lVMW STR ft 8 SW W uua Ä SS Dienstag dm 12 ic6t"SÄ’mili«lb| M»' NÄerhattMAZUM M iÄrHenerKnzeM iGmeml-AHeiZer) (Nachdruck verboten.) ; von U h VI. im ummer: . Breslau. ch bei der III., Wil- md Hein- Üchweif- ich VIII. II. sind hfolgern indsucht, Äscher an nennen, III. (die ), Könige her nach htet kein chers er- stlweise", :drich HL Zn Original« r in Leipzig. Musikfreund! ältliche Ziffu n Matze drr und Tbearu »punkt. Dar reinen Vokal« cht. In dm kunstgemaßkn iotenbcifvicim jaitcncn Text. i Konzertfaals deulfchen ®<« Anfchafiu«S. Jsy rei Pflanzen pfleg' in deinem Garten; Gott über alles vertrauen, Auf eigenes Können bauen Und von den Menschen nichts erwarten. E. Ziel. Westen diesem öebens- t hohen - durch Warzen zweifel- ms, die ipfe ist. mer ge- t rühm» Seeroman von Clark Rüssel. (Fortsetzung.) Brigg wieder in Fahrt bringen könnte. Die Lampe brannte hell. Mein Mann lag ruhig auf dem Rücken, die Arme lang ausgestreckt. Nur in seinem Gesicht war die Erregung zu bemerken. „Ich weiß, was passiert ist, Jeß", sagte er, als ich an seiner Seite niederkniete und ihn auf die Stirn küßte. „Ihr habt ein Schiff gesehen und ein Flackerfeuer abgebrannt, aber vergebens." „Ja", versetzte ich. „Aber wir können doch auch nicht erwarten, daß das erste Schiff, das wir in Sicht bekommen, uns gleich, Hilfe bringt, noch, dazu in dunkler Nacht, wo wir uns nur durch ein Feuer von ein paar Stückchen Holz und einem Teerfäßchen bemerkbar machen können." „Wie lag das Schiff an?" „Ebenso wie wir; soviel ich bemerken konnte, genau West." Nun teilte ich ihm mit, daß die Brigg, als ich das Rad losgelassen hatte, um das Schiff zu beobachten, in den Wind geschossen sei und nun mit backen Segeln ganz ruhig daliege. „Hat die Brise schon zugenommen?" fragte er nach einer Weile. „Nicht besonders." Er schwieg; dann sagte er, offenbar sehr entmutigt und niedergeschlagen: „Ich weiß nicht, ob es nicht am besten wäre, dre Fock aufzugeien — idias kann Spence besorgen, wenn er die Geitaue durch einen Leitblock nach dem Gangspill auf der Back nimmt, wenn das Segel so zu schwer für euch Beide ist — die Vorraaen herumzuholen und die Brigg so liegen zu lassen. Da unsre Hoffnung nur darin besteht, von einem Schiffe bemerkt zu werden, können wir uns ja! die Sache leicht machen, ruhig liegen bleiben und abwarten, ob eines kommt. Es geht doch! nicht, daß Du Tag und Nacht am Ruder stehst, wenig Schlaf bekommst, bei Tage den Sonnenstrahlen, und nachts der Kälte ausgesetzt bist, und Dir die Gesundheit vielleicht sürs Leben ruinierst, und ohne absehbaren Zweck. Laß uns nur die Brigg beidrehen, Jeß". — Er sprach, wie jemand, der ale Hoffnung aufgegeben hat. „Nein", rief ich, „ich müßte geradezu wahnsinnig werden, wenn ich stündlich an Deck käme, und die Brigg immer bewegungslos daläge, und nichts in Sicht wäre, als die öde, weite See. Solange wir uns vorwärts bewegen, läßt es sich! noch ertragen. Die Wahrscheinlichkeit/ ein Schiff anzutreffen, wird doch größer, wenn wir uns den allgemeinen Ozeanrouten nähern." „Gut", sagte er leise und teilnamlos. „Es sei, wie Du wünschest. Du bist Kapitän, und kannst handeln, wie es Dir beliebt", fügte er mit traurigem Lächeln hinzu; „ich bin nur ein unnützer Ballast, zu nichts nütze, als über Bord geworfen zu werden." Da ich sah, daß die Brigg unbeweglich liegen blieb, und sich nur etwas vor der Brise auf die Seite legte, während die Segel sich nach achtern zu blähten, verließ ich das Ruder und rannte auf das Großdeck, wo ich Spence damit beschäftigt fand, einen kleinen Haufen Brennholz in Brand zu stecken. Auf das Holz hatte er ein Teerfaß gestellt