8 1901. - Nr. 97. UüW WiM MM 8^ MM Ms« M KM W ■ B u »hne Begeisterung Keine Bemeisternng. Doch ohne Ringen Anch kein Gelingen. A. St. (Nachdruck verboten.) Auf der Felseninsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e n. (Fortsetzung.) Siebentes Kapitel. Wie vergnügt waren wir, als wir ain Rande des rauschenden Meeres dahingingen! Neckisch spritzte uns eine Welle ihren Gischt ins Gesicht, doch niemand erschrak davor, und ruhig ließen es die Mädchen geschehen, daß die fröhliche Sonne sich hell in den klaren Augen spiegelte. Auch Gunhilda ging in ihrer stillen Weise ans den Scherz der übrigen ein, und ein strahlendes Lächeln belohnte jeden lustigen Einsall. Nur Sigurd war ernst und wortkarg; wie gebannt hafteten seine Blicke auf der holden Gefährtin seiner Jugend. Und Gunhilda? Sie totoji ihm offenbar aus, stets richtete sie das Wort an mich», und schien es gern zu sehen, daß ich! auch heute den Platz an ihrer Seite behauptete. Bald traten wir von der klaren, durchsichtigen Helle in das Dämmerlicht des Waldes. Zwischen den weißen Stämmen der Birken leuchtete das blaue, flimmernde Meer hindurch, und die grünen Guirlanden der Bäume rahmten das sonnige Bild in einer wunderbar beruhigenden Weise ein. Langsamer schritten wir jetzt einher, und lauschten dem Säuseln des Windes in den Wipfeln. Zwischen den knorrigen Wurzeln und hohen Farnen mußte sich jeder seinen Weg bahnen — und plötzlich befand ich imd) mit Gunhilda allein. Mein Herz klopfte so laut, daß ich es zu hören meinte, mühsam rang xäy nach Fassung. Jetzt oder nie! flüsterte das bebende Zittergras zu meinen Füßen, nickte die rote Erika, kreischten die Möwen, die am Waldessäume dahinflatterten. Nur sie schritt ahnungslos weiter und sagte, 'en Kopf ein wenig nach mir umwendend: „So still ist's im Walde! Wie ein Traum, Daß draußen die Welt noch! tobt und lärmt, Daß nicht gar weit am grünen Saum ! Ter eine lacht und der andere sich härmt." „Sie sehen", fuhr sie lächelnd fort, „jetzt werde to ganz poetisch, jetzt zitiere ich gar Gedichte." „Mir waren es die schönsten Stunden", rief idji, und suchte ihre Hand zu fassen. „Habe ich recht, wenn ich zu glauben wage, daß auch Ihnen die Erinnerung an unsere Studien nicht unangenehm sein wird?" Eine leichte Röte flog über ihr Gesicht, und ohne ihre Erregung verbergen zu wollen, sagte sie hastig: „Sie sprechen von Erinnerung. Wollen Sie wirklich! fortgehen, uns schon jetzt verlassen? Tie Pastorin sprach! vorhin davon, ichj wollte ihr's nicht glauben. O, was werde ich ohne meine Stunden anfangen! Tiefer Sommer war dock» dre schönste Zeit meines Lebens; und wenn ich später viel allein sein werde, dann suche ich die Bücher hervor, rn denen wir gelesen haben, und im Wald und draußen auf dem Meer wiederhole ich! alle Gedichte, die Sie mich lehrten!" dem grünen Geäst hob sich die weiße Gestalt seltsam plastisch! ab. Nrc war sie mir schöner, begehrenswerter erschienen, und jede Rücksicht, jedes Bedenken vergessend, sank ich! zu ihren Füßen. „Gunhilda", rief ich, fle leidenschaftlich! umschlingend, „sprich nicht von Er- rnnerung, von Scheiden und Alleinsein. Mir mußt Du gehören, mußt mir folgen hinaus in die Welt. Dich zu gewinnen, blieb ich hier - selbst weißt Tu es noch nicht, aber mich liebst Tu, wie ich Dich. Laß die anderen reden, reden, was sie wollen. Wir beide gehören zusammen, und auf meinen Armen trage ich Tich fort von diesem Felsen, dorthin in das Königreich das ich für meine Prinzessin erobern will." 0,1 Es war eine ungestüme Werbung, viel redete ich uv»» auf .sie ein, preßte sie an mich drückte Kuß auf Kuß auf ihren süßen Mund, und nannte sie