0 SBf 1901. — Nr. 177. Dienstag den 10. Dezember. $ # 4 n» »M II h M-F ! . ü hrlich ist ein hohes Wort und bedeutet sehr viel, viel mehr, als die meisten gewöhnlich dahineinlegen. Arndt. I (Nachdruck verboten.) Gesprengte Fesseln. / Roman von Reinhold O r t m a n u, (Fortsetzung.) „Ich darf Dich nur Wiedersehen, wenn Du entschlossen bist, meinen Vorschlag bedingungslos anzunehmen. Zn jedem anderen Fall wäre eine Begegnung nur zwecklose Grausamkeit und eine Verschärfung meiner Qual. Auch würde es Dir schwerlich gelingen, mich zu finden. Darum antworte mir auf dem Wege, den ich Dir bezeichnet habe. Aber antworte mir schnell; denn armselige Worte können die namenlose Pein der Ungewißheit nicht schildern, zu der ich bis zu dem Eintreffen Deiner Entscheidung verurteilt bin. Ich würde dieser Marter erliegen müssen, wenn mich nicht die Hoffnung aufrecht erhielte, daß Du Dich um unserer Liebe willen meiner erbarmen wirft, und daß Du gleich mir nicht nur den sehnsüchtigen Wunsch, sondern auch den Mut hast, das Glück zu erfassen und zu halten." Das war der Schluß des ganz offenbar vom Anfänge bis zum Ende in fieberhafter Erregung geschriebenen Briefes. Immer finsterer war das Antlitz des Assessors geworden, während er ihn langsam Zeile für Zeile las. Nun faltete er ihn zusammen und setzte sich, ohne daß es des Zauderns und Ueberlegens bedurft hätte, an den Schreibtisch des Kämmerers. Rasch, ohne nur ein einziges Mal ungewiß zu zögern, flog seine Feder über das Papier, und schon nach wenigen Minuten lag der an die angegebene Chiffre adressierte Brief fertig und verschlossen vor ihm. Er vermied es, seinen Vater zu sehen, obwohl nran ihm gesagt hatte, daß der Stadtrat bei klarem Bewußtsein sei und nach ihm gefragt habe. Denn in diesem Augenblick hätte er sich nicht die Kraft zugetraut, die zur Schonung des noch immer gefährdeten Patienten wahrscheinlich unvermeidliche Notlüge zu ersinnen. Ohne sich von Mutter und Schwester zu verabschieden, verließ er das Haus, und dem ersten Briefkasten, an dem er auf dem Wege nach seinen! Bureau vorüberkam, vertraute er seine Antwort auf Felicias leidenschaftliche Bitten. Als er die Hand zurückzog und die kleine Metallklappe mit leisem Klirren wieder herabfiel, legte sich's plötzlich wie eine schwere Last auf seine Seele, und gleiche der strengen Richterstimme des Gewissens klang es in seinem Innern: „Wenn Du sie liebtest, würdest Du auch dann keine andere Erwiderung haben als diese?" Er ging mit gesenktem Haupte weiter, und die Frage, auf die er keine Antwort zu geben ioußte, verfolgte ihn unablässig. Aber er konnte trotz dieses Zweifels nicht bereuen, was er gethan. Er !var bereit gewesen, jenem Mädchen, das er nicht liebte, seine Freiheit zu opfern, und die letzte schwache Hoffnung auf Glück, die sich noch immer in einem Winkel seines Herzens verborgen gehalten hatte; seine Mannesehre aber und die Achtung vor sich selbst konnte er nicht zum Opfer bringen, wie laut auch immer in diesem Augenblick eine Regung des Mitleids au ihren Gunsten sprach. Sechzehntes Kapitel. Viernndzwanzig Stunden lang hatte rnan in M. daran geglaubt, daß die Hochzeit des Assessors Ignatius nur wegen der Erkrankung seines Vaters verschoben worden sei; dann aber hatte die geschäftige Fama von Haus zu Hails die Kunde getragen, es seien im Hanse des Stadtrats seltsame, außerordentliche Dinge geschehen, und die Eheschließung könne aus dein sehr einfachen Grunde nicht stattfinden, weil zwar ein Bräutigam vorhanden sei, doch keine Braut. Mall wußte nicht, von wo das Gerücht seinen Ausgang genommen; denn jeder, der davon sprach, hatte cs nur vom Hörensagen. Aber es war an so vielen Orten zugleich, und es trat mit so zweifelloser Bestimmtheit auf, daß