awitawW, AfiS rtMKsg x/ II .1 W FW •'.i" -i^U .W;"' Zum 10. Mai 1901. Ein Gedenkblatt für den 30. Jahrestag des Frankfurter Friedens. (Nachdruck verboten.) Sei uns gegrüßt, lichtsroher Maientag! Tn brachtest Frieden einst auf jene Schlachten, Aus denen stolz nach hartem Schwerterschlag Tie Väter eine Krone heimwärts brachten: Tie Krone, die in Schmach verloren ging, Weil rostend unser Schwert im Winkel hing, Als Korsenwillkür vor bald hundert Jahren ,Teutschland bezwang mit wilden Söldnerscharen! Ter hehrsten Königin ward Spott und Hohn, Tas Reich zersiel zu Trümmerwerk und Torsen, Bis — schon ein Greis — Luisens bester Sohn Tie Schmach getilgt an einem andern Korsen! Ta ward der Thron, den wir so oft erschaut In Sehnsuchtsträumen, wieder aufgebaut; Kornblumen lugten durch die Lorbeerreiser, Ter schlichte Held ward Deutschlands erster Kaiser! . . . O Tag von Frankfurt, der uns Frieden gab, Gigantenschatten läßt du wiederkehren: Ter Kanzler steigt aus seinem Waldesgrab, Ten selbst die Gegner heimlich heut verehren . . . Ter Held von Wörth, der in die Zukunft sann Und jeden Kampf und jedes Herz gewann. . . Graf Moltke und manch andrer stolze Degen, Tie sich seitdem zum Schlummer mußten legen! . . . Sie gingen hin, wo jede Fehde schweigt. . . Wohl sucht sie Kleinmut oft in banger Stunde, Wenn Thorenhaß sich gar geschäftig zeigt: Doch steht ihr herrlich Werk auf festem Grunde. Denn Volk und Fürsten wachen ob dem Band, Das unser Schmied gefügt ums Vaterland. . . Und die sich lang gehaßt nach blut'gem Streite, Stehn sern im Ost heut' wieder Seit' an Seite! . . . Alwin Römer. (Nachdruck verboten.) Die Göttin des Glücks. Roman von Reinhold Ortmann. ’ (Fortsetzung.) Um seine hilslvse Gattin kümmerte er sich nicht weiter, sondern überließ es den beiden Verlobten, sie mühsam und vorsichtig in das anstoßende Gemach zu sichren. Durch den sauber gedeckten Tisch erhielt dies Speisezimmer einen etwas naheimelnderen Charakter als die Wohnstube, obgleich eine in der Ecke aufgestellte spanische Wand die Vermutung nahe legte, daß es gleichzeitig die Bestimmung hatte, einem Familienangehörigen als Schlafraum zu dienen. Die kleine Tafel zeigte ein sehr gefälliges Arrangement, und waren auch! die Teller nicht eben vom feinsten Porzellan, so trugen doch dafür die Servietten eine große eiugestickte Freiherrnkrone über dem verschlungenen Monogramm. Aus Hannas Gedeck lag sogar ein allerliebstes Sträußchen, das sie sichtlich erfreut mit einigen Tankes- worten gegen Herrn von Restorp an ihrem Busen befestigte. „Vor wenig Jahren iwch hätte ich Ihnen in den Treibhäusern von Klitzow schönere Blumen schneiden lassen können", sagte er, „aber es ist ja, wie ich, denke, noch nicht das letzte Mal, daß ich Sie unter meinem Dache bewirte." Er hatte schon wiederholt ungeduldigte Blicke nach der Thür geworfen, und um seine Mundwinkel zuckte es nervös, als dieselbe sich nun endlich austhat und als die Riesenhaube der Frau Bading, über einen mit verschiedenen dampfenden Schüsseln besetzten Präsentierbrett sichtbar wurde. Denn die Befürchtung der nur an grobe Arbeit gewöhnten Aufwärterin, daß ihr beim Servieren irgend ein Unglück passieren würde, schien allerdings hinlänglich gerechtfertigt schon durch die ungeschickte Art, auf die sie ihre zerbrechliche Bürde balancierte. Als sie ihre Thätigkeit damit begann, Hanna die Bratenschüssel von rechts anzubieten, erschien eine tiefe Zornesfalte auf der Stirn des Hausherrn, und sicherlich würde er im nächsten Moment