sie ■fr m । WM >ho»oär..aufft. h.'Noii. 6ly„S,&P. LU IMM MW hl MM? ww fc ^7^ n. M tsm. - Rr. 20; Samstag deü 9. Februar Meß-NSLEienblK. 5 An1echülkMM>b!M M MjeßenerKn^tzer BmMtAHÄAer). kann Aber geht ging man sich für diese Kreidefelsen nicht mehr begeistern, auf diese Art kommen wir nicht vorwärts, Jeß. Das durchaus nicht." a as Weinen ist die erste Kunst, 7 Die lächelnd uns das Leben lehrt. ► So lehr' es lächeln uns zuletzt, Wenn es sich weinend von uns kehrt. Wilh. Müller. (Fortsetzung.) „Ich kann mir kaum denken", meinte ich, „daß es irgendwo in der Welt eine schönere Küstenlandschaft geben kann, als diese." „Warte nur ab, bis Du erst einmal die Bucht von Sidney gesehen hast", erwiderte er, und betrachtete die' weißen Felsen ein wenig verächtlich. „Wenn man in einen silbernen Wasserspiegel grüne Tafelgruppen und rings herum das in den üppigsten Sudseegewächsen prangende Land, wenn man die Marmorvillen in jenen Zaubergärten, und Damit sing er an, ilach Wind zu. pfeifen, und hinüber zu Herrn Heron. Vermutlich wollte keiner von beiden den Anker fallen lassen. Gewöhnlich haben die Seeleute einen großen Widerwillen dagegen^ den Anker wieder falten zu lassen, nachdem er gekattet und gefischt, und die Reise angetreten ist. Ich hoffte, daß die Windstille uns zwingen würde, zu ankern; denn ich wollte so viel wie möglich sehen. Auf dem Atlantischen Ozean würden wir ja lange Zeit kein Land mehr in Sicht bekommen, wenn wir nicht vielleicht einen flüchtigen Blick auf Madeira oder die kanarischen Inseln erhaschten. Dagegen wußte ich, daß den Downs gegenüber die Stadt Deal liegt, und nahm mir vor, Richard zu bewegen, wenn wir ankerten, mit mir an Land zu gehen. Seine Unterredung mit Herrn Heron dauerte nicht lange. Ich fragte nicht, und kann daher auch nicht sagen, ob mein Mann schon damals den Steuermann nicht leiden konnte oder ihm als Seemann nicht vertraute. Doch hatte ich bemerkt, daß sie nur selten mit einander sprachen. Einen ungeselligeren Menschen als Heron konnte man sich kaum vorstellen. Wenn er mit uns zusammen Mittag aß, (Nachdruck verboten.) Die Seekömgin. Seeroman von Clark Rüssel. unter dem tiefblauen Himmek Schwärme von Vögeln in ihrem reichen, bunten Gefieder gesehen hat, — dann saß er da, ohne ein Wort zu sprechen, wenn er nicht gerade direkt angeredet wurde. Wenn ich ihn ansprach oder ihm guten Morgen wünschte, war seine Antwort und sein ganzes Wesen so kurz angebunden, als wollte er mir deutlich machen, daß er weder Höflichkeiten verlange, noch zu erwidern beabsichtige, sondern vorzöge, in Ruhe gelassen zu werden. Der schwache Lufthauch, anders konnte män es nicht nennen, hielt noch immer an, und die Bark kroch so langsam vorwärts, daß sie kaum von der Stelle zu kommen schien. An der Neigung einer Boje, die wir passierten, konnte ich sehen, daß wir die Flutströmung mit uns hatten. Um zwölf Uhr befanden wir uns querab von Ramsgate, und durch das Fernrohr konnte ich deutlich die auf dem Stege oder auf den Felsen herumspazierenden Menschen erkennen. Aus meinen Träumereien wurde ich durch Richards Mitteilung erweckt, daß das Mittagessen fertig sei. Mit Ungeduld erwartete ich die Beendigung der Mahlzeit und war froh, wieder an Deck zu kommen. Die Sonne stand schon weit tut Westen, und es war kaum noch ein Lüftchen zu spüren, als wir uns den Downs näherten. Die See lag da wie geschmolzenes Glas, leise sich hebend und senkend. In der Ferne kam das flache Land um Sandwich herum in Sicht. Es schien kaum mit rechten Dingen zuzugehen, daß die Bark noch immer weiter kroch. Ohne Zweifel hatten wir der Flut viel zu verdanken, und es machte einen merkwürdigen Eindruck, daß