Lonntag den 10 Februar K 1901. — Nr. 21. tSs'.SXc’^' MLÄWW KZn^EM MÜ8W AMLkZMk erz, mein Herz, nicht in die Weite, In der Nähe wohnt das Glück! Glaube, liebe, hoffe, Jeibe Und kehr' in dich selbst zurück. Denn die Welt kann dir nicht bieten Das, wonach du heiß verlangst; Denn die Welt hat keinen Frieden, Hat nur Streit und Not und Angst. Ewig wechselnd ist ihr Streben, Ewig wechselnd ist ihr Ziel, WaS ihr heute Rast gegeben, Morgen ist's der Winde Spiel. Drum, mein Herz, nicht in die Weite, In der Nähe such dein Glück! Glaube, liebe, hoste, leide Und kehr' in dich selbst zurück. Julius Sturm. (Nachdruck verboten.) Die Seekönigin. Seeroman von Clark Russe l. (Fortsetzung.) Sechzehntes Kapitel. Im Atlantischen Ozean. Als ich am nächsten Morgen an Deck kam, wehte mir ein sanfter milder Westwind entgegen. Der Morgensonnenschein bestrahlte Deal und das dahinter liegende, grüne Land mit seinem vollen Glanze. Die nach Norden und -Osten bestimmten Schiffe hatten schon vor Tagesanbruch die Anker gelichtet, und ihre Reife fortgesetzt. Nur etwa ein Dutzend Fahrzeuge, darunter die „Aurora", der dieser Wind nichts nützen konnte, war zurückgeblieben. Richard, der unsere Kammer schon lange, ehe ich erwachte, verlassen hatte, befand sich an Deck und beobachtete die Leute beim Deckwaschen. Er erriet augenscheinlich meine Gedanken; denn saft seine ersten Worte waren: „Wenn ein Frauenzimmer sich aus etwas versetzt, bekommt es auch gewöhnlich seinen Willen. Ich glaube. Du hast Dir dieses Wetter bestellt, Jeß. Nun ist es wohl entschieden, daß wir nach dem Frühstück einen Abstecher an Land machen." „Ja, mein Schatz", erklärte ich sehr liebenswürdig, „völlig entschieden. Ich will mir Deal ansehen." „Na, es wird eine Abwechslung für Dich sein. Wir haben noch ein großes Stück See vor uns, also geh' nur und sage dem Steward, er solle sich mit dem Frühstück beeilen, damit wir an Land kommen." Ich ließ mir das nicht zweimal sagen. „Steward", sagte ich, „bitte, machen Sie sofort das Frühstück fertig. Der Kapitän und ich wollen an Land." „Sofort Frühstück!" rief der Steward und warf mir aus der kleinen Pantry, wo er damit beschäftigt war, Löffel ,ju putzen, einen sehr sauren Blick zu. „Ich! weiß gar nicht mal, ob der Koch! so früh schon Feuer in der Kombüse hat. Madam!" „O ja, ich habe den Rauch! gesehen. Beeilen Sie sich soviel als möglich." Damit trat ich in unsere Kammer, um mich nicht in weitere Unterhandlungen einzulassen. Nach dem Eindruck, den Herr Heron, der Zimmermann und dieser .Steward, John Orange, auf mich machten, schien es fast, ;ol§ ob der, welcher die Mannschaft ausgesucht und geheuert hatte, daraus bedacht gewesen wäre, die mürrischsten und unangenehmsten Leute auszusuchen, die nur irgend aufgetrieben werden konnten. Jch> kleidete mich schnell an. Als ich jedoch in die Kajüte trat, bemerkte ich, daß der Steward eben erst den Tisch deckte und zwar mit absichtlicher Langsamkeit. Diese Unverschämtheit ärgerte mich so, daß ich rief: „Wenn Sie sich nicht mehr beeilen, werde ich selber den Tisch decken, und wenn der Kapitän mich fragt, weshalb ich Ihre Arbeit verrichte, werde ich ihm den Grund mitteilen." „Warum denn?" erwiderte er, „der Koch sagt, daß er noch gar kein warmes Wasser habe." Da ich wußte, daß auch, die Leute in einigen Minuten Frühstück bekommen mußten, sah ich sofort, daß dies eine Lüge sei. Der Steward war eben schlecht gelaunt. Da ich annahm, daß ich hier ebenso gut Herrin wäre, wie in meinem eigenen Hause, so beschloß ich, diese Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen, und begab mich sofort in die Kombüse. Der