mein, mein in alle Ewigkeit. Widerstandslos ließ sie alles mit sich geschehen, und ich merkte es kaum, daß sie kein Wort redete, daß sie blaß, wie gebrochen, jetzt wirklich der Wasserrose gleich in meine« Armen ruhte. Einmal glaubte ich« ein Rascheln im Ge- busch einen schmerzlichen Seufzer dicht neben mir zu Horen. Was kümmerte mich aber in diesem Moment die ganze Welt? . Mochte sie zu Grunde gehen; ich liebte, ich wurde geliebt, und war allein mit dem Abgott meiner Seele., Ta unterbrach ein häßlicher, durchdringender Schrei die Stille: es war der Lohme, der sein Nest hart am Ufer baut, ich erschrak über die Wirkung, die der drohende Ruf des Unglücksvogels auf Gunhilda hervorbrachte. Sie fuhr empor, und stieß mich heftig zurück. Eine flammende Röte bedeckte Gesicht und Nacken, die Augen blitzten, die Lippen zuckten, — dann brach sie plötzlich in ein krampfhaftes Weinen aus, und eilte hinweg wie von Dämonen gejagt. 386 Ich wollte ihr folgen, blieb aber ratlos stehen. War dies das Benehmen einer glücklichen Brant? Oder hatte ich sie allzcksehr überrascht und erschreckt? Ich wollte mir einreden, dah alles gut sei, und ich der glücklichste der Sterblichen — vergebens. Ein unbefriedigtes, quälendes Gefühl hatte mich erfaßt, und ich! vermochte es nickst wieder los zu werden. Würde ich so gehandelt haben einer Tarne meines Standes gegenüber? Hatte ich! gefragt, ich, der ich stets so stolz von dem Rechte des einzelnen, über sich zu bestimmen, sprach; hatte ich nicht vielmehr ihre Verwirrung benutzt, um das Wort zu erzwingen, das ich hören wollte? Und — ein jäher Schrecken durchfuhr mich:, hatte ich überhaupt ihr Jawort? Hatte sie ein einziges Mal meine Liebkosungen erwidert? Nein, nein. Ich, hatte sie an mW gerissen, wie ein Ting, nach, dem ich nur die Hand auszustrecken brauchte, um es mir zu eigen zu machen. Mit tiefer Beschämung gestand ich mir alles ein. Reuig wollte ich um ihre Verzeihung flehen, es ihr überlassen, über mein Geschick zu bestimmen. Ich! trat aus den Bäumen hervor. Tie Sonne warf wieder funkelnde Tiamanten über den See, und begann ihre rosigen Schlösser zu bauen. Doch auf mir lastete es schwer, als hätte ich, ein Verbrechen begangen, und die helle Strahlenglut that meinen Augen weh. Ich wandte mW hinweg, und stand plötzlich Auge in Auge Sigurd gegenüber. War er mir nachgeschlichen, hatte er uns belauscht? Sein Antlitz war fahl, unb in den Augen brannte ein düsteres Feuer. Er hob die geballte Faust — einen Augenblick nur, dann ließ er sie sinken, und trat langsam auf mW zu. „Ich, bin fein Lauscher und Schleicher", sagte er mit tiefer, tonloser Stimme, „ich will es gestehen, ich sah Sie vorhin, und--" Er brach jäh ab, und wieder ballten sW die kräftigen Hände. So groß aber war der Schmerz, der sich in diesen kühnen, entschlossenen Zügen abze'ichnete, so verzweifelt sah der ganze Mann ans, dah W stillschweigend stehen blieb, und verwundert wahrnahm, wie meine frühere Abneigung sich in tiefes Mitgefühl verwandelte. Ja, W glaube, idji hätte sogar eine körperliche Beleidigung geduldig ertragen. War es auch gegen meinen Willen, so hatte W doch dem Lebensglück dieses Mannes einen Todesstoß versetzt, und ihm das Wesen geraubt, das er wohl in Gedanken längst sein eigen nannte. „Ich weiß es ja", fuhr er in demselben unheimlich ruhigen Tone fort, „W bin ein _ einfacher Mensch, kann ihr nichts geben. — Thor, der ich war, auf die Treue eines Kindes zu bauen! • Ihr zuliebe verzichtete W darauf, Seemann zu werden, ihr zuliebe hielt ich, es aus in den engen Kontoren — an ihrer Seite wäre 'mir alles leicht geworden. Einen guten Menschen hätte sie