(Nachdruck verboten.) Prüfung. Kriminalerzählung von E. Hainberg. (Fortsetzung.) „Hoffentlich fechten wir sie dann mit besserem Erfolg aus, als das erstemal!" meinte Mohrmann. „Doch noch eins! Neben Karsten ging ein zweiter Mensch, mit eben solcher Galgenphysiognomie. Ich meine, ich müßte das Gesicht schon einmal gesehen haben, kann mich aber nicht besinnen, wo und unter welchen Umständen, die roten Haare und der rote Vollbart, die der Mensch hatte, müßten mir doch erinnerlich sein/' „Jedenfalls in amtlicher Eigenschaft", erwiderte Werner. „Sicher", gab Mohrmann zu. „Aber da läuft einem ja so viel Gesindel unter die Augen, daß man sich unmöglich die einzelnen Gesichter merken kann." „Ich werde die Wachtposten verstärken; ich denke, das soll einmal einen ordentlichen Fang geben." „Recht so, Herr Forstmeister, und dann bringen Sie die Kerle her, und soviel an mir liegt, soll den Spitzbuben alsdann das höchste Maß der gesetzlichen Strafe sicher sein. — Doch was ist das?" unterbrach er sich und sprang erregt auf, eilte nach dem Fenster, das er hastig aufstieß, dann sich hinausbeugte und eine Zeitlang in die Dunkelheit hinaushorchte. Darauf sich wieder zurückwendend, sagte er erklärend zu dem Forstmeister : „Ich sah soeben die Galgenphysiognomie, von jbler ich! Ihnen vorhin sprach, an das Fenster gedrückt. Der Kerl hat gehorcht." „Ta soll doch gleich —" Der Forstmeister stürzte hinaus. „Robert, Robert!" riefen ihm Frau und Schwester nach. „Beruhigen Sie sich, meine Damen, ich folge." Damit eilte auch Mohrmann hinaus in die dämmernde Nacht. Tie beiden Frauen standen und lauschten, zitternd an die Hausthür gedrückt. Jeden Augenblick, fürchteten sie, müsse etwas Entsetzliches geschehen. „Lassen wir die Hunde los", riet Hanna. „Tas dürfen wir nicht, Robert ist schon einmal böse geworden, als ich ihm Tiana ohne seinen Willen nachsandte." „O Gott, wie fürchterlich! ist das", klagte Hanna. „Ja siehst Tn! Das ist nun die Kehrseite von dem Leben eines Forstmannes. Es ist eben nicht alles Dienstag den 10. September. £1901. — Nr. 128. s!-,! »W LiOEISil K MHMSM lles zur rechten Zeit thun, und sichert den Erfolg. das ist weise, das fesselt das Glück A. v. Loy. Gold, was glänzt! Ta gehen sie nun hin, die beiden Männer, und wir armen Frauen bleiben unbeschützt zurück, wie leicht könnte der Unhold wieder heranschleichen. „Laß uns die Thür verschließen, Bertha." „Ja, das wird das beste sein — doch horch, ich hörte Roberts Stimme." Auch Hanna hörte sie und atmete befreiter aus. „Robert!" ries sie. „Hier, Kind!" scholl es zurück, „nur keine Furcht! So,, hier sind wir wieder zur Stelle, heil und gesund", sagte Werner und trat mit Mohrmann zugleich über die Schwelle. „Es war übereilt, daß wir dem Menschen nachrannten", sagte Mohrmann; „was hätten wir ihm denn anhaben können, wenn wir ihn ergriffen hätten?" „Ja, Sie mögen recht haben", pflichtete Werner bei. „Der Aerger über solch eilt Subjekt kann einen zuweilen rasend machen." „Deine Wilderer haben uns den ganzen Abend verdorben", klagte Frau Bertha. „Nun aber schlage ich vor, meine Herrschasten, wir setzen uns zu Tisch und lassen Wild- und Forstfrevler sein, wo sie wollen." „So spricht die Frau eines Forstmannes?" sagte Werner tadelnd. „Warum nicht? Glaubst Tu, diese ewige Unterhaltung von diesen Zukunftsräubern und Mördern wirkte nicht beängstigend auf uns? Sieh Dir nur Hanna an, wie sie noch bleich ist von der ausgestandenen Angst." „Du hast recht", pflichtete nun Werner bei. „Wir Männer vergessen