und verschiedene andere, leicht brennbare Stoffe, wie Werg, Segeltuch und dergleichen aufgeschichtet. Er setzte es mit einem an der Kajütenlampe angezündeteu Stück Werg in Brand und gleich darauf schoß eine helle Flamme empor. Segel und Spieren der Brigg glänzten wie von Vollmondschein übergossen, dicker Rauch stieg in die Höhe, und die flackernde Lohe machte den Eindruck, als ob flammende Blitze über das Deck und die Segel spielten. „Nehmen Sie doch das Glas, Madame, und sehen Sie, ob sie aus uns achten", rief Spence mir zu. Er sah ganz furchtbar aus, wie er, von dem wild lodernden Feuer be- ? schienen, umherrannte, und erinnerte mich an das Bild des Kannibalen aus Robinson Crusoe. ..j Ich nahm das Glas und richtete es nach der Gegend, stehender Fi-'V wo ich zuletzt das Schiff gesehen hatte. Ich fand es nur AAAAA, BB, noch als verschwindend kleinen Schatten. Daß es seinen 1, L, Kurs nicht verändert hatte, erkannte ich an der Breite feiner :agen, daß .Umrisse. Wenn es das Feuer bemerkt und die Absicht ge- und senkr ^te., uns zu Hilfe zu kommen, würde es jedenfalls - .unb«?'J' t»nq seine Leesegel weggenommen haben. Wie ich an der Form ter Bade- das Schattens bemerken konnte, geschah dies aber nicht. °.e 4 Teil der Nies bewies hinlänglich, daß es sich von uns entfernte. '6. Teil eines Trotzdem beobachtete ich! den allmählich kleiner werdenden ’ Schatten durch oas Glas, bis er völlig verschwunden war. Nls ich mich umdrehte, sah ich, daß wieder tiefes Dunkel .....azsung" über der Brigg lagerte. Gtktzrner Ich begab mich auf das Großdeck, wo Spence eben die letzten glühenden Funken austrat. „Es nützt nichts", sagte ich, „sie haben uns nicht gesehen und sind schon außer Eicht." Ich ging in die Kajüte, um Richard mitzuteilen, was borgefallen war und ihn um Rat zu fragen, wie ich die zQ 1901. - Nr. 36. 142 Besinne Dich, Richard", versetzte ich resolut. „Tas I zog gleichfalls daran, um Spence^nntzuteilen, ift nicht geredet, wie es sich für einen Seemann ziemt. I wach fet, und un Augenblick an Deck ^rn werde. E Bewahrt Gott mir meine Gesundheit, so können wir noch I Kajüte war pechsmster, das Oel m ^r LamYe ausgebrannt, beide unsere alte Vaterstadt Wiedersehen, und unsere Aben- I und das Lacht erloschen. Lerse rres rch Richards Namen, teuer dem Herrn Kapitän Thomas Snowdon erzählen. Denke I erhielt aber keine Antwort An semen tiefen Atemzugen an unsern alten, biedern Vater, und der rechte Seemanns- I hörte ich, daß er noch schlief, und schlich auf om Zehen sick, bei Dir wieder einstellen." I aus der Kajüte. Die offene Thur, durch die em Stückchen Er nahni^ meine Hand, und rief: „Es ist das gebrochene ! des gestirnten Himmels heremsah, diente Mir als Leitstern Bein und meine gezwungene Unthätigkeit, was mich so I in dieser Dunkelheu. fiprmUrpfpnh niederdrückt fühle mich stark genug, um Bäume aus- I „Nun, Spence , sagte ich, an das Rad herantretend, zureißen und habe dmh nicht so viel Gewalt über „Da bin ich, wie Sie sehen. Ich bin leichter zu wecken, meine Glieder, um mich auch nur einen Zoll von der I als Ste." n1,a¥nnrmpn" w pinte er ",Ungefähr zwölf Minuten nach vier." ,Lst der Wind ziemlich stetig?" fragte ich. Der Mond war bereits verschwunden. r ’ ,, . . „ ... „Ja", entgegnete er. „Er steht so fest tote em Haus." Ich nahm seinen Platz am Ruder em, und sagte: „Die Kompaßlampe brennt trübe, aber bis Tagesanbruch wird sie wohl noch vorhalten. Sehen Sie, daß Sie rn die Kajüte kommen, ohne den Kapitän zu stören. Er schlaft fest, und das ist ihm sehr nötig. Es ist aber dunkel. „O, ich werde schon machen, Madame. Wo finde ich mit Rat und