aus mir machen können, glaube ich — Großes sanneu wir für die Zukunft dieser Inseln, — und jetzt ist alles vorbei." Ich wollte seine Hand nehmen, ihm begütigend zureden. Wie von einer Natter gestochen, fuhr er zurück. Sparen Sie Ihr Mitleid", sagte Sigurd, sich stolz aufrWtend, „nicht darum habe ich Sie hier erwartet. Erst dachte ich, daran, Sie niederzuschlagen. Tie See ist tief und verschwiegen, und sie hätte auch für mich: Raum gehabt. — Tann aber dachte ich an sie, das Mädchen, das so hoch dasteht, von alten geehrt, und ich fühlte, daß W sie trotz alledem noch: liebe. Nicht will ich daß die Leute, in ihrem Wahne bestärkt, sie als unheilbringende Nixe verfluchen und verfolgen, bis sie selbst, von Gram und Reue erfaßt,' Vergessenheit in den Fluten sucht — aber W will auch nicht, daß sie zum Gespötte der Leute werden soll. Mich treibt's fort von hier, und ihr einziger Beschützer ist ein alter Mann. Die feinen Städter haben so eine eigene Art, ich weiß es wohl. Zum Zeitvertreib ist ihnen so ein junges, hübsches Ding gut genug, aber —" „Beleidigen Sie Gunhilda und mich nWt", rief ich, jetzt wieder ganz ich! selbst. „Mann gegen Mann stehen mir uns hier gegenüber. Die ewige See sei unser Zeuge, als Gattin führe ich, sie, so Gott will, in das Haus meiner Väter." „Tie See ist wankelmütig tote des Weibes Gunst", sagte er bitter lächelnd. „Einen anderen Zeugen wünschte ich- mir. Doch Ihnen will W Glauben schenken — wen Gun- hilda liebt, der muß ein braver Mensch sein." Am Ufer lag ein Nachen lose angebunden. Er sprang rasch hinein, ergriff die Ruder, und bald sah ich nur einen schwarzen Punkt weit draußen auf der glutrotes Fläche der See — die Sonne nahte sich ihrem Untergange. Achtes Kapitel. Als ich mW endlich entschloß, den Rückweg anzutreten, begann es bereits zu dämmern. Im Hause sand ich alles zum Aufbruch bereit; man wartete nur auf Sigurd und mich. Ein fremder Gast hatte sich indes eingefunden: Dr. Falsen, der sich auf dem Wege nach dem Pfarrhanse befand und sehr erfreut war, hier seine Wirte zu treffen. Er kam mir schon im Garten entgegen, und darauf fußend, dah er mich schon als Krtaben gekannt hatte, behandelte er mich mit der größten Vertraulichkeit, erzählte allerlei Stadtneuigkeiten und berichtete zuletzt, daß mein Onkel dieser Tage als Minister in den Rat des Königs berufen sei. „Noch will man es mit dem Alten versuchen", sagte er mit seiner klaren, scharfen Stimme. „Aber bald wird das Lied aus sein, und bann kommt die junge Generation ans Ruder. Jetzt gilt es, das Segel nach dem Winde zu richten, junger Mann. Lavieren Sie gut, und Sie können übers Jahr vielleicht der Nachfolger Ihres würdigen Onkels werden." Während dieser Rede musterte er mich? fortwährend mit feinen stahlgrauen Augen, die ebenso scharf und schneidig erschienen tote die blanken Messer, die er am Operationstisch so trefflich zu handhaben wußte. „Nun, mir kann es gleich sein, wie sie es treiben", fuhr er, behaglich seine feine Zigarre rauchend, fort. „Uns Aerzteu ist ja die ganze Gesellschaft nur eine Versammlung mehr oder weniger verwertbarer Objekte, da gießt es immer Schäden auszubessern. Krank ist der Eorpus der Welt und die einzelnen Individuen — und glauben Sie es nicht, so fragen Sie nur unsere 'Dichterfürsten. Tie schildern Ihnen den ganzen Jammer trotz eines Medicus, und jedes Kind toeiü heutzutage, daß man sich nie zeitig genug von dem überflüssigen Ballast, Illusionen genannt, trennen kann. Potztausend", unterbrach er sich plötzlich, als Gunhilda mit leichtem Gruß an uns vorüberschritt, „wer ist denn die stolze Schöne? Sie scheint eigens hergekommen, um meine Worte Lügen zu strafen. So etwas sieht man doch nur hier weit fort von der Großstadt. Eine königliche Gestalt, auf Ehre." „Es ist Fräulein Hansen, die Tochter des Leuchtturm- bertoafterg", erwiderte ich kurz, den Doktor dorthin wünschend, wo der Pfeffer wächst. In meiner Aufregung meiner Besorgnis um Sigurd, den ich jeder verzweifelten Handlung fähig hielt, eine Konversation führen zu müssen! „Tochter des alten Brummbären! Unmöglich!