Donnerstag den 10, Dlrtober. M m 1901. — Nr. 141. M * A, !S - i F-, [I i f (Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elster. (Fortsetzung.) Mer wie ein Verbrecher stets wieder zu dem Ort seiner That zurückzükehren pflegt, so zog es ihn mit magnetischer Gewalt zum Gutshof. Zweimal ging er unentschlossen an dem Thor desselben vorbei. Tann trat er entschlossen ein — es mußte ja doch eine Aussprache statt- sinden — je eher, desto besser. Er fragte einen Knecht, ob der Inspektor zu Hause sei. „Herr Inspektor ist in das Dorf gegangen", entgegnete der Knecht. „Soll ich ihn rufen, Herr Baron?" „Nein — lassen Sie nur. . Er trat in das einfache, bescheidene Inspektors! aus, das so freundlich unb schmuck zwischen den Obstbäumen des Gartens dalag. Tas Dienstmädchen kam ihm eilig entgegen. „Herr Baron wünschen?" „Ist Fräulein Breymann zu Hause?" „Ja, freilich- — hier in der Stube —" und das Mädchen öffnete die Thür des nach dem Garten hinausliegendeu Wohnzimmers und rief hinein: „Fräulein, der Herr Baron wünscht Sie zu sprechen..." Ein leichter Ausruf der Neberraschung — im nächsten Augenblick stand Eitel Fritz vor Else, die geisterbleich, bebend an allen Gliedern, sich fest auf den Tisch stützte, um sich aufrecht zu halten. Als Eitel Fritz in ihre Augen, in ihr blasses Gesicht blickte, wußte er, daß sie alles ahnte. Ein tiefes Mitleid überkam ihn, ein Zorn gegen sich selbst, doch dann gewann der Trotz wieder die Oberhand, und mit rauher, halb erstickter Stimme sagte er: „Ich wollte eigentlich Ihren Vater sprechen, doch kann ich auch Ihnen sagen, daß ich morgen früh nach, Berlin zurückreise — wollen Sie Ihrem Vater . bestellen, daß er mich schriftlich über alle Angelegenheiten benachrichtigen möge?" „Ich werde es bestellen . . ." entgegnete sie tonlos. „Ich werde wohl Jahr und Tag fortbleiben, Else, und wollte doch nicht fortgehen, ohne Ihnen Lebewohl gesagt AU haben..." Er trat näher an sie heran, sie machte eine stolz abwehrende Bewegung und wich, etwas zurück- „Fräulein Else — wollen Sie mir verzeihen, wenn — wenn ich nicht so handeln kann, wie mein Herz mir geEÄ ab, was bcin Äug' an andern sab, Wird andern nicht an dir entgeh'»; !Jy*w Wir steh'n nns selber viel zu nah, Um unsre Fehler selbst zu seh'n. bieten würde. . . wollen Sie vergessen, daß ich Jhlien weh gethan habe. . ." Er streckte ihr die Hand entgegen, sie schien es nicht zu bemerken, schlaff hingen ihre Hände herab. „Wozu diese Worte, Herr von Petershagen?" sagte sie stolz. „Ich sagte Ihnen schon früher, daß Sie völlig freier! Herr Ihrer Handlungen bleiben sollten — ich —. ich mache Ihnen keinen Vorwurf." „Else — lassen Sie uns in Frieden scheidens bat er. . . „Mögen Sie den Frieden finden auf dem Wege, den Sie gewählt haben — das ist mein Wunsch. Und nun, Herr von Petershagen, haben wir uns wohl nichts mehr zu sageu. . ." Stolz und unnahbar stand sie vor ihm, nicht mehr das bangende, schlichte, einfache Mädchen, sondern ein stolzes, durch Schmerz :md Leid geklärtes Frauenbild. Unwillkürlich beugte Eitel Fritz sein Haupt. „Loben Sie wohl, Else . . ." sprach er leise. Sie erwiderte nichts, sah auch nicht, daß er ihr die Hand nochmals entgegenstreckte — da seufzte er leicht auf, wandte sich um, und verließe das Zimmer, das er so stolz und trotzig betreten, still und demütig. Als "sich die Thür hinter ihm geschlossen, da sank Else in sich! zusammen und barg weinend das Antlitz in den Händen. So fand sie der heimkehrende Vater; erschreckt legte er den Arm um sie. „War Eitel