KZ K WM»- ■UXHM ’ggKgTji RS^W IJUIUII, wunderbares, tiefes Schweigen, ß3^- Wie einsam ist's noch auf der Welt! WD Die Wälder nur sich leise neigen, Als ging der Herr durch's stille Feld. Ich fühl' mich recht wie neu geschaffen, Wo ist die Sorge nun und Not? Was mich noch gestern wollt' erschlaffen, Ich schäm' mich deff' im Morgenrot. Die Welt mit ihrem Gram und Glücke Will ich, ein Pilger, frohbereit Betreten neu, wie eine Brücke Zu dir, Herr, über'm Strom der Zeit. Eichendorff. (Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold Ortmann. (Fortsetzung.) Erst als sie hörte, daß ihr Bruder hinter ihr über die Schwelle trat, gewannen ihre Züge wieder das alte Aussehen, und jedes Anzeichen einer ungewöhnlichen Erregung war mit einem Mal aus ihrem Antlitz verschwunden. „Das also war unser Gegner?" sagte sie. „Du bist dchch ganz sicher, daß er es war?" „Natürlich bin ich's- Was für eine sonderbare Frage, Hanna!" „Und das Ergebnis Eurer Unterredung? Will er sich vergleichen?" „Ich zweifle nicht, daß es dahin kommen wird. Denn der Herr Regierungs-Assessor befindet sich, allem Anschein nach in einer sehr kritischen Lage." „Inwiefern? Kannst Du Dich nicht etwas deutlicher erlkären?" „Er hat eF mir natürlich nicht rund herausgesagt. Aber diese und jene Aeußerung, die ihm im Laufe des Gesprächs entschlüpfte, ließ doch erkennen, daß ihm an dem raschen Zustandekommen eines Abschlusses mit jenem Finanz-Konsortium außerordentliche viel gelegen sei. Und die Leute denken selbstverständlich Nicht daran, mit einem Besitzer abzuschließen, dessen Eigentumsrechte keine ganz zweifellosen sind. Wenn es wegen des Restorpschen Erbanteils erst zu einem Prozeß von unabsehbarer Dauer kommt, wird sich wahrscheinlich das ganze Gründungsprojekt zerschlagen." „Hat Hubert Wedeking däs gesägt?" „Er hat es wenigstens angedeutet. Und er ivur aufrichtig genug, mir zu erklären, daß, auch nach seiner Ansicht durch die Auffindung des Briefes eine völlig veränderte Situation geschaffen worden fei. Der Restorpsche Anspruch), war vorher weder von ihm noch von jenen Finanzleuten ernsthaft genommen worden, da ihm jede Unterlage fehlte. Der Beweiskraft des Wedekingschen Briefes aber kann man sich, nicht wohl verschließen." „Hast Du ihn dem Assessor gezeigt?" „Jawohl — da er mich darum bat." „Und er erkannte die Handschrift seines Vaters?" „Ich, weiß es nicht. Jedenfalls äußerte er keinen Zweifel au der Echtheit des Schriftstücks." „Und nun? Was wird weiter geschehen?" „Herr Wedeking erklärte, daß er sich, zunächst bis morgen Bedenkzeit ausbitten müsse, ehe er mir seine Vorschläge mache. Er wird, morgen eine Konferenz mit den Kapitalisten haben, die das Salzbergener Terrain kaufen wollen. Und von dem Ergebnis dieser Besprechung wird alles weitere abhängig sein." Hanna blickte eine Weile nachdenklich vor sich nieder. Dann fragte sie: „Glaubst Du, daß er meine Untersuchung des Briefes aus seine Echtheit verlangen wird, ehe er Dir einen Vergleich; anbietet?" „Es wäre nur in der Ordnung, wenn er es thüte, und sein Anwalt wird ihm ohne Zweifel dazu raten." „Du würdest also darauf eingehen?" „Ohne weiteres. Die Prüfung kann ja nur zu unserem Vorteil ausfallen, und der geringfügige Zeitverlust hat keine Bedeutung." „Mer Du müßtest das Dokument zu dem Zweck aus der Hand geben." „Die Untersuchung kann vielleicht in