- Die hat Rasse, sage ich Ihnen." Er starrte ihr nach!, bis sie in der Hansthür verschwand. „Wissen Sie, an wen Sie mich erinnert? An Ihre Tante, Cordelia Ravenskjold. Eine solche Erscheinung habe ich! seitdem nicht gesehen. Nun, kann jetzt gern die Jugendthorheit eingestehen. Sie war meine erste Liebe, und als sie mit ihrem Italiener davou- lief, kurierte sie mich: ein für allemal davon, mW in ein glattes Weibergesicht zu vergassen." Ich blickte erstaunt auf. Noch! war fein Jahr vergangen, seit ich eine Anzeige gelesen hatte, in welcher der Brigadearzt den Verlust feiner heißgeliebten Gattin, der unvergeßlichen Mutter seiner Kinder, der Welt mitteilte. Der Menschenkenner hakte in meiner Seele gelesen. Ruhig nahm er das Wort. „Sie meinen, ich habe mich doch verheiratet. Pah, lieber Freund, das ist etwas ganz anderes. Wer heiratet denn gleich seine erste Liebe? Einer ist in der Jugend zu arm dazu, ein anderer kann sich nicht entschließen, über den Rubikon zu schreiten, und ehe er sich's versieht, wird ihm die Geliebte vor der Nase weggeschnappt. Jeder muß es lernen, sich zu bescheiden. Erst genießt man seine Freiheit, dann sieht man sich unter den Töchtern des Landes um, und bietet sich eine passende Partie, so greift 387 man zu — wenn nicht, bleibt man ledig. Schließlich kommt es auf eins heraus. Ihr Onkel hat vielleicht das bessere Teil erwählt, hatte auch gleich an Ihnen einen Erben seines Namens. Ich sagte mir: ein Doctor medicinae muß Vertrauensmann sein, muß verheiratet sein. Ta hatte gerade der alte Herr, bei dem ich Assistenzarzt war, eine letzte Tochter, die noch; von fünfen unversorgt geblieben. Ueber die erste Jugend zwar hinaus, aber kerngesund und, wie ich glaubte, hübsch verständig und häuslich erzogen. Ja, prosit Mahlzeit, da hatte ich mich arg getäuscht. Tie hatte Stuart Mill gelesen, schwärmte für die Rechte des Weibes und weinte bei Gott blutige Thrünen, weil ich ihr nicht erlaubte, mir ins Handwerk zu pfuschen, und schlechter Laune wurde, wenn sie mich über meine Patienten und Kuren ausfragte. Das war etwas für mich. Gelehrte Weiber sind schlimmer als Pestilenz, hatte ich stets gesagt, und nun sollte ich gerade einen Schöngeist zur Frau bekommen! Na, als die Kinder erst da waren, gab sich das Aesthetische; eine treue Mutter war sie, und wenn die armen Würmer jetzt schreien und klagen, thut es mir in der Seele weh, daß sie so früh davon mußte — beschäftigt, wie ich bin, kann ich midji gar nicht um Haus und Kinder kümmern." (Fortsetzung folgt.) Obsthygiene. Ein Kapitel für Fleischesser und Vegetarier. Von B. Wvlfshofer. (Nachdruck verboten.) Draußen im Garten, im grünen Waldesdom und zwischen den wohlgehegten Ackerfurchen: überall reift eine Obstarl neben und nach der andern dem Genüsse entgegen. Wir befinden uns eben im Sommer, und Allinutter Statur ist liebevoll beschäftigt, den Tisch für uns mit ihren Gaben zu Lecken. Wem über käme auch das frische Obst ungelegen: Kirschen, schimmernd wie Email, Aprikosen, lachend in einem Farbenton, der direkt von der Palette der Sezessio- nisten hinweg in die Vegetation genommen zu sein scheint, und Pfirsiche in jenem zarten Flaum, den selbst die Meister dieser