gar oft in unserer beruflichen Angelegenheit auf unsere Lieben Rücksicht zu nehmen. Seid weiter nicht bange, Kinder! Und auch damit hast Du recht, liebe Frau, daß wir zu Tisch gehen. Ein gutes Glas Wein soll uns den Aerger hinunterspülen. Nachher begleite ich den Herrn Staatsanwalt eine Strecke und mache dann einen Streifzug durch den Wald." „Um Gottes willen, nein!" riefen Frau Bertha und Hanna zu gleicher Zeit. „Tu willst heute abend, wo die gefährlichen Menschen herumschwärmen. Dich noch in den Wald begeben?" „Ohne Furcht! Ihr wißt, daß ich vorbereitet bin. Außerdem durchstreift das Forstpersonal das Revier von allen Seiten, ich bin also nicht allein." „Herr Forstmeister, auch ich möchte Sie bitten, heute zu Haus zu bleiben", versuchte Mohrmann die beiden Damen zu unterstützen. „Und Sie allein einer Gefahr sich aussetzen lassen?" „O", lachte Mohrmann, „meine Person bringt den Halunken keinen Gewinn; sie werden sich, hüten, aus solche Weise die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken." „Sie mögen recht haben, Herr Staatsanwalt; trotzdem aber begleite ich Sie eine Strecke und pirsche dann noch ein wenig herum." Tas war so bestimmt gesprochen, daß keiner der Anwesenden -eine weitere Einwendung zu thun wagte. Man 510 aß und trank und suchte die leidige Angelegenheit zu vergessen ; dennoch wollte keine rechte Stimmung wieder aus- Sonderbares. Ter Laufende blieb plötzlich stehen. Mohrmann dachte, daß jener wohl nach dem eiligen Lauf einen Augenblick verschnaufen wolle, doch ehe er noch diesen haben. • _ , , So oft nun Werner bei seinem Aus- und Niedergang an dem noch immer Besinnungslosen vorüberkam, beugte er sich nieder zu ihm, um deu kaum vernehmbaren Atemzügen zu lauschen. Die Wunde schien aufgehört haben zu bluten, der Verband hatte also doch gut geschlossen. Das war nun vorderhand das einzige, was er für den Freund tftitn konnte. War das ein Tag! Wenn er dies Ende geahnt hätte. Der leise Groll, der für einen Augenblick m ihm aufgestiegen, als er Mohrmann so unerwartet mit seiner Gattin zugleich ankommen sah, und der ihm hatte zuflüstern wollen, daß diese Begegnung von feiten Mohrmanns kerne Schritte hinter sich, nicht leise, sondern hart und sest austretend. Derjenige, der da jetzt durch die Stacht hinter rhm her eilte, hatte sicher keine böse Absicht, sonst wurde er wohl seine Schritte mehr gedämpft haben. Mohrmann drehte sich herum und blieb stehen, um den Heraneilenden zu erwarten, saßte aber doch vorsichtigerweise nach ferner Brusttasche, wo ein Revolver seinen Platz hatte. Da glaubte er zu seinem nicht geringen Erstaunen, den Forstmeister zu erkennen. Zwar war es zu dunkel, um die Züge seines Gesichts zu unterscheiden, aber es war seine hohe, kräftige Figur und sein blonder Vollbart; auch sein Jagdrock machte ihn kenntlich. Sonderbarerweise hatte er aber den Mantel nicht mehr um. Wahrscheinlich war er ihm, zu warm und infolgedessen hinderlich geworden. Das ging ihm noch so kurz durch den Sinn, dann ries er, seinem Erstaunen Ausdruck verleihend: „Forstmeister, Sie!" Indessen wurde ihm keine Antwort. Dagegen geschah aus einmal etwas ein Blitz, ein Knall — und Mohrmann sank zu Boden. ien Climen „llv , Der andere aber war eilig au dem Niedergesunkenen : „Sie entschuldigen, Herr | vorübergesprungen und hatte die Richtung nach der nahen Nack, eingenommener Mahlzeit stand der Forstmeister Gedanken ausgedacht, streckte jener die rechte Hand aus — alsbald^ auf^zoEMer^^seinen kurzen Jagdrock mit den < - und Mobrmann sank M Boden. blanken Hirschknöpfen nod} einen leichten Mantel ^und Staatsawwalt^wenn ÄKe "ZZM^Es läg I Lt^Hu.gesckstag^i,"zuvor'aber'die Büchst mit'welcher der Schutz «bge|eu«t w»id.