Fritz hier?" fragte er. Sie nickte unter Thränen. „Und hat er Dir alles gesagt. . • mein armes Mädchen . . Ta richtete sie sich empor und trocknete ihre Thränen. „Vergieb, Vater", sprach- sie mit fester Stimme, ,daß ich schwach wurde. — Es wird niemals wieder geschehen — . aber eine Bitte habe ich." „Welche, mein Kind?" „Laß uns fort von hier . . ." „Ich habe schon den Kündigungsbrief an den Baron geschrieben. ■— Es bietet sich, wie Tu weißt, die Gelegenheit, das kleine Gut. Jägerhof zu pachten — ich würde es gern in Pacht nehmen. Es grenzt freilich unmittelbar an Petershagen..." . „Das schadet nichts, Vater. Dann bleiben wer doch in der Heimat." . Ruhig und gefaßt ging sie an ihre Arbeit, und der alte .. Inspektor versiegelte und adressierte den Kündigungsbrief den er noch an demselben Abend an Eitel Fritz sandte, XL Die Verlobung des Freiherrn Eitel Fritz von Peters- Hagen mit Fräulein Irma Weserling, Tochter des verstorbenen Majors- a. D. Weserling und seiner Gattin, Elisa, beth, geb. Vetterlein, stand, in der Kreuzzeitung und wurde in den Blättern unter der Rubrik „Aus der Gesellschaft 574 eifrig kommentiert. Einige Blätter knüpften an die Verlobung sogar eigentümliche Reminiscenzen, indem sie nicht nur an die Abstammung der Majorin von dem größten „Millionenbauer" Schönebergs..erinnerten, sondern auch an den Tod des Majors Weserling, der vor etwa fünf oder sechs Jahren aus noch nicht aufgeklärten Gründen Selbst-- mord begangen haben sollte. Mess taktlosen Erörterungen verfehlten nicht, in der Gesellschaft und den Offizierskreisen Aufsehen zu erregen. Auch Eitel Fritz las sie und wurde peinlich von ihnen berührt. Von dem Selbstmord des Vaters hatte ihm Irma nichts erzählt, und auch die Frau Majorin hatte es für überflüssig gehalten, ihm Mitteilung davon zu machen. Als er an dem Tage, an dem er diese Notiz gelesen, zu seiner Braut kam, fand er sie in heftiger Erregung, sogar Thränen- spuren glaubte er zu bemerken. Diese Erregung mußte um so mehr auffallen, als Irma sonst niemals aus ihrer stolzen Ruhe und Selbstbeherrschung heraustrat. „Hast Du die infame Notiz der Blätter über unsere Familie gelesen, Eitel Fritz?" rief sie ihm zu, das Zeitungsblatt ihm entgegenhaltend. „Da Tu selbst davon sprichst", versetzte er, „so brauche ich nicht zu schweigen. Ja, Irma, ich habe die Notiz gelesen, und wenn ich auf das Geschreibsel in den Zeitungen nicht viel gebe, so wäre'es mir doch lieb, von Dir zu hören, ob die Notiz auf Wahrheit beruht." „Nun ja, sie ist wahr, mein Vater hat sich erschossen . . • aber wahrhaftig, Eitel Fritz, auch ich erfahre erst jetzt diese traurige Thatsache. Ich erzählte Dir schon, daß ich damals noch in einer Schweizer Pension weilte, daß der Tod meines Vaters sehr plötzlich erfolgte, und daß ich gerade noch zur rechten Zeit kam, um seinem Begräbnis beizuwohnen. Nie sagte mir Mama, daß Papa Selbstmord begangen! Erst heute, als. ich sie fragte, gestand sie es mir." „Ich finde es begreiflich, daß sie Dir dieses traurige Ereignis verbarg. . ." „Ich finde es rücksichtslos — einmal mußte ich es doch erfahren —. ich hasse alle Heimlichthuerei und Unklarheit — das war der Schatten, der über unserem Leben ruhte. Jetzt begreife ich manches in unserem Leben, was mir oft seltsam genug erschien." „Der Selbstmord eines Menschen an und für sich hat nichts Unehrenhaftes an sich", sagte Eitel Fritz ernst „Erst die Beweggründe. . •" „Glaubst Du, mein Vater habe unehrenhaft gehandelt?" fragte sie scharf. „Durchaus nicht. . •" „Er