meiner oder in Restorps Gegenwart erfolgen. Und für alle Fälle läßt man den Brief vorher photographieren." „Ja, das konnte man thun", sagte Hanna. Aber sie sagte es in einem Ton und mit einem Gesichtsausdruck, als wären ihre Gedanken bei ganz anderen Dingen. Bernhard, der sie schon wiederholt forschend angesehen hatte, konnte sich nicht enthalten, zu fragen: „Du kommst mir heute so seltsam verändert vor, Hanna! Ist Dir etwas Unangenehmes widerfahren?" „Nein", sagte sie. „Ich habe nur schlecht geschlafen. Und deshalb möchte ich auch heute ganz ungestört bleiben. Ich werde auf meinem Zimmer speisen. Und wenn Harro kommen sollte, wirst Tu mich bei ihm entschuldigen. Gedenkst Du den Restorps im Laufe des Tages einen Besuch zu machen?" Mit verdüsterter Stirn schüttelte der Rechtsanwalt den Kopf. „Da sich Inge gestern abermals vor mir hat verleugnen 322 taffen, werde ich mich solange fern halten, bis fte selcht mich auffordert zu tommen. Ich kann es nicht länger ruhig hinnehmen, daß sie mir ausweicht wie etwas Verhaßtem." „Sie wird schon von selbst zur Einsicht kommen — verlaß Dich darauf. Aber es ist ganz richtig, daß Du fre Tein Gekränktsein fühlen lässest und eine Weile fortblerbst. Gerade das wollte ich Dir raten." „Wenn ich nur nicht so furchtbar darunter litte, Hanna! Ach, ich kann Dir nicht sagen, wie oft und wie ingrimmig ich- diesen unseligen Brief schon verwünscht habe, der an allem schuld ist." „Da er aber nun einmal da ist, muß man sich wohl mit seinem Vorhandensein abfinden. Wenn er wieder verloren ginge, ehe man ihn photographiert hat, würden ja alle Hoffnungen der Restorps unfehlbar zu Wasser werden — nicht wahr?" . ,, „Da er der einzige greifbare Beweis für die Berechtigung ihrer Ansprüche darstellt — gewiß." _ „Findest Du nicht, Bernhard, daß es unter solchen Umständen eine sehr große Verantwortlichkeit ist, die Du mit seiner Aufbewahrung übernimmst? Wie nun, wenn er Dir gestohlen würde?" „Fast hätte ich gesagt: Möchte es doch: geschehen! Aber das ist weder zu fürchten noch zu hoffen. Der Wandschrank dort ist völlig diebes- und feuersicher. Die Schlüssel aber, die ich während des Tages stets bei mir trage, pflege ich in der Nacht unter meinem Kopfkissen zu verwahren/ „Einen Mangel an Vorsicht also könnte man Dir jedenfalls nicht zum Vorwurf machen, wenn etwa dennoch ent Unglück geschähe, doch will ich Dich jetzt nicht langer in Deiner Arbeit stören. Also ich bin den ganzen ^rag für niemand zu sprechen — hörst Du — auch nicht für Harro. Uebrigens ist es garnM wahrscheinlich, daß er heute kommt." . Sie ging, und ihr Verlangen nach ungestörtem Alleinsein mußte wohl in der That ein sehr ernsthaftes sein, da sie beide Thüren ihres Zimmers hinter sich, verschloß. Vierzehntes Kapitel. „Ich: muß Sie in einer für Sie Sie sehr wichtigen Angelegenheit unbedingt noch heute sprechen. Erwarten Sie mich nm sieben Uhr im Konversationszimmer Ihres Hotels- Der kleine Zettel, den Hubert Wedeking dem mattroten Umschläge eines eben eingelaufenen Rohrpostbriefes entnommen hatte, enthielt nichts als diesen lakonischen Befehl. Er war so wenig mit einer Anrede als mit einer Unterschrift versehen, und die festen, gleichmäßigen Züge machten es zweifelhaft, ob eine männliche oder eine weibliche Hand die Feder geführt habe. . Der Regierungs-Assessor aber schien m Bezug aus die