die ohnehin ganz verängstigte Person durch einen zornigen Verweis um den letzten Rest ihrer Fassung gebracht haben, wenn sich nicht Inge zu ihm geneigt hätte, um ihm eüt paar beschwichtigende Worte zuzuflüstern. Unmittelbar darauf erhob sie sich von ihrem Stuhl und nahm der Aufwärterin das Brett aus den Händen. „Lassen Sie das nur mich machen, liebe Frau Bading — Sie haben ja noch allerlei in der Küche zu thun." Die fürchterliche Haube verschwand, und Herr von Restorp sagte mit einem etwas gezwungen klingenden Lachen: „Diese Formlosigkeit, mein gnädiges Fräulein, gilt 258 Ihnen hoffentlich nur als ein Beweis dafür, daß wir Sie schon ganz als zur Familie gehörig betrachten." Hanna gab eine unbefangen heitere Antwort, und es war wohl zumeist ihrenl feinen Taktgefühl zu verdanken, daß die gute Laune des Hausherrn bald vollständig zurückkehrte. Er bestritt die Kosten der Unterhaltung auch jetzt fast ganz allein imd suchte seine Gäste für die Einfachheit der Bewirtung, die ihnen heute zuteil wurde, durch eine sehr lebhafte Schilderung der glänzenden Festlichkeiten und üppigen Tiners zu entschädigen, die nach seiner Darstellung auf Klitzow zu den alltäglichsten Dingen gehört haben mußten. Dabei ließ er beständig durchblicken, daß die Bescheidenheit seiner jetzigen Verhältnisse nichts als ein kurzer und im Grunde ganz interessanter Zwischenzustand sei, den zu beendigen eigentlich ganz von seinem Belieben abhänge. Als Inge eine halbe Stunde später mit einigen entschuldigenden Worten das Zimmer verlassen hatte, weil das Anrichten des Nachtisches ihre Anwesenheit in dec Küche notwendig machte, sagte er: .Sollte man es für möglich halten, daß dies geschäftige Hausmütterchen die dereinstige Erbin von zwei Millionen ist? Wahrhaftig, mein lieber Herr Rechtsanwalt, Sie haben das große Los gezogen! Denn Inges wirtschaftlicher Sinn ist noch mehr wert als die dreimal- hunderttausend Mark, die sie Ihnen als Mitgift zubringen wird." Hanna, die schon durch alle die früheren, ihr ganz unverständlichen Anspielungen in ein beständig wachsendes Erstaunen versetzt worden war, glaubte ihren Ohren nicht trauen zu dürfen. Da die ernsthafte Miene des Hausherrn jeden Gedanken an einen Scherz ausschloß, richtete sie ihre Augen groß nnd fragend auf das Antlitz des Bruders, der mit verlegenem Lächeln ihrem Blick auszuweichen suchte und nach einigem Zögern eine ziemlich nichtssagende Antwort auf Restorps Bemerkung gab. Dieser aber schien den Ausdruck einer grenzenlosen Verwunderung aus dem Gesicht seiner schönen Nachbarin wahrgenommen zu haben; denn er wandte sich an sie: „Sie wissen doch, daß Ihr Bruder sich seine Braut eigentlich erst noch erkämpfen muß? Nicht mit gewaltigen Heldenthaten; denn die schönen Zeiten des Rittertums sind ja leider unwiderbringlich, dahin, wohl aber mit den Waffen der Klugheit und des juristischen Scharfsinns, die heutzutage mehr gelten, als ein tapferer Arm und ein gutes Schwert. Der Tag, der mich in den Besitz der mir gestohlenen Millionen bringt, bedeutet auch für ihn den Sag seines höchsten Glückes." Wieder schien Bernhards Blick die Schwester anzuflehen, keine weitere Frage zu thun; diesmal aber schenkte sie der stummen Bitte keine Beachtung. „Ich bin in Verlegenheit, Ihnen darauf zu antworten, Herr von Restorp", sagte sie; „denn ich weiß von alledem in der Thal nicht das geringste." „Wirklich nicht? — Nun, alle Hochachtung, lieber Freund, vor Ihrer Verschwiegenheit! Aber ich entbinde Sie für diesen besonderen