Unter- fesches nobler (Nachdruck verboten.) Der Bauer vom Wald. Novelle von An ton v. Perfall. (Fortsetzung.) Da war vor allem das Haus Polentz, das einen phänomenalen Aufschwung nahm, zum großen Verdruß der alten Firmen. Mair konnte keinerlei Geschäft machen kernen Grund erwerben, ohne daß in irgend einer Weise der Name dabei zum Vorschein kam. Man wußte zwar von der Heirat der Tochter des Inhabers mit einem reichen Bauernsohn, dessen Gut er vorteilhaft ausgeschlachtet haben sollte, und zweifelte nicht daran, daß er mit diesem Gelde arbeitete; aber was bedeutete so eine Summe in dem Spiel um Millionen, welches ringsum tobte? Dabei machte er ein Haus, welches die fehlende Vornehmheik durch aufdringlichen Luxus ersetzte. Tie junge Frau Altinger, feine Tochter, machte die tzouneurs, während ihr Gatte, der Bauernbursche, sich mrt unglaublichem Geschick in die neue Rolle fügte, und Mlt einein Gespann daherfuhr, das jedem Kavalier Ehre gemacht Haitis Dieser im Nu modernisierte Bauer war auch ein charakteristisches Zeichen der Zeit. Es war endgiltig vorbei ’M der Gliederung der Stände. Ter letzte, zäheste, der Jahrhunderte hindurch allen Anstürmen getrotzt, der Bauernstand, begann auch bereits seine starre Form zu jprengen. Auch er hatte sich überlebt, war zur Mumie MM, an -Men seltsamen Zügen und vermoderten ^ch höchstens noch zur Zeit der Sommerfrische ergötzte. 4 m m ML M ganz recht. Was wollte man denn MMuMM erhalten an diesem schwerfälligen MtrMML8 M’^rutums, in dieser fieberhaft thätigen, JU1M ^/Eiliger mit seinem feschen „Zeugt", M ein®?r Kavaliers, erregte eine seltsame Schadenfreude m gewissen Kreisen M hatte man es wieder, wie es mit dem sthiede bestellt war. Ein guter Schneider, ein Gespann, und aus dem Bauernbuben war ein Herr geworden. i aWW aümn* iiih ii ।' IWIV' TT—Q| WMtz« $»•*. v M? JhV- 'Ä■hikuv/W:! 'cnn dich eine Sorge drückt, Nimm um fremdes Leid dich an, Und du fühlst es bald gethan, Daß das deine ferner rückt. M. Greif. Das „Palais" des Herrn Polentz, wie in der nächsten Umgebung der Neubau mit seiner aufdringlichen Stuckatur und seinem überladenen Portale genannt wurde, lag gewissermaßen inmitten seiner Schöpfungen, das heißt inmitten d.er unzähligen Neubauten, deren eintönige Reihen fich ins endlose nach allen Seiten zu dehnen schienen. Zu ebener Erde lvaren die Geschäftslokale. Polentz & Altinger stand über der Thür, weiter nichts. Es wäre auch schwer gewesen, dem vielseitigen Betrieb, der sich hier vollzog, einen erschöpfenden Namen zu geben. . Ein Portier im langen, grauen Rocke mit silbernen Knöpfen wies den Kunden den Weg nach den verschiedenen Abteilungen; nach der Bank, dem Baugeschäft, der Agentur für Grunderwerb, dem Auskunftsbureau. Den ersten Stock bewohnte der Herr Altinger mit Gattin Den zweiten Herr Polentz mit Fainilie. Im Ruckgebaude bewohnte der alte Altinger mit seiner Frau zwei bescheidene Zimmer. , Er wollte es nicht anders, trotz Zureden des Herrn Polentz, doch den dritten Stock zu beziehen. Im Hinterhaus ^lvar man wenigstens geschützt vor dem Lärm und dem staube der Straße, und dicht vor dem Fenster standen zwei junge Fichten, die wohl vergessen worden waren in der yast des Baues, oder vielleicht von den Arbeitern als schattenspendend absichtlich geschont worden waren. Gleichviel, ihr Duft that ihm'wohl und ihr Anblick, |o matt und farblos sie auch aussahen. Er versäumte nie das Spülwasser auf ihre Wurzeln zu schütten. . , Seine Verbindung mit dem Vorderhause war eine fehr lose. Er fühlte sich vom ersten Augenblicke an nicht