en, hat ) Kean ange- rnffleur er ins d, bald o! Für : lästige t stiller ichs bei orstädte Blau- rrchaus ent in lstimm- ip der n unb mfbahn chrhnn- > streng erweise tel des :t Emil andern m Posa nal bei ber das nselben oh, ein i Hälfte die ihn et den to veel drepen t is de en glitt, orgeht: iifenau"; in treuer ic Seuer« lschmiede. iringer l!e * ( chterfeioe, mmer: HU Sonntag den 13. Januar 1 PSI? Stuhl stand leer, ihr Platz bei Tische war frei, als sie noch ber uns weilte. Kommt aber der Tod so plötzlich, so haben wir keine Zeit, uns an den Gedanken zu gewöhnen. Oeffnet sich die Thür, so glauben wir, daß der Entschlafene eintritt, wir hören seine Stimme, wir Worten aus ihn und immer wird die Wunde aufs neue aufgerissen. Neben dem Wohnzimmer lag ein kleines Stübchen. Dort saßen wrr bei heruntergelassenen Vorhängen im düsteren Zwielicht unb sprachen von der teuren Entschlafenen. Gegen Mittag hörte ich leise die Glocke ziehen. Das Mädchen öffnete die Thür, aber ich achtete nicht darauf. Einige Augenblicke später meldete das Mädchen, daß es Herr Fowler gewesen sei. Mein Vater fragte, ob er nichts hinterlassen habe. „Aber er ist ja im Wohnzimmer", sagte das Mädchen in ihrer ungeschickten Weise. . „O", rief mein Vater aufspringend, „ich kann ihn nicht sehen; ich kann ;etzt mit keinem Menschen sprechen. Sagtest Du ihm nicht, daß die Frau —", er brachte die Worte nicht heraus. f ®af aIme/ -dumme Ding machte große Augen und sah aus, als ob ]te meinen wollte, gab aber keine Antwort. „Bist Du stark genug, mit ihm zu sprechen, Jessie?" sagte mem Vater. „Mard würde doch alles falsch bestellen und es würde mir leid thun, wenn ich ihn verletzte". ' Ick) hatte auch nicht den Mut zu gehen. Wenn ich an die Phantasiegebilde dachte, die mich bis zwei Uhr morgens wachgehalten hatten, so erfüllte mich Scham unb schmerz über meine thörichten Gedanken. Aber ich sah des Vaters Unruhe unb wußte, daß die Magd jede Bestellung falsch ausrichten würde, daher sagte ich: Gut Vater, ich werde .gehen, und ihm sagen, daß Du heute Nicht zu sprechen bist." ’ „Unb morgen auch nicht — nein, nicht vor der Beerdigung", rief er unter erneutem, heftigem Schmerzens- ausbruch aus. Ich ging ins Wohnzimmer, wo ich Herrn Fowler an» Kamm mit seiner Mütze in ber Hand stehen sah. Er sah verlegen aus, schien aber nichts von der Trauer in- unserem Hhase zu wissen. Trotz der verhangenen Fenster war das Zimmer nicht dunkel. Ich konnte ihn deutlich sehen, und obgleich meine Augen vom Weinen getrübt waren, so hatte mich der Gram doch nicht genug geblendet, um nicht zu bemerken, daß mein Vater recht hatte, wenn er ihn einen schmucken Seemann nannte. Er verbeugte sich und fragte nach Kapitän Snowdon. „Sie können ihn nicht sprechen. Ein schweres Leid hat uns betroffen. Wir haben meine Mutter heute morgen tot int Bette gefunden." Ich glaubte stark genug zu fein, diese Worte ohne Wemen zu sagen, aber trotz harten Kampfes unterlag ich. Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Ich trat an das Bett und sah meine Mutter, wie schlafend, mit dem Gesicht nach der Wand gekehrt, liegen. Sie hatte nicht friedlicher aussehen können, wenn sie der Schlaf unb nicht der Arm des Todes umfangen gehalten hatte, ein so glücklicher, zufriedener Ausdruck lag auf ihrem Antlitz unb verlieh ihm eine wunderbare Lieblichkeit. Obgleich ich nie im Leben einen Toten gesehen hatte, erkannte u« ort, daß alles aus war Starr vor Schrecken lehnte ich wich über das Bett; mein Atem schien zu stocken, so herzbrechend war dieser furchtbare, unerwartete Anblick Als nun der Vater leise zu