8, e rt g e it e i- l-- ie Z u N le e- f- r- e- cihe Ten Samstag den 12. Dktober. 1901. — Nr. 145. SBB 5* m die Wunde, die dir Verleumdung schlug, St Bist du sehr zu beklagen; Hoffentlich bist du groß genug, Ein wenig Verkleinerung zu vertragen. Frida Schanz. (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elster. „Gut — ich bin es zufrieden. Tann begreife ich aber nicht, wie Sie Ihre Lage schwierig finden können. Wenn Sie sich! nicht versetzen lassen wollen, dann nehmen Sie doch Ihren Abschied. Sie sind doch jetzt vollkommen selbstständig, haben ein eigenes, schönes Gut, auf das Sie sich jederzeit zurückziehen können, und sind durch das Vermögen Ihrer demnächstigen Gattin ein freier Mann geworden." „Glauben Sie wirklich, daß Irma damit einverstanden sein wird? Mir scheint, sie legt gerade großen Wert auf meine Stellung in der ersten Gesellschaft. Wenn ich aus diesem Grunde den Abschied nehme, gebe ich zu, daß meine Frau für diese Gesellschaft nicht paßt." Ter Rittmeister zuckte die Achseln. „Wer weiß denn von diesen tieferliegenden Beweggründen? — Ein sehr beschränkter Kreis. Und so etwas vergißt sich sehr leicht, namentlich wenn Sie als Freiherr von Petershagen ein großes Haus machen. Sie sollen sehen, wie dann selbst Ihre früheren Regimentskameraden Ihr Haus aufsuchen. Ich an Ihrer Stelle würde sofort meinen Abschied einreichen — Beschäftigung haben Sie genug! Ihr Gut — und dann der Sport! Fräulein Irma interessiert sich sehr für den Sport — nun gut, dann richten Sie doch einen Rennstall ein, Sie haben's ja dazu, sind selbst ein Reiter ersten Ranges, der auf dem grünen Rasen bald eine der angesehensten Persönlichkeiten sein wird. Genügt das Ihrem Ehrgeiz noch nicht?" „Wenn ich nur wüßte, was meine Braut dazu sagen wird?" 1 1 12 „Soll ich die Vermittlerrolle übernehmen?" „Sie thäten mir allerdings einen Dienst, wenn Sie das ergründen wollten." „Gleich heute soll es geschehen. Fahren Sie mit nach Schöneberg hinaus?" „Ich möchte lieber Ihre Antwort abwarten .■. •" „Auch gut. Dann erwarten Sie mich heute abend neun Uhr im Restaurant Tressel — bis dahin ist alles! in bester Ordnung. " Man trennte sich. Ter Rittmeister begab sich nach der Villa Mon Repos, während Eitel Fritz ziellos in den Straßen Berlins umherwanderte. Er war in eigentümlicher Gemütsverfassung. Er fühlte sich! unruhig und unglücklich. Sein ganzes Leben schien ihm verfehlt. , Bereits um acht Uhr begab er sich zu Tressel, setzte sich dort in eine Ecke und ließ sich eine Flasche Rotwem geben. Der vortreffliche Wein wirkte belebend aus ihn ein, und als dann der Rittmeister mit der Majorin und Irma, alle in strahlender Heiterkeit, erschienen, und Irma, ihm warm die Hand drückend, ihm mit innigem Blick zuflüstertef „Wer wie Konntest Tn an mir zweifeln. Eitel Fritz? und! die Majorin ihm lachend versicherte, daß ihre Dochwt gar keinen Wert auf seine Stellung als Offizier lege, da ward ihm wieder leicht um das Herz, und mit NehageN (Fortsetzung.) Eitel Fritz ging indessen langsam durch die Straßen tetn Mittelpunkt der Stadt, den Linden zu. Ziellos und planlos schritt er dahin. Er befand sich in einem fast traumhaften Zustande, er wußte kaum, ob das, was er eben gehört und erlebt, der Wirklichkeit angehörte. Wie das Schicksal eines Fremden erschien ihm sein eigenes Geschick. Er traf einige Bekannte, die ihm zu seiner Verlobung Glück wünschten. Er glaubte, ein leises ironisches Lächeln um ihre Lippen zucken zu sehen und einen Ton des Mitleids in ihren Worten zu vernehmen. Jetzt erst ward ihm wieder klar, daß. es sich um sein eigenes Geschick handelte! Was sollte er