M • M <;•> J ■ r lT'.1l'uS3^Ar,n ^TCn jdsjlJtn Gedränge hier auf Erden TkWt Kann nicht jeder, was er will. §5» Goethe, Des Epimenides Erwachen. (Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) „Tret Tage später kam aus Breslau, wo Wedeking seinen ständigen Wohnsitz hatte, die Nachricht, daß er ohne vorausgegangene Krankheit an einem Schlagfluß gestorben sei. Und wieder nach Verlauf weniger Tage wurde Georg von Restorp an das Sterbelager seines Bruders gerufen. Er fand den unglücklichen Dietrich schon sehr schwach, doch bei ungetrübtem Bewußtsein und klarem Verstände. Noch in ihren letzten Gesprächen war von dem mißglückten Salzbergener Spekulationsgeschäft und dein unverkäuflichen Besitzanteil die Rede. Eine Veräußerung war also inzwischen nicht erfolgt, und da Dietrich von Restorp sechsunddreißig Stunden später in den Armen seines Bruders starb, mußte dieser sich überzeugt halten, daß zu der Hinterlassenschaft des Verblichenen auch jenes Eigentumsrecht gehöre. Er war unvermählt gewesen, und seine gesetzlichen Erben waren die Geschwister Georg von Restorp und die inzwischen bereits verwitwete Editha Boysen. Nun aber ergab sich etwas höchst merkwürdiges. Als Besitzer des Terrains war in den Grundbüchern des Kreises lediglich der Kaufmann Julius Wedeking eingetragen, und nirgends, weder in seinen Büchern noch in Dietrich von Restorps nachgelassenen Papieren, fand sich ein dokumentarischer Beleg dafür, daß er das Kaufgeschäft in Gemeinschaft mit einem andern gemacht habe. Es war offenbar eine jener Vereinbarungen „auf Treu und Glauben" gewesen, wie sie zwischen' den beiden Freunden Jahrzehnte lang die Stelle ordnungsmäßiger kaufmännischer Kontrakte vertreten hatten, und der zufällige Umstand, daß sie beide fast gleichzeitig aus dem Leben geschieden waren, machte eine klare Feststellung des Sachverhalts außerordentlich schwierig. Der alleinige Erbe des verstorbenen Wedeking, sein einziger Sohn, hatte damals das Alter der Volljährigkeit noch nicht ganz erreicht, und seine Vormünder thaten nur ihre Pflicht, wenn sie sich entschieden weigerten, einen Anspruch anzuerkennen, dessen Berechtigung durch nichts anderes erwiesen werden konnte, als durch Georg von Restorps Bericht über die angeblichen Aeußeruugen seines Bruders. Ein sofort angestrengter Prozeß würde ja vielleicht damals zu einem für die Geschwister günstigen Ergebnis geführt haben. Aber er wäre jedenfalls sehr langweilig geworden und hätte Kosten verursacht, die zu dem damaligen Werte des Streitgegenstandes in gar keinem Verhältnis standen. Editha Boysen wollte denn auch nichts von einem solchen Prozeß wissen, und Inges Vater hatte vermutlich guten Grund, alle überflüssigen Ausgaben zu vermeiden. So kam es, daß er seinen Anspruch nicht weiter verfocht, und daß der junge Wedeking sich beinahe zehn Jahre lang für den alleinigen Besitzer der Oedländereien bei Salzbergen halten durfte." „Nun? — Und jetzt? Ist es dieser Anspruch, der die Millionen Deines Schwiegervaters darstellt?" Bernhard Sylvander nickte. „Vor zwei Jahren wurde an einer anderen Stelle in der Umgebung des berühmten Soolbades ein mächtiges, unterirdisches Lager von Kalisalzen entdeckt. Der Regierungs- Assessor Wedeking ließ daraufhin sein noch immer unverwertetes Terrain von sachverständigen Geologen untersuchen und auf ihren Vorschlag an fünf verschiedenen Stellen Bohrlöcher in die Tiefe treiben. Das Ergebnis muß ein über alle Erwartung glänzendes gewesen sein; denn es ist vollkommen richtig, daß ein zu diesem Zweck zusammengetretenes Konsortium von Finanzleuten dem Besitzer das Terrain für ungefähr vier Millionen Mark abkaufen will, um es