modernen Kunstrichtung schwerlich in seiner ganzen Zartheit ihrer großen Lehrerin, der Natur, nachzubilden vermögen! Wenn jedoch bereits unser Auge solchen Zauber erfährt — um wieviel stärker wird der Reiz erst auf unseren Appetit wirken? Denn Obst ißt wohl jedermann, wenn auch selbstverständlich der- einen Sorte vor der anderen der Vorzug gegeben wird. Man erwäge nur, welche hohen Preise ton Feinschmeckern oftmals für die ersten Kirschen oder Erdbeeren gezahlt werden! Allein weit höher als der genüßliche Wert des Obstes steht der hygienische. Zwar alle jene verschiedenartig und oft sogar recht wundersam gestalteten Früchte an Baum und Strauch, wie sie während der günstigen Jahreszeit heranwachsen und -reifen, dienen mehr oder weniger als Nahrungsmittel für den Menschen. Daneben aber und noch vielleicht in weit höherenl Grade sind sie dazu bestimmt, seine Gesundheit, sein Wohlbefinden zu heben oder doch- mindestens zu erhalten. Sie regen unseren Appetit an, sie regeln die Verdauung; unter der brennenden Sonnenhitze stillen sie den quälenden Durst besser und nachhaltiger, al§' jedes Getränk; so erhalten sie uns frisch bei Spannkraft während der Tagesstunden, und wenn der Abend kommt, sorgen sie dafür, daß sich leicht, ungerufen oder gar durch, künstliche Mittel herbeigezwungen, Schlaf auf unsere Lider senkt. Tie Obstvaukunde als' Wissenschaft teilt bekanntlich all diese Früchte ein in Kernobst, Steinobst, Schalenobst und Beerenobst. Am wenigsten von diesen kommt in gesundheitlicher Beziehung als .heilsam das Schalenobst in Betracht. Wall- und Haselnüsse, Mandeln und Kastanien, die hauptsächlichsten Vertreter dieser Obstart, dürften in allgemeinen ziemlich schwer verdaulich sein; unter Schalenobst selber versteht man eine Fruchtart, bei der nur der Kern eßbar, die Hülle dagegen, von der die Kernkapsel umschlossen wird, ungenießbar ist. Ueberhaupt unterscheidet sich Schalenobst ganz wesentlich von den übrigen hier aufgezählten Arten schon dadurch, daß ös zwar Nährwert besitzt, und an Wassergehalt entschieden hinter jenen zurücksteht. Gerade die zuletzt angeführten Bestandteile aber sind es, die dem Obst seine große Beliebtheit und, im engsten Anschluß daran, den hohen hygienischen Wert verleihen; jene wunderbaren flüchtigen Essenzen, die zuerst auf die Geruchsnerven so verlockend einwirken und dann geradezu als ein Zauber den Appetit unter ihren Bann bringen; verschieden bei jeder Obstart von der anderen und dabei in stetem Ringen um den Preis; ohne daß jedoch derjenige, der von ihnen ißt und nascht, mit aller Bestimmtheit behaupten könne, welcher von sämtlichen Früchten jener gebühre: Napoleon I. gab Ananas-Scheiben den Vorzug; Friedrich der Große verteilte seine Gunst wohl ziemlich gleichmäßig auf Kirschen, Pfirsiche und Weintrauben; die Königin Luise von Preußen aber behauptete, daß ihr keine Frucht so köstlich munde wie Erdbeeren, direkt iur Walde gepflückt, prangend an den grünen Zweiglein und womöglich noch; übergossen von dem Tau, den ein Sommermorgen über diese seine Lieblinge schüttet . . . Tie Gesundheitslehre hat es sich inzwischen angelegen sein lassen, den hygienischen Wert der verschiedenen Obst- arten eingehend zu untersuchen und das Ergebnis dann festzustellen. Kirschen, ob sauer oder sütz, sind der Gesundheit überaus zuträglich; ihre Verwendbarkeit zumal steht in gastronomischer Hinsicht beinahe unerreichbar da; höchstens der Apfel kann sich; auf diesem Gebiet mit ihnen messen. Kirschsuppe und Kirschmus, Kirschkuchen und Kirschsaft: Alles mundet vorzüglich und bereitet dem Magen nicht die geringsten Schwierigkeiten. Tie Erdbeere