Herkunft des winzigen Blattes doch eine sehr bestimmte Vermutung zu hegen; denn sein hübscher, energisch geformter Mund verzog fich zu einem behaglichen Lächeln. „Wenn sie Lust hat, das Abenteuer fortzusetzen", sagte er vor sich hin, „weshalb sollte ich mich dagegen sträuben?" Und durch ein Klingelzeichen rief er den Hoteldiener herbei. ■ , , . „Ich habe unten im Bureau für heute abend einen Logensitz im Opernhause bestellt. Ich mache Ihnen denselben zum Geschenk. Vielleicht gelingt es Ihnen, einen Abnehmer dafür zu finden." Der Kellner verbeugte fich dankend. „Haben der Herr sonst noch einen Befehl für mich?" „Ich bin von fünf Uhr an nicht mehr zu Haus. Tas heißt, ich erwarte einen Besuch, und will nicht gestört sein. Sie verstehen mich?" Ohne daß sich eine Muskel in seinem glattrasierten Gesicht verzogen hätte, verbeugte sich der Kellner abermals. „Vollkommen, Herr Regierungs-Assessor!" Und das Zimmermädchen soll den Salon ein bischen behaglich machen. Vielleicht hier nnd da ein paar frische Blumen, und mit dem Zerstäuber irgend ein diskretes Parfüm! Es soll nicht so niederträchtig nach dem Gasthause riechen." _ „Es wird alles geschehen, wie Sie es befehlen. Hubert Wedeking nickte, und der dienstbare Geist war entlassen. Noch einmal nahm der Assessor den Zettel zur Hand und studierte aufmerksam die schönen, charaktervollen Schriftzüge. „Es ist von ihr — daran giebt's gar keinen Zweifel", bestätigte er sich seine erste Vermutung. Sie schreibt, wie sie spricht und wie sie aussieht. Also hat sie mich damals mit gleicher Münze bezahlt, die kleine Gletscherhexe! Das gefällt mir — und es giebt überdies einen hübschen Anfang für das zweite Kapitel unseres Romans. Wir können damit beginnen, uns gegenseitig anszulachein. Und ihr Lachen ist so entzückend! Gebe der Himmel, daß dieser Abend ebenso vergnüglich werde, wie es das Plauderstündchen in der Region be§‘ ewigen Eises war." Und er spann den angenehmen Gedanken, der für den Angenblick alle lästigen Sorgen aus seinem Kopfe verscheucht hatte, lächelnd weiter, während er sich zum Aus- !geheu ankleidete. Denn die Uhrzeiger wiesen erst auf drei, und er konnte gemächlich dinieren, ohne daß er hätte fürchten müssen, das Stelldichein zu versäumen. Als er den Glaeeehandschuh über die Linke streifen wollte, siel sein Auge auf den schmalen, schlichten Goldreif, den er am Ringfinger trug, und er zog ihn ab, um ihn in der Westentasche verschwinden zu lassen. „Ich könnte es nachher vergessen", dachte er, „und ich vermute, er würde uns stören." Tann barg er den Zettel, dessen Absenderin er mit solcher Bestimmtheit erraten zu haben glaubte, sorgfältig in seinem Portefeuille, und schritt mit den leichten elastt- schen Schritten eines seiner Jugendkraft und blühenden Gesundheit bewußten Mannes die mit dicken, weichen Teppichen belegte Stiege hinab. Zwanzig Minuten vor sieben Uhr kehrte er in das Hotel zurück. Tie vortreffliche Mahlzeit hatte sein Gesicht lebhafter gerötet, und seine Augen schwammen in jenem eigentümlichen Glanze, den der Champagner zu erzeugen pflegt. Der mit erlesener Pracht ausgestattete Empfangssalon war zufällig leer, und Hubert Wedeking ließ sich behaglich in einen der schwellenden Sessel fallen, um ohne besonderes Interesse in dem ersten besten Journal zu blättern, das er auf dem mit Büchern und Zeitungen bedeckten