dann durch eine Aktien-Gesellschaft ausbeuten zu lassen." Hanna war stehen geblieben, und der Rechtsanwalt fühlte, wie ihre kleine Hand seinen Arm mit festerem Truck umschloß. „Tas also ist es! Und wenn es gelänge, den Nachweis zu führen, daß Dietrich von Restorp der Miteigentümer war, dann würde die Hälfte dieser Millionen Deinem Schwiegervater und Harro Boysen gehören?" „Ja — wenn es gelänge! Aber wie die Dinge einmal liegen, ist ein solcher Nachweis so gut wie unmöglich. Man braucht nicht einmal Jurist zu sein, um das einzusehen!" „Sage mir ganz offen, Bernhard! Hältst Tu die Erzählung des Herrn von Restorp für wahr?" „Nachdem ich einen Teil der alten Korrespondenz seines verstorbenen Bruders durchgesehen und mich davon überzeugt habe, mit einem wie beispiellosen Leichtsinn sich Dietrich von Restorp ohne bindende Verträge und gehörig formulierte Abmachungen in die waghalsigsten Geschäfte einzulassen pflegte —' seitdem ich namentlich einen Einblick in die Art seiner Beziehungen zu jenem Wedeking gewonnen, habe ich für meine Person allerdings kaum einen Grund, daran zu zweifeln." „Und es ist nichts — gar nichts schriftliches vorhanden, das sich als Beweismaterial verwerten ließe?" „Nichts. Inges Vater hat zwar den brieflichen Nachlaß seines Bruders mit rührender Pietät aufbewahrt. Aber in diesem ungeheuren Wüst von ungeordneten Papieren 262 hat sich bis jetzt nicht eine einzige Zeile gefrtnben, die als Beleg für einen gemeinschaftlichen Kauf des Salzbergener Terrains gedeutet werden könnte." „Bis jetzt — sagst Tu? Man hat also die Papiere noch nicht einmal vollständig durchforscht?" „Tas zu thuii, wäre eine Arbeit von Monaten oder vielleicht von Jahren. Herr von Restorp hat sie nach einigen tapferen Anläufen verzweifelt aufgegebeu, weil er nach seiner Erklärung darüber den Verstand zu verlieren fürchtete. Inge - aber, die geduldiger und beharrlicher ist als er, hat wenigstens den Briefwechsel und die verstreuten Aufzeichnungen aus dem letzten Lebensjahre ihres Oheims so weit gesichtet, daß sich daraus im großen und ganzen ein Ueberblick gewinnen läßt. Wie wenig dabei für die in Rede stehende Angelegenheit herausgekommen ist, habe ich Dir bereits gesagt." „Und wo befinden sich die Papiere? Bei den Restorps?" „Nein, sie sind sämtlich in meinem Bureau, wohin Inges Vater sie zu meiner Information, wie er sagte, in einer großen Kiste schaffen ließ. Ich habe sie zum guten Teil durchgesehen, von einer Fortsetzung der ganz unfruchtbaren Arbeit aber auf Inges Versicherung hin, daß sie nichts irgend wie Bedeutsames enthielten, Abstand genommen." „Und worauf hast Du Deinen Prozeß gegen jenen Wede- king gegründet? Tenn er ist doch eingeleitet werden, dieser Prozeß?" „Allerdings, wenn auch nicht in dem Umfange, wie mein Schwiegervater es wünschte. Um eine Klage anzustrengen, bereit Objekt sich auf Millionen ober auch nur auf Hundert- tausenbe beziffert, hätte es eines Gerichtskosten-Vorschusses bedurft, wie ihn der verarmte Vater meiner Braut niemals hätte aufbringen können. Der von mir erhobene Anspruch geht deshalb nur auf die Zubilligung gewisser Verfügungsrechte, deren Anerkennung allerdings zugleich eine grundsätzliche Anerkennung des Besitzrechtes in sich schlösse. Wir werden den Prozeß selbstverständlich verlieren; aber ich bin entschlossen, ihn burd) alle Instanzen zu führen, weil bas ganze Dasein bes armen Herrn von Restorp gewissermaßen auf diesen schönen Wahn gebaut ist, und weil er seine unglückliche Lage kaum empfindet, so lange er mit jener Million wie mit einem sicheren Besitztum rechnet." „Und wenn er auch in der letzten Instanz abgewiesen sein wird — was