Koch schien die Behauptung, daß er noch kein warmes Wasser habe, als einen Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit aufzufassen und meinte, wenn es nach ihm ginge, sollte der Steward zur Strafe für seine Lüge sich, in dem kochenden Wasser waschen. Ich ging wieder nach! achtern und wurde unterwegs von der Mannschaft mit ziemlich bedenklichen Blicken gemustert. Auch Richard fragte mich überrascht, worüber ich mit dem Koch unterhandelt habe. Ich erklärte ihm die Angelegenheit und fügte hinzu, daß ich ihn nicht damit behelligen wollte, und daß ich den Steward als einen Diener betrachte, mit dem ich schon fertig werden würde. „Du sollst auch mit ihm fertig werden, und er soll Deine Befehle respektieren. Erst nfill ich Dir aber mal zeigen, wie Du das anfangen mußt. 82 — Ich folgte ihm in die Kajüte, wo er sich rings umschaute, als ob er erstaunt wäre, die Mahlzeit.noch nicht vorzufinden. Dann fragte er: „Wo ist das Frühstück, Steward?" „Ich bringe es gleich, Sir", antwortete der Mann, offenbar etwas eingeschüchtert, indem er seine Anstalten beschleunigte. „So, Sie bringen es!" schrie mein Mann. „Ei, Sie unverschämtes Faultier! Haben Sie nicht zwanzig Minuten Zeit gehabt und jetzt eben erst das Tischtuch aufgelegt? Wenn das Frühstück nicht in zehn Minuten auf dem Tisch steht" — dabei zog er seine Uhr heraus — „schreib' ich Sie wegen Ungehorsam ins Journal, schmeiße Sie aus der Kajüte raus und mache Sie zum „Jungen" vorne." Und nun folgte eine volle Breitseite auf See üblicher Schmeichelnamen: Vagabund, Tümmler, Durchgänger und ähnliche Quarterdeckausdrücke. Der Steward, der wohl meinem Manne die Bekanntschaft mit diesen, in Seemannskreisen die höchste Verachtung ausdrückenden Beinamen gar nicht zugetraut hatte, war völlig niedergeschmettert, murmelte, es wäre des Kochs Schuld und sprang in wenigen Sätzen die Kajütentreppe hinauf. „Sollte es sich hier um einen Kampf um die Herrschaft zwischen mir und meinen Untergebenen handeln, so werden sie bald finden, daß ich doch etwas zu zähe für ihre Zähne bin, und wenn sie auch das dreifache Gebiß eines Haifisches hätten." Mein Mann war augenscheinlich sehr aufgeregt; er atmete heftig und ging mit schnellen Schritten in der Kajüte auf und ab. „Was ist das für eine Mannschaft, die ich an Bord habe?" fuhr er fort. „Wenn das in dieser Weise weiter fortgeht, haben wir Meuterei an Bord, ehe wir noch aus dem Kanal hinaus sind." „Ungehorsam bei einem Steward!" fuhr mein Mann fort, „dem unnützesten Subjekt an Bord eines Schiffes! einem Stubenmädchen in Hosen! —einer Kreatur, die nichts zu thun hat, als Messer und Gabeln zu putzen und auszupassen, daß sie ohne Unfall mit dem Essen von vorne nach achtern kommt. Ich muß sagen, das ist wirklich, ein netter Anfang." i Ich, war ebenso empört, wie er selber, behielt jedoch meine Gedanken für mich- und da derMSteward noch vor Ablauf der festgesetzten zehn Minuten das Frühstück auf den Tisch gebracht hatte, standen wir nach kurzer Zeit an Deck und warteten darauf, daß einige Matrosen, die in das eben zu Wasser gelassene Boot gesprungen waren, es längsseit bringen sollten. Schon war ich im Begriff, die kurze Hängleiter an der Schiffsseite hinabzusteigen, als Richard ausrief: „Komm zurück, Jessie! Boot ahoi! Hakt das Boot wieder an! Herr Short, schicken Sie ein paar Leute nach achtern, das Boot aufzuhissen. Schnell jetzt! Diesen Wind müssen wir benutzen, ehe er wieder umspringt." Sehr überrascht verließ ich das Fallüeepl „Der Wind ist herumgegangen, so daß wir jetzt weiter können, Jessie", erklärte mir mein Mann. „Deine Enttäuschung thut mir sehr