beginnen? Den Abschied nehmen — sich in irgend eine Provinzgarnison versetzen lassen? — Er kannte Irma gut genug, um zu wissen, daß sie beide Vorschläge mit Unmut aufnehmen würde. Dann erfaßte ihn aufs neue der Zorn, daß man ihm über den Tod des' Majors nicht die Wahrheit gesagt hatte. iEr wollte wenigstens von dem Rittmeister Rechenschaft sor- d!ern und suchte diesen auf, den er auch in seiner Wohnung Untraf. Ruhig hörte der Rittmeister die lebhaften Worte des jungen Offiziers an, in denen dieser ihm seine Lage aus- >einandersetzte. „Und nun", so schloß Eitel Fritz, „da Sie mich in diese peinliche Lage gebracht haben, so raten Sie mir, was ich! thun soll." „Ich muß den Vorwurf ablehnen", entgegnete der Rittmeister kühl, „Sie in eine peinliche Lage gebracht zu haben. Ich war nicht befugt, mit Ihnen über das Geheimnis der Familie Weserling zu sprechen. Sie waren Herr Ihrer Handlungen, und niemand hat Sie zu der Verlobung mit Fräulein Weserling gezwungen."- Eitel Fritz lachte bitter auf. Er erinnerte sich, daß die Verlobung ihm als das einzige Mittel erschienen war, sich vor dem finanziellen Ruin zu retten. „Tas ist ein Thema, über dsis wir lieber nicht sprechen Wollen, Herr Rittmeister!^ llU.u.i! Ks wenn es Tausende und Abertausende kostete. So mußte auch em großer Rennstall eingerichtet werden; da sie in der wirklich ersten Gesellschaft eine Rolle nicht spielen konnte, wollte sie die erste sein in der Gesellschaft, die sich aus dem grünen Rasen der Rennplätze versammelte. Die Farben chres Rennstalls waren auf allen Rennen vertreten. Eitel Fritz wurde bald einer der ersten Herrenreiter, bis er im letzten Frühjahr auf dem Rennen in Hamburg eineu bösen Sturz that, der ihn an den Rand des Grabes brachte; und ihm vor einer längeren Erholungspause nicht ge-, tattete, wieder in den Sattel zu steigen. Ihm war dies Ereignis ganz recht gekommen. Das Treiben der großen Reünen widerte ihn jetzt an, wo er geschäftsmäßig den Sport betreiben sollte. Existenzen drängten siche jetzt an ihn heran, von denen er früher kaum eine Ahnung gehabt oder die sich doch früher feru gehalten hatten. Er erkannte, daß auch der Rittmeister Meyeriug zu diesen Existenzen gehörte, die sich nur durch den geschäftsmäßigen Sport aufrecht erhalten konnten. Die chwerste Enttäuschung brachte ihm aber die Erkenntnis^ )aß der alte Vetterlein, der Großvater seiner Gattin, mit beut Rittmeister unter einer Decke spielte, indem er den! Geldtnann für die Darlehnsgeschäfte Meyerings machte. So hatte der alte Vetterlein auch seine eigenen Wechsel/ die er Meyering ausgestellt hatte, au getauft, Mit grinsender Freundlichkeit übergab der Alte die zerrissenen Wechsel Eitel Fritz an dein Hochzeitstage. „Es soll mein Hochzeitsgeschenk sein, verehrter Herr von Petershagen", sagte er mit seiner rauhen, gewöhnlichen! Stimme. „Aber merken Sie's sich, ich löse in der Folgezeit keine Wechsel von Ihnen tnchr ein." Eitel Fritz fühlte sich gedemütigt, erniedrigt. Aber nm Irinas willen hatte er geschwiegen. Dann mußte er aber! immer mehr erkennen, daß der alte Vetterlein in seinem echt bäuerischen Geiz geradezu wucherische Geldgeschäfte machte uud daß Meyering ihn hierbei unterstützte. Eitel Fritz wollte sich von beiden zurückziehen, doch die Majorin erklärte ihm spöttisch lächelnd, daß sie und ihre Tochtep in ihren Einnahmen von ihrem Vater noch; abhängig feien! und daß man den Alten nicht verletzen dürfe. So blieb bentt alles Leim alten. Eitel Fritz stürzte! sich in ein wildes, glänzendes Leben hinein, um zu ven gcffeu, bis er selbst vor diesem Lebet: einen Ekel empfand, Tas Verhältnis zu Irma gestaltete