hat in der früheren Arzneikunde direkt als Heilmittel eine sehr bedeutende Rolle gespielt. Kranken und Genesenden bietet diese Frucht zum mindesten eine herrliche Labung. Andererseits freilich, ist nicht zu leugnen, daß manchen Menschen Erdbeeren ganz und gar nicht bekommen; der Magen will sich mit ihnen nicht befreunden, und der Körper bedeckt sich! mit einem Ausschlage. Der Apfel besitzt eine ganze Reihe hervorragendster diätetischer Eigenschaften. Wer Anlage zur Gicht hat, kann unter Umständen dieser so quälenden Krankheit durch recht reichlichen Genuß von Aepfeln Herr werden. Diese Frucht enthält nämlich! mehr Phosphorsäure als irgend ein anderes pflanzliches Erzeugnis der Erde, und wirkt geradezu antiseptisch, indem sie verhindert, daß bei Personen, die viel animalische Nahrung zu sich nehmen, diese in Fäulnis übergeht. Melonen sollen nicht selten eine Schntzwehr gegen Fieber und Nierenleiden bilden. Tie Tomate verwendet man zwar vorzugsweise als Gemüse und Küchenwürze; als Obst und zwar reichlich genossen, soll sie sich jedoch. auch ganz vortrefflich' bei Leber- und Harnbeschwerden bewähren. Anderseits möge sich der Leberkranke der Pflaumen enthalten, die von amerikanischen Aerzten den Nervösen regelrecht als Kur anempfohlen werden. Ueber den hygienischen Wert der Weintraube brauche ich an dieser Stelle wohl kaum zu sprechen; der gesundheitliche Wert dieses vornehmsten allen Beerenobstes steht über jedem Zweifel. Dagegen dürste weniger bekannt sein, eine wie wichtige Rolle die Quitte in unserer Hausapotheke eigentlich spielen sollte. Quitten, in Stücke geschnitten, und dann in Wasser gekocht, verleihen diesem ein fast immer wirkendes Mittel gegen Durchfall. Auf dem Lande, wo der helfende Arzt nicht immer zur Hand ist, heilt man noch heute Hals- und Brustbeschwerden mit Quittensaft. Desgleichen steuern auch die der eigentlichen gärtnerischen Kultur entbehrenden Obstarten recht beträchtlich zu solcher Haus-Apotheke bei. Bronibeeren, mit Zucker eingekocht, stillen den Husten, und aus Schlehen, diesen Parias unter sämtlichen Obstarten, die das All hervorbringt, läßt sich mit leichter Mühe ein Trunk brauen, der die Skropheln vertreibt. Obst essen und Obst essen ist freilich ein großer Unterschied, auf den zumal schwächliche Natnten und Kinder nicht genug aufmerksam gemacht werden können. Vor allem möge der Irrtum aus der Welt geschafft sein, als ob von einem eigentlichen Nährwerte beim Obste überhaupt die Rede sein könne. Daher empfiehlt es sich, all' diese Fruchtarten nicht etiva als Hauptmahlzeit zu genießen, sondern immer nur als die Verdauung befördernde Begleitspeise jener: als Kompott. Des weiteren möge der Magen, wenn ihm Obst zugeführt werden soll, stets erst in die geeignete Stimmung versetzt sein. Tas cst eut Grundsatz, den sowohl die geschworenen Feinde jeglicher animalischen Nahrung als auch! die entschiedensten An- - 388 = Hanger von Obstkost beherzigen sollen. Eine warme Suppe, die man mit dem allezeit dienlichen Liebig's Fleischs-Extrakt und jungen Gemüsen jetzt so schmackhaft herstellt oder eine leichte Fleischspeise; das eine oder andere sollte jedem ‘ Magen geboten werden, bevor man ihm zumutet, daß er eine größere Menge von Obst ohne Nachteil für die Gesundheit bewältige. Tas Wassertrinken direkt nach dem Obst- genilß hat sich als durchaus schädlich, erwiesen, weil dadurch der Magensaft verdünnt, und die Verdauung geradezu gehemmt wird. Tie Schwierigkeit dieser nimmt selbstverständlich in demselben Maße zu, wie man etwa zu reichlich! Obst genossen hat. Ter Magm sieht sich vor eine Aufgabe gestellt, der er nie und nimmer