einen schätze gering; ist er zu schwach, dir zu nützen, Dir zu schaden vermag auch der erbärmlichste Wicht! Gottfried. (Nachdruck verboten.) Auf der Felseninsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e n. (Fortsetzung.) „Sie müßten wieder heiraten", sagte ich, ungeduldig «ach den übrigen Herren ausspähend, um die lästige Gesellschaft loszuwerden. „Deshalb bin id) auch hier", erwiderte er so gelassen, als handele es sich darum, einen neuen Hut zu kaufen, nachdem er alte verloren gegangen. „Geben Sie nrir ein bißchen Anleitung, lieber Freund, sind ja bekannt im Hause. Welche von den drei Pfarrerstöchtern soll ich nehmen?" Da kicherte es leise, und dicht vor uns stand Hanna. Sie errötete heftig, als sie die Augen des Doktors auf sich ruhen sah, und zeigte durch ihr ganzes Benehmen, daß sie die letzten Worte gehört hatte. „Fräulein Hanna Ström, Tr. Falseu", stellte ich vor, wider Willen bei dem Gedanken lachend, der würdige Heilkünstler könnte hier eine Mutter für seine Kinder suchen. „Freue mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen, mein verehrtes Fräulein", begann der Witwer verbindlich, „habe bereits Ihre beiden Schwestern —" Doch Hanna hielt nicht so lange stand: wieder ertönte ihr helles Lachen, es perlte und quoll, bis ihr die Thränen in die Augen traten und sie mit leichten Sprüngen aus die Mutter zueilte, in deren Armen Schutz suchend. „Eine kleine Elfe", meinte der Doktor mit mehr Wohlwollen, als ich ihm zugctraut hatte. „Echt jugendlicher Uebermut. Wirklich allerliebst, allerliebst! Nur schade, daß man nicht zwanzig Jahre jünger ist." Ich benutzte den Moment, als er höflich auf die Pastorin zutrat, um Gunhilda aufzusuchen. Sie war und blieb aber verschwunden, und ich niußte mich darein finden, daß wir ohne sie den Weg nach der Brücke antraten. Ter Kaufmann gesellte sich wieder zu mir, und ich nahm die Gelegenheit wahr, ihm meine Besorgnis über Sigurds Fortbleiben auszudrücken. „Was reden Sie da?" sagte er kürz angebunden. „Der Junge wird schon unten sein, wenigstens ließ er mir «M M sagen, daß alles zur Abfahrt bereit sei. Ich werde meinen Herrn Sohn aber wissen lassen, daß er an einem Tage wie dem heutigen etwas Besseres vornehmen könnte, als hinaus nach der Brigg zu rudern. Tie segelt doch erst morgen, und will man etwas erreichen, so heißt's zugreifen. Habe mich nicht erst lange besonnen, ehe ich um meine Alte freite. ,Frisch gewagt ist halb gewonnen', ist mein Spruch — und Sigurd kann schon anders auftreten, als es sein Vater damals vermochte. Hall und Sohn könnten ein Mädchen an jedem Finger haben, wenn er wollte, — alte, solide Firma, hübscher Bursch — den Sigurd meine ich natürlich." Ich schwieg und sah mich nach Gunhilda um. Als ob Hall meine Gedanken erraten hätte, fuhr er mit erhobener Stimme fort, mich mißtrauisch von der Seite ansehend: „Möchte wissen, ob etwas zwischen den beiden vorgefallen ist. Auch das Mädel ist wie ausgewechselt. Als ich sie vorhin in aller Freundschaftlichkeit auf die Schulter schlug und nach Sigurd fragte, zuckte sie zusammen und sah mich ganz verstört an mit großen, verweinten Augen. Wissen Sie vielleicht den Grund dieses sonderbaren Benehmens?" Er pflanzte sich breit vor mich hin, und vergebens versuchte ich, dem Gespräche eine andere Wendung zu geben. Ich fühlte mich wie der Verbrecher vor dem jähzornigen Richter, der keine mildernden Umstände gelten lassen will. Meine Verwirrung schien ihn in seinem Argwohn noch mehr zu bestärken. Schioer legte sich seine Hand auf meine Schulter, und