das Schiff mit den schlaff herabhängenden Segeln in der ölig glatten Wasserfläche dennoch etwas Fahrt voraus machte, wie ich an den vorübertreibenden Seetangbüscheln, Qualletl und grünbemoosten Holzstückchen wahrnehmen konnte. Da wir anfangs, als noch etwas Wind wehte, die Ebbe gegen uns gehabt, und jetzt zwar die Flut mit uns war, der Wind aber sich vollständig gelegt hatte, hatten wir fast den ganzen Tag gebraucht, um die Strecke von Nord- Foreland bis hierher, eine ßhttferming von etwa zehn Seemeilen, zurückzulegen. „Willst Du Anker fallen lassen?" fragte ich Richard. „Ja", antwortete er, „wir müssen „aufbringen". Es ist jammerschade. Ich kann nicht zur Ruhe kommen, bis wir die Scillies passiert haben." „Wieso schade, Richard? Das habe ich mir gerade gewünscht. Ich würde so gern mit Dir an Land gehen, und mir Deal ansehen." „Es wird ja gleich dunkel sein, Jeß; im Dunkeltt an Land zu gehen, hat doch keinen Zweck." „Dann nimmst Du mich morgen früh aber mit an Land", sagte ich. „Ganz gewiß nicht, wenn vor Tagesanbruch Wind kommen sollte." „Dann will ich nur hoff»«, daß »s die ganze Nacht über still Bleibt", erklärte ich. Die Stille und schöne Farbe der spiegelglatten See erinnerte mich lebhaft an einen schönen Hochsommerabend, und doch rief mir jetzt, wo die Sonne niedrig stand, das Aussehen der Luft den Winter wieder ins Gedächtnis zurück. Mein Mann sagte etwas zu d§m Steuermann, worauf dieser sofort kommandierte: „Alle Mann klar zum Segelbergen! Royals und Bramsegel aufgeien! Hierher nach achtern ein paar Mann, das Großsegel aufzuholen!" Im Augenblick war alles in Bewegung; Taue wurden an Deck geworfen, in die Höhe steigende Blöcke von losgeworfenen Fallen quiekten wie die Ratten. Dazwischen tönte das Aussingen der Matrosen, und das tiefe, rasselnde Geräusch der an den Stangen herabrauschenden Raaen. „Klar beim Anker" — und nach einer Pause: „Fall". Auf das augenblickliche Schweigen folgte das laute Geräusch des jinS Wasser fallenden Ankers, und der Donner der zur Klüse hinausrasselnden Kette. Dann gings wieder an die Segel. Stagsegel und Klüverfallen wurden losgeworfen, der Besan eingegeit, und Aussingen vornen und achtern. Inzwischen schwajte die Bark langsam mit der Flut, und nun hatten wir die dunkle Küste und die Lichter von Deal an unserer linken Seite. In wenigen Minuten lag unser Fahrzeug, von der Kette .gehalten, leise schaukelnd auf der Dünung, die mit dem gebrochenen Widerschein der Sterne daraus, aus1 der Dunkelheit von Südosten her heranrollte. Ich war froh, daß wir vor Anker lagen. Hier in den Downs, dem berühmtesten Gewässer der Welt, zu liegen, der historischen Stadt Deal gegenüber, und die Aussicht zu haben, morgen früh an Land zu gehen; das machte die Reise doch lohnend. Am besten hätte es mir gefallen, jeden Morgen vor einer andern Stadt zu ankern, bis hinunter nach Landsend, und dann wieder zurück in derselben Weise an der französischen Küste entlang. Doch unsere Ladung hatte Eile, und als mein Mann an Deck auf und ab ging, und ringsum über die See schaute, bemerkte ich wohl seine Ungeduld über diesen unfreiwilligen Aufenthalt. Die Segel waren aufgerollt, und die hellbrennende Ankerlaterne wurde am Fockstag aufgehißt. Nun würde die Ankerwache aufgesetzt, und die Bark lag ruhig da. Schweigen herrschte auf Deck, durch die Wanten glitzerten die Sterne, und die uns zunächst liegenden Schiffe schienen gleich Schatten über den dunkeln Gewässern zu schweben. Wir konnten die auf dem Kiessand von Deal auflaufende Brandung hören, sowie das schwache Geräusch eines an Land spielenden Trommler- und Pfeiferkorps. Einmal hörte ich eine Uhr schlagen. Das waren die