bann?" „Ich mag heute noch nicht daran denken, was dann geschehen wird. Es können Jahre darüber vergehen, ehe es soweit ist, und während dieser Zeit ist er jedenfalls sicher vor der Gefahr, in die Hände eines Advokaten zu fallen, der seinen unerschütterlichen Glauben an einen endlichen Sieg dazu ausbeutet, ihn durch endlose Gebühren-Rech- nungen an den Bettelstab zu bringen." „Tein Freund Harro aber — wie denkt er über den Prozeß?" „Er findet ihn thöricht und lächerlich. Die Hoffnungen des Herrn von Restorp sind in seinen Augen nur schillernde Seifenblasen. Und daß er sich niemals bemüht hat, das zu verbergen, hat die Entfremdung zwischen ihm und dem Oheim zu einer vollständigen gemacht." Ohne darauf zu achten, waren sie aus den finsteren Laubgängen des Tiergartens wieder in die hell erleuchtete Straße gelangt. Mit Erstaunen nahm Bernhard wahr, daß die Wangen seiner Schwester heiß gerötet waren, und daß ihre Augen seltsam leuchteten. Noch ein paar Schritte that sie schweigend an seiner Seite, dann sagte sie plötzlich: „Nimm mir's nicht übel, Bernhard, — aber die Sache Deines Schwiegervaters ist bei Dir nicht in den besten Händen. Nicht in die Länge ziehen solltest Du als sein Sachverwalter den Prozeß, sondern Tu solltest ihn gewinnen." Mehr befremdet, als erzürnt, sah ihr der Getadelte ins Gesicht. „Und willst Du mir vielleicht auch sagen, Hanna, wie ich das anfangen müßte?" „Nein; denn ich bin kein Jurist. Wenn ich es wäre — ich würde ihn sicherlich gewinnen!" „Bergieb! Aber bei allem Respekt vor Deinen Geistes- gäben: daß Du das Unmögliche möglich machen könntest, wage ich denn doch zu bezweifeln." „Daß Du es für unmöglich hältst, ist eben, was ich Dir zum Vorwurf mache. Statt Deine Sache selbst von vornherein als eine verlorene anzusehen, solltest Tu an ihren Sieg glauben, wie es die Restorps thun, und —" „Tu irrst, Hanna! Weder Inge noch ihre Mutter glauben an einen solchen - Sieg." „Weil sie schwache und furchtsame Naturen sind", fuhr sie fast heftig auf, „die eilte ein schüchternes Kind, und die andere eine kranke, gebrochene Greisin. Tu aber bist ein Mann, und Tu dürftest Dich wahrlich nicht an Energie von diesem heruntergekommenen Gutsbesitzer beschämen lassen. Der Mann mag ein Narr sein, und ein Egoist vom reinsten Wasser. Mer sein gesunder Egoismus gefällt mir, und in seiner Narrheit steckt mehr Kraft und Verstand, als in Eurer allzu bereitwilligen, schwächlichen Entsagung. Die Göttin des Glücks streift an Dir vorüber, Bernhard, und wenn Du jetzt nicht mit beiden Händen zugreifst, sie zu halten, so ---" „So würdest Du mich als einen Dummkopf verachten. War es nicht das, was Tu jagen wolltest, Hanna?" Unwillig warf sie das schöne Haupt zurück. „Ah, was hilft es, viele Worte zu machen, wenn wir uns doch bei alledem so wenig verstehen! Du hättest statt eines Rechtsanwalts lyrischer Dichter werden sollen, einer von denen, die ihr Glücksideal darin erblicken, mit dem geliebten Wesen auf einer weltentlegenen Insel von Datteln und frischem Quellwasser zu leben." Er nahm ihre Worte für einen Scherz und lachte fröhlich aus. Sie aber sprach während des ganzen .