That zur Seite zu stehen. Ist es Dir lieber, daß die Brigg vorwärts segelt, dann bringe ste auf stden Fall wieder in Gang. Laß sie ihre Reise „nach Nirgends nur ruhig wieder antreten." „Wie" soll ich das aber machen?" „Nun", meinte er, „zunächst glaube ich, daß sie wohl schon etwas Fahrt achteraus macht. Wenn das fo ist, lege das Ruder hart backbord, und mache ein Tauende an einer Speiche fest, damit das Rad so stehen bleibt. Dann hole die Klüver- und Stagsegelschooten ganz steif an. Der Klüver steht doch, nicht wahr? — Gut also, die Vor- schooten werden steif angeholt. Das "könnt ihr ganz gut I das Ende von der Leine?" besorgen Dann müßt ihr versuchen, die Achterraaen soweit I „Auf d er Matratze. Fuhlen Sie nur danach, herumzuholen, bis die Segel killen, der Wind also kerne I „Na, dann wieder gute Nacht, Madame! Und damit Wirkuna mehr darauf hat. Die Borraaen können so bleiben. I verschwand er in der Dunkelheit. . Wenn die Brigg abfällt, wird das Rad nach der andern I Der Wind war etwas flauer geworden. Der Hnnrnel Seite gedreht, und wenn ihr wieder Kurs anliegt, müßt I sah so pechschwarz aus, wie gewöhnlich vor Anbruch« der ihr die Raaen, so gut ihr könnt, zurecht brassen." »Dämmerung, und einige Sterne funkelten mit wunder- Jch begab mich auf das Großdeck, wo Spence die I barem Glanze. Die See phosphoreszierte nicht mehr so Asche in die Speigatten fegte, und teilte ihm mit, daß I stark, vielleicht weil sie weniger bewegt war, und breitete wir die Brigg wieder auf ihren Kurs bringen wollten. I sich in so tiefes Dunkel aus, daß der Anblick auch wohl Ich handelte genau nach Richards Weisungen. . I bei stärkeren Naturen ein gelindes Grauen erweckt haben Der Jüngling zeigte großen Dietisteifer; er holte Mit I würde. aller Macht, und sang dazu mit lauter Stimme. Er war I ou meiner großen Freude begann die Dämmerung bald ungeschlacht wie ein Ackerknecht, aber stark tote em Pferd, I nachdem ich ans Ruder gekommen war. Der östliche Himmel und für mich durch seine genaue Kenntnis aller Taue I fjebec£te swh mit einem schwachen Grau, das bald rn blasses von großem Nutzen. Die Raaen kamen titel leichter herum, I SRo)-a imb dann in strahlendes Rot übergrng, so schnell, als ich mir vorgestellt hatte. Spence hing sich nut fernem I aIg oß bie Farben eines Glasprismas der Reihe nach über ganzen Gewicht an die Brassen, während ich die holende I ;enett be§ Himmels blitzten. Ich blickte aufmerksam Port unter einen Eoffehnagel nahm, und die ~ofe em- I an bem dunkeln Wasserkreise umher, der sich scharf gegen holte. Zehn Minuten später stand ich wieder am Ruder, I bm S)intme( ^hob, und dort, recht in Lee em wertig und wartete, daß Spence die Kompaßlampe toteber an- I mciter voraus, als querab, erspähte ich ein tierschwom- zünden sollte. Die Raaen waren wieder ebenso gebraßt, I meneg. weißes Ding, das ich, als es von den Strahlen der wie vorher, die Brigg segelte wieder hinter dem ..conde | ausgehenden Sonne beschienen wurde, als ein «egcl her, der jetzt über dem Nock des Klüverbaums wie eme I ^kannte — Ich wartete eine Weile, und als der weiße blutrote Narbe an dem dunkeln Himmel stand. I ^ck immer noch da war, ließ ich das Rad einen Augen- Diese Art von Arbeit zu beschreiben, ist nicht schwer. 