leid, aber verlaß Dich, darauf, es ist besser so." Meine Enttäuschung war nicht so groß, wie er annahm. Wohl hätte ich, mir gerne die von dem Salzhauch, des Meeres umwehte, malerische Stadt angesehen, die sich hinter dem weißen, kieselbedeckten Strande erhob. Mein Eifer war aber durch, den kleinen Auftritt in der Kajüte und die sich daran knüpfenden Betrachtungen erheblich herabgestimmt, und da es schien, als ob mein Mann froh wäre, den geplanten Ausflug vereitelt zu sehen, tröstete auch' ich mich schnell. ( Der Wind mußte in dem Augenblick umgesprungen sein, wo ich im Begriff war, in das Boot zu steigen, und doch war der Wechsel nicht plötzlich genug gewesen, um der Wachsamkeit meines Mannes zu entgehen. Ich, ging nach achtern, um niemand im Wege zu sein, setzte mich auf die Gräting und beobachtete genau den Vorgang des Untersegelbringens. Die westwärts bestimmten Schiffe in den Downs waren ebenso flink, wie wir; von einigen ertönte bereits das Klipp- Klapp des Spills und das Klappern der hereinkommenden Ankerkette. Sobald unser Boot aufgehißt war, begab sich unsere ganze Mannschaft nach vorne — auch das finstere Gesicht des Stewards bemerkte ich darunter — und bemannte das Ankerspill. Herr Heron stand ganz vorn auf der Back, der Zimmermann hüwte mit den übrigen Leuten, und mein Mann ging auf dem Quarterdeck langsam auf und nieder. Der Steuermann, dessen Posten beim Ankerlichten ganz vorne ist, pflegt die Leute bei dieser schweren Arbeit anzufeuern und zu ermutigen. Herr Heron stand da, ohne ein Wort zu sprechen und sah nur anscheinend teilnahmlos zu. Man hätte ihn eher für einen Passagier und zwar für einen Zwischendeckspassagier halten können, als für einen Steuermann, die verantwortlichste und beschäftigtste Person an Bord eines Schiffes. Sobald der Anker auf war, wurden sämtliche Segel beigesetzt, und nun zeigte unsere kleine Klipper-Bark erst, was sie leisten konnte. Wie ein Rennpferd über die Bahn, so jagte sie durchs Wasser, und bald hatten wir sämtliche Schiffe, die mit uns vor Anker gelegen hatten, überholt und weit hinter uns gelassen. „Deinetwegen thut es mir leid, Jeß, daß wir nicht an Land gehen konnten", sagte Richard zu mir, als ich gerade durch ein Doppelglas die majestätischen Felsen von Dover betrachtete. „'Das ist gar nicht nötig, Schatz", erwiderte ich. „Dies ist doch wahrlich viel schöner, als ein Spaziergang durch Deal." „Ich kann es Dir ja jetzt sagen", fuhr er fort, „daß nur Dein Wunsch, an Land zu gehen, mich dazu veranlassen konnte. Ich hätte keine ruhige Minute an Land gehabt mit dem Bewußtsein, Heron hier als Befehlshaber der Bark zurückzulassen." „Traust Du ihm denn so wenig zu?" „Ich traue ihm überhaupt nicht", meinte er kopfschüttelnd. „Es thut mir leid; denn er mag vielleicht ganz gut sein. Abgesehen von seiner Befähigung als Seemann, scheint mir sein Charakter zweifelhaft." (Fortsetzung folgt.) Stockholm im Winter. Von Paul Elsner. (Nachdruck verboten.) Leise, leise ist er gekommen, der erste Schnee in der stillen, dunklen Nacht. Wie mit einem Zauberschlage ist das düstere Grau, bisher die vorherrschende Farbe der Stadt, den schimmernden Flocken gewichen, die in immer dichtere» Tänzen vom Himmel herabschweben, um die Residenz als eine echte Königin des Nordens, mit einem Diadem funkelnder Schneejuwelen zu schmücken. Das Rädergerassel in den Straßen verstummt, und rasch und leicht gleiten mit klingenden Schellen die Schlitten durch das von der Sonne beglänzte, blendende Schneemeer. Aus kostbaren Pelzen blühen die frischen, rosigen Gesichter all der Damen hervor, die, bequem in den Schlitten