griff zur Pistole, weil er* — krank war —• geisteskrank — er hatte allerlei Wahnvorstellungen, so sagte mir Mama. . ." „Ein tieftrauriger Fall, meine liebe Irma — ich danke Dir für diese Aufklärung — laß uns nicht mehr darüber sprechen und ärgere Dich nicht mehr über die Zeitungen." Er versuchte, ein harmloses- heiteres Gespräch anzuknüpfen, doch wollte es ihm nicht recht gelingen. Zum erstenmal sah er Irma reizbar und nervös, er selbst vermochte sich des Eindrucks nicht zu erwehren, daß doch ein Geheimnis hinter diesem Selbstmord des Majors verborgen war/ Es war, als wenn ein Schatten zwischen ihnen stände und jedes frohe, freie Gefühl unterdrückte. Eitel Fritz mußte unwillkürlich an die Worte Meyer- lings denken, daß in jedem Hause ein Skelett verborgen fei. Nacks einiger Zeit empfahl er sich, Irma hielt ihn nicht zurück. Zu Hause fand er eine Benachrichtigung des Regimentsadjutanten vor, fcfljj sein Kommandeur ihn am Nachmittag zu sprechen wünsche. Eitel Fritz solle zwischen vier und fünf Uhr auf dem Regimentsbureau sein. Was mochte der Oberst von ihm wollen? — Eitel Fritz war sich keines dienstlichen Vergehens bewußt, es konnte sich also nur um ckin außerordentliches Ereignis handeln. Aber auch in dieser Hinsicht sand Eitel Fritz keinen Anlaß zu der auffallenden Maßregel. Pünktlich begab er sich zum Regimentsbureau und ward vom Regimentsadjutanten empfangen. „Keine Ahnung, lieber Petershagen", entgegnete dieser auf eine Frage, ob er wisse, um was es sich handle. „Ich glaube fast. Sie sollen irgend ein Kommando erhalten. Es sind wenigstens mehrere Kommandos in nächster Zeit zu besetzen." „Hoffentlich aber in Berlin. Ich möchte gerade jetzt, wo ich mich verheiraten will, Berlin nicht gerne verlassen."- „Läßt sich denken. Na, dariiber läßt sich ja noch sprechen. Soll ich Sie jetzt anmelden?" „Bitte . . ." Nach einigen Minuten stand- Eitel Fritz vor dem Oberst, einer straffen, aristokratischen Soldatengestalt, aus dessen verwittertem, rotem Gesicht die grauen Augen kalt und vornehm unter grauen Brauen hervorblickten. „Herr Oberst haben befohlen. . ." „Ja — ich wünschte mit Ihnen eine Angelegenheit zu besprechen, die wir ganz unter uns — als Kameraden —-•, erledigen wollen. — Bitte, nehmen Sie Platz." Diese Aufforderung belehrte Eitel Fritz, daß es sich um keine dienstliche Angelegenheit handeln konnte. Um so gespannter war er auf die Lösung des Rätsels; aber eine geheime Ahnung flüsterte ihm zu, daß es sich um seine Verlobung handelte „Sie haben mir Ihre Verlobung mit Fräulein Weserling, der Tochter des verstorbenen Majors a. D. Weserling, ordnungsmäßig angezeigt. . -" Eitel Fritz verbeugte sich schweigend. „Gegen diese Verlobung an und für sich habe ich nichts einzuwenden — und wird niemand etwas einenden können — ich bitte, diese Bemerkung im Gedächtnis behalten zu wollen, damit keine Mißverständnisse entstehen. Gestatten Sie mir aber die Frage, ob es Ihnen selbst nicht angenehmer wäre, noch vor Ihrer Vermählung in ein anderes Regiment versetzt zu werden?" „In ein anderes Regiment?! — Daran habe ich bis jetzt nicht gedacht und ich muß Herrn Oberst offen gestehen, daß mir eine solche Versetzung sehr unangenehm wäre. Unsere Hochzeit soll bereits in vier Wachsen stattfinden — die Wohnung ist schpn gemietet, die Einrichtung besorgt ... ich bitte Herrn Oberst dringend, von einer solchen Versetzung abzusehen." Das Blut war ihm in die Wangen gestiegen, sein Herz pochte in rascheren Schlägen. Also man hatte doch an seiner Verlobung mit