ihtxoer■ aufg, H Noii. titür »MW iys iMM ÄMM r,i ii|iil|Jggj MW W ie Welt ist ein gemeiner Tisch, dranf alle Menschen essen; Wohl dem, der dessen, der ihn deckt, Pflegt nimmer zu vergessen, v. Logan. (Nachdruck verboten.) Auf der Felseninsel. Eine Erzählung aus den norwegischen Schären. Von M. O t t e s e n. (Fortsetzung.) Ich beantwortete steif seinen Gruß und sprang rasch ans Land, um mich? den Damen anzuschsießen. Doch diesmal hatte id)i im eigentlichsten Sinne bis, Wortes die Rechnung ohne den Wirt, das soll hier heißen, ohne den Kaufmann Hall, gemacht. Breitspurig stand er da, in jeder Miene den Besitzer ausgeprägt. Geräuschvoll hieß er uns willkommen, geräuschvoll nahm er auch meine Wenigkeit in Beschlag. Wie leuchtete sein breites, rotes Gesicht vor Wonne! Seine ganze Gestalt schien zu wachsen, und er trat so fest auf, als wollte er bei jedem Schritt bekunden, baß ihm allein Grund- und Boden gehöre. Er strömte völlig über vor! Wohlwollen und Behagen, und sonst wenig mitteilsamer Natur, schien er heute überglücklich! zu sein, an mir einen Zuhörer zu finden, dem alles, was -er erzählte, neu sein mußte. In meiner heutigen Stimmung kam er mir ausdringlich und lächerlich wie ein Emporkömmling vor. Seine goldene Uhrkette erschien mir zu schwer, seine Stimme zu laut, sein joviales Lachen ordinär, und doch wußte ich, daß, wenn es einen Ehrenmann gab, so war Sigurd Hall senior einer. Als einfacher Matrose hatte er seine Laufbahn begonnen, sich durch Fleiß und Kühnheit zum Schiffsführer aufgeschwuugen. Dünn hatte er um die einzige Tochter des'Reeders geworben, und das zarte Mädchen hatte gern ihre schmale, weiße Hand: in die kräftige Rechte des stattlichen Kapitäns gelegt. Nach dem Tode des Schwiegervaters gab er aus Zureden der Frau die Schiffahrt auf und übernahm das Geschäft, begnügte sich aber, wie er sich selbst ausdrückte, damit, alles „im alten Fahrwasser zu belassen". „Der Jugend kommt es zu, Neuerungen einzuführen", sagte er und nickte seinem Sohne zu, als dieser mit Gunhilda rasche an uns vorüberschritt. „Und mein Junge, der wird es verstehen, der hat etwas gelernt. Eine ordentliche ^kaufmännische Ausbildung hat er genossen — gerade, was seinem Vater stets gefehlt hat. Er wird- schon der alten Firma, neuen Aufschwung geben — und die Bedingungen sind da. Glauben Sie mir's. So- einen geräumigen Hafen soll man weit und breit suchen, und wenn erst ein Werft angelegt wird, wo man Dampfer bauen kann; denn mit den Segelschiffen ist's nun doch vorbei — aber halt, lieber Freund, .rennen Sie nicht so. Wir,können den Uebrigen nicht davon lausen. Mit Gunhilda ist das etwas anderes, die ist ja bei uns wie Kind im Hause. Die Mutter, na, kränklich ist sie ja immer und- kann nickst viel leisten, wird wohl den Sigurd gebeten haben, mit ihr ein Ende voraus zu gehen — gern hat's meine Alte, wenn iHv das Mädchen in der Wirtschaft beisteht. Und schaden thut es keinenfalls, wenn das junge Ding sich im voraus damit vertraut macht, wie alles in einem großen Hause. sein muß. Mau kann ja nie wissen, wie es kommt", und- er zwinkerte schlau mit den kleinen, runden Augen. Ich ballte heimlich die Faust- und biß mich auf die Lippe.. Ter gute Mann fuhr aber, unbeirrt durch mein Schweigen, in seinen Mitteilungen fort, ohne zu ahnen, wie sehr er seinen unfreiwilligen Zuhörer auf die Folter spannte. „Da wird- erst Leben im Hause, wenn eine