1 IoS, um ba§ Glas herunterzunehmen. Es gelang In Wirklichkeit aber war die Sache entsetzlich anstrengend 1 • e§ ^hig zu halten, um zu entdecken, daß das, was für mich, die ich nie vorher an Tauen herum geholt, I =ÜI bie höchsten Segel eines mit dem Rumpf noch und gezogen hatte, und durch! die vierstündige Wache schon I 'chnter dem Horizont liegenden Schiffes gehalten hatte, dav völlig erschöpft war. Meine Hände glühten wie Feuer I guvsegel eines ungefähr vier bis fünf Meilen von uns ent- von der ungewohnten Arbeit, der Schweiß rann m Strömen I Ernten Bootes war. über mein Gesicht. Die Kniee zitterten jo, daß uteder- I konnte kaum meinen Augen trauen. Ein Boot in- gesunken wäre, wenn ich mich nicht auf den Rand des 1 Gewässern, Hunderte von Meilen vom Lande entfernt, Spindeldeckels hinter dem Rade hatte setzen können. Aber I mir zu außerordentlich. Da fiel mir ein, daß ich fühlte mich ruhiger als < toteber das Mtschern des I oiet{e{^t schiffbrüchig, imb daß sie uns Wassers an der Außensette des Schiffes vernahm I sicherlich helfen würden, un ere Brigg Solange jede Stunde uns eine neue Wahrscheinlichkeit I « gjjem »aue w ) y 3$'rc&te' ba§ Glas brachte, ein Schiff tn Sicht zu bekommen, konnten auch I 1Hebern unb ,og keise an der Leine. Diesmal antwortete Mut und Hoffnung nicht sinken. g. h - I Spence sofort: er zog an seinem Ende der Leine, und Spence kam mit der Lampe und setzte ste ms Komp ß- I er|(^|en |n wenigen Augenblicken an Deck. ich mich MA um meine Stunden zu „Sehen Sie das dart?" rief ich ihm ,u und zeigte I Ä ÄÄ »er g die H-ude -usammeu SK Li» ««, Spence. damit ich es als ob er am Marsfall holte, und mir montäglich wehe thun. ! nur genauer ansehen kann. .. **—- * ”tbE ebm bron ans WL L'-'Z -Ul'das «Uder und 2Z ää ä?« äsä Le Vsr-:s ä zu/F ei7'leffs Lupfc77n ’ es SÄ /chem^Winkel' zchammentleffen mußte. 143 Die ihm entgegenlaufende Dünung verbarg es manchmal; auch war es nicht möglich, in dieser Entfernung mehr als Segel und Rumpf zu erkennen. Ich sagte Spence, daß es ein Boot sei, und fragte ihn, ob mein Mann schon wach wäre. Er bejahte es, und ich sprang eilig von dem Dach der Kajüte hinab, und rannte hinein. Richard hob den Kopf, als ich eintrat. Er las in meinem Gesicht, daß ich Neuigkeiten brachte, und rief mir hastig entgegen: „Ist ein Schiff in Sicht, Jessie?" „Kein Schiff, ein offenes Boot, Richard." „Ein offenes Boot!" rief auch er erstaunt. „Wie peilst Du es?" Ich beschrieb es ihm. „Sind Leute drin?" „Ich! weiß nicht. Es' ist noch zu weit ab." „Hast Du das Ruder schon aufgeholt — läufst Du darauf zu?" Ich verneinte. „Dann thue es sofort, mein Schatz!" rief er, und richtete sich vor Erregung auf den Ellenbogen in die Höhe. „Wir müssen es aufnehmen. Und wäre auch nur ein Mann darin, so wäre es schon ein Gottesgeschenk für uns." Ich eilte an Deck, und ließ Spence abhalten, um auf das Boot zuzulaufen. Er that es, und brachte- es ungefähr zwei Strich voraus an Backbord. Die Fock verdeckte mir nun die Aussicht auf das Boot vom Dach der Kajüte aus und ich stieg auf die Schanzkleidung, und beobachtete es von dort aus, indem ich das Glas auf eine Pardune stützte. Das Boot segelte fast so schnell, wie wir selber. Bald verschwand es in den blauen Tiefen, bald erschien es oben auf der Dünung. Jetzt konnte ich schon ziemlich deutliche erkennen, daß das Boot voll Menschen sei. Ich konnte sie nicht zählen, bemerkte aber vorne wie achtern eine Anzahl schwarzer Köpfe, und rief Spence zu: „Cs scheint eine ganze Schiffsmannschaft darin zu sein." „Sie müssen nur aufpassen, Madame", rief er, „daß ich das Boot nicht überrenne. Es ist am besten, wir lassen die Krigg in den Wind luven, wenn wir nahe genug sind, sodaß- wir keine Fahrt mehr machen, — oder, wenn Sie das Ruder nehmen wollen, geh ich nach vorne, und halte ein Ende bereit, um es den Leuten zuzuwerfen, und wenn ich Ihnen zurufe, legen Sie das Ruder in Lee." Das war ein sehr vernünftiger Vorschlag; denn ich hätte mich- doch