übrigen Weges nichts mehr, und so oft er einen Blick aus ihr Gesicht warf, sah er, daß ein eigentümlicher Ausdruck angestrengten Nachbenkens in ihren Zügen war. Als sie oben in der Wohnung angelangt waren, und als er glaubte, nun wieder von anderen Dingen sprechen zu dürfen, unterbrach sie ihn zu seiner Ueberraschung schon bei den ersten Worten durch die Frage: „Willst Tu mir gestatten, Dietrich von Restorps hinterlassene Papiere durchzusehen? Wenn es auch eine Arbeit von Monaten sein sollte — ich schrecke nicht davor zurück." Er zögerte ein wenig; aber als sein Blick dem ihrigen begegnete, ließ er seine Bedenken fahren. „Wenn Herr von Restorp nichts dagegen einzuwenden hat, weshalb sollte ich es Dir verwehren! Aber es wird eine sehr wenig vergnügliche Beschäftigung sein, Hanna, und ich meine. Tu könntest Deine Zeit auf angenehmere Weise hinbringen als mit einem so nutzlosen Bemühen." „Lassen wir es auf den Versuch ankommen", erwiderte sie ruhig. „Vielleicht hat mich das Schicksal doch noch zur rechten Zeit hergeführt, um Tir zu Deinem Glücke zu verhelfen, wäre es auch ein wenig gegen Deinen Willen." (Fortsetzung folgt.) Giftiges Thongeschirr. Von Arnold Rohde. (Nachdruck verboten.) Man hat in neuerer Zeit vielfach versucht, die wegen ihres Bleigehaltes giftig wirkenden Glasuren der Thon- geschirre durch! Baryt- ober Kalkalkali-Glasuren zu ersetzen. Aber sie können bie Bleiglasuren nicht verbrängen, da sie weit teurer als diese sind. Auch kann häufig das irdene Geschirr nicht die hohen Temperaturen vertragen, welche zum Einbrennen der durchsichtigen Erdglasuren aus Thon- erde, Baryt und Alkalien erforderlich find; denn, wenn diese die Schmelztemperaturen erreicht haben, so beginnt auch! schon bie darunter liegende Grundmasse der „Scherben" zu schmelzen. . Indessen wäre es thöricht, anzunehmen, daß die Blet- glasur der Töpfergeschirre immer schädlich wirken müsse; sie kann im Gegenteil den strengsten hygienischen Anforderungen genügen, wenn sie sachgemäß zusammengesetzt und gut eingebrannt wird. Wird bie Glasurmasse richtig und vollkommen gemischt, und das Brennen der Geschirre nut der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt, so wird aus der glasierten Oberfläche ein Bleisilikat entstehen, welches der auflösenden Wirkung verdünnter Säuren und,sonstiger Substanzen widersteht. 263 — abgiebt. n aber haben die mannigfachen Untersuch- unaen ergeben, daß die Fabrikanten sehr wohl bei der nötigen Sorgfalt Gefäße mit bleihaltigen ^alur^^te5 können, welche das Mer nrcht bet Behandlung mt irbtoacbett Säuren freigeben. So wurden B- zehn -toPT geschirre verschiedener Firmen von der Königlichen chemt- schen Zentralstelle für öffentliche Gesundheitspflege tn Dresden geprüft, und es zeigte sich- daß em f ; völlig gleichgiltig gegen die Säuren verhielt. Man hatte den Topf, wie die übrigen, zuerst mit einem vrerprozenttge Essigsäure enthaltendem Essig gefüllt, diesen eme Stunde lang darin gekocht und darauf auf Bleigehalt geprust. Tann folgte die gleiche Operation mrt achtprozentigem, und zuletzt wieder mit 4 prozentigem Essig. EinGeaß zeigte eme besonders hohe Bleiabgabe; nun erbot sich der betreffende Fabrikant, gleichfalls Gefäße zu liefern, welche gar kem Blei abgeben sollten, und tatsächlich brachte er nach^zwm Vaaen zwei Töpfe, aus welchen auch bet längerer Behänd- £?gmit koch/ndem Essig keine Spur Blei geM wurde Ter Fabrikant hatte unter Anwendung desselben Thons und derselben Glasur das Geschirr nur stärker gebrannt ) Eine bleihaltige Glafur hat sich) bet den mannigfachen Untersuchungen als hygienisch ganz unanfechtbar erwiesen und wurde gleichzeitig von den Prakttkern des ToPferet Gewerbes auch, als technisch vollkommen befriedigend an- "" *) Bgl. Dr. Otto Dammer, Lexikon der Verfälschungen. Mode. eine lehr qMe ^Schneiderin oder durch die Selbstanfertigung jm Hause rüelt wird nilmals aber durch fertig gekaufte Koufektwnsgegens aude. Da die nuten Schneiderinnen aber auch tn den genannten Großstad. -" .? fn di- Kausschneiderei viel verbreitet, wozu die dort Lemew käusi ckefertiq'nWitte die wertvollste Hilfe bieten. Mögen sich Msere dmtschen Damen ein Beispiel daran