Irma etwas auszusetzen! Das ärgerte ihn und erweckte seinen Trotz. „Hm —" machte der Oberst, „Ihr Fräulein Braut will wohl gern in Berlin bleiben?" „Allerdings. — Und ich sehe auch nicht den geringsten Grund für eine solche Versetzung, Herr Oberst. . ." „Das zu beurteilen, müßten Sie nun freilich Ihren Vorgesetzten überlassen, Herr von Petershagen. Doch wie gesagt, Ihr Fräulein Braut würden wir alle gern in unseren Kreis aufnehmen — aber Sie wissen wohl, daß der Major 'Weserling durch Selbstmord geendet hat?" „Ich weiß es. — Er war geisteskrank. . ." „Wer hat Ihnen das gesagt?" SSrcuit/7 "Es ist richtig, daß man der Tochter den wahren Beweggrund dieser That ihres Vaters zu verschweigen sucht. Ihnen jedoch, Herr von Petershagen, bin ich es als älterer Kamerad schuldig, Aufklärung zu geben. Major Weserling erschoß sich, um einer ehrengerichtlichen Verhandlung aus dem Wege' zu gehen, die unfehlbar damit geendet haben würde, daß Major Weserling aus dem Offizierstande aus- gestoßen wäre. . ." £)bctft'? !/z "Der traurige Fall erregte vor fünf oder sechs Jahren großes Aufsehen. Sie selbst wurden erst später zu dem Reaiment versetzt, als man nicht mehr von dem Fall sprach. Auckc ich wußte nichts davon, da ich! erst zwei Jahre beim Reaiment bin — ich hätte Sie sonst früher gewarnt — erst vor einigen Tagen erfuhr ich- offiziell die üackten That- sachen, an denen nicht zu zweifeln ist." ~ Darf ich fragen, was man dem Ma^or vorwarf?" „Es thut mir leid, Herr von Petershagen ch-; diese Auseinandersetzungen müssen Ihnen sehr peinlich sein — aber in Ihrem eigenen Interesse muß es sem. Man beschuldigte den Major, int Unionklub — sagen, wir inkorrekt gespielt zu haben . . . man stellte ihn vor die Wahl, nach Amerika auszuwandern oder titor ein Ehrengericht gestellt zu werden —i er zog es vor, sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen." , , „Und bas ist verbürgt, Herb Oberst?" ist ein Protokoll über all diese Vorgänge äufge- Uommen, welches den Personalpapieven des, Majors tm Kriegsministerium beigefügt ist, ED ist von einwanchrereu — 575 — Zeugen unterschrieben worden. Uebrigens befindet sich auch! ein Rittmeister a. D. Meyering unter den Zeugen, der, wie ich höre, ja noch in der Familie des Verstorbenen verkehrt. Er war ein Freund des Verstorbenen und suchte ihn zu entlasten. Von ihm werden Sie ja die näheren Umstände erfahren können." Also das war das Skelett im Hause Weserling! Und der Rittmeister wußte davon und sagte ihm nichts? — Auch die Majorin mußte davon wissen! — Man hatte ihn mithin wissentlich getäuscht — und Irma! — Täuschte sie ihn auch? Wußte sie ebenfalls von dieser traurigen Geschichte? — Zorn und Zweifel an der Aufrichtigkeit Irmas erfaßten ihn. Wenn auch Irma ihn getäuscht, dann gab es für ihn nur einen Weg — die Verlobung aufheben! — Aber, und es überrieselte ihn eiskalt — war er denn noch im stände, zurückzutreten? Hatte die Majorin ihn nicht mit goldenen Fesseln an sich gekettet? :— Er war verloren — ruiniert, wenn er sich zurückzog! Tiefe Gedanken durchkreuzten mit Blitzesschnelle seine Seele. Ter Oberst sah ihn mit seinen klaren, scharfen Augen aufmerksam an, er mochte wohl die Gedanken seines jungen Kameraden erraten. Langsam sagte er: „Sie sehen da einmal wieder ein Beispiel der verderblichen Wirkung des Hazardspiels, vor dem ich meine Offiziere ja schon oft eindringlich gewarnt habe.' Man bringt sich dadurch in Abhängigkeit von Leuten, mit denen man überhaupt als Offizier nicht verkehren sollte. — Ich