Donnerstag den 13. Juni. A - 8 IÄX i W'y^SSii* ihrer Seit- „Das wäre einfach, genug. Sw haben sur^hre Ver- gleichsvorschläge von meinem Bruder eme Bedenkzeit von vierundzwanzig Stunden erbeten und es toirb nM auf fallen, wenn Sie verlangen, daß dieselbe noch um emen oder zwei Tage verlängert werde, innerhalb dws Z wird das Dokument, das Ihren Gegnern Macht ub_ giebt, verschwinden. Sobald Sie dessen gewiß smd id)i werde nicht säumen, Sie zu benachrichtig en — bEa Sie, daß Ihnen aus diesem und jenem Grunde lebh s e Die Bestimmtheit und der zuversichtliche Klang Worte hatten etwas unwiderstehlich kleb erzeugendes, dein er sie droben auf dem Gletscher so standhaft und heiler gesehen in körperlichen Schmerzen, dw sw zuweilen einer Ohnmacht nahe brachten, hatte er eme außerordentlich, hohe Meinung bmi der Stärke ihres Charakters und der Festigkeit ihres Willens. Daß es ihr weder an^Mutnoch an Energie gebrach, einen einmal gefaßten Plan bis zu Ende durchzuführen, schien ihm außer allem Zweifel. Und wenn es wirklich, eine Möglichkeit gab, dw fast schon verloren geglaubten Millionen zu retten, ohne daß er sich, und seinen guten Namen damit einer Aesahr. preisgab, warum hätte er dann zaudern ,ollen, sich dieser^Möglichkeit zu bedienen? Aber es galt, vorsichtig zu sein, und zunächst die volle Ueberzeugung zu gewinnen, daß sw ihn nicht in irgend einer ihm noch verborgenen Absicht hinter- SUtS>ergieb", sagte er, sich! mit verwegener Sicherheit jener vertraulichen Anrede bedienend, dw sich, damalsam der abenteuerlichen Situation wie etwas beinah s 1, verständliches ergeben hatte, „aber id} weiß mich i Deinen kühnen Plan zu finden. Mir ist, als mutzten seiner Aus ührbarkeit tausend Bedenken entgegenstehen. Wre um nur eines davon zu erwähnen, -.tote # mwh. Deiner Meinung nach verhalten, um jeden Verdacht, daß ich an der Beseitigung des Briefes beteiligt sei, von mir ir suchen schon in tausend Gründen Von unserm Schicksal das Warum, Nur da nicht, wo es am nächsten zu finden — In eig'ner Schuld — da sind wir stumm. Kotzebue. (Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Zweifel an der Echtheit des Briefes gekommen seren, und daß Sie deshalb den Erben Dietrichs von Restorp anhemi- qeben müßten, die Berechtigung ihrer Ansprüche auf dem Prozehwege zu erweisen, sofern sie es nicht etwa vorzogen, sich mit einer angemessenen Abfindungssumme zufrieden lu geben. Bieten Sie jedem der beiden Beteiligten hunderttausend Mark, und ich bürge Ihnen dafür, daß man diesen Vorschlag, trenn auch! vielleicht nach einigem scheinbaren Sträuben annehmen wird. Ist aber der Vergleich, einmal geschlossen, und halten Sie den VerzM Ihrer Gegner auf alle weiteren Ansprüche in den Händen, so brauchen Sw keinen neuen Besitztitel mehr zu fürchten, der aus Dietrichs von Restorps Nachlaß etwa noch zu Tage gefordert weroen könnte." Mit wachsendem Erstaunen hatte Hubert Wedekmg ihre Auseinandersetzung angehört. Die Aussicht, die ihre klare und sachlich nüchterne Darlegung ihm eröffnete, war so verlockend, und die Gefahr, der er sich dabei aussetzte, schien ihm so gering, daß er sich nicht einen Augenblick mehr bedachte, die unerwartete Hilfe anzunehmen. Ungestüm schlang er seinen Arm um Hanna und zog die nur schwach Widerstrebende an seine Brust. j „Mein kluges, tapferes Mädchen!" flüsterte er. ,,^a, Du meine geliebte Alpenfee, ja, so mag es sein. Sie duldete seine Umarmung, aber sw bog den Kops zurück, um zu verhindern, daß er sie küßte. „Und an dem Tage, da der Vergleich