(Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von Anton v. Perfall. (Fortsetzung.) Immer wieder nahm er sich vor, mit Polentz zu sprechen. Tas ging nicht so fort. Er hatte ja auch seine fünfzigtausend Mark in dem Geschäfte stecken, und mit den fünf Prozent, die er bekam, war die Sache nicht abgethan. Er war zum mindesten Teilhaber so gut wie der Matthias. Er sprach auch mit seiner Frau darüber. Da kam er aber gut an. Lieber solle er zusehen, daß er seine fünfzigtausend Mark glücklich, herausbekomme aus dem Schwindelgeschäfte. Da hörte alles auf. Wie doch die Weiber alles verkehrt sehen in ihrem Hasse! So sprach jetzt die Moni, die sonst den Leuten immer die Stange gehalten hatte, gegen ihn. Natürlich war nichts darauf zu geben, aber stutzig wurde er doch, und zu Polentz ging er nicht wegen der Teilnehmerschaft. Es giebt Geschäftsgebahrungen, welche sich gleich einem Kreisel nur durch ständige, hastige Bewegungen halten können, eine Keine Stockung, ein unbedeutendes Hindernis, und das Spiel ist aus. Dazu gehörte auch das Geschäft des Herrn Polentz. Und er drehte den Kreisel so rasch, und so geschickt, daß man keine Farbe mehr unterscheiden konnte, und den Zuschauer selbst der Schwindel befiel. Ihm selbst entging nicht die große Gefahr des Spieles. Tas Perpetuum mobile war noch nicht erfunden; einmal mußte der Stillstand eintreten, und damit der Sturz. So handelte es sich für ihn lediglich darum, ihn möglichst lange hinauszuschieben, womöglich jenseits seiner Lebens- LE eniefje still zufrieden Den sonnig heitern Tag, Du weißt nicht, ob hienieden Ein gleicher kommen mag, Es gibt so trübe Zeiten, Da wird das Herz uns schwer, Da weht von allen Seiten Um uns ein Nebelmeer. Da wüchse tief int Innern Die Finsternis mit Macht, Ging nicht ein süß Erinnern Als Mondlicht durch die Nacht. Julius Sturm. bahu zu verlegen, oder zur rechten Zeit Kreisel und Strick fahren zu lassen. Tie Grundpreise waren in das Sinnlose hinaufgetrieben, und standen längst in keinem Verhältnisse mehr zur Bevölkerungszunahme der Stadt. Es hieß möglichst rasch losschlagen, ehe das Publikum völlig zur Besinnung gekoinnien, abgesehen davon, daß der Aufwand der jungen Leute, zu welchem er allerdings aus Geschäftsrücksichten die Losung gegeben hatte, immer größeren Umfang annahm, und Herr Fritz sein Möglichstes that, hinter der Schwester und dem Schwager nicht zurückzubleiben. Ter Bau einer Ringbahn stand bevor, die gewagtesten Spekulationen knüpften sich seit Jahren an dieses Projekt. Durch wessen Grundstücke fie geführt wurde, der verdiente das Zehnfache daran. Polentz gehörte nicht zu den Säumigen. Der Minister Graf Waradin war der Mann, der die Sache in der Hand hatte. Völlig verschlossen gegen alle Sonderinteressen) ein Mann von tadellosem Charakter, galt er als der vornehmste Beschützer des Bauernstandes, als der energischste Förderer landwirtschaftlicher Interessen. Ja, man machte ihm sogar Vorwürfe, daß er nach dieser Seite zu weit ginge, die Interessen der Industrie darüber vernachlässige. Vor allem aber war es kein Geheimnis, daß er der fieberhaften, hastigen Ausdehnung der Stadt auf Kosten des Bauern nichts weniger als hold war, und gegen alles Spekulantenhafte einen förmlichen Haß hegte. Manchen schreckte dieser Umstand geradezu ab, sich in der Angelegenheit persönlich an ihn zu wenden. Polentz ließ sich dadurch nicht irre machen. Aber trotz aller