sich auch unerquicklich. Idealen Regungen stand Irma völlig verständnislos gegenüber. Nachdem der erste Sinnenraufch der jungen Ehe verflogen, forderte ihre nüchterne, kalte Natur wieder iHv Recht; sie wollte glänzen, eine Rolle spielen, sich von der Herrenwelt bewundert sehen — das war ihr einziger Ehrgeiz. * In diesem Sommer — da es ihrem Gatten verboten war, in dem aufreibenden Treiben der Gesellschaft weiter zu leben — hatte sie die Laune erfaßt, einmal die Schloß Herrin von Petershagen zu spielen. Sie ließ das Schloß nach ihrem Geschmack einrichten und freute sich schon darauf, die umwohnenden Rittergutsbesitzer nebst Famtlren in ihren prächtigen Salons zu empfangen. Zum Tiner am heutigen Elnzugstage waren nur Arno Sannow und Ruscha erschienen. Man sah ihnen das Glück aus den blühenden Wangen und in den leuchtenden Augeu an, das sie in ihrer junget: Ehe empfanden. Einen Stamm-! Halter hatte der Storch auch schon gebracht, und Ruscha! wußte nicht genug von den vortrefflichen Eigenschaften! ihres Söhnchens zu erzählen. Irma hörte mit einem le:chttron:schen Lächeln um die Lippen diesen Erzählungen zu. Ihr waren Kindep schrecklich, die Empfindungen einer Mutter und ErztehertU der Kinder waren ihr unverständlich; hätte f:e e:n Kmd gehabt, würde fie es gewiß fremder Pflege übergeben! haben. . r „ „Sie müssen sich morgen menten Bubt anseh en, ^rma > sagte Ruscha mit glücklichem Lächeln. „Nicht wahr, Ettel Fritz, ihr komntt morgen zu uns nach JesewitzA , „Sehr gern, Ruscha", entgegnete Eitel Frttz, dem ber den Erzählungen seiner Schwester das Bild einer einfachem glücklichen Ehe aufgegangen war. „Ich! glaube kaum, daß wir morgen schon kommen können", warf Irma ein. „Ich! muß zuerst mente Znmnep vrdneu und meine Toiletten auspacken." Diese Toiletten — diese glänzenden Nrchirgketten =a wie Eitel Fritz sie haßte! Wie nM imb angenehm sah. gab' er sich der lebhaften Unterhaltung der kleinen Gesellschaft h:n. Am attderen Tage reichte er deut Obersten sein Abschieds- gesuch und die Bitte um Versetzung zur Landwehr-Kavallerie ein. i== XII. Wiederum nahte der Sommer. Wiederum umwogte die goldene Flut des reifenden Aehreumeeres Schloß und Dorf Petershagen, und wiederum ertönte das jubilierende Lied der Lerche in hoher, blauer Lust. Da erwachte Schloß Petershagen aus dem' Schlummer, in den es seit dem Tode des alten Hans Joachim versunken schien. Nur einmal hatte es während der verflossenen drei Jahre frohe Gäste in feilten Räumen gesehen, als man die Vermählung Ruschas mit Arno Sannow feierte. Da waren die alten Freunde und Bekannte von nah und fern noch einmal zusammeugekommen, da war auch der neue Besitzer von Petershagen mit seiner jungen, schönen Gattin gekommen, über deren Diainanteuprachi alle Gäste in das höchste Entzücken gerieten — da hatte noch einmal Frohsinn und Heiterkeit in beut alten Herrenhause geherrscht. Dann hatte sich tiefe, traumhafte Ruhe auf das Haus niedergesenkt. Ruscha ivar mit ihrem Gatten davongezvgen; der neue Herr des Schlosses war nach Berlin zurückgefahren und Frau von Petershagen war mit ihrer leidenden Tochter Wanda nach dem Süden gereist; Jetzt aber mit dem erwachenden Sommer erwachte auch Schloß Petershagen. Handwerker und Dekorateure, Tapeziere und Möbelhändler aus Berlin erschienen und richteten das Schloß fast vollständig neu ein. Nur die Zimmer des verstorbenen Hans Joachim blieben unberührt in ihrer schlichten, altmodischen Einfachheit. Alle anderen Räume wurden auf das Eleganteste hergerichtet. Persische und indische Teppiche — kostbare Bilder und Spiegel mit goldenen venezianischen Rahmen ■— Möbel