Fall ausdrücklich von Ihrer Verpflichtung zur Diskretion. Sic mögen Ihrer Schwester in Gottes Namen alles erzählen — ja, ich bitte Sie sogar darum, damit das gnädige Fräulein nicht länger in dem Glauben lebt, es sei eine Bettlerfamilie, mit der sie verschwägert werden soll." Ter Wiedereintritt Inges ließ ihn plötzlich verstummen. Und auch Hanna fragte zunächst nichts weiter. Aber ihr Wesen war seit diesem Augenblick merkwürdig verändert. Sie schien zerstreut und nachdenklich. So oft und so lange ruhte ihr Blick auf Inges anmutigem Köpfchen, daß das schüchterne junge Mädchen manchmal davon sichtlich! in Verwirrung gesetzt wurde, und es war kaum eine halbe Stunde seit der Beendigung des einfachen Mahles vergangen, als sie ihrem Bruder das Zeichen zum Aufbruch gab. Tie Verabschiedung von Inge war ebenso herzlich, als es vorhin die Begrüßung gewesen war, und Herr von Restorp, der es sich nicht nehmen ließ, sie bis zur Thür der Wohnung zu geleiten, schien aufrichtig entzückt von ihrer Versicherung, daß sie sich viel zu gut unterhalten habe, um nicht bald und oft wiederzukommen. Viertes Kapitel. Kaum hatten die Geschwister die Straße gewonnen, als Hanna ihren Arm in den des Bruders legte und mit einer gewissen Erregung sagte: „Was, um des Himmels willen, sollten diese Reden von einer Millionenerbschaft Deiner Braut und von einer nach Hunderttausenden bemessenen Mitgift bedeuten? Wie soll ich es mir erklären, daß Tu bisher von alledem mit keiner Silbe gesprochen?" „Ich wollte Dir zuvor Gelegenheit geben, Herrn von Restorp kennen zu lernen, Hanna! Seine kleinen Eigentümlichkeiten, die ja Deinem Scharfblick unmöglich entgangen sein können, sollten es Dir begreiflich machen, weshalb ich ihn gegen meine Ueberzeugung noch immer in einer für ihn so beglückenden.Selbsttäuschuug lasse." „Ah, es handelt sich also nur um eine Wahnidee? Ter Mann ist geistig nicht ganz gesund?" „O doch. Ter Anspruch, auf den sich seine hochfliegen- oen Hoffnungen stützen, ist möglicherweise sogar ein völlig berechtigter. ' Nur, daß er sich eben niemals beweisen lassen wird, und daß es aus diesem Grunde kaum etivas Aussichtsloseres geben kann, als den Prozeß, von dessen Ausgang er die glückliche Wendung in seinem Schicksal erwartet." „Was für ein Prozeß ist das? Komm, laß uns einen kleinen Umweg durch den Tiergarten machen! Ich mag noch nicht nach Hause gehen, unb man wird uns dort ebenso wenig belauschen, als daheim in unseren vier Wänden." Bernhard willfahrte ihrem Verlangen, und als sie in das Halbdunkel einer matt erlenchteten Baumallee eingetreten waren, begann er: „Tu weißt, daß der Vater meiner Braut einen älteren Bruder hatte, und Du hast in unserem Elternhause sicherlich oftmals von diesem Dietrich von Restorp erzählen hören. Er galt für einen genialen Kopf. Und in einem gewissen Sinne mag er es wohl auch gewesen fein, wenngleich seine sogenannte Genialität ihm nicht gerade zum Segen gereicht hat. Er hatte beständig die kühnsten und abenteuerlichsten Ideen, die sich bald auf irgend eine neue Lösung der sozialen Frage, bald auf eine weltbewegende Erfindung oder ein gewaltiges industrielles Unternehmen richteten. Als er bei den Versuchen, seine menschenbeglückenden Pläne auszuführen, den größten Teil seines Vermögens eingebüßt hatte, verlegte er sich allerdings nur noch auf "rein geschäftliche Spekulationen. Und es kann gewiß als ein Beweis für seine ungewöhnliche Begabung gelten, daß es ihm mehr als einmal gelang, große Reichtümer zu gewinnen, die