(Nachdruck verboten.) Gesprengte Fesseln. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) „Und wenn ich Dir sage, daß Deine Heirat mit Felicia um jeden Preis zu stände kommen muß — daß meine Ehre und Existenz — die Zukunft Deiner Schwester und vielleicht auch Deine eigene Zukunft davon abhängen? Wirst Du auch dann auf Deinem hochmütigen Standpunkt beharren?" „Ich verstehe Dich nicht, Vater! Es ist doch nicht etwa Felicias Mitgift, an die Du dabei denkst?" „Ja, ja und tausendmal ja!" fiel ihm der Kämmerer heftig in die Rede. „Wenn sie Dir heute gestünde, daß sie einen Mord begangen habe oder etwas noch Schlimmeres, um dieser Mitgift willen müßtest Du sie zu Deinem Weibe machen — denn es giebt für die Ehre des Namens Ignatius keine andere Rettung mehr als Felicias Geld." „Vater — um Gotteswillen, was soll das bedeuten? Es muß Fürchterliches sein, das Dir solche Worte eingebcu kann." „Sch' Dich hierher zu mir, Herbert — noch näher! Denn was ich Dir jetzt sagen werde, ist nur für Dich und für mich. Und unterbricht nicht, damit ich es schnell zu Ende bringe! Ich werde deutlich genug sein, daß Du mich auch ohne Zwischenfrage verstehst." Zehn Minuten später war der Assessor von allem unterrichtet, von dem Verbrechen des Rendanten Lindemann und von den vernichtenden Folgen, die eine Entdeckung dieses Verbrechens für Ludwig Ignatius nach sich ziehen mußte. Auch den heute eingelaufenen Brief des Rendanten hatte er gelesen, und es bedurfte nach alledem in der That keiner weiteren Erklärung mehr für bas eben noch so unbegreifliche Verlangen seines Vaters. Schweigeno, wie der Kämmerer es von ihm gefordert, hatte er den fürchterlichen Enthüllungen gelauscht; kein Ausruf des Schreckens und keine Frage hatte den Sprechenden unterbrochen. Aber Ludwig Ignatius brauchte nur einen Blick auf das Antlitz seines Sohnes zu werfen, um mit Bangen inne zu werden, daß das Schweigen nichts anderes war als die kurze, unheimliche Stille vor 6em schrecklichsten Sturm. Er war auf den Ausbruch! dieses Sturmes gefaßt, und wie in müder Ergebung ließ er das Donnerstag den 12. Dezember. Nr. 178. 1901. BB® 1EM lil M Hippel. abkühlen, ivo’S brennt. tzW rziehen heißt: aufwecken uom Schlafe, — mit Schnee reiben, ivo’S erfroren ist, — । Haupt auf die Brust herabsinken, während seine Rede irk einem undeutlichen Gemurmel erstarb. Aber aitcfj jetzt noch blieb Herbert stumm. Mit fest zusammengepreßteu Lippen, starren Zügen und düster ins Leere gerichteten Augen saß er neben dem Vater,. bis dieser sich außer stände fühlte, die herzbeklemmende Stille länger zu ertragen. „Warum sprichst Du nicht, Herbert? Jetzt, da Du alles weist, magst Du mir in Gottes Namen sagen, wie tief Du mich verachtest." Langsam kehrte der Assessor ihm sein Antlitz zu., „Aber ich weiß noch nicht alles, Vater! Das Wichtigste hast Du mir bis jetzt verschwiegen." „Das Wichtigste? Dessen bin ich mir nicht bewußt." „Es mag fein, daß es Dir nicht als das Wichtigste erscheint. Mir aber bedeutet alles andere nichts neben diesem einen! Und ich fordere Wahrheit, Vater — die reine, volle Wahrheit! Nicht weil sie aufgehört hatte, mich zu lieben, sondern lveil sie von der Schuld ihres Vaters unterrichtet worden war, hat Margarete ntir jenen Abschiedsbrief geschrieben? Und Du hast davon gewußt — hast sie viel- leicht sogar