heimisch rn diesen überladenen, fremdartigen Räumen, die emen so grellen Gegensatz bildeten zu der bäuerlichen Einfachheit, die er von Jugend auf gewöhnt war. Auch fühlte er sehr wohl, welch komische Figur er darrn spielen mußte, wie rauh und hart sich dort seine Stimme ausnahm, jede Bewegung, jeder Schritt, den er machte. Betreffs seines oder vielmehr seines Sohnes Vermögens konnte er beruhigt sein. Es mußte sich ja in diesen Händen ins unendliche mehren. Er mußte selbst darüber lachen, daß er eigentlich hereinzog, um zu wachen über den Ertrag seines Waldes. Wie einfältig man doch wird da draußen! So fiel auch dieser Grund, sich im Vorderhause umzusehen, hinweg, und mau holte ihn auch nicht. Von feinem Sohne hatte er es nicht anders erwartet; aber von Polentz schmerzte es ihn anfangs. Der Mann hatte doch immer so viel auf ihn gehalten, und am Ende machte er es ja mit seinem Gelde, mit seinem armen, hingemordeten Walde. Indes er begriff es, dem Manne wuchs die Arbeit 202 — über den Kopf, und er mußte ihn doch immer wieder von neuem anstaunen, für sein langsam arbeitendes Hirn war und blieb er ein Wunder. Der Zins für seine sünfzigtausend Mark, welche er selbstverständlich im Haus Polentz angelegt hatte, floß pünktlich und reichlich. Er konnte ihn gar nicht aufzehren. So gewöhnte er sich allmählich an diese behagliche Ruhe, zu welcher der Bauer, sobald ihn nicht die Verhältnisse zwingen, ohnehin neigt. Es fanden sich Genossen, Bürger Werkleute der Umgegend, welche ihn in ihre gemütliche Kreise zogen. Früh- und Abendschoppen wurden besucht. Man hörte ihn gerne erzählen von seiner Heimat, von seinem Walde, von den vergangenen Zeiten, der ganze Bauer vom Wald mit seinem Stolze, seinem starren Standesbe'wußtsein, seiner uralten Tradition ging allmählich in breiten, seichten Biergesprächen auf, und an seine Stelle1 trat der Herr Altinger mit einem schwammigen, aufgedunsenen Gesichte, aus dem jede Energie gewichen war, und einem runden, behäbigen Bäuchlein. Ganz anders verhielt es sich mit der Bäuerin, der jetzigen Frau Altinger. Dazu hatte sie den Hof nicht verlassen, um in dem Hinterhause ihr Leben zu verbringen! Sie mußte sich zwar wohl oder übel in diese neue Marotte des Bauern fügen, und auf die Wohnung im dritten Stock des Vorderhauses Verzicht leisten; aber damit gleichsam sich in den Winkel stellen zu lassen, daran dachte sie nicht. So weit ging die Machtbefugnis des Mannes nicht. Sie wollte ja erst anfangen zu leben, zu genießen, und sie fühlte die volle Kraft dazu. Sie gab sich alle erdenkliche Mühe, die Bäuerin auszuziehen. Matthias, ihr Liebling, war ihr jetzt ein leuchtendes Beispiel. Aber es fehlte ihr die nötige Anpassungsfähigkeit, sie brachte es nur bis zu einer Karrikatur der Frau Polentz. Frau Wanda war völlig normal in die Verhältnisse hineingewachsen, die echte Tochter ihres Vaters. Sie glich den Häusersassaden, welche der Herr Vater fabrizieren ließ. Der schimmernde Anstrich ihres ganzen Wesench die billigen Bildungsschnörkel, mit denen sie sich ausstaffiert, genügten vollkommen für den Kreis, in dem sie lebte; ja, sie genügten sogar, verbunden mit einer starken Dosis Koketterie, denselben zu beherrschen. Um so unbequemer wurde ihr von Tag zu Tag die Schwiegermutter mit ihren mißglückten Umwandlungsversuchen. Zuerst versuchte sie es mit kühlem Benehmen, dann mit offenem Spotte; als auch dieser nichts fruchtete, wandte sie sich an Matthias, er solle der Mutter begreiflich machen, daß sie sich etwas mehr im Hinterhause halten solle. Das war eine schwere