langsam und drohend fielen die Worte: „Hat sie mit Sigurd Hall nur ihr Spiel getrieben, verjagt sie ihn, den einzigen Sohn seiner Eltern, von der Heimat, auf daß er wie ein armseliger Seefahrer in der Fremde herumirre — da sei sie verflucht in alle Ewigkeit, und verflucht sei^die Stunde, in der das tückische Meer sie an unseren Strand warf!" Mit hastigen Schritten eilte er vorwärts, ich folgte ihm, voller Besorgnis der Zukunft gedenkend, und atmete erst freier, als ich Sigurds hohe Gestalt auf der Brücke erblickte. Merken ließ sich dieser jedenfalls nichts. Er grüßte kurz, als er uns kommen sah, und fuhr mit seinen Anordnungen fort, als ob die Fahrt allein seine ganze Aufmerksamkeit erforderte. Dunkel fielen schon die Schatten des Abends über die breite Bucht, kein Lüftchen regte sich, Im Vordersteven der Boote wurden mächtige Kieufackeln aufgepflanzt, und die Männer ergriffen die langen Spieße, mit Widerhaken versehen, welche bei diesem Fischfang gebraucht werden, um den armen Meeresbewohner zu treffen, sobald er sich vom Feuerschein augelockt an die Oberfläche hinaufwagt. Erst als wir beinahe alle eingeschifft waren, kam Gunhilda mit Frau Hall, welche ihr bis auf die Brücke das Geleit gab und sie erst fahren ließ, als Sigurd auf 390 traumverloren dasaßen. Selbst Hanna hatte ihr Lachen verlernt, und unmöglich schien es, in Gunhildas Ohr leise Liebesworte zu flüstern. War es nur der unsichere Lichi- schrmmer, der sie mir jo seltsam verändert erscheinen ließ? Totenblaß, regungslos saß sie da, den Blick starr ?us dre funkelnde Brücke gerichtet, die sich! der Mond unten rm Wasser baute. Einmal beugte sie sich so tief über den Rand, daß ich sie ängstlich zurückhielt. Zum erstenmal während der langen Stunden redete air." ®xe nichts! Ich bin keine Nixe, die nachdem fte Unheil über alle, die sie liebten, gebracht hat, wieder rn den Wellen verschwindet. Ich bin nur ein armes Menschenkind, welches selbst am schwersten die Last semer Schuld trägt und sinnt und sinnt, wie begangenes Unrecht gesühnt werden könne." B Ich erschrak, mehr noch über den tieftraurigen Klang der Stimme den düsteren Ausdruck ihres Gesichts als über dre Worte selbst. „Sobald idE). mit Ihrem Pflegvater gesprochen habe, verlassen wir die Insel", sagte ich unbeholfen, und versuchte, ihre Hand verstohlen zu drücken. Mit einer Bewegung unaussprechlichen Widerwillens machte sie sich frei und tauchte die schmalen Hände nnans- gesetzt in die Flut, als ruhe darauf ein Fleck, den alle Wasser ^?tt.wicht rein waschen könnten. Tann benetzte sie sich bas Gesicht, Hals und Arme, hüllte sich! fest in ihr Tuch saß unbeweglich da, finster und bleich wie eine Statue dev Schicksals, gegenwärtig und doch wie durch eine unübersteigbare Mauer von mir getrennt. -. E5E Vranm, den 'ich in der ersten Nacht meines Hierseins gehabt hatte, fiel mir ein, und ich fühlte mein Herz m Eiseskälte erstarren. Jetzt begriff ich die seltsamen Ewpfrwdungen, die sie allen Leuten einflößte. Lag nicht E1 Wahrheit etwas Nixenhaftes in ihrem ganzen Wesen? Bald berückend, sanft und liebenswürdig, bald kühl und unnahbar, hatte sie mich vielleicht nur angezogen, um imcti' wieder svrtzustoßen. Tas Ideal eines Weibes hatte Vr-"T$E". erblickt —■ und sie war doch nur eine herzlose Gefallsüchtige, die mit allen ihr Spiel trieb, die sich nicht willenlos ihrer Herrschaft beugten. Eine Beute der widerstrei- tendsten Gefühle, saß ich da, bald mich! selbst einen Thoren scheltend bald von Zorn erfüllt gegen das schöne Mädchen, das mich keines