alle Welt daran glaubte. Noch in der Nachts die der jäh unterbrochenen Poltcrabendfeier folgte, sollte Herbert Ignatius in dem früher von Felicia Rubarth bewohnten Pensionat Nachfrage nach seiner verschwundenen Brant gehalten haben, und einige wollten aus zuverlässiger Quelle wissen, daß sie bereits auf dem Heimwege nach Amerika; sei, und daß die geplante Hochzeit überhaupt nicht zu stände kommen werde. Gab es aber über die Thatsache selbst nur eine einzige Lesart, so gingen die Ansichten über die Gründe des sensationellen Ereignisses desto weiter auseinander. Und es war gewiß der beste Beweis für die außerordentliche Beliebtheit, deren sich Felicia in der Gesellschaft von M. erfreute, daß ntmt das Verschulden an dem auf so romantische Weise herbeigeführten Bruch allgemein nicht bei ihr, sondern bei ihrem Verlobten suchte. Man erinnerte sich der ernsten, beinahe düsteren Miene, mit der er während der letzten Wochen beständig umhergegangen war, und inan deutete sie jetzt als den Ausdruck eines bösen Gewissens. Das Bewußtsein irgend einer schlechten That mußte auf seiner Seele gelastet haben, und es bedurfte keines besonderen Scharfsinns für die Vermutung, daß die Entdeckung dieser That seine Braut in die Flucht getrieben! habe. Natürlich vermied man es nun um so ängstlicher, an ihn selbst irgend eine Frage hinsichtlich der Vorgänge in seinem Vaterhause oder des für die Hochzeit angesetzten neuen Termins zu richten. Seine Kollegen und sonstigen Bekannten begnügten sich vielmehr mit teilnehmenden Erkundigungen nach dem Befinden des Kämmerers und suchten; 70ö lediglich in den Mienen des Assessors eine Bestätigung für die Richtigkeit ihrer Vermutungen. Aber während mau so in der ganzen Stadt von Felicias Flucht als von einer großen Skandalaffaire sprach, wurde Ludwig Ignatius von seinen Angehörigen in deni Wahne erhalten, daß alles sich binnen kurzem zum Guten wenden werde. Die Aufregung, die sich seiner bemächtigt hatte, sobald ihm die Erinnerung au den Inhalt des von ihm eigenmächtig erbrochenen Abschiedsbriefes seiner Schwiegertochter zurückgekehrt war, hatte den ©einigen die unabweis- liche Pflicht auferlegt, ihn so lange als möglich über die Wahrheit zu täuschen. Mit heftigem inneren Widerstreben der gebieterischen Notwendigkeit gehorchend, hatte ihm Sbcr= bert auf seine ungestümen Fragen versichert, er kenne den Aufenthaltsort Felicias, sie befinde fich ganz in der Nähe, und er hege aus Grund eines zwischen ihr uitb ihm geführten Briefwechsels die Zuversicht, daß sie zurückkehren werde, sobald die letzten Mißverständnisse beseitigt seien. Dem dringenden Verlangen des Stadtrats, über die Natur dieser Mißverständnisse unterrichtet zu werden, hatte er sich durch allerlei ausweichende Antworten entzogen, und mit unsäglicher Mühe hatte man aus solche Art den rasch genesenden Patienten, dessen Erkrankung nach der Erklärung des Sanitätsrats überharcht kaum als ein Schlaganfall bezeichnet werden konnte, fünf volle Tage hinzuhalten vermocht. Darüber, daß es nicht lange mehr möglich sein würde, gaben sich allerdings weder Herbert noch Hilde einer Selbsttäuschung hin. Ludwig Ignatius hatte ja bereits das Bett verlassen und äußerte immer entschiedener den Wunsch, die Besucher, die sich in großer Zahl nach seinem Befinden erkundigten, selbst zu empfangen, da er sich kräftig genug dazu fühle. War es auch bis jetzt noch, gelungen, das zu verhindern, so hatte die Stadträtin doch an diesem fünften Tage nicht mehr den Mut gehabt, seinem Befehl, ihm die einlaufenden Postsachen zu überbringen, einen offenen Ungehorsam entgegen zu setzen. Und sie hatte ihm mit klopfendem Herzen am späten Nachmittag zwei eben angekommene Briefe gegeben, von denen nur der eine den