Tische gefunden. Die Ungeduld, mit der er dem bevorstehenden Abenteuer entgegen sah, schien nicht eben eine brennende zu sein; denn als er nach Verlauf einer Viertelstunde die Zeitschrift mit lässiger Handbewegnng beiseite legte, verriet ein leichtes Gähnen, daß er sich allgemach zu langweilen begann. Da wurde die Glasthür geöffnet, und eine schlanke, dunkle Mädchengestalt trat herein. Ihr Gesicht war hinter einem dichten, fast undurchsichtigen Schleier verborgen; aber Hubert Wedeking erkannte sie nichtsdestoweniger sofort. Ter gelangweilte Ausdruck war augenblicklich aus seinen Zügen verschwunden/ und er sprang elastisch ans seinem Sessel empor, um ihr entgegen zu gehen. Als erriete sie das vertrauliche Wort, das er auf den Lippen hatte, und als wollte fte ihn unter allen Umständen verhindern, es auszusprechen, kam Hanna seiner Anrede zuvor. „Ich! habe mich entschlossen, Sie aufzusuchen, Herr Wedeking, weil ich glaube, Ihnen eine wichtige Mitteilung machen zu können. Werden wir hier nnbelauscht fern? Er ging sofort auf den von ihr angeschlagenen Ton ein, und seine Erwiderung klang ebenso ehrerbietig als artig. ... „Ta es ein Saloti ist, der allen Hotelgästen und ihren Besuchern offen steht — wohl kaum! Ich wußte in diesem Hans "keinen anderen Ort, an dem wir vor Späheraugen und Lauscherohren unbedingt sicher wären, als mein Zimmer." t „Und ich: habe Ihr Ehrenwort, daß ich Ihnen dahm folgen dürfte, ohne mein Vertrauen in Ihre Ritterlichkeit später bereuen zu müssen?" . . „Es beschämt mich tief, mein gnädiges Fräulein, daß Sie eine solche Frage für notwendig halten." „Nun wohl, lassen Sie uns denn gehen!" Tie aus einem kleinen eleganten Salon mit anstoßendem Schlafzimmer bestehende Wohnung des Regierungs-AsstssE lag int zweiten Stock. Hanna hatte es abgelehnt, den Fahrstuhl zu benutzen, und sie war ein wenig außer Atem, als fte oben angenommen. Noch ehe sie ihren Fuß in das Gemach setzte, dessen Thür er dienstfertig vor ihr geöffnet hatte, sagte sie: , . „Oeffnen Sie, bitte, ein Fenster! Mir ist warm, um 323 bet Duft, mit dem man, das Zimmer parfümiert hat, würde mir Kopfschmerz verursachen." „Es fehlt -nur noch, daß sie mich ausfordert bte Blumen auf die Straße zu werfen", dachte der Assessor. Adi-r er beeilte sich nichtsdestoweniger, chrem Verlangen zu entsprachen. Nun erst schloß Hanna hinter sw die Thür. Mit einem kleinen Kopfschütteln wies sie den Sessel zuruck, den er für sie zurecht rückte und blieb, leicht auf die Lehne des Fauteuils gestützt, stehen: „Sie waren überrascht, mich zu sehen — nicht wahr?" "Dars ich ganz offen darauf antworten, Fräulein Shl- würde nicht gefragt haben, wenn ich etwas anderes als Offenheit wünschte." „Nun denn, ich war jedenfalls in viel höherem Maße beglückt als überrascht, da ich mich nicht einen Augenblick im Ungewissen darüber befunden hatte, daß der Rohrpostbrief nur von Ihnen herrühren konnte." (Fortsetzung folgt.) Vom Monat Juni. Juni 19 01. (Nachdruck verboten.) Begünstigt durch das überaus fruchtbare Wetter im Monat Mai hat die Natur in Garten, Wald und Feld fast verschwenderisch gewaltet. Freilandgemüse befinden sich unter diesen günstigen Witterungsverhältnissen in flottem Wachstum, und die Gärtnereien sind in der Lage, junge Gemüse in großen Mengen zu liefern. Der Markt gestaltet sich täglich reicher und mannigfaltiger, und