zurückgelehnt, die über Nacht gekommene Herrlichkeit auch nächster Nähe betrachten wollen und mit graziösem Neigen des blonden Hauptes für die ihnen gespendeten Grüße danken. In rascher Fahrt geht es zur Stadt hinaus, aus deren Schornsteinen eine ganze Wolke hellster Rosen in die frostklare Luft emporsteigt. Sie erblassen und erstrahlen dann wieder in Purpurfarben, um endlich vor dem erwachenden Nordwind in einen feinen Blütenstaub zu zerfließen. Der Djurgarden ober1 das romantisch gelegene Gasthaus von Lidingöbros ist das Ziel Von hier erschließt sich ein herrlicher Blick auf die reiffrostblitzenden Tannenwälder mit blaßrotem Schein über ihren Wipfeln, auf die von der Anhöhe wie eine luftige wetßgraue Wolke herniederschauenden Birkenwälder, auf die weiten Felder, bereit daunenweiche, glitzernde Decke nur hier und da eine rauchende Bauernhütte unterbricht, bis tn der Ferne Nadelwald und ein Bergrücken ihre schwarzen Striche zwischen der weißen Erde und dem blaugefrorenen Himmel ziehen. Im Dezember, der nur einen Uebergang von dem dunllen, schneelosen Spätherbst zum frischen, nordischen Winter hildet, bleiben freilich die ersten Schneefälle nicht immer liegen. Sie kommen und gehen. Welche Freude aber. M — besonders für die Kinderwelt, wenn der Frost anhält und mit ihm der schöne Schnee. Dann lassen sich die prächtigsten Schneemänner bauen, deren ausgehöhlter Kopf mit einem Lrcht erhellt zu werden pflegt. Es läßt sich ja auch eigentlich Lar kein richtiges Weihnachtsfest denken, ohne daß der Schein des strahlenden Lichterbaumes auf die stille, weiße, vor den Fenstern sich ahnungsvoll ausbreitende Schneefläche fällt. Dann duftet das ganze Daus nach Lack, jenem bezaubernden, verheißenden Duft des Weihnachtsabends, der einem Schweden nie aus dem Gedächtnis schwindet. Denn die Geschenke werden in versiegelten Papierhüllen den un- «rgründlichen Tiefen eines Korbes entnommen und dann unter die Anwesenden verteilt. Es versteht sich, daß dies den Reiz des Geheimnisvollen und der Spannung wesentlich erhöht. Nach der Bescherung versammelt sich die Familie zu dem Weihnachtsmahl, das aus Langenfisch mit Schinken, Reisbrei und Pflaumentorte besteht. Zwischen Weihnachten und Neujahr stellt sich bei Nordwind der eigentliche Winter ein. Ein immer kraftvolleres Eisband fesselt die Seen und Buchten, und immer fester und sicherer wird die Schneedecke in den Straßen und auf dem Lande. Nur die grünen Wogen des Norrstromes rauschen, jedes Zwanges spottend, nach wie vor unaufhaltsam durch! die stille, winterliche Stadt. Der Winter muß in der That ein außergewöhnlich strenges Regiment ausüben, um auch diesen kecken Gesellen unter sein Szepter zu beugen. Schon lange vorher tummelt sich die Jugend während der Freistunden auf den in den Höfen der Schulen künstlich angelegten Eisbahnen. Aber nun geht es auch auf die weiten, schier endlos sich hindehnenden Meeresarme hinaus, auf deren blankem Eisschild die Sonne so verlockend blitzt. Schnell wie eine Schwalbe fliegen da die Schlittschuhläufer über die zugefrorenen Buchten dahin, deren grüne, wunderbar klare und durchsichtige Fläche die Linien der Ufer wiederspiegelt. Ein See löst den anderen ab. Weit draußen aber taucht eine Eisyacht auf, die einem Riesenvogel gleichend, mit weit ausgebreiteten Schwingen vorwärts stürmt. Und plötzlich erscheinen weiße Segel am Horizont, die sich mit Windesschnelle dahinbewegen, um schon im nächsten Augenblick den Blicken zu entschwinden. Das sind Schlittschuhsegler, denen eine große Körperstärke und außerordentliche Gewandtheit zu Gebote stehen muß, wenn ihnen aus ihrem