nehmen, zumal bie ^inv - tmtioua e Schn ttmanufaktur, Dresden, sorgfältig ausprobterte moder , .: SchnM in jeder Größe liefert, welche, da sie nut genauer Anleitung ver. 2n sind über alle Schwierigkeiten mit spielender Leichtigkeit hmwegheveu Die Auswahl der Schnitte erfolgt nach einem reichhaltigen, einen Ueoei .n, über die neuesten Moden bietenden Modenalbum, welches gegen Ems.mdnvg Don 50 Pfg. von genannter Firma zu beziehen ist. Tie aus durchsichtigem, leicht schmelzbarem Thonerde- I Bleiglas bestehenden Glasuren werden in recht umfassen- I der Weise angewandt, so bei Steingut, Fayence, dem ge- I wohnlichen Töpfergeschirr, bei englischem und französischem I Frittenporzellan itftoi Erfolgt das Einbrennen der Glasur I unter hoher Temperatur, fo sättigt sich das Bleioxyd nut I Kieselsäure, wie das bei gutem Steingut und Majolika I der Fall ist. Aus derartigen keramischen Erzeugnissen ver- I mögen Säuren nicht Blewxyd auszulösen; daraus erhellt, I daß man absolut unschädliche Bleiglasuren erhalten kann. I Tie gewöhnlichen Töpfergeschirre werden aber tn der I Regel nicht so sorgfältig gebrannt, und es hangt allem I von dem Quantum des gelösten Bleroxyds ab, ob dasselbe 1 gesundheitsschädlich zu wirken vermag. I Die Zusammensetzung der Glasurmasse ist von der I Beschaffenheit des Thons abhängig. Gewöhnlich bestehen 1 die Glasuren aus einer Mischung von Bleiglanz oder Bler- I glätte mit Thon und Sand, wozu noch Mctalloxhde kommen, I welche den Zweck haben, der Glasur bestimmte Färbungen I 'u verleihen; insbesondere verwendet man häufig Oxyde I von Kupfer, Eisen und Mangan. In den meisten Fallen I wird man aber, wie z. B. die Untersuchungen des chemischen 1 Laboratoriums der königlich württembergischen Zentralstelle I für Gewerbe und Handel ergeben haben, nachweisen können, I daß sich ein Teil des Bleigehalts der gewöhnlichen Topfer- qeschirre in den Säuren löst. Und gerade in den seltensten I Fällen erweist sich der Bleigehalt so gering, daß er als unschädlich bezeichnet werden kann. Tas tst Veranlassung genug, derartige Töpfergeschirre mit Vorsicht zu gebrauchen. Wenigstens sollte man nicht gerade, wie viele Hausfrauen thun, in solchen Thongefäßen Früchte u. dergl. unter Verwendung von Essig konservieren, bezw. die bekannten sauren ] Heringe einlegen. Die Anwendung bleihaltiger Glasurm überhaupt zu verbieten, geht leider nicht an, da man dann den größten Teil aller Thongeschirre und bannt gleichzeitig eine blühende Industrie vernichten mußte. Aber Koch und Köchin müssen mit den Eigenschaften der Gefäße, mit denen sie arbeiten,. ebenso vertraut sein, tote nut den Nahrungsmitteln selbst. Sie müssen darauf halten daß für die bezeichneten Zwecke das sogenannte Gesundherts- geschirr angeschafft wird, das sind Töpfe von Steingut oder Steinzeug mit bleifreier aus Borax, Wasserglas usw. be- stehender Glas je « Geschirre sind diejenigen, deren Thon- maiie arößere Mengen Eisen und Kalk, aber wenig Kieselund Thonerde enthalten, und deshalb leicht schmelzbar sind. Diese Geschirre, welche sich meist rot brennen, vermag man nicht hohen Temperaturen auszusetzen, und so muß auch eine Glasur gewählt werden welche schonbei geringer Temperatur ausgeschmolzen werden kann, .