naturgemäß geht auch die Hoffnung auf Herab geh en der Preise in Ersüllung. Unter den Gaben des Freilandes verdienen noch immer Spargel und Kohlrabi die meiste Beachtung. Tie Zeit des Spargels ist nur noch kurz, mit dem Johannistage, wo an den meiüen Orten das Stechen eingestellt wird, fängt er an, zur Neige zu gehen. Die ausländischen Gemüse sind jetzt fair vollständig durch heimische ersetzt. Für italienischen Blumenkohl, der uns den Winter über aushalf, erhalten wir Erfurter und Zittauer in schneeigen weißen Rosen. Frische kräftige Karotten und junge Mohrrüben leuchten auf den Platzen in hohen Haufen, und zu dem allgemein beliebten Mischgemüse „Junge Erbsen mit Mohrrüben" fehlen auch die zarten Schoten nicht, deren Kerne jetzt noch ohne Maden sind. Vorzüglich ist ein bloßes Schotengemüse nach französischer Art. Grüne Bohnen und Wachsbohnen sind kaum oder nur selten zu erlangen, die der Markt bietet, sind fremdländische und noch Delikatesse. Als Saisonfeinheiten sind zu nennen: Frische Tomaten und Auberginen, die violetten oder auch weißen Eierfrüchte, schöne Artischocken, die leider in Deutschland lange nicht den Absatz und die Beachtung finden, wie im Süden. Kopfsalat aus dem Freiland in sesten Köpfen ist billig, und auch Gurken kommen in erheblicheren Mengen; für Liebhaber von Gurkensalat ist jetzt die schönste Zeit. Frische Morcheln werden Anfang Juni schon selten, dafür ist der Maipilz am Markte, der sich aber nur einer geringen Wertschätzung erfreut, was schon der sehr niedrige Preis beweist. Dagegen bringt der Juni schon Proben von Pfifferlingen, diesem so sehr beliebten Pilz und kleine Portionen von Rotkappen und Steinpilzen, die den Preis gleich den Champignons halten. Dieser in der Küche eine große Rolle spielende Pilz kommt in reichen Mengen zum Markt, da Morcheln noch zu haben, Spargel noch preiswürdig, und Krebse jetzt am besten sind, ist eine schmackhafte Schüssel zu saftig gebratenen Hühnern, Kalbs- oder Hammelskoteletts oder zu geräuchertem Lachs leicht herzustellen. Nachdem man die Morcheln gebrüht und mit kaltem Wasser gereinigt hat, werden sie in zerlassener Butter geschmort und dann in hinzugegossener Brühe aus Liebigs Fleisch-Extrakt gekocht, die Brühe durch eine helle Mehlschwitze verdickt, dann mit Salz nnd etwas Muskatnuß gewürzt, und mit 2—3 Eigelb abgezogen. Während dieser Zeit wird ans gekochten Krebsen, denen man Schwänze und Scheren ansgebrochen, Krebsbutter bereitet; gleichzeitig wird geputzter und in Stückchen geschnittener Spargel im Salzwasser mit etwas Butter weichgekocht, und beim Anrichten derselbe in die Mitte der Schüssel gegeben, während man die Morcheln mit der Sauce herum garniert und das Ganze mit Krebsbutter beträufelt. Von Würzkräutern sehen wir: jungen Sellerie, Schnittlauch, Zwiebelröhrchen, frisches Bohnenkraut, stark duftenden Dill, der zu Fischsaucen obenan steht, und Estragon, der gerade jetzt am duftigsten ist. Die Früchte des Monats sind Kirschen, die, erfreuliche begünstigt durch' die Witterung, in verschiedenen Frühsorten vertreten sind. Bevorzugt werden immer noch die französischen Kirschen. Garten- und Walderdbeeren sind in den Delikateß- und Marktgeschäften, doch ürchtet man deren hohe Preise. Es wird eine geringe Erdbeerernte für dieses Jahr prophezeit, der trockene, schnee- lose Frost im Januar