Aufgabe, die schwerste, die ihm seit seiner Verheiratung zu teil wurde. Abgesehen davon, daß sich! sein noch nicht ganz erstickter Familienstolz verletzt fühlte; es war die Mutter, die stets zu ihm gehalten gegen den herben Vater. Und doch mußte es sein. Wanda hatte im Grunde genommen recht; auf der Bahn, die sie beide betreten, gab es keine Rücksichten. Er ging so schonend wie möglich vor. Der Vater habe ja auch eingesehen, daß er sich in die neuen Verhältnisse nicht mehr fügen könne. Alles umsonst. Ein Sturm brache los. Noch nie hatte er die Mutter so gesehen. Die Entrüstung über den Verrat ihres Sohnes schien plötzlich den Schleier zu lüften, welcher ihr bisher die Wahrheit verbarg, ihr Blut zu wecken. Was war denn das Volk, daß eine Bäuerin vom Wald ihm zu schlecht war? Und nachdem einmal die Schleusen geöffnet, war kein Halten mehr. Sie riß gleichsam die Tünche von den Wänden, und zeigte mit Seherblick den klaffenden Riß, der sich jetzt schon zeigte im Mauerwerke. Schwindel, nichts als Schwindel, und ihr gutes Geld steckte mitten darin auf Nimmerwiedersehen! Zornentbrannt verließ sie das Vorderhaus. Jetzt drängte sie es zu Johannes, der nur klüger war, wie sie, und der Demütigung zur rechten Zeit auswich, die sie eben erfahren. Jetzt waren sie Leidensgenossen und Verbündete. Er war nicht zu Hause. Sie fühlte sich verlassen wie noch nie. Sie sehnte sich, nach ihm. Der Abend kam, die Nacht. Im Vorderhaus war alles hell erleuchtet, Gesellschastsabend. Sogar Wagen, vornehme Wagen, keine Mietkutschen, fuhren in die Eingangshalle. Deshalb hatte Matthias heute mit ihr gesprochen, damit sie das Fest nicht störe mit ihrer Gegenwart. Ja, war es denn eine Schande, seinen schonen Besitz gehabt, auf seinem eigenen Grund und Boden gesessen zu haben? Ist denn das nicht das vornehmste gewesen zu allen Zeiten? Aber sie hatte ja selber nicht daran geglaubt, und ihren Stand verachtet. Kann sie es denn jetzt den Leuten verdenken, dem zusammengelaufenen Volke, das sein Lebtag kein eigenes Dach über dem Kopse gehabt hat? Recht geschieht ihr, ganz recht. Wenn nur der Johannes endlich käme, auf den Knieen wollte sie ihm alles abbitten, was sie ihm in- gethan seit Jahren. Zehn Uhr! Endlich! Da kam er über den Hof. Aber er taumelte ja, seine Kleidung war beschmutzt, besudelt. Er war wohl krank, oder ein Unglück war ihm zugestoßen? Sie eilte ihm entgegen, die Treppe hinab, mit einer Sorge um ihn, die sie bis jetzt nicht gekannt. „Johannes — Johannes!" Da stand er vor ihr, schwankend, schmutzbesudelt. Der Hut saß ihm tief im Nacken. Er lachte und lallte. „Johannes!" Die Bäuerin schrie den Namen, von Entsetzen gepackt. Er war betrunken! Der Bauer vom Wald betrunken! Der Alkoholdampf ging ihm aus dem Munde. „No, was giebt's denn. Alte? Was schreist denn so? Na i werd do amal — schau da 'nüber, die versteh'n es besser, als wir Alt'n. Ja, aber —" Der. Bauer sah sie plötzlich starr an. „Was machst denn Du da? Warum bist denn net drüb'n in dein'm neu'n seid'nen Kleid?" Er kicherte seltsam. „Geht ja hoch her heut'! Oder haben s' Di gar vergess'n?" „Nausg'jagt hab'n s' mi, z'schlecht bin i ihna. Und der Matthes selb'r hat mir's verkünd't." Die Bäuerin brach in Thränen aus. Johannes lehnte sich an die Wand, und lachte still vor sich hin. „Kennst Du s' jetzt, Deine guat'n Freund'? A was! Mach's wia i, lummer Di net drum. Nur kan Stolz nirnrna hab'n. I nirnrna! G'rad leb'n von die schön'n Zins'n. O, i hab's jetzt heraußn, Frau, rni — mir kann nix mehr an." Er stolperte die Stiege hinauf. Ter Bäuerin