^^^ ist stets sebr bleihaltig, und es ist unmöglich, sie so zusammen, zusetzen und zu brennen, daß sie im Gebrauch kem Blei erkannt. Dr. von Knarre beschreibt ihre Zusammensetzung und Verwendung in folgender Weise: Ein Gemenge von 60 Teilen Bleiglätte (oder auch je 30 Teilen Bleiglatte und Mennige), 10 Teilen weißbrennendem, quarzhaltigem Thon, und 12 Teilen weißbrennendem Quarzsand wird aus der Glasurmühle naß gemahlen; dann einige Tage, bi§_ bte entstandenen Blasen wieder verschwunden sind, mit Wasser in Berührung gelassen, worauf man nach dem Abgießen des letztern mit dem Glasieren beginnen kann. Nachdem die Glasur auf den Geschirren bei einer Temperatur von etwa 1100—1200 Grad vollständig m Fluß geraten ist, hat dieselbe, um sich! mit dem Thon vollständig verbinden zu können, mindestens 4—5 Stunden m dem Hitzearad zu verbleiben; das Blewxyd wird sich m dem angegebenen Zeitraum teils verflüchtigen, teils mit der Kwsel- Fäure des Thons verbinden, und kieselchures^ Blewxyd (Blci- alas) bilden, welches von verdünnten Sauren, wie sie beim Gebrauche der Geschirre in der Haushaltung vorzukommen pflegen, gar nicht, oder in kaum merklichem und vraktisch unbedenklWem Grade angegriffen wird ! Zur Untersuchung der Gefäße auf Bleiabgabe füllt man sie mit schwachem Essig, und erwärmt sie einige Zeit. Versetzt man dann den Essig nach) Abkühlung nut Schwefel- wasserstoffwasser, so bleibd der Essig,farblos, wenn kem Blei zugegen ist. Bei geringerm Bleigehalt entsteht eine braun^Färbung, bei größerem Bleigehalt ein schwarz- 6laU$ie fkgl.^Wür ttemb er gische Zentralstelle sür Handel und Gewerbe schlug folgende Prüfung vor: Man fülle die Ge- I säße mit heißem, möglichst farblosem Essig, der etwa nut I eindrittel Wasser verdünnt ist, lasse das Gesäß an einer I warmen Stelle des Herdes etwa eine Stunde lang stehen, unLEße dann di? Flüssigkeit in ein farbloses durch, I lickitiaes Trinkglas; nun bringe man in die chlussigteu I einige Tropfen klarer Schwefelleber-Lösung, dremanin »der Mvtheke bekommt; wenn die Flüssigkeit sich nur I weißlich trübt, so war kein Blei gelöst; war wenig Blei rarföft so färbte sie sich bräunlich; wenn größere Mengen I Bwi gelöst waren, so färbt sich die Flüssigkeit.braunschwarz, I .,nd es scheidet sich ein braunschwarzes Pulver (Schwefel- Ei) V“Ä »»« S8c|*ff=nt,rit mb «8 I nun für welche wir besondere Aufmerksamkeit Ulid Vor- I Mt' anempfehlen. Solche bleireiche Glasur nutzt sich', weil I i/ sehr weich ist, beim Reiben und Rühren leicht ab, so I anw bierdurch Blei sich den Speisen beimengen rann. 6 ä m «ber SgeUefen, d-ß M» beim Weiten • I Kocken mit Essig, in den betreffenden Gesäßen viel weniger I «Ui gelöst wird, und daraus wird man entnehmen können, I wie zweckmäßig es ist, Thongeschirr vor der Benutzung I mit starkem Essig auszukochen. Doch eignet sich, tote Such- ! ^rständiae schon immer betont haben, zur längeren Auf- I bewahrung von saur en Speisen oder FlüssigkeitenTopser- I 0eftJ,irie verschFÄnen Sanitätsbehörden geben verschiedene I Methoden zur Untersuchung des Töpfergeschirrs an, aber I txinc dieser Behörden hält die Untersuchungen derselben I «fr überflüssig. Man kann daraus entnehmen, welch hi he Bedeutung man diesem Gegenstände bennessen muß und wie wichtig es ist, in der Küche nicht nur auf die tadel- I lose Beschaffenheit der eingekauften Waren, sondern arwg 1 auf die tadellose Beschaffenheit der Töpfe zu achten. 264 Modenbericht über Frühjahrskleider. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen , Schnittmanufaktur Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch ä 50 Pfg. daselbst erhältlich. Figur 1. Figur 2. mit möglichster unterer Weite zu vereinigen. Die einfachste und sicherste Methode hierfür ist ja ohne Zweifel der Serpentinbesatz, und zwar derjenige, welcher in Kniehöhe angesetzt wird; denn der kurze ergibt die moderne Linie nur unvollkommen. Dabei ist es Hauptbedingung, daß der Ansatz desselben sich so wenig wie möglich kenntlich macht, was bei schweren Stoffen durch eine einfache Naht, deren Ränder oben und unten je