wohl äußerst komisch dabei angestellt, wenn ich einem Boote eine aufgeschossene Leine hätte zuwerfew sollen. Ich stellte meine Vermutungen über das Boot an, wie lange es Wohl schon unterwegs, und wie weit es noch entfernt sei — da hörte ich Spences Stimme, der mir zurief, das Ruder in Lee zu legen. Ich that es sofort, und drehte dann, als die Brigg in den Wind schoß, das Rad wieder nach- der anderen Seite, damit die Segel nicht ganz back kämen. Me fingen an zu schlagen und zu flattern, und die Brigg stand. Zugleich hörte ich Spence rufen: „Paß auf die Leine auf!" — Nach einer Pause wurden verschiedene Stimmen längsseit hörbar. Dann trat wieder Stille ein, und gleich daraus kam Spence zu mir, und rief ganz atemlos: „Es sind elf Mann, Madame, alles Matrosen! Sie kommen eben an Bord. Wollen Sie nicht gehen, und sie empfangen?" (Fortsetzung folgt.) Geldfunde an ungewöhnlichen Plätzen. (Nachdruck verboten.) Die Begebenheit des Fälschers Grünenthal, die ein so unrühmliches Ende gefunden hat, ist wohl allen noch in lebhafter Erinnerung. Dieser geriebene Betrüger hat bekanntlich seine gefälschten Banknoten an einem Orte untergebracht, an welchem man sonst derartige Schätze nicht zu suchen pflegt — auf dem Friedhöfe. Aber thatsächlich findet man Geld gar nicht selten an noch merkwürdigeren Fundorten, und nicht immer ist es gestohlenes Gut, das in so geheimnisvoller Weise versteckt wird. Vor einigen Monaten kaufte, wie Tit-Bits berichten, ein Händler ans einer Auktion in einem Dorfe bei Carnarvon, einen eichenen Küchenschrank aus dem Nachlasse einer alten Dame. Zu Hause angekommen, begann er sogleich, seinen Kauf zu untersuchen, und sand zu seiner Ueberraschung aus dem oberen Brett eine blecherne Senfbüchse, die bis zum Rande mit Sovereigns und Halbsovereigns gefüllt war. Jedxnfalls war der Finder ehrlich genug, die seltsame Sparbüchse dem rechtmäßigen Erben zuzustellen, sonst wäre dieses Faktum schwerlich bekannt geworden. Ein altes Fahrrad wurde bei einer Auktion einem älteren Herrn für einen ganz geringfügigen Betrag überlassen. Der Herr sandte die Maschine nach einer Reparaturwerkstätte in Hampstead und hier fanden sich während der Reparatur neun Goldstücke in der Lenkstange. Im Oktober 1899 kaufte ein Herr aus East Dulwich auf einer Auktion für einige Schilling -ein Paket alter Bücher, unter anderen eine alte Bibel. Am folgenden Sonntage blätterte seine Frau in dem Buche, fand einige Blätter zusammengeklebt, nahm sich die Mühe, dieselben zu trennen, und entdeckte dabei zwischen diesen Blättern Noten der Bank von England im Betrage von 5 Pfund Sterling. Auf der Rückseite eines dieser Scheine standen die Worte von der Hand des vorherigen Eigentümers: „Ich habe, um dieses zu gewinnen, hart arbeiten müssen, und da ich keine natürlichen Erben habe, vermache ich Dir, lieber Leser, der Du dieses heilige liebe Buch gekauft hast, meinen ganzen Reichtum." Ob der Käufer dieses Erbe verdient hat, ist ziemlich- zweifelhaft. Wenigstens ist nicht erwiesen, daß er aus purer Frömmigkeit das alte Buch erworben. Ein merkwürdiger Rechtsfall kam kürzlich in der Grafschaft Lancashire zur Entscheidung. Eine in Hartlepool wohnende Witwe kaufte ein Gemälde, welches nicht nur sehr alt und verstaubt, sondern auch noch durch einen häßlichen Rahmen verunstaltet war. Die Frau nahm sich die Mühe, das Bild zu reinigen, wobei zwischen dem Rahmen und der Leinwand zu ihrer großen Ueberraschung 17 Fünfpfundscheine zum Vorschein kamen. In der Freude über dieses Glück erzählte sie allen Bekannten von ihrem Fund; die Neuigkeit kam auch dem früheren Eigentümer des Bildes