freundlichen Wortes würdigte, nachdem ich ihr mein Bestes zu eigen gegeben. Endlich wurde umzukehren befohlen. Sigurd ruderte uK^vorbei in seinem Boot, und wieder folgten ihm bct^ Blicke. Begann ihr altes Interesse für ihn zu erwachen, wo er ihr stolz und ablehnend begegnete? War doch früher etwas zwischen den beiden vorgefallen, was man mir verheimlicht hatte? f., "Komm, Hanna", unterbrach Gunhildas Stimme plötzlich das Schweigen. „Setze Dich hier zu mir. Du siehst müde aus, Kind." 1 n „ J^wren wir denn alle unter dem Banne eines bösen Zaubers? Hannas Gesicht war blaß, und die Augen blickten mich emen Moment traurig und vorwurfsvoll an Dann legte fte leise ihr Köpfchen an die Schulter der Freundin und vermied es, mich anzusehen. . "Gegensätze streifen einander", flüsterte der Doktor, neben dem ich Platz genommen hatte. „Wer vermöchte zu sagen, welcher von den beiden der Borzug gebührt?" Ich stutzte; völlig neu war mir der Gedanke, es könne sich jemand mit der erhabenen Schönheit Gunhildas vergleichen — unb nun gar die kleine Hanna! Unerträglich war mir aber der Gedanke, dieser trockene Verstandesmensch tonne die Hand nach dem übermütigen Wildfang ausstrecken wollen. Sofort leitete ich das Gespräch auf die Reize und Vorzüge der Zwillinge, bis mich der erfahrene Weltmann kurz unterbrach. . „Kennen wir", meinte er ruhig. „Dutzendkram! Zwar '"5., Zwecke , recht brauchbar - doch still, hier ist Nicht der ~rt, , eine so heikle Sache zu erörtern. Morgen werde ich mit dem Vater sprechen — der wird chvn wissen, welche am besten für mich paßt." Reich mit Beute beladen kehrten wir heim. Wieder er- 'm Gßsaal des gastlichen Hauses ein reiches Mahl, doch letzt teilte auch die übrige Gesellschaft meine trübe Stimmung, und vergeblich versuchte es der Doktor von allen Vielleicht der einzige Unbefangene, Leben hinein- lhren wiederholten Ruf sich näherte und dem Mädchen seinen Platz anwies. Seine Stimme klang kalt und schnei- als er mit einer nachlässigen Handbewegung auf die Ruderbank zeigte, wo ich dem Doktor und Hanna gegenüber saß. Sie zuckte zusammen und wich scheu zuruck, ra erhob ich mich rasch, sprang wieder ans Land a„ trug sie wie ein Kind auf meinen Armen hinunter. Wie hilfesuchend ruhten dabei ihre Blicke auf Sigurds '..tuttcr, doch diese wandte sich seufzend hinweg und redete leise und eifrig auf ihren Sohn ein. il's Ganze hatte nur wenige Minuten gedauert — !oax rf -Cnt rUt?.' daß Gnnhilda es versucht hatte, mich fortzustoßen, daß sie sich verzweifelt von mir weggewandt hatte, nm bei Fremden Rettung zu suchen? Rettung! Fürchtete fte mich, sie, die keine Furcht kannte? Tann hatte ich wahrlich ein großes Unrecht gethan und viel gut zu machen. Ter jetzige Augenblick war aber so ungünstig wie möglich: alles schrie und fragte durcheinander, an ein Gespräch war nicht zu denken. - rv'IE Flottille von Booten lag zusammen, und eIt !d^-er genug, Ordnung herzustellen. Hier war etwas vergessen, dort zankten fiel} die Fischer um den Vorrang. Sigurd ivurde von allen Seiten gerufen, und fern kleines Kanoe schien überall gegenwärtig. Wo die tiefe «tlinme erscholl, löste sich sofort die Verwirrung; ihm vertraute die Pastorin, und der eigensinnigste See- "hve Murren. Wie gebannt folgten ihm S'ldas Augen, und ich begriff zum erstenmal, daß er «E sI1‘ Mann Jet der auch einem Mädchen mehr als pÄjZ entfloßen konnte. Und doch, lieben konnte nm Gunhilda mcht — dazu war er zu urwüchsig, zu wenig von ihrer täglichen Umgebung verschchden. Vermochte er W m S-U0e bte[e§ Geistes zu folgen, und konnte sie .