mir trat, unb mich in seine Arme nahm, ba verbarg ich mein Antlitz an feiner Brust und weinte, wie ich nie zuvor geweint hatte. Mein Vater hatte, ehe er mich weckte, das Mädchen zu dem Arzt gesandt, der in unserer Nähe wohnte. Er kam einige Minuten später, untersuchte meine Mutter auf« merk;am und sagte, daß sie schon seit einigen Stunden tot, unb daß die Ursache ohne Zweifel ein Herzschlag fei. Dies erwies sich später als richtig, aber ich wünschte, er hatte es uicht gesagt. Mein Vater brach bei seinen harten völlig zusammen, sv furchtbar war ihm der Ge- °auke, datz er ruhig geschlafen hatte, während fein Weib al§ teulje neben iljin lag. Ich kniete neben ihm nieder unb bemühte mich, ihn zu beruhigen, während ich ihn immer wieder bat, mich, die ich jetzt keinen Freund außer ihm hatte, in fernem Gram nicht zu vergessen. sprach ihm auch freundlich zu, und nach einem Weilchen verließen wir das Zimmer und gingen hinunter. Der Anblick der alten Wohnstube mahnte uns mit grausamer Scharfe an unseren Verlust. Jeder Gegen- °n die Mutter, unb ich wagte kaum, nach Stuhl zu blicken, tu bem sie gewöhnlich saß unb ut1ü>?9;i.Lr0^JeqJeiLnd’'- toenn wir Gott bitten, uns unfere Ueben nicht durch einen plötzlichen Tod zu rauben Krankheit bereitet allmählich vor; wir gewöhnen uns daran, die vertraute Gestalt nicht mehr da zu sehen, wo wir sonst ihrer Gegenwart sicher waren. Ihr ier ist das Glück vergänglich wie der Tag, Dort ist es ewig, wie die Liebe Gottes. _________________________________Th. Körner. (Nachdruck verboten.) 26 unb weinte um so heftiger, je mehr ich die Thränen zu- rückzuhalten suchte. „Hätte ich das geahnt, so wäre ich dem Mädchen Sicht in dieses Zimmer gefolgt", sagte er mit einer Stimme voll Mitleid und Teilnahme. „Sie sind Fräulein Snowdon?" — Ich bejahte die Frage. „Bitte, sagen Sie Ihrem Vater und glauben Sie es selbst, daß es mir herzlich feib thut. Ihnen in solchem Augenblicke lästig gefallen zu sein". „Wenn Sie wieder vorsprechen wollen — etwas später — nächste Woche", sagte ich weinend, „so wird er sich freuen, Sie bei sich zu sehen". „Ja, und ich hoffe, daß Sie beide sich nicht zu tief vom Schmerz niederdrücken lassen", rief er so freundlich und herzlich aus, daß ich ibn ansehen mußte. „Nur die Zeit vermag solche Wunden zu heilen". Und mit einer Verbeugung ging er leise aus dem Zimmer. So traurig ich war, ich mußte doch die Art seines Benehmens und Fortgehens bewundern. Unerwartet ein Sterbehaus zu betreten, und ein Mädchen zu treffen, die vor Schluchzen kaum sprechen kann, war eine Lage, der selbst der Takt eines Mannes von feinster Lebensart kaum gewachsen war. Die herzlichsten Beileidsbezeugungen erscheinen wie eine Aufdringlichkeit. Ruhig fortzugehen ist das beste, was man thun kann. Wenn man schnell, aber nicht zu eilig fortgeht, sich bemüht, eine aufrichtige Teilnahme zu zeigen, so ist es der Beweis eines feinen Verständnisses und eines guten Herzens. Meinem Vater sagte ich, daß ich Herrn Fowler gebeten habe, uns nächste Woche zu besuchen. Weiter wurde nicht über ihn gesprochen. Am Tage der Beerdigung war mein Vater wunderbar gefaßt. Er trug sein starkes, religiöses Empfinden zwar nie zur Schau, aber seine Frömmigkeit ließ ihn in dieser schweren Zeit nicht im Stiche. Ich erfuhr zwar, daß er am Grabe beim Hinabsinken des Sarges zusammenbrach, ttttb daß die Freunde Mühe hatten, ihn später durch sanftes Zureden vom Kirchhof zu entfernen. Aber auf dem Heimweg faßte mein Vater sich und küßte mich ruhig, als er nach Hause kam, als wolle er mir zeigen, daß er sich demütig dem Willen Gottes