Dreistigkeit war es ihm doch unheimlich zu Mute, als er vor der Thür des Allmächtigen stand. Um so überraschter war er von dem Empfange, der ihm wurde. Er hatte Mühe, sich rasch zu fassen, und seine Taktik für diesen völlig unvorhergesehenen Fall zu ändern. Ter Graf streckte ihm die Hand entgegen. „Sie sind also der Herr Polentz —" Dann wurde er allerdings abenso rasch, einen prüfenden Blick auf den feisten. Keinen Mann werfend, auffallend förmlich, bot ihm jedoch Platz an. Tas war schon sehr viel bei Gras Waradin, wenn man in solcher Angelegenheit laut. „Ich irre mich doch nicht —" begann er dann, während Polentz die Ohren spitzte, um ja kein Wort zu vertieren, „zur Zeit der Nonnenkatastrophe wurde mir der Name Polentz in einer mir höchst sympathischen Beziehung genannt. Ein Herr Polentz, Bankagent, rettete sozusagen einen unserer besten Bauern aus dem Oberlande, welcher von der Katastrophe hart mitgenommen wurde, vor der Ausbeutung einer norddeutschen Firma. Sind Sie der Polentz?" 206 s« Polentz entwickelte sich im Nu der Weg, den er jefet einzuschlagen hatte. Er lächelte bescheiden. Allerdings, ich bin der Polentz, aber assen gesagt, Exzellenz, was Ihnen da erzählt worden ist, - nun ja, das ist ja richtig, ich bin zur rechten Zeit gekommen - aber so etwas macht einem ja ein wahres Vergnügen, einem biederen Landmann zu Helsen." £ £ Nun, ich habe mir sagen lassen", fuhr der Graf fort, „es habe sich um ein Vermögen gehandelt, das für den Wald gelöst worden ist." „Hundertfünfzigtausend Mark, Exzellenz, die Firma bot nicht die Hälfte, und der Bauer wäre allerdings ahne mich darauf eingegangen." . , „Also, sehen Sie! Und rote ging die Sache dann weiter? Ich habe sie aus dem Gesichte verloren. Oder toäii" — der Graf rieb sich die Stirne — „der Bauer soll einen etwas leichtsinnigen Sohn gehabt haben, einen von den modernen Obenhinaus, dem sein Stand nicht gut 8enlt9sXer' Leider!" erklärte Polentz mit kummervoller Miene. „Ja, den hatte er, das schlimmste d ab et ist, daß ich ihn jetzt habe, Exzellenz; er ist mein Schwiegersohn! „Der junge Bauer" — der Graf runzelte die Stirne und ließ seinen Blick von neuem mißtrauisch über die Gestalt des vor ihm Sitzenden gleiten „heiratete ^chre Tochter? Ist hier in der Stadt? Bet Ihnen mi Geschäfte? „Gott, Exzellenz, im Geschäft? Nichts ist er. Em Verschwender ist er! Aber was wollte ich denn machen . Tie jungen Leutchen liebten sich. Es ist nur ein wahres Glück, daß der schöne Hof vor ihm sicher ist." „Was ist denn mit dem Hos?" Der Bauer übergab ihn auf metiten Rat seiner Tochter, einem braven Mädchen, das einen fleißigen Holzarbeiter geheiratet hat. Der ist nun in sicheren Händen. __ „Und der alte Bauer? Sie sehen, ich tntere,siere mich für die Familie." , . , „ „Lebt mit seiner Frau bet mtr tnt Haufe, Exzelleng. Ich kann sagen, er ist mein bester Freund, ein Ehren- • mann Sehen Sie, Exzellenz, das war noch ment einziges Glück bei der ganzen Sache, daß ich nur den Mann gewonnen habe. Sie wissen schon, unsereiner wächst da tm Geschäfte groß, zwischen den Kontormauern, da verhärtet sich alles da drinnen. Man hat kein Herz und kein Verständnis mehr sür das Volk, für sein Wohl und Wehe, man wird ein hartgesottener Egoist und Spekulant, ^ch will mich nicht besser machen, ich war gerade so; aber fett ich mit dem Manne verkehre — ich denke jetzt ganz anders. Die Leute haben so einen klaren Blick, ,o