gewachsen ftin kann.. Um den Turst, der sich nach! Obst bei manchen Naturen so gern einstellt, fernzhuhalten, sollten Kinder und schwächliche Naturen immer zugleich! ein Stückchen Brot essen. Es ist dies ein fast unfehlbares Mittel, um sie vor Turchfall zu schützen. Obst soll ferner immer nur in völlig sauberem und gereiftem Zustande als Nahrungsmittel für den Menschen verwendet werden. Früchte, die eben erst von Baum oder Strauch gepflückt wurden, sind, wenigstens in hygienischem Sinne, stets beschmutzt. Eine Staubschicht lagert immer auf cher schale; oft ist diese sogar mit allerhand schäd- lxchen oder Ekel erregenden Ingredienzien behaftet; widerliches Gewürm nahm darüber hin seinen Weg oder suchte sogar hier seinen Appetit zu stillen. Man bedenke schließ- M durch tote viele Hände Apfel und Kirsche, Melone und Pfirsich kommen, bevor sie in unseren Besitz gelangen. Wer möchte,, wenn er all Das in Erwägung zieht, auch nur em einziges Mal solche Frucht über die Lippen bringen, ohne fte zuvor auf das Peinlichste gesäubert zu haben! Bn Kernobst, tote Aepfel und Birnen, möge stets die schwerverdauliche Schale vor dem Genüsse beseitigt werden; nur durchaus magenfeste Naturen dürfen solche Unterlassungssünde ohne Reue auf sich nehmen. Tas Gleiche gilt von den Kernkapseln des Steinobstes, zu dem Aprikose, Kirsche, Pftrstch und Pflaume gezählt werden. Wir wissen alle, tote häufig Kinder Obstkerne verschlucken; wir wissen aber auch, wie schwer diese zu verdauen sind, und wie bös- artige Krankheiten meistens die Folgen solchen Leichtsinns oder solcher Unachtsamkeit zu sein pflegen. Am gesündesten E??. allgemeinen Obst im gekochten Zustande; dagegen laßt sich' nun einmal nicht leugnen, daß bei einigen Arten das Aroma, die köstlichen Säuren und Salze in ihrer Reinheit und Ursprünglichkeit vorwiegend dann zur Geltung kommen, wenn sie ungekocht genossen werden. Unreifes Obst ist als Nahrungsmittel nicht allein wert- los, sondern meist sogar schädlich,. Anderseits weist es gekocht hm und wieder eine Zartheit der Säure, eine Mündlichkeit für den Gaumen auf, daß selbst die reife Aucht neben solchem Kompott ganz und gar nicht Stich sieht: ebenso reichhaltig und mannigfach wie dm Obstarten selber an sich sind, gestaltet sich auch ihre Verwertung im Haushalte des Menschen. Eine ganze Reihe geheimer Kräfte hat die Beobachtung im Bunde mit der Wissenschaft zu seinem körperlichen Wohlergehen bereits ausfindig gemacht — wie viele andere mögen noch in all den vielgestälteten, mannigfachfarbigen Spenden der Vegetation ichlummern, nur des Augenblicks harrend, wo wir fte in hygienischer Hinsicht noch höher schätzen lernen! Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner heraus- ^ebenvon Prof. Dr. Fr.Um lau ft. 23. Jahrgang 1901. (A. Hartlebens Verlag in Wien, jährlich 12 Hefte zu Mk 115 Vorauszahlung einschl. Franko-Zusendung Mk. 13 50 )' ' _ Dw nahezu seit einem Vierteljahrhundert erscheinende „Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik" erfreut i uy in den weitesten Kreisen des besten Rufes, da sie jeder- mann, der an der Erdkunde Interesse nimmt, eine Fülle von geographischen Mitteilungen aller Art bietet. Dazu I1™ die größeren Aufsätze von trefflichen, durchgehends nach Photographien angefertigten Illustrationen begleitet und Zedern Hefte liegt eine wertvolle, vorzüglich ausgeführte Karte bei. Ate Reichhaltigkeit dieser Zeitschrift ersieht man auch, wieder aus dem eben erschienenen z hüten Hefte des XXIII. Jahrganges: Isfahan, die persische Kunstmetropole. Von Dr. Walter Schulz-Baumgärtner in Berlin. (Mit 3 Abbild:) — Die Färöer. Von G. Schoener. (Mit 1 Karte.) — Fortschritte der geographischen Forschungen und Reisen im Jahre 1900. 