brach-bei diesem Anblick das harte Herz. Sie hatte ihn auf dem Gewissen, sie allein! Sie dachte des heimatlichen Hofes, der mit Leinwand gefüllten Truhen, der Ställe mit dem gefleckten Vieh, der grünen Wielen, des duftigen Heues, das die Tenne füllte; dachte eines pausbäckigen, kräftigen Buben, den sie närrisch geliebt, eines kleinen sanften Mädels, das immer zurückstehen mußte, der sie nie so recht Mutter war. An all das dachte sie in dem finsteren Gange, auf der Stiege sitzend, während von dem Vorderhaus Walzertöne herüberklangen, der Bauer oben im Zimmer ein Sieb pfiff, und mit seinen Stiefeln herumpolterte — der betrunkene Z-auer vom Walde, der seinen ganzen Stolz verloren hatte. > I Herr Polentz war wütend, als er von dem Vorfall hörte. Hatte er doch noch seine besonderen Pläne mit dem Alten, jedenfalls sollte er in Reserve gehalten werden. Er unternahm einen Bermittelungsversuch, jedoch vergebens, die Bäuerin war unerbittlich. s „Lass'n wir's dabei, es is besser so", war ihr Schlußwort. Lange mit einer verlorenen Sache sich abmühen, war seine Art nicht. Die Zeit war für ihn zu kostbar. Eine krankhafte Gier hatte ihn erfaßt, ein Heißhunger nach dem Golde, das sich jetzt so spielend gewinnen ließ. Einige Wochen, und die alten Leute im Hiuterhause lebten für ihn nicht mehr. . . Ein Jahr verging; man sah sich kaum. Johannes hörte nur am Biertische von der Firma Polentz & Altinger. So ein Erfolg war noch nie dagewesen. Dieser Polentz war der reinste Zauberer, unter dessen Berührung alles zu Gold wurde. Und wem hatte er es zu danken? Dem 203 Bauer vom Wald, dem Johannes, der ihm sein ganzes I Tie beiden Aerzte, Dr. R. und Dr. S. wurden bald nichts Geld hingegeben, das er für das Ronnenholz bekommen, I mehr zu thun haben, wenn ich ferner einen solchen Eifer nm sich dann wie ein Bettelbube jährlich abfinden zu I und ein solches Pflichtgefühl bekunde. lassen, den Austrägler zu spielen im Hinterhause. Der! Tie plötzlichen Abberufungen und das gebieterische erste Platz gebührte ihm im Hause, und ein richtiger Anteil I Klopfen an meuter Thür wurden häufiger, obgleich ich am Gewinn. So ein Mann in den besten Jahren, und I natürlich die Sache diplomatisch anfaßte, und mich vor so in die Ecke gestellt. I Uebertreibungen hütete — und innerhalb vierzehn Lagen Ties Hetzen blieb nicht wirkungslos. Es bäumte sich I hatte ich bereits drei wirkliche Patienten. noch einmal etwas in Johannes gegen diese thatenlose I Ich kaufte nun, so schwer es mir wurde — mit ge- Verlotterung, der er allmählich verfiel, auf. I borgten; Selbe — einen Wagen, mietete einen ansehnlichen Er gedachte seines Waldes. Er gedachte der Stunde, I Kutscher Und steckte ihn in Uniform. Nach einer Woche gab in welcher der Händler die hunderttausend Mark in bar I es keinen Menschen mehr in dem Ort, der nicht Wagen auf den blanken Ahorntisch zahlte. War er nicht mit dem I und Kutscher gekannt hätte. , , festen Entschlüsse in die Stadt gekommen, sie wieder zurück- I Mein Wagen stand nun täglich vor meiner Lyur unv zuerwerben? Hatte es ihm dieser Polentz nicht hoch und I erwartete mich, oder er fuhr in schnellstem Tnnpv sämtliche, heilig versprochen? Hatte er nicht ein Recht darauf, ein I Straßen des Ortes ab. Ich gönnte dem Rosselenker so besseres als der Matthias. War er nicht der Beschützer I wenig Ruhezeit, daß in sechs Monaten nicht weniger als des Waldes gewesen seit Jahrzehnten, von dem alle diese I fünf Kutscher den Dienst aufsagten. , Herrlichkeiten stammten? ■ I Natürlich bildete die rapide Zunahme meiner P^Pis (Fortsetzung folgt.) I den Gesprächsstoff in jebem Salon, an jebem Mittagstisch, V6 . I und ich vermute, es wurden wunderliche Geschuhten er- । I funden, um sie zu erklären. Aber es mar eine Thatfache ElN brattlf met Arzt. I daß meine Praxis in Wirklichkeit bedeutend zunahm, und San * I die Zahl der blinden Abberufungen mit ledern Tage ver- iy u n 9 'S 9 9* I wirtSprf tnerhen fonntc (Nachdruck verboten.) I meiner Arbeit, der wirklichen und der vor- „Ein wenig Humbug kann einem jungen Arzte sehr I geblichen fand ich noch Zeit, einige wirklich arme Leute zu nützlich sein", meinte Dr. Krönlein, als die medizinische I behandeln, und da ich schlau jede Bezahlung metner Dienste Stammtisch-Gesellschaft im „Roten Lamm" über diese I |n diesen Fällen ablehnte, wurde metn Lob von diesen Standesfrage etwas heftig zu debattieren begann. I braven Leuten selbstverständlich in allen Tonarten ge- „Ich will ja den Humbug keineswegs verteidigen, aber I sungen. B . ich kann nicht verschweigen, daß er mir zur Rettung wurde, I Aber das Glück begann erst recht, als eines Tages der ja, daß er mir meine ganze Praxis verschafft hat." I erste Mann des Ortes, ein Freiherr von Habicht — übrigens „Bitte, keine Uebertreibung!" meinte der Sanitätsrat I e|n bekannter Sportsmann — einen Unfall hatte, und ich Stolze, der sich selbst einer sehr umfangreichen Praxis 1 ton einem reitenden Groom zu ihm geholt wurde, ^ch ver- rühmen kann. , . I dankte diese Ehre einem Zufall; der Bote hatte meine beiden „So will ich Ihnen die Sache erzählen", fuhr Kronlein I Nebenbuhler nicht zu Hause getroffen. Zum Gluck machte ich fort. „Als ich vor etwa dreißig Jahren meine Karriere be- 1 einen günstigen Eindruck aus den Mann, und es gelang qann, fehlte mir nicht nur das nötige Geld, mir eine Praxis I ^ir, ihn bald wieder auf die Beine zu bringen. zu kaufen, sondern ich war auch bereits ein verheirateter I Jetzt hatte ich das Feld erobert; ich wurde so sehr in Mann. Wohlgemut, trotz dieses doppelten Hindernisses, be- I Anspruch genommen, daß ich einen Assistenten engagieren zog ich ein Haus in einem Vorort, welcher gute Aussichten I uni) nun über meine früheren Künste lächeln konnte, zu bieten schien. Ich befestigte ein Messingschild an der I Nach Verlauf eines Jahres konnte ich ein vornehmes Thür und bereitete mich aus den Empfang der Patienten vor. I beziehen, war frei von Schulden und hatte em sehr Innerhalb dreier Monate bekam icfy nun aber keinen I gute§ Einkommen. Aber ich glaube fest, wenn ich Nicht einzigen Patienten zu sehen. Das Feld wurde bereits von I etoa§ Humbug im Anfang getrieben hätte, so wäre es mtr zwei Aerzten beherrscht, die sich in die gesamte vorhandene I traurig ergangen." Praxis teilten. Inzwischen war mein kleines Kapital un- I heimlich zusammengeschmolzen und ich begriff, daß etwas I VglN MvNttt AVttl. geschehen müsse, wenn ich nicht zu Grunde gehen follte. I April 1901. ^^AmchWude^Sonntag wurden die in der Kirche ver- I Im April ist die Jahreszeit soweit vorgeschritten daß sammelten Andächtigen durch das Erscheinen eines kleinen I unter günstigen Witterungsverhaltnissen ein rasches Wachs- Knaben gestört der keuchend das Seitenschiff entlang kam I tum zu erhoffen ist, und zeigt uns der launenhafte Monat pinine Worte zuflüsterte. Ich ergriff daraufhin I ein sonniges Gesicht, so durfte aus dem Markte bald eine sofort meinen^Hük und verließ eiligst mit ernsten Mienen I Zunahme von jungen Gemüsen und Geflügel zu erhoffen bas Gottesbans' gefolgt von den Blicken der halben Gemeinde. I sein. Vor allem