veranlaßt, so zu handeln?" „Wenn ich es gethan habe, so geschah's, iveil cs nur noch diese einzige Möglichkeit gab, ihren Vater vor schimpflicher Strafe zu bewahren. Und sie selbst hat das auch sogleich recht gut eingesehen. Ich habe keinerlei Zwang auf sie ausgeübt, sondern mich begnügt, sie in freundlichster Weise über die Sachlage aufzuklären. Von einer Heirat mit der Tochter eines 'Diebes hätte für Dich ja ohnehin! nicht mehr die Rede sein können. Aber wie ich Dich kannte, mußte ich fürchten, daß Du in übel angebrachtem Edelmut lieber Dein ganzes Leben verpfuschen als Dich zu einem neuen Verlöbnis entschließen würdest. Und nur, um das zu verhindern,' gab ich Margarete den Rat, den sie vernünftigerweise im Interesse ihres Vaters befolgt hat. Ich wußte, daß Felicia Dich leidenschaftlich liebte, und ich war sicher, in jeder Beziehung Dein Glück zu machen, indem ich das Zustandekommen dieser Verbindung begünstigte. Wenn Du die Dinge mit ruhigem Blick betrachtest, wirft Tu! einsehen, daß ich für meine Handlungsweise eher Deinen Dank als Deine Vorwürfe verdient habe. Aber was soll das, Herbert? Du willst doch nicht fort, ehe wir uns voll-, ständig ausgesprochen haben?"' Er fragte es in großer Bestürzung; denn der Assessor ivar aufgestanden und hatte sich der Thür zugewendet.. Auf halbem Wege stehen bleibend, sagte er mit seltsam ge- preßter Stimme: „Ja, ich will fort, Vater! Diese Wände erdrücken nnG und ich fürchte mich vor mir selbst." „Was für Reden sind das? Ich denke, je weniger dramatisch wir diese Auseinandersetzungen werden lassen, desto besser ist es für Dich und für mich — und auch für Margarete, an der Dir ja noch immer so viel mehr zu liegen scheint! alI an Deinen nächsten Angehörigen." 710 — Beide Hände an die Schläfen gepreßt, sah ihn der Assessor an — mit einem Blick, unter dem es den Körper des Kämmerers unheimlich kalt überriefelte. „Du glaubst also, daß ich Dir eine Komödie Vorspiele? Und Du verstehst nicht, warum ich mich vor mir selbst fürchte? Nun, ich will es Dir sagen. Ich! fürchte zu vergesseu, daß der Mann, mit dem ich rede — der Mann, der einen Schurken aus mir gemacht hat, und der mich! jetzt zum gemeinen Verbrecher machen will — mein eigener Vater ist. — Meinen Dank glaubst Du Dir verdient zu haben — meinen Dank? Großer Gott, was für ein armseliger Wicht muß ich heute in Deinen Augen gewesen sein, wenn Du Dich nicht scheust, mir das ins Gesicht zu erklären." Tas war das drohende Gewitterrollen vor dem Ausbruch des so lange zurückgehaltenen Orkans. Und dem Kämmerer entsank der Mut, diesem Sturme zu trotze«. „Geh'!" sagte er. „Ich sehe, daß es unmöglich ist, jetzt mit Dir zu reden. Vielleicht wirst Du bis morgen hinlänglich zur Vernunft gekommen sein, um nicht wie ein Rasender, sondern wie ein zurechnungsfähiger Mensch Deine Entschließung zu fasseu. — Geh' — und schicke mir Deine Schwester, damit ich davor bewahrt bleibe, ganz an kindlicher Liebe und Dankbarkeit zu verzweifeln." Kaum eine halbe Stunde später stand der Assessor Ignatius vor der Thür von Doktor Hermann Müllers Wohnung vor dem flachsblonden mecklenburgischen Bedienten, der ihn aus seinen ehrlichen Augen mit unverhohlenem Mißtrauen ansah. „Nein, der Herr Doktor ist nicht da. Und es ist auch ganz unbestimmt, wenn er nach Hause kommt. Soll ich ihm was ausrichten?" „Sagen