im Renaissancegeschmack oder nach altdeutschem Muster — kurz, das alte Herrenhaus von Petershagen wurde zu einem hochmodernen Schlosse umgewandelt, so daß die guten Leute von Petershagen die Hände über dem Kopf zusantmenschlugen. Die Herrschaft wollte ihren Sommer- und Herbstaufent- halt in Petershagen nehmen, und an einem herrlichen Juli- abend zog Eitel Fritz mit seiner jungen Gattin in das Schloß ein. Tie Leute des Wirtschaftshofes bildeten unter Anführung des neuen Inspektors, Herrn Wedemeyer, Spalier und riefen Hurra; die Dienerschaft empfing die Herrschaft vor dem Schlosse, und der alte Diener Friedrich, der zum Haushofmeister avanciert war, hielt eine kurze Ansprache, in der er der Freude Ausdruck gab, die geliebte Herrschaft tvieder das Schloß beziehen zu sehen. Ungeduldig hörte Eitel Fritz die Worte des alten Mannes an, während Irma sich in der Rolle der Schloß;- er rin sehr zu gefallen fchien. War es doch auch 'auf ihre Veranlassung geschehen, daß man sich! für einige Monate nach Schloß Petershagen zurückzog. Eitel Fritz hätte am liebsten Petershagen niemals wieder betreten. Endlich waren die Empfangsfeierlichkeiten vorüber und die Herrschaft zog sich zurück Eitel Fritz sah sich erstaunt in den neu dekorierten! Räumen um, er erkannte seine alte Heimat kaum wieder. „Nun", sägte Irma mit stolzem Lächeln, „gefällt Dir die Einrichtung, die ganz nach meinen Anordnungen gemacht wurde?" „Es ist alles sehr schön", entgegnete er. „Ich erkenne mein altes Petershagen nicht wieder." „Es war auch! Zeit, daß man mit dem alten Trödel einmal aufräumte." „Und doch hängen die schönsten Erinnerungen an b:efem „alten Trödel", wie Du die Sachen zu nennen beliebst/ dabei meine Eltern und Großeltern glücklich waren." Sie zuckte die Achseln. „Tu wirst wieder einmal sentimental", sagte sie und wandte sich gleichmütig ab. Schon oft hatte fie ihm — anfangs schelmisch lächelnd, später mit einer gewissen Schärfe — seine „sentimentalen Anwandlungen" vorgeworfen, wenn er inmitten des aufreibenden, glänzenden Gesellsch-aftslebens in Berlin oder den eleganten Weltbädern siche mit seinen Erinnerungen in die frühere Zeit verlor. Sie verachtete diese Erinnerungen, fie lebte nur dem glänzenden Augenblick und ihren Zufallslannen. Was sie wünschte, mußte geschehen, unt> 579 Ruscha in ihrem einfachen Sommerkleide ans im Vergleich zu Irma, dte in hocheleganter, spitzenüberladener Tinertoilette erschienen war! Nach dem Tiner zogen sich die beiden Schwäger in das Zimmer des verstorbenen Freiherrn zurück, das nun das Zimmer von Eitel Fritz werden sollte, während Ruscha Irma in ihr Gemach begleitete, um sich einige neue Toiletten anzusehen. (Fortsetzung folgt.) Vom Monat Oktober. Oktober 1901. (Nachdruck verboten.) Der Herbst hat seinen Einzug gehalten, kürzere Tage, längere Nächte. Schneller als man es gedacht, ist die Zeit gekommen, die die Menschen in ihr Heim znrückdrängt. Hat der Herbst erst die Oberherrschaft gewonnen, so bringt er den Beginn wechselreicher und angenehmer Vergnügungen, aber auch Sorgen durch die Vorbereitungen für die herannahende Winterszeit mit. In den Delikatessengeschäften halten in- und ausländische seine Gemüse ihren Einzug. Wir sehen französischen grünen Spargel, dessen Spitzen zart und fein schmecken, Cardy, die zierliche Stachis, englischen Bleichsellerie und Schwarzwurzeln, Straßburger Gänseleber-Pasteten in frischen Fabrikaten. Wie verlockend sind die Gaben, die aus fernen, sonnigen Ländern zu uns kommen, hauptsäch- lich die Delikateßfrüchte, allerlei Trauben, Pfirsiche, Granatäpfel, chinesische Dattelpflaumen, amerikanische