bann freilich immer inieber ebenso schnell bei anberen, mißglückten Projekten barauf gingen. Ta er eigentliche kaufmännische Kenntnisse nicht besaß, konnte er für die Verwirklichung seiner oft geradezu tollkühnen Entwürfe den Beistand eines gewiegten Geschäftsmannes nicht entbehren. Und er fand einen solchen in der Person eines gewissen Wedeking, mit dem er übrigens schon von Jugend auf bekannt gewesen war. Nach allem, was ich davon weiß, muß das Verhältnis zwischen diesen beiden Männern ein höchst sonderbares, von allen Gepflogenheiten kaufmännischen Verkehrs abweichendes gewesen sein. Es war offenbar ganz auf rückhaltloses gegenseitiges Verrrauen gegründet/ und wenn ich auch nicht behaupten möchte, daß Wedeking das Vertrauen seines Freundes in betrügerischer Weise mißbraucht hat, so scheint Dietrich von Restorp doch in seiner genialen Verachtung der einfachsten Vorsichtsmaßregeln vielfach weiter gegangen zu sein, als es für seinen Vorteil ersprießlich war. Jedenfalls ist es eine Thatsache, daß Herr Wedeking als sehr wohlhabender Mann aus dem Leben schied, während Restorp um dieselbe Zeit gänzlich verarmt war. Es geschah das vor ungefähr zehn Jahren, als Inges Vater noch als Rittergutsbesitzer auf Klitzow hauste, und vermutlich bereits einen schweren Verzweiflungskampf um seine Existenz zu führen hatte. Hinsichtlich der Vorgänge, die sich damals abgespielt haben, bin ich ganz und gar auf feinen Bericht als auf die einzige heute noch zugängliche Quelle angewiesen." „Das klingt fast, als ob Du von der Zuverlässigkeit dieses Berichts keine allzu hohe Meinung hättest. Hältst Du Deinen zukünftigen Schwiegervater für einen Lügner?" 259 „Nicht gerade irrt gewöhnlichen Sinne dieses häßlich klingenden Wortes. Wenn er hier und da ein wenig von der Wahrheit abweicht, so geschieht es immer nur, weil ihn zuvor eine allzu lebhafte Phantasie und ein unverwüstlicher Optimismus verführt hatten, sich selbst zu belügen, und weil das schöne Wahngebilde dann in seiner Vorstellung allgemach zur Wirklichkeit geworden war. Ich weiß nicht, Hanna, -ob Tn verstehst, wie ich das meine?" Römer in den frühesten Zeiten, die fortwährenden Kämpfe der Germanen und die Kämpfe der Deutschen mit den roheir Völkerschaften des Mittelalters haben die Sprache mit vielen fremdartigen Auswüchsen „bereichert" und so in ihrer Grundlage verdorben. Tas 16. Jahrhundert erst brachte uns einen Mann — Martin Luther, — welcher sich mit ganz entschiedener Vorliebe seiner verdorbenen Muttersprache annahm und mit dem schönen, kräftigen Laute deutscher Zunge Wunder that; dafür hat ihm unsere Nation unendlich viel zu danken. Leider aber reifte die ausgestreute Saat nicht zur gedeihlichen Frucht —: kaum im Aufblühen begriffen, wurden die Felder der Wissenschaft durch den Sturm des 30 jährigen Krieges verwüstet; die fremden Söldlinge hatten mit ihren über Deutschland gebrachten Drangsalen auch den verderblichsten Einfluß auf die Sitten unseres Volkslebens geäußert. Dem zerrissenen, tiefverwundeten Deutschland ward freilich endliche der ersehnte Friede wiedergegeben, doch die Reinheit der Sprache und der Sitten war dahin, und es bedurfte langer Zeit, ehe der Genius der Wissenschaft sie rvieder aufzurichten vermochte. Einer dieser Ersten der Wiederhersteller ihrer Spache war Martin Opitz, der Begründer der schlesischen Dichterschule, und viele seiner Zeitgenossen bemühten sich, den Acker in der angefangenen Weise von Dornen und Disteln zu säubern. Eine Menge gefeierter