Sie ihm — doch nein, sagen Sie ihm nichts! Ich .werde wiederkommen — heute noch; denn ich habe Dringendes mit ihm zu sprechen. In einer Stunde ist er ja hoffentlich da." „Kann sein — kann auch nicht sein! Ich glaube, der Herr Doktor ist zu Gast geladen; da kommt er vielleicht erst in der Nacht." „Nun, ich werde es jedenfalls versuchen. Adieu!" „Ein ekliger Mensch !" sagte Pining nach seiner Gewohnheit laut vor sich hin, nachdem er wieder die geschlossene Thür zwischen sich und dem Assessor wußte. „Wenn ich! mein Herr wäre, ließ ich mich garnicht mit ihm ein. Heute sieht er ja noch fuchtiger aus wie neulich." Ohne zu ahuen, einen wie ungünstigen Eindruck er auf den biederen Mecklenburger gemacht hatte, kehrte Herbert durch die völlig menschenleeren Parkanlagen, welche die Gebäude der Heilstätte in weitem Umkreise umgaben, nach der Stadt zurück. Er war unmittelbar nach der Unterredung mit seinem Vater hierher geeilt, weil er ein brennendes Verlangen gefühlt hatte, jetzt, wo ihm die Ereignisse der letzten Wochen in einem so völlig veränderten Lichte erschienen, auch über Felicias Geheimnis aufgeklärt zu werden. Noch wußte er nicht, was er thun wollte, und er ging der nächsten Zukunft entgegen wie ein tollkühner Krieger, der in dunkelster Nacht auszieht gegen einen unbekannten, unsichtbaren, und ihm an Stärke vielleicht hundertfach überlegenen Feind. Aber es war ihm, als müsse ein pfadweisender Lichtstrahl in dieses Dunkel fallen, sobald er wenigstens die rätselhafte Ursache von Felicias Flucht erfahren. Je häufiger er sich während der letzten Tage sein Gespräch mit Doktor Hermann Müller ins Gedächtnis zurückgerufen hatte, desto mehr war die Ueberzeugung in ihm befestigt worden, daß außer der Entflohenen selbst nur jener Arzt im stände sei, ihm Auskunft darüber zu geben. Ohne die Enthüllungen seines Vaters freilich würde er sich wohl nur schwer entschlossen haben, ihn noch einmal zu befragen, und auch jetzt, nach dem ersten mißlungenen Versuch, Hermann Müller auf der Stelle zu sprechen, kamen ihm nach und nach allerlei Bedenken. Er besaß kein Mittel, den Doktor zum Reden zu zwingen, und alle Wahrscheinlichkeit sprach dafür, daß er nur eine abermalige demütigende Abweisung erfahren würde. Aber selbst wenn der andere sich heute mitteilsamer erwies als bei jenem ersten Besuch, welchen Trost durfte Herbert davon für seine verzweifelte Gemütsstimmung erhoffen? Daß von einer Heirat mit Felicia jetzt nicht mehr die Rede sein könne, gleichviel ob sie zurückkehrte oder nicht, stand für ihn ja ohnedies mit unumstößlicher Gewißheit fest. Und tausendmal wichtiger als die Beweggründe ihres Entweichens mußte ihm in diesem Augenblick die Sorge nm Margaretens Schicksal erscheinen. Ob sie sich wirklich für den Rendanten hatte opfern wollen oder ob sie sich einem von Drohungen begleiteten Befehl seines Vaters gefügt hatte — jedenfalls hatte sie ihm jenen Scheidebrief, dessen Inhalt ihrem Herzen völlig fremd gewesen war, unter einem grausamen Zwange geschrieben. Und er verfluchte sich selbst bei dem Gedauken an die Leiden, die sein schon nach wenigen Wochen erfolgtes Verlöbnis mit der Amerikanerin ihr bereitet haben mußte. Daß er sich durch die Verhältnisse zu diesem unglücklichen Bande hatte zwingen lassen, dünkte ihm jetzt so unbegreiflich, wie wenn er nicht