unterzeichnet An jenem Tage bist Du meine süße, an gebetete Brant. Nein, nicht erst dann — Du bist es schon heute, Hanna, bist es Mion in diesem Augenblick. Nur vor der Welt noch, müssen wir unser Glück verborgen halten, damit keine giftige Zunge Dich zu verdächtigen wage." „Und was Tu auch, von mir hören magst — was auch immer man Dir erzähle — nichts davon wird ~ir Anlaß ober Vorwand für einen Woribruch seinA . Er lächelte wie über die thörichten Besorgnisse eines „Und wenn man Dir die schwärzesten Verbrechen an- dichtete, mein Lieb, meinen Glauben an Dich, und meine Liebe zu Dir wird man damit nicht erschüttern. „Schwöre, daß Du mich' zu Deinem Weibe machen tvirft Sbnbcrt ,'c^). schwöre es. Nur eine höhere Gelvalt könnte mich, daran hindern." „ t „Nein - keine Einschränkung!" rief sie und eine heiße Leidenschaft flammte in ihren schönen Augen auf. „Nichts soll Dich! daran hindern als der Tod." „Gewiß — so war es ja auch, gemeint. Nichts soll uns trennen her &ob.z/ * Hanna atmete tief auf. Dann ließ sie wie ermattet 330 — ihren Kopf an seine Schulter sinken und duldete mit ge- i schlossenen Augen seine Küsse. . I „Wie ich Dich, liebe, Hubert!" flüsterte fte. „9cte hatte I ein anderes Weib Dich lieben können wie ich." Er antwortete ihr nur durch Liebkosungen, aber nicht I länger als für wenige Sekunden gab sie sich der selbst- I vergessenen Aufwallung ihrer leidenschaftlichen Empfind- I ungen hin. Tann machte sie sich frei, rückte ihr verschobenes I Hütchen zurecht und zog den Schleier über das glühende | Gesicht herab. . I „Ich darf nicht zum zweitenmale hierher kommen, I sagte sie. „Und wenn Du darauf bestehst, daß ich, den I unglückseligen Brief vor Deinen Augen vernichte, so muß I es an einem anderen Ort geschehen." „Weder hier noch, anderswo", erwiderte er hastig, denn I er war fest entschlossen, seine Mitwirkung bei der Beseitigung I des gefährlichen Dokuments lediglich auf die heute gegebene Zustimmung, die sich- ja später leicht genug, ableugnen ließ, zu beschränken. „'Ich vertraue Dir unbedingt, mein geliebtes Mädchen, und verlange durchaus nicht, der Vernichtung des Briefes beizuwohnen. Sein Dasein oder Nichtsein wird für mich, ja auch' vollkommen gleichgiltig sein an dem Tage, wo meine Gegner den Verzicht unter- | schreiben." Hanna nickte zustimmend. „So werden wir uns vielleicht nicht Wiedersehen bis zu jenem Tage. Und auch, da wird es zunächst nur heimlich geschehen dürfen und nur, damit wir den Zeitpunkt unserer öffentlichen Verlobung und alles weitere festsetzen. Denn Du mußt nachher selbstverständlich sofort von hier abreisen, und auch, ich, werde einen Vorwand finden, meinen Bruder unverzüglich zu verlassen, sobald es hier nichts mehr für Mich zu thun giebt." „Gewiß '.Das alles werden wir besprechen, sobald die Angelegenheit im Reinen ist. Und Du wirst dann über mich gebieten dürfen wie über den gehorsamsten Sklaven." Sie schüttelte den Kopf, und er sah ihr bezauberndes Lächeln hinter dem dichten Gewebe des Schleiers. • „Nein, nicht mein Sklave sollst Du sein, Hubert, sondern mein Herr und Meister. Vor keinem Manne auf Erden würde ich' mich je gebeugt haben als vor Dir. Deine Ueber- legenheit und Deine Kraft sind es ja, um deren Willen ich. Dich liebe." „Nun, jedenfalls sollst Tu sie niemals, als eine drückende empfinden, liebster Schatz! — Und was die bewußte Affaire angeht, so werde ich ' also morgen Deinem Bruder schreiben, daß ich' noch eine weitere Bedenkzeit von achtundvierzig Stunden haben müsse. Ist es so