einzigen vom Land herüberdringenden Töne. Mehr Leben schien auf dem Wasser zu herrschen, wo die Schiffe vor Anker lagen. Zuerst hörte man hier und dort die Töne einer Harmonika oder Geige, dann auch den Gesang einer kräftigen Männerstimme, in welchen ab und zu ein Chor 'einfiel. Die Nacht war mondlos, doch funkelten die Sterne erster Größe lebhaft in Strahlen von blau-grünem oder weißem Feuer. Ein andauernder Sternschnuppensäll machte den Eindruck, als ob eine mächtige Hand Silberstaub über den dunkeln Himmel ausstreute. „Ist irgend welche Aussicht, daß wir schon vor Tagesanbruch Wind bekommen?" fragte id)F „Das möchte ich auch gern wissen", sagte mein Mann, „Februar ist zwar gerade nicht ein Monat, wo dergleichen Windstillen häufig sind." „Nun, je mehr ich zu sehen bekomme, desto mehr kann ich dem Vater erzählen. Es ist doch schon etwas, in den Downs vor Anker gelegen zu haben." „Sogar sehr viel, was den Aufenthalt betrifft", rief er aus. „Wer ist das dort am Steuerbordsfallreep?" „Es scheint der Steuermann zu sein." Er schwieg eine Weile. Dann sagte er mit unterdrückter Stimme: „Ich wünschte, ich hätte einen lebendigeren Steuermann. Was ist dieser Mensch eigentlich? Vielleicht ein Dichter; er scheint stets zu träumen." „Entweder kann er Dir den Verweis nicht vergessen oder er ist von Natur mürrisch, und kann ebenso wenig für seinen Charakter, wie ich für meine Haarfarbe." „Beides vielleicht", antwortete er. „Aber etwas gefällt mir nicht. Er und der Zimmermann scheinen auf sehr gutem Fuß miteinander zu stehen. Darin würde ich nun nichts finden, wenn die Beziehungen zwischen ihm und mir so wären, wie sie sein müßten und auch sein würden, wenn er ein tüchtiger, umgänglicher Mann wäre. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn der Steuermann sich seine Freunde unter den Leuten sucht, wenn auch der betreffende Freund Offiziersstelle vertritt." „Wie heißt eigentlich der Zimmermann, Richard?" „Thomas Short." „Ein guter Name für seine kurze Figur. In Betreff des Benehmens scheinen die beiden sich nichts vorzuwerfen zu haben. Der Zimmermann sieht mehr aus wie ein Schiffs- gallion, als wie ein menschliches Wesen. Ist er ein guter Seemann?" »O, er kennt die Tauenden", antwortete mein Mann lachend. „Ja, Jessie, junge Leute haben es immer furchtbar eilig, Schiffsführer zu werden, aber die Sorgen und die schwere Verantwortlichkeit wegen der seiner Obhut anvertrauten Menschenleben und wertvollen Ladung, — die machen sie sich nicht klar. Jeder einzige Faden der auf dem Wasser zu durchlaufenden Entfernung kommt mir vor, wie das Spiel „Kopf oder Schrift", in welchem ein Geldstück hingeworfen wird. Fällt „Kopf", dann gut. Gewonnen! Fällt Schrift, Verloren!" Er sprach mit einer gewissen Niedergeschlagenheit, die vielleicht zum Teil durch den Aufenthalt, der ihn ärgerte, hervorgerufen wurde. Sehr wohl war er sich der schweren Verpflichtungen seiner Stellung bewußt. Von Landbewohnern können nur die, die viel als Passagiere zur See gereist sind, sich von dem Leben eines Schiffskapitäns eine Vorstellung machen. Sie iverden sich erinnern, wie sich ihre Gedanken, wenn sie in ihren Betten lagen und dem Brausen der See lauschten, auf den Mann richteten, in dessen Händen ihr Leben lag, der in durchnäßten Kleidern draußen auf dem finstern, sturmgepeitschten Deck stand und mit wachsamem Auge auf jeden Zwischenfall gefaßt, die stürmische Nacht durchspähte und pflichtgetreu und schlaflos sein Schiff beobachtete. Sie werden sich erinnern, wie sie den Mann bewundert und geschätzt haben, wenn nach einer langen Reise die ersehnte, sonnenbeschienene Küste auftauchte und die alte oder neue Heimat