„ »;» sich e-wM «ein* re» fipbarf biefer Entsckmldiauua nicht, Dienst geht I Viertelstunde mochte verflossen sem, als abermals ^witte allem vor Und auch für mM ist ^ die Bchst Man laut wurden, Lichter blitzten auf und Stimmen ließen srch vergißt das so leicht in angenehmer Gesellschaft", sprach vernehmen Hier müssen wrr suchen, m dieser Gegend habe &eir Staatsanwalt", lachte Frau Bertha, ,schon wieder I Es war der Forstmeister, der Mit zwei ferner Gehckfen, Süßholz? Sie wissem es ist strenge Kontrolle über zu die er oben im Walde getroffen hatte, srch durch das sviiisiaen Gebrauckr gestellt." | Unterholz hindurcharbeitete. Ein schalkhafter Blick streifte dabei ihren Gatten, aber | „Tort auf dem Wege liegt ein dunkler Gegenstand, Herr dieser ging diesmal nicht darauf eiu, finster und nach- j Forstmeister", rref einer der .Beamten. .Tr "®*n er zu jJtoQrmann_ _______ Stein sein." «- Hälfte des Weges der F--s.m°i,°--i bis zur -- im *"» •** Kreisstadt hatten die beiden Beamten zurückgelegt ohne °'^er Forstmeister und seine Gehilfen sprangen hinzu, daß ihnen irgend Auffälliges begegnet wara ^etzt blieb I mdtt~reuxtJe leblolen' Gestalt ins Gesicht, und der der Forstmeister stehen. „Es hat kernen Zweck, werter mit | ~ ~ uraHte entsetzt zurück, als er das wachsbleiche Ihnen zu gehen, Herr Staatsanwalt; ich. will mich einmal Forstmer er praure ^U^zuruci,^^^^ hier seitwärts in die Busche schlagen und sehen, ob ick) ~ , gekommen?" Dann beugte er da nichts Ungehöriges entdecke, oder einen meiner Beamten ^"F^^ld^^eblosen nieder „Ein Schuß in die Brust", f,”6@e reichten sich di- Häud- und gingen bann «nSein- LuMK ander. Der Forstmeister war bald zwischen dem dichten Er lebt" kam es befr dig von seinen Buschwerk verschwunden, auch seine Tritte waren ver- Mohrmanns.^ „Er^ lebt hallt. Ob er irgendwo gefaßt, ^tin^^är ^mr I würdigste, schnitt ohne weiteres mit seinem Messer das nun stehen und lauschte tn die Nacht hinaus. Er toa _ | ‘ □ ssprimmbpfen auf weil ibm alles audere Zeit- ja durchaus keine^ ängstliche Natur und wurde einem Kampf | berju^ ltn^ UTmüfee Qual für diesen schien. Da entdeckte nicht aus dem Wege gegangen sem, und dennoch! überkam | oberhalb der Herzgegend. So gut es bei der ihn mit einemmal ein beklommenes Gefühl. Er hatte so | manQe^acten Beleuchtung unt> dem noch^ mangelhafteren oft diesen Weg m Gestllschaft und auch altem zuruckgelegt, I Material ging, verstopfte er die Wunde, um ihre Blutung und noch Nie war ihm etwas begegnet, toa» ihm diesen 9yn| tegt'e durch, zwei zusammengeknüpste Tücher Weg hätte als unsicher erscheinen lassen, setzt aber wollte I Verband um. Dann richtete er sich wieder auf. Ein es ihm scheinen, als hatte er besser gethan, die unterhalb I ^Eiaer Aufrubr schien ihn zu durchtoben. Seine Hände dieses Waldweges hinführende Chaussee zu wählen, die I zuweilen ging eine sehr starke Erschütterung, zwar durch ihre schlangenhaften Windungen einen Umweg | , |ör))er. Sein Gesicht war so bleich, wie das des Äi’äÄt.Ä M«---w2L, d-m«'(&di-g°-»t er stehen und lauschte. Doch er mußte sich wohl geirrt ung des.Z°^me^ ^^n Sie nach der ,L ®STÄti, 6S=‘ M NLL ä*c ****”■ *roi“ ei”,tocilra sicher ein Irrtum gewesen, als er ihn verfolgende Schritte | ®efien Sie nur beide", erwiderte ungeduldig der Forst- zu hören glaubte. Der heutige Abend seinen erregen- I mei-"r g feine ^eit %XL verlieren, ein Arzt muß auch den Begebnissen war mcht ohne Wirkung auf seme Nerven | stelle und zwei gewandte Träger, am besten aus dem gewesen, was eigentlich zu feiner amtlichen Stellung gar I Sagen Sie, es sei Todesgefahr vorhanden." nicht paßte. „ I .