jchönen Sport nicht ernste Gefahren erwachsen sollen. Das Schlittschuhlaufen wird in Stockholm von vielen Vereinen und Klubs mit größtem Eifer betrieben. Schlittschuhbahnen gießt es beim Riddarholmsfjärd und an der Kungsbro. Die Bahn von „Stockholms allgemeinem Schlittschuhklub", des ersten in ganz Europa, aber liegt im Herzen von Oestermalm auf dem inneren Teil des tief in die Stadt -eindringenden Nybrowiken. Sie wird auchzuden Wettrennen benutzt, denen tausende, von fieberhaft erregten Zuschauern, der Hof, sowie Mitglieder des diplomatischen Korps von den Kais aus zuschauen. Außer den Schlittschuhkünstlern und Schnelläufern aber lassen sich dort auch die schlanken Gestalten der hübschen Schwedinnen in ihren koketten Eiskostümen bewundern. Von ihren Kavalieren, wahren Nord- landsrecken, sorgsam geleitet, schweben sie chie beschwingt über die schimmernde Bahn. Ein besonderes farbenprächtiges Bild, das wie ein nordisches Wintermärchen anmutet, aber entfaltet sich dort des Abends, wenn die elektrischen Bogenlampen ihre blendenden Lichtwellen über die Tausende von Menschen hinfluten lassen, die dann nach den machtvollen Klängen von Musikkapellen der Garde-Regimenter auf der glänzenden Eisfläche auf- und abwogen. Einen ganz unerhörten Aufschwung hat hier in den letzten 10 Jahren der Skilauf genommen, dank der Bemühungen des „Vereins zur Hebung des Skisports in Schweden". Von Nordland und Finland kommen ganze Wagenladungen voll Skis nach Stockholm, wo sie einen wichtigen Handelsartikel bilden. Der Skilauf gilt als Sport im eigentlichsten Sinne. Ihn hemmen keine Schranken. Er ist an keine Gesetze gebunden. Ueberall da, wo bisher kein menschlicher Fuß den Schnee niedergetreten hat, darf der Ski seine endlos langen Spuren hinterlassen. So weit den Skiläufer nur die Schneedecke trägt, erstreckt sich sein Reich, und mag er bis zu den öden Bergregionen Lapplands Vordringen. Er bevorzugt gegenwärtig für seinen Gebrauch die schmalen Kajanaschneeschuhe, denen eine fast unglaubliche 83 — Geschmeidigkeit eigen ist. Mit diesen an den Füßen, schießt er, Reisfrost im Haar, die Wangen von der rasenden Fahrt gerötet und in Schweiß gebadet, dahin, nach etwaigen Hindernissen ausspähend, die mit gewaltiger Sprungkraft genommen werden, und nur darauf bedacht, das Gleichgewicht zu wahren. Zwischen hohen Föhrenstämmen, in denen dumpf der Wind braust und an schneebedeckten, tiefen Fichtenwäldern geht es vorüber, gleich dem Schatten einer Wolke, die der Sturm vor sich hintreibt. Die alljährlich veranstalteten Wettrennen im Bergab- und Weitlauf zählen zu den beliebtesten und anziehendsten Winterschauspielen. Wer je einen Skiläufer den steilen Hügelabhang heruntersausen und mitten auf dem Wege einen Sprung von 20 bis 25 Meter Länge über ein Hindernis ausführen sah, vergißt diesen Anblick nicht wieder. Während des langen Winters, der selbst im März das Thermometer oft auf 15 Grad Celsius herabdrückt, ist Stockholm nicht selten von aller Seeverbindung abgeschnitten. Um dann wenigstens nicht den Verkehr mit Finland zu unterbrechen, wird eine schmale, durch den ganzen Skägard hinlausende Wasserrinne offen gehalten. Mühsam muß sich hier der Expreßdampfer seinen Weg bahnen, und meilenweit tönt über die zugefrorenen Kanäle und Sunde das Getöse des von der Schiffsschraube gebrochenen Eises hin. Aber dem Stockholmer währt der Winter nicht zu lange. Dann kommen die reichen Gutsbesitzer, denen die Zeit auf dem Lande zu eintönig dahinfließt, nach! Stockholm, um dort in vollen Zügen die Vergnügungen der Hauptstadt zu genießen, dann entfaltet sich ein glänzendes