selbst, sondern irgend ein anderer die handelnde Person dabei gewesen wäre. Und in seiner Seele war nur noch.Raum für das einzige, inbrünstige Verlangen, der Schwergeprüften Äug' in Auge zu sagen, daß er niemals aufgehört habe, sie zu lieben, und sie auf den Knieen um Verzeihung zu bitten für die verdammenswerte Leichtgläubigkeit, die ihn verführt hatte, ihren Brief für lautere Wahrheit zu nehmen. Obwohl er wußte, daß nach allem, was sich seit dem Empfange dieses Briefes zwischen ihnen aufgetürmt hatte, nicht ohne weiteres zu ihr gehen konnte, am wenigsten zu einer so unschicklichen Stunde, lenkte er doch, einem inneren Zwange gehorchend, seine Schritte jener Straße zu, in dex die Wohnuug des Rendanten lag. Der Mond war aufgegangen und übergoß mit bläulichem Lichte das Haus, unter dessen Dache er die Geliebte wußte. Tie gegenüberliegende Seite der Straße aber ivar in tiefe Schatten gehüllt, und dort schritt der Assessor unermüdlich auf und nieder, die Augen immer und immer wieder zu jenem matt erhellten Fenster im zweiten Stockwerk erhebend, hinter dem er so manche glückselige Stunde verlebt hatte, während sich jetzt da droben sicherlich nur bitteres Herzeleid und hoffnungsloser Kummer verbargen. Als ^allgemach um ihn her auch die letzten Geräuschs des Verkehrs- lebeus verstummten, und als er fürchten mußte, durch den gleichmäßigen Klang seiner Schritte. irt der tiefen Stille Aufmerksamkeit zu erregen, trat er in die finstere Thermische; eines Hauses und harrte mit zuckendem, von allen Qualen der Sehnsucht und der Reue zerrissenem Herzen an diesem Standorte aus, bis endlich auch das matte Licht hinter Margaretens Fenster erlosch. Siebzehntes Kapitel. Wenn ein ortskundiger Bewohner von M. gefragt wor- den wäre, welche Straße er für die reizloseste und trübseligste halte, so würde er wahrscheinlich ohne Besinnen die Mathildenstraße genannt haben. An der äußersten Grenze einer Arbeitervorstadt gelegen, hatte sie nur auf der einen Seite in langen Zwischenräumen ein paar armselige Wohnhäuser aufzuweisen, während die andere durch eine lange, schmucklose, von weißen Grabkreuzen und Urnen melancholisch überragte Kirchhofsmauer gebildet wurde. Der Kirchhof war es denn auch, der der langen, spärlich bebauten Straße ihren Charakter gab. In dem einen der alten, durchweg nur einstöckigen Häuschen hatte ein Steinmetz, der nichts als Grabsteine anfertigte, seine Werkstatt aufgeschlagen, und zwei andere wurden von Gärtnern bewohnt, die niemals Geburtstagssträuße und Braut- bouquetts, sondern jahraus, jahrein nur Kränze zu winden hatten. Dazwischen dehnten sich wüste, mit Schutt und allerlei Abfällen bedeckte Baustellen und der von zwei Unaufhörlich kläffenden Hunden bewachte Lagerplatz eines Kohlenhändlers aus. Am Tage zwar gab es hier einigen Verkehr und manchmal sogar ein gewisses Gepränge, wenn ein Leichenwagen „erster Klasse" mit einem Gefolge von zahlreichen Trauerkutschen über das holprige Pflaster rollte. Mit dem Einbruch der Dunkelheit aber, wenn keine Beerdigungen mehr stattfanden und die Friedhofspforte sich hinter dem letzten Besucher geschlossen hatte, wurde es in der Mathildenstraße! ganz still. Selten nur vernähmen die wenigen Anwohner den hastigen Schritt eines späten Wanderers und noch seltener das Rasseln eines Wagens. Das heisere Gekläff der