gar nichts Verbildetes. Und dann vor allem in meinem Geschäfte — Sie wissen ja, das Interesse der Bauern spielt dabei ja oft die wichtigste Rolle. Wenn man da gewissenlos sein wollte — aber man kann es Nicht fern mit so einem Manne an der Seite, man schämt sich; kurz, man kann es nicht. — I ch nicht. Es geschieht Nicht» ohne seinen Rat. Es kommt dadurch gewissermaßen etn konservativer Zug iu mein Geschäft. Wir können die Ausdehnung der Stadt nun einmal nicht verhindern, ebensowenig, daß der Bauer in der nächsten Umgebung verdrängt wird; aber wir reißen ihn nicht mit der Wurzel aus, sondern versetzen ihn fein sorgfältig in ein anderes Erdreich. Das ist unser Prinzip. O, ich sage ^hnen, Exzellenz, dieser Bauer ist ein Prachtmensch, die Perle meines Hauses. Wenn Exzellenz vielleicht einmal bei Ihrem großen Interesse für den Mann uns die Ehre schenken wollten — ich würde die sorgfältigste Auswahl treffen in der Gesellschaft." . Graf Waradin erhob sich rasch-, ,o daß Polentz fetn kühnes Vorgehen fast bereute. Sie kommen doch wegen der Ringbahn?" sagte er. Versprechungen kann ich allerdings nicht matzen. Indes liegt mir sehr viel daran, die landwirtschaftlichen Interessen möglichst wenig dadurch, gestört zu fetten. Der Bauer, der am Ende den Schaden hat, dessen Grundbesitz zerstückelt wird, der in'seiner Ruhe gestört wird, soll wenigstens auch den Hauptnutzen davon haben. Das will ich Ich werde Sie im Auge behalten, Herr Polentz, verlassen Sie sich darauf. Grüßen Sie mir Ihren Berater. . Er soll nur tapfer zu seinem Stande halten." Mit einem kurzen Nicken des Kopfes war Polentz entlassen. „O, ich Schafskopf! O, ich Schasskopf!" murmelte er vor sich hin, hurtig die Stiege hinabeilend. „Muß dir erst dieser verrückte Graf einen Deuter geben, was für einen wertvollen Mann für das Geschäft du im Hause hast. Im Hinterhause, in einem feuchten Winkel, damit ihn ja niemand sieht, während die im Vorderhause, Tochter, Sohn und Schwager, alles Erdenkliche thun, um das Geschäft zu verderben! Die Ringbahn wird durch meinen Grund gehen. Die Exzellenz, der mächtige Graf Waradin, wird in meinem Hause erscheinen. Ja, das wird er! Tas kostet nur eine formelle Einladung zu irgend einer Eröffnung, und dieser Besuch bedeutet die Aufnahme des Hauses' Polentz unter die ersten der Stadt, bedeutet den Kommerzienrat — Millionen! Und das alles macht der alte, vergessene Bauer vom Wald! . Er hätte am liebsten laut aufgejubelt oder wäre sofort in das Hinterhaus geeilt, und dem Alten um den Hals gefallen. Aber nur sachte, sachte! Er, der Johannes, wäre ja leicht herauszulocken, aber die verärgerte Bäuerin, darin-lag die Schwierigkeit. , . Wenn der Graf von dem wahren Sachverhalte Wind bekam, war alles verloren, und es war dem Grafen wohl zuzumuten, daß er nähere Erkpndigungen einzog.... So kam es, daß eines Tages Herr Polentz die Wohnung des Johannes betrat, welcher sich, von den ständigen Hetzereien seiner Stammtischgenossen zum äußersten aufgereizt, soeben anschickte, zu ihm ms Bureau zu gehen, und sein Geld zu fordern. Johannes traute seinen Ohren nicht. Was er seit Monaten, trotz wiederholten Anlaufs dazu, nicht zu fordern wagte, die Beteiligung am Geschäfte, die höhere Verzinsung seines Kapitals, das alles brachte ihm Polentz jetzt in der liebenswürdigsten Weise entgegen. Schon lange, erklärte Polentz, lasse ihm dieses mi» natürliche Verhältnis zu Johannes