Gesellschaftsleben, das der große, auf den Geburtstag des Königs fallende erste Hofball würdig eröffnet. Der Theaterfreund hat die Auswahl zwischen Oper, französischer Komödie oder einer Operette, und der Musikliebhaber kann in den beiden großen Mustklokalen Stockholms, Berns Salonger und Manchs Cafe, dem Spiel hervorragender Orchester lauschen. — So naht leise und unvermerkt der Frühling, dessen warmem Hauche auch die trotzigsten Eisblöcke nicht zu widerstehen vermögen, und sich schließlich doch von den noch stürmischer und herausfordernder dahinbrausenden Wogen des Norrstromes in die verschiedenen Meerbusen hinausführen lassen. Dann bemächtigt sich in Erwartung des holden Lenzes, mit seinen lichten, immer Heller werdenden Nächten der Gemüter dieselbe, ahnungsvolle, freudige Unruhe, die sie erfüllte, als der Winter die erste weiche Schneedecke über der Stadt webte, und als der Klang der Weihnachtsglocken tief verheißungsvoll durch die Herzen zitterte. Genieinnützkges. Das Anlegenund PackenderMi st beetkäst en. Wie viele Gartenfreunde haben sich vorgenommen, Heuer ein Mistbeet zurechtzumachen, um frühen Salat, frühe Möhren und Radies zu ziehen, und ganz besonders die Pflanzen für den Gemüse- und Blumengarten zur zeitigen Entwicklung zu bringen. Aber wenn die Arbeit beginnen soll, wie hapert es überall! Hier fehlt die rechte Vorstellung von einem Mistbeetkasten, dort ist man über das Packen mit Mist nicht im Klaren, über die Höhe, welche Mist und Erde im Kasten haben sollen, dort nicht über das Konservieren des Holzes, kurz, es giebt, wenn man ein Mistbeet anlegen will, der Fragen so viele, daß eine ausführliche Anweisung höchst willkommen ist. Diese ausführliche Anweisung, reich mit schönen, praktischen Bildern durchsetzt, finden wir in Stil 45 des „Erfurter Führers im Gartenbau". Diese Nummer steht unseren Wonnenten kostenfrei zur Verfügung, wenn sie sich mittelst Postkarte an das Geschäftsamt des „Erfurter Führers" in Erfurt wenden. Mode. Das Schneider« ist ein Vergnüge« geworden, seitdem fertige Schnitte, wie sie die Internationale Schnittmanufaktur, Dresden, billig liefert, als praktisches Hilfsmittel zu benutzen sind. Unabhängig vom Geschmack anderer kann man mit deren Hilfe die verschiedensten Be- kleidungsaegenflände selbst Herstellen und darf sicher sein, daß das mit eigenem Fleiß hergestellte Stück auch wirklich paßt und damit der Erzeugerin Freude macht. Dabei sind Schnitte für die einfachsten Bedarfsgegenstände des Hauses bis zu den elegantesten Kostümen vorrätig, und die Wahl demselben wird durch ein reichhaltiges Modenalbum mit Schnittmusterbuch vermittelt, welches von der obengenannten Firma zum Preise von nur 50 Pfennig zu beziehen ist. Die Benutzung dieser praktischen Schnitte kann jeder wirtschaftlich denkenden Frau nur empfohlen werden. 84 - Modenbericht über Maskenkostüme. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur Drcsden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch ä 50Pfg. daselbst erhältlich. Drechsler gedrehte Figur muß möglichst naturgetreu nachgeahmt werden, wozu Rock und Taille aus einem beliebigen Wollstoff in greller Farbe Prall ohne Falten sein müssen. Den unteren Rand des Nockes können Schäfchen aus weißem, wolligem Stoff umgeben, ebenso den Ausschnitt der Taille. Ein Hund aus gleichem Stoff wird dem Vorderblatt des Rockes aufgenäht. Den Kopf bedeckt ein kreisrunder Filzhut mit einer steif hochstehenden Feder. In der Hand hält man einen Schäferstab, der aus einem ganz gewöhnlichen Besenstiel bestehen kann. Für junge Mädchen sehr amüsant ist auch ein Babpkostüm, was beliebig ausgeführt