^e zu ihrem Herren und Gebieter ausblicken? Vetn, ueni. Er mochte em ganzer Mann, ein echter Nach- der alten Wikinger sein, aber er war keine Per- sonlichkeit welche die Phantasie einer Gunhilda gefangen unrntp" sf°rnnte. überschätzte mich keineswegs; ich daß mm Sigurd in Kraft Und Gewandheit weit Unb haß er mit seinem sprudelnden Froh- ;“ner kecken, entschlossenen Art in einem Augenblick ge- ü innen mochte, was ich nur langsam zu erreichen im stände war. Mein Vorteil war der, daß ich der Geliebten Mahnen eröffnet hatte und ihr auch zukünftig Ge- legenheit bieten konnte, ihren Wissensdurst, ihre Sehnsucht "aup?Tm 6nT ^-eIt hu stillen. Ob ich> auch, aus die S stände sein wurde, ihr diese Welt, wo sie als wrt Hetzen, fragte ich mich nicht. Erst fort don hier, dachte ich, dann wird sich alles finden verließen^die^Roow Abfahrt. Langsam S°ote de» Hafen und glitten leise durch die mW, welche ernst und still zwischen hohen Steifen der^Fluten nf? fetten sich in der schwarzen Fläche -, EE,uten und warfen ihren flackernden Schein auf die kraftlge.i Gestalten der Fischer, welche in dem unsicberen 9f°nn»r 0bwaltig wie Recken der Vorzeit erschienen" imiprpm1« Gurken Lichte, näherten die Fische sich, bald ftn m r "ad mit gespannter Aufmerksamkeit blick- len tvii hinunter in bie Tiefe > her Unvorsichtigen mit seinem Stifter*) Ein kurzer^kräf Mfc WL M K4 w»rd- triumphierend s kurzer Entfernung folgten uns die anderen Böote das Perlen des Wassers, wenn das Lyster sein Opfer erreichte, unterbrach die lautlose Stille gange Gegend in ihrem magischen Banne gefangen hielt v-n bem roten Lichtglanz nahmen die im tiefen Schatten ruhenden Bäume und Felsen der Ufer, nn benen Sna SÄÄ* |ci"‘ d-n zauberhaft schön war das Ganze, daß wir alle zuerst in Swwiw„^0Eukümliche Fischgerät, dessen man sich auch leiste^lna" a^i^i"knGchem Zwecke unter dem Namen '' ' . 6 bebient, bejtefyt aus einem eifeinen an einem fangen Schafte beieftiat mit q I r mnte' Zähnen, die mit Widerhaken versehen sinch B Ian96n 391 zubringen. Unter dem Vorwand der Müdigkeit zog sich jeder früh auf sein Zimmer zurück, und so war der Abend vergangen, ohne daß es zwischen mir und Gunhilda zu einer Aussprache gekommen war. (Fortsetzung folgt.) Eis und Eisgelvinmng. Eine frostige Betrachtung zur heißen Sommerszeit. Bon Rudolf C u r t i u s. (Nachdruck verboten.) Wir entfernen uns im Laufe der Kulturentwickelung immer mehr von der Einfachheit des Diogenes, der seinen Becher fortwarf, als er eines Tages einen Knaben aus der hohlen Hand trinken sah, und der von dem ihm die Erfüllung irgend eines Wunsches freistellenden Macedonier- könig Alexander dem Großen nichts anderes zu erbitten wußte, als: „Geh mir aus der Sonne". Als der Philosoph von Sinope in seiner seltsamen Geist- reichheit diesen Wunsch äußerte, muß es wohl unter dem ewig blauen, lachenden Himmel Griechenlands ziemlich kalt gewesen sein. Wir wenigstens empfinden trotz des so viel rauheren Klimas unserer Heimat die Hitze meistens viel unangenehmer als die Kälte, vor der wir uns leicht zu schützen wissen, und das Eis, welches uns in den Hundstagen wie ein Stückchen mühsam erhaltener Winter erscheint, ist kein Aufwand mehr, sondern ein wahres Bedürfnis, dessen wir nicht entraten möchten. Schon ein einziger milder Winter, der es zur Bildung einer starken Eisdecke auf unseren Flüssen, Seen und Teichen nicht kommen läßt, macht den Eismangel recht fühlbar; wenn aber gar, wie es schon 1897 auf 1898 und von da auf 1899 der Fall war, zwei ungewöhnlich warme