keine Ruhe, er wisse sehr wohl, was er ihm zu danken habe, und vor allem könne er feines Rakes in der nächsten Zeit nicht ent- behren. Was seien dagegen die kleinlichen Weiberstreitigkeiten?! Darüber seien sie doch hinaus. Johannes dachte an keinen Widerstand, an kein Ausnützen dieses ausfallenden Umschlages in der Stimmung des Herrn Polentz, seine alte gerade Natur schlug wieder durch, die keinen Hinterhalt kennt. Alles sollte vergessen sein. Als die Bäuerin heimkam — Polentz hatte wohl- weislich die Stunde ihrer Abwesenheit gewählt — trat Johannes ihr mit der freudigen Nachricht der Versöhnung gegenüber. ' Sie war nichts weniger als erfreut darüber. Sie hatte sich wohl einmal gründlich täuschen lassen von den Leuten, dafür aber war sie für alle Zeiten mißtrauisch geworden! Etwas war nicht in der Ordnung, umsonst holte man sie nicht. Sie weigerte sich erst energisch, dem Rufe Folge zu leisten. Da kam dann abends Frau Polentz selbst mit der Schwiegertochter, und beide leisteten förmlich Abbitte. Ihr Mißtrauen wurde zwar dadurch nur vermehrt, es mußte sich um sehr wichtige Dinge handeln, Johannes sehr notwendig fein, daß sich die Damen dazu entschlossen, aber eine Genugthunng empfand sie doch, und am Ende sehnte sie sich wieder nach- ihrem Matthias. Tie Versöhnung war eine vollständige. Polentz war nicht kleinlich, wenn es galt, sich populär zu machen. Vor einem halben Jahr hatte er der neu» gegründeten Pfarrei seines Stadtteiles einen Bauplatz für eine Kirche kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ein prächtiger Gedanke kam ihm, indem er alle Möglichkeiten durchging, den Minister möglichst rasch in fern Haus zu bekommen. Feierliche Grundsteinlegung, abends Feier im .Hause! Der Minister wird dazu eingeladen, und wird nicht absagen. Vor allem thut Eile not, die Entwürfe zur Ringbahn lagen dein Minister bereits vor, verschiedene Ankäufe waren bereits gemacht worden. Die Pfarrei erklärte auf fein Drängen, man könne doch nicht den Grundstein zu der Kirche legen, bevor nicht wenigstens die Hälfte des nötigen Geldes aufgebracht sei. Polentz lachte. Zum Grundstein brauchte man nicht mehr, als eben ein Grundstein kostet. Das übrige tage sich bann viel leichter zusammenbringen. Zuletzt erklärte er sich bereit, die Sammlung mit tausend Mark zu er» 207 öffne«, wenn man sich entschließe, sofort en das Werk M gehen. Das zog. An einem herrlichen Herbsttage sand die Grundstein- legnng statt. Polentz, als der großmütige Schenker des Platzes, that die drei Hammerschläge, daß es weithin schallte, dann hielt er eine Rede, die den Pfarrer beschämte, und alle Anwesenden zu Thränen rührte. Johannes, der neben ihm stand, schluchzte wie ein Kind. Er gedachte unwillkürlich der kleinen Pfarrkirche zu Hause, an deren Wand die Bauern vom Wald ruhten unter rotem Sandsteine. Und ringsum war das Arbeitsfeld dieses Wundermannes. Im Glanze der Oktobersomie lag ein ganzes Stadtviertel da, das er gebaut hatte. Neue Verehrung ergriff Johannes für diesen Mann, ja er kam sich dagegen ganz erbrämlich vor. Der Minister hatte sich für die Grundsteinlegung entschuldigen lassen; aber für den Abend hatte er zugesagt. Das war ein großer Tag. Das ganze Stadtviertel sprach davon. (Fortsetzung folgt.) Rach zeh« Jahren. Novellette von C. Gerhard. (Nachdruck verboten.) „Melitta, Du mußt es ja längst wissen, daß ich Dich liebe, sei mein, werde mein Weib!" Tie