beuge. Beim Leichenbegängnis meiner Mutter folgten nur Seeleute dem Sarge. Da war der alte Salmon, dann Kapitän Tarbit, der mehrere Reisen mit meinem Vater gemacht hatte. Im ganzen waren es sieben Seeleute, die zwei Trauerkutschen füllten. Ich hatte erwartet, daß Herr Fowler dabei sein würde, aber er konnte vielleicht seine Geschäfte in Süd-Shields nicht int Stich lassen. Im Wohnzimmer versammelten sie sich, bis der Sarg ans den Leichenwagen gehoben wurde. Die herzliche Einfachheit ihres Mitgefühls für meinen Vater machte tiefen Eindruck auf mich. Sie machten nicht viel Worte und sprachen mit gedämpfter Stimme, obgleich einige der rauhen Seetöne nicht leicht zu mildern waren. „Nein, nein", sagte Salmon zu Kapitän Tarbit, „Sie können ihn nicht mit dem Schlepptau vergleichen, das, wenn's losgeworfen ist, einen auf das Meer hinaustreiben läßt. Ter Tod ist ein Hafen, und das Leben ist der Ozean, der uns hin- und herschleudert. Der Tod ist ein stilles Wasser mit gutem Grunde, wo man ruhig die Anker fallen lassen lann". Dann sah er rings im Zimmer umher, als wolle er den Beifall für sein Gleichnis einheimsen. Solche Bruchstücke der an jenemTage unter unseren Freunden leise geführten Unterhaltung leben noch ebenso itt meiner Erinnerung wie die feinfühligen Bemühungen dieser Leute, meinen Vater und mich zu trösten, obgleich sie sich selten oder nie an uns wandten, sondern uns int Gegenteil mit jener ehrfurchtsvollen Scheu behandelten, welche die Heiligkeit einer tiefen Trauer immer in kindlichen Gemütern hervorruft. Sechstes Kapitel. Herrn Fowlers zweiter Besuch. Obgleich mein Vater seinen Verlust anfangs mit leidenschaftlichem Schmerze empfand, so faßte , er sich doch schnell. Jeder konnte sehen, daß ein kostbarer Teil seines Lebens vou ihm gegangen war; aber man hörte kein Jammern und Klagen. Er fügte sich dem göttlichen Willen, wie es einem braven Seemann zukam. Oft führte er einen Lieblingsausspruch seines Vaters an: „Wenn der Kapitän bei Weltalls Befehle giebt, dürfen wir nie an ihrer Weisheit zweifeln, sondern müssen auf dieselben hören und sie sreudigen Herzens ausführen, überzeugt, daß uns keine Arbeit zugemutet wird, die nicht zu unserem Besten ist." Obgleich Herr Fowler nach der Beerdigung bei uns vorsprach, sah ich ihn nicht. Er kam einmal, als ich oben war, hatte eine lange Unterredung mit dem Vater, ging dann wieder, und war schon eine halbe Stunde fort, als ich hörte, er sei dagewesen. „Wird er wiederkommen?" fragte ich. „Nicht vor drei Monaten", antwortete mein Vater. „Er segelt nächste Woche als erster Steuermann des ,,African Chief"." Ich war etwas betroffen; denn meine Eitelkeit verlangte nach einer früheren Gelegenheit, um den dummen Eindruck zu verwischen, den ich bei unserer Begegnung am Todestage meiner Mutter auf ihn gemacht hatte. Aber sonst dachte ich kaum noch an ihn, und da er auf drei Monate fortging, so war anzunehmen, daß er meinem Gedächtnis völlig ent- schwindeit würde. Nach dem Tode meiner Mutter verstrichen die Tage in öder Einförmigkeit; aber die Zeit war die beste Arznei für mich, und jede Woche fühlte ich unseren Verlust mit weniger Schärfe. Ich gewöhnte mich an ihren leeren Sitz in der St. Nikolaskirche, die wir regelmäßig zum Gottesdienst besuchten, an ihre Abwesenheit in der Küche, w» wir jeden Morgen die Haushaltungsangelegenheiten des Tages besprachen, an ihren leeren Platz neben dem Kaminfeuer, wo ihr Armstuhl stand, als ob sie jeden Augenblick mit ihrem Strickzeug sich dort niedersetzen könnte. Das Christfest folgte bald nach ihrem Tode, und erschien uns um so