(Nachdruck verboten.) Der Erbe von Petershagen. Roman von O. Elster., (Fortsetzung.) X. Eitel Fritz saß mit dem Inspektor Breymann tn dem Arbeitszimmer seines Vaters. Geschäftsbücher, Dokumente aller Art und Abrechnungen lagen vor ihn: auf dem großen Schreibtisch, und Inspektor Breymann erstattete seinen Bericht über die Lage des Gutes. „Es steht nicht so schlimm um Petershagen, Herr Leutnant", sagte der Inspektor, „wie Sie vielleicht nach den Mitteilungen Ihres verstorbenen Herrn Vaters und diesen Büchern glauben. Petershagen ist in einem vorzüglichen Kulturzustande und bet geeigneter Bewirtschaftung wirft es noch immer einen netten Ueberschuß ab. Auch, können noch manche gewinnbringende Anlagen gemacht werden; so habe ich schon mit Ihrem Herrn Vater den Bau einer großen Ziegelei besprochen, die uns- guten Gewinn abwerfen würde, da wir billigen Wasserweg nach einigen größeren Städten haben. Auch aus dem Wald könnte mehr Herausgezogen werden, der Förster sagte mir, daß eine große Anzahl alter Bäume, geschlagen werden könnten, die sich vortrefflich zu Bauholz eignen. Nicht zum letzten muh ich darauf aufmerksam machen, daß die landwirtschaftlichen Preise im Steigen begriffen sind — kurz, mein verehrter Herr Leutnant, die Läge ist nickst gar so schlimm. Sie ersehen mein Urteil ja am besten daraus, daß ich Ihrem Herrn Vater noch eine Hypothek von 50000 Mark gegeben habe." „Und dadurch die Heirat meiner Schwester ermöglichten . . ." „Jä — freilich — Herr von Sannow brauchte etwas bäres Geld — die anderen 50 000 Mark, die Ihrem Fräulein Schwester als Heiratsgut zukommen, muß das Gut verzinsen.". „Ich war erstaunt F5 sch wußte nicht, daß Sie über solche Kapitalien verfügten." „Nun", entgegnete Breymann lächelnd, „wir haben sehr gute Jahre durchgemacht — Sie wissen, ich stehe jaus Tantieme — da erübrigt inan schon etwas. Und wenn man sparsam und einfache lebt, kann man's schon weiter bringen. Außerdem habe ich eine kleine Erbschaft gemacht." Eitel Fritz erhob frchz, und ging hastig im Zimmer Dienstag den 8. Moder. 1.01. — Nr. 143. o n h'lw ÄÄW B MW IgLUUil i !I i mit alle Laster im Menschen veralten, dann blühet allein noch der Geiz. Angustin. auf und ab. Diese Auseinandersetzungen mit dem Vater Elses waren ihm furchtbar; außerdem sah er in eine scheinbar trostlose, armselige Zukunft, wenn -er nicht mit einem energischen Schnitt alle die Fäden- vernichtete, welche ihn hier in der Heimat zu umfesseln drohten. Eine nervöse Ungeduld beseelte ihn; durch das Wiedersehen mit Irma waren seine Sinne aufs- neue erregt, er sah in der. Verbindung mit ihr den einzigen Ausweg aus diesem Wirrsal seiner Gefühle und- den verwickelten Verhältnissen seiner Heimat, und dennoch fehlte ihm die Kraft, diesen Weg mit energischem Schritt einzuschlagen —i er fürchtete sich vor dem traurigen Blick der großen blauen Augen Elses. „Ihre Worte, Herr Breymann", sagte er nach einer Weile, „scheinen mir die Verhältnisse denn doch zu günstig zu schildern, Nach dem Testament meines- Vaters soll ich allerdings Peters^igen erhalten, meine Mutter und- meine Schwestern je 150000 Mark, außerdem das Recht des völligen freien Lebens auf Petershagen, im Fall sich meine Schwestern nicht verheiraten. Daß ich- das Geld nicht auszahlen kann, ist