^ip beiden Beamten entfernten sich eilig, sie mochten Er ging nun mit etwas rascheren Schritten ^rwa^ch I Ansehen, daß hier jede Einrede vergeblich, sei und es trieb ihn, nach Hause zu kommen, dazwischen lauschte ! Schwerverwundeteii auch die höchste Eile vonnöten er hin und wieder ob er nichts von dem Forstmeister und ur den^Merverwunoere^enem Laufschritt legten sie nun seinen Gehilfen hörte,, es wäre doch möglich daß er mit war sag kurzer Zeit zurück, ani^enüer I-zwischen patrouillierte der Forstmeister mit zum Es blieb ruhiK., eintnti Jörteer | W berei^ehEE Revolver Dock) Viertelstunde um Viertelstunde verging, ohne daß die Stille der Nacht durch ein Geräusch unterbrochen wurde. Derjenige, der hier beinahe zum Mörder geworden war, mußte die Stätte seiner verruchten That alsbald verlassen 511 ganz zufällige sei, war längst geschwunden, sein biederer, offener Charakter hatte keinen Raum für unbegründetes Mißtrauen. Und angesichts dieses Unglücks schämte er sich fast jenes bitteren Gefühls wegen, das eine so nahe Verwandtschaft mit der von ihm so gehaßten Eifersucht zeigte. Doch jetzt das Geräusch sich nahender Menschen! Man kam, und dem Unglücklichen würde Hilse werden. Es mußte alles aufgeboten werden, das fast entschwundene Leben zu retten, nicht allein aus Nächsten- und Freundesliebe, sondern auch, um dem Thäter auf die Spur zu kommen; denn es war doch immerhin möglich, daß Mohrmann seinen Angreifer erkannt hatte. Sie mußten sich ja gegenübergestanden haben, Auge in Auge, Mann gegen Mann, dafür zeugte der Schuß in die Brust. Man hatte den Verwundeten vorsichtig auf die mit Matratzen belegte Bahre gehoben und eine leichte Decke über ihn geschlagen. Zu jeher Seite ein Fackelträger, setzte sich nun der traurige Zug in Bewegung. Der Forstmeister und seine Beamten sahen ihm noch eine Weile nach, dann schlugen auch sie still und nachdenklich den Nachhauseweg ein. Hin und wieder wurde eine leise Vermutung zwischen den drei Männern getauscht, die sich aus den traurigen Vorfall bezog. „Ich kann kaum glauben", sprach unter anderem der Forstmeister, „daß der Staatsanwalt die Person gewesen ist, aus die es der Mörder abgesehen hat. Wahrscheinlich war die Kugel mir bestimmt. Wir sind so ziemlich von gleicher Höhe und Stärke, da war es wohl leicht, uns in der Dunkelheit zu verwechseln. Ich mache mir deshalb auch Vorwürfe, daß ich Mohrmann auf diesem Weg allein gelassen habe." „Aber, Herr Forstmeister, Sie konnten doch nicht ahnen, daß hier eine Kugel auf den Herrn Staatsanwalt lauere", sprachen die Beamten. „Nein, allerdings nicht, aber ich! hätte ihn dennoch! zurückhalten sollen, gerade diesen Weg zu gehen, auf dem er heute schon die seltsame Begegnung hatte." Der Forstmeister erzählte nun die Vorgänge des Nachmittags und Abends. „Tann stammt auch, die Kugel von einem jener beiden, wer wohl der Rothaarige sein mag?" „Das zu erforschen wird Sache der Untersuchung sein, ob es aber gelingen wird? Karsten wird sich schon herauslügen." Das gaben auch die beiden anderen zu. Ja, es würde schwer halten, den Schuldigen zu fassen, obgleich auch sie nicht zweifelten, daß der lieberfall einem anderen gegolten hatte, so war nun gerade dadurch, daß der Staatsanwalt