junge Frau hier herumwirtschaftet und kleine Enkelchen munter herumtrippeln. So- ist es ein trauriges Leben für ein junges Blut, und selbst mir wird es mitunter gruselig zu Mut in den alten Zimmern und weitläufigen Treppengängen." Erleichtert atmete ich auf, als wir endlich an Ort und Stelle waren und sich die Uebrigen zu uns gesellten. Die Wirtin, eine zarte, feine Erscheinung- im schwarz- seidenen Kleide, kam uns im Söller entgegen und bewill- kommnete uns mit matter Stimme, als strengten sie selbst die wenigen Worte an. Trotz des warmen Tages hüllte sie sich fröstelnd in einen dicken Shawl, und man wußte nickst, was weißer war, die Spitzen ihrer Haube oder ihr blasses Gesicht. Nur wenn sie ihren Sohn -oder Gatten änsah, glitt eine leichte Röte über die eingefallenen Wangen, und- ich wußte jetzt, von wem Sigurd dies seltsam verschönernde Lächeln, diese klaren, treuen Augen geerbt hatte. Sie nötigte die Pastorin in die Sofaecke und sagte, nachdem wir alle unsere Plätze in dem geräumigen Gartenzimmer eingenommen hatten: „Unsere liebe Gunhilda läßt sich's wieder nicht nehmen, gleich nach dem Rechten zu sehen, damit ich mich ruhig den Gästen widmen kann." „Und Sigurd hilft ihr?" lachte der Leuchtturmverwalter. Die Frau lächelte still, und ihre Augen schimmerten in feuchtem Glanze. Ich sah sie heimlich die durchsichtigen Hände falten, und ihr mildes Gesicht hatte einen Ausdruck, als bitte sie Tie beiden Kavaliere werden sich den übrigen jungen Damen widmen." „Tann führen Sie mich, bitte", rief Hannah und hing sich vertraulich an meinen Arm. „J,ch hatte noch nie einen Tischnachbarn. Sie sollen sehen, wie ich Dame sein kann!" Ich! verbeugte mich steif mit nicht allzufreundlicher Miene, während Sigurd lachend mit den Zwillingen voranging. Hannah schien wirklich ihre Rolle als Erwachsene allen Ernstes ausführen zu wollen. Sie sprach mit Eifer und Kenntnis gerade von Dingen, von denen sie denken konnte, daß sie mich interessierten, und erst als sie bemerkte, wie zerstreut und einsilbig ich ihr antwortete, verstummte sie allmählich. Tie Unterhaltung bei Tische war indes so lebhaft, daß niemand auf uns achtete. Große Freude erregte der Vorschlag des alten Hall, am Abend einen Ausflug zu Wasser zu machen, und Hannah meinte, jetzt wäre es zum ,Lystern' *) dunkel genug. Tie Fischpreise wurden sodann eifrig diskutiert, und die Pastorin erklärte, es sei eine Schande, daß jetzt der beste Lachs, der schönste Hummer nach England ausgeführt werde. | des Sohnes vom Hause ausbrachte, und senkte wie itt I holder Scham das Auge, als der junge Mann, ein siegesgewisses Lächeln auf den Lippen, sein Glas gegen das ihrige stieß und es bis auf die Neige leerte! Abgeschmackt und lächerlich schienen mir die Trinksprüche, die nach guter, alter Sitte auf jeden der Gäste ausgebracht wurden. Nur mühsam gewann ich es über mich, nicht laut aufzulachen, als auch mein Wohl getrunken wurde und es lustig im Kreise erklang: „Und dies sei unseres Gastes Skaal*), Hurra! Schlecht ergeh's dein, der nicht klinken Und des Gastes Skaal will trinken. Hurra, der Skaal war brav, Hurra!" Ich wußte ja, daß sie mich alle weit fort wünschten. Eine erwartungsvolle Stille trat ein. Tas Dessert tourde herumgereicht, Puddings, Speisen, Früchte und Sahne in jeder Form. Ta knallte der Champagner. Alle blickten überrascht und dankbar zugleich auf den freudestrahlenden Wirt, der