find es die Suppenkrauter, die altem Fn der folgenden Nacht wurden meine Nachbarn zwei- I Brauch entgegen schon lange, allerdings nur m ubernnnter* mal ^burdi ein wütendes Klopfen an meiner Thür ans dem I ten Blättern, feilgeboten wurden, wer Krautersuppe der Schlafe geweckt und eine Minute später konnten diejenigen, I Alten, dieser hochgeschätzten Fruhliugskur, die, den Körper wW neiwierig die Gardinen zurückgeschoben hatten, mich I verjüngen sollte, verleihen die jungen vollwurzigen Man er in rasendem Lauf die Straße hinab, anscheinend zu einem I im April und Mai erst Wohlgeschmack und Arvma. Anßer- in den lebten Riiaen liegenden Kranken, eilen sehen. Sobald I dem ist frisches Grün in SciMttlauch, Petersilie und ich um die Ecke war mäßigte ich meinen Schritt, und nach I Zwiebelröhren vertreten. Frühjahrsgernuse aus dem Freien fünf Minuten Wich ich mich durch den Hofeingang und I sind im Beginn noch auf zarten Spinat, Rapnnze und Sauer- tiber die Hintertreppe wieder lautlos in das Haus zurück. I ampfer beschränkt Im ^gemeinen kommt der Smier- Jn derselben Woche hatte ich in einem populär wissen- I ampfer Wenig auf den deutschen Markt, mehr geschätzt schaftlichen Verein einen Vortrag über das Thema „Eine I wird er in Holland, England, Frankreich und Oesterreich, ae nnde Seele in einem gesunden Körper" zugesagt. Die I Zubereitet wie Spinat, mit gekochten Stern garniert, auch Stunde der Versammlung^rückte heran, aber Dr. Krönlein I nach Wiener Art mit in Salzwasser gekochten Hopfenkeunc.jen war ausgeblieben. Eine Viertel- und eine halbe Stunde I zu gebackenem Fisch oder Koteletts, giebt Sauerampfer ein verging und die kleine Zuhörerschaft, die bis dahin sich I sehr wohlschmeckendes Gemüse. In erster Suite ist er na er durchaus tiachsWig gezeigt hatte, begann unruhig und I seines erfrischenden Geschmackes wegen zu Suppen besonders ungemütlich zu werden. Plötzlich erschien der Vortragende I schätzenswert. Man Pflückt dazu 90 Gramm Sauerampfer mit hochrotem Gesicht, keuchend und erhitzt. Ich bat I von den Stielen, wascht, ihn guh kocht ihn tu 1 Siter wiederholt um Entschuldigung und betonte, daß eine eilige I Brühe aus K2 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt gar und streicht Berufspflicht die Schuld an der Verspätung trüge. I die Suppe durch ein Sieb. Hierauf schwitzt man 20 Gramm Bevor die Woche zu Ende gegangen war, begann man I Butter mit 30 Gramm Mehl, rührt dieses mit der Smier- sich bereits zu erzählen, der neue Doktor komme in Mode. | ampfersuppe glatt, gtebt noch 30 Gramm Butter dazu, legiert 204 die Suppe mit ein Achtel Liter Sahne oder Milch und einem Gelbei, fügt nach Geschmack etwas Citronensaft bei und richtet sie über in Scheiben geschnittene hartgekochte Eier an, auch kann man Würstchen als wohlschmeckende Einlage verwenden. „ . , , Schon lange liefern unsere Gemüsetrerbereren heimischen Salat und Radieschen, die Käuferinnen klagen zwar über hohe Preise, aber sie kaufen doch, etwas Neues vom Jahre übt ja immer seinen Reiz aus. Ebenso liefern die Treibereien schon gut entwickelte Kohlrabi, bereit erste hohe Preise voraussichtlich bald sinken werden. Blumenkohl ist in schönen Köpfen in billigem Angebot in Florentiner, neapolitanischer und seiner französischer Ware vorhanden; seine Zubereitung als Salat, Saucen- und Suppenbeigabe, sowie als Genküse ist bekannt, aber auch die Blätter geben ein angenehmes, im Geschmack dem Weißkraut sehr ähnliches Gemüse, das besonders fein und wohlschmeckend ist, wenn man demselben einige Röschen des Blumenkohls