beiden hungrigen Hunde hatte dann einen fast schauerlichen Klang, und wer ein einziges Mal um solche Zeit die schlecht beleuchtete Straße passiert hatte, der machte künftig sicherlich lieber einen weiten Umweg, als daß er sich abermals dem beklemmenden Eindruck dieser trostlosen Stille und der düsteren Mauer mit dem gespenstisch herüber schimmernden Kreuzen ausgesetzt hätte, 711 Das Haus Nummer sieben war das letzte in der Reihe und zugleich das armseligste. Denn ihm fehlte sogar das obere Stockwerk, dessen sich die anderen Gebäude der Ma- thildenstraße erfreuten. Und ein leidlich hochgewachsener Manu hätte ohne große Mühe mit ausgestrecktem Arm bett unteren Rand des alten schadhaften Ziegeldaches berühren können. Zu jeder Seite der Eingangsthür befanden sich nur zwei Fenster, und über dem einen von ihnen hing eine verwitterte Tafel mit der Aufschrift: „Henriette Limbach. Anfertigung und Verkauf von Grabschmuck und Perlen." Daneben lief der verrostete Draht eines Klingelzuges herab, dessen hölzerner Griff Wohl nicht all zu oft in Bewegung gesetzt werden mochte. Denn der Grabschmuck von Perlen war längst aus der Mode und die Kundenzahl der Frau Henriette Limbach sicherlich! sehr gering. Zu derselben Stunde, da Herbert Ignatius den fruchtlosen Versuch gemacht hatte, den Doktor Müller zu sprechen, zog eine dicht verschleierte Dame, deren Gestalt ganz von einem langen, dunklen Regenmantel verhüllt war, die heiser anschlagende Glockeneben Frau Ambachs Thür und schmiegte sich dicht an die Mauer, bis von drinnen ein knirschender Schlüssel gedreht und die Pforte aufgethan wurde. „Wer ist denn da?" fragte eine schwache alte Stimme, und hinter dem Schleier hervor antwortete eine jugendlich Helle: „Ich bin's, Felicia Rubarth! Lassen Sie mich schnell ein, damit mich niemand sieht." „Ach, lieber Gott, das gnädige Fräulein! Und ich habe nicht einmal die Lampe mit herausgebracht! Warten Sie nur einen Augenblick, bis ich sie geholt habe. Sie könnten sich.fonft au dem alten Gerümpel stoßen, das hier auf der Diele herumsteht." (Fortsetzung folgt.) Katechismus der Mineralogie. Von Dr. Eugen Huf fak- Sechste, vermehrte und verbesserte Auflage. Mit 223 Abbildungen. In Originalleinenband 3 Mark.' Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Ter nun schon in 6. Auflage vorliegende Katechismus behandelt in seinem allgemeinen Teil zuerst die morphologischen Eigenschaften der Mineralien, und zwar in der Krhstallographie die verschiedenen regelmäßigen Formen, in denen die einzelnen Krystglle erscheinen, in der Strukturlehre die Aggregationsformen der Mineralindividuen, worauf ;bie Lehre von den physikalischen und von den chemischen Eigenschaften der Mineralien folgt. Die Mine- rogenie bespricht die Bildungsweise und Umbildung, die Lagerungslehre, das Auftreten und das oft gesetzmäßige Zusammenvorkommen der Mineralien. Der zweite Teil des Buches, die spezielle Mineralogie, behandelt die einzelnen Mineralien im besonder«, und zwar in systematischer Reihenfolge, die Schwefelverbindungen, die Oxyde, die Haloid- salze und die Sauerstoffsalze. Den Beschluß machen einige durch Zersetzung und Umbildung fossiler organischer Körper gebildete Massen, so die Harze und Kohlen. Gemeinnütziges. Sommerblum en,diederTrockenh eit wider- st a n d e n. Der letzte trockene Sommer hat den