klar, ich, muß es mithin verzinsen dann bleibt für mich aber nichts übrig." „Die Damen müßten freilich vorläufig mit einem sehr niedrigen Zinsfuß zufrieden sein." „Wenn schon —; es geht nicht! Oder wissen Sie einen Ausweg?" „Ja, Herr von Petershagen", entgegnete der Inspektor ernst. „Nehmen Sie Ihren Abschied — kommen Sie zu uns — leben Sie einfach —arbeiten Sie mit allem Ernst, mit freudiger Unverdrossenheit — dann werden Sie die Schivierigkeiten mit der Zeit überwinden." Eitel Fritz machte eine ungeduldige Bewegung. „Ich! will Ihnen nach Kräften zur Seite stehen, Herr Leutnant", fuhr Breymann in warmem, ehrlichen Tone fort. „Ich kenne alle-Verhältnisse seit langen Jahren, man giebt. mir das Zeugnis eines guten Landwirtes, ich denke, wenn wir beide zusammen wirtschaften, soll es schon gehen — ich will Ihnen sogar noch weiter entgegenkommen, ich will mein kleines Vermögen ganz in die Wirtschaft stecken, ich verlange keinen Gehalt mehr, nur mein Leben — schlagen Sie ein, Herr Leutnant — Sie sollen sehen, es geht alles gut, wenn Sie zu uns kommen." Er hielt ihm die breite hartgearbeitete Hand- entgegen, seine rauhe Stimme bebte leicht, in seinen grauen Augen schimmerte es feucht. Ueberrascht und erstaunt blickte Eitel Fritz ihn an. „Wie kommen Sie zu diesem Vorschlag, Herr Brey- männ? — Ich danke Ihnen — aber = ich weiß nicht, ob ich darauf eingehen darf." „Sie dürfen es-, Herr von Petershagen! — Sie fragen mich, wie ich zu diesem Vorschlag-komme? — Nun, ich bin dreißig Jahre auf Petershagen, und wurzele mit allen Fasern meines Lebens hier — mein Weib, mein Sohlt liegen ans dem Kirchhof von Petershagen = meine Kochter 570 ;gen würde, wenn er Ob er feinen Vorschlag sich entfernen. Da trat Eitel Fritz auf ihn zn: „Herr Breymann — | W meinte es nicht böse . . . aber Sie muffen doch verstehen, daß mW) Ihre Worte überraschten. . . rchl mußte doch mit Mama Rücksprache nehmen. . ^Lassen Sie es gut sein, Herr Seutnant", unterbrach 11 <->. rv x. l___IC. "4- -trh KlTt-- Spielschuld gegeben, der Fälligkeitstermin des ersten Ae- ceptes naht, Sie verzeihen mir, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, und Sie bitte, für pünktliche Deckung Sorge tragen zn wollen. Der Wechsel befindet sich! nicht mehr - in meinen Händen, ich mußte ihn weiter geben, da ich Geld nötig hatte. Am 20. d. M. ist er fällig, Sie haben mithin noch acht Tage Zeit. Es wird Ihnen ja jetzt nicht schwer fallen, die Kleinigkeit zu decken. Zugleich erlaufe ich mir, Sie an die ältere Schuld von 1500 Mark zu er> innein. — Nichts für Ungut. Wie immer Ihr Meyering." Bitter anflachend, warf Eitel Fritz den Brief auf den Tisch. Dies hatte gerade noch gefehlt! — 10 000 Mark — ein kleines Vermögen! — Der Neberschnß, den Petershagen in einem Jahre abwarf — und er hatte die Summe in einigen Stunden verspielt! — Er mußte wahnsinnig gewesen sein! Doch was half's — die Zahlen und Buchstaben standen einmal auf dem Papier — sie bildeten die unzerreißbare machten. , , . ,.