recht?" „Ja. Sobald ich Dir dann einen Rvhrpostbrief geschickt habe, der nichts als die beiden Worte enthalten wird: „Alles geordnet!" ist der Zeitpunkt sür Deine Entschlüsse gekommen." , Er wollte sie noch Keinmal umarmen, diesmal aber ließ sie es nicht zu. „Laß mich, jetzt, Hubert!" bat sie. „Ich muß sort. Und begleite mich, nicht hinunter. So wenig Bekannte ich, auch in Berlin habe, der tückische Zufall könnte uns doch einem von ihnen in den Weg führen. Lebe wohl — nein, nicht so! Auf ein glückliches Wiedersehen!". Der Regierungs-Assessor küßte ihr beide Hände und geleitete sie ihrem Wunsche gehorsam, nur bis zur Thür des Zimmers. Noch eine Sekunde lang horchte er auf das sich' rasch entfernende Rauschen ihres Kleides, dann ging er "langsam zu dem Tische, aus dem das silberne Rauchzeug lag und entzündete sich' eine Zigarette. „Wie unvorsichtig und leichtgläubig doch die klügsten Frauenzimmer werden, sobald sie verliebt sind!" dachte er; und dann, indem er sich bequem in ein Fauteuil streckte, nahm er den schmalen, schlichten Goldreif, den er vorhin abgezogen hatte, aus der Tasche, um ihn spielend zwischen den Fingern zu drehen. „Wie gut, daß ich das nicht vergaß! — Arme kleine Hanna! Die Vergeltung für den umsonst gepflückten Edelweißstrauß mag "Dir ein bischen hart vorkommen. Aber es kann eben nicht anders sein. Und vielleicht — nun, vielleicht bist Du auch mit weniger als einer Heirat zufrieden." Fünfzehntes Kapitel. Bernhard Shlvander hatte in dieser Nacht einen seltsamen Traum. Er hatte bis lange nach Mitternacht gearbeitet, nnd auch als er dann sein Lager aussuchte, stellte sich trotz aller Ermüdung der erhosfte Schlummer nicht sobald ein. Die Aenderung, die in seinem Verhältnis zu Inge eingetreten war, beschäftigte unausgesetzt alle seine Gedanken. Kaum je zuvor hatte er es so tief empfunden, wie heiß und innig er sie liebte, als jetzt, wo er mit jedem Tag deutlicher fühlte, daß er in Gefahr sei, sie zu verlieren. Wohl glaubte er das Mißverständnis zu kennen, das feindselig trennend zwischen sie und ihn getreten war, und damit war ihm ja zugleich, die Möglichkeit gegeben, es auszuklären. Aber selbst, wenn es , ihm gelang, Inge zu überzeugen, daß er sie nur um ihrer selbst, nicht um ihrer Mitgift willen liebte, würde damit doch, nicht wieder ausgelöscht worden sein, was diese letzten Tage an Schmerz und Bitterkeit in seinem Herzen erzeugt hatten. Aus wie schwachen Füßen mußte ihre Zuneigung und ihr Vertrauen gestanden haben, wenn der erste verdächtige Anschein genügte, sie so ganz an ihm irre werden zu lassen! Und keine späte Erkenntnis des Unrechts, das sie damit an ihm begangen, konnte wiederherstellen, was die traurige Zeit des Schwankens und Zweifelns ihnen an ihrem Glücke gestohlen. t Immer aufs neue drängte sich Bernhard die Frage auf, ob es nicht unter diesen Umständen für ihre und seme Zukunft das beste sein würde, ein Band zu lösen, das Inge offenbar nur noch als eine drückende Fessel empfand. Sein Verstand antwortete ja; aber sein Herz krampfte sich, in tiefem Weh zusammen, wenn er den traurigen Gedanken weiter versolgte und sich eine Zukunst auszumalen suchte, aus der ihm zugleich mit der Hoffnung auf den Besitz des geliebten Mädchens alles Lichte , und , Sonnige verschwunden schien. Nein, noch hatte er nicht die Kraft, diesen letzten, verzweifelten Schritt zu thun; noch klammerte er sich mit der ganzen Kraft feiner Seele an die Hoffnung, daß ' alles gut werden würde, wie thöricht auch' angesichts des von Inge beobachteten