das Opfer geworden, die Sache verwickelter geworden; denn dadurch fiel dem äußeren Anschein nach jeder Verdacht, daß die That von Wild- oder Forstfrevlern verübt sei, fort, während ein stichhaltiger Grund, der die That als einen Racheakt gegen Mohrmann ausfassen ließ, auch gerade nicht vorhanden war, hingegen Werner, durch zwar gerechte, aber strenge Ahndung jeder Uebertretung der in sein Bereich fallenden fiskalischen Gesetze, sich Feinde erworben hatte. (Fortsetzung folgt.) Vom Monat September. September 1901. (Nachdruck verboten.) Mit dem September geht der Sommer zur Neige, fast sämtliche Wald-, Feld- und Gartenfrüchte sind gereift und werden eingeerntet, wodurch der Markt eine Fülle notwendiger wie auch üppiger Gaben bietet. Gut versorgt ist der Obstmarkt mit Nutz- und Dauerobst, sowie mit Nach- tischsrüchten, wie Pfirsichen, Melonen und Weintrauben. Der Wald liefert zum Einkochen reiche Mengen Preißel- beeren. Auch die scharlachroten Hagebutten sind schon zu bemerken, die vorzügliche Suppen, Saucen, Kompotts, und Fruchtkonserven geben. Zu der reichen Obstwahl kommen die reifen Wallnüsse und die im dichten Blätterschmuck geborgenen Haselnüsse. Spanischen Pfeffer und Tomaten bietet der Markt in Menge. Gute madenfreie Pilze liefert der Wald bei nicht allzu großer Trockenheit den ganzen September hindurch. Als bemerkenswerte Neuheit, freudig begrüßt von der feinen Küche, erscheint die Aristokratin der Pilze, die schwarze Hannoversche Trüffel. Wenig verändert ist'der Gemüsemarkt bis auf zarten jungen Spinat, der sorgsam zubereitet und mit Bruunen- kresse, Petersilie oder Schnittlauche gewürzt, immer ein gesundes, und wegen seines reichen Stickstoffgehaltes auch nahrhaftes Gemüse ist. Die Kohlarten befinden sich noch! im besten Wachstum, die Köpfe des Rotkohls sind noch etwas klein, besser ist der Weißkohl und zur schnellen Zubereitung von srischem Sauerkraut schon geeignet. Blumenkohl geht fast durchweg in die Delikateßhandlungen, nur wenige Großhändler des Marktes haben gute Ware. Man achte stets darauf, nur frischen Blumenkohl zu bekommen; denn welkgewordener schmeckt kohlrübenartig. Auch schon kleine Proben Rosen- oder Brüsseler Kohl^ sieht man, bei uns ist er nur Luxusgemüse, in Holland ist er Volksnahrung. Endivien ist in guter Bleichware vorhanden, zum Teil auch noch gute grüne und Wachsbohnen, Schoten werden knapper. Die Gurkenvorräte werden schnell geringer, namentlich gute Salatgurken. Reife Früchte für Senfgurken sind jetzt am besten, ebenso werden eine Menge kleiner Gurken sür Pfeffergurken angeboten. Die mährische Stadt Znaym hat sich durch! eingelegte Pfeffergurken einen Weltruf erworben. Sellerie und alle Wurzelgemüse werden in guten Knollen angeboten. Sellerie gehört zu den beliebtesten Knollengewächsen der kultivierten Pflanzen. Mitte des 17. Jahrhunderts tauchte er aus Italien eingeführt in Frankreich auf, um sich von dort nach, Deutschland und den Niederlanden zu verbreiten, er wird in Suppen, Salat, gebacken, gefüllt, in Saucen und auch als Gemüse gegessen. Eine wohlschmeckende Zubereitung ist die folgende: Man wäscht einige zarte Sellerieknollen gut, schält sie und schneidet sie in Scheiben. Inzwischen verkocht man ein Stück in Mehl gerollte Butter mit 3 Tassen Sahne, sügt Pseffer und Salz bei, kräftigt die Sauce mit einer Messerspitze. Liebig's Fleisch-Extrakt, dämpft den Sellerie in der Sauce ein Weilchen durch, und reicht sie zu Bratwurst oder gebratenem Fleisch. Als Neuheit des Gemüsemarktes sind