Winter auf einander folgen, kommt es zu einer wahren Eisnot, welche durch die Herstellung von Kunsteis, und durch die Einfuhr ausländischen Eises nur mühsam gedeckt wird.' In erster Linie sind es die Brauereien, in deren Kühl- und Lagerkellern ganze Gebirge von Eis "im Gewicht von vielen Millionen von Zentnern erschwinden. Die größten Brauhäuser haben sich allerdings ebenso wie die Ausfuhrschlächtereien, und einige andere Zweige der Großindustrie von den Launen der Witterung unabhängig gemacht, indem sie riesenhafte Eis- und namentlich Kaltluftmaschinen besitzen; aber auch! sie benutzen lieber das Natureis, wenn es der Winter in ausreichendem Maße liefert, da es natürlich weitaus billiger ist, als das mit Hilfe von Ammoniak und anderen Chemikalen erzeugte künstliche. Dann kommen die tausende von kleinen Brauereien, die Handlungen mit Butter, Fleisch Bier und anderen Nahrungsmitteln, welche wir uns gewöhnt haben, nur noch frisch vom Eise haben zu wollen, ferner die Konditoreien, Weinhäuser und Kaffeehäuser. Kurzum überall wird Eis verbraucht in ungeheuren Mengen, damit in den Hundstagen der lechzende Gaumen mit kühlenden Getränken und unverdorbenen Nahrungsmitteln gelabt werden kann. Hat nun der Winter die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, fo beginnt schon im zeitigen Frühjahr ein schwunghafter Eishandel aus dem Auslande. Vor einigen Jahren war es das nördliche Norwegen, welches ungemessene Mengen Eis nach Deutschland lieferte, uni)1 zwar besonders nach Bremen, Hamburg und Stettin. Die Gletscher reichen in Norwegen mit ihrem Fuße, entsprechend der hohen Breite, sehr tief herab, und so ist es denn mit wenig Schwierigkeiten verknüpft, das Eis in großen Blöcken, welche wie die Steine eines Steinbruches aus dem Gletscher herausgebrochen werden, zum nächsten Fjord, und dort in das Schiff zu schaffen. Zum Teil dienen auch Schwebebahnen, auf denen das Eis in Wagen befördert wird, oder direkt mittels Klammern am Seile hängt, zur Beförderung. Norwegen ist in der gedachten Weise schon lange Eislieferant für Frankreich und England, ja sogar für Spanien und Portugal. Der Eismangel des vorvorigen Jahres trieb aber die Preise derartig in die Höhe, daß man sich nach anderen Bezugsquellen umsah, und diese öffneten sich in reichlichen Mengen in Rußland und Finland. Von dort gehen, sowie die Häfen des finnischen und bottnischen Meerbusens im Frühjahr fahrbar werden, die Eis- fchiffe mit ihrer kalten Ladung nach den deutschen Ostseehäfen, mnd so manche hunderttausend Mark sind in den letzten Jahren dafür in die Taschen der Unternehmer und Rheder geflossen. Zum Glück sind wir aber doch nicht ganz und gar in dieser Hinsicht vom Auslande abhängig; auch unser deutsches Mittelgebirge liefert jahraus jahrein große Mengen von Eis. In erster Linie ist da das Riesengebirge zu nennen, welches einen ziemliche rauhen Winter hat, und in seinen Wasserbecken, dem unter dem Kamm gelegenen großen und kleinen Tesch eine reichliche Fundgrube bietet, welche natürlich zumeist nur den schlesischen, sächsischen und märkischen Städten und Berlin zu gute kommt, und noch eine bedeutend stärkere Ausnutzung erfahren dürfte, wenn endlich einmal das schon lange geplante Netz von Zahnradbahnen im Riesengebirge zur Ausführung gebracht sein wird. Das westliche und südlsche Deutschland wie Oesterreich deckt nach warmen Wintern seinen Bedarf selbstverständlich aus den in dieser Beziehung noch eine viel günstigere Ausbeute gewährenden Alpen. Neben dem Gletschereise, dessen Beförderung zur