in Sicht kam, und sie allen Gefahren der lauernden Tiefe entgangen waren. Doch auch solche erfahrene Reisende wissen noch nicht alles. Sie folgen dem Führer des Schiffes nicht in seine Kabine, und sehen ihn nicht über seinen Karten und Berechnungen grübeln. Auch von den hundert Sorgen wissen sie nichts,' die dem Kapitän aus dem Wetter, der Länge der Reise, dem Betragen der Mannschaft und dem Vertrauen auf die Steuerleute erwachsen. Mein Mann hatte eine heitere Natur und wurde bald wieder unbekümmert und leichten Herzens, so daß er, als wir hinunter stiegen, — er, um seine allabendliche Ration von einem Glase Grog zu nehmen, ich um einen Zwieback zu knabbern !— sich wiederin einer so vorzüglichen Stimmung befand, als ob wir im Atlantischen Ozean mit den durch unsere Wanten brausenden Passatwinden unaufhaltsam vorwärts stürmten. (Fortsetzung folgt.) Nassau-Omnien und die Niederlande. Ein Gedenkblatt zur Hochzeitsfeier der Königin Wilhelmina von Holland, 7. Februar. Von Dr. Eduard Busse. (Nachdruck verboten.) Am 7. Februar hat Königin Wilhelmina von Holland, der jüngste und letzte Sproß des altberühmten oranischen Stammes dem Auserwählten ihres Herzens, dem deutschen Prinzen Heinrich, aus dem Hause Mecklenburg-Schwerin, die Hand zum Ehebunde gereicht. Seit mehr als 60 Jahren, nämlich seit jener Zeit, als es sich darum handelte, für die jungfräuliche Königin Viktoria von England einen passenden Ehegemahl ausfindig zu machen, hat'sich die öffentliche Meinung kaum, je so nachhaltig für die Bräutigamswahleiner Fürstin interessiert, wie im Falle Wilhelminas, die seit ihrer am 31. August 1898 erreichDi Großjährigkeit die Zügel der Regierung ergriffen hafi^und von deren vermutlicher Verlobung seitdem viele Dutzendmal die Rede war, bis ihre Wahl schließlich in eine ganz ahbere Richtung — 19 — fiel, als es die feinsten Schnüffler des Reportertums, die das Gras wachsen hören, vorhergesagt hatten. Mit Scheelsucht sieht man im allzeit neidischen deutschfeindlichen England auf diese Verheiratung. Hatte man doch — wenigstens so lange bis die Burentragödie in Südafrika anfing, die das Herz der Holländer ihren Vettern jenseits des Kanals wohl auf immer entfremdet hat — sich; der Hoffnung hingegeben, einen englischen Prinzen an die Seite der niederländische Königin zu bringen und dadurch die Politik dieses durch seine geographische Lage immer noch überaus wichtigen Landes in britisches Fahrwasser zu leiten und den Nutzen des stattlichen holländischen Kolonialbesitzes mit seinen 38 Millionen Einwohnern in englische Taschen gleiten zu lassen. In Deutschland ist man weit von der Illusion entfernt, aus dieser Familienverbindung ähnliche überschwengliche Hoffnungen abzuleiten. Man macht aber aus einem gewissen 'Gefühl der Befriedigung, rote es auch der Kaiser anläßlich der „200 Jahr-Feier" zum Ausdruck gebracht hat, kein Hehl, und zwar mit Recht. Denn die Ereignisse einer mehr als Dreihundertjährigen ruhmvollen Geschichte schlagen eine feste Brücke zwischen den Regierenden und Regierten hüben und drüben, und auch die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen beiden Ländern sind so mannigfaltig und umfangreich, daß selbst den Blindesten eine Ahnung von der Zusammengehörigkeit dieser Länder aufdämmert, die in der einen oder anderen Weise in einer nicht zu fernen Zeit ihren staatsrechtlichen Ausdruck finden wird und muß. Die Handelsbeziehungen zwischen Holland und dem Deutschen Reiche haben sich in den letzten Jahrzehnten, namentlich aber, seitdem auf dem wesentlich vertieften Rhein die größten Flußschiffe, ohne lichtern zu müssen, von Rotterdam bis Frankfurt a. Main und Mannheim