düsterer, als das helle Glockenläuten und der Gedanke an die fröhlich versammelten Familie» so glückliche Erinnerungen in uns wach ries. Am Abend kam Kapitän Tarbit, seine Frau und ei» Seemaschinist Finlay, ein biederer Schotte, der viel zu erzählen wußte, und so ziemlich alle Seeunfälle, die es geben kann, erlebt hatte, von Shields herüber, um uns ein wenig aufzuheitern. Hätte man uns vorher darüber gefragt, so würden wir wohl gesagt haben, daß wir lieber allein bleiben wollten, nun aber war es uns doch tticht unlieb, ein wenig herausgerissen und in das Tageslicht lebendiger Interessen gedrängt zu werden. (Fortsetzung folgt.) Kinderleid. Von Bois-Plessi. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen. (Nachdruck verboten) Es war im Herbst. Langsam verwandelte sich das Blau des Himmels in ein mildes Grau, und die welken Blatt« lösten sich von den Zweigen, fielen zur Erde und wurde» von dem Winde weitergeführt, bis sie die Füße der hastenden Menschen zertraten. Während die Natur sich gleichsam zur Ruhe rüstete, begannen die Menschen einen neuen Abschnitt ihrer Existenz, der doch immer dasselbe Hasten, dasselbe Pläneschmiede« und das Denken an das „Morgen" mit sich bringt. In den Läden waren die „Winterneuheiten" ausgelegt und Seide, Sammet und Pelze zogen manchen verlangende» Frauenblick auf sich. Vor einem eleganten Geschäft stand ganz in Bewunderung und Verlangen versunken, der Gegenwart entrückt, Magda Ferrier, bte Frau des jungen und schon berühmte« Bildhauers. Sie wußte, wie gut sie all die reichen weiche« Stoffe kleideten, wie sie ihrer eigentümlichen Schönheit noch zur Folie dienten, und es wurde ihr schwer, in Anbetracht der bescheidenen Verhältnisse, in denen sie lebte, auf die eleganten Toilettenstücke Verzicht leisten zu müssen. Das ewige „Verzichtenmüssen" verbitterte Magda Ferrier, machte sie ungeduldig und schroff in ihrer Art, sich zu geben, sodaß man oft an ihrer Herzensgüte zweifeln konnte. So kam sie denn auch heute von ihren Ausgängen sehr verstimmt und mit einer tiefen Falte zwischen den Augenbrauen heim. Al feinem kleine mit if Gesicht der S1 M schien; würde: Er die jur „T Er er! Di Du ba M ein itol ist star diesen Je wieder ich irg Pelzkrc Hauers „<£ gleich 1 auch 5 M hab bekamt W dann t den Ar Groll, Al hatte Augen Gl Tisch, 1 „5 „s wunde behren haben! man i W „9 daran und V wahrst dem T ewigen Bi ihr ein und je, Punkt. Ut dem 1 hatten meinet die Tb Vl kleine M versan die so : an de statt i ihr al wurde den C — 27 — n bei isheit ) sie teiPc - ist." unS s ich Vater, : fort, Vater. des langte ndruck :stage dachte tging, g ent- ige in ilrznei t mit n Sitz wtteS- e, w» t deS amin- enblick id e»= läuten milien d ein tel zu die es t uns :n wir ollten, eraus- !N g« t. ten.) s Blau glätt« ourbeu hastende, be- cistenz, mieden -gelegt zenden under- ttrückt, ihmten oeichen it noch etracht mf die . Das machte , sodaß ’tt sehr llugen- Als der Gatte das bemerkte, spiegelte sich auch auf seinem Gesicht der Ausdruck einer tiefen Verstimmung; die kleine Alice, das vierjährige, reizende Töchterchen, hörte mit ihrem Geplauder erschreckt auf, als sie die finsteren Gesichter der Eltern sah, und das Frühstück begann in der Stille, die einem Sturm vorauszugehen pflegt. Magda sprach Nicht, und auch Wilhelm schwieg; jeder schien zu empfinden, daß seine Worte den andern verletzen würden. Endlich jedoch kam die inhaltsschwere Frage, welche die junge Frau schon so lange bereit hielt: „Wilhelm?" . . . sagte sie in herausforderndem Tone. Er zog die Augenbrauen zusammen. Den Ton kannte er! Der bedeutete