nächsten Bahnstation meistens mit ziemlichen Schwierigkeiten verknüpft ist, eignet sich! besonders das Eis der Alpenseen dank seiner vorzüglichen Güte zum Versand nach: weithin. Der Zeller See, der Achensee, die verschiedenen Seen des Salzkammergutes, welche seit einigen Jahren durch Bahnen dem Verkehr erschlossen sind, liefern hunderttausende von Zentnern Eis nach Wien, und anderen österreichischen Städten. Tie Bierstadt ohnegleichen München, und andere bierbrauende bajuvarische Städte sind in ihrem Bedarf reichlich gedeckt durch das Eis der oberbayerischen Seen, das übrigens, zuzeiten bis nach Norddeutschland hinein verfrachtet worden ist. Ungleich reicher entwickelt ist die Eisgewinnung auf den schweizerischen Seen und Gletschern; denn es ist nicht nur das eigene Bedürfnis des eidgenössischen Landes, welches in Hunderten von Hotels im Sommer der Mittelpunkt einer reiselustigen und ziemlich anspruchsvollen Menschheit ist, zu befriedigen, sondern auch, noch das benachbarte Frankreich zu versorgen, welches sich infolge seiner warmen Winter in steter Eisnot befindet, und in seinen bewohntesten Teilen der Schweizer Berge viel näher hat, als die im übrigen auch! sehr unzugänglichen Pyrenäen. Fast überall in der Schweiz sind daher zur Eisgewinnung dauernde Vorrichtungen wie: Schwebebahnen, Pferde-, Seil- und Zahnradbahnen geschaffen worden, so z. B. am unteren Grindelwaldgletscher, am Col de Balme im Montblanc-Gebiete, am Cassetgletscher bei Briancon, am Rhonegletscher, im Hinteren Rheinthal, und an vielen anderen Orten. Ein böses Jahr für die. Eiskonsumenten war das Wiener Welt-Ausstellungsjahr 1873. Man half sich damals, da die Eisenbahnen noch! nicht bis in das Herz der Alpen führten, mit dem Eise der zahlreichen oberungarischen Eishöhlen, welche, zum Schrecken der Touristen, ihren herrlichen Schmuck hergeben mußten, der auf der Kaschau- Oderberger Bahn nach der Kaiserstadt an der Donau befördert wurde. Seit der Eröffnung der Zahnradbahn nach dem Csorbasee sind es aber dessen Vorräte, die nach Wien, und zum Teil auch nach den preußischpschlesischen Städten wandern. Tie Nordamerikaner, über deren Land in manchem Sommer schon mehrere jener Hitzqnellen hingegangen sind, wie wir sie, auch wenn alles bei uns über tropische Temperatur jammert, nicht kennen, haben in den großen kanadischen Seen, und in jenen Labradors unerschöpfliche Eismagazine. Es ist bekannt, daß auf diesen Seen das Eis alljährlich eine geradezu ungefüge Dicke erreicht, welche es ermöglicht, in Toronto und Montreal zur Faschingszeit wahre Eispaläste zu errichten, in welchen sich das tanzlustige Volk auf krystallenem, gefrorenem Parkett dreht. Dieses Eis, welches eine Dicke von ein einhalb Metern und darüber, erreicht, wurde seiner Zeit mittels Schiff bis weit nackj den Südstaaten der Union, bis Mexiko, nach den zentralamerikanischen Republiken, ja sogar bis Südamerika verfrachtet. Jetzt ist jedoch dieser Ausfuhrzweig aufgegeben, da derselbe auf so bedeutende Entfernung bei der heutigen - 392 — Verbilligung der Herstellung von Kunsteis nicht mehr lohnend ist. Ilm so reger ist dasür der Vertrieb nach den mittleren und nördlichen Teilen der Union, deren fict; stets erweiterndes Kanalnetz eine billige Verfrachtung gestattet. Eine originelle Idee war es, das Eis des höchsten Nordens, welches im Frühjahr und Sommer an den öst- ljchen Küsten Amerikas heruntertreibt, dem menschlichen Verbrauch zuzuführen. Bekanntlich schwimmen in den Polarmeeren zweierlei Eis, nämlich das direkt aus Meerwasser