alle diese guten Gaben spendetö — und dann, merkwürdig genug, auf mich. Sollte jetzt das Wohl des Brautpaares ausgebracht werden, bemitleidete man mich, wollte man meine geheimsten Gedanken erspähen? Eine weschje Hand legte sich, mit leichtem Truck auf die meinige. , „Alle erwarten, daß Sie reden sollen, Herr Doktor", flüsterte Hannah leise, und die braunen Augen strahlten wieder vor Erwartung. „Sie müssen das Wohl des Hauses ausbringen." „Nie und nimmermehr!" entgegnete ich kurz. Zu meinem Staunen ließ sich das junge Fräulein indes nicht einschüchtern. „Es muß sein", sagte sie mit einer Bestimmtheit, die ich diesem kindischen Wesen nie zugetraut hätte. „Thun Sie es Ihrer selbst wegen", fügte sie bittend hinzu. „Sie waren der liebe Gast unserer Insel, nie werden wir diesen Sommer vergessen, nie — und ich wäre so traurig, wenn alle nachher schlecht von Ihnen redeten. Auch die Mutter ist Ihnen nicht mehr gut — ich weiß nicht, warum. Ein freundliches Wort jetzt, und Sie brach ab, und ihre Stimme zitterte leise. Eine seltsame Ahnung durchzuckte mich. Welch bitterer Hohn des Geschicks! Ties Kind bangte sich; um den Fremden, der nicht nach seiner Meinung fragte, und jene dort hatte für ihn kein Wort, keinen Blick! Nein, zum Gegenstände ihres Spottes wollte ich mich wenigstens nicht machen, sollte ich reden, so wollte ich es auch thun — in§ Gewissen wollte ich ihr reden, sie mahnen, ehe es zu spät war! Und i$: schlug an mein Glas, und hielt erne Rede, wie man sie wohl nie zuvor zwischen diesen Wanden gehört hatte. Ich donnerte gegen die schnöde Habsucksi, die allein rm Wohlleben ein Endziel sieht. Ich! pries die Freiheit, die freie Liebe, die nur dann die echte und die wahre sei, wenn der kühne Mann, das stolze Weib, unbekümmert iind Herkommen, alle Schranken niederrissen, alle Hindernisse überwänden, um einander anzugehören, j । "Lieber den Tod", rief ich, „als dies langsame Hin- l, I vegetieren in der kalten Atmosphäre der Pflicht! Lieber | selbst zu Grunde gehen, als ein Leben lang in der Lüge « I verharren, und sich mit dem Schütten Zufriedenheit be- . I gnugen, wo ein volles, sättigendes Glück nur darauf wartet, Frau Hall war noch bleicher geworden, Gunhilda zerrte, i!1 6licken, an ihrer Serviette, die Alten räusperten Ich wrllte chrtchh—aufrütteln wollte ich, sie alle aus ihrem dumpfen Schlaf, als' ein Apostel der neuen ^>deen Europas in der Einöde auftreten. Da sah ich Hannah. Ihre Augen leuchteten, die Farbe kam und Memlos lauschte sie meinen Worten. Dieser An- bnck gab mir plötzlich die Besinnung zurück. Das Kind verstand nicht den Sinn, der sich hinter den wohlklingenden Phrasen wie der Wurm in der Blüte barg. Mit aller Gott um die Erfüllung eines Wunsches, dann wäre sie mit dieser Erde fertig. Es war, als ob sich eine Verschwörung gegen mich bildete, mein Herz klopfte unruhig, und ich hatte kaum Fassung genug, einige allgemeine Redensarten mit Hannah zu wechseln, welche darauf bestand, mir alle Familienbilder in dem großen Album zu erklären. Wie im Traum sah ich das altmodische Mahagonimobiliar der Zimmer, die schweren, vergoldeten Spiegel, die riesigen, eisernen Oefen. Endlich öffnete sich eine Thür, Gunhilda trat mit heißen Wangen auf die Hausfrau zu und flüsterte ihr einige Worte ins Ohr. Allgemeiner Aufstand. In feierlicher Ordnung schritten die älteren Herrschaften paarweise ins Nebenzimmer. Schon wollte