Namen des Absenders aus dem Umschläge trug. Ludwig Ignatius erbrach diesen zuerst und warf ihn, da sein Inhalt ihn wenig interessierte, gleichgiltig bei Seite. Auch die pedantisch gleichmäßige Kanzlistenhandschrift des anderen schien ihn wenig neugierig auf den Inhalt zu machen. Aber er hatte ihn kauin entfaltet, als wieder die von seiner Gattin jetzt so sehr gefürchtete Röte in seinem Gesicht aufstieg, während ein Laut gleich einem Stöhnen über seine zitternden Lippen kam. „Ludwig — um Gotteswillen —" begann die Stadträtin, ckber er gebot ihr durch eine ungeduldige .Handbewegung Schweigen und schickte sie mit der barschen Erklärung, daß diese ewige Angst um seine Gesundheit nachgerade anfange,' ihm unerträglich zu werden, aus dem Zimmer. Dann suchte er mit unsicheren Fingern das vorhin zornig zerknitterte Blatt wieder zu glätten und las noch einmal die Schreckensbotschaft, die es enthielt. Sie konnte seine Aufregung allerdings hinlänglich erklären; denn sie lautete: „Auf Anweisung des Herrn Oberbürgermeisters, der durch die Buchhalter der Kasse über meinen schlechten Gesundheitszustand unterrichtet worden war, muß ich mich heute trotz meines Widerstrebens der Untersuchung durch den Kreisphysikus Werner unterwerfen. Das Gutachten desselben lautet dahin, daß ich durchaus unfähig sei, meinen Dienst weiter zu versehen, und daß ich mich bei der vorhandenen dringenden Lebensgefahr sofort von meinem Amte suspendieren lassen müsse. Nur durch die beweglichsten Bitten habe ich erreicht, daß mir gestattet wurde, meine Funktionen noch bis zum letzten dieses Monats zu versehen, an welchem Tage ich die Kassen dem interimistisch zu meinem Nachfolger bestellten Magistratsfekretär übergeben soll. Ein weiterer Aufschub meines Ausscheidens scheint nach dem mir soeben zugegangenen Reskript vollständig ausgeschlossen, und ich halte es für meine Pflicht, Ihnen von dieser Sach,- lage unverzüglich Kenntnis zu geben. Hochachtungsvoll Franz Lindemann." Der Kämmerer warf einen Blick auf den Abreißkalender neben seinem Schreibtisch und wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn. „Noch vierzehn Tage!" murmelte er. „So muß Herbert sie auf der Stelle zurückholen, um welchen Preis es auch sei." Er klingelte und verlangte, daß sofort ein Bote abgeschickt werde, seinen Sohn zu rufen. Und wohl fünfzig- mal während der nächsten halben Stunde fragte er, ob Herbert denn noch immer nicht da fei. Als der Assessor, endlich erschien, schickte Ludwig Ignatius seine Tochter, die ihm zuletzt Gesellschaft geleistet hatte, hinaus und bedeutete dem Zurückbleibenden, die Thür zu verschließen, damit sie vor jeder Störung sicher seien. Dann forderte er in eindringlichem, fast befehlendem Tone eine volle nnd wahrheitsgemäße Aufklärung über Herberts gegenwärtiges Verhältnis zu Felicia und über den Zeitpunkt, an welchem ihre Rückkehr bestimmt zu erwarten sei. Äe ausweichende Antwort, die er zunächst erhielt, wollte er nicht gelten lassen, nnd mit erhobener Stimme sagte er: „Man scheint mich hier noch immer für einen Schwer- kranken zu halten. Aber selbst wenn ich es wäre, müßte ich mir jetzt volle Aufrichtigkeit ausbitten. Das Versteck- fpielen hat nun wahrlich lange genug gewährt." Der Assessor sah, daß ein längeres Hinhalten unmöglich geworden war, und er entschloß sich-, die ganze Wahrheit zu sagen. „Nun denn, lieber Vater — Felicia wird niemals zurückkehren — und sie wird nicht meine Frau tuerben. Denn? ich war außer stände, die Bedingungen zu erfüllen, die sie mir stellte." Beide Hände auf die Lehne feines Armsessels stützend! und mit weit vorgeneigtem Oberkörper saß der Kämmerer da, die Augen starr aus die Lippen seines Sohnes geheftet. „Wie? Ihr habt mich also schändlich- belogen! Und