Teltower Rübchen zu erwähnen. Für Rettichliebhaber giebt es guten Winterrettich, weißen Herbstrettich und in den Delikateßläden schneeigen Bamberger oder Münchener Rettich. Von den in allen Sorten gut gediehenen Zwiebeln kommen nun auch die in der feinen Küche sehr geschätzten Rockenbollen in den Handel. Die Rockenbolle ist eine sogenannte Luftzwiebel, von der man nicht die im Boden wachsende Zwiebel, sondern die an Stelle der Blütenköpfe auf 40 Zentimeter hohem Stiel sich entwickelnden kleinen Zwiebeln, die von der gemeinsamen Blütenhülle wie von einer bräunlichen Papierdüte umschlossen sind, verwendet. Im September ist das Hausgeflügel von gutem Geschmack, die ersten Puten erscheinen, ebenso Poulets und Poularden zum Teil aus Mastanstalten jenseits des Rheins. Tie Wildsaison entwickelt sich, im Laufe des Monats zu voller Höhe, die Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Haselwild, Fasanen und Wachteln beginnt. Hirsch, Reh, Hase, Rebhuhn und Fasan bilden die Hauptartikel in den Wildhandlungen. Zu der reichen Wahl gesellt sich noch des Häsens nächster Verwandter, das Kaninchen. Welche Bedeutung das Kaninchen als Volksnahrungsmittel sch!vn erlangt hat, beweist folgende Versandnotiz einer deutschaustralischen Zeitung: „Mit dem Dampfer „Maori" wurden in der letzten Woche 9000 Körbe, mit der „Narrung" 8500 Körbe, mit dem Dampfer „Kent" 11000 Körbe und mit dem Dampfer „Sussex" 12 000 Körbe Kaninchen nach London verschifft. In Frankreich, Belgien und England ist das Kaninchen für die bürgerliche Küche schon lange eingeführt; gebraten, geschmort oder auch als Frikassee kommt es auf den Tisch. In Deutschland findet es noch wenig Beachtung. Mit kräftiger Sauce nach ungarischer Art giebt es eine recht gute Speise. Zwei Kaninchen schneidet man in Stücke, bestreut sie mit Salz, dämpft sie nebst einer sein geschnittenen Zwiebel, und Wurzelwerk in 125 Gramm Butter halbweich, stäubt einen Lössel Mehl darüber, gießt nach einigen Augenblicken ein halb Liter Fleischbrühe aus 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt und einviertel Liter saueren Rahm zu und bringt alles unter fortgesetztem Rühren zum Kochen, dann würzt man die Brühe mit einer Messerspitze Paprika, dämpft das Fleisch vollends weich, nimmt es heraus, entfettet die Sauce, seiht sie durch, kocht sie noch ein wenig ein, und giebt sie über den Kaninchen auf. Sehr gute Auswahl bietet auch der Fischmarkt, in erster Linie sind zu nennen: Karpfen, Hechte, Brassen; und viele Weißfische. Gleich gut sind die Seefische in allen 512 Arten. Hummern sind in englischer und norwegischer Ware vorhanden. Feinschmecker schätzen die Krebse nicht mehr hoch, sie bevorzugen jetzt Austern, frischen Astrachaner Kaviar und Pfahlmuscheln. Sorbet. (Nachdruck verboten.) Tie Bezeichnung „Sorbet" wird heute für sehr mannigfache kühlende Getränke angewandt, obwohl man ursprünglich nur eine aus dem kühlenden Saft des Granatapfels sowie Zitronensäure und Zucker bereitete Limonade mit dem Namen „Sorbet" oder „Scherbet" belegte. Ein derartiges Getränk war schon bei den ältesten Knlturvölkern beliebt, wie aus dem Hohenlieds Salomons hervorgeht; der bezügliche Vers lautet: „Ich wollte Dich tränken mrt dem Most meiner Granatäpfel". Heute versteht man unter Sorbet allgemein Gefrorenes, das unter Zusatz alkoholischer Flüssigkeiten bereitet lvird, und diese Erklärung ist auch für die englische Bezeichnung „Spoon" anwendbar, welche eben auch nur eine Art Sorbet darstellt. Tie meisten Sorbets unterscheiden