Cronberry, ein sehr empfehlenswertes Kompott, das aber der dicken Schalen wegen durchgeschlagen werden muß, ferner die den Tomaten verwandten Auberginen oder Eierfrüchte, die halbiert, mit Fleischsauce gefüllt und in Butter gebraten, dem deutschen Gaumen am besten zusagen. Wenn wir zum Obst übergehen, so sinken wir neben geringer Ware gute Birnen, Aepfel, Quitten und Pflaumen. Das marktgängige Tiroler Obst ist in diesem Jahre rarer. Schlehen und noch wenige Brombeeren und Preißelbeeren sind die Früchte des Waldes. Pilze sind im Oktober noch in reicher Sorteuzahl Und guter Ernte zu erwarten. Der Gemüsemarkt weist noch keine Lücken auf, Spinat, Rosen- und Blumenkohl sind in guter Ware vorhanden. Tomaten haben zwar nicht. mehr das satte Rot des Sommers, sondern eine fahle Farbe, was ihrem Wohlgeschmack über keinen Eintrag thut. Neben Kürbis, Mohrrüben, Teltower Rübchen siuden. wir noch teilweise schöne Wachs- und Schnittbohnen, und die verschiedenen Zwiebelarten zeigen sich!, wie immer bei Beginn des Herbstes, in Massen auf dem Markt. Für das vielfach beliebte Gericht „Gefüllte Zwiebeln" mit Fleischsauce ist die spanische Zwiebel besonders fein. Vorherrschend auf dem Gemüsemarkt sind Kartoffeln und sämtliche Kohlarten; Braun- und Grünkohl, der durch einige Nachtfröste schon etwas wertvoller für die Küche geworden ist, Rot-, Welsch- und Weißkohl. Letzterer wird jetzt waggonweise nach den Städten befördert, wo er in großen Mengen zu dem allgemein beliebten Sauerkraut eingelegt wird. Magdeburg ist die Stadt des anerkannt besten Sauerkrautes, es wird von da über ganz Europa und sogar nach Amerika versandt. In Frankreich! gilt das Straßburger Sauerkraut für das beste. Das Sauerkraut ist nicht nur ein gelegentliches Aushilfsessen, sondern ein Nahrungsmittel int besten Sinne des Wortes. Die Gährung setzt den Zuckergehalt des Kohls in Milchsäure um und verleiht auf diesem Wege dem Sauerkohl den pikanten Geschmack. Auch trägt die Milchsäure zur Lösung des Eiweißstoffes bei unb> dadurch zur Verdaulichkeit , des von ihm begleiteten Fleisches. Das Sauerkraut giebt einen guten Salat, gekocht oder gedünstet eine zuträgliche Beigabe zu Fleisch, Wild und Fischen jeder Art. Eine der pikantesten Zubereitungen, besonders gern §u, Fasan und Rebhuhn gegeben, ist die folgende: Ein Kilo Sauerkraut toirb1 aufgelvckert, mit kochendem Wasser übergossen, ausgedrückt und in ein halbes Liter kochende Bouillon aus 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt gethatt, 50 Gramm Butter, eine Prise Zucker, eine Prise Pfeffer und zwei in Scheiben geschnittene^ Aepfel zugefügt und weich gedämpft. Kurz vor dem Anrichten fügt man noch ein Glas Apfelwein, einen Eßlöffel Essig und drei große geriebene Kartoffeln bei, läßt nochmals alles 5 Minuten langsam dünsten und giebt das Sauerkraut M Tisch. Fe weiter wir in den Oktober vorrücken, um so besser wird die Fischversorgnng. Karpfen sind schon in bedeutenden Mengen da, ein Zeichen für den Beginn der Saison, die in der Weihnachtszeit ihren Höhepunkt erreicht. Aale, Welse, Teich- und Seehechte, der jetzt vorzügliche Tafelfisch der Steinbutt, Weichsel- und Rheinlachs, Zander, Schleie und alle beliebten billigen Seefische treffen in regelmäßigen Sendungen ein. Haus- und Mastgeflügel ist reichlich da, und nicht zu hoch! im Preise. Der Markt bietet Schlachtgänse, Hühner, Enten, Puten und Perlhühner. Tauben werden knapp. Wildpret ist im Oktober in allen Sorten vorhanden. Reh-, Hirsch-, und Damwild. Tie Aussichten auf die Ergebnisse der Hasenjagd werden für günstig gehalten, vorläufig sind es mehr Feldhasen, die geschossen