durch eine Stepplinie festgehalten werden, am besten erreicht wird. Gutes Bügeln ist dabei unerläßlich. Durch dichtes Absteppen des Besatzes, welches sich auch noch bis einige Centimeter über den Rock hinauf zieht, wirü der Ansatz gleichfalls so verwischt, daß man ihn kaum sehen kann, sodaß der Rock wie aus einem Stück geschnitten erscheint. Auch ganz schmale Bisensäume, nicht mehr als 1 bis 17a cm von einander entfernt, werden oft von oben bis unten in den Besatz genäht und außerdem im Rock noch einige Male handbreit wiederholt, um den Ansatz noch besser zu verwischen. Zugleich geben sie dein Rockrand einen ganz bestimmten Halt, welcher sonst durch nichts wieder erreicht werden kann. Eine andere sehr beliebte Schnittform für Röcke ist die der ausgeschweiften Nähte bei ziemlich zahlreichen Teilen. Die Nähte ermöglichen gleich von vornherein die oben nur mit Hilfe der Schleppe erzielen, weshalb die Mode, so wie sie jetzt ist, eben nur für den Salon geschaffen zu sein scheint. Da wiederum ist der oben glatt in den Bund gefaßte, nach unten lang und faltig ausfallende Rockschnitt hinten mit gegenseitiger Falte entschieden der graziöseste; denn er begleitet jede Bewegung des Körpers mit einem ansprechenden Faltenwurf. Auf der Straße aber ist davon nichts zu sehen; denn jeder Rock, auch wenn er nicht mit Schleppe geschnitten ist, muß gerafft werden, und das, was immer von den Gegnern der Schleppe in's Treffen geführt wird, das Nachschleifen des Rockes im Straßenschmutz, sieht man in Wirklichkeit so gut wie gar nicht, und bei Röcken mit richtiger Schleppe noch seltener, als bei runden Röcken. Die Sauberkeit über alles liebenden Amerikanerinnen und Engländerinnen haben uns deshalb auch den kurzen, 6—8 cm vom Boden abstehenden Straßenrock überbracht, welcher aber trotz seiner großen Vorzüge nur langsam Eingang findet. Weitaus am beliebtesten ist und bleibt eben, trotz Modelinie einerfeits und trotz praktischer Formen andererseits, der runde, genau bis auf den Fußboden auftreffende Rock, an welchem dann die „Frau Mode hat Grundsätze", diese viel umstrittene Thatsache beweisen die neuen Frühjahrstoiletten am deutlichsten; denn ihr Grundsatz „oben schlank und unten weit", den sie schon vor einigen Jahren aufgestellt hat, bildet auch in dieser Saison wieder die Grundform aller neuen Moden. Besonders deutlich tritt es an den diesjährigen Röcken in Erscheinung; denn aller Scharfsinn und alles Raffinement wird darauf verwendet, die oben schlanke, anliegende Form enge, unten weite Tulpenform des Rockes, und vor allem den vollständig faltenlosen Anschluß an die Hüften, welchen manche Damen als das Ideal eines modernen Rockes betrachten. Dies ist jedoch eine ganz falsche Auf- saffung des Modegruudsatzes, von welcher die ersten Modedamen längst abgekommen sind; denn das, was die Mode mit all ihren Neuschöpfungen immer und immer wieder betont, ist die oben schlanke und unten weit ausfallende Linie, und diese läßt sich nur durch einen entsprechenden Faltenwurf und in vollendetster Form leider auch übrigen Modeformen nach Belieben angebracht werden. Zu diesen gehört vor allem noch die Miederrockform mit ihren verschiedenen Wechseln, von vorn spitzem oder ausgeschweiftem, hohem oder niederem oder sonstwie geschweiftem Miederteil. Auch die doppelt oder dreifach übereinanderfallenden Serpentinbesätze kommen jetzt sehr in Aufnahme, sowie die eigenartig geschnittenen Koller- bundröcke, bei denen der Oberteil von Hinter- und Seitenbahn im Zumoderner Ausführung. Figur 3. m o sammenhang mit der Borderbahn bleibt. Auch das Legen des Oberstoffes in kleine Fältchen ist für leichte Stoffe noch sehr