nichts Gutes. „Was?" fragte er kurz. „Wann kaufst Tu mir den Pelzkragen, den Du mir schon so lange versprochen hast?" „Sobald es mir möglich sein wird. . ." „Und wann wird das sein? . . ." Er zuckte die Achseln: „Weiß ich nicht! ... Oh! bist Du bald fertig mit Deiner ewigen Quälerei?" Magda brauste auf: „Wie! ich quäle Dich, weil ich ein notwendiges Kleidungsstück von Dir verlange? . . . Das ist stark! . . . Ich habe nichts' umzubinden! ... Ob ich diesen Winter friere, ist Dir freilich gleichgiltig!" Jetzt wurde auch Wilhelm heftig: „Nun, da bist Tu ja wieder bei Deinem beliebten Thema! . . . Ich thue, was ich irgend kann! . . . Wieviel kostet denn dieser verdammte Pelzkragen?" „Vier- bis fünfhundert Franks . . . Die Frau des Bildhauers Ferrier kann nicht wie ihr Dienstmädchen gehen!" „Sehr schön!" spottete der Mann . . . „hättest es mir gleich sagen müssen! . . . Um Dich warm zu halten, würde auch Kaninchenfell genügen! . . . Um Deine 500 Franks Zu haben, mußt Du warten, bis ich einen neuen Auftrag bekomme! . . . und nun habe ich für heute genug davon!" Wilhelm war heftig, wenn er in dem Ton etwas befahl, dann wußte seine Frau, daß es ratsam sei, wenigstens für Len Augenblick, zu schweigen. Sie schwieg, aber sie empfand Groll, fast Haß gegen den Gatten. Alice saß regungslos in ihrem hohen Stuhl; das Kind hatte aufgehört zu essen und sah mit feuchtschimmernden Augen ängstlich von einem zum andern. Gleich darauf warf Wilhelm seine Serviette auf den Tisch, stand auf und ging zur Thür. „Tu gehst au§?" fragte Magda kurz. „Ja", kam es schroff zurück, „warum? . . ." „Warum?" . . . schrie sie laut und erregt . . . „nun wundert es mich nicht mehr, daß ich das Notwendigste entbehren muß, und daß wir bei den Lieferanten Schulden haben! . . . wenn man ausgeht, statt zu arbeiten, wenn man int Cafe und nicht int Atelier ist, dann natürlich . . ." Wilhelm unterbrach sie wütend. „Recht so, beklage Du Dich! ... Du ganz allein bist daran schuld! Wenn ich zu Hause ein freundliches Gesicht und Verständnis für meine Arbeit fände, dann würde ich wahrscheinlich öfter daheim sein! . . . Ich gehe Dir aus dem Wege, Dir und Deinen ewigen Ansprüchen, Deinen ewigen Klagen." Bis ins innerste erregt, antwortete sie, was der Zorn ihr eingab. Schlag auf Schlag gingen Rede und Gegenrede, und jedes Wort traf nur zu oft bei dem Gegner einen wunden Punkt. Und eine Szene folgte, wie sie sich jetzt so oft zwischen dem Ehepaar abspielte. Als sie sich alles vorgeworfen hatten, was ihnen nur irgendwie einfiel, sank Magda weinend auf einen Stuhl, und Wilhelm warf dröhnend die Thüre hinter sich zu. Vergessen auf ihrem hohen Stuhle befand sich die kleine Alice, deren ganzer Körper bebte. Als Magdas Erregung und die Thränen nachließen, versank sie in Grübeleien über die Vergangenheit und die so traurige Gegenwart. Wie schön hatte sie sich das Leben an der Seite eines Mnstlers gedacht. . . Und nun . . . statt des geträumten Glücks, statt der Auszeichnungen, die ihr als der Frau eines-berühmten Mnstlers dargebracht wurden? . . . Nichts als mühevolles Ringen, um nach außen den Schein zu wahren, und ein ängstliches Warten auf „Bestellungen". Und dann, Wilhelm war auch nicht irr der Ehe das gewesen, was sie sich gedacht. Mit seiner bestimmten, ein wenig brüsken Art, die ihr an dem Verlobten gefallen, schien er ihr nun zu zeigen, daß er der Herr sei, und von Tag zu Tag lehnte sie sich mehr dagegen auf. Der Gatte seinerseits sah mit bitterer Enttäuschung, wie wenig von dem jungen, für die Mnst enthusiasmierten Mädchen bei dem Weibe an seiner