Verhaltens bei nüchterner Ueber- legung solche Hoffnuiig scheinen mußte. Daß die Vorstellungen, die im Wachen feinen Geist erfüllten, ihn auch bis in seinen unruhigen Schlummer verfolgten, war natürlich genug. Er glaubte Inge zu sehen, wie sie mit totenbleichem Antlitz und verweinten Augen vor ihm auf den Knien lag und flehend die gefesselten Hände gegen ihn ausstreckte, damit er sie aus ihren Bauden erlöse. Es war sein Wille, es zu thun, aber er i strebte umsonst, sich ihr zu nähern. Denn er war der Herrschast über seinen Körper beraubt und suhlte sich an allen Gliedern gelähmt. Nicht einmal ein tröstendes Wort konnte er ihr zurufen; denn wie er auch, rang und sich mühte, es kam kein Laut über seine Lippen. Und dann war ihm die Gestalt der Geliebten plötzlich, wie in einem Nebel entschwunden. Dichte graue Wol«u- I sch,leier wogten und wallten um ihn her, bis ein magischer I Lichtschein die ungewisse Dämmerung erhellte und eine I übermenschlich hohe, dunkle Frauengestalt, von jenem un- I irdischen, bläulichen Lichtschein umflossen, vor ihm aus- I tauchte. Anfangs schien sie ihm fremd; dann aber nahm I ihr weißes Antlitz die schönen Züge seiner Schwester Hanna I an, und er erschrak vor dem dämonischen Leuchten tu ihren I unverwandt auf ihn gerichteten Augen. | Er wollte sie anrufen, wollte eine Frage nach ihrem I Begehren an sie richten, aber die schreckliche Lähmung, me I seinen Leib zu einer toten, willenlosen Masse machte, hielt I noch immer an. Stumm und unbeweglich, mußte er es I geschehen lassen, daß sie ihm langsam näher kam, schwebend, I lautlos, mit kaum wahrnehmbaren Bewegungen. Sie mußte I von irgend einer bösen Absicht gegen ihn erfüllt fern I er erkannte es an dem feindseligen Funkeln ihrer Augen I und an der medusenhasten Starrheit ihres Antlitzes. Aber I wenn es sein Leben gegolten hätte, wäre er hoch nicht | tm stände gewesen, auch, nur einen Finger zu rühren. Gr | sah, wie sie sich, über ihn heräbneigte und er fühlte, wie 1 ihre Hand, deren schlanke Finger mit spitzigen Krallen | besetzt schienen, nach seinem Haupte griff. Zwar empfand I er keinen Schmerz, aber er war nichtsdestoweniger gewiß., I daß diese scharfen Krallen unbarmherzig in seinem Hmter- I köpfe wühlten — lange, lange, während das unheimliche Medusenhaupt immer dicht über dem feinigen Web unb die großen glühenden Augen ihn unverwandt mit ihrem entsetzlichen Blick anstarrten. (Fortsetzung folgt.) Mn schönes Stückchen Erde. (Nachdruck verboten.) Zum Walde mußt du wandern geh'n. Zum grünen §ag, zum dunklen Tann. Wenn die Schwalben wiederkommen, die Natur vom Winterschlaf erwacht zu neuem Leben, toenn> wie der Dichter singt, „das fernste, tiefste Thal blüht'', dann regt sich auch im Menschenherzen das Sehnen, hinaus in die Ferne zu ziehen und ein Stück der schönen Gotteswelt zu durchwandern. Wer so glücklich ist, int Laufe des Sommers dem Aktenstaub, der Schulstube oder dem Kontor für einige Wochen entfliehen zu können, sich Seele, Geist und Körper zu erfrischen, zu neuem Schaffen zu kräfttgerr und zu stählen, dem winkt verlockend so manches schöne Plätzchen. Tie Nordsee mit ihrer h erlichen Luft, ihren rauschenden Wogen, das liebliche Thüringen, der romantische Harz, der alte, ewig junge, herrliche Rhein nut seinem Niederwald, seinen sagenumwobenen Bergen und Burgen und seinen Rebenhügeln. Ein wahrhaft zauberisches Stück Gottesschöpfung aber ist der Schwarzwald. Der Schwarzwald ist ein bewaldetes Mittelgebirge, das von seinen dunklen Tannenforsten den Namen