weiß, daß auch Sie viel tu, Sportkreisen verkehren. Sie haben sich wieder einige Rennpferde angeschafft, nun. Sie sind ja ein vorzüglicher Reiter, und ich verdenke Ihnen die Teilnahme an den Rennen nicht — aber seien Sie vorsichtig. Der grüne Rasen ist in mancher Hinsicht ein sehr schlüpfriger Boden. Doch nun sagen Sie offen — halten Sie es nicht auch für das beste. Sie lassen sich in ein anderes Regiment versetzen?" „Ich weiß denn doch nicht, Herr Oberst, ob der Fehltritt des verstorbenen Vaters meiner Braut ein Hindernis bildet, meine Braut und Gattin in der Gesellschaft zu emfangen." „An sich wohl nicht — sonst würden Sie die Konzession zur Heirat nicht erhalten. Aber Sie kennen ja selbst die hresrgen Verhältnisse — so etwas spricht sich herunr — mau spricht jetzt schon davon — ich möchte Sie und Ihre Fräulein Braut vor unangenehmen und peinlichen Situa- twneii bewahren, tyn Köln, in Bonn oder Königsberg oder Breslau wird man Sie mit offenen Armen empfangen, und ich glaube Ihnen versprechen zu können, daß inan Sie in ein gutes Regiment versetzt." „Und wenn ich dennoch bitte, von der Versetzung Abstand zu nehmen . . ." Der Oberst erhob sich. Er war jetzt wieder ganz der Vorgesetzte des jungen Offiziers. „Ihre Bitte würde nicht berücksichtigt werden können, Herr Leutnant", sagte er kalt Und scharf. Auch Eitel Fritz hatte sich erhoben. Der Zorn übermannte ihn. Er empfand diese Versetzung als eine Schmach, als eine Beleidigung, er richtete sich stsraff empor imb entgegnete mit grollender Stimme: „So bleibt mir nichts übrig, als meinen Abschied ein- zurerchen." „Tas ist Ihnen unbenommen. — An diese Lösung habe rch auch gedacht, glaubte sie Ihnen aber nicht Vorschlägen zu sollen, da rch Sie als tüchtigen Offizier schätze, den ich gern dem Dienst seiner Majestät erhalten möchte. Sie sind jetzt erregt. Ueberlegen Sie sich meine Worte — ich erwarte i ms morgen mittag Ihre Entschließungen. Ich danke, Herr Leutnant," ‘ ■®rte kurze förmliche Verbeugung, dann war Eitel Fritz entlassen. „Na, was wollte der Alte?" fragte der Adjutant im Vorzimmer. „Nicht wahr, ein Kommando?" freilich", lachte Eitel Fritz bitter. „Ein Kvmmando zur Reserve. . ." und er eilte fort, ohne sich weiter um den Achutanten zu bekümmern. Dieser blickte ihm schlau lächelnd nach und pfiff leise durch die Zähne. „Mit einer Millionenbraut läßt sich das Kommando zur Reserve schon ertragen", dachte er und begab srch nnt seinen Rapporten zur Unterschrift in das Zimmer desj Kommandeurs!.. (Fortsetzung folgt.) Verstand bei Tieren. (Nachdruck verboten.) Von jeher ist es eine viel bestrittene Frage gewesen, ob die Tiere eine Seele besitzen. Niemand aber hat je sich der Thatsache verschlossen, daß der hohe Grad des Verstandes bei einigen Tieren einer bedeutenden Entwickelung fähig sei. Sir Walter Raleigh erzählt ausführlich von einem hoch entwickelten Pferde, dessen Fähigkeiten er selbst erhärten konnte. Dasselbe bäumte sich auf und wollte schlagen und beißen, wenn der Name des Königs von Spanien erwähnt wurde. Wenn sein Herr zu ihm sagte, er wolle es als Wagenpferd verkaufen, so legte es sich erschreckt nieder, und fiel wie tot zu Boden. Hätte sein Herr in alten Zeiten gelebt, sagt Raleigh, so würde er alle Zauberer der Welt beschämt haben, die niemals so wie er ein Tier meistern und anlernen konnten. In der Rechenkunst leistete dieses Pferd großartiges, und Shakespeare bezieht sich zweifelsohne in „Verlorene Liebesmüh" darauf, wenn er Moth, der Armade mit mathematischen Fragen