gefrorene, welches Eisfelder von 5—6 Meter Ticke bei oft meilenlangem Umfange bildet und beim Schmelzen, da der größte Teil des Salzes beim Gefrieren sich ausscheidet, ein schwachsalziges, brackiges Wasser gießt, und das reine Süßwassereis der Eisberge. Letztere sind nichts anderes als losgerissene Stücke der sich, von den Grönlandbergen bis ins Meer hineinschiebenden Gletscher, und treiben in tansenden von Exemplaren im Frühjahr bis gegen den Herbst, langsam in dem wärmeren Meerwasser der südlicheren Breiten abschmelzend, an der Ostküste Amerikas bis zum 34. Breitengrade herunter. An den Neufundlandsbänken und in Neuschottland, in dessen gefährlichen Nebeln schon manches brave Schiff mit einem Eisberge zusammengestoßen ist, nm auf immer zu verschwinden, ist es ein ganz lohnendes Geschäft, mit kleinen Schleppdampfern auf kleinere Eisberge Jagd zu machen, und dieselben vertäut und verkettet, nach! dem nächsten Festlandshafen zu schleppen, wo der Erlös der 50 000 bis 100 000 Zentner Eis immerhin in geeigneten Sommern einen hübschen Verdienst abwirft. Wo Eis gar nicht zu haben ist, begnügt man sich gern mit dem minderen Schnee. Tas gilt namentlich von Italien, wo die Sitte, eisgekühlte Getränke zu genießen, bis in die untersten Schichten der Bevölkerung herabreicht. Der 3000 Meter hohe Aetna, der sich im Winter oft bis weit hinab in einen Schneemantel hüllt, wird zu Zeiten des Schneefalles von hunderten von Menschen abgeerntet, welche den Schnee emsig zusammenkratzen, und in sonnengeschützten Höhlungen anfstapeln, um ihn in den heißesten Monaten mit Maultieren oder in Traglasten nach! Messina, Catania und den anderen Städten der sizilianischen Küste herabzuschaffen, wo derselbe willige Abnehmer findet. In ebenderselben Weise werden Rom und Neapel aus den Albanerbergen und den Apenninen mit Schnee versorgt, der in mächtigen Schneekellern untergebracht wird. Ganz das Gleiche geschieht übrigens auch im westlichen Deutschland, dessen unvergleichlich! milder Winter der Eisversorgung der Städte am Rhein und Main oft große Schwierigkeiten bereitet. Im Spessart, in der Rhön, im Westerwald, am Vogelsberg mangelt es auch in warmen Wintern selten an Schnee, mit welchem günstigenfalls in den Monaten Januar bis März ein schwunghafter Handel nach Frankfurt, Mainz und anderen Städten der Main- und Rheingegend getrieben wird. Tas aus dem Auslande eingeführte Eis repräsentiert übrigens gar keinen so unbedeutenden Wert; man bewertet die Einfuhr des Frühjahrs 1897 in Teutschland auf mindestens vier Millionen Mark und die folgenden um mindestens zwei Millionen höher. Ein kleiner Teil des nationalökonomischen Vorteils, welcher sich aus dem geringeren Kohlenverbrauch' eines besonders warmen Winters ergiebt, geht also immerhin wieder verloren. Tie Kälteindustrie und Fabrikation von Kunsteis, welche jetzt hauptsächlich mit Ammoniak arbeitet, dürfte übrigens eine Umwälzung erfahren, welche, wenn, wie jetzt in Kürze zu erwarten sein dürfte, flüssige Luft eine billige Marktware wird. Noch harren zahllose unausgenutzte Wasserkräfte der Verwertung, welche zum Teil auch der Gewinnung von flüssiger Lust dienen werden. Diese erzeugt aber bei ihrer Verdampfung eine ganz ungeheuere Kälte von nahe an 200 Grad, welche mit Vorteil zur Eisherstell- ung benutzt werden kann, und namentlich dem Kellereibetriebe der Grohbranereien wesentlich zu statten kommen l Bürgerliches Hausbuch. Ein Hechts- und geschäftskundiger Führer und Ratgeber für alle Stände und Berufs klassen. Von Ang. Heckelmann, Handelslehrer