Namen hat uns dre Geschichte als fleißige Mitarbeiter auf dem Gebiete deutscher Sprache und Dichtkunst hinterlassen, deren Andenken ttef im Herzen des Volkes wurzelt, wir nennen Flemming, Simon Dach Paul Gerhard, F. v. Logau, Gottsched u. s. w.; der Weg war einmal gebahnt, und er wurde mit Eifer ver- rolgt. Namentlich waren es auch, mehrere gelehrte Gesell- | schäften, wie der Palmenorden oder die Fruchtbringende Ge- wllschaft zu Weimar, die Aufrichtige Tannengesellschaft zu Ztraßburg, die Deutschgesinnte Genossenschaft zu Hamburg, oer Blumenorden der Schäfer an der Pegnitz zu Nürnberg, der Schwanenorden an der Elbe und die Deutsche Gesell- schäft zu Leipzig, welche unsere Sprache zu veredeln und sie von dem Wncherkraute des Nichtdeutschen zu säubern be- I > tu ccEtcn Leider war damals die junge Presse ausschließliches Eigentum der „Nur"-Gelehrten, von einer Volkslrtteratur fand sich nur ganz vereinzelt eine kleine Spur; es fehlten Darum auch die Mittel, die veredelte Sprache tns Volksleben zu verpflanzen. Unter den Gelehrten jener Zett bestand der Sprache wegen ein ewiges Kämpfen und Ringen, I zur Umgangssprache der Vornehmen ward die französische I gemacht. Selbst Friedrich der Große war letder auf diesem I wichtigen Gebiete nicht mächtig genug, als erleuchtetster I Geist seines Jahrhunderts, der deutschen Sprache die ihr I gebührende Achtung zu verschaffen, obschon das Volk I darnach lechzte. Wir wissen von seiner Berufung Voltaires I an den Berliner Hof, und wir kennen ferne Schrift „De la I litterature allemande". Deutsche Sprache, deutsche Sitten. Von Maxim Trapp. (Nachdruck verboten.) Die Merkmale, durch welche ein Volk sich vonr andern unterscheidet, sind seine Sprache und seine Sitten; diese in der Reinheit des Glanzes zu erhalten, ist die erste Bedingung zur Selbständigkeit. Die besten und edelsten Sitten der Deutschen sind ihre Beharrlichkeit, ihre Treue; sie sind dem Deutschen gleichsam angeboren, mit seinem Leben verwachsene Charakterzüge, und er hat sie im Strome ..der Jahrhunderte zu erhalten gewußt, nicht gleiche Sorgfalt aber hat er auf die Reinheit feiner Sprache verwendet. Mancherlei Verhältnisse, besonders die Unterjochung der „O ja — auch mir sind derartige sonderbare Phantasten I schon begegnet, und ich weiß, daß sie unter allen Lügnern I die gefährlichsten sind. Was also ist damals geschehen? I Und was haben Dietrich von Restorps Spekulationen mit I den Millionen-Ansprüchen seines Bruders zu thun?" „Um Dir das klar zu ntachen, muß ich mich wohl genau I an den Bericht meines Schwiegervaters halten. Er erzählt, 1 daß vor nunmehr zehn Jahren sein Bruder Dietrich, mit I dem er sonst eben nicht in lebhaftem Verkehr stand, eines I Tages zu ihm nach Klitzow gekommen sei, krank, hinfällig, ein völlig gebrochener Mann. Er hatte alles verloren, was er besessen, und er fühlte, daß ihm diesmal nicht mehr Spannkraft gnenug geblieben war, sich von dem Schlage zu erholen. In bitteren Worten erging er sich über seinen alten Freund Wedeking, dessen kalte Selbstsucht ihm eine sehr schmerzliche Enttäuschung bereitet hatte. Eine der letzten Spekulationen, die sie gemeinsam unternommen — und zwar diesmal ans Wedekings hartnäckiges Zureden | — war die Erwerbung ausgedehnter Brachländereien in der Nähe des Badeortes Salzbergen gewesen. Die Terrains, ! die für eine nutzbringende Bewirtschaftung nur mit einem gewaltigen Kostenaufwande §u gewinnen gewesen wären, hatten an und für sich bei weitem nicht den Wert das