verwirrt, höhnisch sagen läßt: „Tas tanzende Pferd wird es Dir erklären." Ein Liebling Buffons, des großen Naturforschers, war ein Wiesel. In einem Briefe beschreibt er dessen köstliche Späße: „Sobald ich am Morgen erwache, liebkost mich das kleine Wesen, spielt wie ein kleiner Hund mit meinen Fingern, und setzt sich mir auf den Kopf und die Schultern. Wenn ich drei Fuß entfernt ihm die Hand hinstrecke, springt es ohne je zu fehlen, hinein. Und während es spielt, dreht es sich immer um, um zu sehen, ob ich auch zuschaue. Wird ihm keine Aufmerksamkeit zu teil, so stellt es sein Spiel sofort ein und fängt an zu schlafen. Ter Dichter Cowper war ein leidenschaftlicher Tierfreund. Einst war er glücklicher Besitzer von fünf Kaninchen, drei Hasen, zwei Meerschweinchen, einem Eich>- hörnchen, einer Elster, einer Dohle, einem Star, außerdem von zwei Dompfaffen, zwei Kanarienvögeln und zwei Hunden. Einen Liebliugshasen brachte der Dichter nach dem Frühstück hinaus in den Garten: „dachte ich einmal nicht daran", so erzählt er, „so begann er mit seinen Pfoten auf meinen Knieen zu trommeln, und nahm ein Gesicht an, das nicht mißzuverstehen war. Half das noch nicht, so erfaßte er mit den Zähnen einen meiner Rockzipfel, und zog mit aller Macht an demselben." Es kann kaum bezweifelt werden, daß die Tiere die Sprache verstehen. Es wird von dem Hunde eines Hirten erzählt, daß er, da er vernahm, wie sein Herr seiner Frau klagte, er sei zu krank, um seine Herde nach Hause holen zu können, die Hütte verlassen, und zur rechten Zeit die Herde nach Hause getrieben habe. Wenn ein Herr mit seinem Hunde in ein fremdes Land reist, dessen Sprache für ihn noch unbekannt ist, (o. lernt der Hund die Sprache immer zuerst verstehen. Diese Beobachtung hat man schon häufig gemacht. Ganz kürzlich wurde twdj. diese Beobachtung an einem Schoßt Hunde gemacht, der von Frankreich nach England gebracht worden war, und dort bei einer Familie lebte. Zunächst bezeugte er eine Art Bestürzung beim Klange der fremden Laute, bald jedoch vermochte er nicht nur den Ton der Stimmen zu unterscheiden, sondern oudj, die Worte selbst. Leibnitz erzählt von einem Hunde, der einem sächsisch«: Bauern gehörte, daß er von dem Sohne seines Herrn sprechen gelernt habe. Er soll etwa dreißig Worte haben aussprechen können. Noch erstaunlicher ist die Erzählung Lord Aveburys. Er befaßte sich viel mit der Erziehung von Hunden und behauptete, daß mau einem Hunde viele einfache Worte wohl einer jeden Sprache beibringen könne. Es soll ihm sogar gelungen sein, «nein kleinen schwarzen Pudel etwas Lesen beizubringen. Er malte auf Pappkärten Worte wie: Knochen, hinaus, Nahrung, und lehrte dem Hunde allmählich- das Wort mit den: Gegenstände selbst zu verbinden, und auf Wunsch eine bestimmte Karte auszusuchen. . Hier hat sich auch eine bemerkenswerte Thatsache herausgestellt .nämlich, daß! die Klugheit eines Hundes sich auf die gleiche Ursache stützt, wie die des Menschen — das ist: Sammlung beim Lernen. Wird die Aufmerk- samkeit des Tieres beim Lernen durch Nebensächlichkeit! abgezogen, so kommt er nicht wett. Wo aber ein fester!! Wille zur Aufmerksamkeit vorhanden ist, lassen sich nicht 576 ,mr bei Hunden, sondern selbst bei Pferden, Elephanten und anderen höheren Tieren überraschende Lehrresultate erzielen. _____________ Unser Garten im Oktober. (Nachdruck verboten.) Was Baum und Strauch gebracht, das suchen wir zu ernten und zu bergen, und was der Fleiß im Gemüsegarten schaffte, das soll den Wintervorrat