führt. Dank den vorzüglichen Vorkehrungen der Neuzeit kaitu mau sich in wenigen Tagen ein Gesamtbild des Schwarzwaldes verschaffen. Ein rüstiger Fußwanderer kann denselben in acht bis zehn Tagen von Norden bis Süden durchstreifen, und fast jede Stunde wird ihm neues und schönes zur Befriedigung seiner Schaulust und Wißbeaierde bieten. Ten eiligeren Reisenden, oder solchen, die den Schwarzwald als eine Vorstufe zu den Wundern der Alpenwelt ansehen, eröffnet sich seit 1873 in der Schwarzwaldbahn mitten hindurch durch die höchst gelegenen Landschaften dieses Gebirges, eine Straße. Tie Sch warzw aldbahn ist ein Werk, das an Kühnheit des Gedankens und an Großartigkeit der Aus- sührung in Deutschland seinesgleichen sucht. Der mittelste Teil der 28 Km. langen Strecke zwischen Homberg und St. Georgen erforderte einen Kostenaufwand von 19 Mill. Mark. Die höchstgelegene Station Sommerau ist 834 Meter über Meeresspiegel, auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Donau — und blickt man von hier aus wett htnab in alle Lande. Durch einen großen Viadukt, 38 Tunnel und 140 Brücken hat der Mensch die Natitr bezwungen; in fortgesetzten Zickzacks bahnt er sich seine Straße über und durch die Felsen, oft vorbei an Klippen und Abgründen, mitunter rings nm einzelne Kuppen herum oder int Kehr- tnnnel die Höhen erklimmend. Unmittelbar an der Schienenstraße liegen einige der malerischsten Punkte des Schwarzwaldes. Von Offenburg an geht es das Kinzigthal aufwärts. Eine der schönsten, fruchtbarsten Ebenen umsäumt den Fluß in ansehnlicher Breite; saftig grüne Wiesen, heitere Dörfer, Fruchtfelder und Obstgärten, Rebenhugel und bewaldete Höhen wechseln in bunter Mannigfaltigkeit ab; auch mittelalterliche Burgen, neue Schlösser, behäbige Bauernhöfe zeigen sich neben schmucken Kirchen und idyllisch in Seiteuthälern versteckten Mühlen. Kaunt laßt sich so viel des Schönen auf einmal in sich aufnehmen und bewältigen. Bei Hausach wendet sich die Bahnlinie an das Gutachthal: Tie Anmut der Landschaft weicht mit bent ansteigend engeren Thal mehr einem Waldgebirgs- Charakter; die kerzengrade, tiesdunkle Schwarzwaldtanne bedeckt weithin die Abhänge und Kuppen der Berge. In entzückender Lage breitet sich Homberg in einem Kessel unterhalb des Bahnviaduktes aus. In Triberg, wohin man durch viele Tunnel aufsteigt, hat die Landschaft bereits ihre Anmut verloren, nur kümmerlich gedeihen in dieser Höhe noch die Obstbäume; nur Tannen, Fichten, Wiesen und Felsen werden zu beiden Seiten der kühnen Bahnbauten wahrgeuommen. Triberg wird seines Gebirgsklimas und Wasserfalls wegen viel besucht, auch wohl als Kurort zu längerem Ausenthalt gewühlt. Fast unmittelbar oberhalb des Städtchens stürzt in sieben Absätzen die ansehnliche Wassermasse der Gutach 180 Meter hoch, schäumend und brausend zwischen gewaltigen Granitblöcken herab. Das 331 — Gesamtbild, im Rahmen dunkler Tannen, wirkt so mächtig, daß wohl in ganz Deutschland sich kein Wassersall dem Triberger an die Seite stellen darf. Außer seiner reinen, kräftigen Schwarzwaldluft, seiner Bergbahn und seinem Wasserfall bietet Triberg als ein Hauptsitz des Uhrenhandels viel des Interessanten dar. Wie weit gehen nicht dte Schwarzwälder Uhren! ’ Tie trauliche Kuckucksuhr mit dem reichen Schmtzwert zaubert dem Auswanderer, wo er auch- weilen möge, den schönen, deutschen Wald vor die Seele. Gern kehrt der Schwarzwälder, wenn er vom Uhrenhandel in der weiten Welt zurückkommt, in sein Heimatsdorf wieder ein. Aber auch die in Freiligraths „Auswanderer" also angeredeten, „und ihr, im Schmuck der langen Zöpfe, ihr Schwarzwaldmädchen braun und schlank" — sie beteiligten sich an den Arbeiten der Männer oder sie erzeugen kunstvolle Strohgeflechte. Von TriÜerg führt die Bahn durch immer neue Tunnels in Zickzackwindungen auf die Höhe von Vtl- lingen. Von da zweigt sich die Bahn nach Stuttgart ab. Auf württembergtschem Gebiet liegt am Ostabhang das Pfarrdorf Nordstetten, der Geburtsort Berthold Auerbachs, den er in seinen „Torfgeschtcyten" dichterisch verherrlicht hat. Für jene Bilder voll Innerlichkeit und Gemütstieie ist unser Volk dem Dichter des „Barfüßele" und „Sorte' zu herzlichem Dank verpflichtet. Die dunklen, tiesenBerg- seen haben eine Menge von Sagen und Märchen tm Volks- gemüt erzeugt. Keiner aber fordert mehr die Poeste heraus, als der Mummelsee, tast 1000 Meter hoch, in einem Felsenkessel an der Hornisgrinde gelegen: 1 LW „Zur Brandmatt stieg ich nachts hinauf, hinauf zur Hornisgrinde, Tie dunklen Wipfel flüsterten im sommernächt'gen Winde. Auf Steiugeröll herab den Berg die wilden Wasser rannen, Ter Vollmond schien in hellem Licht herüber durch die Tannen." (Heinrich Vierordt.) Tie Fruchtbarkeit der Scbwarzwaldthäler, die heiteren Dörfer und Städte, die bequemen Straßen und Wege, die üppigen Wiesen, die munteren Quellen, alles läßt den Schwarzwald als eine wahre Perle unter Deutschlands Landschaften erscheinen. Gern stimmt man Jacobis Worten zu: „Wem ist der Schwarzwald unbekannt Mit feinen hohen Tannen? Kein Wandrer kommt ins Schwabenland Und keiner geht von bannen, Ter nicht bei seiner halben Pracht Still steht und große Augen macht." Tie größeren Ortschaften und die zahlreichen Bäder des Schwarzwaldes erhöhen den Reiz des Landes. Im Schmuck von Natur und Kunst prangt Baden-Baden, das auch nach Aufhebung der Spielhölle ein Luxusbad großen Stils geblieben ist. Das heutige Baden-Baden wird stark vom guten, deutschen Mittelstände besucht, es zählt alljährlich 50 000 Kurgäste. Seine Anziehungskraft bleibt stets sein unvergleichliches Friedrichsbad, seine Lichten- thaler Allee, seine luxuriösen Gasthöfe und der internatio* nale Korso vor seinem Kurhause an schönen Sommerabenden. Eine fortwährende Festatmosphäre schwebt über Thal und Höhen, und mehr als eine der zahllosen Villen, in denen reich mit Glücksgütern gesegnete Sterbliche einige Sommermonate verbringen, kann ihrer herrlichen Lage wegen als ein wahres Eden angesehen werden. Eine wahre Perle, das Paradies des württembergischen Schwarzwaldes aber ist Herrenalb; in der Mitte zwischen Wildbad und Baden-Baden gelegen, ist es von Gernsbach, Neuenbürg und Höfen in je zwei Stunden erreichbar. Von Karlsruhe führt die Albthalbahn über Ettlingen, Marxcell und Fraueualb dahin. Der Ort selbst ist von herrlichen Tannen- waldungen eng umschlossen, welche auf der ganzen West- und Ostseite bis unmittelbar an denselben heranreichen. Im Süden wird die Waldesmauer von dem hier einmünden- ben Gaisbachthal durchbrochen, unb gegen Narben erstreckt sich das wiesenreiche Albthal, durch welches die Alb in die nahe Rheinebene enteilt. Gewaltige Bergrieseu erheben sich in der Runde und zaubern eine Gebirgslandschaft 332 hervor, so überaus romantisch, daß sie, die Schweizer Berge vergessen läßt. Außerordentlich gut gepflegte Spazierwege, welche aus viele Kilometer mit bequemen Ruhebänken versehen sind, durchziehen nach allen Richtungen hin die Waldungen. Biele Wochen hindurch, kann man täglich andere Wege einschlagen, ans denen man