ich Gunhilda meinen Arm anbieten, als mir der Hausherr den Weg vertrat. , „Liebe Kleine", sagte er, sich mit altmodischer Galanterie verbeugend, „nimm Du mit mir altem Kerl vorlieb. „Als ich noch int, Elternhause war", rief sie eifrig, „machten es sich die Tienstleute zur Bedingung, nicht mehr als dreimal wöchentlich Lachs zu bekommen — und jetzt, prosit Mahlzeit, die verrückten Mylords essen uns alles vor der Nase weg. Freuen muß man sich einmal wieder, ein so köstliches Stück vor sich zu haben." Itnbi sie zerteilte mit sichtbarem Wohlgefallen die ansehnliche Portion, welche ihren Teller füllte. Entrüstet wandte ich mich hinweg. Wie war es nur möglich, daß ich diese Frau verehrt, sie eine würdige Gefährtin Gunhildas genannt hatte! Alles war mir heute an chiesen Menschen zuwider. Tie Späße zu derb, die Unterhaltung flach, das Essen zu solide, die Weine zu schwer. Auf .dem "feinen Damastgedeck glitzerten Krystall- schalen und feingeschliffene Gläser um die Wette mit dem massiven Silber. Mir sollte dieser Prunkhaft zur Schau getragene Reichtum wahrlich nicht imponieren! . So saß ich- stumm und einsilbig da, und wenn mich MN ■ verwunderter Blick Gunhildas traf, raffte ich' mich momentan zusammen und richtete verkehrte Fragen an merne Nachbarin. Diese war heute seltsam ernst und ver- legen. Ter kleine Mund öffnete sich gar nicht mehr, um . ~ ~ - lachend dre blitzenden Zähne zu zeigen, und die Augen I daß du es ergreifst!" hatten einen feuchten Glanz wie von verhaltenen Thränen I T------ Was mochte sie nur haben, hatte ich sie durch mein Be- öetuieiIt- t ^r^uvbvletzt? Ter sinnende Ausdruck verlieh dem feinen I sich bedeutsam. Ich wollte fortfahren- Gesichtchen einen neuen Reiz, sie war heute wirklich aller- • i* üp nffp mta ’ liebst — nur keine Wasserfei mit tiefen, schwarzen Augen und entern seltsam unergründlichen Lächeln! Tas war ja der Zauber, der mich immer von neuem anzog, daß Gunhilda stets eine andere erschien, obgleich sie sich gab, wie sie war, nie daran dachte, sich zu ver- I O £ S uMpn zartfühlenden ^ischnachbarn f° freundlich zu- I darum zu kümmern, daß jeder logische Ueberqana feinte •) Ättre’: 6ei Ta-chch-I» stsch-n. | (fl”* W)- W- M ein Ende zu machen: „Die Freiheit habe ich gepriesen, die Gastfreundschaft war stets ihre Gefährtin im Norden! Hier an der Küste, in der Nähe des stolzen Meeres, werden beide hochgehalten. Die Bewohner der Schären, die schönen Frauen, die wackeren Männer — sie leben hoch!" Der seltsame Trinkspruch wurde mit Begeisterung aufste- nommen. Ter Schluß hatte offenbar alle versöhnt, und die Stimmung war zu munter, als daß jedes Wort auf die Wage gelegt werden konnte. Man rief neunmal Hurrah, so lernt, daß die Fenster klirrten, und die Schwalben, welche unter dem Dachbalken nisteten, erschrocken davonflogen. Die blasse Hausfrau schrak nervös zusammen, ihr Mann drückte mir aber die Hand, und ich mußte feierlich geloben, nicht mehr sein Haus ,links liegen zu lassen'. Tann dankte der Prediger für alles Gute, das wir genossen hatten, die Stühle wurden geräuschvoll gerückt — die Mahlzeit war zu Ende. Viele Skäals waren ausgebracht worden, doch nicht derjenige, auf den ich mit erregter Spannung gewartet hatte. Altes leeres Hirngespinst, Jntrignen einer Familie, die umsonst ihre Umgebungen zu beherrschen wähnte! Warum sollte Gunhilda ihren Gespielen nicht wie einen Bruder gern haben? Deswegen