mehren. Beim Ernten ist immer darauf zu achten, bcuß nur die Frucht Dauer haben lann, die fleckenlos und ohne Druckstellen einge^ leimst worden ist. Zum vorsichtigen Ernten zwingt uns deshalb in erster Linie unser Interesse an der frucht, in zweiter Linie aberauch! unser Interesse an dem Baum. Wo rücksichtslos Frucht und Knospe abgerissen wrrd, . da ist rücksichtslos die nächstjährige Ernte bereits im Keime geschmälert worden. Das Interesse nn. dem Baum zeigt sich aber nicht allein in dem vorsichtigen Ernten, es soll petzt aedüngt werden, es soll weggeschnitten werden das Lieber» flüssige und Hemmende, es soll fortgenommen werden, was die Lebenskraft des Baumes stiehlt, das jinb die Wasser- ,reifer, und das ist das Ungezieser, und das sind die Puz- schodlinge. Abkratzeu der Baumrinde, Kalken, Leimringe legen, mit Kupferkalkbrühe spritzen, Vernichtung des madigen Obstes, Vernichtung der Puppen, die in dem Boden sind, durch! Lockerung, durch Einlaß von Hühnern, durch Kus-- sammeln rc., ist eine dringende Notwendigkeit. Der Einwinterung der Gemüse wurde bereits gedacht. Lauch, Meerrettich, Schwarzwurzeln, können im Freien bleiben. Man sät noch Spinat, Kerbelrüben, Feldsalat, Spargelsamen. Man gräbt und düngt mit Kalk uiid Dünger alle abgeernceteu Pflanzlöcher für Obstbäume, Beerensträucher rc. werden gemacht. Man sorge dafür, daß sie groß genug werden. Für den Obstbaum mindestens 1 Meter im Quadrat, für die anderen Pflanzen 30/50 Zentimeter. Auch gute Pflanz- erde ist nicht zu vergessen, und dort, wo dem Mutterboden Letteschichten untergelagert sind, soll mail das Pflanzloch nicht im diese Letteschichten hineinfühven, oder gar ne durchbrechen. Man würde durch solche Arbeit nur bte Wurzeln in den schlechten Untergrund hineinleiten und den Baum in Kürze brotlos machen. Man pflanzt auch, sorgt aber, daß die Wurzeln der zu pflanzenden Sacheil niemals trocken werden. Das Abtrocknen der Wurzeln berm Pflanzen oder vorher bringt den Bäumen größeren Scheiden als vieles andere. Man entblättert allmählich seine Rosen, ttotnif sie au Winterfestigkeit gewinnen. Man pflanzt noch Stauden, legt Marienblümchen um, setzt Hyacmthen, Tulpen, Crocns auf Beete, Töpfe oder Gläser und sorgt bet ersteren durch Zwischenpflanzung voll Stiefmütterchen, Vergißmetn- nicht und dergleichen, daß die Beete gleich im Frühjahr hübsch- aussehen. , Einige Blumensamen, so Reseda, Escholzren, Mohn lassen sich auch im Herbste aussäen. Diese Aussaat ist dann besonders angebracht, wenn man ungünstige Verhaltnrsse, Strauchpartien rc. mit den Pflanzen besetzen möchte. Die Zimmerpflanzenpflege tritt meyr ttt thre Rechte, allmählich werden die Sachen eingeräumt Daber ist Vorstcht geboten. Die Pflanzen bedürfen anfangs viel größere Wassermengen, als sie in letzter Zeit im Freien notwendig hatten. Daher heißt es einige Wochen hindurch stärker gießen. Viele Gewächse - Topsobstbäume, Topfreben werden tm Herbste umgepflanzt. Man kann dabei viel von den alten Wurzeln sortschueid-en. Topfrosen, die zum Treiben benutzt werden sollen erhalten ein Drittel gute Erde. Tretbp,tanzen, wie Helleborus, Flieder, Prunus triloba und andere werden eingevflanzt, auch Veilchen nfcht vergessen. . Man stellt die Kästen für dre Knollen, Begomen, Gla- dioleu, Dahlien, Canna zurecht, damit, wenn l«. der Frost Frost vlöülich und heftig eintritt, er uns vorberettet fmdet. Die Üeberwinterung. selbst muß sich den Räumen anpasten, die wir dazu benutzen. Davon das nache Mal. I. C. Schmidt, Erfurt- Roman von Hanns