aber I fte erscheinen und verschwiuden auch, ohne den geringsten I ^Von den^als"glaubwürdig verbürgten Beobachtungen I solcher unheimlichen Erscheinungen seien nur wenige mit- I ^^"Während eines furchtbaren Gewitters, das um den I Gifpel der Schneekoppe tobte, stürzte durch, das Dach der i Koppenkapelle, die damals nach! als Hospiz diente, eme I feurige Masse von Mannesstärke und verschwand mt eisernen I Ofen; hierauf drangen, während, der „ganzen Dauer des I Gewitters, zahlreiche Blitze durch die Thur, und schlangelten I sich in horizontaler Richtung ebenfalls zum Ofen hm, ohne I einst der Schnelldampfer Alaska, dessen Ladung I aus Eisenerz bestand, einem mehrstündigen Gewittersturm I ausgesetzt war, zuckten fast unaufhörlich! Blitze um das I Schiff und verletzten den größten Teck der Mannschaft. I Außerdem explodierten drei gewaltige Feuerkugeln m der l Takelage und überfluteten das Verdeck Mit Flammen ,^er I Kapitän erklärte, es fei diese Nacht die fürchterlichste seines I QBtDßf Ctt Einem Bericht des Professors Zenger in der Natur- I wissenschaftlichen Wochenschrift sind die folgenden, Mitteil- I ungen entnommen: Dieser Herr beobachtete, tote ent Kuge^ I blitz von der Größe einer Kanonenkugel auf den Blitz- l ableiter einer Villa stürzte und !explodierte. Das Dach I wurde an 45 Stellen durchschlagen, die Zimmerdecken fteb- I artig durchbohrt, vielfach durchsöchiert, der Fußboden m I der Pförtnerwohnung um einen halben Meter emporge- | hoben, — vermutlich durch Rückschlag, und sämtliche Nagel I aus den Dielen gerissen. , Ein höchst merkwürdiger Fall, der einem Blitz aus heiterem Himmel fast gleich! zu achten ist, wurde im ^ser- gebirge beobachtet: An einem fehr heißen Grntetag war der tiefblaue Himmel fast gänzlich wolkenfrei; - da loste sich in der Mittagstunde vom Kamme des Gebirges em kleiner, ] weißer Nebelschleier ab, der sich; zu emem Wölkchen verdichtete, das scheinbar pon der Größe emer Nuß war Aus diesem winzigen Wolkengebilde zuckte plötzlich, em Strahl hernieder, der das einsam gelegene Haus emer, armen Witwe traf und in Flammen setzte. Diesem Blitzschläge folgte kein zweiter, das Wölkchen zerfloß in Dunst und virschwand.^deu land ereignete es sich, daß ein Mann, der von einem heftigen Gewitter im Freien überrascht wurde, plötzlich bemerkte, wie ein feuriger Klumpen „ an steuern Rock hinabglitt, ohne ihn zu verletzen; nachträglich stellte sich heraus, daß die Uhr des Mannes m der Tasche ge- schmolzwi war^ <>en ungünstigsten Verhältnissen wirkt ein Blitzstrahl nicht mer verderblich. In dem thüringischen Jndustrieorte Mehlis schlug einst der Blitze tn eme Büchsenmacher-Werkstatt, die Jo klein und eng war,, daß! der Meister und zwei Gesellen nur den notwendigsten Raum zum Arbeiten hatten. " . _ An jenem Gewittermorgen fuhr der Butz durch das eilte Fenster hinein und, zwischen den Männern durch- ' lüpfend, zum gegenüberliegenden Fenster wieder hmaus; ' ! Ai beiden Glassch!eiben befand sich ein glattrandiges Loch^ von Erbsengrößel - Keiner der drei Männer wurde verletzt, die Thätigkeit des elektrischen Funkens beschrankte sich darauf, ein halbes Dutzend der besten und härtesten Stahlwerkzeuge an den Spitzen zusammen zu schweißen, und -- ein Zeitungsblatt am Rande zu versengen. Schachaufgabe. Nachdruck verboten. Schwarz. a b c d e f g h abedef gh _ Weiß ~ (4+2) Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge matt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Tasel.