«■ Der alte Diener seines Vaters trat em, und überreichte ihm die soeben .eingetroffene Post. Zertnngen, Rpch^ nunaen Beileidsbriefe — er schob alles gleichgiltig zur Seite. Nur zwei Briefe fesselten seine Aufmerksamkeit; der eine trug die großen Schriftzüge des Rittmerster^ Meyermg^ der andere auf duftendem Paprer die zierlich- kräftige Schrift Irmas. Der Rittmeister schrieb: „Sieber Baron! - Sie werden entschuldigen, daß ich Ihre Zeit der Trauer um Ihren verstorbenen Water durch eine geschäftliche Angelegenheit störe. Wie Sw wissen, haben ,Sie mir zwei Aeeepte über ie 5000 Mark als Regelung einer Kette! Was wohl Breymann dazu sagen würde, wenn er ihn anwies, diese Schuld zu decken? Ob er feinen Vorschlag von vorhin aufrecht erhalten Würde? , . Arbeit — einfaches, schlichtes Leben — tote em Bauer vielleicht in dem einfachen Jnspektorhanse drunten aup dem Gutshof — das Schloß mit dem Park und der Feldpagd konnte man ja verpachten ... an irgend einen Kommerzten- rat aus Berlin . . . zum Henker, war er denn geschpfien/ toie ein Bauer dahinzuleben? Gab es nicht noch entert ihn Breymann ernst. „Ich weiß letzt, woran ich bum Sie haben gesehen, wie ich mich vor ^hnen ermebrtgt habe, denn leicht sind mir jene Worte nicht geworden . ... das weiß der liebe Gott! — Jetzt ist's vorüber — Sre werden von mir kein Wort mehr hören, mein geschäftlicher Rat steht Ihnen zu Diensten — solange ich noch Ihr Jnspesior bin . und damit Gott befohlen, Herr von Petershagen. Er verbeugte sich nahm seine Bücher und ging, ohne Laß Eitel Fritz ihn znrückzuhalten wagte. Er ivorf sich in den Sessel vor dem Schreibtisch und starrte auf die Dokumente und Papiere, die m trockenen Zahlenreihen und starren Buchstaben ihm die Wege fernes ^Schicksals vorzuzeichnen schienen, die ihn fesselten durch unzerreißbare Ketten, die aus feinem gangen ~eben ein großes Rechenexempel, eine große, mühevolle Arbeit ist hier groß geworden, wie ich alt und grau hier geworden bin. Ihr Vater war mir mehr em Freund, als ein Vorgesetzter — ich habe ihm versprochen, Petershagen nicht zu verlassen — und dann, Herr von Petershagen — ich möchte meine Tochter glücklich sehen . ." - „Ihre Tochter? — Ich verstehe Sie nicht . . Machen Sie es mir doch nicht so schwer, Herr von Petershagen. — Wir haben davon gesprochen, Ihr Vater inid ich, in den letzten Tagen vor seinem Tode—und dann nahm ich meine Else ins Gebet — und sie hat mir alles 0 s „Herr Breymann, was soll das heißen?!" Tiefe Glut flammte in den Wangen des jungen Offiziers empor. Wollte man ihn mit Gewalt zwingen — hatte man ihn mit listigen Plänen umgarnt? Hatte seine Mutter recht, als sie ihn gestern abend vor Breymann gewarnt, der stets seine geheimen Pläne verfolgt, und sich auf Petershagen bereichert hätte? Sein Stolz, sein Trotz empörten sich gegen den Vorschlag des Inspektors, hinter dem er arglistige Pläne vermutete. „Mau hat mir gesagt", fuhr Breymann einfach! und schlicht fort, „daß die fremde Dame, welche ans Berlin zum Begräbnis kam, so gut wie versprochen mit Ihnen sei — man hat es auch meiner Else gesagt — derartige Geruchw verbreiten sich ja mit unheimlicher Schnelligkeit — wir haben es nicht geglaubt, Herr von Petershagen, tote konnten es nicht glauben, daß Sie so rasch berge?)en sollten. — Es ist vielleicht seltsam, daß Wj so zu Ihnen spreche, und nicht abwarte, bis Sie sprechen, aber ich mochte Ihnen die Wege ebnen, ich möchte Ihnen beweisen, daß ich volles Vertrauen in Sie setze. . • und dann, ich mochte Sie und meine Else glücklich sehen. Ich will für Sie 