sich von dem eigentlichen Gefrorenen dadurch, daß sie weniger gezuckert sind, daß wenigstens ein Fünftel der Masse aus alkoholischen Zusätzen besteht, und daß das Ganze etwas flüssiger gehalten wird. Zur Bereitung der Kältemischung für die Sorbets verwendet man etwa ein Drittel weniger Kochsalz als zur Bereitung von Fruchteis. Wenn die erforderliche Mischung in die Gefrierbüchse gethan ist, dreht man sie etwa 5 Minuten lang schnell in der Kältemischung herum, öffnet sie und löst mit einem Löffel die Teile los, welche sich an der Wandung festzusetzen begannen. Dies Ber- | fahren wiederholt man immer wieder, bis die ganze Misch- | ung genügende Festigkeit erlangt hat- Erst dann werden die alkoholischen Flüssigkeiten zugesetzt. Tann läßt man das Salzwasser ad und füllt den Eimer rings um die Büchse wieder mit Eis und Salz. Es giebt natürlich eine sehr große Zahl von Rezepten zur Bereitung von Sorbets, doch möchte ich nicht unterlassen, einige besonders beliebte Bereitungsmethoden hier anzuführen. Ten bekannten „Marasquino-Sorbet" bereitet man zunächst aus einer Mischung von einem Liter Zucker-Syrup und! je einem Eßlöffel Jasmin- und Orangeblüten-Wasser. Hat sich aus dieser Mischung das Gefrorene gebildet, so setzt man den aus vier Eiweiß bereiteten Schnee hinzu, bearbeitet die Masse in ca. 10 Minuten mit dem Spatel oder Löffel und sekt einige Gläschen feinen Marasquino hinzu. Am beliebtesten ist der Marasquino di Zara aus Dalmatien, ein krystallheller, nach bitteren Mandeln schmeckender Likör, der aus einer kleinen, nur im Süden gedeihenden Schlehe bereitet wird. . Noch ein anderer beliebter Sorbet wird unter Verwendung aromatischer Blütenwasser erzeugt- Man bereitet das Gefrorene aus einem Liter Zucker-Syrup, 50 Gramm Rosenwasser und ein wenig Kochenille-Farbstoff. Darauf setzt man je nach Neigung und Geschmack fünf oder sechs Likörgläschen Weingeist bezw. Rosen-Jasmin- oder Orangenlikör hinzu. .. Der Erdbeersorbet kann dem außerordentlich beliebten Erdbeereis an die Seite gestellt werden. Dem Saft von 750 Gramm frischer Erdbeeren und 250 Gramm Johannisbeeren setzt man drei Viertel Liter dicht eingekochten Zucker- syrup, sowie den Saft von zwei Zitronen zu. Vor dem Füllen der Gefrierbüchse wird die Masse sorgfältig durchs geseiht. Kurz vor dem Servieren setzt man einen halben Liter Wein zu; und zwar kann man, je nach Neigung, Champagner, Bordeaux- oder Burgunderwein verwenden. Etwas eingehender möchte ich die Bereitung der Spoons behandeln, welche in Deutschland noch ziemlich unbekannt find. Man verwendet zur Herstellung derselben nut Vorliebe Marsala-, Scherry-, Samos- oder Portwem Man bereitet zunächst den Zuckersaft, der den Hauptbestandteil der Spoons bildet, indem man — bei Berechnung für 10 Personen — 325 Gramm Stückenzucker in einen Viertelliter Wasser auflöst; dazu fügt man einen halben Liter reuten Zitronensaft und- drei Zehntel Liter herben Champagner. Das ganze vermischt man gut miteinander. Diese Mischung kommt in die Gefrierbüchse und wird genau wie jede andere Sorbetmasse behandelt. Tas Ablösen des gefrorenen Zuckersaftes von den Wandungen der Büchse muß recht häufig wiederholt werden. . Inzwischen bereitet man eine Baisermasse, indem man 60 Gramm Krystallzucker und zwei Eiweiß in einem Kupser- kessel über heißer Asche mit dem Schaumbesen schlagt. Etwa 20 Minuten vor dem Servieren bearbeitet man die gefrorene Masse noch einmal tüchtig, dann thut man die italienische Baisermasse löffelweise unter beständigem. Drehen