die Bedingungen, die Tu nicht ersüllen kannst, worin haben sie bestanden?" Statt der Antwort reichte ihm Herbert Felicias Brief, den er noch immer in seiner Briestasche trug. Der Stadt- rat las ihn von Anfang bis zu Ende, dann fragte er: „Und was hast Du ihr darauf erwidert?" „Was ich ihr erwidern mußte, wenn ich! mich! nicht aller Manneswürde begeben und mich zu einer geradezu! schmachvollen Rolle erniedrigen wollte. Ich habe Felicia geschrieben, daß ich weder auf eine Erklärung für chre Handlungsweise verzichten noch auf ihre abenteuerliche Vorschläge eingehen könne." Wieder rang es sich wie dumpfes Stöhnen aus Ludivig .Ignatius' Brust. „Und damit — damit war es zu Ende?" „Nein. Sie hat'mir noch einmal geschrieben — einen wirren, thörichten, kaum verständlichen Brief, den ich um Felicias willen sofort vernichtet habe. Denn er enthielt nur eine Wiederholung ihres unmöglichen Verlangens und die Drohung, daß irgend ein Unglück geschehen würde, wenn ich nicht innerhalb zweier Tage eine zustimmende Erklärung- gegeben hätte." „Auch das hat keinen Eindruck auf Dich gemacht, nicht wahr? Dein verfluchter Stolz galt Dir mehr als die Verzweiflung eines unglücklichen Mädchens?" "Ja, ich verfluche diesen läch-erlichen Stolz, und ich habe ein Recht dazu; denn er stürzt uns ins Verderben.- Aber laß mich erst das Letzte wissen! Welche Antwort hast, Du Felicia ans ihren zweiten Brief gegeben?" .. „Diejenige, die mir von meinem Ehrgefühl bitherfi wurde. Aber ich habe sie zugleich driugend gebeten, zurückzukehren oder mir in S,t. eine Zusammenkunft zum Zweck einer Aussprache zu gewähren, damit endlich volle Klarheit geschaffen werde. Ich habe die schonendsten Ausdrücke gewählt, die ich- zu finden vermochte, und ich! hatte in der That eine andere Antwort erwartet als dies gestern -einge- tvoffene Telegramm." Q . Der Kämmerer riß ihm die Depesche fast aus der Hand und las: v v _ „Rückkehr und Zusammenkunft unmögllcy, f-lange ernt Annahme meines Vorschlags verweigerst. Gebe Dir Bedenkzeit bis heute abend. Telegraphiere mir postlagernd hier-, her: Ja oder Nein! Sagst Du Nein, so falle die Ver-, antwortung für alles Kommende auf Dich." „Und Du? — Du hast natürlich trotzdem Nein gesagt?^ „Ich konnte und durfte nicht anders, Vater!" Mit zitternder Hand wies der Kämmerer auf fernen Schreibtisch. 707 „Da ist Feder und Papier. Ich werde Dir das - Telegramm diktieren, das Du auf der Stelle an Felicia abschicken mußt." Erstaunt und fragend blickte Herbert auf. „Ich wüßte nicht, was ich! ihr jetzt noch mitzuteilen hätte. Zwischen ihr und mir ist nach meiner Ansicht seit gestern alles zu Ende." „Ich aber sag,e Dir: es ist nicht zu Ende — es darf nicht zu Ende sein! Du wirst ihr telegraphieren, daß Du ihre Bedingungen annimmst, und Du wirst Sorge tragen, daß sie binnen heute und einer Woche Deinen Namen führt." „Nein, Vater, das werde ich nicht. Und Du mußt ihren Brief sehr wenig aufmerksam gelesen haben, wenn Du mir derartiges ansinnen kannst." „Ich habe ihn Wort für Wort gelesen, und ich finde nicht, daß er irgend eine unerfüllbare Zumutung enthält. Schließlich handelt es sich doch! nur um die heimliche Trauung. Ist sie erst Dein Weib, so kannst Du in allem übrigen Deinen Willen zum Gesetz für sie machen, ohne Dich um die jetzt abgezwungenen Versprechungen zu kümmern." „Ich sollte sie also betrügen, indem ich ihr gelobe, was ich nicht erfüllen will oder kann? Nein, Vater, das ist nicht Dein Ernst. Und weil es so ganz und gar unmöglich, ist, was sie von mir fordert, halte ich es für das beste, aus klare und unzweideutige Weise ein Ende zu machen. Jede weitere Korrespondenz würde nur die zwecklose Verlängerung eines fast schon unerträglichen Zustandes bedeuten." (Fortsetzung