fahren können, in erstaunlichem Tempo gehoben; denn von allen Ländern, mit denen die Niederlande Handel treiben, steht Deutschland an der Spitze, das nach dem Lande, dessen Umfang den einer mittleren preußischen Provinz nicht übersteigt, Waren im Werte von jährlich 280 Millionen holländischen Gulden verkauft und dafür solche im Werte von fast 500 Millionen Gulden einhandelt, was zusammen etwa dem fünften Teile der gesamten Handelsbewegnng Dieses Landes gleichkommt, dessen Volkseinkommen züm großen Teile auf der Vermittelung des Zwischenhandels zwischen den holländischen Kolonien und Deutschland beruht. Was nun die geschichtlichen Bande zwischen beiden Ländern betrifft, so gehen diese bis auf jene Zeiten zurück, wo das ruhmvolle Geschlecht der Oranier sich gegen den Ausgang des sechzehnten Jahrhunderts an die Spitze der im Mittelalter ebenso wie Deutschland in unselige Kleinstaaterei zerfallenen Niederlande stellte, um deren nationalen Verzweiflungskampf gegen die empörende Gewaltherrschaft des finsteren Philipp II. von Spanien und seiner Nachfolger M organisieren. Die von den Burgundenherzogen wieder vereinigten selbständigen Herzogtümer hatten seit dieser Vereinigung die Schicksale Burgunds geteilt und kamen durch die Heirat der Erbtochter Philipps, Maria mit Maximilian I. von Oesterreich an das Haus Habsburg. Unter diesem Kaiser Max, dem „letzten Ritter" und namentlich unter seinem Nachfolger, Karl V. gelangten die Niederlande zur herrlichsten Blüte. Die dauernde Bindung an die Geschicke des Hanfes Habsburg verhinderte aber das Umsichgreifen der Reformation, welche hier bald im weitesten Umfange Wurzel faßte, umsomehr als Philipp II. von Spanien, an den die Lande nach Karls V. Tod gekommen waren, durch feilten Hochmut und abstoßendes Wesen ebenso wie durch seine sinnlose Härte, namentlich in den religiösen Angelegenheiten das sonst so ruhige Volk auf das furchtbarste gegen seine Herrschaft erbitterte und jenes Blutregiment des berüchtigten Herzogs Alba einsetzte, das zahlreiche niederländische Adlige, darunter die Grafen Egmont und Hoorn aufs Schaffst schleppte. In diesen schicksalsschweren Zeiten traten am 18. Juli 1572 in Dordrecht die Abgeordneten von 12 holländischen Städten zusammen und beschlossen zur gemeinsamen Verteidigung ihrer Freiheiten einen Bund, an dessen Spitze sie einen der Führer ihres hohen Adels, den Grafen Wilhelm von Nassau-Dillenburg-Oranien wählten. Dieser „Wilhelmus von Nassouwen", wie die Holländer ihren großen Kriegshelden nannten, der die Seele des Widerstandes war und der Begründer der holländischen Freiheit geworden ist, entstammte einer Nebenlinie des Gesamthauses Oranten, das seinen Ursprung auf den südfranzösi- schen Grafen Adhemar von Orange, der im Jahre 1096 starb, zurückgeleitet, und war erst 1544 nach dem Tode des Grafen Rene' von Nassau-Dillenburg in den Besitz der orani- scheu Erbschaft gelangt. Zur Flucht gezwungen und geachtet von Alba, der seinen Sohn als Geisel nach Spanien schickte, ward Wilhelm zum grimmigsten Feinde der spanischen Herrschaft, die er mit umsomehr Erfolg bekämpfte, als die Aufmerksamkeit Philipps durch die Wirren in Frankreich und seine Unternehmungen gegen England einigermaßen von den Niederlanden abgelenkt wurde. Als am 23. Januar 1579 die sieben nördlichen und fast durchweg protestantischen Provinzen Hollands sich zur Utrechter Union zusammen- thaten, ward Wilhelm aufs neue geächtet, worauf von feiten der niederländischen Stände als Antwort die Losreißung von Spanien in aller Form erfolgte. Noch ehe die Verfassung des neuen Staates, welche dem Oranier die erblichen Rechte des Landesherrn übertrug, beschworen