Stimme des Sprechenden bebte vor Erregung, seine. Augen hefteten sich voll leidenschaftlichen Flehens auf das noch halb kindliche aber wunderschöne Antlitz des Mädchens, das vor ihm im Erker lehnte. Die Wendsonne umwob ihr goldbraunes Gelock mit einem Glorienschein, erschreckt blickte sie zu ihm empor. „Ach Eberhard, warum ließest Du es nicht bei unserer Freundschaft?" „Weil aus dem ehemaligen Empfinden ein anderes in mir erwachsen ist, die tiefe Liebe", flüsterte er. „Melitta, als Kinder schon spielten wir Mann und Frau und waren froh dabei, laß aus dem süßen Spiel beglückende Wirklichkeit werden! Tu schweigst, Du liebst mich nicht?" In ihren Zügen matte sich ein Kampf, und doch erwiderte sie fest: „Ich bin Dir gut, wie einem Bruder! O, daß ich Dir wehe thun muß. Doch in meinem Innern lebt ein Wunsch, ein Hoffen nur, — meiner Kunst zu dienen!" „Ter eitle Glanz der Bühne, die Huldigungen der Menge locken Dich, erscheinen Dir begehrenswerter, als das bescheidene Los an der Seite des Gymnasiallehrers!" — rief er bitter. Sie hob mit stolzer Gebärde den schönen Kopf. „Glaubst Tu dies, so kennst Du mich nicht und kannst, mich nicht lieben. Tas Verlangen, die edlen Gestalten unserer Komponisten zu verkörpern kraft des mir geschenkten Talentes, ist nicht der Eitelkeit entsprungen. Ich muß. singen —" „Singe für mich in unserem lauschigen Heim!" Da sie stumm blieb, sagte er schmerzlich: „So leb' wohl, und mögest Du nie bereuen, ein treues Herz von Dir gestoßen zu haben!" Sie achtete es kaum, daß er das Zimmer verließ. Brausender Jubel durchhallte das Opernhaus und immer von neuem mußten sie an die Rampe treten — Elsa und Loheugrin, Ortrud und Telramund, aber der begeistertste Beifallsruf galt nicht den fremden Tenoristen, galt der gefeierten und beliebten Primadonna, der Darstellerin der Elsa. Und mit strahlendem Lächeln verneigte sich Melitta Waldeck, sie hatte ihr Ziel erreicht, nach sechsjähriger Bühnenlaufbahn war sie eine der gefeiertsten deutschen Bühnensängerinnen, die Kunst füllte ihr Leben ans, machte sie glücklich; Zu den letzten, die das Opernhaus verließen, gehörten einige Offiziere. „Famoses Weib!" bemerkte ein Unterleutnant. „Aussehen, Stimme, Spiel, Vortrag, alles ist vollendet an ihr." „Dabei ist der Ruf der Waldeck tadellos", fügte ein anderer hinzu, „sie ist in den besten Kreisen persona gratissima!" „Aber gegen die Männer kalt wie Eis!" seufzte der erste. „Sie müssen es ja mässen, Hoheneck", lachten die andern, „haben ihr ja offen gehuldigt!" „9htn, das ist doch keine Schande!" verteidigte sich der kleine Offizier, „auch andere warben vergeblich um sie, der Legationssekretär von Düren, der Bankier Lanken, ja, man spricht noch von einer hochgestellten Persönlichkeit!" „Allen soll sie mit größter Liebenswürdigkeit scherzend erklären, sie sei mit ihrem Beruf vermählt und sehne sich nach keinem anderen Lebensgefährten." „Bis der Rechte kommt! Warten wir's ab!" Dabei landeten sie in einem vornehmen Restaurant und wechselten das Gespräch. Vier Jahre sind vergangen. Die Wellen des Mittelmeeres rauschen und raunen. Ihr Gemurmel dringt durch das geöffnete Fenster in ein lauschiges Gemach. Ruhelos wie sie schreitet eine königliche Frauengestalt im schwarzen Sammetkleide auf und nieder. Braungoldenes Haar schmückt den edel geschnittenen Kops, auf dem schönen Antlitz liegt hoffnungslose Trauer. Zögernd läßt sich Melitta Waldeck