zu Ohren, und derselbe erhob Anspruch auf das Geld. Da die Käuferin des Bildes diesen Anspruch natürlich nicht anerkannte, reichte er Mage ein, die jedoch zu seinen Ungunsten ausfiel, da er nicht den Nachweis führen konnte, daß das Geld sein Eigentum sei. Die Taxatoren des Nachlasses eines alten Miners, der vor etwa einem Jahre in Newburg starb, kamen beim Durchsuchen des Hauses an einen alten Schrank, der anscheinend mit Lumpen gefüllt war. Sie entdeckten in einem Winkel desselben eine Mäusefamilie, die sich behaglich in einem Nest eingerichtet hatte, welches aus Banknoten im Werte von 400 Pfund bestand. Der merkwürdige Fall ist unaufgeklärt geblieben. Aber die Mäuse scheinen wirklich eine besondere Vorliebe sür Banknoten zu haben. — Im verflossenen Oktober gab eine Maus Veranlassung zu einem noch größeren Funde. Eine alte Pariser Hausiererin, Namens Mme. Jacques, wollte das Mäuschen aus ihrem Kamin vertreiben und entfernte zu diesem Zwecke einige Backsteine. Dabei entdeckte sie eine Höhle, welche nicht weniger als 40 000 Franks in Scheinen enthielt; dieselben hatten- dem früheren Besitzer des Hauses gehört, der schon sieben Jahre, tot war. Eine alte Frau in Birmingham, die das Unglück gehabt hatte, ein Bein zu verlieren, kaufte von einem Trödler ein Paar Krücken. Nicht lange darnach zerbrach eine davon unter ihrem Gewicht, und es kam in dem Holz eine Höhlung zum Vorschein, in der Scheine im Werte von 20 Pfundverborgen waren, ferner eine Diamamtnadel, aus deren Verkauf ein gleicher Betrag erzielt wurde. Vielleicht hatte einer jener wohlhabenden Bettler, welche durch fingierte Gebrechen das Mitleid der Menschen anzurufen wissen, die Krücke als Versteck seines Schatzes benutzt. Ein Herr kaufte vor einigen Jahren bei einer Auktion in Kent einen ganzen Satz des Nachlasses, worunter sich auch ein ausgestopfter Papagei befand. Derselbe wurde, da er wertlos war, den Kindern zum Spielen gegeben, die dann nach Kinderart sich bald daran machten, das Innere zu untersuchen. Die Neugierde wurde in diesem Falle belohnt. Im Innern des Vogels fanden sich 15 Sovereigns und zwei Guineen mit dem Bildnis Georg III. — kein schlechter Gewinn aus den wenigen Schillingen, welche sür den ganzen Trödel angelegt waren. 144 Modenbericht über Dattiea-Jackets und -Mäntel. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch ä öO Pfg. daselbst erhältlich. „Secession und Konfektion" unter dieser Ueberschrift las ich vor einiger Beit eine Abhandlung über das Verhältnis der Mode zur neuen, secessiomstischen Kunstrichtung, welche viel Wahres, aber auch manch Uebertriebenes enthielt. Sicherlich ist der Einfluß der neuen Kunstrichtung auf die Mode unverkennbar, aber bisher sind es immerhin nur Einzelheiten, an welchen man ihn deutlich nachweisen kann., Hauptsächlich macht et sich an den neuen Garnituren bemerkbar, welche ja am ehesten geneigt sind, irgend eine besondere Stilrichtung zu zeigen, wie z. -o. y ' b Rokoko, Renaissance rc. Die Formen der Kleider, aber insbesondere die der Ueberkleider, sind jedoch im allgemeinen noch weit davon entfernt, secessionistische Linien anzunehmen, was unsere kurzen feschen Jackets, sowie unsere Bolerojäckchen am besten beweisen. Eher könnte man noch die langen, auf den Boden auftreffenden Sackmäntel auf die neue Kunstrichtung zurückführen. Dieselben sind jedoch, als zu unpraktisch, schon längst wieder aufgegeben, und die dreiviertellangen Sackpaletots, sowie die langen Golfcapes weisen neuerdings schon wieder solche, wenn auch kleine Veränderungen auf, welche die schlanken, einfachen Linien der Secession eher unterbrechen