Seite übrig geblieben war, die so gar nicht auf seine Mnstlernatur einzugehen verstand. So war denn die Kluft zwischen beiden immer größer geworden, und Magda dachte das inhaltsschwere Wort „Trennung" als einzige Rettung aus solcher Existenz, als verzweifeltes Schluchzen sie zusammenfahren ließ. Sie sah aus: die kleine Alice weinte laut. Ungeduldig sprang die junge Frau in die Höhe und war int Begriff, das Kind zu schelten und ihr Ruhe zu gebieten. Doch in den Kinderaugen drückte sich solche unerklärliche Verzweiflung aus, daß die Mutterliebe stärker war als die Ungeduld. Sie nahm die Kleine auf den Arm und sagte zärtlich: „Weine nicht, mein Liebling! . . .was hast Du bettn?" Tas kleine Mädchen gab keine Antwort. Tie zurückgehaltenen Thränen ließen nun den ganzen zarten Körper in Schluchzen erbeben, und während die niedlichen Händchen sich ineinander krampften, legte sich um den ganz blassen, süßen Kindermund ein Zug herben Schmerzes. Erschreckt Liebkoste Magda das Kind, fragte und streichelte immerzu. Vergebens! Tas Kind beruhigte sich nicht. Die Thränen versiegten allmählich, aber auch die Kräfte schwanden. Bald ging der Ajem nur noch ganz schwach, das Schluchzen setzte aus und wurde zu einem herzzerreißenden Jammern; ein Jammern und Wimmern, das das Herz der geängstigten Mutter erbeben ließ ... Und Wilhelm kam nicht! Er machte es oft so; wenn eine gar zu stürmische Szene zwischen den Gatten stattgefunden hatte, dann vermied er es, Magda noch an demselben Tage wiederzusehen, und in schweigendem Einverständnis wurde darauf zwischen beiden das Leben wieder ausgenommen als wenn nichts geschehen wäre.. Mitternacht war an dem Wend vorüber, als Wilhelm Ferrier leise den Schlüssel im Schloß mit der Absicht umdrehte, in seinem Atelier aus dem Feldbett die Nacht zu verbringem Doch da schimmerte ein Lichtstreifen durch Magdas angelehnte Schlafstubenthür und klägliches Wimmern schlug an Wilhelms Ohr. Er erschrak und sagte sich: Das klingt ja, als wenn Alice weint. Leise öffnete er die Thür und sah seine Fran an dem Bett der Kleinen knieen. . Mit einem Sprunge war er an ihrer Seite und neigte sich über das Bett. Tas Gesicht des Kindes war farblos, um den Mund lag es wie grenzenloser Schmerz, und in. den fieberheißen Augen stand angstvolles Flehen. „Mein Gott", stöhnte der Vater auf. Magda richtete sich auf, traurig und vorwurfsvoll sah. sie ihn an. Kein Erinnern an den voraufgegangenen Streit war mehr in ihrer Seele, vor dem kleinen Wesen, das da so plötzlich in schwere Krankheit verfallen war, bestand weder der gegenseitige Groll, noch die Unzufriedenheit! Angstvoll fragte Wilhelm: „Was fehlt iljr?" Magda zuckte verzweifelnd die Achseln. „Mein Gott! Ich weiß es nicht! . . . Bald nachdem Da fort warst, hat sie angefangen zu weinen! . . . und dann hat dies entsetzliche Wimmern eingesetzt. . . was muß das süße Geschöpfchen leiden! . . . vielleicht ist sie rettungslos verloren." Die Finger der Mutter krampften sich um die Bett- Pfosten, in ihren Augen war ein irres Leuchten... die Verzweiflung der Mütter, die an dem Bett eines sterbenden Kindes wachen, stand in Magdas Augen. „Und der Arzt?" fragte Wilhelm und klammerte sich wie ein Ertrinkender an diesen Gedanken. „Ich habe nach ihm geschickt. Er hat etwas verordnet . . . da auf dem Tisch steht die Arznei. . ." „Was ist es denn, was sagt er?" „Er weiß es auch nicht! . . . morgen wird er wieder-» kommen . . . morgen . . . wenn unser süßes Kind dann- noch, lebt ..." 