stets zu neuen herrlichen Punkten gelangt. Tie mannigfache Naturschönheit Herrenalbs ist so außergewöhnlich, daß selbst der berühmte Reisende Fürst Pückler-Muskau sich zu dem Ausspruch veranlaßt fühlte, „er habe selten einen Fleck Erde gesehen, wo auf einem verhältnismäßig so engen Raume so viel Schönheit zusammengedrängt sei." Ueberall, wo man auch weilt, erquickt sich das Auge an saftigen Wiesen, an dunklem Wald, an einem lieblichen Thal, einem silbernen Bächlein; jedes Bild, das sich dem Auge bietet, ist überraschend schön. Ein besonoers liebliches Bild bietet sich einem an dem geschäftigen Treiben während der Heuernte. Die Luft ist vorzüglich, an Sauerstoff und Ozon reich und zugleich von würzigem, balsamischen Geruch. Von vorzüglicher Güte und Reinheit sind bie zahlreichen, dem Granit entspringenden Quellen, die, in zierliche, ost romantische Brunnen gefaßt, in den Wäldern dem durstigen Wanderer Labung spenden. Karl G e r v k singt von Herrenalb: „Ja, wer will sie alle nennen, Deine Berge, Deine Höh'n, Wer die Pfade alle kennen. Jeder neu und jeder schön! Herrlich ist's am Rhein zu reifen, Bingen, Koblenz allenthalb; Höchlich ist die Schweiz zu preisen: Meine Schweiz hecht „Herrenalb". Will mir nochmals Gott bescheren Wanderlust und Reifeglück, Immer möcht ich wiederkehren, Holdes Thal zu Dir zurück!" „In remedium animarum" — zur Heilung und Wiedergenesung der Seelen — so heißt es in den alten Urkunden, mit denen der Grundstein zum Kloster Herrenalb gelegt wurde. Etwas Prophetisches liegt in dieser Bestimmung. Zu einem wahren Heilmittel der Seelen hat sich dieser gesegnete Ort gestaltet, wo Seele, Geist und Körper in vollstem Sinne des Wortes Aufsrifchnng erfahren können. Schon mancher hat sich neuen Lebensodem und neuen Lebensmut in dem herrlichen Herrenalb geholt. Wem immer die Industrie mit dem Qualm ihrer Schornsteine die Luft verdirbt, wer int Gewerks- und Handelsgetriebe, oder durch Amt und Studium feine Nerven überreizt und angegriffen fühlt, der komme nach Herrenalb, dort findet er, was am erstell not thut, reine Luft, reines Wasser, Waldesduft und vor allem himmlische, köstliche Ruhe und ein Fleckchen Erde, das gewiß schon manchen, der es betreten, an das Paradies gemahnt. Auf wundervoll gehaltenem Weg gelangt man zum Falkenstein, mit entzückendem Blick in das liebliche Gaisthal, das, eine Art Schweizer Landschaft, eingebettet Zwischen tiefdunklen Wäldern liegt. Tie Aussicht vom Falkenstein bietet einen herrlichen Rund- , blick. Eine prächtige Kunststratze führt nach Tobel, einem ’ freundlich gelegenen Dorf, auch. Luftkurort, 700 Meter über Meeresspiegel. Von da gelangt man in einer guten halben Stunde hinab zur Eyachmühle. „Dort hat die Wirtin gut Bier und Wein, und auch ein schönes Töchterlein", das in anmutiger, freundlicher Weise die Gäste bedient. Gute Fußgänger gelangen von hier in eindreiviertel Stunden nach Wildbad. Eine liebliche Idylle ist auf dem Wege zur Klause die kleine Albsägemühle; stundenlang kann man gegenüber bei einem romantischen Brünnlein sitzen und das liebliche Bild betrachten. Horch, da rauscht es wieder! „Was sag' ich denn vom Rauschen? Das kann kein Rauschen sein, Es tanzen wohl die Weit Tort drunten ihren Reih'n. Ich weiß nicht, wie mir wurde, Noch wer den Rat mir gab. Ich mußte gleich hinunter Mit meinem Wanderstab. Hinunter und immer weiter Und immer den Wellen nach, Und immer schneller rauschte Und immer stärker der Bach." Unwillkürlich treibt es einen, dem Rauschen nachzu- gehen; man ahnt