als unterstützen; denn die modernen Capes sind häusig mit einem oder mehreren Schulterkragen in ganz beliebigen Längen ausgestattet. Auch die hohen, secessionistisch schlank machenden Stuartkragen sind von Umlegekragen mit Revers in allen Arten abgelöst worden. Ferner hat man die beiden Formen, Sackpalctot und Cape, zu einer vereinigt, welche besonders praktischen Zwecken auf das Beste bient, welche aber keinesfalls secessionistisch wirkt. Mit Abbildung 1 ist ein derartiges, am besten „Damenhavelok" benanntes Kleidungsstück der einfachsten Art veranschaulicht. Es setzt sich aus einem gewöhnlichen Sackpaletot und einer halblangen Pelerine zusammen, Vervollständigt durch einen einfachen Umlegekragen. Man hat diese Haveloks jedoch ebenfalls mit mehreren Pelerinen, forote mit Umlegekragen und Revers, ja sogar mit Schalkragen, so daß diese tform, so neu sie auch ist, doch schon die verschiedensten Arten aufweist. Die Mode des Tages bleibt jedoch, auch für den Sommer, der Sackpaletot, wenngleich die dreiviertellangen, doppelreihigen Formen, "sehr durch kürzere, einreihige ersetzt werden, wie Abbildung 2 veranschaulicht. Die neueste Ausstattung dieser Sackpaletots besteht [ darin, daß man sie zum Offen- und Geschlossen- | tragen einrichtet, indem man sie mit besonders \ konstruierten Kragen versieht. Es sind dies Steh- ! tragen, welche etwas weiter geschnitten werden, > als die Halsweite erfordert, und an den Enden | abgestumpft sind. Diese abgestumpften Enden ergeben, in Verbindung mit den Revers im offenen Zustande das Fayon; im geschloffenen treten sie übereinander, so daß der Schluß des Stehbündchens seitlich geschieht. Ein aus Schlingen bestehender Besatz an dem Revers vermittelt den Schluß, für welchen außerdem Knöpfe längs der Vorderteile angebracht sind. Diese geben im offenen Zustande, genau wie der Schlingenbesatz, eine hübsche Garnitur ab. Mehr noch als für Sackpaletots ist gerade diese Art des Offen- und Geschloffentragens für richtige Jackets angewendet, und lucht man hier diese Einrichtung auch noch -auf andere Art zu ermöglichen. Die natürlichste darunter ist entschieden diejenige mit rollendem Revers, welche auf alle Fälle der zuerst beschriebenen vorzuziehen ist; denn sie läßt das Jacket geschlossen genau so schick erscheinen als offen, was bei dem ersteren nicht gut möglich ist. Abbildung 3 zeigt ein hübsches derartiges Jacket im geschlossenen Zustande, dessen Revers, wenn es offen ist. nach unten verlaufend umrollen. Im übrigen ist bezüglich des Jackets zu bemerken, daß die jahrelange Vorliebe für die selbstständigen Jackets, welche alle anderen Ueber- kleiderformen verdrängte, mehr und mehr zurückgeht, indem man dem mit dem Rock übereinstimmenden Kostümjacke! vor allen anderen den Vorzug giebt. Dadurch tritt auch der reich garnierte Genre mehr in den Hintergrund, und der einfache tailor-made-Genre kommt mehr zur Gelt- I. L Abbildung 2. 1 ung. Obgleich nun das Charakteristische dieses tailor-made-Genres eigentlich in seiner schlichten, nur durch Stepplinien bereicherten Einfachheit besteht, so sieht man jetzt doch auch sehr viel garnierte tailor-made-Kostüme; denn die übergroße Einfachheit ist nicht jedermanns Geschmack. Und so verziert man denn Jackets wie Röcke, reich mit Borten, Tressen, Blenden, Applikationen rc., welche ja allerdings, um nochmals au, die Einleitung zurückzukommen, nicht selten secessionistische Linien annahmen. Gleicher Beliebtheit wie die Jacketsorm erfreut sich für Kostüme die Boleroform, welche man denn auch in allen möglichen Ausführungen sieht. Wenn auch hierfür die tailor-made-Manier