werden konnte, fiel Wilhelm in Delft, als er von der Mittagstafel aufstand, durch die Kugel eines fanatischen Franzosen Balthasar Gerard, der sich mit gefälschten Empfehlmigsbrtefen au ihn herangedrängt hatte und nach vollbrachter That kaltblütig erklärte, daß er hierzu angestiftet sei. Die Aufregung über diese Mordthat war ungeheuer; der Sache der Freiheit gereichte sie aber wenigstens in moralischer Hinsicht zum Vorteil, und auch die äußeren Erfolge blieben nicht aus, besonders seit Wilhelms ältester Sohn 'Moritz zum Statthalter von Holland und^Zeeland gewählt worden war und es verstand, die kriegerischen Erfolge dauernd an seine Fahnen zu fesseln. Als Philipp II. int Jahre 1598 starb, konnten die Niederlande bereits als für die spanischen Habsburger verloren gelten. Die schlummernden Kräfte dieses zähesten niederdeutschen Stammes aber waren ans jahrhundertlangem Schlaf geweckt; denn obwohl Philipp III. von Spanien mit Holland einen die niederländische Unabhängigkeit änerkennenden Frieden schloß, zögerten die Holländer keinen Augenblick, ihn in seinen von Portugal überkommenen ostiudischen Besitzungen anzugreifen. Dieser Kolonialkrieg war der Grundstein zu Hollands enormer kommerzieller Blüte, welche hom Anfang des 17. bis znm "Ende des 18. Jahrhunderts anhielt und in deren Folge sich ein geistiger und künstlerischer Aufschwung sondergleichen entwickelte. Die Freiheit des Glaubens, der Wissenschaft und Der Presse machten das kleine Land an den Mündungen Des Rheins zum Mittelpunkte aller geistigen Bestrebungen, die anderswo verfolgt wurden, und am Himmel der'Künste glänzen als Sterne allerersten Ranges die Namen eines Rembrandt, Rubens und van Dyck. Damals beherrschten Hollands Handel und Industrie die Welt. Die ostindische und westindische Handelskompagnie brachten den Milliardensegen ins Land. Die Sundainseln, Ceylon, halb Vorder-Jndien und Die Kapländer waren in holländischem Besitze, und vorübergehend gehörte sogar Brasilien der Republik unter den oranischen Statthaltern, deren Unabhängigkeit int westfälischen Frieden neu verbrieft wurde. Im Jahre 1634 zählte die holländische Handelsflotte nicht weniger als 35 000 Schiffe mit 2 Millionen Lasten Tragfähigkeit, und noch war diese Seegewalt nicht auf dem Gipfel der Macht angekommen, welcher erst erreicht wurde, als die Admirale Tromp und de Ruyter, letzterer der Sohn eines einfachen Brauknechtes, die niederländischen Flotten znm Siege gegen Spanien, Frankreich und England führten. Ein Unglück für Holland war es, daß sie ihre Landmacht verfallen ließen und dem von Wilhelm III. gestifteten Bunde der Seemächte treu blieben, auch nacbdem Meier Fürst nach Vertreibung der Stuarts den englischen Thron bestiegen hatte. So' kam es, daß die Niederlande ihre Kräfte in kostspieligen Kriegen erschöpften, während, das größere und von Natur mehr" begünstigte England seinen Handel und seine Schiffahrt auf'.Kosten der Holländer ausdehnte, bis es sich stark genug fühlte, räuberisch über den langjährigen Verbündeten herzufallen. Obendrein schafften sie nach dem Tode Wilhelms III., mit dem die ältere oranische Linie erlosch, die Statthalterwürde ab, die nach vielerlei polit- iichen Mißerfolgen erst im Jahre 1747 durch Berufung des Prinzen Wilhelm von Oranien aus der jüngeren Lrnw Nassau-Dietz wieder erneuert wurde. Dessen Sohn Wrl- helm V. mußte, als die Niederlande in die Revolutrons- kriege hineingezogen wurden, da er wegen der vorangegangenen Mißerfolge gegenüber England jeden Halt im Lande verloren hatte, vor den unter Pichegru eindringenden Franzosen flüchten und hat bis zu seinem im Jahre 1806 erfolgten Tode sein Land nie wieder gesehen. Es folgte nun die Zeit der batavischen Republik, welcher später von ihrem eigenen Schöpfer Bonaparte der Garaus gemacht wurde, als es diesem beliebte, das vollständig zum Anhängsel Frankreichs herabgesunkene Land seinem Bruder- Ludwig als König zu verleihen, bis ein kaiserliches Dekret vom 9. Juli 1910 die Vereinigung Hollands als „einer Anschwemmung französischer Flüsse" mit Frankreich verordnete. „ , . . 