folgt.) Ein Besuch bei Knecht Ruprecht. Von Fred H o o d. (Nachdruck verboten.) Mit wahrem Vergnügen habe ich kürzlich ein Berliner Spielwarenhaus durchwandert, in welchem sowohl der kleinste und billigste, wie der größte und kostbarste Artikel der Spielwarenindustrie zu finden ist. Ganz nach! Wunsch und Vermögen kann man hier seine Wahl treffen. Ein hervorragender Zug dieses Unternehmens ist die muster- giltige Ordnung, welche jeder wahrnimmt, der diese weiten Räume durchwandert, sei es auch, daß er vom Keller beginnt und bis nach dem Dachgeschoß emporsteigt. Ordnung, das ist ja das Wesentlichste in den großen Geschäftshäusern im allgemeinen, und in einem Spielwarenhause noch im besonderen, wo sich viele tausend kleiner und kleinster Artikel auf Lager befinden und auf Verlangen ohne weiteres Suchen sofort zur Hand sein müssen. Beim Durchwandern dieses Hauses finden wir überall etwas Neues, etwas Ueberraschendes. Tn ist zunächst das Reich der Zinnsoldaten Welch' eine gewaltige Armee! Alle Truppengattungen sind vertreten. Das ist ein wahres Eldorado für Knaben, welche — in diesem Zeitalter des bewaffneten Friedens — von großen Schlachten träumen, und wenigstens in der Kinderstube die Rolle eines Alexander, Cäsar oder Moltke spielen möchten. Im übrigen finden wir hier alles, was irgend zur Staffage eines Schlachtfeldes gehört; denn darüber ist man in unserer Zeit vorgeschrittener Technik schon hinweg, daß sich das Kind irgend etwas hinzu denken müßte. Unsere. Spielwarenfabrikanten sind gründlich geworden, und das Spielzeug bildet eine getreue Nachbildung aller Erzeugnisse des wahren Lebens. Tas zeigt uns auch der nächste Raum, welcher den bekannten Anker-Steinbaukasten eingeräumt ist. Diese Baukästen sind nicht mehr ein bloßes Spielzeug. Man kann mit ihnen kunstgerecht bauen lernen, und was für Bauwerke in diesem Material ausgesührt werden können, das zeigen uns mehr als 200 fertige Gebäude, Brücken usw., welche in dem Spielwarenhaus fertig zur Besichtigung stehen. Die nächste Gruppe bilden die Gesellschaftsspiel« und die Bilderbücher, und hier finden, wir wieder die einfachsten Artikel wie die kostbarsten Werke dieser Art. Steigen wir nun zum ersten Stockwerk empor, so gelangen wir zunächst in einen Raum, der von den sogenannten „Fahrsachen" beherrscht wird; es sind Wagen, Pferde und Ställe jeder möglichen Art. Das plumpe Ackerpferd und der stolze Renner sind gleich liebevoll behandelt, und ebenso finden wir auch die rohen Stallungen des simplen Bauernhauses wie die vollkommensten Nachf- bildungen der kostbarsten Prunkställe. — Tann folgt noch einmal das liebe schneidige Militär; da sind die Festungen, die Solvaren-Ausrüstungen — alles Erdenkliche vom einfachsten Säbel bis zur vollständigen Galauniform. Ich glaube kaum, daß selbst ein General hier eine Lücke entdecken würde. Ta finden wir alle Instrumente: Trompeten, Geigen, Guitarren, Glockenspiele, Leierkästen, Pianos, Harfen usw., aber auch die Genre-Figuren mit Musik, beweglich und unbeweglich, wie es nur immer dein Herz begehrt. Ich hatte schon oben die Gesellschaftsspiele erwähnt; jetzt kommen wir zu den eigentlichen Kinderspielen. Ta sind die mannigfachen Kegelspiele, darunter solche von origineller Aussührnng, bei denen die Kegel in Gestalt von Vögeln in einem Bauer sitzen öder in Gestalt von Puppen auf einem Marionetten-Theater. Ta sind ferner die mannigfachen Kaufläden, Schlächtereien, Mehlstände, Marktbuden usw. Es ist unmöglich, alles anzuführen; denn es ist eben alles vorhanden, was das Leben bietet. In der That, Knecht Ruprecht, unerschöpflich ist dein Füllhorn! Tann wieder befinden wir uns in einem Raum, welchen ich! als das zoologische Museum bezeichnen möchte. Ta sind Tiere