28 Wilhelm war an dem Bett in die Knie gesunken, und man hörte in dem Zimmer nichts weiter als das verzweifelte Jammern des Kindes. Die Morgendämmerung beschien dieses Bild trostloser Verzweiflung. Wilhelm und Magda sahen fast noch bleicher aus als das Kind, dessen wachsgelbes Gesichtchen sich kaum von den Kissen abhob; angstvoll beugten sie sich zusammen über dem Bettchen. Wie! das war in wenigen Stunden aus ihrem rosigen Liebling geworden! . . . verfallen und alt sah das Kindergesicht aus... die niedlichen Händchen mit den dicken Grübchen waren schmal und mager und tasteten unausgesetzt auf der Bettdecke, als wenn sie sich an dem Leben festklammern wollten. Mit lautem Schluchzen lehnte Magda den Kopf an die Schulter des Gatten und deckte die Hand über die Augen, um den Jammer nicht mehr zu sehen, und er fand, um sie zu trösten,'sanfte, gütige Worte, fast Worte, wie er sie in der ersten, glücklichen Zeit ihrer Ehe für sie gehabt hatte. In aller Frühe kam der Arzt. Er untersuchte das Kind, verschrieb eine andere Arznei und empfahl die größte Wachsamkeit. Wilhelm brachte ihn dann bis in den Flur. „Herr. Doktor, was fehlt unserem Kind?" Ter Arzt zuckte die Schulterns „Bei Kindern ist es schwer, eine genaue Diagnose zu stellen . . . wir wollen abwarten, wie die jetzt gegebene Arznei wirkt. . . vielleicht tritt keine Komplikation ein. . . es kommt mir vor, als wenn eine geringe Besserung stattgefunden hätte." Und der Arzt ging und ließ die Eltern mit diesem schwachen Hoffnungsschimmer allein zurück. Welch langer, eudloser Tag war das! Die Eltern wichen nicht von dem Bettchen. Ab und zu sagte Magda: „Du hast es gehört, Wilhelm, der Arzt meint, es ginge ein wenig besser!" . . . und er verstand, daß sie Zuspruch brauchte und sagte liebevoll: „Ja, unser Herzblatt ist entsct)ieden besser . . . quäle Dich nicht so, mein Lieb! ... es geht vorüber." ' Aber er glaubte nicht an seine eigenen Worte. Dennoch hatte Alices Wimmern nachgelassen; zwischen dem Jammern traten kleine Pausen ein, es wurde leiser, schwächer, und die Eltern ängstigten sich nun, daß es nicht mehr so laut vernehmbar, daß der Laut, der ihnen das Herz zerrissen, in seiner Kraft nachließ. Wenn es das Ende wäre? Vollständig erschöpft, war Magda einen Augenblick in leichten Schlummer verfallen. Als sie die Augen aufschlug, horchte sie. Nichts! Nicht das kleinste Geräusch unter den Gardinen des Himmel- bettchens! Jähes Entsetzen packte sie, sie röchelte mehr als sie sprach: „Wilhelm!" und mit der ausgestreckten Hand wies sie auf das Bett. Der Gatte hatte auch für Sekunden die Augen geschlossen gehabt. Er verstand und teilte Magdas Entsetzen. Als er sich aber über das Kind geneigt, richtete er sich gleich darauf init einem zaghaften Lächeln auf: „Still! . . . still! ... sie schläft!" „Wirklich?" l „Sieh selbst!" Nun neigte sich auch Magda über das Kind. Leicht und gleichmäßig kam und ging der Atem zwischen Den bleichen Kinderlippen. Aber die Mutter hatte noch Furcht. Ter Atemhauch war so gering! „Mein Gott!" sagte sie leise, „wenn sie nur wieder aufwacht! . . Es wurde Wend, die Nacht kam, und Mce schlief noch immer. Dicht nebeneinander saßen die Eltern und bewachten ihr Kind. Sie wollten es nicht einen Augenblick allein lassen, und doch war ihre Kraft zu Ende. Und so, wie sie da saßen, Hand in Hand, in Sorge und Leid vereint, schliefen sie ein. Stunden jtoaren vergangen, in dem dämmernden Tagesgrauen wurde das Flämmchen der Nachtlampe immer schwächer, da fuhren Magda und Wilhelm in die Höhe; ihr erster Gedanke, der sie nicht einen Augenblick verlassen. während der Körpkr fein Recht beanspruchte, hrar die quälende Sorge um ihr Kind. Und fassungslos