'In diesen traurigen Zeiten ist Holland von ferner Stufe als große Kolonialmacht herabgesunken; der Wohlstand war auf lange hinaus vernichtet; eine ungeheure Staatsschuld lastete auf dem Lande, und die besten Teile Ostindiens, das Kap und Ceylon waren an England verloren gegangen, welches diese nach juristischen Begriffen nicht den Holländern, sondern dem Kaiser der Franzosen abgenommen hatte und nicht daran dachte, darauf bei der Neuordnung Europas zu verzichten. TDer Wiener Kongreß brachte die Vereinigung Belgiens mit Holland als Königreich unter der Herrschaft des ältesten Sohnes des Erbstatthalters Wilhelms V. als König Wilhelm I. Diese am grünen Tisch der Diplomaten verfügte Vereinigung zweier durch Sitten und Religion, zum Teil auch durch die Rasse getrennter Länder war nicht von Dauer. Denn schon nach weiteren 15 Jahren brach infolge der Julirevoluiion der Aufstand in Belgien mit elementarer Gewalt los und führte zur dauernden Abtrennung dieses Landes. Wilhelm I. hat aber das Gefühl der Demütigung über das schnelle Ende des von ihm gegründeten Staates nie mehr verwinden können und dankte am 7. Oktober 1840 zu Gunsten seines Sohnes ab, der nach einer liberalen Regierung von neun Jahren schon 1849 starb. Die Geschichte des letzten männlichen Oraniers Wil- helms III. (1849 bis 1890) gehört fast der Gegenwart an und bietet für uns Deutsche, namentlich, dadurch Interesse, daß es Bismarcks energischer Hand gelang, die Luxemburgische Frage einstweilen gütlich beizulegen, obwohl Wilhelm III. bereit war, dies Land, welches Napoleon III. zur Wiederherstellung seines Prestige brauchte, an diesen zu verhandeln. , Nachdem der Kronprinz und damit der letzte mannlrche Sproß aus niederländisch-oranischem Stamme schon 1884 verstorben, ging die Krone bei König Wilhelms III. Tode auf seine einzige Tochter aus zweiter Ehe mit der Prinzeß Emma von Waldeck über, die jetzt zum Traualtar geschritten. Was ihr und ihrem Lande die Zukunft bringen wird, ruht in der Zeiten Schoße. Die jähen Katastrophen, welche Holland vom Gipfel der Macht hinabschlenderten, sind noch nicht überwunden, und es scheint fast, als ob es an Mut gebräche, zu entscheiden, wo man den politischen Anschluß suchen will. Aber der entscheidende Augenblick wird kommen. Vor dreißig Jahren lebte man noch in Holland allgemein in der gänzlich unbegründeten Furcht, daß Preußen-Deutschland es aus die Freiheit der Niederlande abgesehen habe, während heute derartiges nur von bewußt Böswilligen behauptet wird. Der jungen Fürstin aber verleihe der Himmel die Gabe, in diesem folgenschwersten Augenblicke.der Zukunft ihrem treuen niederdeutschen Volke die richtigen Bahnen zu weisen. Gemeinnütziger. Wieviele Menschen würden gern sich, mit Obstbau beschäftigen oder sich ihr Gemüse selbst ziehen, wenn sie bte Mittel hätten, sich Gartenland zu kaufen oder zu pachten. Diese Erwägung hat den Gartenbauverein zu Goldberg tn Mecklenburg aus einen Gedanken gebracht, der jetzt seit dem Herbst v. Js. Verwirklichung gefunden hat, und der gewiß an vielen Stellen Nachahmung finden wird. Genannter Sektion: ®. Burkhard). — Druck und gering der Brühl'schrn Gartenbauverein hat von der Stadtgemeinde Goldberg ein größeres Stück Land auf 30 Jahre