Sommerblumenflor erheblich beeinträchtigt. Nur wenige unserer Sommerblumen haben sich auch in der Dürre als gute, fleißige, dankbare Blüher erwiesen, und unter diesen traten hervor: das Löwenmaul (Anthirrinum majus), die Wunderblume (Mirabilis Jalapa), die Zinnie (Zinnia elegans) und Tagetes ereeta (Afrikane). Ihnen, besonders dem schönen blutroten Fuchsschwanz, schien die trockene Hitze ungemein zuzusagen; denn die Pflanzen entwickelten sich außergewöhnlich kräftig und blühten reicher und farbenprächtiger als sonst. Vornehmlich das Löwenmaul zeichnet sich durch Blütenreichtum aus. Wer also Wert auf schönen Sommerblumenflor legt, sich aber nicht viel mit der Pflege der Pflanzen beschäftigen kann, bevorzuge die aufgeführten. In Gärten auf wasserarmen Böden oder in welchen nicht künst- lich bewässert werden kann, werden sie sich bald Liebhaber erwerben. („Prakt- Ratgeber", Frankfurt a. O.) Maiblumen im Winter. In den Blumenläden/ die sich auf den Hauptstraßen der Großstädte befinden^ sind schon vom Oktober ab den ganzen Winter hindurch, ja fast das ganze Jahr, frische großblumige Maiblumen zu sehen. Während sie aber in der warmen Jahreszeit als etwas Selbstverständliches gelten, gewinnen sie im Winter größere Bedeutung, erzielen höhere Preise und finden mehr Anklang in allen blumenliebenden Kreisen. Viele Blumen- züchtereien treiben vom Herbst bis zum Frühjahre nach Hunderttausenden zählende Mengen und besitzen hierzu eigene Treibanlagen, die das Fehlschlagen der Kultur fast ausschließen. Die Maiblumentreiberei ist eine Kunst, die aber auch vom Blumenfreund im Zimmer mit bescheidenen Mitteln erlernt und geübt werden kann. Der „Praktische Wegweiser", Würzburg, enthält in Nr. 48 eine ausführliche, gut illustrierte Abhandlung über das Maiblumentreiben und sendet Interessenten diese Nummer kostenfrei auf Verlangen. („Prakt. Wegw", Würzburg.) Magisches Dreieck. (Nachdruck verboten.) ~l A A A ABC E E F G HERRS Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart cinzutragcn, daß sowohl die drei Außenseiten wie die drei mittleren wagerechtcn Reihen Wörter bilden, und zwar die Außcnreihen: 1. Redeform, 2. Baum, 3. was der Maler braucht; die Mittelreiheu: 1. ägyptischer Gott, 2. Raubvogel, 3. was allen winkt. (Auflösung in nächster Nummer.) Anflöstmg des Kapselrätsels in vor. Nr.: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Thaler nicht wert. Modenöericht üöer NaMoileiten. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-N. Reichhaltiges Modcnalbum und Schnitlmustcrbuch für nur 50 Pfg. daselbst erhältlich. Denn wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes paarten, da gießt es einen guten Klang. Dieses Dichterwort bewahrheitet sich! in der verschiedensten Beziehung, und auch beim Anblick eines belebten, wogenden Ballsaales drängt es sich einem unwillkürlich auf; denn was könnte sich wohl, trotz des grellsten Gegensatzes, besser ergänzen, als der einheitliche schwarze Anzug der Herren und die vielseitige, bunte, zarte) vor allem aber duftige Toilette der Damen. Zart, duftig Unb glänzend, das ist in diesem Jahre die Losung für Ballkleider, und! es scheint, als ob darin jetzt der Gipfel erreicht fei; denn noch zarter, durchsichtiger und hauchfeiner) als die neuesten Balltoiletten läßt sich wohl kaum etwas denken. Chiffon, Gaze, Mull, Tüll, Spitze, vom