an dem offenen Flügel nieder, ein tiefer Atemzug hebt ihre Brust, sie beginnt zu "fingen. Aber statt melodischer Klangfülle entringen sich ihrer Kehle nur heisere, gebrochene Töne. Mit einer jähen Dissonanz bricht sie ab und birgt das Gesicht in den Händen! Sie kann es! noch immer nicht fassen, daß ihre zStimme, ihre Wunderstimme tot ist, daß sie ihr Lebensglück verloren! Ein Jahr ist's her, da sang sie während eines Gastspiels in Dresden die Isolde. Glühend vor Erregung hatte sie sich in später Stunde im Hotelzimmer zur Ruhe begeben, in ihrer tiefen Erschöpfung es nicht merkend, daß das ungenügend geschlossene Fenster sich gelöst, daß der eisige Wind über "sie hinfuhr. Am andern Morgen war sie heiser, doch dachte sie nur an einen vorübergehenden Katarrh. Das Sprachorgan stellte sich wieder ein, die köstliche Singstimme nicht. Melitta konsultierte einen Arzt und noch einen der Residenz, die ganze musikalische Welt nahm Anteil an ihrem Leiden, ihrer Verzweiflung; sie unterwarf sich lästigen Kuren, sie reifte von Bad zu Bad —, vergebens, vergebens! Zuletzt hatte man sie nach dem Süden geschickt. Die milde Luft Nizzas werde sie genesen lassen. Auch dies war vergebens, die erstorbene Stimme weckt nichts mehr zu neuem Leben! Heimlich hatte Melitta noch immer Hoffnung gehegt, jetzt ist diese zerstoben. Nie mehr wird sie ihre Seele hinströmen lassen im Gesang, nie mehr wird sie tausend und abertausend Hörer entzücken, sie über die Mltagssorgen erheben! Wie leer, wie nutzlos' ist nun ihr Leben, dem nur die Kunst Inhalt gab! Aufstöhnend gleitet Melitta in einen Sessel, da fällt ihr Blick auf ein Buch und ein hellerer Schein fliegt Über ihr Antlitz. Dieses W^rk, das ihr der Buchhändler geschickt, hat ihr schon in mancher schweren Stunde, da der Gram sie zu überivältigen drohte, Trost gebracht, sie über sich selbst erhoben. In die fesselnde Form eines Romans sind tiefgründige Betrachtungen über Welt und Leben gestreut, die sie seltsam bekannt anmuten, doch sie weiß nicht, wer der Autor ist, der sich unter dem Pseudonym Germachos verbirgt. Auch heute übt diese klare, kraftvolle Sprache wieder ihren Zauber auf sie aus, und sie vergißt für eine kurze Stunde ihr Leid.--- Es ist wenige Tage später. Goldener Abendsonnenschein ruht über den tiefblauen Meereswellen, die Melitta zum Bade locken. Der größte Teil der Kurgesellschaft ist bei einer Partie beteiligt, der Strand ist verlassen, nur ein kleiner Knabe spielt neben seiner Wärterin. Plötzlich vernimmt Melitta einen gellenden Schrei. Das Kind ist, um Muscheln zu suchen, ins seichte Wasser getreten, die Strömung hat es ergriffen und treibt es fort. Melitta sieht sein weißes Kleidchen wehen. In mächtigen Stößen schwimmt sie hin und reißt es an ihre Brust. Sie küßt die goldenen Locken, das schneebleiche Antlitz, und stößt einen Jubellant aus, als der Knabe wieder zu sich kommt und sie aus tiefblauen Augen erstaunt ansiehi. Auf ihren Armen trägt sie ihn zu der fassungslosen Wärterin. Ein unendliches Glücksgefühl durchströmt sie und läßt sie in der Nacht kaum schlafen, sie hat ein Kind gerettet, nicht nutzlos war der Tag! Am frühen Morgen schon kommt Herbert, sich zu bedanken; höchst ungeniert klettert er auf den Schoß ber 208 Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). arme. ,, ■ , Tag um Tag vergeht, und Melitta blüht toteber auf. Die Kurgäste erkennen das blasse, melancholische