dafür gezahlten Kaufpreises. Aber das Projekt einer vom Staate" zu erbauenden neuen Eisenbahnlinie schwebte in der Luft, und Wedeking war überzeugt, daß man dazu einen Teil dieser Ländereien brauchen und um jeden Preis kausen werde. Wie es bei derartigen allzu feinen Spekn- lationen öfter zu gehen pflegt, hatte er sich in dieser Berechnung getäuscht. Tie neue Eisenbahnlinie wurde zwar gebaut; aber sie umging in einem weiten Bogen jenes Terrain, das jetzt fast noch wertloser geworden war als zuvor. Für den reichen Wedeking bedeutete der Verlust nicht allzu viel; Dietrich von Restorp aber, der bald nachher bei anderen, größeren Unternehimmgen fein ganzes Vermögen verloren hatte, würde sich noch einmal in die Höhe gearbeitet haben, wenn er seinen Anteil an dem Spekulations-Terrain hätte veräußern können. Er war bereit, einen großen Teil des ans Wedekings Andrängen aufgewendeten Geldes preiszugeben, menn der Freund ihm seine Eigentumsrechte abkausen wollte. Aber er erfuhr eine kühle und bestimmte Zurückweisung, die ihn säst tiefer schmerzte, als sein wirtschaftlicher Ruin. Daran, daß er einen anderen Käufer für seinen Anteil au den beinahe wertlosen Ländereien sinden würde, warnachseinereigenen Versicherung nicht zu denken, und auch der Bruder ver- I dieser unpatriotischen Art der Reichen und Vormochte ihm nicht zu heljen. Seelisch tief bedruckt und I . en $ undeutscher Sitte zu fröhnen, war doch das Ge- körperlich leidend, reiste er nach zweitägigem Aufenthalt I ) unferer ara mißhandelten Sprache günstig. Tie Zett wieder von Klitzow ab. Wenn Tu das wettere verstehen I 1$ e ßJe ® gei'Hger Kräfte hervorgebracht; Männer sollst, muß ich Dir dies alles so ausführlich erzählen, I Vaterland und ihre Muttersprache liebten und alle liebe Hanna, obwohl ich sicher bin, daß es Dich wenig I ^tel aufboten um das verächtliche Nachäffen der überinteressiert." ,, I rheinischen Sprache und Sitten, welche die Salons ver- „Doch! Es interessiert mich. Fahre nur fort! I Atet Utten verdrängen. Große Verdienste um die reute (Fortsetzung folgt.) I grammatikalische Sprache erwarben sich Adelung, Campe, Stosch, Eberhard, Heinsius, Ch. v. Schmidt u. a., wozu noch kam, daß um dieselbe Zeit die genialen Werke eines Klop- stock, Wieland, Schiller, Goethe, Matthisson nut dem tiefen Gehalt ihrer Dichtungen die Muttersprache wieder zu hohen Ehren brachten. Und die Liebe für vaterländische Sprache und Sitten steigerte sich und gewann einen sicheren Halte- vunkt durch den Freiheitskampf. Da« edle Feuer begeisterter Vaterlandsliebe hatte sich tief in die deutschen Herzen gesenkt und infolge langjähriger knechtischer Bedrückung einen glühenden Haß für alles Fremdländische hervorgerufen. Nach dem Stege über den welterobernden Korsen Bonaparte kam ein neues Leben, eine andere edlere Denk- nnd Handlungsweise über das deutsche Volk. Derjenige, welcher eine andere Sprache als die deutschen Ursprungs redete, wurde als Feind detz 260 - Vaterlandes gemieden und verachtet. Diese deutschtümliche Gesinnung benutzten nun unsere Gelehrten, um unsere Sprache, ' durch °dic Frankenherrschaft mit einer Menge fremder Laute „geschmückt", zu reinigen, sie in ihrer ursprünglichen Einfachheit und Klarheit wieder herzustellen. Abermals vereinigte man sich in fast allen bedeutenden Städten der Nation zu Gesellschaften und wirkte eingedenk des Wortes: „Eintracht giebt Macht" durch die Schrift aus das Volk, welches sich jetzt mehr als je geistig zu entwickeln begann. In dieser