konnte sie doch die Liebe des Fremden erwidern, der ihr sein Bestes zu eigen gegeben, und sie mit sich hinausführen wollte in die schöne Welt, die ihr so lange in rosigem Lichte gewinkt hatte. Meine Niedergeschlagenheit wich! plötzlich! einer glücklichen Stimmung, daß ich alle Menschen hätte umarmen können, und ich beschloß, wenigstens mein Unrecht gegen Hannah wieder gut zu machen. Uebermütig begann ich mich! mit der Kleinen zu necken, und wieder setzte sie mich! in Erstaunen durch! die reizende, schalkhafte Weise, in der sie sich! zu verteidigen wußte. Tie älteren Herrschaften waren einstimmig dafür, sich durch ein Schläfchen für die Abendpartie zu stärken. Wir jungen Leute wollten dagegen einen Spaziergang nach! dem Walde am Fjord machen. „Tort ruht es sich auch schön im weichen Moos", sagte Frau Hall freundlich. „Achte aber darauf, Sigurd, daß die Mädchen sich nicht zu sehr ermüden." Jetzt mußten selbst die ernsten Zwillinge in das Gelächter einstimmen — Müdigkeit war den vier Freundinnen offenbar ein unbekannter Gesell. (Fortsetzung folgt.) Vom Monat Juli. Juli 1901. (Nachdruck verboten.) Der Erntemonat zeigt auch diesmal seine Kraft, er bietet uns das Mannigfaltigste aus Wald, Feld und Garten, und mit Macht reift das Getreide der Sense entgegen. Der Markt mit seinen frischen Gemüsen, Früchten und Blumen bietet dem Besucher einen ergötzenden Anblick, auch der Duft der Kräuter erinnert daran, daß jetzt die beste Zeit zum Trocknen der Würzkrüuter ist. Gemüse giebt es in Hülle und Fülle, und mit prüfendem Blick suchen die Hausfrauen darunter nach! etwas Neuem. Frische Kartoffeln gewähren einen Genuß, der von hoch und niedrig freudig begrüßt wird, besonders zu dem sehr guten, wenn auch noch! etwas teueren Matjeshering. Gute Schnitt- und Wachsbohnen sind schon zur Stelle. Dieses beliebte Gemüse bauten und aßen die Egypter nicht, weil sie es für unrein hielten, und bei den Römern galt es als Totenfrucht, die man an bestimmten Festen den Schatten der Verstorbenen vorsetzte. Nach und nach verlor sich! diese unheimliche SBe&eutung, und uns stört ' kein Aberglauben mehr, sondern wir lassen uns die jungen, grünen oder gelben Bohnen recht gut schmecken, als Gemüse oder Salat und selbst in der einfachsten Zubereitung auf „englische Art" sind sie schmackhaft. Man kocht dazu die Bohnen in Salzwasser gar, schwenkt sie dann mit 100 Gramm Butter, 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt und zwei Eßlöffeln gewiegter Petersilie so lange über dem Feuer, bis sie Fett und Brühe aufgesogen haben, würzt sie mit wenig Pfeffer, und giebt sie zu Tisch Zum Salat eignen sich am besten die gelben Spargel- oder Wachsbohnen. Im Laufe des Monats erscheinen fast alle Kohlarten; als Erstling kommt der Wirsing- oder Welschkohl, der naturgemäß anfangs noch recht teuer ist, diesem folgen bald Weiß-, sowie Rotkohl in kleinen festen Köpfen. Blumenkohl hat infolge der langen Trockenheit etwas gelitten. Ferner bietet der Markt reichlich Karotten, Schoten und Mohrrüben, die aber in gut entwickelter Ware noch immer hoch im Preise sind. Tie Zeit der Frühbeetgurken ist leider vorüber, und es erscheinen die Landgurken, doch ist vorläufig noch keine billige Gurkenzeit zu erwarten, obgleich die „saure Gurkenzeit" vor der Thüre steht. Kopfsalat wird spärlicher, als Ersatz zeigt sich Sommerendivien-, der aber für die Bewohner der östlichen