hat allenthalben großen Schaden anqerichtet, und sollen gleich anderen viele Erdbeerpflanzen vernichtet sein. Der Wald sendet schon die ersten Blaubeeren. Rhabarber und Stachelbeeren zum Einlegen wie znm Kompott sind> vertreten, beide zusammen giebt ebenfalls ein gutes Kompott. Tie Handlungen bieten heimische Pfirsiche, Ananas, Weintrauben, italienische Aprikosen oder Marillen genannt, Magdalenenbirnen, Reineclauden und die ersten Aepfel. Ueber junges Geflügel kann die Küche im Juni in reicher Wahl verfügen. Auf dem Geflügelmarkt schnattert und piept jetzt täglich eine fröhliche junge Brut von fungeu Enten und Gänschen, wohlgenährten Hühnchen und Hähnchen, vorzüglichen Tauben, dem Wappenvogel der Venus. In der Zeit der grünen jungen Erbsen stehen gebratene junge Tauben bei den Gastronomen in hohem Ansehen. Die sauber gerupften, auf brennenden Spiritus abgesengten Tauben werden ausgenommen, rein gewaschen und bis zum nächsten Tage aufbewahrt. Vor dem Braten werden sie nochmals ausgewaschen, inwendig mit Salz ausgerreben, 5oerz und Leber hineingesteckt und zugerichtet. Nachdem man die Tauben dicht nebeneinander in eine Bratpfanne gelegt hat, begießt man sie mit dickem saurem Rahm, streur ein wenig Salz und geriebene Semmel darüber, stellt otc Pfanne in einen gut geheizten Bratofen und schmort die Tauben unter öfterem Begießen mit dem Rahm in einer halben Stunde gar und braun. Nachdem sie angerichtet sind, kocht man mit Bouillon aus 5 Gramm Liebigs Fleisch- Extrakt die Sauce in der Pfanne, reibt sie durch ein feines Sieb, füllt auf jede Taube einen Eßlöffel voll und reicht die übrige nebenher. Es gilt dies nicht nur von den Haustauben, sondern auch von den verschiedenen Wildtauben. — Tie Handlungen bieten gutes Hamburger Mastgeflügel, Wnie junge ungarische Hühner, Brüsseler Masthühner usw.'^Ter einzige Vertreter sür Wildbret ist immer noch das Reh, das hochgeschätzte Damwild kommt leider nur vereinzelt, ebenso ab und zu einige Wildgänse. Das Fleisch der jungen Wildgänse ist außerordentlich schmack- hast, das der alten zäh und trocken. Wildgänse dürfen, wie Wildenten, nur einige Tage abhängen. Als Ersatz für die Auswahl an Wildpret ist der Flsch- markt dafür viel besser versorgt, da die Laichschonzeit aufgehört hat. Vornehmlich bietet der Markt Hechte, Zander, Schleie, Stör, Bleie und Aale. Da die Wetterkundigen einen gewitterreichen Sommer prophezeien, so ist auf reichen Aalfang zu rechnen, da Gewittertage stets reichen Fang dieses Fisches ergeben. Sehr gut sind im Juni Fellchen, die im Bodensee vorkommen und frisch, eingesalzen und eingelegt verschickt werden. Ostseelachs bleibt noch anhaltend hoch im Preise, mit der stark betriebenen Fischerei auf Butterlachs scheint viel gesündigt worden zu sein. Von Seesischen ist gut: Steinbutt, Seezunge und die billige Scholle. Aus dem Mittelmeer kommen Rotbärte auf den Markt und finden vielen Beifall. Krebse sind jetzt am besten und in verschiedenen Größen reichlich vorrätig. Ganz besonders berühmt ist der Oderkrebs. Matjesheringe von frischem Fang sind sehr schmackhaft. Der Zwingherr. Roman von Gustav Johannes Krauß. Preis geh. Mk. 4, geb. Mk. 5. Berlin, Alfred Schall, Königliche Hofbuchhandlung. Verein der Bücherfreunde. Unsere Besprechung von Krauß, Des Meisters Ende, schloß mit den Worten: „Der Verfasser hat das Beste 324 