der Maschine und Umrühren des Sorbets hinzu. Mit jedem Löffel voll Baisermasse fügt man zugleich einen Teil Wein hinzu, bis derselbe mit der Baisermasse zugleich vollständig verrührt ist. , r r „ Das so bearbeitete Ganze muß bann eine schaumige, ziemlich feste Masse bilden, damit dieselbe nach dem Anrichten nicht wieder zusammenfällt. Man richtet die „Spoons" ganz wie jeden anderen Sorbet in kleinen Krystallschalen oder Sorbetgläsern an, die man vorher in Eis stellt, damit sie sehr kalt sind und die „Spoons" nicht zu schnell schmelzen. Sobald die „Spoons" angerichtet sind, muß man sich beeilen, sie zu reichen. ö- Genreinnutzrges. Wasserbehälter. Unser diesjähriger heißer Sommer hat es wieder gezeigt, wie notwendig in allen gärtnerischen Kulturen das Wasser ist, daß „ man manche Gewächse ohne ausgiebige Bewässerung überhaupt sticht, zu befriedigendem Ertrag bringen kann. Um schnell sein Gärtchen gießen zu können, ist es sehr zu empfehlen, IW einen Wasserbehälter aufzustellen, um nicht aus das Voü- laufen jeder Kanne am Wasserhahn warten zu müssen. Der Wasserbehälter hat auch noch den Nutzen, daß da^ Wasser im Lause des Tages sich etwas erwärmen kann, man also nicht unmittelbar mit dem kalten Leitungswafser gießen muß. Die neueste Nummer des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau, die vom Geschäftsamt zu Frankfurt a. Oder zu erhalten ist, enthält eine Abhandlung über verschiedenartige Wasserfässer von Holz, Eisen und Zement, "otoie auch einige Kostenberechnungen für eiserne und Zementfässer. Gegen das Leckwerden von Holzsassern wird in dem Aufsatze empfohlen, die Innenseite des Fasses nut einer 3 Zentimeter hohen Schicht Zement zu bedecken oder sie mit einem Anstrich von Teer und Schlämmkreide zu ver- Gewöhnliches Ksochsalz in Wasser gelöst wirkt bei Halsentzündungen und Diphtheritis genau so viel tote das nicht ungefährliche Chlorkalium, welches wiederholt Vergiftungen besonders bei Kindern veranlaßt hat. hat den großen Vorzug der Unschädlichkeit und die Etgen- chaft, den Schleim zu lösen, und den Auswurf zu erleichtern. Bei heftigen Schleimkatarrhen mit festem, zähen Auswurf, der sich nur unter äußerster Anstrengung nut els Räusperns und Hustens mangelhaft lost, t,t das Kochsalz trocken oder mit Wasser genommen etn vortreffliche^ Er- leichterungsmittek. Bei Blutungen aus der Lunge, aus dem Magen, leistet es als Hausmittel, bevor ärztliche Hilfe kommt, gute Dienste als Blutstillungsmitteb Bronchial-Erkrank ungen behandelt Professor Lazarus durch entsprechende Lagerung der Patienten. Dieselben werden im Bett flach, gelagert und gleichzeitig das Fußende des Bettes erhöht. Die Art der Wirkung ist folgende- Durch die Schwerkraft wird das Bronchtalsekret von Stellen reizunempfindlicher Schleimhautpartieen an Stellen reizempfindlicher gebracht, und gelangt so zur Au»- hustung. Dadurch wird Stauung und Zersetzung des Sekrets verhindert, und die Heilung beschleunigt. Dte Kranken werden morgens und abends je eine Stunde lang m der beschriebenen Weise gelagert, der Erfolg zeigt sich dann nach einer Viertelstunde. Tie Kranken haben dann Stunden lang Erleichterung. Buchstabenrätsel. Mit i steht's dort am Waldessaum, Mit o uahm ich's von jenem Baum; Mit a da schaukelt's auf dem Teich, Wer rät es gleich? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.: Korallen — Krallen. Redaktion- E. Burkhardt. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fcheu UniversitW-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.