Provinzen immer noch mehr Wintersalat bleibt. Von Tomaten kommen vorläufig nur die kleinen italienischen zum Angebot. Auch Artischoken, dieses wenn auch kostspielige, so doch von Kennern sehr bevorzugte Gemüse, ist in den Delikateß- läden vorhanden. Obwohl im Juni die Pilzzeit schon begonnen haben sollte, kamen nur einzelne Proben von Stein- und Mai- Pilzen, Pfifferlingen und Rotkappen, -anch die Morcheln verschwanden in diesem Jahre eher, hoffentlich nimmt im Juli die Mannigfaltigkeit der Pilze zu. Der Obstmarkt wartet uns mit Kirschen in allen Arten auf, und wir preisen noch heute den Lueullus, der die Kirsche von der Stadt Kerasos an der pontischen Küste nach Italien gebrach haben soll, von wo sie sich über Gallien nach dem Rhein, Belgien und England verbreitet hat. Tie duftenden Walderdbeeren, diese einfachen Kinder des Waldes, werden jetzt den Gartenerdbeeren zu Bowlen wie zum Frischessen vorgezvgen. Zu gleicher Zeit finden wir die Blau- oder Heidelbeeren, Himbeeren und Johannisbeeren. Grüne Nüsse sind jetzt am besten zum Einlegen und zur Bereitung des magenstärkenden Likörs. Hausgeflügel ist in reicher Menge und Auswahl vorhanden, junge fleischige Hühner, Enten und Tauben, so daß die Küche in der Lage ist, jede Geschmacksrichtung zu befriedigen. Die Gänsezeit hat begonnen, und werden deren schon recht schöne zum Markte gebracht. Im Monat Juli erweitert sich audji die Auswahl an Wildbret. Neben dem bisher nur jagdbaren Reh darf nun auch Hirsch und Damwild wieder geschossen werden. Für das Wildgeflügel ist die Jagd eröffnet, und zwar sind die Bekassinen die ersten. Das Fleisch derselben übertrifft entschieden an Wohlgeschmack das der Waldschnepfe. Ebenfalls geschossen werden: Fasanen, Haselhühner, Schnepfen und Wildenten. .Wenn audj1 der Fischmarkt unter dem Einfluß der Ernte und Temperatur steht, so ist in den Handlungen davon wenig zu merken. Tie Binnenfischerei bringt Schmerle, Felchen, Forellen, Aale, die sich jetzt auf der Höhe ihres Wohlgeschmackes befinden, schwere Welse, große Schleien und Kaulbarsch. Tiefer kleine, schmackhafte Süßwasserfische gehört zur Familie der Barsen und wird gleich diesen zubereitet, er ist seines wohlschmeckenden, leicht verdaulichen Fleisches wegen einer der geschätztesten Fische. Als besonderen Leckerbissen rühmt man den dänischen Kaulbarsch, der in jeglicher Weise bereitet, eingelegt, gebraten, ge- schmrot, in Butter-, Sardellen- oder Paprica-Tunke immer gern gegessen wird. Eine zu Kaulbarsch sehr wohlschmeckende Tunke ist folgende: 3—4. Zwiebeln werden in Scheiben geschnitten, in soviel Wasser.als man Tunke benötigt, mit 15—20 Pfefferkörnern gar gekocht, etwas Mehl in Butter gelb geschwitzt und dem Wasser beigefügt. Man würze alsdann je ein Viertelliter Tunke mit 7 Gramm Liebegs Fleisch-Extrakt, Salz, einem Eßlöffel grüner Petersilie, etwas geriebener Muskatnuß, ein ganz klein wenig Zucker und gebe diese Tunke über die gar gekochten Fische. Mit Seefischen warten uns die Handlungen reichlich auf, es giebt Steinbutt, Seezunge, Rotbart, Nordseelachs, und die Ostsee liefert Schollen, Schellfische u. a. m. Krebse sind nach bestandener Schälzeit jetzt am besten, ebenso empfehlenswert sind Hummern und Krabben. Für die Ferien-Reisenden werden eine Menge Fleischund Fischkonserven in auserlesener Güte angeboten. 