'arbeiten, Herr von Petershagen, ich will alle Sorgen und Mühen auf mich nehmen . . ." Eitel Fritz richtete sich straff empor. , „Genug, Herr Breymann. . . ich weiß tn der That nicht, was ich Ihnen antworten soll. Was Sie mit meinem Vater abgemacht haben, ist in dieser Hinsicht für mich-nicht maßgebend. Ich denke, wir brechen diese llnterhattung a5‘ Der verletzte Stolz, die gekränkte Eigenliebe sprachen aus seinen Worten, die herber klangen, als sie beabsichtigt Breymann erblaßte leicht vor innerer Erregung. Der Zorn anoll in ihm empor, doch bezwang er sich gewaltsam, und sprach nur mit rauher Stimme: „Wie Sie befehlen, Mrr von Petershagen... ." Daun nahm er feine Bücher zusammen, und wollte anderen Ausweg? . Er öffnete hastig den Brief Irmas. Sie schrieb: „Mein lieber Freund! Wann seh ich Dich wieder? Sind Deine häßlichen Geschäfte noch nicht erledigt? — Ucbergieb sie doch Deinem Inspektor. Ich habe Sehnsucht nach Dir, und hoffe Dich bald wieder in die Arme schließen zu dürfen. , , Komm, mein Geliebter, es erwartet Dich Deine Irma." Thor, der er war! — Der Duft des Brieses zauberte ihm die verführerische Gestalt Irmas wieder vor die Augen: er streckte die Arme aus — da da war ja die Sein Entschluß toar gefaßt - rasch warf er einige Worte auf ein Telegrammformular: „Irma Weserling, Schöneberg, Villa Monrepos. Ich komme morgen. Herz-- licken Gruß • Eitel Fritz." Dann klingelte er dem Diener: „Besorge dies Dele- gramm. - Und dann — ist meme Mutter zu sprechend Die anäbiqe Frau Baronin sind tn ihrem Zimmer, j ^Gut. — Ich reife morgen früh nach Berlin zuruck, Packe meine Koffer." „Sehr wohl, Herr Baron...... „Wenn Inspektor Breymann mich morgen früh zu! sprechen wünscht — ich werde einen Brief für ihn hier auf dem Schreibtisch zurücklafsen." Sehr wohl. .. werden der Herr Baron bald wieder kommen?" fragte der alte Diener zögernd. Weiß nicht- - Weshalb fragst Du?" "Ich glaubte, Herr Baron würden jetzt ganz hiep ^^Jch 'muh Loch vorher meine Angelegenheiten in Berlin ordnen." „ „ „ „Freilich — verzeihen, Herr Baron. . .. Eitel Fritz legte dem alten Diener die Haud^anf bi£ Hoffe, Alterchen", sagte er freundliche res^solk jetzt eine bessere Zeit für uns alle hier anbrechjen. . - ' yta Du weißt ja Bescheid. Vor Dir hatte Papa ja doch "keine Geheimnisse. M hoffe, wir werden ebenso gut mit einander auskommeu hecht, Alterchen - unir,r2tti Der greife Diener ergriff die Hand feines lungert ^^GW?segrn Sie' gnädiger Herr", sagte er bewegt == „und auch die junge gnädige Frort. • Wie? Auch das weißt Du schon? - Der Alte lächelte gutmütig-schlau. ...... „Wir alten Diener haben ein scharfes, Madiger i frerr — und die Damen aus Bersin waren doch nicht Mmmen wenn sie nicht fa = gute Bekannte H! SM 1 bigen Herrn gewesen wären/' 671 „Sieh! mal — also so entstehen Gerüchte? — Na, wir wollen sehen, was die Zukunst bringt. Jetzt besorge nur die Depesche." „Sofort, gnädiger Herr. . ." Es war Eitel Fritz ordentlich leicht um das Herz, nach- dem er einen festen Entschluß gefaßt hatte. Frohen Mutes begab er sich zu seiner Mutter. Frau von Petershagen that freilich sehr überrascht, als ihr Eitel Fritz seine Absicht mitteilte, sich mit Fräulein Irma Weserling verloben zu wollen, und meinte auch-, ob es nicht angemessener sei, Eitel