gepachtet, hat dieses.Land in Kabels von 280 Quadratmeter Größe eingeteilt, und jede Kavel mit einer Anzahl von Obstbäumen bepflanzt. Der Gartenbauverein zahlt an die Stadtgemeinde etwa 38 Mk. Pacht für den Morgen, das macht 4.25 Mk. Pacht für die Kavel. Dafür hat die Stadt die Einzäunung übernommen, hat einen Abort erbaut und einen Brunnen angelegt. Nach 30 Jahren geyen alle auf dem Lande befindlichen Obstbäume in das Eigentum der Stadt über. Der Gartenbauverein, der, wie erwähnt, die Kabels bepflanzt, auch den Baumschnitt während der Pachtzeit übernimmt, erhält für die Kavel 12.75 Mk. Jahrespacht. Es sind bisher 70 solche Kavels angelegt worden, die sogleich verpachtet sind. Der „Praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau", dem wir diese Mitteilungen verdanken, veröffentlicht den Grundriß des ganzen, neuen Unternehmens und Bepflanzungspläne zweier Kabels. Auch die Kontrakte zwischen der Stadtgemeinde Goldberg und dem Gartenbauverein, , sowie zwischen letzterem und den einzelnen Kavelpächtern sind abgedruckt. — Die Anregung erscheint uns nach verschiedener Richtung beachtenswert Nicht nur, daß sie vielen Gelegenheit zum Obstbau und der Gemüsezucht giebt, denen das sonst versagt wäre, eröffnet sie den Stabtgemeinden neben hoher Verwertung ihrer Ländereien Aussicht auf einen Besitz von Obstplantagen, mit deren Anlegung für die Stadt keine Kosten verknüpft sind. Die betreffende Nummer des „Praktischen Ratgebers", die den Aufsatz enthält, ist gegen Einsendung von 15 Pfennigen portofrei von dem 'Geschäfts- amt in Frankfurt a. O. zu beziehen. Kefrrndhettspfiege. Der Fnfluenza zu entgehen, ist nicht so leicht; denn selbst die stärkste Körperbeschaffenheit bietet wohl einen wunden Punkt, auf den jener heimtückische Feind seinen Angrisf mit Erfolg zu richten weiß. Wissenschaftlicherseits wird mehrfach angenommen, daß zur Zeit einer Influenza- Epidemie der Ansteckungsstoff überall verbreitet ist; ihm genügt schon eine kleine Erkältung, um den Körper zu ergreifen. Schutz dagegen gewährt namentlich eine geeignete Ernährungsweise, z. B. wenn man so recht durchfroren heimkehrt, so bekommt eine gute Tasse Bouillon vorzüglich, und eine solche bereitet man sich binnen kürzester Zeit mittelst des echten Liebig-Kompagnie's Fleisch-Extrakt auf die allbekannte Weise. "Als Vorbeugung gegen Influenza hat, das steht fest, dies einfache Hausmittel schon ganz außerordentliches geleistet. Ein treffliches Mittel gegen Atemnot ist Thee von getrockneten Hagebutten. Zehn derselben genügen zu einer Tasse. Morgens und abends nimmt man ihn am besten zu sich. Der Thee schmeckt durchaus nicht schlecht. Litterarisches. Kinder-Zeitung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 19. Was in der Welt vorgcht: Tod der Königin von England; Deutsche Verluste in China; Präsident Krüger; Was die Buren treiben; Auswanderung nach Nord-Amerika; Ein tapfrer Knabe; In der Wüste verirrt; Durch die Klugheit eines Hündchens gerettet; Ein Mann, der keiner war. Aus dem Reiche der Natur: Der ungarische Hundsfisch im Aquarium; Das Zittern des Espenlaubes. Der Beobachter in Wald und Feld: Der Zaunkönig. „Das geheimnisvolle Haus." (Forts.) Auf einem Ruderboot über den Ozean. Zahme und wilde Gänse. Erlebnisse. Tauschecke. Anzeigen. Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75. Delphischer Spruch. Nachdruck verboten. Beutelüstern schleicht es heran mit fauchendem Rachen. Gieb ihn ein andres Herz, — kürzlich noch lebten wir drin. Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Quadrat-Rätsels in vor. Nr.: M o N D OMAR NASE ’ DREI UnivcrsttSIS-Buch- und Strindruckerei (Pietsch Erben) in Gieß«.