werden, später, wenn die Wälder lichter sind, kommen mehr Wald- hasen zum Abschuß. Von Wildgeflügel erscheinen in ben Handlungen: Fasanen, Krammetsvögel, Leipziger Lerchen und die feinste Delikatesse, Feld- ober Rebhühner. In der ersten Hälfte des Oktobers ist das Rebhuhn der diesjährigen Brut ausgewachsen und bietet den Hochgenuß, den der Feinschmecker sucht. Das Fleisch des jungen Rebhuhnes ist bekanntlich viel zarter und saftiger als das des älteren, schärfer duftenden Huhnes, das aber dennoch gedämpft und mit Gemüse ein ganz schmackhaftes Essen giebt. Eine glatte, mit Butter ausgestrichene Form belegt man am Boden mit kleinen Blumenkohlrvsen und ausgestochenen Scheiben roter und gelber Möhren, die man zuvor in starker Bouillon aus Liebigs Fleisch!-Extrakt weich gedünstet hat, die Seitenwände bedeckt man mit halbgaren Kohlrabi- und Möhrenscheiben, und bestreicht alsdann Boden und Seitenwände mit einer Kalbfleichsauce. Mehrere ältere Rebhühner dämpft man inzwischen mit kleinen Welschkohlherzeu in Butter weich, läßt beides gut abtropfen, zerlegt die Hühner in Viertel, legt beides, Hühner sowohl wie Kohl in die Form, bestreicht sie oben mit einer Farceschicht, schließt die Form und kocht die Chartreuse int Wasserbade eine Stunde. Tie Rebhuhnbrühe verdickt man mit brauner Mehlschwitze, fügt ein wenig Pfeffer und Champignonextrakt zu, kräftigt die Tunke noch mit 5 Gramm Liebigs Fleischextrakt und reicht sie zu dem gestürzten, ungemein kräftig und wohlschmeckenden Gericht. __________ Vom Rauchen. (Nachdruck verboten.) Der Tabak ist eines der gebräuchlichsten und weitverbreitetsten Genußmittel, dessen Konsumenten in allen Klassen der menschlichen Gesellschaft der dies- und jenseitigen Hemisphäre zu finden sind. Unzweifelhaft hat der Tabak nächst dem Alkohol die meisten und beharr- listen Verehrer, und die würdigsten Vertreter des Menschen- geschlechtes scheuen sich nicht, seinem Genüsse zu fröhnen. Während andere narkotische Genußmittel ihre Heimat nicht verließen, hat der Tabak seinen Siegeszug durch alle Länder ungetreten und alle Nationen tributpflichtig gemacht. Ter Süd-Amerikaner berauscht sich am Koko, der Indier am Haschisch, der Türke am Opium, fast alle Völker genießen den Alkohol in irgend einer Form, aber sie entbehren deshalb nicht den Tabak, dessen Geruch und Geschmack gleich angenehm befriedigt. Tie menschliche Kultur hat es noch nicht vermocht, auf den Geruchssinn eine andere Lustempfindung zu gründen, als das armselige Vergnügen des Tabakrauchens, das, durch den engen Kreis weniger Empfindungen abge- schlosseu, uns schließlich! unfähig macht, die feineren Genüsse dieses Sinnes zu kosten. Indem wir ohne Haß und Liebe über das Tabakrauchen urteilen, stellen wir uns in die Mitte zwischen jene unermüdlichen Verehrer, die den ganzer! Tag in einer qualmigen Atmosphäre leben, Und! die rücksichtslosen Feinde des Tabaks, welche das arme Kraut schmähen und ihm den Vorwurf der Entartung! und Vergiftung machen. Die an verschiedene Individuen gerichtete Frage, warum sie rauchen, ergiebt gewöhnlich ebenso verschiedene Antworten. Der eine raucht, um Sorgen und trübe Gedanken zu verscheuchen, der andere, um Anregung zu geistiger Arbeit zu finden, der dritte, um den Hunger zu dämpfen, der vierte, um die Verdauung zu fördern und Langeweile zu vertreiben uff.; so ist der Vorwand des einen das Gegenteil von dem, was der andere! M .glaubwürdigen Grundj vorzubringen versucht, 580 ®ie eigentliche Begründung liegt lediglich in dem Umstande, daß wir dre narkotische Wirkung des Tabaks genießen wollen. Die physiologischen Wirkungen des Nikotins, eines