beifügt. Tie frischen Blätter, auch die Strünke geschält, werden in Wasser ganz weich gekocht und auf ein Haarsieb zum Abtropfen geschüttet. Gut abgelaufen, aber nicht ausgedrückt, wird alles fein gewiegt, dann eine ganz Helle Mehlschwitze mit dem abgelaufenen Wasser, dem man etwas Liebigs Fleisch-Extrakt beisügt, abgerührt, und nach gehörigem Durchkochen wird das Gemüse dazu gegeben und mit Kümmel, Muskatnuß und etwas Pfeffer gewürzt. In seinem Lauf bringt der April als neueste Marktware' heimischen Spargel, der allmählich den belgischen und französischen verdrängt. Die Delikateßhandlungen beeten uns als besondere Feinheiten fleischige Treibhausgurken, zarte grüne Schnittbohnen, junge italienische Schoten, tadellose Artischoken, zarte Karotten, grünen Spargel, der ut Frankreich besonders beliebt ist, saftige Rhabarberstiele für Kompott, Fruchtsuppen und andere Speisen. Tie Treiberelen liefern schöne kleine Champignons und frische Morcheln sür Saucen und Gemüse. Tie Zeit für Hausgeflügel beginnt. Backhühnchen dürsten noch spärlich kommen, reichlicher dagegen junge Tauben. Altes Geflügel ist durch legefaule Hühner vertreten. Beim Einkauf der so beliebten Suppenhühner ist darauf zu achten, daß dieselben nicht über 2 Jahre alt sind. Besonders hervorragende Feiertagsbraten liefern die in- und ausländischen Mastanstalten in Brüsseler Poularden, böhmischen Kapaunen, Hamburger jungen Enten und Gänsen, sowie anderem fremdländischen Geflügel. Tie Wildpret- freunde sind auf Fasanenhähne, Birk- und Spielhahn, sowie auf die teure Schnepfe angewiesen, und bei dem Mangel an anderem Wild finden Renntierkeulen gern Abnahme. Ende dieses Monats erscheinen die Möweneier, die den Wert der Kibitzeier etwas herabsetzen. Möwen- wie Kibitzeter, die höchsten Frühjahrsdelikatessen, kauft man am besten und sichersten in den Delikateßgeschäften. Der Wetterwandel macht sich auf dem Fischmarkt erfolgreich bemerkbar, von Tag zu Tag hebt sich, der Fischfang. Für die ferne Küche ist nach Forellen, Rheinlachs und Saibling besondere Nachfrage. Aal, einer der besten Fische, erreicht den Höhepunkt des Wohlgeschmackes erst im Sommer. Vorherrschend sind im April große Perschken, Dibeln, Karauschen, Rappen und Lachs in allen Arten, Barsche, Alse, .Schill und Aalraupen oder Quappen. Tie Leber der Aalraupe gilt als besonders schmackhaft und in Frankreich sagt man: pour le foie d’une lotte la femme vendrait sa cotte (an Quappenleber sich zu letzen, würde die Frau den Rock versetzen). Ter Rogen dieses Fisches ist jedoch ganz unverdaulich. Im April werden die Maifische, die in der Laichzeit die Flüsse hinaufziehen, in Massen gefangen, sie haben ein zartes, aber sehr grätenreiches Fleisch, dessen Genuß Fieber erzeuaen soll. Billige Aprilfische sind: Rotzunge, Schellfisch, Dorsch und Scholle. Kaviar in feinster Ware wird hoch bezahlt. Tie gute Zeit für Austern ist im April vorüber und mit Ende des Monats hört die Schonzeit für Krebse auf. Vorläufig sind galizische und in hiesigen Teichen gezogene Krebse am Markte. Tie Früchte des Marktes beschränken sich vorzugsweise auf Apfelsinen und Aepfel. In den Handlungen sind Tiroler Aepsel, Ananas, Birnen, französische Erdbeeren rc. zu haben. Der Theemarkt bietet blutreinig j.be Schlehdornblüten, katarrhlösende Spitzwegerich oder Rippenkraut, Huflattich, Erdbeer- und Preiselbeerblätter und sonst noch allerlei Heilmittel bunt durcheinander. Gemeinnütziges. Messing reinigt man am besten mit heißem Essig und Salz und poliert es mit feiner Steinkohlenasche nach. — Oder man