kostbarsten, teuersten Stoffe bis herab zur billigen Nachahmung, das sind die Materialien, aus betten sich ein modernes Ballkleid zusammensetzt, unb Flitter, Perlen, Steine, Blumen, Bänber unb Schmuck, bas sinb bte zierenben Hilfsmittel, welche feinen Reiz erhöhen. Daß es natürlich bei ber Fülle bes Gebotenen nicht allzu leicht ist, etwas wirklich geschmackvolles zusammen- zustelleu, ist begreiflich, unb ebenso lassen sich nur schwer allgemein gütige Regeln bafür aufstellen. Mau muß eben immer bie verschiedenen Materialien so zusammenstellen unb derart verarbeiten, baß alles einen einheitlichen Eindruck macht, ja daß man sich schließlich beim fertigen Stück nicht eines ohne das andere denken kann. Die modernen Arrangements leisten hierbei wirksamen Beistand; denn sie bestehen zum großen Teil in Garnituren, welche direkt in den Stoff gearbeitet werden, wie Fältchen- näher eien, Spitzeninkrustationen, Cretonneapplikationen unb 712 Modell Nr. 166. Modell Nr. 219. Modell Nr. 212. Redaktion: E. Burkhar dt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. einen eingereihlen Volant aus weißem, dicht mit rosa eilt» gereihten Bändchen besetzten Tüll, welcher wiederum mit einem plissierten rosa Seidenbolant nnterlegt war, so daß trotz des verschiedenen Materials doch der einheitliche Gesamteindruck durchaus nicht gestört war. Ebenso reizvoll und vorteilhaft, dabei besonders modern ist, die Garnitur des unteren Nockrandes mit zahlreichen, übereinander fallenden, schmalen Volants aus Chiffon, deren Effekt man auch durch ein, am unteren Rande eines jeden Volants aufgesetztes Bändchen noch erhöhen kann. Besonders graziös wirkt dieses Arrangement, wenn man die Volants nach hinten aufsteigen läßt und infolgedessen vermehrt. Auch ist es ein sehr bequemes Mittel, um ältere Toiletten zu modernisieren, ebenso wie der schon vorher! erwähnte Längsbesatz, welcher in diesem Falle auch aus Bändern oder Seidenblenden bestehen kann. Gedenken wir schließlich noch des Rockarrangements der fertig käuflichen flittergestickten Roben, welche nicht nur sehr modern und kleidsam, sondern auch sehr verschieden! im Preise sind, so daß sie auch bei bescheidenen Mitteln verwendbar sind. Diesen dünnen Stoff arrangiere man, wenn irgend möglich, im Bund und um die Hüften faltig eingereiht, so daß nur das Unterkleid glatt anliegt, wodurch das Duftige des Materials besonders zur Geltung kommt. Bei diesen fertig käuflichen Kleidern ist es öfters schwierig, die Taille in Einklang mit dem Rock zu bringen; Stickereien, welche alle den einheitlichen Eindruck besonders begünstigen. So ist es z. B. sehr modern, den Rock vom Gürtel abwärts in strahlenförmige Fältchen zu nähen, was sich hauptsächlich, dann wirkungsvoll ausnimmt, wenn der Stoff aus durchscheinendem Material besteht und abstechend unterlegt ist. Dieses Arrangement reicht jedoch stets nur bis zur Kniehöhe oder etwas darunter; denn der Volant, gleichviel in welcher Form, ist für die moderne Linie weniger denn je entbehrlich. An Stelle dieser Fältchen trete» oft auch Spitzeneinsätze, welche dem Stoff nicht auf-, sondern eingesetzt werden und somit den Eindruck des Duftigen, Zarten ganz speziell Hervorrufen. Ganz neu ist auch das Arrangement dieses oberen Rockteiles in eingereihtc Puffen, welches besonders bei dünner