Antlitz der interessanten Fremden kaum wieder, da es sich roftg gefärbt hat und so hinreißend zu lächeln versteht. Melitta fürchtet nun die Ankunft des Professors, nach defsen Namen sie nicht einmal gefragt, der ihr Kleinod ihr für immer entführen wird. Noch eine Woch?, und dann ist sie wieder GeMeinnütziger. Ist es ratsam, der Sparsamkeit halber die Lampe tiefer zu schrauben? Antwort: Nein, und zwar aus folgenden Gründen: Vor allem ist das Sparen an Petroleum ganz unbedeutend, ja man darf sagen, gleich Null. In zweiter Linie verbrennt das Petroleum nicht vollständig, und die Gase erfüllen das Zimmer nut schlechtem Geruch, der der Gesundheit nichts weniger als zuträglich ist. Tie Luft ist nach kurzer Zeit geradezu verpestet und ist für die Lunge von größtem Nachteil. Es ist also das Niederschrauben der Lampe nicht, wie man häufig annimmt, der Sparsamkeit förderlich, und man thut gut, tm allgemeinen Interesse des Wohlbefindens, dies möglichst zu verlaß mich allein!" Als er ihrem Willen gehorcht, bricht sie zusammen, und ein Schluchzen erschüttert ihren Körper. Sie hört es nicht, daß sich nach einer Weile leise die Thüre wieder öffnet. Plötzlich umschlingen zarte Kinderarme wie eine süße Fessel ihren Nacken, und eine liebe Stimme flüstert: „Komm mit uns, sei Herberts Mutter!' Wie traut sie das Wort berührt! Kannst Du dieser Bitte widerstehen, Melitta? Wir beide'brauchen Dich zu unserem Glück!" Eberhards Stimme bebt Da überfliegt ein Leuchten ihr Gesicht, weit hinter sie tritt alles, was sie einst beseligt, dann mit Schmerzen beklagt, sie sieht in eine glückliche Zukunft in der Mitte der beiden geliebten Menschen und reicht Eberhard beide Hände. (Auflösung in nächster Rümmer.) Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Wenn die Stimme des Geistes spricht, Horch' und folg' ihr freudigen Mutes; Nur mit der Stimme des brausenden Blutes, Mit der thvrichten Schwester verwechsle sie nicht. Geisel. meiden. Wie viel Futter soll man dem Geflügel verabreichen? Es ist sehr schwierig, die Menge Futters genau zu bezeichnen, die man täglich dem Geflügel verabreichen soll. Dies hängt vom Alter, von der Rasse, von der Jahreszeit und von dem Standort ab; mit allen diesen Ursachen muß beim Füttern gerechnet werden. Am besten und schönen Dame und schmiegt seine rosige Kinderwange an I „Sv nimm mich denn der Künftlertraum ist aus- ibr blasses Gesicht Sie plaudert und spielt mit ihm, der I geträumt, ich will leben für Dich als Dein glückliches Weib, Anblick des Flügels berührt sie nicht schmerzlich wie sonst, I für Deinen Knaben, als Ware es der meine!" da« Buch schiebt sie achtlos bei Seite, die Beschäftigung mit dem Knaben ist ja so viel süßer, trostvoller. Sie treffen sich von nun an täglich, der Kleine ist mit seiner alten Pflegerin allein in Pizza, da der Herr Professor, Wie diese erzählt, eine Studienreise nach Sicilien unternommen und sie erst nach einigen Wochen abholen wird. Und Deine Mama begleitet ihn?" fragt Melitta ihren Liebling. „Nein, Mama ist ein Engel im Himmel droben! flüstert Herbert und schmiegt sich in die zärtlichen Fraueneinsam ! Doch schon am nächsten Tage hört sie im Vorgärtchen unter ihrem Fenster eine sonore männliche Stimme der süßen kindlichen Herberts antworten Ern faher Schreck durchfährt sie, ihr Herz pocht, unwillkürlich ist sie aufge- ,UUÖ ™ svrunqen und sieht nun im weißen Gewände, einen goldenen I sichersten