in Offenbach a. M., Dozent an der Großh. Technischen Hochschule in Darmstadt. Gießen. Verlag von Emil Roth. Preis in Leinenband 2 Mark. Das ,,B ü r g e r l i ch e H a u s b u ch" ist auf einen weiten Abnehmerkreis berechnet, indem es Führer und Ratgeber für alle Stände sein soll. Tie Hauptaufgabe des Buches gipfelt in der rechtsgemüßen kaufmännischen Beleuchtung des gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Getriebes, in der Popularisierung der Rechts- und Handelskunde für die breiteren Volksschichten, ganz besonders für den Gewerbe- und Handwerkerstand berechnet, der die Weckung des Sinnes für Ausbildung, die Stärkung des Standes- bewußtseins, die Belebung des Unternehmungsgeistes, die Ausrüstung für den gesteigerten Kampf ums Dasein und das Eindringen in den Geist des Fortschrittes vornehmlich! nötig hat. Der dargebotene Stoff ist, wie schon ein oberflächlicher Blick in die Inhaltsübersicht beweist, ein überwältigender, aber die Darstellung desselben ist so durchgeführt, daß das Buch eine interessante, angenehme und leichtverstündliche Lektüre gewährt, belehrend, warnend und aufmunternd nach jeder Seite hin. Es behandelt den Entwickelungsgang der verschiedenen Berufsarten, das kaufmännische Wissen und Können, beantwortet die Frage: wann ein Handwerker zu den Kaufleuten gerechnet wird, verbreitet sich über das Gesellschafts- und Genossenschaftswesen, sowie über das Registerwesen, die neue soziale Gesetzgebung und das Konkurs wesen; auch auf die zu gewärtigenden Strafen im allgemeinen und besonderen geht das Bürgerliche Hausbuch! näher ein. Die sich anreihenden Abschnitte sind der deutschen Reichsverfassung und der deutschen Gerichtsverfassung gewidmet, jedoch ebenso wie die vorhergehenden in möglichst knapper aber klarer Form gehalten. Von weiteren Abschnitten seien noch folgende genannt: Von den Verträgen, das Einkommen, Besitz und Eigentum, Pfandrecht an Grundstücken und an beweglichen Sachen, was im Zivilprozeß nicht gepfändet werden kann, der Luxus, die bürgerliche Ehe, das Erbrecht, das Geld und seine Bedeutung, die kaufmännischen Zahlungsmittel, wie man Ersparnisse zinstragend anlegt, von der Schrift-, Rechnungs- und Buchführung re. Also an Reichhaltigkeit läßt das Bürgerliche Hausbuch nichts zu wünschen übrig. Schließlich sei nur noch erwähnt, daß der „Triumpf der Arbeit" an über hundert Beispielen dargethan wurde, während durch Anführung einer weiteren Anzahl von Fällen der Beweis erbracht werd, daß in Geldsachen die Gemütlichkeit aufzuhören hat. Bei dieser Reichhaltigkeit und dem geringen Preis bedarf das Bürgerliche Hausbuch einer besonderen, ausdrücklichen Em - pfehlung wohl nicht. Gewerbeblatt für das Großherzogtum Hessen. Rätsel. Nachdruck verboten. ■ Der Schüler trägt's mit ems'gern Fleiß, Dem Lehrer dient's zum Unterrichte. Im Zimmer steht's, der Hausfrau Preis, Es bietet köstliche Gerichte. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.: Lust und Liebe machen jede Arbeit leicht. Auflösung des Preisrätsels in Nr. 93 der Familienblätter r 31 32 27 23 30 34 33 28 29 Es gingen insgesamt 22 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 5, Einsenderin: Frl. Irmgard Birnbaum, Gernsheim a. Rh. Der Preis — Rosen, Der Mönch von Sankt Blasien, geb. — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquitlung in der Geschäftsstelle der „Familienblätter" in Empfang zu nehmen. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brllhl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckcrci (Pietsch Erben) in Gießen.