standen sie da. Zwischen den-Falten der Gardine sah Alice sie an! Dünn wich die Bestürzung der Freude. „Alice, sie ist gerettet! ..." Das süße, kleine Mädchen lächelte und sagte mit ihrem klaren Stimmchen — dem lieben Stimmchen, das die Eltern nie mehr zu hören geglaubt hatten — : „Sag doch Papa, Mama, bin ich denn krank gewesen?" Magda brach in Thränen aus; Wilhelm nahm das Kind auf den Arm, hüllte es vorsichtig in sein Bettchen, und während er das blonde Köpfchen liebkoste, sagte er zärtlich: „Ja, Herzchen, Tu bist krank gewesen . . . aber nun bist Tu wieder gesund . . . nicht wahr?" Tie Kleine nickte als Antwort. Und alles sprach auch dafür; denn die Augen hatten den klaren Glanz wiedergewonnen, und die Wangen waren so frisch gerötet, wie es bei gesunden Kindern nach dem Schlafe der Fall ist. Magda küßte das Kind stürmisch, während Wilhelm es immer noch zärtlich in der Armen hielt und kosend sagte- „Ja, mein Herzblatt, mein Liebling, Tu hist wieder gesund! . . . und Du wirst nie, nie wieder krank werden, sag mein goldenes Kindchen?" „Nein", versprach Alice ernsthaft, „jetzt will ich nie mehr krank werden, jetzt wo Du und Mama gut miteinander seid. Euch nicht mehr scheltet! . . . wenn Ihr böse miteinander seid, thut es mir so weh . . ." Wilhelm und Magda schraken zusammen und sahen sich an. Sie erfuhren, was sie nie gedacht: welch Leid die Uneinigkeit der Eltern dem zarten Kindergemüt zufügen kann. Bittere Reue ergriff sie. Sie sprachen nicht; denn in den Momenten höchster Erregung findet man keine Worte, aber ihre Lippen trafen sich in gemeinsamem Kuß auf der Stirn ihres Kindes . . . Draußen war es inzwischen Tag geworden, und die Morgenröte schien ins Zimmer, wie der Vorbote einer glücklichen Zukunft. Die immer blühende Blumenrabatte. Großvaters und Großmutters Garten barg, wenn er auch nicht so modern und geschmackvoll eingerichtet sein mochte, wie jetzt der unsere, doch einen Schatz, das. war die immerblühende Blumenrabatte. Vom ersten Blümlein an, das sich aus dem Schnee hervorwagte, also schon vom Winterstern, von der Christrose an, die im Januar und Februar bei lindem Wetter ihre Blütenköpfe hervorschicken, bis zu den Tagen, wo starrer Frost von neuem die Erde gefangen nahm, gab es Blumen zum Pflücken und zum Schneiden. Gedenkemein, Lerchensporn, Seidelbast, Federnelke, Primel, Alpenaster, Rittersporn und wie sie alle heißen mögen, sie traten nach und nach an, um ihren Tribut zu bringen. — Wie viele wünschen sich auch heute eine Rabatte, ' auf der es immer etwas Blühendes giebt, an der man traumverloren früherer Zeit gedenkt. Aber wie wird sie angelegt, wie gruppiert man die Pflanzen? Eine treffliche Beschreibung finden wir in Nr. 41 des „Erfurter Führer im Gartenbau". Unseren Abonnenten wird diese Nummer kostensrei zugeschickt, wenn sie sich mittels Postkarte an das Geschäftsamt des Erfurter Führers wenden. Wortspiel-Rätsel. 9Zad)6iurf Bcrbotcn. Aus jedem der nachstedcnden Wörter ist durch Boransetzung eines passenden Buchstabens ein anderes Hauptwort zu bilden derart, daß die vorangesetzten Buchstaben im Zusammenhang ein bekanntes Sprichwort ergeben. Adel, Stern, Asche; . Eier, Lias, Arm, Eiter, Rost; Ast, Herinsr, Raum, Dom, Eid. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des B'itnr äticls in voriger Nummer: Margarinefabrikanti Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'fchen UniverfitStr-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße». Frc reinsten Als Haus f keine tz wärmet gelb g einer li ein Ach aus. 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