Fritze nehme eine Gattin aus altadliger Familie, im Grunde genommen war sie jedoch! sehr einverstanden mit der Verlobung. Arno Sannow hatte ihr von dem großen Reichtum der Majorin Weserling erzählt, die Damen an und für sich gefielen ihr außerdem sehr — sie erinnerten sie an die große Welt, in der sie früher verkehrt nnd die sie so geliebt hatte — und so gab sie nach einigen Fragen und Erkundigungen gern ihre mütterliche Einwilligung. „Tn hast mich ja eigentlich gar nicht mehr zu fragen. Eitel Fritz", sprach sie mit melancholischem Lächeln, „denn du bist jetzt der Ches, der Familie und frei in Deinen Entschließungen; um so mehr erkenne ich es an, daß Du mich von Deiner Absicht unterrichtest. Glaubst Tu glückliche mit Fräulein Weserling zu werden, so will ich Dir meinen mütterlichen Segen nicht vorenthalten. Im übrigen höre ich! ja, daß es eine sehr passende Partie ist, da die Majorin Weserling sehr reich sein soll." Eitel Fritz errötete ein wenig. „Das ist allerdings der Fall, Mama, und ich hoffe, daß sich nach meiner Verheiratn-RM auch Dein Leben wieder freundlicher gestalten wird. Ich weiß, Du hast Dir manchen Wunsch versagen müssen».." .Die Baronin seufzte. „Das ist leider richtig— Dein Vater war in den letzten Jahren sehr sparsam geworden, er wurde von Breymann darin unterstützt — oft schien mir diese Sparsamkeit übertrieben, doch lassen wir das jetzt — Dein Vater wird seine Gründe gehabt haben, er vertraute diesem Breymann allzuviel, obgleich dieser sich in unserem Dienst nur bereichert hat. Einmal sagte Tein Vater sogar, daß Else Breymann eigentlich eine passende Partie für Dich wäre — ich! bitte Dich, Eitel Fritz, die Tochter eines Inspektors! Doch wie gesagt, sprechen wir nicht mehr davon. Nur noch eins! Wirst Du nach Deiner Vermählung hier Wohnung nehmen?" „Ich wünschte eigentliche noch weiter zu dienen, Mama 'fe- wenigstens bis zum Rittmeister . . ." „Das freut mich. So gestattest Du, daß ich mit Wanda Zier wohnen bleibe?" „Aber, Mama, das ist ja Euer gutes Recht! Die Zinsen des Vermögens, welches Papa Euch ausgesetzt hat, werden Euch pünktlich alle Vierteljahre gezahlt werden — im übrigen bleibt alles beim alten, ich! werde mir nur einige Zimmer reservieren." „Nun, dann ist ja alles in Ordnung, und der Himmel segne Dich, mein Sohn." Sie küßte ihn zärtlich asts die Stirn. Sie glaubte in der That, daß alles in Ordnung sei, und sah nicht die Unruhe in dem Herzen ihres Sohnes, die trotz seines festen Entschlusses sich doch! stets von neuem seiner Gedanken und seiner Empfindungen bemächtigte. Es war ihm, als stände er im Begriff, ein Verbrechen zu begehen. Ltuhelvs trieb es ihn umher; er durchstreifte den Park und die Felder, nur um den Gutshof ging er in weitem Bogen herum, er fürchtete das ernste Auge des Inspektors und den stummen, schmerzlichen Blick Elses. (Fortsetzung folgt.) Gsmeinnütziges. Eine neue Weinrebe japanischen Ursprungs, von dem Franzosen Caplat durch Zucht verbessert, soll durch Bemühungen des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau jetzt in Deutschland eingeführt werden. — Es wurden im vorigen Frühjahre mehrere hundert Samenkorn der neuen Einführung verteilt, und wird in Nr. 39 des praktischen Ratgebers von verschiedenen Seiten über den ausgezeichneten