v. Zobeltitz, „Besiegter Stern", der den Leser in ein ganz neues Milieu führt, in die Riesenarbeit an einem der gewaltigsten Alpentunnel. Außerdem werden für den Jahrgang Romane von Georg Frhr. v. Ompteda und Paul Oscar Höcker angezeigt. Die erste Nummer ist überaus reichhaltig; sie bringt u. a. eine feine Novelle von Carl Busse, einen Hochtouristen-Artikel aus den Dolomiten von Georg v. Ompteda, einen naturwissenschaftlichen Beitrag „Rattenwanderungen" von Prof. Dr. Marshall, einen Artikel über Venezuela von C. v. Hesse-Wartegg und in den verschiedenen, der Frauenwelt, den Kindern, den Musikverehrern, den Blumenfreunden, bem, Sammelsport gewidmeten Unterabteilungen eine Fülle interessanten Materials; in „Aus der Zeit — für die Zeit" werden die Tagesereignisse an der Hand aktueller Momentphoto- qraphien in Autotypien vorgeführt, während die sonstige Illustration des Blattes fast vollständig auf künstlerisch vollendetem Holzschnitt beruht, alter, guter Tradition getreu. Die Nummer bringt außer zahlreichen anderen Bildern eine meisterhaft in Tondruck ausgeführte Kuust- beilage nach dem Gemälde „Abendläuten" von Professor Ludw. Dettmann. Gsmssmmizigss. Tapezieren neuer Wänd e. Es ist durchaus fehlerhaft, vor Ablauf eines vollen Jahres neue Wände zu tapezieren. Selbst bei sorgfältigstem Lüften Abwäschen des Schimmels, der sich unweigerlich bildet, und Anwendung jeder anderen gebotenen Vorsichtsmaßregel verdirbt dte Tapete und wird bald in Fetzen herabhängen. Allen Hausbesitzern unter uns, und jedem, den es sonst angeht, ser diese auf Erfahrung begründete Notiz bekannt gegeben, dte jedermann beachten sollte, der sich vor Schaden tmd Unkosten schützen möchte, um so mehr, als gegentetltge Metn- unqen nur zu oft vertreten werden. Uebrigens gtcbt dte Mode jetzt gemalten Wänden vor Tapeten den Vorzug. Es sollen sich auf ihnen, besonders wenn ste tn Stetttgrau gehalten find, Gemälde und Kunstwerke besser abhebeit. Gegen Mauerfratz dient folgende Mörtelmischung: 35 Teile gewaschener, scharfer, aber trockener Sand, 65 Teile Kalkpulver und 3 Teile Bleiglätte werden mtt dein 14. Gewichtsteile Leinöl eine halbe Stunde lang gekocht. Der Anf- traa dieses Mörtels muß vom Kessel weg heiß auf die vor- aewärmten Mauerflächen geschehen, läßt sich mtt verschte- denen Farben versehen und ist sehr wetterbeständig. „Praktischer Wegweiser", Wurzburg. Babys Frage: 1. Mütterchen, ich bitt dich, horch, - Wird ein Baby, das der Storch In die Wiege legt im Nu, Eirist ein großer Mensch wie du? 2. Mütterchen sag, ist es wahr, Daß die ganze Babyschar, Alle Mädchen, alle Knaben, Ihren guten Engel haben? 3. Das ist beides wahr, mein Kind; . Wenn die Baby artig sind, Kommt der Engel in die Wohnung Und bringt dann mit zur Belohnung: 4 Was euch Stärke gibt und Kraft, Und Gesundheit ftet§. verschafft, Aus dem General-Depot: Kasseler Hafer-Kakao. Kapselrätsel. (Nachdruck verböten.) Es ist ein Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in den nachstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung. Gebeine — Nachtisch — Gesindel — Pfalz — Leun — Skat Mützen — Graupen. (Auflösung in nächster Nummer.) _ Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Bnch- und Steindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen. Redaktion: E. Burkhardt. Auflösung des Abteilrätsels in vor. Nr.: Mai — Seil — Emil — Zange — Rast Mais — Eile — Milz — Anger — Ast, tritt soeben in seinen 38. Jahrgang unb ladet damit zum « Abonnement ein. Den Jahrgang eröffnet etn großer :