384 - „Daheim!" , Mit dem 1. Juli begann ein neues Quartal des „D a h e i m". — Nachdem auch die „Weite Welt" und „Vom Fels zum Meer" in den Besitz der Scherl'schen Gesellschaft überging, ist die Zahl der alten bewährten Familienblätter stark zusammengeschmolzen. — Das „Daheim" bewahrte unter diesen seine hervorragende Stellung. — Es bringt jetzt auf wöchentlich 6—8 Seiten zwar ebenfalls eine Fülle von Bildern zur Tagesge schichte, hat aber daneben seinen alten vornehmen Charakter durchaus gewahrt; es will unterhalten und belehren, veröffentlicht gute gediegene Romane (z. Z. einen Roman „Tie Grenzwärte", der auf dem Boden Elsaß- Lothringens spielt), treffliche Aussätze aus allen Gebieten, ausgezeichnete Gemälde in edlem Holzschnitt und Kunstbeilagen in vollendeter Wiedergabe. Der Bau des Weltalls. Von Prof. Dr. I. Schein er. Mit zahlreichen Abbildungen. Gey. Mk. 1.—, geschmackvoll geb. Mk. 1.25. („Aus, Natur und Geisteswelt". Sammlung wisseuschaftlicksigemeinverst- ständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 24. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Tiefes Bändchen beabsichtigt, in allgemeinverständlicher Darstellung in das Hauptproblem der Astronomie, das auf lebhaftestes Interesse bei den meisten Menschen rechnen darf, die Erkenntnis des Weltalls, einzuführen. Das erste Kapitel ist der Aufgabe gewidmet, den Leser an die wirklichen Verhältnisse von Raum und Zeit im Weltall zu gewöhnen, ihm hierüber eine klare Anschauung zu ermöglichen, die unbedingt zum Verständnis des Ganzen er- sorderlich ist. Das zweite Kapitel lehrt, wie das Weltall von der Erde aus erscheint; die drei folgenden Kapitel sind dem inneren Bau des Weltalls gewidmet, d. h. in ihnen ist die Struktur der selbständigen Himmelskörper mit Hilse der Spektralanalyse auseinandergesetzt. Das letzte Kapitel giebt als Schlußstein eine Lösung der Frage über die äußere Konstitution der Fixsternwelt. Die reich illustrierte Schrift wird dem Leser viel Anregung geben, sich mit der allgemeinen Himmelstunde vertrauter zu machen. _________ Kunstgewerbe für's Haus. Tas Juni-Heft der illustrierten Monats-Zeitschrift „K u n st g e w e r b e f ü r s H a u s", herausgegeben von Frau C. v. Sivers, Verlag von Otto Lienekampf, Berlin W. 35, Lützowstraße 9, beweist abermals von neuem, wie diese beliebte Zeitschrift ihr Publikum andauernd zu fesseln versteht. Tie meisten der darin vorgeschlagenen originellen Arbeiten tragen der bevorstehenden Reisezeit Rechnung, und sind ihrer Beschaffenheit nach eigens dafür erdacht. Auch jedem nicht ausübenden Kunstliebhaber dürfte das Heft mit einigen reizvollen Plaudereien anregende Lektüre bieten, und ebenso der einleitende Aufsatz „Darmstädter Eindrücke" von Tr. Max Osborn um seines aktuellen Charakters willen besonderes Interesse erregen. Die jetzt allgemein angestrebte künstlerische Umgestaltung des Frauenkleides findet sowohl durch ein Vorbild im Heft selbst, wie auch durch ein Preis-Ausschreiben Berücksichtigung, welches in beteiligten Kreisen sicherlich großen Anklang finden wird. Gemeinnützige». Die Behandlung der Erdbeerbeete im Sommer. Der letzte Winter hat unserer Erdbeerkultur sehr arg zuoesetzt, weil der Frost viele Pslanz- ungen zerstört hat. In den Bierlanden bei Hamburg, die als das Eldorado der Erdbeerkulturen gelten, ist sogar fast alles dem Frost zum Opfer gefallen. Die Ursache ist aber nicht die Kälte des Winters allein, sondern auch mangelhafte Behandlung der