beliebt und dürfte im Sommer noch sehr viel Anklang finden. Bei dem großen Interesse, welches man allgemein den Röcken entgegenbringt, tritt die Taille fast in den Hintergrund, und man begnügt sich damit, die bekannten Formen immer wieder zu wechseln und neu auszustatten. Blousentaille, glatte Taille, vor allem aber Bolerojäckchen sind denn auch die drei Grundformen, auf welchen sich alle Modeneuheiten aufbauen, und zeigen beifolgende drei Abbildungen je eine dieser Formen in Figur 1 ist eine Blousentaille, welche sich besonders zn einem Kleide aus schwerem Stoff, wie Tuch, Homespun oder dergleichen, eignet; denn der im Zusammenhänge mit dem Revers geschnittene Kragen erinnert lebhaft an eine Herrensalon und somit an den tailor-made-@enre; ebenso spielt die mit kleinen Knöpfen geschloffene Sammtwcste sehr ins Herrenmäßige über. Der Rock ist einfach glatt und nur durch aufgesteppte Tuchblenden garniert. Die zweite Figur veranschaulicht ein modernes Bolerojäckchen mit phantastischer moderner Revers- und Kragengarnitur. Helles Tuch ist als Besatz von Revers und Kragen verwendet, und umgrenzt als Paffe- poil die übrigen Besatzstreifen an Jäckchen und Rock. Diesere letztere zeigt eine eigenartige Besatzform, welche erst vom Vorderblatt an beginnt und in großen Bogen um Seiten- und Hinterbahn läuft. Figur 3 schließlich vergegenwärtigt die glatt anliegende Taille und ist mit den beliebten englischen Nähten geschnitten. Sie schließt seitlich und hat bogige Revers und Kragen, mit denen der untere Taillenrand übereinstimmt. Der Rock hat die vorher besprochenen, geschweiften Nähte, welche durch doppelte Steppreihen noch besonders hervor- gehoben werden. Die fertigen Schnitte zu diesen, sowie allen sonstigen dernen Kostümen sind von der Internationalen Schnittmanufaktur, DreSdell-H., zu beziehen. Preisausschreiben. Die Redaktion der Halbmonatsschrift für die Gesnndheitspflege in der Familie „Gesund und Glücklich" erläßt ein Preisausschreiben für Arbeiten über das Thema „Wie entwickeln unv erhalten wir in unseren Kindern die Freude an Reinlichkeit und Gesundheitspflege?" — Znr Verteilung gelangen 10 Preise: Ein erster Preis von Mk. 100,—, zwei zweite Preise von Mk. 50.—, drei dritte Preise von Mk. 20.— und vier vierte Preise von Mk. 10.—. — Unsere Frauen sollten sich besonders an diesem Wettbewerb beteiligen. Ein Probeheft, welches die näheren Bedingungen enthält, versendet postfrei die Redaktion von „Gesund und Glücklich", München, Oettingenstr. 25/11. Magisches Zahlenquadrat. Nachdruck verboten. In die 25 Felder dieses Quadrates sind 25 aufeinanderfolgende Zahlen derart cinzutragen, daß jede wagerechte, jede senkrechte und jede der beiden Querrcihen die Summe von 100 ergibt. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung der Skataufgabe in voriger Nummer: Kartenverteilung: V. alO, K, D, 8, 7; dlO, K, 9, 8, 7. M. a, b, cB, aA, 9; bA, K; cA; dA, D. H. dB; blO, v, 9, 8, 7; clO, 9, 8, 7. Skat: cK, D. Spiel: 1. V. dK, dA, dB (— 17.) — 2. H. c9, d7, oA. 3. M. aA, c8, a7. — 4. M. a9, clO, alO (— 20). H muß olO wimmeln, da M oK oder D nicht haben kann, sonst würde er geschnitten haben. 5. V. dlO, dD, blO (— 23). Die anderen Stiche nimmt der Spieler, aber die Gegner haben schon 60. Zieht V a an, geht daS Spiel: 1. V. aK, aA, dB (— 17). — 2. H. c9, d7, cA. 3. M. a9, olO, alO (— 20). — 4. V. aD, dD, bD (— 9). 5. V. d9, dA, c7. Jetzt muß der Spieler selbst mit b kommen und gibt noch ab: bK, blO, dlO (— 24), wodurch die Gegner 70 erhalten. Redaktion: t. Burkhardt. — KrnS ani «erlag der Vrühk'fche» UnwersttÄs-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Cticti) m «cj*.