putzt es mit Messingfeilspähnen. „Praktischer Wegweiser", Würzburg. Ifeld und Karten. Die verderbenbringende Johannisbeerkrankheit, welche die Kultur unserer lebhaft rotftüch- tigen Johannisbeersorten fast in Frage gestellt' hat, scheint ihre Gefahr für den Johannisbeerzüchter zu verlieren. — Nach einer Abhandlung der bekannten Gartenbauzeitschrift „Erfurter Führer im Gartenbau" fiitb nur die Sorten der Krankheit unterworfen, welche von Ribes rubrum abstammen, während die Sorten, die von Ribes petraenm abstammen, der Krankheit gegenüber ganz oder nahezu gefeit sind. Die Rassenmerkmale der Johannisbeersorten werden von der Zeitschrift durch! Abbildungen erläutert und sind an Blättern und Blüten leicht erkennbar. Da Johannisbeeren ja auch im kleinsten Garten gezüchtet werden, empfehlen wir unseren Lesern, sich die Nr. 53, welche ihnen kostenfrei zur Verfügung steht, mittel Postkarte von Erfurt zu bestellen. Deutsche Rundschau sür Geographie und Statistik^ Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von Prof. Dr. Fr. Umlauft. 23. Jahrgang 1901. (A. Hartlebens Verlag in Wien, jährlich 12 Hefte zu Mk. 1.15. Pränumeration inkl. Franko-Zusendung Mk. 13.50.) Tie nahezu seit einem Vierteljahrhundert erscheinende „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik" erfreut sich in den weitesten Kreisen des besten Rufes, da sie jedermann, der an der Erdkunde Interesse nimmt, eine Fülle von geographischen Mitteilungen aller Art bietet. Dazu sind die größeren Aufsätze von trefflichen, durchgehends nach Photographien angefertigten Illustrationen begleitet, und jedem Hefte liegt eine wertvolle, vorzüglich ausgeführte Karte bei. Die Reichhaltigkeit dieser Zeitschrift ersieht man auch wieder aus dem eben erschienenen siebenten Hefte des XXIII. Jahrganges: Die Frauen der Völker im südöstlichen Europa. Von Friedrich Meinhardt in Sofia. (Mit 3 Abb.) — Der Ausbruch des Vulkans Adatara in Japan. Von Professor Dr. Iokohama in Tokio. (Mit einer Karte im Texte und 2 Abb.) — Das gelbe Fieber in Rio de Janeiro. — Die Reise Kozlov's in Central-Afien. (Mit einer Karte.) — Astronomische und physikalische Geographie. Die Kometen deS Jahres 1900. — Geschichtlicher Ueberblick der Feuerkugeln und Meteoriten. — Politische Gcographie und Statistik, lieber Entvölkerung. Bon Dr. Julius Reiner in Berlin. — Der Belriebswafferstand im Jahre 1900 in Deutschland. Von L. Koch in Duderstadt, Hannover. — Ergebnisse der Volkszählung in Oesterreich-Ungarn. — Aus Australien. — Geographische Nekrolog». Todesfälle. Joseph Jekclfalussh de Jekel- et Margitfalva. (Mit 1 Porträt.) — Kleine Mitteilungen aus allen Erdteilen. — Geographische und verwandte Vereine. — Vom Bücherlisch. — Kartenbeilage: Der mongolische Altai und die centrale Gobi nach der Reise Kozlov's und seiner Gefährten 1899 bis 1900. Maßstab 1 : 6,000.000. Der äußerst mäßige Präuumeratiouspreis der „Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik" ermöglicht ihr eine weite Verbreitung. Ergänzungsrätsel. Nachdruck verboten. W..n d.. St.m.. . c . . ei . t . s s . r . ch . , H . r . h' . . d s. l .' . h . f . eu . i . e . M . t. s ; . u . m . . d . . . ti . . e d . . b.a.s.n.e. . l . t . s, M.. d.. th.r.ch..n .ch.e..c. v..w.ch.l. f. . n . dj . ! Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Akrostichons in vor. Nr.: Rast, Iran, Ceder, Hand, Astern, Rest, Dolch, Wind, Ader, Gier, Nagel, Eier, Ratte. — Richard Wagner Nrdskn»«: «. Burkhardt. - «r»S unk «erlag der Brühl'scheu Uai»erßttt«.»mh. tmk Striudruckerei (»letsch Erdei.) ie «**.