die Reize des Thales, die hinter den wechselweise sich vorschiebenden Bergen versteckt sind. So gelangen wir bis zur „Klause", immer hat uns ein Durchblick von der Sonne vergoldete, saftige Wiesen und ein silbern glitzerndes Bächlein gezeigt. Hter in der „Klause" ist so recht ein Ort, wie für einen Nixentanz geschaffen. Ueber große Steinquadern fließt hier die Alb, em entzückendes Plätzchen; überall sind die herrlichsten Moose, tiefgrün bis beinahe weiß, grau und bräunlich, prächtige Farren, dazwischen auch zuweilen Erika, Glockenblumen, überhaupt eine reiche Waldflora. Etwas oberhalb der Klause tritt man aus dem Wald; da sieht man die gastliche, freundliche Plotzsägemühle liegen, dort findet sich Milch, Honig, Butter und selbstgebackenes Brot in vorzüglicher Güte für den erquickungsbedürftigen Spaziergänger. (Schluß folgt.) GsMrittNiLtzLgsr. In diesen Tagen wird in Halle die diesjährige Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschastsgesellschaft abgehalten. Da erinnert der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau die Besucher dieser Ausstellung, die sich für Obstbau - interessieren, daran, daß nur dreiviertel Stunden vom Bahnhof Halle, in Diemitz, der großartige Mutter- und Musterobstgarten liegt, den die Provinz Sachsen zur Hebung ihres Obstbaues im Jahre 1890 angelegt hat, und der jedem Besucher geöffnet ist. Zugleich bringt der praktische Ratgeber eine eingehende, reich illustrierte Beschreibung der Tiemitzer Anlage, die einmal den Besuchern als Führer dienen, dann aber auch im allgemeinen einen Begriff geben soll, von dieser besten Muster-Obstanlage, die wir in Deutschland haben. Die Anlage steht seit ihrer Entstehung unter der Leitung des Garteninspektors Müller, als Müller- Diemitz vielen Obstfreunden bekannt. Sie umfaßt 30 preußische Morgen, die, in 19 Felder geteilt, alle Arten des Obstbaues vom feinsten Spalier bis zum feldmäßig gebauten Hochstamm umfassen. — Auch werden alle Sorten Obst gebaut. Tie Erfolge, die Herr Müller-Diemitz gehabt hat, sind stannenswert: mit offenem Auge bereist er die Provinz, und wo immer er Erfolge mit einer Obstart ooer Obst- forte sieht, prüft er sorgfältig ihren Nutzen für die Allgemeinheit. Wir sehen da z. B. nach an Ort und Stelle aufqenommenen Photographien, Spaliere und fruchtbehangene Zweige vom Weißen Winter-Calvill, tote ste reicher Paris oder Meran nicht hervorbringen können. Allen Besuchern der Hallenser Ausstellung sei der Besuch der Tiemitzer Anlage warm empsohlen — zum Vorstudium empfiehlt es sich, die Nummern des praktischen Ratgebers kommen zu lassen, die gern vom Geschäftsamt in Frankfurt a. Oder kostenlos verschickt wird. Will man Linoleum glänzend e r h a l t e n, so bediene man sich folgender einfacher Mittel: Eine Äb- waschung mit gleichen Mengen Milch und Wasser sollte regelmäßig alle 2—3 Wochen stpttfinden; nach! Verlaus von 3—4 Monaten, also jährlich etwa 3 Mal hat em Abreiben mit einer schwachen Lösung von Bienenwachs tn Terpentin-Spiritus zu erfolgen; hier und da wird auch Leinöl verwendet. Tie Läufer bleiben immer rem uno glänzend, d. h. sie sehen sauber und wie neu aus. Geheimschrift. Nachdruck verboten. Zwflstdrrknntnsrststfwltzt Brdmttmflssttrstndnhhrrglnz. Vorstehende Buchstabenreihen sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Einfügung passender Vokale zu sinngemäßen Wörtern bilden. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung hee Gieichklangs in vor. Nr.: Laden. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.