immer die Grundlage bildet, so hat doch für Bolerojäckchen der garnierte Genre entschieden den Vorzug, und ganz aus Treffen zusammengesetzte Jäckchen, mit Spitzen bedeckte Revers, Umlegekragen von gemustertem Sammet und andere Garnituren sind sehr beliebt. Auch die Schnittform ist längst nicht mehr die einfach klassische Form eines kurzen Jäckchen mit Revers und Kragen. Man hat hier vielmehr die verschiedensten Arten mit Patten und Westen mit angeschnittenen Zacken, mit vorn übergreifenden Schluß, mit Breiten Schulterkragen oder ganz ohne Kragen, kurz die fantastischsten Formen. Zum Schluß noch Einiges über die Aermel der modernen Ueberkleider. Dieselben sind natürlich, genau wie die Kleiderärmel, nur selten vor der Hand ganz glatt. Meist erweitern sie sich tulpenförmig, um den Bauschärmel des Kleides sichtbar werden zu lasten, oder sie erhalten eine über die Hand fallende Manschette angeschnitten. Bei Boleros ist der Aermel sogar verkürzt und erweitert wie bei den Kleidern, so daß er durch einen mit dem Chemisett übereinstimmenden Aermelbausch ergänzt werden muß. Bei Jackets und Paletots schneidet man, um einen ähnlichen Effekt zu erziehen, den Aermel unten weit und faßt ihn eingereiht in ein Bündchen. Das neue Moden» Album und Schnitimusterbrtch der Intern. Schnittmanufaktur, Dresden, ist für die Frühjahrs- und Sommer- Saison zum Preise von 50 Psg. soeben erschienen. Es kommt gerade zur rechten Zeit, um der Frauenwelt bei der Wahl neuer Frühjahrs- und Sommer-Toiletten, beziehungsweise beim Modernisieren von Garderobe die willkommenste Hilfe zu leisten. Die Einrichtung der vorgenannten Firma, von allen dargestellten Modellen vorzüglich abgepaßte Papier- schnitte zur leichten Verfertigung aller Kleidungsstücke zu liefern, hat sich als ungemein praktisch bewährt, so daß dies reichhaltige, mit 100 neuesten Modellen ausgestattete Moden-Album als das beste und brauchbarste Hilfsmittel bei der Wahl neuer Toiletten zu empfehlen ist. Literarisches. Allere! reizende, originelle, selbsizufertigende Oster» gescheute, wie z. B. ein Tablett-Deckchen mit allerliebstem Hasenmotiv, Bringt die neueste Nummer des Bekannten HandarbeitsBlaites: „Die ArbeitsstUbe ' zur Veröffentlichung. Es ist die genannte Zeitschrift so recht ein Blatt, welches den häuslichen Jnteresten der Frauenwelt zu dienen BeftreBt ist. Welche Fülle von Vorlagen zu allen nur erdenklichen HandarBeiten wird da geBoten 1 Aus dem reichen Inhalte des Heftes heben wir nut hervor: eine Altardecke mit Durchbrucharbeit, eine Ampel mit Holzbrandarbeit, Sachet für Taschentücher, Arbeitsständer, zwei reizende neue Muster für ä jour-Arbeit, Spitzen mit Tülldurchzug und Häkelarbeit, Wäschebeutel, Nadelbuch aus Kartonpapier, Bilderrahmen, Täschchen mit Perlstickerei, Guipürebordüre in Häkelarbeit und eine allerliebste, leicht- selbst anzufertigende Hausschürze in Kreuzstichstickerei. _ Die jeder Nummer gratis beigegebne buntfarbige Tafel zeigt diesmal eine mit Applikation auszuführende Bordüre auf gelblichem Seinen, welche sich zum Schmucke größerer und kleinerer Decken eignet. Die Novellenbeilage enthält die Fortsetzung des äußerst spannenden Romans von Reinhold Ortmann: In den wilden Waffern. Ein dreimonatliches Probe-Abonnement dieses empfehlenswerten Blattes kostet nur Mk. 1.— und kann bei jeder Buchhandlung oder Postanstalt (Postzeitungsliste Nr. 680) aufgegebenwerden. Abbildung 3. Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). Auflösung in nächster Nummer. Rektion: «. Burkhardt. - Bruck und Verlag der Brühl'schen UuiverfitSts-Buch- unb Tteinbrnckerei (Pietsch Erben) tu Meße«.