werden kann; einesteils im langen Hängekleid und großem Hut, andernteils im Wickelbett, welch' letzteres unglaublich drollig ist. Das Wickelbett b, steht in der . Hauptsache aus einem langen Pappstück in der Form eines Wickelbettes, welches auf den Rücken gebunden wird und bis an die Füße reicht. Im übrigen wird das Kostüm wie ein reguläres Wickel- Lett vervollständigt, vorn herunter mit Schleifen verziert und mit Stickerei umrahmt. Jübchen, Häubchen und eine Milchflasche erhöhen die komische Wirkung dieses, allerdings nur für eine kurze Zeit und intimere Kreise bestimmten Anzuges; denn das Laufen darin ist ziemlich schwierig, Tanzen und Sitzen sogar unmöglich. Ein Bettelmädel ist nicht minder amüsant; denn es giebt Veranlassuna zu den verschiedensten Scherzen, besonders wenn die Darstellerin imstande ist, Mandoline oder Guitarre dazu zu spielen, allerdings ohne dazu zu singen, denn das würde durch die Stimme Nähere Angaben über dieses Kostüm sind wohl Wir stehen im Zeichen des Karnevals! Kostümfeste und Maskenbälle sind alleiwärts auf der Tagesordnung und veranlassen viel Kopfzerbrechen, aber auch viel freudige Aufregung. Die großen Maskenbälle freilich sind etwas aus der Mode gekommen, indem man sie durch Kostümfeste ersetzt hat, bei denen die Kleidung einen einheitlichen Charakter trägt. Man ist dabei der Wahl des Kostüms im allgemeinen überhoben In kleineren Kreisen, bei Hausbällen und dergleichen ist jedoch ein Maskenball immer noch ein sehr beliebtes Fest, besonders für die liebe Jugend, denn da dürfen Jugendlust und U-bermut, ungesunden durch herkömmliche Fesseln, ihr tolles Spiel treiben. Das Hauptaugenmerk bei solchen Veranstaltungen im engeren Zirkel ist darauf zu richten, die Persönlichkeit möglichst zu verändern, natürlich ohne dieselbe deshalb in Disharmonie mit der Individualität zu bringen. Jeder Ankömmling bei solchem Fest muß nicht nur durch sein Aeußeres eine neue Ueberraschung bieten, sondern auch den Anwesenden die Aufgabe, die Persönlichkeit zu erkennen, nicht leicht machen. Besonders reizvoll ist es dann, wenn ein- und dieselbe Person in verschiedenen Kostümen nacheinander erscheint, was in kleineren Kreisen, wo jeder den anderen kennt, zu den drolligsten Verwechslungen Veranlassung giebt. Denn wenn man auch die eine oder andere Maske erkannt zu haben glaubt, bald ist sie wieder verschwunden; neue Erscheinungen tauchen auf; es scheinen viel mehr Personen als man vermutet, kurz, man wird aus dem Wirrwarr gar nicht mehr klug. Dabei kann man unter dem Schutze der Masken auch riskieren, ein weniger reizvolles, als vielmehr humoristisches Kostüm zu wählen; denn bis zur Demaskierung hat man ja Zeit, dasselbe durch ein eleqanteres zu ersetzen. Ein sehr drolliges Kostüm wäre da z. B. eine Holzschäferm, für welche man sich die Holzspielzeuge, wie man kaum notwendig, denn hierbei ist der Fantasie vollkommen freier Spiel- raum gelassen. Docy genug des Masken-„Scherzes"; denn auch die eleganten, kleidsamen, die Repräsentationsmasken wollen zu ihrem Recht gelangen. Merkwürdigerweise beschäftigt sich die „Mode" selbst viel mit ihnen, ja es möchte fast scheinen, als ob sie an den modernen Maskenkostümen da im kühnen Schwünge vorzeichnetj was sie gern auf ihren Thron gehoben hätte; denn an einer gewissen Spezies moderner Maskenkostüme begegnet Figur 2. die Person verraten. ..... . . . ......... sie auf dem Jahrmarkt kauft, als Modell nimmt. Die ringsum runde, vom Figur 1. in jeder Farbe ausgeführt Figur 3. Dieses geschmackvolle Kostüm kann beliebig werden, auch weiß mit Gold oder schwarz mit Silber würde sehr vornehm