Weise wirkte auch! der von Grotefend im Jahre 1817 errichtete Gelehrtenverein zu Frankfurt a. M., welchem die bedeutendsten Männer angehörten, unter ihnen Jakob Grimm. Von jener Zeit an hat die Verbesserung und Veredelung unserer Sprache nicht aufgehört, für die Gelehrten , und Schriftsteller ein Gegenstand von besonderer Wichtigkeit zu sein, wenn schpn, was die Sprache allein betrifft, viele unserer „Ueber"-Schiriftstekler oft weniger erfolgreiche in der Erreichung dieses Zieles sind, und wenn schon, was die Sitte betrifft, in vielen Salons und in so manchem Hause des Vornehmen recht fleißig noch heute in Französisch „konversiert" wird. Haben sich nun viele Männer den Dank ihres Vaterlandes erworben, so muß es die Seele jedes gebildeten Deutschen mit tiefem Weh erfüllen, zu sehen, wie hartnäckig sich das Unwesen der fremdländischen Brocken in unserer Sprache erhalten hat. Man ist nicht im stände, auch nur eine Seite zu lesen, ohne auf eine Menge von fremden Wörtern zu stoßen. Am meisten aber findet man dieses Sprachengemengsel in der Tageslitteratur; gerade darin kommt es einem vor, als sei dieses Kauderwelsch ein^Hohn auf die nationalen Bestrebungen der Gegenwart, eine Spottschrift auf den geistigen Aufschwung der Nation. Auch viele Redakteure von Zeitungen übersehen die größte aller Rücksichten, die-Rücksicht auf die reine deutsche Sprache, wie sie das Volk kennt und spricht. Oder ist die deutsche Sprache so wortarm, baß, wir unsere Zuflucht zu den Fremden nehmen mußten? Tausend mal nein! Ein eingebürgerter Mißbrauch ift's, falscher Eitelkeit und Bequemlichkeitsliebe entsprungen. Das Nachäffen des Fremden ist dem Deutschen zur zweiten Natur geworden. Tie Minister mehrerer Staaten haben in letzter Zeit ihre Unterbehörden zu wiederholten Malen darauf auf- inerksam gemacht, bei amtlichen Ausfertigungen und sonstigen Abfassungen sich womöglich der fremden Ausdrücke zu ent-^ halten, durch Allerhöchste Verfügung hat der Deutsche Kaiser selbst ein schönes Beispiel in der — wenn auch vorläufig nur teilweisen — Ausmerzung französischer Worte gegeben, — — dessen ungeachtet aber wimmelt es noch allerorten von französischen Brocken und sogenanntem „Advokaten-Latein", das, um es zu verstehen, ein eigenes grammatikalisches Studium nötig macht. Wir Deutschen werden uns nicht eher die volle Achi- tung des Auslandes erwerben, bis wir uns durch uns selbst, durch deutsches Wesen, durch unsere angeborene, hell und schön klingende Sprache achten gelernt haben, — mit einem Wort: daß wir einen Wert legen auf das, was uns eigentümlich ist, was uns national macht. Der Engländer und der Franzose leben jahrelang in unserer Mitte, beide hören nicht auf, Engländer oder Franzose zu sein, jeder hält an seinen Sitten und an seiner Sprache fest. Halten wir also auch fest an unserer Sprache und au unseren Sitten! • Das neue Deutsche Reich, steht in geistigcr u n d p o l i t i s ch e r Beziehung auf einer Bild- ungsstufe, die dem Aus lande Bewunderung einflößen muß; es ist eine ernste Pflicht, sich diese Achtu n g zu erhalten, und das kann nur gescheh en, wenn sich! der Deutsche sowohl im Charakter als in der Fe st Haltung an der Sprache,in der Bewahrung Verdeutschen Ehrlich leit und Treue zeigt; zuvörderst haben wir also unser Augenmerk auf die Reinheit unserer Sprache zu richten. Gemernnützige». Beseitigung des Schimmelns der Korke bei Weinflaschen. Die Schfmmelbildung unter den Flaschpn- kapseln hat meist ihren Grund darin, daß dieselben