Erdbeerpflanzung im Sommer. Sie wurden nicht rechtzeitig gedüngt, gelangten deshalb schwach in den Winter hinein. In Nr. 12 des „Erfurter Führers im Gartenbau" ist die Erdbeerzucht im Sommer ausführlich! beschrieben, auch werden dort die Bor- und Nachteile der Erdbeersorten erwähnt, welche zweimal im Jahre Früchte bringen. Wer sich dafür interessiert, der lasse srch drese Nummer aus Erfurt kommen. Sie wird unseren Abonnenten kostenfrei zugeschickt. Herstellung von Kirschweinessenzen. Zur Herstellung von Kirschweinessenzen eignet sich der Sauer- kirschsaft, welcher weinartig behandelt wurde, d. h. solcher, der nicht unmittelbar nach der Pressung durch Zusatz von Alkohol konserviert, sondern wie folgt behandelt wurde. Der Saft frischester Kirschen wird in stets vollgehaltenen, oben mit Gährspund verschlossenen Gebinden ohne Spiritus 14 Tage lang der oberen und unteren Gährung ausgesetzt, und wenn er keine Blasen mehr wirft (also die Gährung beendet ist), aus ein anderes Faß gefüllt — das ebenfalls spundvoll zu halten ist — und mit Zucker rm Verhältnis von 40 Liter Kirschsaft zu einem Zentner gemahlener Raffinade versetzt. Aus diesem wird die Kirschweinessenz in der Weise fabriziert, daß man aus 34 Liter Kirschfyrup wie oben angegeben, 400 Gramm Wemsäure, 40 Gramm Citronensäure, gelöst in 2 Liter heißen Wassers und 30 Liter Weinsprit, nimmt, in dem gelöst sind: 10 Gramm Macisöl, 4 Gramm Neroliöl, 20 Gramm Zimmetöl, 20 Gramm Nelkenöl, IQ Gramm giftfreies Bittermandelöl, 5 Gramm Gewürzöl. Wurnenpflege. Veredeln der Kakteen. Die meisten der in den Handelsgärtnereien gehaltenen Kakteen sind wilde, aus ihrem Vaterlande bezogene Pflanzen. Tie bei uns aus Samen herangezogenen Pflanzen wachsen zu langsam, es dauert zu lange, bevor sie zu Verkausspflanzen heran- wachfen. Einige Kaktusarten werden aber nur durch Veredlung, durch Pfropfen in den Spalt herangezogen, so besonders Epiphyllien aus Peireskien und Cereen. Dreses Veredeln kann das ganze Jahr stattfinden, am besten jedoch vom Frühjahr bis August und September. Es wird hierbei dem als Unterlage dienenden Kaktus der Kopf abge- fchnitten, darauf der Stamm gespalten und ein der Stärke der Unterlage entsprechendes Edelreis in den Spalt eingefügt. Tas Edelreis wird keilförmig, dem Spalte entsprechend, zugeschnitten, und damit es an der Unterlage hält, mit dem Dorn eines Kaktus, einer Rose oder eines Weißdorns befestigt. Nadeln, weil diese rosten, sind nicht zweckmäßig. Die Veredelungen sind bis zum Anwachsen feucht, warm und von der Lnft abgeschlossen zu halten; es dauert solches gegen vier Wochen. Beim Befeuchten dürfen die Veredlungsstellen aber nicht mit befeuchtet werden. Um das schlechte und mangelhafte Blühen gefüllter Begonien abzustellen, werden die Pflanzen, wenn sie in ihrer Entwickelung schon ziemlich weit vorgeschritten sind/ an der Spitze um drei Blätter pinziert. Tie neuen Triebe werden unter möglichster Schonung aller Knospen und Blüten noch einmal pinziert. Die nun sich bildenden Triebe entwickeln daraus eine große Anzahl Blüten, welche, was Größe und Schönheit anlangt, die früheren weit übertreffen. („Prakt. Wegw.", Würzburg.) Bilderrätsel. (Nachbildung verboten). Auflösung folgt in nächster Nummer. Auflösung des Zahlenrcitsels in voriger Nummer: Apfelsine, Pseil, Fell, Esel, Linsen, Saal, .Ilse, Napf, Elise. Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.