fein, doch bleibt hier die Hauptsache der Schnitt, welcher, obwohl den Linien des Körpers folgend, doch nicht der übliche anliegende Prinzeßkleidschnitt ist. Wer hier ganz stilgerecht fein will, der trägt sogar das moderne oder vielmehr aus Urgroßmutters Zeiten stammende Korsett, welches aus zwei Teilen besteht, einem oberen für die Büste und einem unteren für Leib und Hüften, während die Taille ganz frei und biegsam bleibt. Auf dieser Grundlage stellt nun die Mode die verschiedensten Maskenkostüme dar: Begriffe (Schneekönigin, Diabolette), Tiere (Libelle, Schlange, Taube, Schwalbe, Fledermaus) und vor allem Blumen. Besonders letztere gestatten die geschmackvollsten Arrangements, Zum Beispiel würde eine Wasserrose ganz im Stile von Figur 1 gehalten werden können, indem die modernen Linien als Kante den Rock umsäumen, das Wasser darstellend, aus welchem sich dann die Blumen erheben. Ebenso ein Alpenveilchen. Eine Marguerite dagegen würde aus plissiertem weißen Chiffon bestehen, welcher um die man immer und immer wieder den modernen Dekorationslinien des- Jugendstils und zwar fast immer auf der Grundlage eines Empiregewandes. Unser Modell Nr. 1 zeigt ein derartiges Secessionskostüm, welches trotz seiner Einfachheit von großartiger Wirkung ist. Es besteht aus fliederfarbenem Atlas, und sind die modernen Linien in dunkler getöntem Sammet aufgenäht. Seitlich öffnet es sich über einem Plissoe von heller abgetöntem Chiffon. Ein Tuff von gleichem Chiffon'zeigt den Ausschnitt, untermischt mit Schlupfen von Sammtband, welches seitlich in langen Enden herabfällt. Fantasiehut aus Sammt mit Federn und Reiher.. Büste von gitterförmig gesetzten Marguerite«- guirlanden gehalten wird. Vorn und Hinte» fallen dann je drei Guirlanden bis fast auf den Rocksaum, hier mit einer Riefenblüte abschließend. Der Kopfputz besteht aus Riesenblumen ä la Rautendelein. Für die tanzlustige Jugend sind diese Kostüme jedoch weniger geeignet und wäre hier eine Blumendarstellung wie Nr. 2 wohl mehr am Platze. Diese Sonnenrose ist zwar auch in Piinzeßform gehalten, aber anliegend und kurz. Sie besteht aus weißer Seide und ist mit grünen Sammlblättern und gelben Seitenblüten in ersichtlicher Weise besetzt. Goldgesticktes Figarojäckchen und Kopfputz in Krönchenform mit Riesenblumen vervollständigt im übrigen dieses Kostüm. Doch was wirb aus all' den übrigen reizvollen Kostümen, mit denen wir uns sonst so gern schmückten? Trösten sie sich, meine Damen, sie sind alle gleichberechtigt, die Orientalinnen, Japanerinnen, Russinnen, die Pierots und Satanellen, die Rokokodamen, die Gretchen und Gärtnerinnen und zum Beispiel dafür bringen wir mit Figur 3 noch eine kleine Pariser Modistin mit geblümtem, kokettten Kleid und Schürzchen und riesengroßem Hut, welche gewiß manchem jungen Figürchen viel besser steht, als feite majestätischen Empiregewänder, die doch immer eine große Figur erheischen. Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). Auflösung in nächster Nummer. AuslösunMdes Delphischen Spruchs in voriger Nummer: Jaguar — Januar. Auflösung des Preisrätsels in Nr. 14: Keiner könnt' noch Kunde geben, Was das Jenseits dort ihm bot. Viele Dinge lehrt das Leben, Doch am meisten weiß der Tod. I. G. Seidl. Es gingen insgesamt 26 richtige Lösungen ein, das Los fiel auf Nr. 7. Einsender: Lehrer Nanz in Steinbach. Der Preis — H. Seidels Erzählende Schriften, Bd. 6, geb. — ist von dem Gewinner gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in her Geschäftsstelle der „Familienblätter" in Empfang zu nehmen. - Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieße«.