Seide, Chiffon oder Tüll in Anwendung kommt. Ganz glatt bleibt es nur, wenn man einen besonders schönen Seidenstoff zur Geltung bringen will, und gießt man dem Ganzen dann mit Hilfe des unteren Rockarrangements, das in diesem Jahre nun einmal nötige duftige Aussehen. So sahen wir z. B. ein entzückendes rosa Bengalinekleid, welches mustergiltig arrangiert war. Das obere Rockteil endete in tiefe, am unteren Rande mit breiter Creme- Guipürespitze inkrustierte Zacken. Diese Zacken fielen auf denn sehr oft ist nur der Rock erhältlich. Da kann man sich dann leicht dadurch helfen, daß man, wie an oben- stehendem Modell Nr. 212, die Taille mit einem Arrangement, (in diesem Falle jäckchenartig) aus Spitze oder Spitzenstoff versieht, welches man mit den gleichen Füttern ausstickt, wie sie der Rock aufweist. Dieses Aussticken mit Füttern ist überhaupt eine sehr lohnende Arbeit, und kann man dadurch oft ein einfaches Material, wie Spitzen, Spitzenstoff, gemusterten Chiffon oder dergleichen, äußerst effektvoll gestalten. Viel wäre auch noch zu sagen über das Arrangement der Taillen und Aermel. Doch da der Raum knapp ist, müssen wir uns kurz fassen. Als Hauptgrundsatz muß gelten, die Taille möglichst in Einklang mit dem Rock zu bringen. Ist dieser in Längsfältchen genäht, so wiederholt sich dies bei der Taille. Ist er mit Bändern besetzt, eingereiht, mit Spitzen inkrustiert, mit Flitter» gestickt, immer suche man es möglichst an der Taille zu wiederholen. Um den einheitlichen Eindruck zu wahren, thut man sogar gut, dem Aermel das gleiche Arrangement zu geben, was bei der jetzigen Mode der Ellenbogenärmel nicht schwer ist, besonders auch deshalb, weil der Aermel mit seiner durch Volant, Puffen re. erzielten, ziemlich umfangreichen Erweiterung am Ellenbogen eigentlich eine vollständige Wiederholung der Dekorationsmotive des Rockes, nur int Kleinen zeigt. Für den Abschluß des Taillenausschnittes gießt es verschiedenerlei Anordnungen. Wem die jetzt so überaus modernen Spangen von Band üßer der bloßen Haut nicht genügen, dem empfehlen wir ein fichuartiges Arrangement, wie es an der Gesellschaftstoilette Modell 219 und an Modell 166 zur Darstellung kommt. Diese Fichus sind immer sehr graziös und duftig und wirken dabei dezent und reizvoll. Mode. Unter dem Titel „Die Pupp en s chn eid e r ei" erschien int Verlage der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden, ein allerließstes Festgeschenk für die Mädchenwelü Dasselbe enthält die Schnitte einer vollständigen Puppenausstattung nebst Abbildungen und genauen Erklärungen und präsentiert sich in einem eleganten farbigen Karton von 26/17 Zentimeter Größe. Die Schnitte verschiedenen' Formats sind passend für alle Puppen von etwa 30 bis 40 Zentimeter Größe. Die Puppenschneiderei ist ein hübsches und zugleich ein nützliches Geschenk, weil sie die Anregung zur praktischen Thätigkeit gießt, die die Geschicklichkeit der Hände und den guten Geschmack des kleinen Puppen- mütkercheits fördert. Die Erklärung der einzelnen Schnitte sind dem kindlichen Verständnis angepaßt. Die nach den Schnitten so leicht anzufertigenden niedlichen Puppenkleidchen rc. werden den kleinen Schneiderinnen sehr viel Freude ßereiien. Der hüßsche Karton „Tie Puppenschneiderei" kostet nur Mk. 2.— und mit hocheleganter Gliederpuppe Mk. 4.50.