Wnchs und die schone Belaubung der jungen Pflanzen berichtet. Wir haben es somit auf jeden Fall mit einer wertvollen Schlingpflanze zu thun. Bon den Trauben ist bekannt, daß sie kleiner bleiben als die unseres edlen Weines, sie haben aber große Beeren und sollen auch dort noch sicher reifen, wo unser Wein nicht mehr gedeiht. Wahrscheinlich läßt sich« die neue japanische Weinrebe durch Kreuzung mit unseren einheimischen noch weiter vervollkommnen. Ersparnis im Haushalt am richtigen Orte bewirken zu können, ist eines der Kennzeichen einer guten Hausfrau, und hinsichtlich solcher Ersparnisse vernünftige Winke zu geben, ist eines der Kennzeichen eines guten Kochbuches. Als Beispiel diene „Henriette Davidis" (welche Küchenverständige kennte es nicht?) Seite 14 der 37. Auflage, „Suppenfleisch": „Man rechne bei einer großen Gesellschaft zu einer kräftigen Bouillon oder Suppe auf jede Person 250 Gramm Ochsen- oder Rindfleisch; Kalbfleisch für Person 375 Gr., Bei geringer Personenzahl um die Hälfte mehr. Nimmt man nur die Hälfte des hier geforderten Fleisches und setzt dann jedem Liter Suppe 5 bis 1.0 Gramm Liebig's Fleisch-Extrakt und die gleiche Menge Salz hinzu, so erhält man, bei bedeutender Ersparnis eine hinreichend kräftige Bouillon," Msös. Das Bedürfnis, in der Kleidung einem eigenen persönlichen Geschmacke zu folgen, ist viel schwieriger zu befriedigen, als man nach der sonstigen allgemeinen Bethätigung häuslicher Must annehmen sollte. Wie manche Dame hat nicht eine Menge persönlicher, eigenartiger Ideen. Sobald sie dieselben aber durch die Schneiderin aussühren lassen will, werden sie umgemodelt und verallgemeinert und verlieren das Individuelle. Der persönlichen Ausführung stand aber immer das große Hindernis des Zuschnittes entgegen, denn das regelrechte Schnittzeichnen mit seiner, für "bie neueste Mode besonders verwickelten Art, kann nur durch langjährige Uebung gründlich beherrscht werden. -Dieses Hindernis verschwindet aber ohne weiteres, wenn man sich 6er vorzüglich fitzenden Schnitte der Internationalen Schnittmanufaktur Dresden-N. 8 bedient, welche in großartiger Auswahl zu billigen Preisen erhältlich sind. Die Wahl erfolgt nach! einem reichhaltigen Modenalbum und Schnittmusterbuch! (Stück 50 Pfg.), welches zugleich! eine vorzügliche Uebersicht über die neue Herbst- und Wintermode bietet. Wer also geschickte Hände und Geschmack hat, der bethätige diese Gaben der Natur, nicht nur zu feinem Nutzen, sondern auch zu feiner Freude. Are Mode für altere Damen. Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden-N. Reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch für nur 50 Pfg. daselbst erhältlich. Es Mrd'sehr oft behauptet, die Mode sei nur für junge, schlanke Figuren berechnet, nnd! die älteren, meist eine gewisse Wohlbeleibtheit zeigenden Damen würde von ihr stiefmütterlich behandelt. Diese Behauptung ist indessen unberechtigt, die Mode ist für alle, und wenn man es nur versteht, das für den einzelnen passende herauszusuchen, so wird man sicher zusriedengestellt sein. Daß dies nun aber eine Kunst ist, oft sogar eine recht schwierige, geben wir gern zu und wollen wir es deshalb! heute einmal unternehmen, auf diesem Gebiete einige Ratschläge zu erteilen. Die wichtigste