jeder Art, solche in billiger Ausführung, bei denen die Nachbildung des Lebewesens nur eine unvoll- kommene ist, und andere, welche in höchster Vollkommenheit ein Abbild der dargestellten Geschöpfe geben. Hier sehen wir manche Kuh, manches Reh, die nicht nur bewundernswert geformt sind, sondern auch bis auf das sammetartige Fell, dem natürlichen Vorbild genau entsprechen. Sehr mannigfach ist die Ausführung; denn es giebt hier Tiere aus Fell, Leder mit Eisengestellen, Holz, Tuch usiv. Tann folgen Waschgarnituren, eiserne Puppen-Betten, Küchen-Einrichtnngen und Kochmaschinen, auf denen die Kinder wirkliche Speisen bereiten können. Sie sind für Spiritus- oder Gasheizung eingerichtet und mit den neuesten Sicherheits-Vorrichtungen ausgestattet. Und nun das unerschöpfliche Gebiet der Puppenstuben, Puppenmöbel und des Puppenporzellans. Früher konnte man nicht zur Ausstattung einer Puppenstube oder einer Puppenküche jeden beliebigen Gegenstand verlangen. Heute aber kannst du nicht nur vollständige Wohnungseinrichtungen für Puppen kaufen, sondern auch jeden beliebigen Artikel, um diese Wohnung zu vervollständigen und zu schmücken: Nippes und Tafelaufsätze, Ofenvorsetzer, Vasen, Lampen, Uhren, Obstschalen, Theeservice, Kleider- und Stiefelbürsten--alles, alles kannst du haben, selbst die Tinge, an welche du nicht einmal denken würdest, wenn du sie nicht zu sehen bekämst. Und dann giebt es noch allerlei andere Sachen; denn es müssen immer Tinge vorhanden sein, mit denen man den Käufer überraschen kann. Ta giebt es j. B. Schulmappen, welche eine vollständige Puppenausitattung enthalten; ferner Nähkästen, in welchen die Kinder alles, finden, um ihren Puppen selbst Kleider schneidern zu können, und wieder Putzkästen zum Garnieren der eleganten Pupp.cn- hüte, für die vornehmen Tarnen der Puppenwelt. Und nun kommen wir auch zu den angekleideten Pupperi, von denen einige nicht mehr wie 50 Pfg. kosten, andere nicht für 30 Mk. zu haben sind. Man wird sich vorstellen können, daß die letzteren von geradezu verführerischer Schönheit sind, daß sie als Kunstwerke ersten Ranges betrachtet werden müssen und daß ihre Garderoben, bis auf die Unterkleider, vor den kritischen Augen der elegantesten Pariser Modedamen bestehen können. Auch die Spielwaren-Jn- dustrie ist einem ständigen Modewechsel unterworfen, aber etwas ist dauernd und unvergänglich geblieben und wird auch unvergänglich bleiben — — die Liebe der kleinen Mädchen zu ihren Puppen. Und nun steigen wir noch ein Stockwerk hoher, ^a sind die Sportwagen, die Puppenwagen, die Schlitten und Dreiräder in ungezählten Mustern; da sind die Turn- und Echaukelgeräte, die Billards, Schicßstünde, die mechanischen Blechgegenstände aller Art, und vor allen Tiingen die Automobile, - bie heute eine so große Rolle spielen; ferner Schaukeln und Rutschbahnen, letztere für Puppen tote für Kinder bis zu 9 Meter Länge. Tann folgen Dampfmaschinen und Maschinen-Modelle. Es giebt sehr kostspielige Gegenstände hier, welche dem Erfindungsgeiste großer Physiker ihre Entstehung verdanken. Ta sind auch Krcegs- schiffe, Torpedoboote, Unterseeboote aus Holz und Blech, von denen einige einen Kostenaufwand von 90 Mark ver- langen Die Eisenbahnen bildeten mein spezielles Entzücken; denn alle Fortschritte des modernen Eisenbahnwesen? haben hier ihre Berücksichtigung gefunden; sogar die pneumatische Weichenstellung, eine Erfindung neuesten Dratums, hat hier Eingang gefunden. Lokomotiven gießt es hier, deren Lauf vollkommen geregelt werden kann, wie bei einer großen, modernen Lokomotive; sie laufen schnell und langsam, vor- und rückwärts, tote du es haben willst. Dann sind da prächtige Bahnhöfe, Wartehallen, Weqüberführungen, Zahnradbahnen, Tunnels — — man möchte selbst wieder ein Kind werden, um mit all diesen schönen Dingen spielen zu können. Es gießt da Schlafwagen, Speisewagen, Durchgangs-Züge, ja die Hofzüge sind vorhanden, mit ihrer vollständigen glänzenden Einrichtung. t , Im dritten Stockwerk folgen verschiedene Kindermobel, wie Schränkchen, Tische und Waschtische. Auch verschiedene Lagerräume, wie Schneider-Ateliers, siitd in dem Geschoß vorhanden; denn hier werden in großem Maßstabe die Puppenkleider zugeschnitten, genäht usw. Ihr wollt gewiß erfahren, wo ich das alles gesehen habe; ich werde es euch nicht verraten. Denn wenn ihr nur brav Umschau haltet, so werdet ihr schon irgendwo die schönen Dinge finden. Das aber sage ich euch — thut ordentlich Geld in eurem Beutel; denn toemt eure kleinen Madels und Jungens nicht den Weihnachtstisch ordentlich mit Spielzeug belastet fänden, so hätten diese Zeilen völlig ihren Beruf verfehlt. Unser Garten iiu Dezember. Nachdruck verboten. Obstkeller, Gemüsekeller, Gewächshaus und Pflanzenzimmer brauchen unsere Aufmerksamkeit. Im Obstkelter ist es nicht geheuer, Klagen werden überall laut. Es fault das Obst mehr als in anderen Jahren, weshalb dies der Fall ist, hat sich bislang nicht ergründen lassen, daß es aber so ist, das erfordert die Aufmerksamkeit in doppeltem Maße. Also reichlich lüften, niedrige Temperaturen halten und oft nachsehen, ob irgendwo ein Stück fault. Wo faulende Früchte nicht rechtzeitig entfernt werden, bildet sich gar schnell ein Fäulnisherd, der sich rasch vergrößert. ..... Im Gemüsekeller wird ein Fehler oder eine Nachlässigkeit nicht gleich so stark bestraft, aber auch hier heißt es: Lüften, immer wieder lüften bei mildem Wetter und Fortnehmen aller faulenden Blätter oder Wurzeln; denn auch sie bilden einen gefährlichen Krankheitsherd. Jnr kalten Geivächshaus fault es auch leicht, weil kühle Luft und zuviel Feuchtigkeit der Luft das Stocken der Blätter und weicher Teile hervorruft, wenn wir nicht hin und wieder durch mäßiges Heizen und Lüften bei mildem Wetter mehr Trockenheit schaffen, und dafür sorgen, daß jedes faulende Teilchen schnell entfernt wird. Diese Arbeit bildet ja int kalten Gewächshause fast die ausschließliche Arbeit; demr das Gießen der Pflanzen ist höchst selten notwendig, weil die Pflanzen nicht wachsen, urrd weil. die kühle, feuchte Temperatur ihnen wenig Feuchtigkeit nimmt. Gleiches gilt von ' den Pflanzen, die wir im kühlen Zimmer oder im Keller überwintern. Wer in achttägigen Pausen einmal mit der Gießkanne kommt, kommt hier häufig, wer 14 Tage lang wartet, kommt manchmal gerade recht, und wer bei großen Kübelpflanzen noch seltener kommt, versäumt auch noch nichts. Aber eins darf nicht vergessen werden: Die Pflanzen sollen wenig Feuchtigkeit haben, jedoch nicht austrocknen und wochenlang dürr dastehen, das bringt im Winter ebenso wie im Sommer den Tod. Ganz anders gestaltet sich unsere Pflege bei all' denjenigen Pflanzen, die in warmen Räumen stehen. Die Wärme der Heizung macht die Luft trocken, die Wärme regt außerdem zum Wachsen an, es wird also bei diesen Pflanzen viel Feuchtigkeit verarbeitet, je mehr, je näher die Pflanzen der Heizung stehen, daher kann e§ notwendig werden, daß man einzelne Pflanzen im Winter viel häufiger gieße» muß als im Sommer. Im Dezember beginnen wir langsam mit dem Treiben unserer Hyazinthen, Tulpen, Maiblumen. Im Freien ist unsere Thätigkeit durch die Witterung beschränkt. Bei mildem Wetter wird rigolt, werden Pflanzlöcher gemacht, werden die Komposthaufen umgesetzt, wird der Rasen abgerecht, mit Kainit oder Thomasmehl gedüngt. Wir düngen auch! mit Jauche, aber diese Düngung braucht nicht allein bei frostfreiem Wetter vorgenommen zu werden. Wir können auch den in