flüchtigen Stoffes, und anderer wohlriechender Bestandteile des Tabakrauches sind es, die absorbiert werden und vorzugsweise auf das Nervensystem einwirken. Der Tabakgenuß ist gewiß nicht weniger schädlich, als der der vorerwähnten Narkotika, weil das giftige Nikotin bei fortgesetzten! Stauchen schließlich, eine chronische Vergiftung des ganzen Körpers zur Folge haben muß, aber es ist uns möglich, durch verschiedene Maßregeln derselben vorzubeugen und sie abzuschwächen. Dem erivachfenen, gesunden Menschen schadet das mäßige Tabakrauchpn nicht, weil immer wieder das dem Körper einverleibte Nikotin ausgeschieden wird. Die wenigsten Menschen werden mit einer so vorzüglichen Gesundheit ausgestattet sein, daß die Folgen des erstmaligen Tabalrauchens ausbleiben oder spurlos vorübergehen; selbst später treten nicht selten beim Rauchen. starken Tabaks noch, unangenehme Wirkungen des Nikotins aus, die sich in Schwindel-, Frost- und Schaueranfällen, Ohnmachtsanwandlungen, Herzklopfen, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen äußern. Diese akuten Bergiftungserschein- ungen find ohne erheblichen oder bleibenden Nachteil. Sie verschwinden wieder, und der Geprüfte huldigt dem Tabak- genusse meistens wieder, um vielleicht je nach Veranlagung das Martyrium noch, öfter durchzumachen, bis er endlich zur Schar der erprobten Raucher gehört. Diese sind aber der Gefahr der allmählichen oder chronischen Vergiftung nicht entronnen, wenn sie mit Beharrlichkeit dem Tabak- genusse fröhnen und dem Körper nicht Zeit gönnen, das Gift ausznscheiden. Die starke Reizwirkung des Tabak- rauchens verursacht den chronischen Rachen- und Kehlkopfkatarrh, eine entzündliche Reizung der Schleimhäute und Stimmbänder, die schließlich Stimmlosigkeit im Gefolge hat. So ähnlich ist die Wirkung auch auf den Magen und Darmkanal. Die Entzündungsprozesse verursachen Appetitlosigkeit, Magen- und Darmkatarrh, Durchfall und schließlich die vollständige Zerrüttung der Magennerven. Das sollen sich besonders jene merken, die die üble Gewohnheit haben, den Tabakrauch durch die Nase anszuatmen oder zu verschlucken. Auch die Augenschlermhaut wird durch das Rauchen heftig gereizt. Der beste Beweis ist das Brennen und Schmerzen der Augen, wenn man sich lange Zeit in einem rauchigen Gastzimmer aufhält, das schlecht gelüftet ist. Bei Zigaretten-Rauchern ist schon die vollständige Erblindung eines oder beider Augen beobachtet worden. Die schädlichste Wirkung übt das Rauchen aber auf das Herz und das Nervensystem. Man kann zwar sehr lange dem Tabak- genusse fröhnen, aber man thut es nicht ungestraft, ganz besonders, wenn erst einmal das Herz in Mitleidenschaft gezogen ist. Tie Folgen sind unregelmäßige und gesteigerte Herzthätigkeit, ein unbehagliches Gefühl in der Herzgegend, Drücken, Brennen, Stechen, Zucken und Herzkrämpse, infolge mangelhafter und unregelmäßiger Luftzufuhr. Werren diese Anzeichen der chronischen Vergiftung nicht beachtet, dann tritt eine Entartung (Verfettung des Herzens) ein, und ein langwieriges Herzleiden oder der plötzliche Tod bilden den Schluß der zur ungezähmten Leidenschaft gewordenen Genußsucht. Tie andere Hauptwirkung des Tabaks ist die Reizung des Nervensystems, die anfangs sehr angenehm, sich! sogar zur Lustempfindung steigern kann, später sich aber als Lähmung, Muskelschwäche, Zittern aller Glieder usw. kennzeichnet. — Ziehen wir den Schluß aus dem Vorstehenden, so kommen wir zu dem Ergebnis, daß alle Herzleidende, Nervenkranke und alle jene, die zu Magen-, Darm-, Hals- und Brustkrankheiten neigen, den Tabak, sei es Rauch- oder Schnupftabak, allen Ernstes zu meiden haben. Der vollständig Gesunde merke sich aber die nachfolgenden zehn Raucherregeln, die Tr. E. Kerbel, ein vielerfahrener Praktiker, zu aller Nutz und Frommen bekannt giebt: 1. Rauchs nie eine Zigarre weiter, die nicht zieht oder nicht luftdicht ist, kurz eine solche, die nicht brennt; denn unter solchen Umständen geht viel Nikotin in den Rauch über, und damit auch in den Körper des Rauchers!. 