Bedingung für einen vorteilhaften Anzug ist, die, sich! stets seinem Alter und seiner Figur entfprechend zu kleiden. Denn nur auf diese Weise kann ein harmonischer Eindruck erzielt werden. Ganz besonders gilt dies für die Grundlage des Kleides, für das Korsett; denn das Korsett kann sehr vieles gut und vieles schlecht machen.. Eine ältere Dame, besonders wenn sie stark ist, darf weder ein zu hohes, noch? ein zu enges Mieder tragen; denn da die Schultern und! der Hals schon ohnehin sehr rund und kurz erscheinen, so würde dieser Schönheitsfehler durch ein hoMchuürendes Korsett stoch mehr hervorgehoben und! verschlimmert werden. Ein in der Taille zu enges Korsett wiederum würde den 572 Leiv unvorteilhaft hervortreten lassen. Außerdem kommt noch dazu, daß ein derartig die natürliche Figur veränderndes Korsett im höchsten Grade unbequem ist und das taugt für ältere Damen bekanntlich nicht. Aehnlich wie mit dem Korsett verhält es sich mit der Kleidertaille.'Obgleich für stärkere Damen anliegende Taillen oder solche mit anliegendem Futter die einzig anzuratenden sind, so ist doch eine zu enge Taille ebenso verkehrt, wie ein zu enges Korsett, da ein zum Platzen eingeengter Körper viel stärker erscheint als ein lose bekleideter. Was die Facon anbetrifft, so sind blusige Arrangements keineswegs zu verwerfen, nur müssen dieselben stets auf ein festes Futter gearbeitet sein und dürfen nie unter dem Rock getragen werden. Man läßt sie vielmehr'stets etwas unterhalb der Taille mit einem fest aufgesetzten Gürtel abschließen, wodurch die Taille künstlich verlängert wird. Bei Damen mit rundem Rücken und hohen Schultern sind breite, über die Schultern fallende Kragen zu vermeiden, und wende man hier lieber nur Revers an, welche erst unterhalb der Achsel beginnen und eine mehr abfallende Form haben, wie' ein'solches mit Modell 201, welches auch im übrigen recht vorteilhaft ist, veranschaulicht wird. Für andere wieder, welche starke Hüften und schmalen Oberkörper haben, ist eine künstliche Verbreiterung der Achseln durch einen Kragen, wie bei Modell 193 und 143, sehr von Vorteil. Diese Kragen wirken besonders dann elegant, wenn sie aus Spitzen bestehen und ungesteift sinch Im übrigen ist bei stärken Damen immer die, von den Schultern ausgehende und im Taillenschluß spitz verlausende Linie vorteilhaft; denn sie läßt stets die Taille schlanker erscheinen. Der sich dadurch bildende Tailleneinsatz giebt Gelegenheit zur Verwendung der mannigfachsten modernen Garnituren, wie z. B. gepreßten Chiffon, in feine Fältchen gelegte Seide, oder solche mit Spitzeneiy^tzen benähte; feine' Wörtchen, elegante Applikationen, vor r.llem aber duftige Spitzen- und Chiffonjabots finden hier gleichfalls geeignete Verwendung und besonders die letzteren, welche auch von einer kleineren Schleife ersetzt werden können, sind älteren Damen sehr zu empfehlen, da es dem, doch in den meisten Fällen ernst gehaltenen Anzug, einen freundlichen Anstrich giebt. Damit ist jedoch die Wahl der für ältere Damen paflen- den Kleidformen noch- lange nicht erschöpft; denn die Jäckchen mit ihren zahlreichen Variationen vervollständigen dieselbe aufs weitgehendste. Natürlich kann man nicht ein kurzes Jäckchen tragen, wie es für ganz junge schlanke Mädchen kleidsam ist, sondern sich mehr mit jäckchenartigen Arrangements ' der Vorderteile begnügen. Wie dies zu verstehen ist, erklären besser als Worte die beiden Modelle der Nummer 143 und 193. Besonders hübsch ist letzteres, welches eine moderne Gesellschaftstoilette für ältere Damen darstellt. Der Rücken, sowie die Hintere Hälfte der Vorderteile und die Weste schließen im Taillenschluß mit einem Gürtel ab, und nur die' vordere Hälfie der Vorderteile fällt lose Mod. 193. Mod. 143. Mod. 201. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch-und Stcindruckerer (Pietsch Erben) in Gießen. Redaktion: E. Burkhardt. S T E I N M E I S E 8 M K I N 8 E T E E über deck Gürtel, so die moderne gerade Linie erzeugend, während dabei doch die übrige Taille schlank anliegt. Das andere Modell hat vorn ein ähnliches Arrangement, hinten läuft es jedoch in ein Frackschößchen aus, welches als schlankmachend von vielen der runden Gürteltarlle vorgezogen wird. , . „ Sehr wichtig bei einer älteren Dame rst auch der Rockschnitt; denn ein an den Seiten herabfallender, vorn abstehender Rock genügt schon, einen starken Leib zu markieren, auch- wenn er garnicht vorhanden ist. Der Rock mutz irrt Gegenteil vorn schön glatt hereinfallen und seitlich, aber mehr nach hinten zu, in modernen Tütenfalten aussallen. Besonders vorteilhaft sind die modernen, unten weit ausfallenden Röcke, weshalb die Mode der Serpentinevolants gerade für ältere Dramen recht passend ist. Auch die Länge des Rockes ist von großem Einfluß auf die Gesamtersch-einung; denn für das Ausfehm ist em festlich und hinten schleppender Rock von großem Vortest, da er die Figur vergrößert und somit die Stärke weniger hervortreten läßt. Bequemer zum Gehen ist natürlich ein kürzerer Rock, welcher, wenn ringsum schön gleichmäßig und vorn nicht kürzer als hinten, auch recht gut aussehen kann. Bezüglich der Stosse und Farben ist es wohl kaum Nötig, einen Rat zu gübeu; denn die meisten älteren Damen thun in der Wahl von dunklen und düsteren Farben fast des Guten zit viel, und viele tragen überhaupt nur schwarz, was allerdings, wir müssen es gestehen, die die alte Dame Auflösung, des Homogramms in vor, Nr, am besten kleidende Farbe ist. Trotzdem giebt es so vielch moderne und feine Nüancen, welche dem Alter ebenso gut stehen wie der Jugend, ausgenommen alle forschen Farben.- Man muß sie nur zu wählen verstehen, ebenso wre fernen Übrigen Anzug; und wenn man sich ernmal erst em wenig in die Geheimnisse der Mode vertieft hat, so wrrd man bald sehen, daß wir Recht hatten mit unserer Behauptung: dre Mode bedenkt jeden, und zwar reichlich. Mbteilrätsel. (Nachdruck verboten.) * fr fr I fr fr ♦ fr I fr ♦ ♦ ♦ । ♦ ♦ ♦ * * ♦ Statt der Vierecke sind die Buchstaben AAA, EEE, G, III, EL, MM, N R SS T Z derart zu setzen, daß bei der oben ersichtlichen Einteilung 5'Wörter entstehen von folgender Bedeutung: 1. Teil des wahres; 2 Bindemittel: 3. Männlicher Vorname; 4. Werkzeug; 5. Ruhe Wrrd jeder Teilungsstrich um einen Buchstaben nach rechts zuruckgeschoben, wie untenstehend, ergeben sich wiederum 5 Wörter, die bedeuten: 1. Nutz, gcwächs; 2. bewirkt Schnelligkeit; 3. innerer Körperteil; 4. Flur; 5. Teil des Baumes. «.fr* fr I fr fr fr fr I fr fr♦♦Ifr fr fr fr♦I ♦ ♦* Auflösung in nächster Nummer.