geht man, wenn man dem Geflügel die Nahrung Reifen im Haar mit dem erblaßten Gesicht einer Iphigenie I einteilt. Die Hauptsache dabei aber ist, daß die gleich Der Mann im Thürrahmen stutzt, diese königliche I Nahrung nicht verdorben werden darf. Um dies zu ver- Gestalt ist ihm fremd, aber das braungoldene Gelock, die I ^ten, wendet man Tröglein an, die von dew Hühnern herrlichen Augen — I nicht umgeworfen werden können und dre oben derart mit Melitta'" stammelt er und zieht ihre Hand an ferne I Drahtbogen versehen sind, daß die Tiere fich leicyr iyre Livven Dir — Ihnen danke ich die Rettung meines I Nahrung herausholen, aber nicht hineinstehen und dieselbe Ludest"' I herausscharren können. Bleibt dann einmal was übrig. Ein holdes Lächeln umfliegt ihren Mund. „Ich ahnte I so kann Ls nicht verloren gehen und wird spater achgezechrt. nickt daß es Dein ist, Eberhard, doch mir selbst be- I Bei der Geflügelzucht muß das Prinzip gelten. ,,^e besser reitete ich das größte Glück. Ich war so einsam, so un- I die Tiere genährt sind, desto mehr Ertrotz geben sie. glücklich, mein einziger Trost dies Buch —" I Zur Vertilgung der Kellerasseln. Die Afseln Seine Augen strahlen. „Daß mein Erstlingswerk Dich ge- I neumen oft in den Kellern derart zu, daß sie einemwiderlich tröstet, macht es mir erst wert." . I und lästig werden. Man kann sich auf folgende Werse, die Du bist der Autor. O, wie reich bist Du tm Besitz I in Frankreich häufig angewendet wird, davon befreien. Deines unzerstörbaren Talentes und Deines Sohnes!" I verschafft sich 400 Gramm Häutefett, (das man beim Er nickt ernst. „Doch nur aus Leiden erwuchs wir der I Reinigen der Häute erhält) und kocht es. Sobald es aus Besitz. Jahre trug ich meinen Schmerz um Dich, dann I bag geiier kommt, sprudelt es heftig; es ist daher gut, ward eine entfernte Verwandte, die mich liebte, mem Weib. I ein Gefäß, das ca. 5 Liter hält, zu benutzen. Sobald das Herberts Geburt kostete ihr das Leben. Der doppelte Gram I gett recut flüssig ist, gießt man 400 Gramm dickes Fischol rnachte mich zum Dichter." I dazu und später nach und nach 1 Kilogramm Kolophonium. Bewundernd schaut Melitta in fern durchgeistigtes Ge- I Sobald die Mischung gut gekocht ist, laßt man sie abkuhlen. sicht Wie sehr hat er sich verändert, ist er gereift, und I folgenden Tag schneidet man sich schmale Riemen von dieses Mannes Liebe galt ihr einst nichts. I starkem Papier, beschmiert sie mit obigem Lenn und legt Der Professor dehnt seinen Aufenthalt in Nizza aus, I rie in bie von Asseln am meisten heimgesuchten Ecken und täglich sucht er Melitta auf. Sie haben sich soviel zu I unb Winkel. Die Asseln bleiben daran mit ihren Füßchen sagen und auch im Schweigen verstehen sie sich. Doch I Rängen und gehen zu Grund. Den Leim hebt man tn endlich muß Eberhard heim. Blaß und erregt tritt er vor I einer Blechbüchse für späteren Gebrauch auf. die immer noch Geliebte. I „Praktischer Wegweiser", Wurzburg. „Ich habe heute dieselbe Bille an Dich tote vor zehn Jahren. Melitta, werde mein!" Du bist großmütig, doch nre konnte ich mein verwüstetes Leben an das Deine ketten, - selbst wenn ich Dich liebte!" „Das Wort sagt mir, daß Du es thust!" rref er jubelnd. „Melitta, hast Du mich lieb?" Sie nickt unter Thränen, aber doch bittet sie: „Geh, «rtrftlom 6. Burkhardt. - SrWt mib »«lag b« «rghl'sch« llniversttätS-Buch. und «ttabnitoct (Putsch tri**) tn