2. Rauche in der Pfeife nur ganz leichten Tabak; schwerer Tabak entwickelt, namentlich in Pfeifen, wo der Luftzutritt meist ungenügend ist, viel Nikotin. 3. Hüte Dich vor dunklen Zigarren; sie enthalten, daj sie eine starke Gährung durchgemacht haben, viel Ammoniak. 4. Da erfahrungsgemäß importierte Havanna-Zigarren! am schädlichsten wirken, so rauche man dieses Kraut nup selten, höchstens! 1 bis 2 Stück am Tag, und dann stets! nach Tisch. 5. Rauche nie eine Zigarre bis zum Ende. Je kürzer die Zigarre wird, desto schwerer wird sie. Hüte Dich auch vor dem Schlucken des. Rauches; denn der Magen wird! durch das scharfe Nikotin gereizt. 6. Rauche womöglich keine Zigarre, die ausgegangen! oder liegen geblieben ist, von neuem an. 7. Wenn irgend- möglich, so rauche stets aus einer Pfeife mit einem recht langen Rohre; man fei aber peinlich sauber mit dem Rohre, weil sich sonst mit der Zeit viel Nikotin ansetzen würde. 8. Rauche weder Zigarre noch Zigarette ohne reinliche Zigarrenspitze; durch Kauen und Zerbeißen der Zigarre gelangt viel° Nikotin in den Speichel; zudem können durch Zigarren gewisse Krankheiten, wie z. B. die Schwindsucht, übertragen werden. 9. Kein Mensch soll Vor seiner vollständigen körperlichen Ausbildung, also vor dem 20. Lebensjahre, rauchen. 10. Weder Zigarre, noch! Zigarette, noch Pfeife rauche man, ohne Lust dazu zu haben. (Prakt. Wegweiser.) GeMeinnützrges. Die Anpflanzung von Buschvbstbäumen empfiehlt in seiner letzten Nummer der praktische Ratgeber in: Obst- und Gartenbau, indem er auf die günstigen Erträgnisse und die zunehmende Anpflanzung solcher Busch- obstbäume 'hinweist. Sehr günstige Ernten wurden z. B- aus dem Hedwigsberg, der großen Versuchsplantage des! praktischen Ratgebers erzielt. Ein jeder im Jahre 1893 gepflanzte Wintergvldparmänen-Buschbaum erzielte im Durchschnitt im Jahre 1896 . g j. ■. 4 Pfund - - 1897 - g. . 6 - - 1898 •• - 12 - - - 1899 2, 4 i 32 - - - 1900 ; r. 3 - - - - 1901 J 2 . 30 - Leser, welche sich für die Einzelheiten interessieren, finden Näheres in Nr. 40 der genannten Wochenschrift,' welche vom Geschäftsamt in Frankfurt a. O. kostenfrei versandt wird.. Dem betreffenden Artikel sind zwei Abbildungen beigegeben, deren eine einen mit Früchten reich behangenen Buschbaumast, die andere den Blick in eine Buschbaumanlage zeigt. Logogriph. Nachdruck verboten. Manch einer hat seufzend durch mich geschaut Hinaus in's freie Leben. Verändert man nur einen Laut, — Einen streitbaren Mann wird's ergeben. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Kapselrätfels in vor. Nr.r Bei Nacht sind alle Katzen grau. Auflösung des Preisrätsels in Nr. 139 der Familienblätter r a. Rede, Rain, Schoa, Mehl, Reich, Ornat, Nord, Torte, Eros, Eifel, Schorf. b. Erbe, Iran, Ohaos, Hehn, Erich, Notar, Dorn, Otter, Hose, Heile, Erosch. — Eichendorff. Es gingen insgesamt 12 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 9, Einsender: Herr Theodor List in Lauterbach. Der Preis — Steinau, Tausendschön, geb. — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsgmttung in der Geschäftsstelle der „Familienblätter" in Empfang zu nehmen. Redaltion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. -