rauher Furche daliegendeu Boden bei mildem Frost mit Jauche übergießen, können bei mildem Frost Kompost und verrotteten Dünger auf den Rasen fcibECU IC. Das Äusputzen der Bäume, Absuchen der Raupennester, Abkratzen der Rinde, das Ausschneiden der Beerensträucher, das Schneiden der Gehölze kann bei Frostw.etter seinen Fortgang nehmen. Wo wir es versäumt haben, unsere Alpenrosen, Freilandazaleen zu schützen, werden noch schnell einige Tannenreiser darnmgestellt. Lockeres Tannenreisig -erhalten die Hyazinthen und Tulpenbeete, die Erdbeerbeete. An den Stellen, an denen Lilien stehen, breitet man tüchtig Laub aus, schützt auch noch Bäume gegen Hasenfraß durch Draht und Dorn. Des Reinigens geernteter Samen, des Anspitzens von Baumpfählen, des Ausbesserns der Garten- fchnuren, Schleifens der Spaten, kurz all der Arbeiten am Gartengeschirr sei zum Schluß noch als echter Dezember- arbeit gedacht. v r Den Meisen werden Speckschwarten hmausgehangt, auch halbaufgeschlagene Nüsse an Bindfäden zur Atzung vorbereitet, den Buchfinken, Amseln, Spatzen sind kleine Kästchen mit Brot und Sämereien an geschützten Platzen aufzustellen. Das muntere Treiben der Vögel ist Lohn genug für unsere geringe Mühe und spornt uns nicht allein an, rechtzeitig Ersatz zu bringen, sondern diese Arbeit als schönste des ganzen Winters zu betrachten. n. r r u 8 I. C- Schmidt, Erfurt. Katechismus der Schachspielkunst. Von K. I- S. Portius. Zwölfte, vermehrte und verbesserte Auflage. In Originalleinenband 2 Mark 50 Pfennig. Verlag von I. I- Weber in Leipzig. , Der „alte Portius" hat Generationen von Schachspielern herangebildet; feilt Ruhm als Lehrmeister des Schachspiels ist unerschütterlich. Zahllose Lehrbücher mit denselben Zielen sind in der Zwischenzeit erschienen, aber keins hat ihn verdrängen tonnen. Bei der Bearbeitung oer neuen Auflage des Werkes trat an den Herausgeber, Dr. jur- Her-, mann v. Gottschall, die Aufgabe heran, den alten anerkannten Vorzügen des Buches gerecht zu werden, gleichzeitig aber die Errungenschaften der Neuzeit zur Geltung zu bringen. Tiefgreifende Aeuderungeu hat der Herausgeber nur bet Erörterung der Endspiele vorgeuvmmen, da an einen modernen Schachspieler größere Anforderungen auf diesem Gebiete gestellt werden. Auch die Problemabteilung hat eine Neubearbeitung erfahren. Der „alte Portius" ist auch in neuer Auflage wie bisher ganz dazu angethan, den Anfänger von vornherein zu selbständigem Nachdenken an- zuregen und den Sinn und das Verständnis für die Schwierigkeiten und Schönheiten des Schachspiels zu ivecken. Gemeinnütziges. Gefrorene Fenster sind sofort.aufzutauen, wenn sie mit einem in Spiritus getauchten Lappen abgerieben werden. , , , Puppenköpfe von Wachs lassen sich wieder anffrischen, wenn man sie mittels Watte, die man in ungesalzener Butter angefettet hat, abreibt. Hierauf betupft man die Wangen mit rotem Puder, und Augenlider und Brauen zieht man vorsichtig mit brauner oder schwarzer Oelsarbe nach. Oft lassen sie sich reinigen, wenn man sie mit einem! Schwämmchen ab wischt, welches man vorher in kaltes Wasser getaucht hat, dann bestäubt man den noch feuchten Puppenkopf mit Mehl und reibt ihn vorsichtig mit einem Stückchen weichen Flanells oder Seide ab. „Praktischer Wegweiser", Wurzburg. Kapselrätsel. Nachdruck verboten. Schwert — Orden — Karpfen — Honig — Nichte — Gelehrter — Geist — Dentist — Thaten — Klerus — Vernichtung — Bewertung. Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach in vorstehenden Wörtern eingekapselt sind, ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.: I Hunde, die bellen, beißen nicht. Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univcrsitiits-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.