geben wollen, daß. es ihm nicht überall gelungen, ist keine Schande". Seine Beschlagenheit und unverkennbare Fähigkeit verheißen zunehmende Reife seiner Werke." Leider erfüllt sich diese Verhefung in obgedachtem Roman „Der Zwingherr" keineswegs. Vermag man ein Buch nur kapitelweise zu lesen, so bedeuten das entweder einen Vorzug oder Mangel desselben. Im ersteren Falle ist der Inhalt derart, daß man gerade genug zu thun hat, um ein Kapitel gehörig zu verarbeiten, im letzteren verlangt man einstweilen nicht nach mehr. Das Buch handelt vom Hypnotismus, möglich, daß es darum so wenig erweck- lich wirkt. Ein schlechtweg tierischer Magnetismus ist es, den der Zwingherr Dr. Wolfram, Sohn einer verschimähten Jugendliebe der Baronin Haller, zum Verderben der Familie, deren Hausgenosse er als Hauslehrer des Knaben Karl ist, spielen läßt. Ms halber Zigeuner weiß er die mit ihrem Vetter, dem Marineoffizier Freiherrn von Roth- mühl verlobte Tochter des Hauses, Liesel, magisch derart zu beeinflussen, daß sie sich von jenem ab- und ihm zuwendet. Man erfährt, wohin es mit einem Hause kommen kann, dem ein Mannweib vorsteht, und dessen berufenes Haupt mehr seinen Neigungen als seinen Pflichten lebt. Daß der Zwingherr schließlich doch bezwungen wird, und von der Hand des Onkel Theodor, eines Sonderlings, der für unzurechnungsfähig gilt, aber als einziger von der Familie Haller den Tr. Wolfram durchschaut, fällt, ist wenigstens ein Lichtblick. Daß aber das Liesel nach Lösung des Wolfram'schen Bannes sich gar einem dritten, dem Musiker Sengstbratel verlobt, bekundet wenig Seelenadel. Wir müssen es hinsichtlich dieses Romans mit Fritz Reuters Urteil halten: „Wer't mag, der mag't, und wer't nicht mag, der mag't ja wohl nicht mögen!" Bdt. Handarbeiten. Das schönste Gartenhaus der Welt befindet sich im Staate Delaware und gehört dem reichen Deutsch- Amerikaner Mr. O'Heward. Was dasselbe aber besonders interessant und fiir seinen Besitzer wertvoll macht, sind die prächtigen Handarbeiten, welche zur Ausschmückung der Veranden dienen. Dieselben, wahre Schaustücke weiblicher Fingerfertigkeit, wurden von den Töchtern des Mr. O'Heward mit 'eigener Hand angefertigt, und zwar im Lause von vierzehn Jahren. Die Muster sind zum größten Teil der im Verlage von W. Vobach & Co., Berlin ched Leipzig, erscheinenden,' und im dreißigsten Jahrgänge" stehenden „Arbeitsstube" entnommen. Das neueste Heft dieser bewährten Zeitschrift für leichte und geschmackvolle Handarbeiten bringt ein äußerst reichhaltiges Material präch-- tiger Arbeiten für Leinen-Applikation, Filet-Häkelei, Klöppeln, irische Spitzen, Kreuzstich. - Stickerei, Tiilldurchzug und Kerbschniit nebst den dazu gehörigen Mustern. Tie Arbeitsstube ist zum Preise von Mk. 1.— vierteljährlich 6et jeder Buchhandlung oder Postanstalt (Postzeitungsliste Nr. 680) zu bestellen. Technologie der Schlosserei von Julius Hoch. Dritter Teil: Kunstschilosserei und Verschönerungsarbeiten des Eisens. Mit 201 Abbildungen. In Originalleinenband 4 Mk. 50 Psg. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Daß die Herausgabe dieses neuen Werkes, das alle Teile der Schlosserei behandelt, einem Bedürfnis entgegengekommen ist, und daß der Verfasser, Ingenieur und Oberlehrer an der Baugewerkschnle in Lübeck, mit diesem Versuch das richtige getroffen hat, ist aus dem Beifall hervorgegangen, mit dem die ersten beiden Teile _ ausgenommen wvrden sind, die Beschläge, Schloßkonstruktionen und Geldschrankbau sowie Bauschlosserei behandeln. Der vorliegende dritte Teil bespricht die Werkzeuge und die Einrichtung einer Kunstschlosserei, die hier verwendeten Rohstoffe, die Bearbeitung des Eisens, die Eigentümliche keiten der verschiedenen Stile; hierauf werden die Hauptgebiete der Kunstschlosserei behandelt: Gitterwerk und Geländer, Wandarme und Aushängeschilder, Flaggen- und Glockenhalter, Wasserspeier, Wetterfahnen, Firstbekleidungen, ' Anker, Streben, Beschläge und Schlösser, Thüren und Thore und Fenstergitter. Es reihen sich Hausgeräte, Werkzuge, Waffen, Grabkreuze, Grabgitter, Brunnenhäuschen und Brunnengitter an. Das Schlußkapitel ist den Schutzmitteln des Beizens, Lackierens, Anstrichs usw, sowie den Verschönerungsarbeiten durch Schleifen, Polieren, Gravieren, Aetzen, Tauschieren, Eisenschnitt und durchbrochene Arbeit gewidmet. K i n d e r - Z e i t u n ß. Kinder-Zeitung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Großi-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 36. Was in der Welt vorgeht: Vom Burenkrieg; Waldersees Heimkehr; Unfall des Königs von Italien; Die letzte Hungersnot in Indien; Die Bernsteinfunde an der Elbmündung; Ein Waldbrand; Ein kleiner Reisender; Die Ueberreste eines Mammuts. Aus dem Reiche der Natur: Aus dem Zoologischen Garten; Ein Kampf in den Lüften; Eine Katzen- Stiefmutter; Hase und Storch; Der Beobachter in Wald und Feld: Der Laubsänger. „Peters wunderbare Reisen und Abenteuer". (Forts.) „Zwei junge Bienenköniginnen". Allerlei. Anzeigen. — Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle, Dahlemerstraße 75, in Groß-Lichterfelde. Gemernnütziges. Der richtige Schnitt des Pfirsichbaumes. Kaum irgend wo anders steht der Gartenfreund so ratlos da, als vor seinem Pfirsichbaum. weiß, daß man bei ihm so zu schneiden hat, daß in jedem Jahre Ersatzholz zum Fruchttragen da ist, aber wie wird solcher Schmit äus- aeführt? Da bietet Nr. 8 des „Erfurter Führers im Gartenbau" einen sicheren Führer; denn in ihm erörtert der bekannte Formobstzüchter Pekrun, dessen Formbäume auf allen Ausstellungen, auch in Paris, mit dem ersten Preye prämiiert wurden, gemeinverständlich den Schnitt und die Erziehung des Pfirsichbaumes. Wer einen Pfirsichbaum im Garten besitzt, oder einen solchen anpflanzen will, kann daher nichts Besseres thun, als diesen Artikel durchzulesen. Nr. 8 steht kostenfrei denjenigen unserer Leser zur Verfügung, die sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden. Brandwunden schmerzlos und rasch zu heilen. Wenn man sich bei der Wäsche durch Dampf oder durch kochendes Seifenwasser verbrüht hat, wickelt man den verlebten Körperteil schnell in ein mit Terpentin getränktes Tuch vollständig ein und behält ihn ungefähr eine Stunde verpackt. Man spürt alsdann keine Schmerzen mehr, entfernt das Tuch, reibt den verbrühten Körperteil mit Glyzerinöl ein und auch nicht eine Blase oder ein roter Fleck werden am anderen Tag zu sehen sein. Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). Auflösung in nächster Stummer. Auflösung der Pyramide in vor. Nr.: UHR RUHM HUMOR Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'jchcn Universitäts-Buch- und Steindruckerci (Pietsch Erben) ,n Güßen.