aufgesetzt werden, ohne die Oberfläche des Flaschenkorkes vorher gehörig abtrocknen zu lassen. Auch mag es Vorkommen, daß die Korke nicht gut schließen und der Wein beim Lagern durchsickert. Vermöge der porösen- Beschaffenheit teilt sich nun der Schimmelgeschmack und Geruch dem Weine mit, und werden daher ost teure und sonst gute Weine unbrauchbar und wertlos. Es ist darauf zu achten, daß die Korke vor der Verkapselung der Flaschen gehörig an der Oberfläche abgetrocknet sind, auch ist der Flaschenhals und der Flaschenrand vorher stets sorgfältig mit einem Tuche abzuwischen, uni Unreinlichkeiten zu beseitigen, die Schimmel- bildung begünstigen könnten. Ein gutes Mittel, um das Durchsickern des Weines zu verhüten, ist em Bestreichen der Korkoberfläche vor dem Verkapseln Mit einem dünnflüssigen, schnelltrocknenden Weingeistlack. Zu diesem Zwecke löit man gewöhnlichen Schellack in 96 prozentigem Weingeist auf und verwahrt diese Lösung in gut verkorkten Flaschem (Prakt. Wegw., Würzbg.) Iseld und Karten. B ep f l a n z u n g s p l än e für V o r g är te n. Das Bepflanzen und Plänemachen für den Vorgarten macht manche Sorge, zumal der Borgarten ja nicht immer demselben Zwecke dient. Bei dem einen soll er ein Erholungsplatz mit Laube und chattendem Gebüsch sein, bei dem anderen dazu dienen, des Hauses Ansehen zu heben. Diesen beiden Anforderungen entsprechend muß der Vorgarten besonders behandelt werden. Niedliche Pläne zur Bepflanzung von Vorgärtchen finden wir in Nr. 4 der „Erfurter Führers im Gartenbau , welche unseren Abonnenten kostenfrei zur Verfügung steht, wenn wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden. Lttterarische». Deutsche Hiebfechtschule für Korb- und Glockmrapier. Herausgegeben vom Verein deutscher Universitätsfechtmeister. Zweite Auflage. Mit 64 Abbildungen. In Originalleinenband 1 Mik. o0 Pfg. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Der Verein deutscher Fechtmeister verfolgt mit der Herausgabe dieses Buches den Zweck, den Schülern und Fechtlehrern an den Universitäten, Schulen und Turnanstalten eine einheitliche, auf mathematischen Munv- lagen beruhende tziebfechtschule in die Hand zu geben und sie gle-chMig zu ersuchen, sich einer Methode anzuschließen, welche von Fechtlehrern faf sämtlicher deutschen Universitäten gewissenhaft durchberaten und festgestE worden ist. In gleicher Weise hat der genannte Verein auch eine deulfche Stoßfechtschule nach Kreußlerschen Grundsätzen zusammengestellt und herausgegeben, welche in demselben Verlag erschienen ist. Eine prächtige • - gänzung der Hieb- und der Stoßfechtschule ist das gleichfalls ,m Verlag von I. I. Weber erschienene Duellbuch von Hans Kufahl und Schmied- Kowarzik, das Aufschluß über alles auf den Zweikampf Bezügliche, eine Geschichte der Studentenmensuren, die Duellgesetze aller Länder und den Paukcomment giebt. Skataufgabe. Nachdruck verboten. (a b c d die vier Farben; A Aß; K König; D Dame, Ober; B Bube, Wenzel, Unter; V N 8 die drei Spieler.) V hielt bis aufgedeckten Null, muß aber passen, da M, der Mittelhandspieler, auf folgende Karte Großspiel ansagt: a, b, cB; aA, 9; bA, K; cA; dA, D. M verliert das Spiel, und zwar kommen die Gegner auf 60, wenn auf bK kein Stich ab gehl, sonst kommen sie auf 70. Im Skat lagen cK und D. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Gleichklangs in vor. Nr.: Bruch. «rdsktion: 8. Burkhardt. — »ntil und Bering der Brühl'scheu Uxitzersttttr-Wrich. und 6tde>ea(tod (Pietsch Erbe») iw Met«-