1. Asien. Von Dr. I. M. Jüttner. — Astronomische und physikalische Geographie. Ueber die Veränderlichkeit der Kimm. — Politische Geographie und Statistik. Tie Ergebnisse der Volkszählung in Ungarn. —(Berühmte Geographen, Naturforscher und Reisende. C. Egeberg Bvrchgrevink. (Mit 1 Porträt.) — Geographische Nekrolvgie. Todesfälle. — Kletne Mitteilungen aus allen Erdteilen. — Geographische und verwandte Vereine. — Vom Büchertisch (Mit 3 Abbild ) — Kartenbeilage: Karte der Färöer. Maßstab: 1 : 670 000 Der äußerst mäßige Bezugspreis der „Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik" ermöglicht ihr eine weite Verbreitung. ~ , Gemeinnütziger. Die Rose, die nicht ohne Grund die Königin der Blumen genannt wird, hat sich, in der That im Reiche der Flora eine herrschende Stellung erobert. Nicht nur tn jedem kleinen Garten, sondern auch in den Prunk- und Blumengärten von Fürsten und Königen nimmt die Rose dte erste , Stellung ein. Auch, Schloß Friedrichshof, von dem man jetzt so viel hört, da es Sitz und Eigentum der kranken Kaiserin Friedrich ist, besitzt neben einem mustergiltigen Parke im landschaftlichen Stile einen höchst wirkungsvollen, terrassenartig angelegten Rosengarten. Rings umschließ!en ihn Buchenhecken, vor diesen Gehänge von Rosen und Klematis. Auf den wagerechten Teilen ~F Terrassen erheben sich in stolzer Schönheit majestätisch dte Rosenhochstämme, unterpflanzt von Sommerblumen in färben- uttb formenreicher Fülle. Tie Böschungen sind mit Epheu bepflanzt, der in seiner dunllen, gleichmäßigen Belaubung einen angenehmen Gegensatz zu den zart- farbigen, eleganten, Frohsinn predigenden Rosen bildet. Es ist gewiß für manchen Blumenfreund von Interesse, diesen Blumenberg wenigstens im Bilde zu sehen. Tie neueste Nummer des praktischen Ratgebers enthält einen Artikel über Schloß, Friedrichshof mit vier Abbildungen, aus deren zweien man auch! die prachtvolle Architektur des Schlosses zu bewundern Gelegenheit hat. Tiefe Nummer des praktischen Ratgebers in der noch verschiedene Rosenfragen erörtert werden, kann man vom Geschäftsamt zu Frankfurt a. O. erhalten. /'^iches Wasser zum Waschen. Taß das harte Wasser das schlechteste, das Flußwasser besser und Regenwasser das beste zum Waschen sei, ist wohl bekannt. Hat man weder Fluß- noch Regenwasser, so kann man sich dadurch helfen, daß man in einen Zuber voll Wasser etwa eine halbe Schopfgelte gelöschten Kalkes schüttet und umrüyrt, dann still,tehen läßt. Ter Kalk schlägt sich nieder, und das ^aJj.er' Welches man klar abgießt, ist so gut als anderes weiches Wasser. Aür die Küche. e, $e!Täs vom Metzger gut gereinigte Kalbsgekrose wird in kochendes Salzwasser, dem man eine Zwiebel mit Nelke besteckt, Suppengrünes und ein Lorbeer- S^gegelieTi, langsam weichgekocht und in Stücke ge- chnitten. Tann bereitet man eine weiße Butter- oder eine braune Ragont-Sauce, läßt diese gut durchkochen, giebt die Fleischbrühe hinein und läßt sie darin heiß werden. Vor dem Anrichten kräftigt man das Ragout noch im Geschmack Mit einem Aheelöffel Maggi-Würze. Sehr gute Beilage sind Kartoffeln oder Klöße. U. & R. Kapselrätsel. (Nachdruck verboten.) Balustrade, Vormund, Lieschen, Besen, Grossmama, Schenkung, Kojen, _Wunder, Schwarm, Beitrag, Erleichterung. LS ist em Sprichwort zu suchen, dessen einzelne Silben der Reibe nach eingekapselt sind in vorstehenden Wörtern ohne Rücksicht auf deren Silbenteilung. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Arbeit und Zeit helfen über manches Leid. "■ - a>“»> b" «w™ Um.e.IW.MM-- Sclrn) ln